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Pierre Bourdieus Theoriewerk. Eine Einladung zu reflexiver (Erwachsenen-)Pädagogik

Titel: Pierre Bourdieus Theoriewerk. Eine Einladung zu reflexiver (Erwachsenen-)Pädagogik

Masterarbeit , 2018 , 111 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Nikolas Welte (Autor:in)

Pädagogik - Erwachsenenbildung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit greift ein altes, seit Kurzem wieder hoch aktuelles Thema der Pädagogik auf: Die soziale Selektivität von Bildung und Erziehung und die Möglichkeit der Herstellung von mehr Gleichheit der Lebenschancen durch Bildung. Insbesondere für die Erwachsenenbildung, die seit Langem mit Begriffen der „doppelten Selektivität“ bzw. der „Weiterbildungsschere“ zu kämpfen hat, stellt das Erreichen und die soziale Integration bildungsfernerer Zielgruppen weiterhin eine Herausforderung dar. Im Folgenden wird in den Vordergrund gestellt, dass die Ungleichheit der Lernenden eine ungleiche Pädagogik erfordert, wenn mehr Gleichheit das Ziel sein soll.

Der Titel „Pierre Bourdieu’s Theoriewerk. Eine Einladung zu reflexiver (Erwachsenen-)Pädagogik“ spiegelt dabei die zentralen Elemente wieder, die zur Auseinandersetzung mit dieser Problematik dienen. Mit Pierre Bourdieu widme ich mich einem selbsternannten Soziologen, der mit seinem gesamten Theoriewerk eine Methode der pädagogischen Aufklärung zur Verfügung gestellt hat. Eine Annäherung der Erwachsenenbildung an Bourdieus Werk findet durch die Betrachtung des Verhältnisses von Soziologie und Erwachsenenbildung als pädagogische Disziplin statt. Kapitel 2 widmet sich dieser neu aufgeflammten Debatte, die zu den einschlägigen wissenschaftsdisziplinären Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts gehört. Gerade die Wissenschaft der Erwachsenenbildung (als Teilbereich der Erziehungswissenschaften) ist vergleichsweise jung und in vielfältiger Weise auf Bezugswissenschaften wie die der Soziologie angewiesen. Durch die fortwährende inhaltliche Überschneidung von Pädagogik und Soziologie konnten sich explizite Wissenschaften etablieren, die als pädagogische Soziologie oder Bildungssoziologie Einzug in den wissenschaftlichen Diskurs gehalten haben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangspunkt: Soziale Selektivität im (Erwachsenen-)Bildungssystem

2. Zum Verhältnis von Soziologie und Erwachsenenbildung

2.1 Die Soziologie als Partialtheorie der Erwachsenenbildung

2.2 Konkretisierung in Sozialisationstheorie, Jugendforschung und Musikpädagogik

2.3 Pädagogische Soziologie vs. Bildungssoziologie

2.4 Konsequenzen für die Erwachsenenbildung

3. Zur Person Pierre Bourdieu

4. Das Theoriewerk Pierre Bourdieus

4.1 Praxeologischer Ansatz

4.2 Die Rahmenbedingungen der Habitusgenese

4.2.1 Kapital

4.2.2 Sozialer Raum

4.3 Habitus

4.3.1 Primäre Sozialisation durch Familie und Milieu

4.3.2 Klassenspezifischer Habitus

4.3.3 Sekundäre Sozialisation durch Bildungsinstitutionen

4.4 Veränderung der Reproduktionsstrategien der Eliten

4.5 Kulturelle Reproduktion der Eliten in Deutschland

4.6 Zwischenfazit

4.7 Die Rolle der Erwachsenenbildung zur Reproduktion sozialer Ungleichheit

4.7.1 Weiterbildungsquoten in Deutschland – AES-Trendbericht 2016

4.7.2 Fahrstuhleffekt in der Erwachsenen-/Weiterbildung

5. Überleitung - Das Habituskonzept im pädagogischen Diskurs

6. Habitustransformation

6.1 Zur Veränderbarkeit des Habitus

6.2 Lerngründe – Auslöser für Habitustransformationen

6.3 Ambivalenzen von Habitustransformationen

7. Zielgruppenplanung als Instrument zur Abwendung sozialer Ungleichheit

7.1 Zur Problematik des Zielgruppenbegriffs

7.2 Soziale Milieuforschung

7.2.1 Klassen, Schichten und Milieus in der Erwachsenenbildungsforschung

7.2.2 Soziale Milieus als Zielgruppen der Erwachsenenbildung

7.2.3 Zur Studie ‚Soziale Milieus und Weiterbildung in Deutschland’

7.2.4 Kritische Diskussion der milieubasierten Zielgruppenorientierung

8. Zur Notwendigkeit einer reflexiven Pädagogik

8.1 Habituelles Anerkennen sozialer Ungleichheit im Bildungssystem

8.2 Reflexive Pädagogik – pädagogische Reflexivität

8.2.1 Starke Bildungsstandards zur Abwendung sozialer Bildungsungleichheit

8.2.2 Habitussensibilität als professionelle Kompetenz

8.2.3 Exkurs: Bourdieus Kritik am legitimen Bildungsbegriff

8.2.4 Zur Umsetzbarkeit einer reflexiven Pädagogik

9. Zusammenfassung und Fazit

10. Forschungsdesiderate

11. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die soziale Selektivität im (Erwachsenen-)Bildungssystem auf Basis des Theoriewerks von Pierre Bourdieu zu analysieren und zu untersuchen, wie eine reflexive Pädagogik dazu beitragen kann, dieser Reproduktion sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Verhältnis von Habitus, Bildung und pädagogischem Handeln sowie die Potenziale einer zielgruppenorientierten und reflexiven Bildungsplanung.

  • Die Analyse der sozialen Selektivität von Bildung und Erziehung durch das Habituskonzept von Pierre Bourdieu.
  • Die Untersuchung der Schnittstellen zwischen soziologischer Theorie und pädagogischer Praxis in der Erwachsenenbildung.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der zielgruppenorientierten Planung in der Erwachsenenbildung unter Berücksichtigung sozialer Milieus.
  • Die Entwicklung von Ansätzen für eine reflexive Pädagogik zur Förderung von Chancengleichheit auf mikrodidaktischer Ebene.

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Kapital

Bourdieu legte in seinem Werk einen Fokus auf die Untersuchung der Reproduktionsmechanismen der Gesellschaft. Das Forschungsinteresse richtet sich insbesondere auf die Bedeutung des Bildungssystems für die Reproduktion von sozialer und ökonomischer Ungleichheit (vgl. TIPPELT/HIPPEL 2005, S.39). Ökonomie wird dabei von Bourdieu nicht im engen Verständnis der bürgerlichen Wirtschaftswissenschaften verstanden. Er erweitert den Ökonomiebegriff um den erweiterten Kapitalbegriff, der die verschiedenen Formen von Reichtum differenziert erfasst. Bourdieu unterscheidet Formen des Kapitals, die sich im Einzelnen aus folgenden Arten zusammensetzen (vgl. BURZAN 2011, S.125f.; HEIMANN 2009, S.62ff.; KOLLER 2012, S.30):

Das ökonomische Kapital fasst Geldvermögen und Eigentumsgegenstände zusammen, die relativ direkt in Geld konvertierbar sind.

Kulturelles Kapital differenziert Bourdieu in drei Ausprägungsformen: Es könne in inkorporierter, objektivierter und institutionalisierter Form auftreten (vgl. BOURDIEU 2001a, S.112ff.). Das inkorporierte Kulturkapital meint Bildung und Wissen, das sowohl in Bildungsinstitutionen als auch durch Erziehung in der Familie erworben wird. Der Erwerb dieses Kapitals erfordert (Lern-)Zeit, man kann es nicht kurzfristig kaufen oder verschenken. Die Umstände der ersten Aneignung prägen die Person in hohem Maße, z.B. ihre Sprechweise. Objektiviertes Kulturkapital hat die Form von kulturellen Gütern, die man besitzt, z.B. Bücher, Gemälde, Instrumente. Sie können auf andere übertragen werden, gewinnen aber nur dann an Bedeutung, wenn der Handelnde es sich aneignet und strategisch einsetzt. Er muss z.B. über ausreichend inkorporiertes Kapital verfügen, um ein Gemälde auch als wertvoll erkennen zu können. Institutionalisiertes Kulturkapital bezeichnet Bildungstitel. Der Inhaber hat ein Zeugnis kultureller Kompetenz mit einem relativ dauerhaften und rechtlich garantierten Wert, der Titel ist also institutionell anerkannt und sichert eine gewisse Übertragbarkeit in ökonomisches Kapital, die sich im Zeitverlauf allerdings ändern kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ausgangspunkt: Soziale Selektivität im (Erwachsenen-)Bildungssystem: Einführung in die Thematik der sozialen Selektivität in der Bildung und Begründung der Relevanz von Bourdieus Theoriewerk für die Erwachsenenbildung.

2. Zum Verhältnis von Soziologie und Erwachsenenbildung: Auseinandersetzung mit der fachlichen Debatte über die Bezugswissenschaften und das Verhältnis von soziologischer Theorie und pädagogischer Praxis.

3. Zur Person Pierre Bourdieu: Biografischer Überblick über den Theoretiker und Einordnung seines wissenschaftlichen Werks.

4. Das Theoriewerk Pierre Bourdieus: Detaillierte Darstellung der zentralen Begriffe Kapital, Sozialer Raum und Habitus sowie deren Bedeutung für die soziale Reproduktion.

5. Überleitung - Das Habituskonzept im pädagogischen Diskurs: Überleitung zur Frage, wie Lernprozesse und pädagogisches Handeln mit dem Habituskonzept verknüpft werden können.

6. Habitustransformation: Diskussion der Veränderbarkeit des Habitus, der Bedingungen für Habitustransformationen sowie deren Ambivalenzen.

7. Zielgruppenplanung als Instrument zur Abwendung sozialer Ungleichheit: Analyse der zielgruppenorientierten Planung in der Erwachsenenbildung unter Nutzung von Milieuforschung.

8. Zur Notwendigkeit einer reflexiven Pädagogik: Herleitung der Notwendigkeit für reflexive pädagogische Ansätze zur Verringerung von Bildungsungleichheit.

9. Zusammenfassung und Fazit: Rückblick auf die zentralen Ergebnisse der Arbeit und Bewertung des Nutzens von Bourdieus Konzepten für die pädagogische Praxis.

10. Forschungsdesiderate: Aufzeigen weiterführender Forschungsfragen und bestehender Lücken im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs.

11. Schlussbemerkung: Abschließende Einordnung der Bedeutung reflexiver Pädagogik als notwendige professionelle Kompetenz.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Habitus, Erwachsenenbildung, soziale Ungleichheit, soziale Milieus, Bildungssoziologie, Kapitalbegriff, pädagogische Reflexivität, Zielgruppenplanung, Habitustransformation, Chancengleichheit, Bildungsbarrieren, reflexive Pädagogik, soziale Reproduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Theoriewerk von Pierre Bourdieu genutzt werden kann, um soziale Selektivitätsmechanismen im Bildungssystem besser zu verstehen und durch eine reflexive Pädagogik der Reproduktion von Ungleichheit in der Erwachsenenbildung entgegenzuwirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Soziologie der Erwachsenenbildung, die Analyse sozialer Milieus, die Funktionsweise von Habitus und Kapital sowie die Entwicklung professioneller pädagogischer Reflexivität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den Mehrwert von Bourdieus Theoriewerk für die Praxis der Erwachsenenbildung herauszuarbeiten, um durch zielgruppenorientierte Planung und Reflexion mehr Chancengleichheit zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Primär- und Sekundärliteratur zu Pierre Bourdieu sowie eine Auswertung empirischer Studien zur Bildungsbeteiligung und Milieuforschung in Deutschland.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Grundbegriffe (Kapital, Habitus, Soziales Feld) erläutert, die Bedeutung für die Elitenreproduktion diskutiert, die Möglichkeiten von Habitustransformationen untersucht und die Anwendung der Milieuforschung in der zielgruppenorientierten Erwachsenenbildung kritisch geprüft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Bourdieu, Habitus, soziale Ungleichheit, Milieuforschung und reflexive Pädagogik.

Inwiefern ist das Habituskonzept für die Erwachsenenbildung relevant?

Es dient als Analyseinstrument, um zu verstehen, warum bildungsferne Schichten trotz formaler Chancengleichheit strukturelle Hürden erfahren und wie Bildungsangebote milieuspezifisch angepasst werden können.

Welche Rolle spielt die Milieuforschung für die Zielgruppenplanung?

Sie ermöglicht eine differenziertere Ansprache von Lernenden, indem sie über sozio-ökonomische Daten hinaus die lebensweltlichen Wertorientierungen und Einstellungen verschiedener Bevölkerungsgruppen berücksichtigt.

Warum ist die Umsetzung einer reflexiven Pädagogik so komplex?

Weil sie von Lehrkräften hohe Anforderungen an die Selbstreflexion und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und dem Bildungssystem erfordert, was unter den aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen institutionell oft wenig gestützt wird.

Ende der Leseprobe aus 111 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Pierre Bourdieus Theoriewerk. Eine Einladung zu reflexiver (Erwachsenen-)Pädagogik
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Nikolas Welte (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
111
Katalognummer
V963103
ISBN (eBook)
9783346313461
ISBN (Buch)
9783346313478
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwachsenenbildung Bourdieu Pädagogik soziologie reflexive vergleich pierre
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nikolas Welte (Autor:in), 2018, Pierre Bourdieus Theoriewerk. Eine Einladung zu reflexiver (Erwachsenen-)Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/963103
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Leseprobe aus  111  Seiten
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