Die Phänomene Lehren und Lernen sind aufeinander bezogen, das Lehren hat keinen selbstzwecklichen Charakter. Die Funktion des Lehrens besteht darin, den Lernprozess der Schüler anzuregen und zu leiten.
Der Mensch ist aufgrund seiner anthropologischen Gegebenheit darauf angewiesen, lernen zu müssen, um existieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition „Lernen“
2.1 Lernen in der Alltagssprache
2.2 Fachliterarischer Überblick
3. Lernformen
3.1 Lerntypologie
3.2 Gegenüberstellung von Lernformen
3.3 Sonderformen des Lernens
4. Lerntheorien
4.1 Behavioristische Lerntheorien
4.2 Kognitive Lerntheorien
4.3 Konstruktivistische Lerntheorien
5. Definition „Lehren“
5.1 Die Vielfalt des Lehrens
5.2 Fachliterarischer Überblick
6. Formen des Lehrens
6.1 Darbietendes Lehren
6.2 Erarbeitendes Lehren
6.3 Exemplarisches Lehren
6.4 Programmiertes Lehren
6.5 Fächerübergreifendes Lehren
7. Bestimmungsfaktoren des Lehrens
8. „Lernen und Lehren“ im Lehrplan der Grundschule Bayern
9. Klausuraufgaben
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist die fundierte theoretische Aufarbeitung und Gegenüberstellung der Phänomene „Lernen“ und „Lehren“ als grundlegende Prozesse pädagogischen Handelns. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie diese beiden wechselseitig aufeinander bezogenen Prozesse wissenschaftlich definiert, lerntheoretisch begründet und unterrichtlich gestaltet werden können.
- Phänomenologische und fachliterarische Definitionen von Lernen und Lehren.
- Differenzierung verschiedener Lernformen und Lerntheorien (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus).
- Systematische Analyse von Lehrformen und deren Einfluss auf den Lernerfolg.
- Umsetzung der didaktischen Prinzipien in den Lehrplan der Grundschule Bayern.
Auszug aus dem Buch
4.3 Konstruktivistische Lerntheorien
Konstruktivisten gehen nicht, wie Behavioristen, davon aus, dass Menschen nur von außen, sondern vielmehr in hohem Maße auch von Prozessen kontrolliert werden, die in und an ihnen selbst liegen. Die Psychologen, die sich von der Annahme eines aktiven Menschenbildes leiten lassen, sind konstruktivistisch orientiert. Einer ihrer bekanntesten Wegbereiter ist Jean Piaget.
Das Kind, so hat Piaget gelehrt, ist nicht einem Stück Papier vergleichbar, das passiv erduldet, wie es von seiner Umwelt beschrieben wird. Das Kind muss vielmehr als ein aktives Wesen gesehen werden. Was Piaget damit meint, lässt sich leicht durch einen kleinen Versuch veranschaulichen (Kuhn, 1992). Man zeigt Kindergarten Kinder einen Glaskrug, den man mit einer Flüssigkeit füllt und dann um 45 Grad nach vorne neigt. Man fordert den jungen Beobachter dann auf, die vorgegebene Zeichnung eines leeren Krugs so zu ergänzen, wie er die Flüssigkeit im Krug sehen würde. Die meisten Kinder werden die obere Grenze der Flüssigkeit parallel zum oberen Rand des Gefäßes zeichnen. Siehe Abbildung.
Man kann davon ausgehen, dass die meisten Kindergartenkinder bereits wiederholt beobachtet haben, wie aus einem Krug Flüssigkeit ausgeschenkt worden ist. Dabei haben sie niemals einen schräg gehaltenen Krug gesehen, in dem sich die obere Grenze der Flüssigkeitssäule wie in ihrer Zeichnung darstellt. Was die Kinder wiedergeben – so erläuterte Piaget - ist folglich nicht einfach ein Abbild vorausgegangener Erfahrungen, sondern das Ergebnis einer Erklärung des vorgefundenen vor dem Hintergrund ihres jeweiligen Vorwissens. Damit gilt für Piaget (1966), dass „Wissen nicht Abbild der Wirklichkeit“ ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die wechselseitige Beziehung der Phänomene Lehren und Lernen und verweist auf die anthropologische Notwendigkeit des Lernens.
2. Definition „Lernen“: Erläutert das Verständnis von Lernen sowohl im alltäglichen Sprachgebrauch als auch durch verschiedene fachwissenschaftliche Perspektiven.
3. Lernformen: Klassifiziert unterschiedliche Arten des Lernens anhand einer Lerntypologie sowie durch die Gegenüberstellung von natürlichen, schulischen, intentionalen und entdeckenden Lernprozessen.
4. Lerntheorien: Analysiert die theoretischen Fundamente des Lernens, unterteilt in behavioristische, kognitive und konstruktivistische Ansätze.
5. Definition „Lehren“: Untersucht den Begriff des Lehrens als absichtsvolles Verhalten zur Vermittlung von Erfahrungen und dessen zentrale didaktische Funktionen.
6. Formen des Lehrens: Stellt verschiedene methodische Gestaltungsarten wie das darbietende, erarbeitende, exemplarische und programmierte Lehren gegenüber.
7. Bestimmungsfaktoren des Lehrens: Benennt die zentralen Variablen, die den Lehrprozess unabhängig von der gewählten Methode beeinflussen.
8. „Lernen und Lehren“ im Lehrplan der Grundschule Bayern: Überträgt die theoretischen Grundlagen in den Kontext der konkreten schulpraktischen Anforderungen und Leitlinien.
9. Klausuraufgaben: Bietet praxisorientierte Fragestellungen zur Wiederholung und Vertiefung der erarbeiteten Inhalte.
Schlüsselwörter
Lernen, Lehren, Lerntheorien, Konstruktivismus, Behaviorismus, Kognitivismus, Unterrichtsgestaltung, Pädagogik, Didaktik, Lernformen, Wissenserwerb, Situated Cognition, Lehrplan, Sozialisation, Lernprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden pädagogischen Auseinandersetzung der Begriffe „Lernen“ und „Lehren“, deren wechselseitiger Abhängigkeit und den daraus resultierenden didaktischen Konsequenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Lern- und Lehrprozesse, der Einordnung in wissenschaftliche Lerntheorien sowie der methodischen Gestaltung von Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein systematisches Verständnis dafür zu schaffen, wie Lernen funktioniert und wie Lehren sinnvoll als Organisationshilfe für Lernprozesse fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung, die verschiedene Fachpositionen, wissenschaftliche Lexika und didaktische Fachliteratur miteinander vergleicht und strukturiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Lernen (Definitionen, Lernformen, Lerntheorien wie Behaviorismus und Konstruktivismus) und Lehren (Definitionen, Lehrformen, Bestimmungsfaktoren des Unterrichts).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Konstruktivismus, kognitives Lernen, Unterrichtsgestaltung, Didaktik und die methodische Vielfalt der Wissensvermittlung charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Konstruktivismus in dieser Arbeit?
Der Konstruktivismus wird als eine Theorie hervorgehoben, die Wissen nicht als Abbild der Realität, sondern als individuellen, aktiven Konstruktionsprozess versteht, was den Fokus in der Didaktik vom Lehren hin zum Lernenden verschiebt.
Wie unterscheidet sich „Lernen am Modell“ von anderen Lernformen?
Lernen am Modell nach Bandura basiert auf der Imitation beobachtbarer Verhaltensweisen von Vorbildern, was eine wichtige soziale Komponente im Lernprozess darstellt.
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- Sam Körber (Author), 2002, Lernen - Lehren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9632