Die Krise der Erwerbsarbeit und ihre Verlierer


Seminararbeit, 1999

33 Seiten


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INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Krise der Erwerbsarbeit
2.1 Indikatoren der Krise
2.2 Ursachen der Krise

3. Der Prozeß der Segmentierung der Erwerbsarbeitsgesellschaft
3.1 Die Segmentierung in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose
3.2 Die Segmentierung zwischen Arbeitsplatzbesitzern

4. Die ,,Verlierer"
4.1 Präzisierung des Begriffs
4.2 Erwerbsarbeitnehmer in mindergeschützten Beschäftigungsverhältnissen
4.2.1 Mindergeschützte Beschäftigungsverhältnisse
4.2.2 Risiken und Chancen für mindergeschützte Beschäftigte
4.3 Erwerbsarbeitslose
4.3.1 Strukturierung der Erwerbsarbeitslosigkeit
4.3.2 Folgen
4.3.2.1 Folgen für die Betroffenen
4.3.2.2 Folgen für die Gesellschaft

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ausgangspunkte der vorliegenden Hausarbeit waren die Teilnahme an der Präsenzveranstaltung ,,Soziologie der Arbeit. Eine Einführung in Grundlegungen, Themen und Perspektiven" im Juni 1996 in Ossiach und das Studium des Kurses ,,Industrielle Arbeit im Umbruch". Der dort unter anderem vorgestellte Ansatz der ,,Neuen Produktionskonzepte" von Kern/Schumann fand mein Interesse. Während des Einlesens in die Thematik stieß ich auf einen Artikel, in dem von Schumann u.a. eine Hinwendung der Arbeitssoziologie zu den ,,Verlierern" eingemahnt wird. ,,Im Unterschied zu den 80er Jahren gilt es..., verstärkt, neben den `Gewinnern' die wachsenden `Verlierergruppen' zu identifizieren".1

Davon angeregt, lautet die Fragestellung der Hausarbeit: Welche Gruppen von Erwerbsarbeitnehmer geraten in der aktuellen Krise der Erwerbsarbeit auf die ,,Verliererseite" und welche Prozesse sind dafür verantwortlich?

Ziel soll sein, die ,,Verlierer" und ihre Situation zu analysieren und Antworten auf die Fragen nach der Struktur dieser Gruppe und nach den Folgen für die Betroffenen zu erhalten. Die Hausarbeit gliedert sich in drei Teile.

- Im ersten Teil wird die Krise der Erwerbsarbeit anhand ihrer markanten Indikatoren dargestellt und nach den Ursachen gefragt.
- Der zweite Teil versucht, den Segmentierungsprozeß, den die Krise bzw. die Versuche der Krisenbewältigung auslösen, nachzuzeichnen und die ,,Gewinner" und ,,Verlierer" deutlich zu machen.
- Im dritten Teil, dem Hauptteil der Hausarbeit, geht es um die ,,Verlierergruppen".

Abgrenzungskriterium ist die Art der Integration in den Arbeitsmarkt. Die Gruppen der mindergeschützten Beschäftigten und der Erwerbslosen werden nach strukturellen Merkmalen beschrieben. Außerdem wird den Folgen für Betroffene wie Gesellschaft nachgegangen. Die zahlreichen vorgeschlagenen Strategien zur Lösung oder Abfederung der mit der Krise der Erwerbsarbeit verbundenen Segmentation sind nicht mehr Bestandteil der Hausarbeit. Abschließend ein terminologischer Hinweis: Im Interesse der sprachlichen ,,Flüssigkeit" des Textes wurde ,,Arbeit" nicht konsequent durch das sachlich korrekte ,,Erwerbsarbeit" ersetzt. In Worten wie ,,Arbeitslosigkeit", ,,Arbeitsplatz", ,,Arbeitnehmer", ,,Arbeitsverhältnis"... ist ,,Arbeit" immer im Sinn von ,,Erwerbsarbeit" gemeint.

2. Die Krise der Erwerbsarbeit

Unter Erwerbs- bzw. Lohnarbeit wird im folgenden jene Arbeitsform der Industriegesellschaft verstanden, die unter vertraglichen Bedingungen, zu denen auch eine materielle Entlohnung gehört, stattfindet.2 Diese historische Form der Arbeit befindet sich in einer Krise, d.h. in einem starken Veränderungsprozeß, dessen Ausgang noch nicht genau zu erkennen ist.

2.1 Indikatoren der Krise

In diesem Abschnitt werden einige Indikatoren ohne Anspruch auf Vollständigkeit angeführt, an denen das Krisenhafte der traditionellen Erwerbsarbeit deutlich wird.

In den Titeln jüngerer Publikationen zum Thema ,,Erwerbsarbeit" liest man teilweise drastische Formulierungen, die ein entsprechendes Krisenbewußtsein anzeigen. Vier Titel seien als Beispiele genannt: ,,Wenn uns die Arbeit ausgeht"3, ,,Habe ich morgen noch einen Job?"4, ,,Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit"5 und ,,Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft"6. In der Wirtschaftsberichterstattung nehmen die Veränderungen der Arbeitswelt mittlerweile einen breiten Raum ein.7 Nicht mehr nur das Kapital steht im Zentrum des Interesses.

Vor allem die Massenarbeitslosigkeit gibt Anlaß zur Besorgnis. ,,Seit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre war die Arbeitslosigkeit nicht mehr so hoch wie heute."8 In allen Sektoren der Wirtschaft ist ein Rückgang der Beschäftigten festzustellen. Im primären Sektor nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und der dort Arbeitenden kontinuierlich ab und wird es nach allen Prognosen auch weiterhin tun. Im sekundären Sektor, der Industrie, steigt wie in der Landwirtschaft die Produktivität bei abnehmender Beschäftigtenzahl. Der tertiäre Sektor konnte lange Zeit den Verlust von Arbeitsplätzen in den anderen Sektoren mildern. Mittlerweile gehen auch im Dienstleistungsbereich, etwa im Bankwesen, bei den Versicherungen oder im öffentlichen Dienst Arbeitsplätze verloren.

Die Arbeitslosigkeit der Gegenwart läßt sich nicht mehr konjunkturell erklären. Wirtschaftlicher Aufschwung und wachsende Produktivität gehen mit konstant hohen oder steigenden Arbeitslosenraten einher. Unternehmen vergrößern ihren Umsatz und bauen gleichzeitig Personal ab. ,,Aufschwung ohne Arbeitsplätze"9 oder ,,jobless growth" sind die entsprechenden Begriffe.

Aber es gehen nicht nur Arbeitsplätze in großer Zahl verloren. Verbleibende oder neu entstehende Arbeitsplätze erfahren teilweise folgenreiche Umgestaltungen, was ihre vertraglichen Bedingungen betrifft. Dieser Sachverhalt wird mit der Formulierung ,,Erosion des Normalarbeitsverhältnisses" beschrieben. Unter dem ,,Normalarbeitsverhältnis" versteht man den der herrschenden Sozialordnung zugrundeliegenden Idealtyp von Arbeitsverhältnis, nämlich ,,ein dauerhaftes und kontinuierliches, in mittel- oder großbetrieblichen Zusammenhang eingebundenes Vollzeitarbeitsverhältnis."10 Von diesem Idealtypus abweichende atypische Beschäftigungsformen nehmen zu. Es kommt zu einer Ausfransung des standardisierten Vollbeschäftigungssystems. ,,Flexible, plurale Formen der Unterbeschäftigung breiten sich aus."11 Arten und Konsequenzen atypischer Arbeitsverhältnisse sind Inhalt des Abschnittes 4.2.

Auch in den Biographien der Arbeitsplatzinhaber greifen Veränderungen. Ließen sich Erwerbsarbeit und Beruf bisher als ,,Achse der Lebensführung"12 beschreiben, gibt es Anzeichen, daß die Erwerbsarbeit ihre zentrale Bedeutung verliert, nicht nur in quantitativer Hinsicht. Guggenberger spricht von ,,der nachlassenden Arbeitszentralität"13. Der Bereich der Erwerbsarbeit und das Privatleben werden nicht mehr strikt getrennt. Subjektive und kommunikative Ansprüche aus dem privaten Bereich werden verstärkt auch in der Erwerbsarbeit eingefordert. Der Anteil der Erwerbsarbeit an der Gesamtlebenszeit hat im 20. Jahrhundert stetig abgenommen und liegt heute im Schnitt nur noch bei acht bis zehn Prozent.14

Zusammenfassend ist festzuhalten: Der tradierte Begriff der Erwerbsarbeit ist großen Veränderungen unterworfen. In der Erwerbsarbeitsgesellschaft werden mit wachsender Beschleunigung Arbeitsplätze knapp. Allein in Österreich gibt es 1996 ein offizielles Defizit von einer Viertelmillion Arbeitsplätzen.15 Verbleibende oder neue Arbeitsplätze weisen häufig andere vertragliche Formen auf. Das ,,Normalarbeitsverhältnis" ist auf dem Weg, ein Privileg zu werden.

2.2 Ursachen der Krise

Nicht die Arbeitsgesellschaft als ganze ist in der Krise, wohl aber die historische Form der Erwerbs- oder Lohnarbeit. Diese Krise ist die Folge einer vielschichtigen und widersprüchlichen Entwicklung, in der verschiedene Faktoren zusammenwirken. Einige sollen kurz angeführt werden.

Hauptindikator der Krise ist das Faktum, daß Erwerbsarbeitsplätze knapp werden. Dies ist das Ergebnis globaler struktureller Veränderungen. Die einzelnen Volkswirtschaften haben ihre Selbständigkeit eingebüßt, die Wirtschaft und ihre Märkte agieren global. Der ,,Trend zur Internationalisierung"16 bringt weltweite Konkurrenz und als eine Reaktion eine ,,weltweite Entgrenzung der Arbeitsmärkte"17. Arbeitsplätze im personalintensiven Bereich beispielsweise werden dorthin verlagert, wo die Reproduktionskosten für die Arbeitskraft niedrig sind. Strukturelle Arbeitslosigkeit in den klassischen Industrieländern ist die Folge.

Der Druck der globalen Konkurrenz war und ist eine Ursache für den Siegeszug der Neuen Technologien auf dem Gebiet der Information und Kommunikation. Die ,,Perfektionierung der Mikroelektronik"18, oft als ,,Dritte Industrielle Revolution"19 bezeichnet, führte im Produktionsbereich seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre zu einem massiven Automatisierungsschub.20 Eine Folge ist, daß Arbeitnehmer verstärkt freigesetzt und Arbeitsuchende kaum mehr eingestellt werden. Denn schließlich ersetzt ein Roboter im Schnitt vier menschliche Arbeitskräfte und amortisiert sich innerhalb kurzer Zeit.21 Auch der Dienstleistungsbereich wird zusehends automatisiert. Elektronisches Einkaufen oder Formen des Telebanking sind dabei, bisher bezahlte Dienstleistungsarbeit in unbezahlte Konsumentenarbeit zu verwandeln. Guggenberger beschreibt den Zusammenhang zwischen den Neuen Technologien und der Arbeitslosigkeit pointiert folgendermaßen:

Technologieinduzierte Arbeitslosigkeit ist in einer entwickelten Produktionsgesellschaft ein Leistungsausweis, kein Indikator des Versagens. Wir haben Arbeitslosigkeit, weil zuvor viele konsequent und erfolgreich gearbeitet haben.22

Die Konkurrenz am Weltmarkt und die Möglichkeiten der Neuen Technologien führten in den Betrieben zuerst des sekundären Sektors zu Rationalisierungen, d.h. zu Bestrebungen, ein besseres Verhältnis von Kosten und Ertrag zu realisieren. Um dies zu erreichen, wurden neben traditionellen Methoden zunehmend neue Strategien angewandt. Es kam seit Anfang der 80er Jahre zu ,,einem grundlegenden Umbruch betrieblicher Rationalisierung", der als ,,eine in vielen Bereichen höchst zähflüssige, weit verästelte, auch gegenläufige Entwicklung"23 beschrieben wird. Das Neue an den Rationalisierungsstrategien wurde in der Arbeitssoziologie unter den Begriffen ,,Neuer Rationalisierungstyp" und ,,Neue Produktionskonzepte" analysiert.

Der ,,Neue Rationalisierungstyp"24 ist durch eine umfassende Perspektive gekennzeichnet. Es geht nicht mehr um Rationalisierung in der Perspektive einzelner Bearbeitungsvorgänge, sondern in der Perspektive des gesamten betrieblichen Ablaufs (,,systemische Rationalisierung"). Weiters werden zwischenbetriebliche Zusammenhänge berücksichtigt. Den Neuen Technologien kommt dabei die Rolle des zentralen Rationalisierungsinstrumentes zu.

Der Ansatz der ,,Neuen Produktionskonzepte"25 sieht als entscheidende Rationalisierungsmaßnahme eine ,,Neuorientierung bei der Nutzung der verbleibenden Arbeitskräfte".26 Arbeit wird nicht mehr als potentieller Störfaktor gesehen, sondern als Produktivkraft, die es neu zu nutzen gilt, v.a. durch Requalifizierung und Reprofessionalisierung durch einen ganzheitlicheren Aufgabenzuschnitt. In diesem Zusammenhang ist pointiert vom Ende der tayloristischen Arbeitsteilung die Rede.

Beide analytischen Begriffe - ,,Neuer Rationalisierungstyp" und ,,Neue Produktionskonzepte" - machen in ihrer Zusammenschau deutlich, daß das Hauptkennzeichen der neuen betrieblichen Rationalisierung die übergreifende Perspektive ist. Alle Bereiche und Funktionen in den Betrieben werden berücksichtigt, Technik, Organisation und Arbeitseinsatz immer systematischer aufeinander bezogen.27

Der zunehmende betriebliche und zwischenbetriebliche Integrationsprozeß bietet Chancen und Risiken, denen im nächsten Abschnitt nachgegangen wird. Für diesen Punkt der Argumentation ist der Zusammenhang zwischen den neuen Rationalisierungsstrategien und der zunehmenden Knappheit von Arbeitsplätzen wichtig. Einerseits war und ist die Tatsache der hohen Arbeitslosigkeit ein ,,Geburtshelfer"28 neuer Rationalisierungsbemühungen. Um Arbeitsplätze zu sichern oder neu schaffen zu können, beschreiten Betriebe den Weg der Modernisierung. Andererseits ,,enthält Rationalisierung immer den Virus der Vernichtung von Arbeitsplätzen".29 Als Beispiel soll das ,,Reengineering", d.h. die Umstrukturierung von Betrieben dienen. Neue Managementtechniken, neue Organisationsformen und neue Technologien werden dabei aufeinander abgestimmt.

Traditionelle Managementhierarchien werden eingeebnet, Aufgaben werden zusammengefaßt, Teamarbeit wird eingeführt, die Angestellten werden besser ausgebildet, um sie breiter einsetzen zu können. Herstellung und Vertrieb werden beschleunigt und vereinfacht, die Verwaltung wird entschlackt.30

Etwa 40 Prozent der Arbeitsplätze gehen dadurch nach Rifkin verloren. Kompensation ist keine in Sicht.

Der Traum oder Alptraum von der Fabrik ohne Menschen ist zwar für die nächste Zukunft ausgeträumt. Lebendige Arbeit, d.h. menschliches Arbeitsvermögen, wird seine Bedeutung beibehalten, trotz Automatisierung. Aber niemand kann darüber hinwegsehen, daß eine Folge der genannten Entwicklungen eine zunehmende Segmentierung des Arbeitsmarktes ist.

3. Der Prozeß der Segmentierung der Erwerbsarbeitsgesellschaft

Die Erwerbsarbeit ist in Erwerbsarbeitsgesellschaften so etwas wie der ,,strukturelle `Bindekitt'"31. Sie ist eine wesentliche Form der Vergesellschaftung und gleichzeitig zentrales Zuteilungsinstrument von Lebenschancen. Erfährt die Erwerbsarbeit Veränderungen oder gerät sie in die Krise, wirkt das auf die Gesellschaft als ganze zurück. Eine soziale Rückwirkung der Krise ist ein Segmentierungsprozeß des Arbeitsmarktes. Mit ,,Segmentierung" wird in diesem Zusammenhang die Aufspaltung der Menschen am Arbeitsmarkt in Gruppen mit strukturell unterschiedlichen Lebenschancen und -risiken bezeichnet. Kern/Schumann machen die gesellschaftliche Brisanz dieser Entwicklung deutlich, wenn sie ,,von der Segmentierung als einer neuen Variante der Polarisierung"32 sprechen.

Die widersprüchlichen Auswirkungen der neuen betrieblichen Rationalisierungsmaßnahmen lassen zwei Dimensionen erkennen, einerseits die Dimension der Vernichtung von Arbeitsplätzen, andererseits die Dimension der Veränderung von Arbeitsinhalt und - gestaltung. Beide haben gesellschaftliche Folgen. Dementsprechend wird sich die Darstellung des Segmentierungsprozesses auf zwei Entwicklungen beziehen, auf die Segmentierung in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose und auf die Segmentierung zwischen Gruppen von Arbeitsplatzbesitzern.

3.1 Die Segmentierung in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose

Die Modernisierung der industriellen Produktion bringt gleichzeitig Vernichtung und Aufwertung von Arbeit. Rifkin führt als Beispiel die Einführung von Miniwalzwerken in der amerikanischen Stahlindustrie an.

Die wenigen Arbeitskräfte in diesen Werken sind hochqualifiziert und in Chemie, Metallurgie und Informatik ausgebildet. Dank der computerisierten Abläufe wird für eine solche Anlage nur ein Zwölftel der Arbeitskräfte gebraucht, die für die großen integrierten Walzwerke alten Typs nötig waren.33

Der Aufwertung der Arbeit der einen steht die Vernichtung der Arbeit der anderen gegenüber. Die Rationalisierungslasten und damit auch die Arbeitsmarktrisiken sind sehr unterschiedlich verteilt.

Während ein Teil der Arbeitnehmer (und zwar immer noch der weitaus größere) relativ sichere Arbeitsplätze innehat, ist der andere Teil (und das ist eine inzwischen freilich schon sehr große Minderheit) in besonderem Maße der Gefahr ausgesetzt, nicht nur arbeitslos zu werden (,,Zugangsrisiko"), sondern es auch zu bleiben (,,Verbleibsrisiko").34

Die Neuorganisation der Arbeit bringt zusätzliche bzw. verschärfte Ausschließungseffekte.

Werden Arbeitsplätze in den industriellen Kernsektoren neu organisiert und aufgewertet, sind sie in den industriellen Krisensektoren bedroht. Außerdem sind von wirtschaftlich gesunden Betrieben der Kernsektoren nur wenig offensive Arbeitsmarkteffekte zu erwarten.

Arbeitsuchende werden selten eingestellt, die Barrieren für Arbeitslose werden, wie zu befürchten ist, höher. Arbeitslosigkeit kann in diesem Zusammenhang ,,den Charakter einer negativen Karriere"35 annehmen, d.h., es kommt zu kumulativer Arbeitslosigkeit, weil es den Betroffenen aufgrund mangelnder Qualifikation oder persönlicher Merkmale nicht gelingt, einen Arbeitsplatz in den modernisierten Kernsektoren zu erhalten.

Diese Entwicklung ist mittlerweile übersektoral, nicht mehr auf den Produktionsbereich beschränkt.

3.2 Die Segmentierung zwischen Arbeitsplatzbesitzern

Der Segmentierungsprozeß beschränkt sich nicht auf die Demarkationslinie zwischen Menschen, die einer Erwerbsarbeit nachgehen oder dies unfreiwillig nicht können. Auch innerhalb des Bereiches der Erwerbsarbeit sind Auseinanderentwicklungen beobachtbar, sowohl was Arbeitsinhalt und -gestaltung als auch den vertraglichen Rahmen der Erwerbsarbeit betrifft.

Zuerst soll dem Aspekt des Inhaltes und der Gestaltung der Erwerbsarbeit nachgegangen werden. Die Veränderungen im Gefolge der neuen ökonomischen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten und Strategien bringen Risiken und Chancen. Kern/Schumann sprechen von Rationalisierungsgewinnern, -duldern, -verlierern und Arbeitslosen.36 Die Gewinner sind in den industriellen Kernsektoren (z.B. der Automobilindustrie) dort zu finden, wo menschliche Arbeitskraft neu genützt, bewertet und durch einen ganzheitlicheren Aufgabenzuschnitt mit neuen Inhalten angereichert wird. Ein Teil der Erwerbsarbeit bekommt ein neues Qualifikationsprofil. Der neue Produktionsfacharbeiter ist nicht nur Überwacher integrierter technischer Systeme, sondern hochqualifizierter Instandhaltungsspezialist mit entsprechend aufgewerteter Kompetenz vor Ort. Schumann nennt diesen Arbeiter neuen Typs ,,Systemregulierer".37

Der Systemregulierer erhielt nicht nur die Zuständigkeit für das An- und Abfahren sowie die Überwachung und Regulierung eines komplexen Anlagensystems, sondern auch für Teile der Anlagen-Instandhaltung, der Sicherung der Qualität des erzeugten Produkts sowie der Vorbereitung der eigenen Arbeit.38

In der hochautomatisierten Fertigung ist das menschliche Arbeitsvermögen nicht, wie oft vorhergesagt, bedeutungslos. Die Arbeit des Systemregulierers ist fachlich anspruchsvoll und qualifikatorisch aufgewertet. Sie weist Möglichkeiten der individuellen wie kollektiven Selbstgestaltung auf. ,,Die privilegierte Arbeitssituation des Systemregulierers"39 schlägt sich in der Selbstwahrnehmung der Angehörigen dieser Gruppe nieder, die sich zu den Gewinnern der Veränderungen der Erwerbsarbeit sehen.40 Auf der anderen Seite stehen die Verlierer, auch in den Kernsektoren der Industrie, vor allem aber in ihren Krisensektoren. Arbeitsplätze mit geringen und hohen Qualifikationsanforderungen treten einander verstärkt gegenüber. Eine Minderheit der Arbeiter wird ständig qualifizierter und erfährt als ,,Allround- Könner"41 oder ,,Gewährleistungsarbeiter"42 eine Aufwertung von Status und Identität. Die Arbeitenden im ,,Jedermannsbereich"43, vor allem in der Norm- und Massenproduktion, die Inhaber von ,,Routinearbeitsplätzen"44, sind auf der Verliererseite. Ihr Arbeitsvermögen wird wenig nachgefragt. Wer mit den steigenden Kreativitäts- und Leistungsansprüchen aufgrund schlechterer Startbedingungen durch soziale Benachteiligung oder mangelnde Qualifikation nicht oder nicht mehr mithalten kann, zählt zu den Modernisierungsverlierern und sieht sich selbst auch so.45

Die Neubewertung der Produktivkraft Mensch mit ihren Risiken und Chancen läßt sich auch im Dienstleistungsbereich feststellen. Zu den Gewinnern gehören jene, die ,,kreative Vorleistungen"46 erbringen können, die global nachgefragt werden und eine hohe Wertschöpfung erzielen. Rifkin nennt sie ,,'Symbolanalytiker' oder Wissensarbeiter"47 und beziffert ihren Anteil an der Arbeitnehmerschaft der USA mit etwa zwanzig Prozent. Die Segmentierung des Arbeitsmarktes macht ebenso vor den vertraglichen Bedingungen der Arbeit nicht halt. Rifkin führt in diesem Zusammenhang als Beispiel die Strategie von Firmen in den USA an, ihre Belegschaft in ein Zwei-Stufen-System zu gliedern.48 Die eine Stufe bildet die Stammbelegschaft von Dauer- und Vollzeitbeschäftigten, die andere Stufe jene Mitarbeiter, die befristet und/oder teilzeitbeschäftigt sind. Arbeitnehmer arbeiten teils freiwillig, zunehmend jedoch unfreiwillig unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen mit unterschiedlichen Risiken und sind dadurch unterschiedlich stabil in den Arbeitsmarkt integriert. Es findet ein Risikotransfer vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer statt. ,,Der Mitarbeiter der nahen Zukunft wird heute als Unternehmer im Unternehmen gesehen"49, mit Risiken und Chancen, die im Abschnitt 4.2 dargestellt werden. Beck50 diagnostiziert eine Entwicklung zu ,,einem risikoreichen System flexibler, pluraler, dezentraler Unterbeschäftigung", dessen Kennzeichen eine ,,Generalisierung von Beschäftigungsunsicherheiten" ist. Das Segment derer, die ihre Arbeit unter zuverlässigem rechtlichen Schutz erbringen können, trennt sich von dem Segment jener, die in sogenannten ,,mindergeschützten Beschäftigungsverhältnissen" ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der Segmentierungsprozeß am Arbeitsmarkt bleibt widersprüchlich, weil sich Risiken und Chancen gleichzeitig auftun. Die Wahrnehmung der Segmentation durchzieht die Fachliteratur, allerdings in unterschiedlichem Ton. Rifkin spricht dramatisch von einer Zukunft, die soziale Desintegration und eine neue Klassengesellschaft mit sich bringt. Guggenberger sieht, im Konjunktiv formuliert, eine ,,neue Gesellschaftsspaltung"51 heraufziehen. Und Kern/Schumann räumen nüchtern ein, daß neue Demarkationslinien am Arbeitsmarkt sichtbar und die Grenzen der Segmentierung schärfer werden.52

4. Die ,,Verlierer"

4.1 Präzisierung des Begriffs

Die Gruppen der ,,Gewinner" und ,,Verlierer" des Umbruchs der Erwerbsarbeit entziehen sich bis zu einem gewissen Grad einer klaren und eindeutigen Definition. Das Zusammentreffen objektiver und subjektiver, kollektiver und individueller Sachverhalte erschwert eine Grenzziehung. So weist z.B. die Gewinnerposition derjenigen, deren Arbeit im Zuge einer Neustrukturierung etwa in der schlanken Produktion nicht nur erhalten, sondern aufgewertet und mit neuen Kompetenzen ausgestattet wurde, durchaus Schattenseiten auf. Der zugewonnenen Kompetenz und größeren Verantwortung steht das gegenüber, was Rifkin ,,High-Tech-Streß" nennt.53 Die Einführung der Neuen Technologien beschleunigt Arbeitsvorgänge, die Geschwindigkeit der Produktion nimmt zu. Die Arbeitnehmer müssen sich im ,,Rhythmus einer Nanosekunden-Kultur"54 bewegen, der die bisherigen Arbeits- und Lebensrhythmen stört und auf das physische und psychische Wohlbefinden negativ zurückwirken kann.

Eine weitere Konsequenz der Neuen Technologien ist die Möglichkeit verstärkter Kontrolle des Produktions- und damit des Arbeitsprozesses und unter Umständen der Verlust von Handlungsspielräumen für die Mitarbeiter. Schumann u.a. haben in ihren empirischen Untersuchungen allerdings

wenig Anhaltspunkte dafür gefunden, daß diese (Kontrollpotentiale; Anm. d. Verf.) tatsächlich im Sinne einer stärkeren und systematischeren Überwachung des Arbeits- und Leistungsverhaltens genutzt werden. Primäres Ziel der realisierten technologischen Optionen ist nicht Verhaltenskontrolle, sondern Prozeßüberwachung und Störungsdiagnose.55

Die elektronischen Kontrollpotentiale bleiben, auch wenn sie in der Wahrnehmung ihrer Arbeitssituation durch die ,,Gewinner" mehrheitlich kein Thema darstellen.56

Ebenso ist die Neuorganisation der Arbeit in der Industrie durch das Zusammenstellen selbständiger Arbeitsteams ambivalent. Einerseits wird die tayloristische Arbeitsteilung mit ihrer Folge der Dequalifizierung von Arbeit überwunden und die strikte vertikale Hierarchie im Betrieb teilweise eingeebnet. Andererseits ist darauf hinzuweisen, ,,daß Selbstbestimmung d e r Gruppe nicht gleichbedeutend ist mit Selbstbestimmung i n der Gruppe, sprich: Selbstbestimmung des Individuums."57 Das Team kann zum Kontroll- und Disziplinierungsinstrument des einzelnen Mitarbeiters werden.

Die Position der sogenannten ,,Gewinner" ist also durchaus janusköpfig. Trotzdem ist es gerechtfertigt, sie als ,,Gewinner" zu bezeichnen, weil sie sich durch eine im Regelfall stabile Integration in den Arbeitsmarkt auszeichnen. Die eindeutigen ,,Verlierer" sind im sekundären Sektor außerhalb der Kernindustrien anzutreffen. Dazu gehören z.B. die im Jedermannsbereich eingesetzten Arbeiter in den Wettbewerbs- und Krisensektoren der Industrie, deren Arbeit demotivierend, eintönig und belastend ist.58 Zu den ,,Verlierern" zählen auch die Arbeitnehmer in den Zulieferbetrieben oder allgemein Frauen in der industriellen Fertigung.59

Im folgenden Abschnitt werden als ,,Verlierer" die Mitglieder jener Gruppe verstanden, deren Hauptmerkmal eine schwach abgesicherte oder fehlende Integration in den Arbeitsmarkt ist. Das trifft auf Erwerbsarbeitslose zu, aber auch auf Arbeitnehmer in mindergeschützten Beschäftigungsverhältnissen. Sie sind objektiv auf der Verliererseite, solange Lebenschancen durch die Erwerbsarbeit zugeteilt werden.

4.2 Erwerbsarbeitnehmer in mindergeschützten Beschäftigungsverhältnissen

4.2.1 Mindergeschützte Beschäftigungsverhältnisse

Ein Kennzeichen der Entwicklung der Erwerbsarbeit in den letzten fünfzehn Jahren ist die Ausbreitung einer Vielzahl von Beschäftigungsformen, die vom sogenannten Normalarbeitsverhältnis abweichen. Mit ,,Normalarbeitsverhältnis" ist eine

reguläre abhängige Erwerbstätigkeit bei einem Arbeitgeber, in der Regel Arbeit von morgens bis zum späten Nachmittag, fünf Tage in der Woche, insgesamt eine kontinuierliche Erwerbsbiographie, von allenfalls kurzen Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen60,

gemeint. Zwar gab es immer schon davon abweichende Beschäftigungsformen, vor allem für Frauen. Neu aber sind die wachsende Typenvielfalt und die steigende Zahl der Betroffenen. So unübersichtlich die Arten der neuen Beschäftigungsformen sind, so uneinheitlich ist auch ihre Benennung. Sie werden als ,,mindergeschützt", ,,prekär", ,,atypisch", ,,ungeschützt" oder ,,desorganisiert" bezeichnet.61 Im folgenden Abschnitt62 wird der Bezeichnung ,,mindergeschützte Beschäftigung" der Vorzug gegeben, da sie das Hauptkennzeichen dieser Beschäftigungsverhältnisse, nämlich die tendenzielle Auflösung der arbeitsvertraglichen Bindung mit den dort enthaltenen Rechten und Schutzbestimmungen der Arbeitnehmer, deutlich macht.

Die Globalisierung der Wirtschaft, die zunehmende internationale Konkurrenz und die hohe Arbeitslosigkeit bilden den ökonomischen Hintergrund für das Vordringen mindergeschützter Beschäftigungsformen. Unternehmen geraten unter starken Rationalisierungsdruck. Die daraus resultierenden Strategien sind mit dem Begriff ,,Flexibilisierung" bezeichnet worden und beziehen sich auf ,,Maßnahmen, die sich an ökonomischen Bestrebungen nach einer Steigerung der betrieblichen technisch-organisatorischen Effizienz orientieren"63. Diese flexiblen betrieblichen Gestaltungsformen können sich auf die Modalitäten des Arbeitsverhältnisses beziehen, z.B. die Arbeitszeit, und dabei das Arbeitsverhältnis als solches unverändert lassen ("interne Flexibilität"). Oder sie können das Arbeitsverhältnis selbst betreffen und es in seinem Bestand verändern (,,externe Flexibilität"64 ). Die Formen mindergeschützter Beschäftigung gehören zu diesem zweiten Bereich.

Wieviel Menschen in Deutschland in diesen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, ist nicht genau bekannt. Die unübersichtliche rechtliche Situation erschwert eine exakte Erfassung. Schätzungen gehen dahin, daß ein Viertel aller Erwerbstätigen auf mindergeschützte Beschäftigungsformen angewiesen ist.65 Vier Arten können voneinander abgegrenzt werden: befristete Beschäftigung, Leiharbeit, Beschäftigung in Klein(st)betrieben und Beschäftigung als abhängige Selbständige.

Befristete Besch ä ftigung

Befristete Beschäftigung ist Beschäftigung auf Zeit, ,,Just-in-Time-Beschäftigung". Am Beginn der 90er Jahre arbeiteten in Holland 33% der Beschäftigten auf Zeit, in Norwegen mehr als 20%, in Spanien 33% und in Großbritannien 40%.66 In den USA nimmt die Befristungspraxis zu. Neu geschaffene Arbeitsplätze sind zu einem großen Teil ,,bad jobs", d.h. zeitlich befristet und schlecht bezahlt. Zwei von drei in der Privatwirtschaft neu geschaffenen Stellen waren 1992 zeitlich befristet.67 Nach allgemeiner Einschätzung wird diese Entwicklung weitergehen. Rifkin behauptet, befristete Anstellungen würden zur Norm werden, vor allem im Dienstleistungsbereich. In Deutschland betrug Ende der 80er Jahre der Anteil der befristet Beschäftigten an allen Erwerbstätigen 7%, dürfte aber in der Zwischenzeit ebenfalls gestiegen sein.68

Über die soziale Struktur der Befristungspraxis läßt sich folgendes sagen:69 Befristet Beschäftigte sind überproportional häufig in gering- und in hochqualifizierten Bereichen anzutreffen. Ein knappes Drittel besitzt keine abgeschlossene Berufsausbildung, ein Viertel hat das Abitur und 12% einen Hochschulabschluß. Der hohe Anteil der letztgenannten Gruppen erklärt sich aus der Befristungspraxis im öffentlichen Dienst allgemein und im Wissenschaftsbereich im besonderen. In der Privatwirtschaft hingegen ist der Anteil der Anoder Ungelernten wesentlich höher. Weiters ist der hohe Anteil von Berufsanfängern und Berufsrückkehrern an den befristet Beschäftigten zu erwähnen. Und schließlich sind vor allem Frauen von der Befristung des Arbeitsverhältnisses betroffen.

Leiharbeit

Leiharbeit bedeutet, daß einzelne Fachkräfte oder komplette Arbeitsteams von einem Unternehmen angestellt und je nach Bedarf für den Einsatz in anderen Betrieben verliehen werden. Arbeitnehmer in dieser Beschäftigungsform verdienen in der Regel weniger als jene Kollegen, die im Einsatzbetrieb angestellt sind. Außerdem müssen sie damit rechnen, vorübergehend oder länger nicht eingesetzt zu werden und damit ohne Verdienst zu bleiben. Das ,,Vermieten" von Personal ist etwa in den USA weit verbreitet.70 In Deutschland ist legale Leiharbeit nach wie vor eine Randerscheinung und wird von der befristeten Beschäftigung um ein Zehnfaches übertroffen.71 Allerdings ist damit zu rechnen, daß sich jenseits offizieller Leiharbeit eine nicht erfaßte Grauzone von faktischer Leiharbeit oder leiharbeitsähnlicher Beschäftigung erstreckt.

Die Beschäftigten in Leiharbeit bilden wie die befristet Beschäftigten keine homogene Gruppe.72 80% etwa sind Männer, 20% Frauen. Die Hälfte der männlichen Leiharbeitnehmer sind qualifizierte bis hochqualifizierte Facharbeiter, 35% allerdings sind Montierer usw. oder Hilfsarbeiter. 60% der weiblichen Leiharbeitnehmer haben einen Verwaltungs- oder Büroberuf.

Ein wichtiges Kennzeichen der Leiharbeit ist die hohe Fluktuation. Knapp zwei Drittel aller beendeten Leiharbeitsverhältnisse dauerten 1991 weniger als drei Monate, knapp 10% nicht einmal eine Woche. Daneben ist jedoch auf einen Kern von längerfristigen Leiharbeitsverhältnissen hinzuweisen, ohne daß dafür präzise Zahlen vorliegen.

Besch ä ftigung in Klein(st)betrieben 73

Als Kleinstbetrieb gilt ein Betrieb mit unter fünf Beschäftigten, als Kleinbetrieb ein Betrieb mit unter zwanzig Beschäftigten. Arbeitnehmer sind in diesen Betriebsformen deshalb mindergeschützt, weil es im Kleinstbetrieb weder Kündigungsschutz noch die Möglichkeit der Bildung eines Betriebsrates gibt und im Kleinbetrieb Einschränkungen im Kündigungsschutz die Beanspruchung einer Abfindung bei Entlassung nicht möglich machen. Die Beschäftigung in Klein(st)betrieben nimmt zu, die Beschäftigung in Großbetrieben stagniert oder ist rückläufig. Arbeitsplätze in Kleinstbetrieben gehen jedoch häufig durch Insolvenzen wieder verloren.

Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in Kleinstbetrieben sind dem Handel und privaten Dienstleistungen zuzuordnen, vor allem Frauen. In den Kleinbetrieben gehört rund die Hälfte der Beschäftigten denselben Branchen an. Dazu kommen noch 12% Baugewerbe und 19% verarbeitendes Gewerbe. Außerdem weisen in den letzten Jahren gegründete kleine Zulieferer und Betriebe für Unternehmensdienstleistungen oft die Größe eines Kleinbetriebes auf.

Besch ä ftigung als abh ä ngige Selbst ä ndige 74

Über die Gruppe der abhängigen Selbständigen lassen sich wenige allgemein gültige Aussagen treffen. Zu vielfältig sind die Formen von Erwerbsarbeit in diesem Bereich. Das hängt mit den rechtlichen Rahmenbedingungen zusammen. Zwischen dem juristisch eindeutigen Arbeitnehmerstatus und der ebenso eindeutigen Selbständigkeit öffnet sich eine Grauzone unterschiedlichster Formen von Erwerbsarbeit, deren Typisierung sowohl rechtlich als auch statistisch schwierig ist.75 Folgende Teilgruppen sind bei aller Vorsicht auszumachen:

Beschäftigte in Heimarbeit: 1990 arbeiteten 0,5% aller Erwerbstätigen daheim, mit steigender Tendenz. Es wird allerdings zusätzlich mit einer Dunkelziffer von 40% gerechnet. Drei Viertel sind Frauen. Heimarbeit entfällt zum größten Teil auf das verarbeitende Gewerbe. Heimarbeit im Dienstleistungsbereich nimmt jedoch zu.

Freie Mitarbeit: Diese Form der Erwerbsarbeit ist vor allem im Medien- und Bildungsbereich anzutreffen.

Versicherungsaußendienst: 1988 wurde die Zahl der selbständigen hauptberuflichen Einzelfirmenvertreter in diesem Bereich auf 60000 bis 70000 geschätzt.

Franchising: Damit ist eine Form der Zusammenarbeit von zwei Parteien, dem Franchise- Geber und dem Franchise-Nehmer, zum Zweck des Verkaufs von Waren oder Dienstleistungen gemeint. In die Gruppe der abhängigen Selbständigen fällt der Ein- Personen-Franchise-Nehmer (z.B. Verkaufsfahrer, Kleinstfilialist), der sich vertraglich verpflichtet, seine Arbeit als juristische Person zu führen, so daß das Arbeitsrecht auf ihn nicht anzuwenden ist.

Selbstfahrende Unternehmer im Güterverkehr: Ihre Zahl steigt an und wird auf 30000 geschätzt. Sie sind rechtlich selbständig, fahren aber oft im Auftrag nur einer Firma. Insgesamt fallen, so die Schätzungen, in die Gruppe der abhängigen Selbständigen in Deutschland deutlich über eine halbe Million Erwerbstätige.

Unternehmen verwenden mindergeschützte Beschäftigungsformen als Rationalisierungsinstrument. Vorrangiges Ziel ist es, Arbeit außerhalb des rechtlich geschützten Normalarbeitsverhältnisses zu gewinnen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die gestiegene Bereitschaft der Arbeitnehmer, auch unter unsicheren Vertragsbedingungen zu arbeiten, ermöglicht es, dieses Ziel zu erreichen. Die wichtigsten Motive der Unternehmen sind folgende:76

- Die Personalkosten sollen gesenkt werden. Beispielsweise lagern Unternehmen im ,,Outsourcing"77 die Produktion von Gütern oder das Erbringen von Dienstleistungen aus der eigenen Firma aus und beauftragen externe Lieferanten, meistens kleine Firmen, deren Beschäftigte weniger verdienen als die ursprünglich Beschäftigten in der Auftragsfirma. Mit der Externalisierung prekärer Arbeit kann die gleichzeitige Aufwertung der verbleibenden Arbeit in der ,,Kernfabrik" einhergehen.78
- Die Größe des Personals soll der jeweiligen Auftragslage flexibel angepaßt werden. Als Beispiel befreit Leiharbeit Firmen von der Notwendigkeit, eine innerbetriebliche Personalreserve zu haben, für die alle arbeits- und tarifrechtlichen Regelungen gelten.
- Mitarbeiter sollen rechtlich unkompliziert erprobt werden können. Befristete Beschäftigung und Leiharbeit werden zum ,,Screening" neuer Mitarbeiter genutzt.
- Die Verwendung mindergeschützter Beschäftigungsformen kann zur Schwächung der Interessensvertretung verwendet werden.
- Leiharbeit oder die Arbeit abhängiger Selbständiger können beispielsweise verwendet werden, besonders belastete oder die Gesundheit gefährdende Arbeit zusammen mit ihren möglichen Folgen aus dem Betrieb hinauszuverlagern. Folge ist die Externalisierung oder Privatisierung der gesundheitlichen oder psychischen Risiken der Arbeit.79 · Motiv für die Beschäftigung von Fremdfirmen oder abhängigen Selbständigen kann die Minimierung des eigenen unternehmerischen Risikos sein. Investitions-, Haftungs- und Ausfallrisiken werden umverteilt und individualisiert, weg vom Unternehmen, hin zu den mindergeschützten Beschäftigten.
- Das Erreichen echter Effizienzgewinne kann im Hintergrund von Strategien zur Dezentralisierung stehen, wenn von Unternehmen Klein(st)betriebe geschaffen oder beauftragt werden.

Die entstandene Unübersichtlichkeit am Arbeitsmarkt, der ,,Taylorismus der Beschäftigungsverhältnisse"80 als Folge eines veränderten und sich ständig ändernden ökonomischen Hintergrundes birgt für die Beschäftigten Risiken und Chancen.

4.2.2 Risiken und Chancen für mindergeschützte Beschäftigte

Mindergeschützte Beschäftigung hat für die Betroffenen gravierende Auswirkungen. Sie hält zahlreiche Risiken bereit, deren wichtigste im folgenden aufgezählt werden.81

- An erster Stelle steht das Risiko einer schrittweisen bis völligen Abkoppelung vom arbeits- und sozialrechtlichen Schutz. Befristung z.B. ist nichts anderes als ein einseitiger Rechtsverlust. Für Beschäftigte in Klein(st)betrieben gelten, wie gezeigt, nur bestimmte Schutzregelungen, andere hingegen nicht. Abhängige Selbständige verzichten auf den größten Teil der rechtlich vorgesehenen Schutzmechanismen, vor allem auf den arbeitsrechtlichen Bestandsschutz mit fatalen Folgen bei Umsatzrückgängen, Mißerfolgen oder dem Abbruch der Arbeitsbeziehung.

- Mindergeschützte Beschäftigte arbeiten unter dem Risiko einer verminderten Kontinuität der Beschäftigung. Arbeitsplätze in diesem Bereich sind besonders konjunkturanfällig und mit erhöhter Beschäftigungsunsicherheit verbunden.

Befristet Beschäftigte, Leiharbeitnehmer/innen und freie Mitarbeiter/innen dienen als Beschäftigungspuffer, die bei Personalabbaumaßnahmen zuerst entlassen, nicht übernommen oder nicht weiterbeauftragt werden.82

- Ein weiteres Risiko ist das des geringeren Verdienstes. Abhängige Selbständige arbeiten auf eigenes Risiko, Arbeitnehmer in Leiharbeit oder in Klein(st)betrieben meist unter dem Lohnniveau von Arbeitnehmern in Normalarbeitsverhältnissen in den ,,Kernfabriken"

- Mindergeschützte Beschäftigte laufen Gefahr, nur begrenzt betrieblich integriert zu sein. Das Risiko, als Beschäftigte zweiter Klasse zu gelten, ist hoch. Sowohl der Zeitfaktor (bei Befristung oder Leiharbeit) als auch die fehlende rechtliche Gleichstellung mit der Stammbelegschaft erschweren eine volle betriebliche Integration. Kennzeichen dieser Integration wären Teilnahme an der innerbetrieblichen Kommunikation, Teilnahme an beruflichen Förderungsmaßnahmen von seiten der Arbeitgeber und Teilhabe an partizipativen Rechten.. Die ,,Stigmatisierung als nicht `vollwertiges' Belegschaftsmitglied"83 führt zu ausgrenzender betrieblicher Randständigkeit und in weiterer Folge zu Dequalifizierung.

- Auf mindergeschützte Beschäftigte wartet das Risiko geringer beruflicher Entfaltungsmöglichkeiten. Sie gehören in der Regel nicht zu jenen Teilen der Belegschaft, für die Qualifizierungsmaßnahmen getätigt werden. Investitionen der Arbeitgeber in Qualifizierungsmaßnahmen und die Bereitschaft der Arbeitnehmer, daran teilzunehmen, setzen längerfristige Bindungen voraus84, die mindergeschützten Beschäftigten häufig fehlen. Es wird deutlich, daß im Zuge moderner Konzepte systemischer Rationalisierung externe Flexibilität zunehmend in Widerspruch zur notwendigen Requalifizierung der Arbeit tritt.85 Der Preis ist die Behinderung langfristiger Personalentwicklungsstrategien der Unternehmen und eingeschränkte Entfaltungs- und Aufstiegschancen der Beschäftigten.

- Schließlich ist auf das Risiko großer Abhängigkeit vom Wohlwollen des Auftrag- oder Arbeitgebers hinzuweisen.

Den Risiken stehen Chancen für die Erwerbsarbeitnehmer gegenüber.

- Hauptgrund für das Eingehen eines mindergeschützten Beschäftigungsverhältnisses ist die schwierige Lage am Arbeitsmarkt und die Chance, in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit eine Erwerbsarbeit zu finden. Mindergeschützte Beschäftigungsformen können als Brücke zu einer regulären Beschäftigung dienen, vor allem für Problemgruppen am Arbeitsmarkt. Die These allerdings, die erweiterte Zulassung solcher Beschäftigungsvarianten führe zu zusätzlichen Arbeitsplätzen, ist nicht unbedingt stichhaltig.86 Wahrscheinlicher ist eine Umwandlung bisher geschützter in mindergeschützte Arbeitsverhältnisse.

- Mit einigen Formen mindergeschützter Beschäftigung ist die Chance erhöhter Selbstbestimmung bei der örtlichen und zeitlichen Organisation der Arbeit verbunden. Räumliche und zeitliche Flexibilisierung kann mehr Souveränität der Arbeitenden über ihre Arbeit bewirken und z.B. die Koordination von Erwerbs- und Familienarbeit erleichtern. Das gilt etwa für abhängige Selbständige in freier Mitarbeit oder Heimarbeit.

- Weiters ist auf die Chance größerer biographischer Flexibilität hinzuweisen, die für einen Teil der Arbeitnehmer durchaus erstrebenswert sein kann. Leiharbeit kann dem Wunsch entgegenkommen, bei einem aufrechten Dienstverhältnis an verschiedenen Arbeitsstätten in verschiedenen Firmen zu arbeiten. Befristete Beschäftigung kann dem Wunsch entspringen, sich nicht langfristig festlegen zu müssen.

- Die Chance einer Arbeit in überschaubaren Strukturen und persönlichen Beziehungen kann eine Beschäftigung in Klein(st)betrieben bieten.

Mindergeschützte Beschäftigungsformen können für die Arbeitenden durchaus einen Zugewinn an ,,Optionalität"87 bringen, d.h. größere Freiräume bei der Arbeitsgestaltung und in Folge bessere Anpassung an individuelle und soziale Lebensbedürfnisse. Die Risiken erweisen sich jedoch als abschreckend. Unter den derzeit geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen ist es nicht verfehlt, von einer einseitigen Risikoabwälzung auf die Beschäftigten zu sprechen. Die Gefahr, daß aus der möglichen Brücke zum Arbeitsmarkt und zu gesteigerter Optionalität ein Weg in Randständigkeit oder völlige Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt wird, ist unverhältnismäßig hoch, so daß der Begriff ,,Verlierer" für große Teile der mindergeschützten Beschäftigten berechtigt erscheint.

4.3 Erwerbsarbeitslose

Sind Arbeitnehmer in mindergeschützten Beschäftigungsformen noch in den Arbeitsmarkt integriert, wenngleich auf keine stabile Weise, so fallen Erwerbsarbeitslose aus dem Arbeitsmarkt vorübergehend oder länger heraus und verlieren damit entscheidend an Lebenschancen.

4.3.1 Strukturierung der Erwerbsarbeitslosigkeit

Erwerbsarbeitslosigkeit88 entzieht sich einer allgemein anerkannten Definition.89 Zu unterschiedlich sind die gesetzlichen Definitionen und die statistischen Grundlagen, auf denen die Angaben der Länder über das Ausmaß der Arbeitslosigkeit beruhen. Internationale Vergleiche werden damit erschwert.

Unter Arbeitslosigkeit wird in den folgenden Überlegungen jener Zustand verstanden, in dem im Gegensatz zur Vollbeschäftigung Arbeitsfähige und -willige keine angemessen entlohnten und zumutbaren Arbeitsplätze finden.90

Die Definitionsschwierigkeiten betreffen allerdings auch den Begriff ,,Vollbeschäftigung". Im bundesdeutschen Stabilitätsgesetz von 1967 wird Vollbeschäftigung als Ziel beschrieben, das dann erreicht ist, wenn jeder arbeitsfähige und arbeitswillige Arbeitsuchende zum herrschenden Lohn eine zumutbare Beschäftigung findet.91 Die Formulierung täuscht Klarheit vor. In Wirklichkeit ist Vollbeschäftigung ein äußerst unbestimmtes politisches Ziel.92 Ungeachtet dieser Abgrenzungsschwierigkeiten lassen sich nach dem Kriterium der Ursachen verschiedene Formen der Arbeitslosigkeit unterscheiden.

- Friktionale, friktionelle, vorübergehende oder Fluktuationsarbeitslosigkeit hat ihre Ursachen in persönlichen oder betrieblichen Motiven und ist Ausdruck der ständigen Fluktuation am Arbeitsmarkt. Die Betroffenen finden nach kurzer Zeit einen neuen Arbeitsplatz.
- Konjunkturelle Arbeitslosigkeit hat ihre Ursache in den Auf- und Abschwungzyklen der Wirtschaft.
- Saisonale Arbeitslosigkeit ergibt sich aus jahreszeitlich bedingten unterschiedlichen Auftragslagen und Arbeitsbedingungen einzelner Wirtschaftsbranchen.
- Regionale Arbeitslosigkeit ist das Ergebnis regional unterschiedlicher Wirtschaftsstrukturen und -entwicklungen.

Die genannten Formen der Arbeitslosigkeit begleiten die Arbeitsgesellschaft von Anfang an. Die hohen und steigenden Arbeitslosenraten der letzten Jahre rufen weit über den Kreis der Betroffenen hinaus Aufmerksamkeit und Besorgnis hervor. Nach den Nachkriegsjahrzehnten mit annähernder Vollbeschäftigung war der Kontrast schockierend. Vergessen wurde, daß die Jahrzehnte der Vollbeschäftigung eine Ausnahme waren. ,,In der Geschichte des Kapitalismus überwiegen die Phasen der Arbeitslosigkeit."93 Ihr Ausmaß stieg in Zeiten der Rezession an, in Zeiten des Konjunkturaufschwungs sank sie kaum ab. Jeder neue Aufschwung hinterließ somit einen größeren Sockel an Arbeitslosigkeit.

- Die Krise der Erwerbsarbeit in der Gegenwart geht mit struktureller Massenarbeitslosigkeit einher, für deren Erklärung die zuvor genannten Ursachen nicht mehr ausreichen. Strukturelle Arbeitslosigkeit ist das Ergebnis verschiedener Ursachen und Dependenzen. Globalisierung der Wirtschaft, internationale Konkurrenz, Entgrenzung nicht nur der Warenströme, sondern auch der Arbeitsmärkte, Rationalisierungsstrategien, neue Produktionsmethoden und Technologien, Kompetenzen der Arbeitnehmer, die nicht mehr nachgefragt werden, sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Strukturelle Arbeitslosigkeit ist nicht einfach technologische Arbeitslosigkeit. ,,Die These von der Vernichtung der Arbeitsplätze durch die Technik greift zu kurz."94 Wie in Abschnitt 3.1 bereits gezeigt, ist das Verhältnis zwischen der Einführung neuer Technologien etwa im Zusammenhang mit den ,,Neuen Produktionskonzepten" und dem Beschäftigtenstand der Unternehmen ambivalent.

Jene Sektoren der westdeutschen Wirtschaft, die in der Lage sind, die neuen Produktionskonzepte anzuwenden, können damit eine ökonomischen Expansion erreichen, die groß genug ist zu verhindern, daß ihre Produktivitätszuwächse zu einer Destabilisierung ihrer eigenen Beschäftigung führen. Doch ist diese ökonomische Expansion zu gering, um die Arbeitskräfte zu absorbieren, die in den schrumpfenden Branchen ihre Arbeitsplätze verloren haben.95

Die Segmentierung der Gesellschaft in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose ist in Gang. Allerdings ist die Gruppe der Arbeitslosen kein statischer Block, wie die Querschnittsdaten der offiziellen Statistiken suggerieren mögen. Längsschnittuntersuchungen zeigen eine mobile Situation.

Der Bus der Massenarbeitslosigkeit ist mit einer Gruppe von Stammarbeitslosen besetzt, die sich durch Sitzenbleiben herauskristallisiert. Ansonsten herrscht aber ein allgemeines Kommen und Gehen.96

Der Anteil der dauerhaft Marginalisierten ist relativ klein, die Erfahrung vorübergehender und wiederkehrender Arbeitslosigkeit hingegen weit verbreitet.97 In Österreich waren 1994 im Jahresdurchschnitt 214.941 Personen arbeitslos98, ca. 680.000 Menschen99 von insgesamt rund drei Millionen unselbständig Beschäftigten jedoch einmal im Jahr ohne Arbeitsplatz. Die Massenarbeitslosigkeit hat zwei Gesichter. Einerseits ist sie breit gestreut. Die Zahl der Menschen, die persönliche Erfahrung mit Arbeitslosigkeit haben, ist, wie am Beispiel Österreich gezeigt, viel höher als die offiziellen Durchschnittswerte nahelegen. Keine Qualifikations- und Berufsgruppe kann eine Garantie gegen Arbeitslosigkeit beanspruchen. Beck spricht in diesem Zusammenhang von einer Demokratisierung der Arbeitslosigkeit.100 Andererseits trifft das Risiko, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, bestimmte Menschen in einem größeren Ausmaß. ,,Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Arbeiter von Arbeitslosigkeit betroffen wird, ist inzwischen extrem unterschiedlich."101

- Ein Risikofaktor102 ist ungenügende Ausbildung. Je qualifizierter und marktnäher die Ausbildung ist, um so niedriger liegt das Beschäftigungsrisiko. Die Gruppen der Arbeitnehmer nur mit Pflichtschulabschluß bzw. mit Lehrabschluß weisen in Österreich die höchsten Arbeitslosenraten auf. 38,9% der arbeitslosen Männer und 45,9% der arbeitslosen Frauen besitzen nur den Pflichtschulabschluß, 44,1% der arbeitslosen Männer und 30,4% der arbeitslosen Frauen besitzen einen Lehrabschluß.103
- Ein weiterer Risikofaktor ist eine geringe Beschäftigungsdauer im Betrieb. Arbeitskräfte ohne betriebliche Seniorität dienen bei Umstrukturierungen oder wirtschaftlichen Einbrüchen als Puffer und werden zuerst entlassen, ,,last in - first out"104 Darin liegt auch ein Grund für den steigenden Anteil jüngerer Arbeitsloser.
- Häufiger betrieblicher Arbeitsplatzwechsel und vorangegangene Arbeitslosigkeit erhöhen ebenfalls das Risiko, (erneut) arbeitslos zu werden.
- Weitere Personenkreise mit erhöhtem Arbeislosigkeitsrisiko sind Frauen, ältere Personen, Ausländer und Personen mit gesundheitlichen Problemen.

Die gesellschaftliche Wahrnehmung der steigenden Arbeitslosigkeit ist wie ihre Strukturierung doppeldeutig. Neben Besorgnis und Unruhe tritt die Gewöhnung an stetig wachsende Arbeitslosenzahlen.105 Darüber hinaus wird Arbeitslosigkeit individualisiert, indem sie allein auf persönliche Defizite der Betroffenen zurückgeführt wird. Strukturelle Probleme verwandeln sich in persönliches Versagen. Damit verschwindet der Skandal der Massenarbeitslosigkeit unter dem Teppich der Normalität.106

4.3.2 Folgen

Die Folgen hoher Arbeitslosigkeit werden häufig nur unter makro- bzw. mikroökonomischen Gesichtspunkten diskutiert. Massenarbeitslosigkeit ist für die Gesellschaft teuer und durch das Sozialsystem auf Dauer nicht zu finanzieren. Für den Einzelnen ist sie meist mit relativer Deprivation107 verbunden. Das Arbeitslosengeld in Österreich mit einer Ersatzquote von rund 40% des vorangegangenen Bruttoeinkommens ist nicht dazu gedacht, die Aufrechterhaltung des Lebensstandards zu ermöglichen.

In diesem Abschnitt sollen jedoch die psychisch-sozialen Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft im Mittelpunkt stehen.

4.3.2.1 Folgen für die Betroffenen

Der folgende Abschnitt orientiert sich methodisch an Jahoda108, die die Folgen der Erwerbslosigkeit für die Betroffenen deutlich macht, indem sie sie mit den Folgen der Erwerbsarbeit vergleicht. Erwerbsarbeit bietet von ihrer Struktur her den Arbeitnehmern ,,fünf Kategorien zwangsläufiger Arbeitserfahrung"109, nämlich

- die Auferlegung einer festen Zeitstruktur,
- die Ausweitung der Bandbreite sozialer Erfahrungen in Bereiche hinein, die weniger stark emotional besetzt sind als das Familienleben,
- die Teilnahme an kollektiven Zielsetzungen oder Anstrengungen,
- die Zuweisung von Status und Identität und
- die verlangte regelmäßige Tätigkeit, die an die soziale Realität bindet.

Diese Erfahrungen werden von der Erwerbsarbeit zwangsläufig vermittelt, d.h. unabhängig davon, ob die konkrete Erwerbsarbeit als belastend, monoton oder befriedigend empfunden wird.

Arbeitslosigkeit bedeutet, grundlegende Sozialerfahrungen einzubüßen. Beck spricht vom Verlust des inneren Rückgrats der Lebensführung.110 Es scheint, daß die fünf genannten Erfahrungen existentiellen, tief sitzenden Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Werden diese Bedürfnisse nicht mehr auf gewohnte Weise befriedigt, kommt es zu unterschiedlichen Folgen, die sich auf das physische, psychische und soziale Befinden auswirken.

Erwähnenswert ist, daß der Verlust der fünf von Jahoda aufgezählten Erfahrungen von verschiedenen Gruppen von Erwerbslosen unterschiedlich erlebt wird.

Während die fehlende Zeitstruktur offenbar für die meisten eine Belastung darstellt, sind es besonders die jungen Erwerbslosen, denen die Langeweile und das Nichtwissen, was sie mit sich selbst anstellen sollen, die dringendsten Probleme zu sein scheinen. Erwerbslose Frauen leiden am meisten unter dem Fehlen sozialer Kontakte, erwerbslose Manager unter ihrem Statusverlust.111

Die Reaktionen sind nicht nur von den Gruppenmerkmalen Alter, Geschlecht oder Position abhängig, sondern auch vom sozialen Umfeld und persönlichen Faktoren. Beispielsweise wird ein aktiver und selbständiger Mensch möglicherweise unter dem abrupten Verlust der gewohnten Zeitstruktur weniger leiden als ein passiver und unselbständiger.112 Ebenso ist von Belang, ob jemand von der Schule in die Arbeitslosigkeit wechselt oder von einer Erwerbsarbeit.

Die Folgen der Arbeitslosigkeit beginnen vor ihrem Eintreten. Bereits vor dem Arbeitsplatzverlust entsteht starker psychischer Streß, weil die bevorstehende Kündigung meist schon absehbar ist.

Die bisherigen Forschungen zeigen, daß das gesamte Spektrum psychosomatischer Störungen, wie z.B. vegetative Beschwerden (Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Störungen des Herz-Kreislaufs, Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich) und eine meßbare Veränderung der korrespondierenden physiologischen Daten sowohl bei Arbeitslosigkeit wie auch bei antizipierter Arbeitslosigkeit auftritt!113

Die ersten Wochen der Arbeitslosigkeit können dann durchwegs positiv erlebt werden. Die Last der Ungewißheit wie die Last der Arbeit fallen weg, die Zuversicht, rasch einen neuen Job zu finden, herrscht vor. Eine entscheidende Rolle kommt der Dauer der Arbeitslosigkeit zu. Dauert sie länger als ein paar Wochen, wird die Situation zunehmend als hoffnungslos erlebt. Jahoda versucht, anhand der möglichen Reaktionen Reaktionstypen zu unterscheiden:114

- Reaktionstyp 1 hält an seinen Bedürfnissen fest und läßt die daraus resultierenden Frustrationen an sich und seiner Umgebung aus. Die Bindung an den verlorenen Arbeitsplatz ist sehr intensiv. Bleiben Bewerbungen über längere Zeit erfolglos, folgen psychologische Destruktivität und Rückzug aus sozialen Kontakten. Schlechte Stimmung, Niedergeschlagenheit und Depressionen stellen sich ein. Rifkin115 zitiert Untersuchungen, nach denen Langzeitarbeitslose Symptome zeigen können, die denen Sterbender ähnlich sind. Je nach dem Ausmaß entwickelter Frustrationstoleranz können psychische Zusammenbrüche und Selbsttötungen auftreten.
- Reaktionstyp 2 gewöhnt sich an die Erwerbslosigkeit und gibt seine Bedürfnisse auf. Apathie, Resignation und soziale Isolation sind die Folgen.
- Reaktionstyp 3 schafft sich oder findet alternative Einrichtungen, die die bisher von der Erwerbsarbeit abgedeckten Bedürfnisse befriedigen. Als konstruktives Beispiel sei das Engagement in Arbeitsformen außerhalb der Erwerbsarbeit genannt, als destruktive Beispiele Schwarzarbeit oder kriminelle Arbeit.
- Reaktionstyp 4 schafft ein Ventil für seine Frustrationen entweder in einer gewaltsamen und organisierten Revolte oder in periodisch ausbrechenden Tumulten und Plünderungen. Die aufgezählten Reaktionen sind mögliche Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Daß gerade dieses Segment der Arbeitslosen rasch wächst, muß die Gesellschaft mit großer Sorge erfüllen.

4.3.2.2 Folgen für die Gesellschaft

Die Folgen der Massenarbeitslosigkeit für die Volkswirtschaft seien nur kurz erwähnt. Die Sozialversicherungssysteme, die sich nach wie vor am Normalarbeitsverhältnis orientieren, drohen finanziell zu kollabieren. Dem Fiskus entgehen nicht nur Steuereinnah- men durch das sinkende Lohnsteueraufkommen und wachsende Schattenwirtschaft, er muß darüber hinaus, zumindest in Österreich, die Verluste der Arbeitslosenversicherung abdecken. Hohe Arbeitslosigkeit bedeutet Kaufkraftverlust für einen beträchtlichen Bevölkerungsteil mit negativer Folgewirkung für die Umsätze der Wirtschaft.

Was die politisch-gesellschaftlichen Folgen betrifft, sollen zwei zum Teil kontrovers diskutierte Punkte herausgegriffen werden.

- Die politischen Implikationen der Arbeitslosigkeit:

Die steigende Arbeitslosigkeit und die zunehmende Polarisierung von arm und reich bereiten den Boden für soziale Unruhen und offene Klassenauseinandersetzungen, wie sie die Moderne noch nicht erlebt hat Am Ausgang der modernen Welt erwartet uns eine neue Barbarei.116

p>Rifkin entwirft ein wahrhaft apokalyptisches Szenario. Der Versuch, Arbeitslosigkeit und Revolutionen kausal zu verbinden, ist nicht neu, dürfte aber an der Realität vorbeigehen.

Dahrendorf spricht davon, daß Arbeitslose als Reservearmee der Revolution ungeeignet sind.117 Arbeitslosigkeit vereinzelt eher als daß sie zu gemeinsamem politischen Handeln motiviert. "Nur wenige Arbeitslose versuchen, politischen Einfluß auszuüben; nur wenige treten während der Arbeitslosigkeit in eine Partei ein, eher gilt, daß sie ihre Partei verlassen."118 Resignation im persönlichen Leben und in sozialen Fragen ist die Folge, nicht revolutionärer Elan. Jahoda findet in ihrer Studie über die Arbeitslosigkeit in Marienthal während der Weltwirtschaftskrise keine Anzeichen für eine revolutionäre Stimmung unter den Erwerbslosen.119 Auch das Wahlverhalten änderte sich nicht. ,,Die deutschen Nationalsozialisten haben ihre Stimmen weniger durch die Arbeitslosen als wegen der Arbeitslosen bekommen."120 Eine große Zahl von Arbeitslosen stellt in der Gesellschaft ein unberechenbares Unruhepotential dar, hat aber kaum die Kraft und das Durchhaltevermögen, einen revolutionären Kampf zu beginnen.121

Von hoher Arbeitslosigkeit geht also kaum die befürchtete oder erhoffte Revolution aus. Die bedenkliche politische Implikation liegt vielmehr darin, daß ein großer Teil der Betroffenen sich wegen fehlender Perspektiven aus gesellschaftlichen Prozessen zurückzieht und damit die Demokratie am Lebensnerv trifft.

- Arbeitslosigkeit und Kriminalität

Der Zusammenhang scheint auf der Hand zu liegen. Hohe Arbeitslosigkeit bewirke ein Ansteigen der Kriminalitätsrate.

Forscher der University of Utah stellten fest, daß in den USA ein Anstieg der Arbeitslosenrate um ein Prozent zu einer Zunahme der Mordfälle um 6,7%, der Gewaltverbrechen um 3,4% und der Eigentumsdelikte um 2,4% führte.122

Die Vorstellung, daß Erwerbslosigkeit zu kriminellem Verhalten führe, ist nicht neu.123 Sie kommt zustande, indem die Arbeitslosenrate mit der Kriminalitätsrate in Beziehung gebracht wird, ein methodisch zweifelhaftes Verfahren. Geht man hingegen vom Erwerbsstatus verurteilter Straftäter aus, fällt der Befund wesentlich differenzierter aus.124 Arbeitslosigkeit allein ist keine hinreichende Erklärung für Veränderungen in der Kriminalitätsrate. Die Zusammenhänge sind wesentlich komplexer, die behauptete zwangsläufige Kausalität zwischen Arbeitslosigkeit und Kriminalität erweist sich als Vereinfachung.

Die Art und Weise, wie die Betroffenen (und indirekt die gesamte Gesellschaft) mit der Erfahrung der Arbeitslosigkeit zu Rande kommen, hängt entscheidend davon ab, wie das Eintreten der Arbeitslosigkeit beurteilt wird. Kern/Schumann sprechen vom ,,Modus der `Schuldzuweisung'".125 Wird der Verlust des Arbeitsplatzes als Folge sozio-ökonomischer Veränderungen wahrgenommen, kann eher damit gerechnet werden, daß Handlungsfähigkeit, Motivation und Perspektiven für einen anderen Weg bei den Betroffenen erhalten bleiben.

Wird die Arbeitslosigkeit hingegen primär als persönliches Versagen interpretiert, sind destruktive Rückwirkungen auf die Persönlichkeit zu befürchten. Auch aus diesem Grund ist es notwendig, die strukturellen Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft deutlich zu machen und damit beizutragen, daß aus objektiven ,,Verlierern" nicht subjektive ,,Verlierer" gemacht werden. Die ,,Verwandlung von Außenursachen in Eigenschuld, von Systemproblemen in persönliches Versagen"126 ist ohnehin bereits weit verbreitet.

5. Zusammenfassung

Die Erwerbsarbeit, Rückgrat moderner Gesellschaften, durchläuft einen dramatischen Veränderungsprozeß mit zum Teil einschneidenden Folgen für die Arbeitnehmer.

Die auslösenden Faktoren der krisenhaften, d.h. entscheidenden Veränderungen liegen in globalen ökonomischen, politischen und technologischen Entwicklungen und den darauf folgenden Reaktionen von Märkten und Betrieben. Die Veränderungen betreffen alle Dimensionen der Erwerbsarbeit: die Zahl der Arbeitsplätze, ihr rechtlicher Rahmen, ihre inhaltliche Ausgestaltung und ihre organisatorische Vernetzung.

Die Krise der Erwerbsarbeit zeigt sich als verästelter und ambivalenter Prozeß, der die Arbeitnehmer in sich verfestigende Segmente teilt und ,,Gewinner" wie ,,Verlierer" schafft. Die vergesellschaftende Funktion der Arbeit und die Integrationskraft des Arbeitsmarktes, Hauptkennzeichen der Erwerbsarbeitsgesellschaft, schwinden. Das Karussell der Arbeitsgesellschaft dreht sich immer schneller und wirft dabei mehr und mehr Menschen ab oder bringt sie in die Nähe des Absturzes.

Die ,,Verliererseite" der gegenwärtigen Entwicklungen wird größer sein.127 Mindergeschützte Beschäftigungsformen nehmen zu. Betriebliche Flexibilität und individuelle Optionalität sind für die Arbeitnehmer teuer erkauft. Risiken wie Beschäftigungsunsicherheit, Dequalifizierung, arbeitsrechtliche Nachteile und betriebliche Ausgrenzung müssen von ihnen getragen werden.

Die Arbeitslosenzahlen steigen kontinuierlich. Immer mehr Menschen teilen die Erfahrung zeitweiliger Arbeitslosigkeit. Die Folgen längerer Arbeitslosigkeit sind für die Betroffenen wie die Gesellschaft fatal.

Der Schluß ist klar wie beunruhigend: Die Arbeitsgesellschaft kann es sich um ihrer selbst willen nicht leisten, daß als Folge der Veränderungen der Erwerbsarbeit mehr Menschen Lebenschancen und soziale Sicherheit verlieren als gewinnen, wie es heute der Fall ist.

6. Literaturverzeichnis

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· BLANPAIN, Roger/SADOWSKI, Dieter 1994: Habe ich morgen noch einen Job? Die Zukunft der Arbeit in Europa. München.

· DAHRENDORF, Ralf 1983: Wenn der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht. In: Matthes, Joachim (Hg.), Krise der Arbeitsgesellschaft? Verhandlungen des 21. Deutschen Soziologentages in Bamberg 1982. Frankfurt am Main, S.25-37.

· DER FISCHER WELTALMANACH 1996: Frankfurt am Main.

· GUGGENBERGER, Bernd 1988: Wenn uns die Arbeit ausgeht. München.

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· KERN, Horst/SCHUMANN, Michael 1988: Kontinuitätsbrüche, verschobene Problemlagen, gewandelte Orientierungen. Herausforderungen an eine Gesellschaftspolitik in den 90er Jahren. In: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Heft 4, S.300-308 und Heft 5, S.471- 480.

· MATTHIES, Hildegard u.a. 1994: Arbeit 2000. Anforderung an eine Neugestaltung der Arbeitswelt-Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Hamburg.

· NACHRICHTEN UND STELLUNGNAHMEN DER KATH. SOZIALAKADEMIE ÖSTERREICHS. Nr. 19 vom 2.12.1995 und Nr. 7 vom 20.4.1996.

· RIFKIN, Jeremy 2 1996: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Frankfurt/Main.

· RÜRUP, Bert 1991: Fischer Wirtschaftslexikon. Frankfurt am Main.

· SCHUMANN, Michael u.a. 1994: Der Wandel der Produktionsarbeit im Zugriff neuer Produktionskonzepte. In: Beckenbach, Niels/van Treeck, Werner (Hg.): Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit (Soziale Welt - Sonderband 9). Göttingen, S.11-43.

· VOBRUBA, Georg 1995: Arbeit und Einkommen nach der Vollbeschäftigung. In: Leviathan, 23.Jg., H. 2, S.154-164.

[...]


1 Schumann u.a. 1994, S.40

2 Vgl. Jahoda 1995, S.25

3 Guggenberger 1988

4 Blanpain/Sadowski 1994

5 Beckenbach/van Treeck 1994

6 Rifkin 2 1996

7 Vgl. die Sammlung von Meldungen in der Wirtschaftspresse bei Blanpain/Sadowski 1994, S.21-74

8 Rifkin 2 1996, S.11

9 Rifkin 2 1996, S.11

10 Matthies u.a. 1994, S.25

11 Beck 1986, S.225

12 Beck 1986, S.220

13 Guggenberger 1988, S.75

14 Matthies u.a. 1994, S.23

15 Nachrichten und Stellungnahmen der Katholischen Sozialakademie Österreichs Nr. 7/1996 vom 20. April 1996, S.1

16 Blanpain/Sadowski 1994, S.75 (illustriert an einem Beispiel aus der amerikanischen Automobilindustrie)

17 Matthies u.a. 1994, S.29

18 Kern/Schumann 2 1985, S.15

19 Rifkin 2 1996, S.48

20 Vgl. Kern/Sabel 1994, S. 607

21 Vgl. Rifkin 2 1996, S. 101

22 Guggenberger 1988, S.121

23 Schumann u.a. 1994, S.11

24 Vgl. Altmann u.a. 1986, S. 191-194

25 Grundlegend Kern/Schumann 2 1985

26 Hauchler u.a. 1985, S. 198

27 Vgl. Schumann u.a. 1994, S.12

28 Kern/Schumann 2 1985, S.312

29 Kern/Schumann 2 1985, S. 17

30 Rifkin 2 1996, S.20

31 Guggenberger 1988, S.19

32 Kern/Schumann 2 1985, S. 319

33 Zitiert bei Rifkin 2 1996, S. 103f.

34 Kern/Schumann2 1985, S.311

35 Kern/Schumann 1988, S.473

36 Vgl. Kern/Schumann 2 1985, S.22f.

37 Vgl. Schumann u.a. 1994, S.18

38 Kern/Sabel 1994, S.608

39 Schumann u.a. 1994, S.38

40 Vgl. Schumann u.a. 1994, S.31

41 Hauchler u.a. 1985, S.196

42 Vgl. Schumann u.a. 1994, S.39

43 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.72

44 Vgl. Blanpain/Sadowski 1994, S.78ff.

45 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.72f.

46 Blanpain/Sadowski 1994, S.77.84f. nennen z. B. Ingenieure, PR-Spezialisten, Anwälte, Finanzexperten, Designer, Künstler und Journalisten.

47 Rifkin 21996, S.140

48 Vgl. Rifkin 2 1996, S.134f. Konkretes Beispiel: die Sportartikelfirma ,,Nike"

49 Frey im Vorwort zu Jahoda 1995, S.XIV

50 Beck 1986, S.227

51 Guggenberger 1988, S.12

52 Vgl. Kern/Schumann 1988, S.473

53 Vgl. Rifkin 2 1996, S.128ff.

54 Rifkin 2 1996, S. 131

55 Schumann u.a. 1994, S.27

56 Daten dazu finden sich bei Schumann u.a. 1994, S.27 Fußnote 12

57 Matthies u.a. 1994, S.69

58 Vgl. Kern/Schumann 2 1985, S.303f. (Beispiel Margarineindustrie)

59 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.71

60 Vobruba 1995, S.157

61 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.175 und Beck 1986, S.234

62 Die Ausführungen im Abschnitt 4.2 orientieren sich vor allem an Matthies u.a. 1994, S.175-217

63 Matthies u.a. 1994, S.35

64 Matthies u.a. 1994, S.36

65 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.181

66 Zitiert bei Rifkin 2 1996, S.148

67 Zitiert bei Rifkin 2 1996, S.135

68 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.182.185

69 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.183ff. Die Zahlen beziehen sich auf das Ende der 80er Jahre

70 Vgl. Blanpain/Sadowski 1994, S.135

71 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.189

72 Angaben bei Matthies u.a. 1994, S.188f.

73 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.190ff.

74 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.192ff.

75 Matthies u.a. 1994, S.196 zitieren als Metapher den Ausdruck ,,Bermudadreieck"

76 Vgl. dazu Matthies u.a. 1994, S.203ff.

77 Rifkin 2 1996, S.135f.

78 Vgl. Schumann u.a. 1994, S.39

79 Vgl. Beck 1986, S.226

80 Beck 1986, S.233

81 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.210ff

82 Matthies u.a. 1994, S.211

83 Matthies u.a. 1994, S.213

84 Vgl. Blanpain/Sadowski 1994, S.88

85 Vgl. Matthies u.a. 1994, S.207

86 Vgl. die Vorschläge bei Blanpain/Sadowski 1994, S.130 (Aneinanderreihung befristeter Verträge, deutlich längere Probezeiten,...) und die Bedenken bei Matthies u.a. 1994, S.209f.

87 Vgl. Matthies u.a. 1994, 24.35f.

88 Die Begriffe ,,Erwerbsarbeitslosigkeit", ,,Arbeitslosigkeit" und ,,Erwerbslosigkeit" werden im folgenden synonym verwendet

89 Jahoda 1995, S.29 spricht von ,,Verwirrung hinsichtlich der Definition von Erwerbslosigkeit"

90 Vgl. Hillmann 4 1994, S.42

91 Vgl. Rürup 1991, S.241

92 Vg. Vobruba 1995, S.158

93 Vobruba 1995, S.162

94 Dahrendorf 1983, S.29

95 Kern/Schumann 1988, S.471f.

96 Beck 1986, S.147

97 Vgl. Vobruba 1995, S.159f.

98 Vgl. Fischer Weltalmanach 1996, S.519

99 Nachrichten und Stellungnahmen der Katholischen Sozialakademie Österreichs Nr.19/1995 vom 2.Dezember 1995, S.7

100 Vgl. Beck 1986, S.149

101 Kern/Schumann 1988, S.472

102 Zu den Risikofaktoren vgl. Beck 1986, S.145

103 Salzburger Nachrichten vom 14.9.1996, S.9. Die Angaben beziehen sich auf die Anfang September 1996 als arbeitslos gemeldeten Personen.

104 Kern/Schumann 1988, S.472

105 Vgl. Rifkin 2 1996, S.23

106 Vgl. Beck 1986, S.149

107 Vgl. Jahoda 1995, S.98f.,138

108 Vgl Jahoda 1995, S.17

109 Jahoda 1995, S.85.99

110 Vgl. Beck 1986, S.222

111 Jahoda 1995, S.139

112 Vgl. Guggenberger 1988, S.139f.

113 Frey im Vorwort zu Jahoda 1985, S.VIIf.

114 Vgl. Jahoda 1985, S.149ff.

115 Vgl. Rifkin 2 1996, S.138

116 Rifkin 2 1996, S.216

117 Vgl. Dahrendorf 1983, S.25f.

118 Frey im Vorwort zu Jahoda 1995, S.XII

119 Vgl. Jahoda 1995, S.54

120 Dahrendorf 1983, S.26

121 Vgl. Kern/Schumann 1988, S.475

122 Rifkin 2 1996, S.156

123 Vgl. Jahoda 1995, S.79, die entsprechende Aussagen aus dem Jahr 1828 zitiert.

124 Beispiele bei Jahoda 1995, S.80

125 Kern/Schumann 2 1985, S.314

126 Beck 1986, S.150

127 Vgl. Hauchler u.a. 1985, S.200

33 von 33 Seiten

Details

Titel
Die Krise der Erwerbsarbeit und ihre Verlierer
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Teilgebiet "Soziologischer Schwerpunkt: Einführung" zu Kurs "Industrielle Arbeit im Umbruch"
Autor
Jahr
1999
Seiten
33
Katalognummer
V96387
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krise, Erwerbsarbeit, Verlierer, Teilgebiet, Soziologischer, Schwerpunkt, Einführung, Kurs, Industrielle, Arbeit, Umbruch, Eingereicht, Prof, Wieland, Jäger, Lehrgebiet, Arbeitssoziologie, FernUniversität, Hagen
Arbeit zitieren
Armin Mitterer (Autor), 1999, Die Krise der Erwerbsarbeit und ihre Verlierer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96387

Kommentare

  • Gast am 3.8.2001

    Die Krise der Erwerbsarbeit und ihre Verlierer.

    hallo,

    deine abhandlung hat mir sehr gut gefallen. ich schreibe z.Z. eine hausarbeit zum thema "zeitarbeit" und habe durch deine arbeit einen interessanten background bekommen, denn
    ich für meine arbeit nutzen werde.

    gruß René

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Titel: Die Krise der Erwerbsarbeit und ihre Verlierer



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