Beschäftigt man sich im Rahmen der Germanistik mit Vorworten als Textsorte, stellt man schnell fest, daß es praktisch keine wissenschaftliche Sekundärliteratur zu diesem Thema gibt. Dabei können Vorworte bereits derart viel über das nachfolgende Werk, die Biographie des Autors und seine Intentionen aussagen, daß schon Ludwig Börne bezüglich der Vorworte seines ,,feindlichen Bruders“ Heinrich Heine, wenn auch spöttisch, anmerkte, daß dessen Vorworte oft besser seien, als die nachfolgenden Werke. Diese Worte Börnes entstanden, als Vorworte als Textsorte geradezu ihre ,,Hoch-Zeit“ erlebten, im 19. Jahrhundert. Heute dagegen sind sie als literarische Textsorte aus der Mode gekommen, besonders im Zusammenhang mit fiktionalen Texten. Dort existieren mittlerweile Vorworte und Einleitungen, Pro- und Epiloge, Waschzettel und Klappentexte nebeneinander. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, eine klare Abgrenzung zwischen diesen Textsorten zu treffen.
Das Vorwort ist eine eröffnende Vorrede zu einem Buch, welche über Entstehung, Sinn und Zweck des Werkes berichtet. Es ist meistens vom Autor selbst verfaßt worden und spricht den Leser direkt an. Oft, gerade auch bei Heine und Börne, enthält das Vorwort auch eine Rechtfertigung des Verfassers und Erwiderungen auf frühere Kritiken z.B. von Kollegen.
Ein Klappentext dagegen ist der auf die Klappen des Schutzumschlages gedruckte Einführungstext über das Buch, der vom Verlag verfaßt wird und neben der Information vor allem Werbezwecken dient. Auch der Waschzettel wird vom Verlag verfaßt. Es ist der den Besprechungsexemplaren beigelegte Zettel mit Inhaltsangabe, Charakteristik des Buches und sonstigem wissenswerten Material für den Rezensenten.
Pro- und Epilog dagegen sind ein typisches Dramenphänomen. Der Prolog ist dabei eine kurze Einleitung in das Dramengeschehen, durch welche die Personen und Handlungen vorgestellt werden. Der Epilog dagegen bildet die Schlußrede eines Theaterstückes, die sich, oft belehrend, an die Zuschauer richtet und im modernen Drama eine satirisch-parodistische Funktion hat.
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
I.1) Vorworte im Blickfeld der Germanistik – eine Abgrenzung
I.2) Vorworte im didaktischen Zusammenhang – eine kurze Einführung
II) Hauptteil
II.1) Über die Autoren
II.1.1) Über Lew Kopelew
II.1.2) Über Jochanan Trilse-Finkelstein
II.2) Inhaltliche Zusammenfassung der Vorworte
II.2.1) Das Vorwort Kopelews
II.2.2) Die Vorrede Trilse-Finkelsteins
II.3) Ein Thema – zwei Werke: Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Vorworte
III) Schlußteil: Wie gelingt die didaktische Vermittlung – ein Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Vorworte zu den Heinrich-Heine-Biographien von Lew Kopelew und Jochanan Trilse-Finkelstein, um deren inhaltliche Ausgestaltung, biographische Hintergründe der Autoren sowie ihre jeweilige Eignung und Funktion im Rahmen der germanistischen Literaturdidaktik zu analysieren.
- Vergleichende Analyse der Textsorten Vorwort und Vorrede
- Biographische Einordnung von Lew Kopelew und Jochanan Trilse-Finkelstein
- Inhaltliche Untersuchung der Vorwort-Texte hinsichtlich Entstehung, Sinn und Zweck
- Evaluation der didaktischen Vermittlungspotenziale beider Texte für den Literaturunterricht
Auszug aus dem Buch
II.3) Ein Thema – zwei Werke: Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Vorworte
Zunächst zum äußeren Bild der beiden Vorworte: Dort gibt es bereits erhebliche Unterschiede, wenn man deren Umfang betrachtet. Während das Vorwort Kopelews sich nur über knapp zweieinhalb Seiten erstreckt, nimmt das von Trilse-Finkelstein mehr als das dreifache an Platz in Anspruch und besteht aus etwa acht Seiten. Vergleicht man diesen Umfang mit dem der Werke insgesamt, so kommt man zu dem Ergebnis, daß bei Kopelew die zweieinhalb Seiten des Vorwortes in insgesamt 540 Seiten des Gesamtwerkes eingebettet sind, während bei Trilse-Finkelstein acht Seiten Vorrede rund 420 Seiten Gesamttext gegenüberstehen.
Damit könnte möglicherweise bereits zu ersehen sein, daß die Vorrede bei Trilse-Finkelstein einen größeren Stellenwert hat als bei Kopelew. Unterschiedlich ist auch der Platz innerhalb der Bücher, an denen die Texte zu finden sind. Kopelews Vorwort reiht sich zwischen Inhaltsverzeichnis und dem ersten Kapitel ein. Widmung und Zitate von Heine bzw. Böll befinden sich schon vor dem Inhaltsverzeichnis. Trilse-Finkelstein dagegen stellt kein Inhaltsverzeichnis, sondern die Widmung und zwei Heine-Zitate der Vorrede voran. Nachfolgend beginnt, wie bei Kopelew auch, das erste Kapitel.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Einleitung: Diese Einleitung grenzt Vorworte als Textsorte von verwandten Formen wie Klappentexten oder Prologen ab und führt in die Grundlagen der germanistischen Literaturdidaktik ein.
II) Hauptteil: Der Hauptteil beleuchtet die Biographien der beiden Autoren, fasst die Inhalte ihrer jeweiligen Vorworte zusammen und stellt diese in einem detaillierten Vergleich gegenüber.
III) Schlußteil: Wie gelingt die didaktische Vermittlung – ein Resümee: Das Fazit bewertet die Eignung der untersuchten Texte für didaktische Zwecke und hinterfragt, inwiefern sie den Anforderungen an literaturdidaktische Zielsetzungen gerecht werden.
Schlüsselwörter
Heinrich Heine, Lew Kopelew, Jochanan Trilse-Finkelstein, Vorwort, Vorrede, Literaturdidaktik, Biographieforschung, Textsortenanalyse, Germanistik, Literaturvermittlung, didaktische Funktion, Vergleich, Heine-Biographie, Widerspruch, Literarische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Vorworte zu den Heine-Biographien von Lew Kopelew und Jochanan Trilse-Finkelstein hinsichtlich ihrer Gestaltung, Intention und didaktischen Eignung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Theorie der Textsorte Vorwort, die Biographien der Autoren sowie die germanistische Literaturdidaktik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Vorworte herauszuarbeiten und zu analysieren, wie diese Texte zur didaktischen Vermittlung von Literatur beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Primärtexte vorgenommen, die durch einen Vergleich der formalen und inhaltlichen Aspekte sowie eine didaktische Einordnung erfolgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den biographischen Hintergründen der Autoren, gibt die Inhalte der Vorworte wieder und vergleicht diese kritisch miteinander.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heinrich Heine, Vorwort-Analyse, Literaturdidaktik und Biographieforschung charakterisiert.
Worin unterscheidet sich die Vorwort-Gestaltung der beiden Autoren primär?
Kopelew verfasst ein eher sachliches Vorwort, das sich an Konventionen orientiert und die Entstehungsgeschichte des Buches fokussiert, während Trilse-Finkelstein eine emotionale, essayistische "Vorrede" schreibt, die den Dichter Heine selbst in das Zentrum stellt.
Welches Vorwort erfüllt aus didaktischer Sicht eher die Ziele der Literaturdidaktik?
Aus Sicht der Literaturdidaktik erfüllt Trilse-Finkelsteins Vorrede die Kriterien besser, da sie durch ihre inhaltliche Dichte und persönliche Tonalität eher zur Auseinandersetzung und Identifikation mit dem Thema anregt als der sachlich-berichtende Text Kopelews.
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- Simone Schroth (Author), 1999, Zwei Vorworte zu Heine: Ein Vergleich der Vorworte zu den Heinrich Heine -Biographien von Lew Kopelew und Jochanan Trilse-Finkelstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9648