,Der gebildete Musiker wird an einer Raffaelschen Madonna mit gleichem Nutzen studieren können wie der Maler an einer Mozartschen Sinfonie. Noch mehr: dem Bildhauer wird jeder Schauspieler zur ruhigen Statue, diesem die Werke jenes zu lebendigen Gestalten; dem Maler wird das Gedicht zum Bild, der Musiker setzt die Gemälde in Töne um.`1
Schumanns Glauben an ein gegenseitiges kreatives Befruchten der verschiedenen Kunstformen untereinander passt durchaus in unser traditionelles Bild der Romantik, in welchem immer wieder von der Verschmelzung der Künste als Ausdruck größtmöglichem künstlerischen Genies die Rede ist. Gerade Dichtung und Musik scheinen Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts eine besonders symbiotische Bindung einzugehen. Einerseits findet Musik einmal primär in den Gedichten, Romanen und Novellen Eichendorffs, Brentanos, Novalis oder Tiecks statt, indem keine Gelegenheit ausgelassen wird, die singenden Dichterprotagonisten zur Gitarre, Laute oder Violine greifen zu lassen2 um ihren Gefühlsmomenten entsprechenden Ausdruck zu verleihen. Andererseits scheint es den Romantikern auf einer zweiten Ebene aber gerade auch um eine Musikalität der Sprache und Dichtung an sich zu gehen, also um die Findung einer Sprache, in welcher das Musikalische schon impliziert ist.
So mag es wenig verwundern, dass in einer positiven Besprechung Heines Buches der Lieder durch Varnhagen von Ense dann auch von der ,süßen Melodie der Sprache` die Rede ist und der Rezensent schließlich befindet: ,Dieser Zauber der Sprache macht, dass manches Lied schon in Musik gesetzt scheint, weil es unendliche Musik in dem Leser aufregt.`3
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Mit Myrthen und Rosen
- III. Die alten bösen Lieder
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vertonungen von Heinrich Heines Gedichten durch Robert Schumann. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf das Wechselspiel von Musik und Text und betrachtet die Interaktion zwischen Dichter, Gedicht und Musiker.
- Die Symbiose von Musik und Dichtung in der Romantik
- Heines Gedicht „Mit Myrthen und Rosen“ als poetologische Reflexion
- Schumanns Vertonung von Heines Gedichten als Interpretation des Textes
- Das Spannungsverhältnis zwischen Dichter und Musiker
- Die Rolle des Rezipienten in der Interpretation von Liedern
Zusammenfassung der Kapitel
- I. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den Hintergrund der Zusammenarbeit von Musik und Dichtung in der Romantik. Es wird die enge Verbindung zwischen den beiden Kunstformen im 18. und 19. Jahrhundert und die besondere Bedeutung der Musikalität in der Sprache der Romantik hervorgehoben.
- II. Mit Myrthen und Rosen: Dieses Kapitel analysiert Heines Gedicht „Mit Myrthen und Rosen" in Bezug auf seine poetologischen Aspekte. Es werden die Metaphorik, die Sprachbilder und die narrative Struktur des Gedichts untersucht. Die Analyse beleuchtet die Gedanken des lyrischen Ichs über den Prozess des Dichtens und das Verhältnis zwischen Dichtung und Musik.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Schlüsselbegriffe der Romantik, der Intermedialität, der poetologischen Reflexion, der Textinterpretation und der Musikästhetik. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Analyse von Heines „Buch der Lieder“ und Schumanns „Liederkreis op. 24" gelegt.
Häufig gestellte Fragen
Wie hängen Musik und Dichtung in der Romantik zusammen?
In der Romantik galt die Verschmelzung der Künste als Ideal. Dichtung wurde oft als "sprachliche Musik" verstanden, und Komponisten wie Schumann suchten in der Literatur nach Inspiration, um Gefühle in Töne zu übersetzen.
Was ist das Besondere an Schumanns Vertonung von Heine?
Schumann betrachtete die Vertonung nicht als bloße Untermalung, sondern als eigenständige Interpretation des Textes. Seine Musik reflektiert oft die Ironie und die tiefen emotionalen Abgründe in Heines Lyrik.
Worum geht es in Heines Gedicht "Mit Myrthen und Rosen"?
Das Gedicht ist eine poetologische Reflexion. Das lyrische Ich thematisiert den Prozess des Dichtens, das Festhalten von vergangenem Schmerz und die Hoffnung, dass die Lieder (die "toten" Gefühle) durch den Leser wieder zum Leben erweckt werden.
Was versteht man unter der "Musikalität der Sprache" bei Heine?
Heines Verse im "Buch der Lieder" sind so rhythmisch und klangvoll gestaltet, dass Zeitgenossen wie Varnhagen von Ense befanden, die Lieder schienen bereits beim Lesen in Musik gesetzt zu sein.
Welche Rolle spielt der "Liederkreis op. 24" in Schumanns Werk?
Dieser Zyklus basiert vollständig auf Texten von Heine und markiert einen Höhepunkt in Schumanns Schaffen, in dem er die symbiotische Bindung zwischen Wort und Ton perfektionierte.
Was thematisieren "Die alten bösen Lieder"?
Es ist das Abschlussgedicht der "Dichterliebe". Es beschreibt den Wunsch, die alten Leiden und Liebesqualen in einem riesigen Sarg im Meer zu versenken – ein Bild für den Abschluss eines schmerzhaften künstlerischen Prozesses.
- Arbeit zitieren
- Martin Stepanek (Autor:in), 2001, Heine - Schumann: ein interdisziplinärer Arbeitsbericht zu: Mit Myrten und Rosen und Die alten bösen Lieder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9635