Schizophrenie - Diagnostik und Genese


Skript, 2000

9 Seiten


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Schizophrenie

Diagnostik & Genese

Definition und Begriff im Wandel der Zeit

Unter dem Krankheitsbild der Schizophrenie werden wahrscheinlich verschiedene, ätiologisch heterogene Krankheiten zusammengefaßt, denen gemeinsam ist :

- genetische Übertragbarkeit
- hirnorganische Verursachung
- charakteristische inhaltliche Denkstörung, Störungen des Ich - Erlebens und Störung der Warnehmung in Verbindung mit Störungen von Kognition, Affektivität und Antrieb

Symptome nach Eugen Bleuler

Grundsymptome :

- assoziative Lockerung, Zerfahrenheit
- Affektverflachung, Parathymie
- Ambievalenz im Fühlen, Handeln, Wollen
- Autismus ( Lösung von der Wirklichkeit )
- Zusätzliche Störungen der Person ( Depersonalisation )

Akzessorische Symptome :

- Wahn
- Halluzinationen
- alle anderen Symptome, die nicht zu den Grundsymptomen gehören

Symptome nach Kurt Schneider

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der heute international übliche Schizophreniebegriff ist eine Mischung des bisher genannten.

Die Klinik der Schizophrenien zeigt, daß die Störungen in unterschiedlichsten Formen auftreten kann, und daß fast alle psychopathologischen Symptome, die auch bei anderen psychiatrischen Störungen auftreten, vorkommen können.

Nur ein kleiner Teil ist tatsächlich weitgehend charakteristisch.

Es besteht das Risiko, daß aus dem Vorliegen einzelner Symptome auf die Diagnose einer Schizophrenie geschlossen wird, also die Schizophrenie zu häufig diagnostiziert wird.

Gefordert sind daher typische Symptome über einen bestimmten Zeitraum.

Diagnostische Leitlinien der Schizophrenie nach ICD - 10

Mindestens ein eindeutiges Symptom ( oder 2, wenn weniger eindeutig ) der Gruppe A oder mindestens 2 Symptome der Gruppe B.

Gruppe A :

- Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankentzug, Gedankenausbreitung
- Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, deutlich bezogen auf Körper - oder Gliederbewegungen oder bestimmte Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwarnehmung
- kommentierende oder dialogische Stimmen, die über den Patienten Sprechen ( oft im Imperativ ), oder Stimmen, die aus einem Körperteil kommen ( meist Gedankenlautwerden )
- anhaltender, kulturell unangemessener und völlig unrealistischer Wahn, wie der, das Wetter zu kontrollieren oder mit Außerirdischen Kontakt zu haben

Gruppe B :

- anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität, täglich über Wochen und Monate auftretend, begleitet von flüchtigen oder undeutlich ausgebildeten Wahngedanken ohne deutliche affektive Beteiligung, oder begleitet von anhaltenden überwertigen Ideen
- Zerfahrenheit oder Danebenreden ( Neologismen, Gedankenabreißen, Faseln, Gleiten )
- katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotopien, Flexibilitas cerea, Negativismus, Mutismus, Stupor
- Negativsymptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, Affektverarmung, Affektverflachung oder inadäquate Affekte ( cave : Neuroleptika, affektive Störungen !!! )

Gruppe C :

- die Symptome sollten mindestens 4 Wochen die meiste Zeit bestehen, ansonsten Diagnose einer schizophreniformen Störung

Gruppe D :

- die Symptome können durch keine organische Erkrankung erklärt werden

Das Vorangegangene zeigt deutlich, daß die Schizophrenie keine homogene Erkrankung ist. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß eine Reihe von Subtypen besteht.

Paranoide Schizophrenie

- im Vordergrund stehen Halluzinationen, Störung des Ich - Erlebens und / oder Wahn
- Störungen von Affektivität, Verhalten, Antrieb, formalem Denken und Sprache meist nur im Hintergrund
- 80 % der chronischen Schizophrenien erfüllen zumindest einmal in ihrem Verlauf diese Kriterien

Hebephrenie

- affektive Veränderungen ( verflacht, subeuphorisch, parathym, situationsinadäquat, selbstversunken ), Auffälligkeiten des Verhaltens und des formalen Denkens im Vordergrund
- Konzentration und Leistungsfähigkeit gemindert
- Antrieb verarmt oder gesteigert ( Hyperaktivität )
- Ein deutlich zerfahrener Gedankengang herrscht die meiste Zeit vor
- Wahngedanken und Halluzinationen möglich

Katatone Schizophrenie

- psychomotorische Störungen, die zwischen den Extremen Erregungszustand und Stupor alternieren, im Vordergrund

- Haltungsstereotypen, Negativismus, Katalepsie

- Sonderformen :

- Perniziöse Katatonie :

- Katatonie, Hyperthermie ( über 40 °C )
- Rigor, Akinese
- oft tödlicher Ausgang

Undifferenzierte Schizophrenie

- Mischform

Zoenästhetische Schizophrenie

- leibliche Beeinflussungserlebnisse ( Zoenästhesien Grad I & II )

Schizophrenia simplex / schizotype Srörung

- Symptome ersten Ranges fehlen oft
- Affektverflachung, Antriebminderung, Denkverarmung
- Tendenz zum sozialen Rückzug
- Psychotische Episoden

Schizophrenes Residuum

- Wahn, Halluzinationen, Zerfahrenheit konnten sich im Verlauf der Erkrankung nicht zurückbilden ( chronisch produktive Schizophrenie )
- Konzentrations -, Denk -, Gedächtnisstörungen
- Leistungsinsuffizienz
- Affektverflachung
- Intoleranz gegen Streß

Akute schizophreniforme psychotische Störung

- gleiche Symptomatik wie bei der Schizophrenie nur kürzer

Epidemiologie

- ? & ? erkranken wahrscheinlich gleichhäufig, meist zwischen der Pubertät und dem 30. Lj..
- Schizophrene finden sich gehäuft in den unteren sozialen Schichten und leben häufiger in Großstädten ( cave : die Milieuhypothese ist epidemiologisch widerlegt )

Ätiologie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Genetische Faktoren

- erstgradige Verwandte : 10x höheres Risiko ( 10 - 20% )

- Kinder zweier schizophrener Eltern : 20 - 45%, Enkel : 3%

- Konkordanzraten für :

- Monozygote Zwillinge : 31 - 80%
- Dizygote Zwillinge : 5 - 30%

- Adoptierte mit erblich bedingtem erhöhten Risiko erkranken auch in gesunden Familien häufiger

- meist müssen viele Gene vererbt werden, nur bei wenigen Familien werden wahrscheinlich ein oder mehrere Hauptgene vererbt ( z.B. : kurzer Arm Chr. 6, 8, 9, 20; langer Arm Chr. : 22 )

Neurobiologische Faktoren

- strukturelle Abnormitäten ( post mortem, NMR ) :

- Vergrößerung der Ventrikel
- Verlust der grauen Substanz mit Atrophien
- Zellverminderungen
- abnorme Zellverbindungen
- meist im Hippocampus, Teilen des Temporallappens, limbisches System; seltener Frontallappen

- PET/SPECT

- häufige Hypoaktivität im Frontallappen ( kein spezifischer Befund ) vor allem im dorsolateralen praefrontalen Cortex ( abstraktes Denken, planvolles und zielgerichtetes Handeln ); auch Hyperaktivitäten möglich

- keine einzelnen Läsionen sondern Desorganisation und Dyskonnektion mehrerer Regionen ( meist : frontal - temperolimbisch oder frontotemporal )

- Neurobiochemie

- Dopamin - Hypothese

- regionale Hyperaktivität basierend auf einer primären Dopaminbahnrarefizierung
- meist D2 - Rezeptoren

- Glutamat - Hypothese

- Glutamatunterfunktion mit daraus resultierendem Dopaminüberschuß

- Serotonin & GABA - Hypothese

- wahrscheinlich keine wesentliche Bedeutung

Umwelteinflüsse

- vor Ausbruch einer Schizophrenie oft gravierende Veränderungen des Lebens ( Life - Events, Stressoren, etc. )
- Drogen
- soziale Isolation
- Frustration und Feindseligkeit der Eltern ( Kind als Stoßdämpfer )
- Kommunikationsstörungen ( Eltern hören Kindern nicht zu oder umgekehrt )

Quellen :

- Faust Psychiatrie 2. Auflage 1995
- Psychiatrie Systematisch 2. Auflage 1997
- Zimbardo Psychologie 6. Auflage 1995
- Birbaumer / Schidt Biologische Psychologie 3. Auflage 1996

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Details

Titel
Schizophrenie - Diagnostik und Genese
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V96333
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schizophrenie, Diagnostik, Genese
Arbeit zitieren
Achim Bittner (Autor), 2000, Schizophrenie - Diagnostik und Genese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96333

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