Musical-Tourismus im ökonomischen und kulturellen Zusammenhang: Wie sieht die Gegenwart aus und wo geht die Reise noch hin ?


Hausarbeit, 1999
18 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

I) Einleitung: Musicals in den 80er- und 90er - Jahren– eine Boombranche entsteht

II) Hauptteil
II.1) Pauschal oder individuell – Viele Wege führen zu Musicals
II.1.1) Anruf genügt: Kartenverkauf direkt an den Privatkunden
II.1.2) ,Neckermann macht`s möglich`: Kartenverkauf über Reisebüros und Reiseveranstalter
II.1.3) Hauptsache pauschal: Bustouren zu den Musical-Events
II.1.4) Mit Musical-Packages zur besseren Auslastung: Ticketverkauf in Hotels
II.1.5) Das Musical als Rahmenprogramm für Kongresse: Tickets, die Firmen und Verbände erwerben
II.2) ,,Ein Standort wird durch ,,Cats“ erst schön“ – Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Sitdown-Production auf eine Region
II.2.1) Das falsche Stück am falschen Ort: Sunset Boulevard in Niedernhausen
II.2.2) Werbung für noch mehr Städtetourismus: Die Musicals in Hamburg
II.2.3) Erfolgreicher Strukturwandel dank Starlight Express:
Bochum - einst Kulturwüste, heute Musical-Hochburg
II.2.4) Der Funke springt nicht über: Musicals in Duisburg und Essen können sich nicht durchsetzen
II.2.5) In der Landeshauptstadt ,, Grease lt`s“: Zwei junge Produzenten machen Düsseldorf zur Musical-Stadt – und das mit Erfolg
II.3) Musical-Reisen als Teil des ,,Post-Tourismus“ – Sind Urban Entertainment Center die Zukunft ?
II.3.1) Freizeitparks und Shopping Malls: Vorbilder für die Urban Entertainment Center
II.3.2) Das Stella Erlebnis-Center in Stuttgart - und was sonst noch so geplant ist

III) Resümee: Die Zukunft des Musicals: Hochkultur oder Konsum pur?

I) Einleitung: Musicals in den 80er- und 90er - Jahren– eine Boombranche entsteht

Es ist noch gar nicht lange her, da führten die Musicals ein Schattendasein in der deutschen Kulturlandschaft. Nur sehr gelegentlich kamen sie im ein oder anderen Stadttheater zur Aufführung. Das änderte sich am 18. April 1986, als die Unternehmensgruppe Stella, ein privatwirtschaftliches Unternehmen, mit der Produktion des Broadway-Erfolgsmusicals Cats in Hamburg erstmals das Thema Ensuite-Musical angegangen ist.[1]

Hinzu kam am 12. Juni 1988 Andrew Lloyd Webbers Starlight Express, der ebenfalls als Stella- Inszenierung seitdem in Bochum zu sehen ist und bis dato über 7,5 Millionen Gäste in die Stadt an der Ruhr gelockt hat.[2]

Heute hat der Musicalzirkus noch größere Ausmaße angenommen: Zu den acht Stella-Produktionen (Cats, Starlight Express, Das Phantom der Oper, Miss Saigon, Die Schöne und das Biest, Les Misérables, Joseph and the amazing technicolor dreamcoat, Der Glöckner von Notre Dame) gesellen sich noch zahlreiche weitere sogenannte Sitdown-Productions, also Produktionen mit jahrelanger Laufzeit in festen Häusern.[3] Dazu gehören etwa das seit 1994 in Hamburg präsentierte Stück Buddy Holly Story und die erst vor kurzem angelaufene Produktion Jekyll & Hyde, die im Musical Theater Bremen gezeigt wird. Und auch in Nordrhein-Westfalen werden zahlreiche Musicals aufgeführt. Neben den Stella- Produktionen Les Misérables (Musical Theater Duisburg) , Joseph and the amazing technicolor dreamcoat (Colosseum Essen) und Starlight Express (Starlighthalle Bochum), war es drei Jahre lang vor allem das vom Düsseldorfer Capitol Theater inszenierte Erfolgsstück Grease, welches die Besucher nach Nordrhein-Westfalen lockte. Am 25. Februar 1999[4] wurde Grease schließlich von Jonathan Larsons Rent abgelöst, das derzeit durch Deutschland tourt und voraussichtlich im Jahre 2000 in die Rheinmetropole zurückkehrt. Erfolgversprechend ist auch die Aufführung von Saturday Night Fever, die ebenfalls vom Capitol Theater inszeniert wurde und seit dem 11. September 1999 im Kölner Musical Dome zu sehen ist.[5]

Zwar gab und gibt es seit einigen Jahren auch Produktionen, die nur schlecht oder gar nicht anliefen, so etwa Gaudi in Köln, Gambler in Mönchengladbach oder Sunset Boulevard in Niedernhausen bei Wiesbaden, jedoch steckten dort oft ortspezifische Gründe hinter dem mangelnden Erfolg.

Trotz derartiger partieller Mißerfolge hat es das Genre Musical geschafft, sich in der deutschen Kulturlandschaft zu etablieren. Der hier geschaffene Markt, gerade im Bereich der großen Sitdown-Produktionen, hat zunehmend auch eine touristische Relevanz.[6]

Wie der Markt für Musical-Reisen heute aussieht, welche Auswirkungen eine Sitdown-Produktion auf den Aufführungsort hat und wie sich die Zukunft der Musicals als Erlebnis-Events gestalten könnte, soll in dieser Seminararbeit thematisiert werden.

II) Hauptteil

II.1) Pauschal oder individuell – Viele Wege führen zu Musicals

Wer heutzutage eine Musical-Reise antreten möchte, dem stehen viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, an Karten und die Reise zu kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies zeigt die folgende Grafik:

(Quelle: Eigene Erhebung der Stella AG, Daten aus gesamt 1994, in: Rothärmel, a.a.O, S.252)

II.1.1) Anruf genügt: Kartenverkauf direkt an den Privatkunden

Zunächst gibt es natürlich die Möglichkeit, die Karten selbst telefonisch reservieren zu lassen. Derartige Aktionen laufen über meist veranstaltereigene Call-Center ab, die den telefonischen Kartenservice mit Hilfe von speziellen Computer-Reservierungssystemen organisieren und durchführen. Bei der Stella AG übernimmt diese Aufgabe die Tochtergesellschaft TeleTicket, die die Musical-Karten mit rund 300 Mitarbeitern in den Niederlassungen Hamburg, Bochum und Stuttgart vertreibt. Im Jahre 1994 konnten auf diese Art und Weise mehr als 3 Millionen Karten direkt an die Privatkunden verkauft werden. Das sind etwa 40 % des gesamten Kartenvolumens für die Stella- Musicals.[7]

Ein großes Call-Center gehört auch zum Capitol Theater in Düsseldorf. Hier, beim TKS Ticket-Service, werden neben den Karten für die eigenen Produktionen Rent und Saturday Night Fever auch Tickets für andere Kulturevents in Stadt und Region vertrieben.

Kunden, die direkt beim Veranstalter buchen, reisen in der Regel in eigener Regie mit dem Privat-PKW, der Bahn oder dem Flugzeug an. Dabei ist es möglich, die Übernachtung direkt über die Veranstalter-Hotline mitzubuchen. So bot die Stella AG beispielsweise bis zum 31. August 1999 ein spezielles Sommerpaket an, das für 2 Personen insgesamt 405.-DM kostete und einen Besuch des Musicals Phantom der Oper (2. Preiskategorie) sowie eine Übernachtung inklusive Frühstück im Holiday Inn-Hotel beinhaltete.[8]

II.1.2) ,Neckermann macht`s möglich`: Kartenverkauf über Reisebüros und Reiseveranstalter

Daneben gibt es die Möglichkeit, die Karten an Theaterkassen, in Vorverkaufsstellen, Reisebüros oder bei einem Reiseveranstalter zu erwerben. Etwa 28 % des gesamten Kartenvolumens für die Stella- Musicals wird an Firmen dieser Sparte verkauft.

Für die Reisebüros ergibt sich damit die Gelegenheit, die Kunden stärker an sich zu binden und touristische Zusatzleistungen, wie Besichtigungen oder Ausflüge, an die Musical-Touristen zu verkaufen. Zudem bieten alle großen Reiseveranstalter Pauschalreisen zu den Musicals an.[9]

II.1.3) Hauptsache pauschal: Bustouren zu den Musical-Events

Das gleiche gilt für die Busunternehmer, die ca. 23 % aller Stella-Karten kaufen. Nach einer Statistik des Bundesverbands deutscher Omnibusunternehmer aus dem Jahre 1994 haben nahezu 100 % der etwa 1200 Unternehmen Musical-Reisen im Programm, meist als Pauschalangebote mit Übernachtungen und anderen städtetouristischen Attraktionen.[10]

Das Wittener Unternehmen Hafermann, einer der größten Anbieter von Musical-Reisen, offeriert in seinem Katalog für 1999 2-, 3- oder 4-Tages-Touren zu allen Stella -Produktionen sowie zu Jekyll und Hyde, Rent, Buddy, Chicago, Saturday Night Fever und dem in Wien aufgeführten Tanz der Vampire.

Gerade bei den längeren Reisen über 3 oder 4 Tage ist der Musical-Besuch nur ein Teil des umfassenden Programmes. Im Rahmen der Wien-Fahrt etwa steht am ersten Tag eine Stadtrundfahrt mit Besuchen der Wiener Hofreitschule, der Staatsoper, von Schloß Schönbrunn und dem Prater auf dem Programm. Nach dem Musical geht es dann zum Heurigen. Am nächsten Tag folgt ein Ausflug ins Burgenland, der allerdings extra bezahlt werden muß.[11]

Eine gute Gelegenheit für den Veranstalter, eine solche, oben bereits erwähnte , zusätzliche Touristikleistung an die Musicalreisenden zu verkaufen.

Ohne den Ausflug kostet das Pauschalangebot übrigens zwischen 299.- und 1355 (!).- DM pro Person, je nach Saison und Qualität des Hotels.

II.1.4) Mit Musical-Packages zur besseren Auslastung: Ticketverkauf in Hotels

Ein geringerer Teil aller Karten (ca. 5 %), die von TeleTicket vertrieben werden, geht an die Hotellerie, die unter der Woche vor allem Geschäftsreisende mit Tickets versorgt. Am Wochenende verhelfen spezielle Musical-Packages

zur besseren Auslastung der Häuser. Die Stella AG arbeitet auf diese Weise mit mehr als 400 Partner-Hotels zusammen.[12]

[...]


[1] Rothärmel, Bettina, Management von Musical-Unternehmen am Beispiel der Stella AG, in: Dreyer, Axel

(Hrsg.), Kulturtourismus, S. 243

[2] Presseabteilung Stella AG (Hrsg.), Infoblätter ,,Stella Musicals“ und ,,Starlight Express – Zahlen, Daten, Fak-

ten“

[3] Rothärmel, a.a.O., S. 243

[4] Onlinezeitung (Hrsg.), Rent – das Musical der 90er Jahre, aus dem Internet: http://www.onlinezeitung.de

[5] Rheinische Post – Düsseldorfer Hefte (Hrsg.), ,,Eine Herausforderung, wir gehen hier völlig neue Wege...“,
Thomas Krauth, Musical-Produzent..., aus dem Internet: http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesselhefte/
9903/Krauth.html

[6] Rothärmel, a.a.O., S. 243

[7] Rothärmel, a.a.O., S. 246

[8] Information laut TeleTicket Hotline (01805-4444), gesprochen mit Herrn Schröter am 11.08.99, 11.15 Uhr

[9] Rothärmel, a.a.O., S. 253

[10] Rothärmel, a.a.O., S. 253

[11] Hafermann-Reisen (Hrsg.), Musical-Reisen, Katalog 1999, S. 26

[12] Rothärmel, a.a.O., S. 253

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Musical-Tourismus im ökonomischen und kulturellen Zusammenhang: Wie sieht die Gegenwart aus und wo geht die Reise noch hin ?
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Neuere Germanistik)
Veranstaltung
Musicals in Deutschland
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V9645
ISBN (eBook)
9783638162906
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Musical-Tourismus in Deutschland, dem Musical-Boom seit den 80er Jahren, aber auch den rücklaufigen Besucherzahlen ab den späten 9oer-Jahren. Es werden Beispiele einbezogen, wie etwa die Stella-Musicals in Hamburg, Bochum und Essen, und die Musicals kleiner Anbieter, wie etwa Grease in Düsseldorf. Die Arbeit enthält einige Schaubilder und Statistiken. 452 KB
Schlagworte
Musical, Musicals, Tourismus, Musical-Tourismus, Stella, Grease, Starlight Express, Sunset Boulevard, Cats, Phantom der Oper, Urban Entertainment Center
Arbeit zitieren
Simone Schroth (Autor), 1999, Musical-Tourismus im ökonomischen und kulturellen Zusammenhang: Wie sieht die Gegenwart aus und wo geht die Reise noch hin ?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9645

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