Exkursion in die Senne. Ein Bericht


Praktikumsbericht / -arbeit, 1998
5 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

Station 1: Vegetation der Senne

Station 2: Haustenbeck

Station 3: Augustdorf

Station 4 : Sandgrube Schlegel Station 5: Das Furlbachtal Station 6 : Binnendüne

Station 7 : Timmermeistermühle / -hof Station 8 : Fürchtebruch / Kaunitz LITERATUR

Station 1: Vegetation der Senne

Dieser erste von uns angefahrene Standort befindet sich ungefähr 1-1,5 km südwestlich vom Heidebahnhof. An dieser Station läßt sich die heutzutage für die Senne typische Vegetation erkennen. Es fällt sofort auf, daß hier die Kiefer bestandsbildend ist. Desweiteren findet man ausgedehnte Erikaheideflächen durchsetzt mit Büschen, jungen Birken sowie vereinzelten Kiefern, außerdem die Traubenkirsche, Lerchen, Birken, Eichen und Kastanien. Da an dieser Station Feuerschneisen angelegt wurden um dem Waldbrand durch Schießmanöver vorzubeugen, ließ sich auch besonders gut der Sandboden erkennen, welcher nur an der Oberfläche Humus aufweist. Diese soeben erwähnte Vegetation ist jedoch nicht die ursprüngliche Vegetation der Senne, diese war Wald, welcher zum größten Teil aus Birken und Eichen bestand. Um jedoch einen Nutzen für den Menschen aus der Senne zu ziehen, wurde Wald abgeholzt und als Nutzholz verbraucht und auf den entstandenen freien Flächen Heidekraut angepflanzt. Dieses Heidekraut wiederum diente als Nahrung für die Heidschnucke, welche vom Menschen gehalten wird. Um jedoch eine Übernutzung durch Heidekraut zu vermeiden, wurde die Kiefer angepflanzt, da sie sehr widerstandsfähig ist, und auf dem Sandboden schnell gedeiht. Da die Kiefer sich gegenüber anderen Bäumen durchsetzte prägte sie schnell das Bild der Senne. Außerdem wurde die Kiefer auch als Nutzholz für den Bergbau, den Möbelbau und die Papierherstellung verwendet und in Bad Lippspringe pflanzte man sie als Schutz vor heranwehendem Sand aus der Senne an. Aus diesen Punkten läßt sich folgern, daß das heutige Erscheinungsbild der Senne eine extreme Kulturlandschaft widerspiegelt. Ohne die Bearbeitung der Heideflächen durch den Menschen würde eine erneute Verwaldung der Senne einsetzen. Dieses wäre jedoch ein Umstand, welcher die jetzige Nutzung der Senne als Truppenübungsplatz beeinträchtigen würde.

Verlaufsprotokoll: Rechts am Weg konnten wir den Heidebahnhof erkennen, welcher 1935 im Fachwerkstil erbaut, zur Geländeauflockerung und als Bezugspunkt für das übende Militär diente. Desweiteren fuhren wir an der Winningmühle vorbei. Diese wurde 1896 als Signalstation erbaut und sie und der Vorplatz werden heute wie früher zur Abhaltung von militärischen Paraden verwendet.

Station 2: Haustenbeck

Die ehemalige Siedlung Haustenbeck befindet sich in der Mitte einer gedachten Achse zwischen den Gemeinden Augustdorf und Schlangen, sie wurde 1659 gegründet. Es erscheint auf den ersten Blick nicht einleuchtend eine Siedlung in der Mitte eines schwer nutzbar zu machenden Gebiets zu gründen, doch läßt sich dies daraus erklären, daß zu der damaligen Zeit die Senne nur von Bürgern Paderborns, Lippspringes oder anderen Grafschaften bzw. Bistümern und Orten genutzt wurde, die nicht zum Fürstentum Lippe gehörten. Daher gründete man auf Anordnung des Grafen zu Lippe am Haustenbach die Siedlung Haustenbeck um hier dem Gebietsanspruch durch Gewohnheitsrecht Anderer vorzubeugen, um das eigene Land zu sichern und an Grenzübergängen Zölle erheben zu können. An unserem Standort erkennen wir noch die Ruine der Schule sowie der Kirche Haustenbecks und die Überreste einiger Häuser. Dieser Umstand trat ein, da diese Siedlung 1939 aufgelöst wurde, da man zur Zeit den Truppenübungsplatz vergrößerte und Haustenbeck als Militärlager für unterschiedlichste Truppengattungen nutzte. 1941 verlegte man die Schießbahnen auf dem Truppenübungsplatz und somit standen auch die Gebäude zum Abschuß, also zum Zerfall frei. Als einzige noch erhaltene Geschichtszeugen stehen der Haustenbecker Turm, wird als Feuerwach- und Meldeturm verwendet, sowie ein Gefallenenfriedhof.

Verlaufsprotokoll: Von Haustenbeck fuhren wir über die " Ziegenstrecke" nach Augustdorf, wo wir nach 5 Kilometern ankame n. Auf dieser Strecke konnte man erkennen, daß die Senne zum Teutoburger Wald hin leicht ansteigt und im Allgemeinen wellig bis hügelig ist.

Station 3: Augustdorf

Die dritte Station befindet sich in der Sennerandgemeinde Augustdorf, wo wir am südlichen Ende der Haustenbecker Straße hielten. Hier sieht man einige Beispiele für Häuser die vor 1900 erbaut wurden, sowie Häuser die bis in die heutige Zeit hin entstanden sind. Vor allem die vor der Jahrhundertwende entstandenen Häuser weisen deutliche Merkmale zu ihrer zeitgeschichtlichen Einordnung auf. Diese sind die Verwendung von Bruchstein als Baumaterial, das Fehlen von Fensterstürzen, diese wurden durch eine runde Mauerung ersetzt, sowie das Vorhandensein von Stallungen, die entweder direkt an das eigentliche Haus gebaut sind oder im nahen Umfeld stehen. Diese alten Gebäude konnte man des öfteren an der Haustenbecker Straße erkennen.

Verlaufsprotokoll: Weiterfahrt durch die Gemeinde Augustdorf bis an den Ortsausgang Richtung Pivitsheide. Auf dem Parkplatz der Gfm Rommel Kaserne starteten wir mit dem Rad bis zu einer Sandkuhle. Auf diesem Weg fuhren wir am Dörenkrug vorbei, welcher 1775 als Kolonat gegründet, den Grundstein für die Entstehung Augustdorfs darstellt.

Station 4 : Sandgrube Schlegel

In dieser Sandgrube läßt sich besonders gut der typische Sennesand erkennen, welcher hier bis zu 20 Metern hoch anliegt. Bei Bohrungen in der Senne fand man an gewissen Stellen eine Sanddicke von bis zu 70 Metern. Diese Sandkuhle befindet sich ungefähr 1-2 Kilometer südwestlich von der Dörenschlucht, welche zur Eiszeit als Durchlaßstätte für die Gletscher diente. Dort wo wir uns befinden preßte das Eis wie erwähnt zum einen durch die Dörenschlucht und zum andern aus der Westfälischen Bucht um das westliche Ende des Teutoburger Waldes herum. Diesen Umständen ist es zu verdanken, daß man glaziale Ablagerungen, wie zum Beispiel End-, Grund- und Seitenmoränen findet, sowie Steine, welche in Skandinavien ihren Ursprung haben und die das Eis der Gletscher mit sich führte. An dieser Sandgrube ließ sich auch besonders gut ein Bodenprofil erkennen, welches als Zeichnung " Bodenhorizonte " beigefügt ist.

Verlaufsprotokoll: Nach dem Besuch der Sandgrube machten wir einen kurzen Abstecher in den nahegelegenen Wald, dort entdeckten wir ein Trockental. Trockentäler haben die Form von Muldentälern. Sie entstehen durch Solifluktion aus Kerbtälern. Unterhalb dieser Muldentäler befand sich eine ständig gefrorene Bodenschicht ( Permafrost ). Heute gibt es, wie der Name Trockentäler schon sagt, keinen Oberflächenabfluß mehr. Von hier aus ging es weiter Richtung Furlbachtal, welches am anderen Ende von Augustdorf beginnt.

Station 5: Das Furlbachtal

Unsere Route führt nun mehr durch einen Erlenbruchwald, welcher sich entlang des Wegrandes in einem schluchtartigen Kastental erstreckt. Dank des qualitativ hochwertigen Furlbachwassers war es möglich, einen Forellenteich am Weg entstehen zu lassen. Heute ist dieser Forellenteich stillgelegt worden, liegt demnach trocken. Das Furlbachtal finden wir in dem Teil der Senne, welcher zur Feuchtsenne zu zählen ist. Die weiteren hydrographischen Unterteilungskategorien der Senne sind die Trocken- sowie die Erosions -/ Quelltälersenne.Man erkennt eindeutig die Anhäufung von Bächen und Flußläufen, welche nahezu parallel in Ost- West- Richtung fließen, um letztendlich in die Ems zu münden. Diese zahlreichen Flußentstehungen lassen sich auf die recht hohen Niederschläge ( bis 900 mm pro Jahr ) zurückführen, welche durch Ansammlung in den Wasserführenden Schichten zur Bildung eines hangabwärts fließenden Grundwasserstroms führen. Dort wo der Grundwasserspiegel die nach Süden abfallende Oberfläche schneidet entspringt eine Quelle. Die stark ausgeprägten Sandschichten in der Senne sind die Grundlage für die Fernwasserversorgung der Städte Paderborn und Bielefeld. Bereits seit der Jahrhundertwende nutzen die genannten Städte den Standortvorteil des natürlichen Trinkwasserreservoirs. Um das Trinkwasser aus der Schicht der Vorschüttsande und von dort aus weiter zu befördern sind zahlreiche Brunnen angelegt worden. Blickt man auf die Grafik "Wassermenge und versorgte Einwohner im Wasserversorgungsbereich Bielefeld seit 1890", beobachtet man einen konstanten Anstieg der benötigten Wassermenge ( 1,5 Millionen Kubikmeter 1890 - 20 Millionen Kubikmeter 1988 ) sowie den ungleich kleineren Anstieg der Bevölkerung ( 1890: 40000 / 1988: 347000 Einwohner ). Da die vorhandenen natürlichen Trinkwasserreserven von Paderborn und Bielefeld in Anspruch genommen werden, zudem die landwirtschaftliche Bevölkerung der Senne einen gewissen Grundwasserans pruch hegt, kommt es häufig zu Raumnutzungskonflikten. Infolge des Grundwasserabpumpens singt der Grundwasserspiegel, was zum Teil zur Austrocknung von Hausbrunnen der Bauern führt und diese damit zur kostenaufwendigen Bewässerung seiner Flächen zwingt. Ausgangs des Erlenbruchwaldes findet man einen Granitfindling. Dieser Findling, welchen wir auch auf der Karte erkennen, ist heute ein Naturdenkmal. Hinter dem Findling erstreckt sich eine weite Grünfläche, ehemals landwirtschaftlich, heute durch den Golfsport genutzt. Verlaufsprotokoll: Mittagspause in der Fockelmühle

Station 6 : Binnendüne

Wir befinden uns in der Nähe des Hollywoodparks Stukenbrock und vor uns erblicken wir eine alte, heute nicht mehr genutzte Sandgrube. Unser Standort ist der Scheitelpunkt einer Binnendüne, welche aus sehr feinem Sand besteht. Zur Vermeidung der Abtragung durch Wind uns Wasser wurde hier mit Hilfe von Kiefern aufgeforstet. Am Fuß der Düne, in der alten Sandgrube, entdeckt man einen See, dessen Dasein darin begründet ist, daß er unterhalb des Grundwasserspiegels liegt. Dieser Standort wurde früher intensiv durch Ploggen und Forstwirtschaft genutzt.

Station 7 : Timmermeistermühle / -hof

Vor uns liegt ein sechs Meter tiefes Kastental, welches durch Graslandschaft geprägt ist. Am gegenüberliegenden Hang wachsen Kiefern. Am Fuße dieses Hangs fließt ein Bach, welcher künstlich verbreitert wurde, weiterhin entdeckt man auf unserer Seite des Tals einen künstlich angelegten Graben. Der Grundwasserspiegel in diesem Tal ist sehr Flach ( Oberflächennähe ), was bedeutet, daß hier keine Tiefenerosion stattfinden kann. Somit kann das Tal nicht weiter eingeschnitten werden. Bei all zu starkem Wasserzufluß unterliegen der Bach, sowie der angelegte Graben der Seitenerosion, welche Talverbreiterung nach sich zieht. Verlaufsprotokoll: Auf dem Weg zu unserer letzten Station fällt ein gewisser

Landschaftswechsel auf. Wir verlassen das Gebiet der Erosionstäler und erreichen die Feuchtsenne. In der Feuchtsenne herrschen siedlungsfreies Grünland und schwach besiedeltes Ackerland mit ab und zu auftauchenden Waldstücken vor. Da die Bodenqualität höchstens Mittelmaß aufweist, muß der Boden zunächst unter menschlichem Einfluß Düngung erfahren, um landwirtschaftlich nutzbar zu sein.

Station 8 : Fürchtebruch / Kaunitz

Am Fürchtebruch angelangt sehen wir einen Bachlauf, in dem Sandablagerungen zu beobachten sind, welche auf den gebremsten Wasserlauf ( Flußverbreiterung ) zurückzuführen sind. Durch menschlichen Eingriff wird hier der Bildung von Aufschüttungsebenen entgegengewirkt ( Dammbäche ). Abschließend bleibt zu erwähnen, daß der allgemeine Wasserspiegel von Augustdorf bis Kaunitz konstant abfällt. ( Ost > West- Richtung )

Literatur:

1. Truppenübungsplatz Senne; Uwe Piesczek; Paderborn 1992

2. Haustenbeck; Heimat-u. Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck; 1989

3. Lanchel, Colstidi, Astanholte; Heinz Wiemann; Schlangen 1969

4. Ausgeteilte Kopien

5. Zeitungsartikel " Besiedlung begann an der "Unteren Reihe""; Lippische Landeszeitung 24.07.1996

6. Internet Homepage Lippe-Online / Stadt und Land / Augustdorf

Copyright 1998 by Henning Schwarze

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Exkursion in die Senne. Ein Bericht
Autor
Jahr
1998
Seiten
5
Katalognummer
V96277
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Senne
Arbeit zitieren
Henning Schwarze (Autor), 1998, Exkursion in die Senne. Ein Bericht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96277

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