Gewalt in der Familie


Hausarbeit, 1995
6 Seiten

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Gliederung

1. Vorbemerkungen

2. Gewalt in der Familie

3. Gewalt gegen den Lebenspartner

4. Gewalt gegen alte Familienmitglieder

5. Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder
5.1. Mißhandlungen und Vernachlässigungen
5.2. Sexueller Mißbrauch und Inzest

6. Literaturverzeichnis

1. Vorbemerkungen

Diese Hausarbeit ist Teil einer Gruppenarbeit zum Thema "Gewalt".

Bei meinem Teilbereich, die Gewalt in der Familie, handelt es sich um ein sehr komplexes Thema, weshalb ich mich bei dieser Ausarbeitung teilweise stark beschränken muß.

Auf die Teilbereiche meines Themas, die sich mit den Arbeiten der anderen überschneiden, gehe ich nicht näher ein. Weiterhin werde ich die Teilbereiche: "Gewalt unter Geschwistern" und "Gewalt von Kindern gegen die Eltern" nicht behandeln, da dies den Umfang der Arbeit sprengen würde.

2. Gewalt in der Familie

Bei der Diskussion über Gewalt in der Familie steht meist der sexuelle Mißbrauch von Kindern im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Den Mißhandlungen gegenüber dem Ehepartner, den Kindern und alten Familienmitgliedern wird oft nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Gewalt in Familien kommt in allen sozialen Schichten unserer Gesellschaft vor. Sie ist Bestandteil unserer Gesellschaft, bleibt aber meist im Verborgenem oder wird still schweigend toleriert. Familiäre Gewalt wird oft nur anhand von Schreckensberichten körperlicher Verletzungen als Problem bewußt. Möglich wird die Gewalt in der Familie, weil unsere Gesellschaft und ihre Institutionen sie tabuisieren oder sogar fördern. "Kinder sind absolut rechtlos, sich gegen das zu wehren, was andere "für ihr Wohl" tun. Frauen fehlt jeder rechtliche oder polizeiliche Schutz gegen Gewaltdelikte aller Art, einschließlich der äußersten Erniedrigung der Vergewaltigung, sofern sie zuvor mit dem Täter in familienähnlicher Beziehung gelebt haben (Hagemann-White, 1988, S.250)".

In der Öffentlichkeit und der Politik besteht deswegen nur ein sehr geringes Interesse an genauen Zahlen. Da auch noch das Dunkelfeld sehr groß ist, gibt es so gut wie kein gesichertes Zahlenmaterial; weshalb auf Schätzungen zurückgegriffen werden muß.

3. Gewalt gegen den Lebens partner

Über die Häufigkeit von Gewalt gegen den Lebenspartner gibt es in Deutschland keine gesicherten Daten. Selbst den Bundesbehörden liegen nur Schätzungen vor. So wird von ca. 4 Mio. mißhandelten Frauen, durch deren Männer im Jahr ausgegangen.

Im Alltag kommt es nicht nur zu schwerer körperlicher Gewalt, sondern "für viele Frauen sind es Ohrfeigen und Würgeversuche, die die Angst vor Schlimmerem erwecken, Drohungen, die der Mißhandler wahrmachen könnte, psychische Mißhandlungen, die das Leben zur Hölle machen (Hagemann-White, 1988, S.249)". Die Frauen empfinden diese Demütigungen und Gängelungen oft als Kern ihres Leidens.

Gewalt gegen den Partner kommt in allen Gesellschaftsschichten vor und tritt oft jahrelang auf. Es sind meist Männer die gewalttätig werden; Frauen sind nur selten gewalttätig und dann meistens nur zur Selbstverteidigung. Zudem können sie aufgrund ihrer schwächeren Körperkräfte den Männern nur wenig Schaden zufügen.

Gewalt tritt häufig in sozial isolierten Familien auf. Sie haben wenige Freunde und verbringen ihre Freizeit selten mit anderen Menschen. Ihre Bedürfnisse versuchen sie in der Familie zu befriedigen, was leicht zu einer Überforderung dieser führen kann. Viele gewalttätige Männer waren zudem in ihrer Kindheit selbst Opfer von Gewalt oder haben Gewalt in der Familie als etwas "Normales" erlebt und folgen jetzt dem erlernten Beispiel ihrer Eltern.

Durch wiederholte Erfahrungen des Versagens, zum Beispiel bei Problemen am Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit, hat sich bei ihnen ein starkes Minderwertigkeitsgefühl ausgebildet. Durch die Gewaltanwendung versuchen sie dies nun zu kompensieren.

In anderen Fällen entsteht Gewalt aus Partnerkonflikten. Viele Männer sind sehr autoritär und dominant. Widersprechen die Frauen oder tasten sonstwie die Autorität ihrer Lebensgefährten an, so greifen diese mit Gewalt durch. Grundsätzlich sehen die Männer die Schuld ihres Verhaltens bei den Frauen, wodurch sie die Gewalt als gerechtfertigt ansehen und auch keine Reue verspüren.

Die Frauen halten sich meist selbst für schuldig an ihrer Situation und leiden unter einem negativen Selbstwertgefühl. Häufig wehren sie sich auch nicht, weil sie schon als Kind die Opferrolle gelernt haben. Sie erleben sich als unselbständig und sind dadurch praktisch abhängig von ihrem Partner. Diese Frauen finden meist wenig Verständnis in ihrem sozialem Umfeld; eher wird ihnen noch die Schuld für die eigene Mißhandlung zugeschrieben.

4. Gewalt gegen alte Familienmitglieder

Erst seit einigen Jahren wird in der Öffentlichkeit auch über die Gewalt gegen alte und pflegebedürftige Familienmitglieder offen gesprochen.

"Ein merklicher psychischer und sozialer Abbau, der den älteren Menschen in wachsendem Maße hilfsbedürftig und damit mißhandlungsanfällig macht, setzt meist erst bei den über 70- bis 75jährigen ein. Wegen der höheren Lebenserwartung von Frauen ist ihr Anteil in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich groß. Dies spiegelt sich in dem vermutlich hohen Frauenanteil unter den Opfern von Altenmißhandlung wider (Schwind/Baumann, 1990, S.98)".

Die Täter leiden meist unter Persönlichkeitsstörungen, besitzen wenig Selbstkontrolle, sind leicht erregbar und intolerant. Manche sind gegenüber den Alten autoritär, dominant und wenig respektvoll. Sie fassen altersbedingte Störungen wie zum Beispiel Demenz, als absichtlich Provokation auf und reagieren dann oft gewalttätig.

Andere empfinden die Pflege als Bürde und fühlen sich dadurch körperlich und psychisch überlastet. Der fortwährende Streß, Überreiztheit und Alkoholmißbrauch können in bestimmten Situationen zur Gewalt führen.

Die alten Familienmitglieder sind sehr verletzlich, da sie aufgrund von Krankheiten, der Wohnungssituation und den geringen sozialen Kontakten, auf ihre Pfleger angewiesen sind. Sie fühlen sich nutzlos; durch die Mißhandlungen werden sie verzweifelt, verwirrt und verlieren ihre Selbstachtung. Aufgrund der fehlenden Möglichkeiten ihre Situation zu ändern, fühlen sie sich hilflos. Manchmal schlägt diese Hilflosigkeit aber auch in Provokation gegen die Pfleger um.

5. Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder

Die Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder läßt sich in zwei Bereiche einteilen. Ihnen gemeinsam ist, daß die Kinder von den Eltern abhängig sind und sich nur schwer gegen diese wehren können. Die Kinder entwickeln ein Schuld- und Wertlosigkeitsgefühl durch die an ihnen verübte Gewalt.

Das folgende Zitat stellt kurz eine der Haupttheorien zur Entstehung von Gewalt zwischen Eltern und Kindern dar:

"Da jedes Kind die Beziehungsformen seiner Eltern schon früh als eigene innere Bilder übernimmt, geht es auch darum, den zerstörten Dialog zwischen Eltern und Kindern zu pflegen. Der (sexuelle) Mißbrauch von Kindern setzt diesen Dialog außer Kraft und funktionalisiert die Kinder als "Objekte" der Eltern und anderer Erwachsener. Die Wiederholung dieses Geschehens ist "vorprogrammiert", wenn man nicht den Opfern und den Tätern hilft, neue, gesündere Beziehungsformen zu entwickeln. Denn jeder Täter war einmal Opfer der Gewalt, die er -vielleicht in veränderter Form- sein Leben lang wiederholt (Bauriedl, 1992, S.2)".

5.1 Mißhandlungen und Vernachlässigungen

"Formen dieser Gefährdungssituationen sind neben Gewalterfahrungen gesundheitliche Vernachlässigungen, unzureichende Sicherstellung der Ernährung bis hin zum Verhungern, Züchtigungen und anderes mehr (MAGS, 1994, S.106)".

Über das genaue Ausmaß von Kindesmißhandlungen, liegen keine konkreten Angaben vor; Schätzungen gehen von ca. 400.000 Fällen pro Jahr aus, mit in den letzten Jahren steigender Tendenz. Während Mißhandlungen in allen sozialen Schichten vorkommt, tritt Vernachlässigung insbesondere bei Armut, sozialer Randständigkeit und Drogenmißbrauch auf.

"Mißhandelte Kinder kommen häufiger aus Familien, die sich charakterisieren lassen durch Spannungen in der Ehe der Eltern (u.a. emotionale Probleme), ein relativ niedriges Familieneinkommen und ein starkes Vertrauen zur körperlichen Züchtigung als Erziehungsund Kontrollmittel (Zimbardo, 1983, S.643)".

Oft sind psychisch belastende Streßsituationen, wie zum Beispiel Familienkriesen, Ehekonflikte, Arbeitslosigkeit oder beruflicher Mißerfolg, Auslöser von Kindesmißhandlungen. Auch führen hohe Kinderzahl und sehr kleine Wohnungen zu Überforderungen. Die Eltern versuchen dann durch die Gewalt gegen ihre Kinder diese Überforderungen zu kompensieren.

Manche Kinder werden mißhandelt, weil sie die hohen emotionalen Ansprüche oder Leistungserwartungen der Eltern nicht erfüllen. Andere hingegen lehnen ihre Kinder bewußt oder unbewußt aus den unterschiedlichsten Gründen ab. Einige Eltern sind auch aufgrund mangelnder erzieherischer Kompetenzen nicht in der Lage auf Gewalt zu verzichten.

Gewalttätige Eltern wurden oft selbst als Kinder mißhandelt und lernten dadurch körperliche Züchtigung als akzeptables Erziehungsmittel kennen. Sie glauben deshalb immer noch durch das sogenannte Züchtigungsrecht dazu befugt zu sein, die Rechte und die Integrität der Kinder zu verletzen. Die bisherige rechtliche Regelung durch §1631 BGB (Verbot von entwürdigenden Erziehungsmaßnahmen) reicht nicht aus, um hier einen Umdenkungsprozeß in Gang zu setzen.

Viele Eltern halten ihre Kinder für unfertige Personen, was ihre Gewalt rechtfertigen soll. Sie übersehen aber, daß sie den Kindern dadurch körperliche und seelische Schäden zufügen.

5.2. Sexueller Mißbrauch und Inzest

"Nach der strafrechtlichen Definition (§176 StGB) begeht sexuellen Mißbrauch von Kindern, wer sexuelle Handlungen an einer Person unter 14 Jahren (Kind) vornimmt, an sich von dem Kind vornehmen läßt oder ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder von einem Dritten an sich vornehmen läßt; ebenso wird bestraft, wer sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt, ein Kind dazu bestimmt , daß es sexuelle Handlungen vor ihm oder einem Dritten vornimmt, oder auf ein Kind durch Vorzeigen von pornographischen Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielung von Tonträgern pornographischen Inhalts oder durch entsprechende Reden einwirkt, um sich das Kind oder einen anderen hierdurch sexuell zu erregen (weitere Tatbestände des sexuellen Mißbrauchs enthalten die §§173 - 184 StGB) (MAGS, 1994, S.106)".

Über das Ausmaß des sexuellen Mißbrauches in der BRD gibt es kein gesichertes Datenmaterial, da ein großes Dunkelfeld existiert. Schätzungen gehen von 150.000 bis 300.000 Fällen im Jahr aus. Man geht davon aus, daß die meisten Taten im sozialen Nahbereich geschehen und Mädchen wesentlich stärker betroffen sind als Jungen. Die Täter sind etwa zu 95 % männlich, wobei Kinder sehr oft von ihren Vätern mißbraucht werden. In ca. 80 % der Fälle kennen die Kinder den Täter; der Tatort ist in der Regel die Wohnung des Opfers oder des Täters. Inzest kommt in allen sozialen Schichten vor und zieht sich meist über Monate und Jahre hinweg.

Bei einem Teil der Täter ist keine psychische Auffälligkeit feststellbar; bei anderen treten Probleme in der Familie oder auf der Arbeit, hohe Belastungen oder Persönlichkeitsstörungen auf. Ihre sozialen Kontakte beschränken sich auf den engeren Familienkreis.

Viele Väter betrachten ihre Kinder als ihren Besitz, den sie auch für sexuelle Kontakte benutzen können. Sie glauben, dies währe für die Kinder unschädlich; wobei sich manche durch Kinderpornographie in ihrer Meinung bestätigt fühlen.

Oft werden die Kinder auch als Partnerersatz benutzt. Der Vater hat oft Streit mit der Partnerin, hat sich von ihr entfremdet oder empfindet den Sex mit ihr als langweilig.

Der Mißbrauch findet selten unter Einsatz von Gewalt statt. Meist werden die sexuellen Handlungen als "normales" Verhalten bezeichnet oder sie werden von den Kinder als Zeichen der Zuneigung erpreßt. Die Väter verpflichten die Kinder zur Geheimhaltung. Die Mütter wissen jedoch meistens von den inzestuösen Beziehungen, schützen ihr Kinder aber nicht; weil sie Angst vor dem Partner haben, einen Skandal befürchten oder ihr Kind bewußt oder unbewußt als Ersatz für sich selber anbieten.

Das Kind ist den Eltern hilflos ausgeliefert und erlernt die Opferrolle. Die sexuelle Gewalt führt bei den Kindern zu einem Schuld- und Wertlosigkeitsgefühl, daß sich als eine Art von Abwehrschild über die wirklichen Gefühle legt. Um den Mißbrauch aushalten zu können, schwanken sie "ständig zwischen der Identifikation mit dem Täter und der Identifikation mit sich selbst hin und her (Bauriedl, 1992, S.68)".

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Details

Titel
Gewalt in der Familie
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Autor
Jahr
1995
Seiten
6
Katalognummer
V96483
Dateigröße
334 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Familie
Arbeit zitieren
Detlef Kaenders (Autor), 1995, Gewalt in der Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96483

Kommentare

  • Gast am 19.8.2002

    Gewalt in der Familie.

    Gewalt kommt in den Familien in allen Konstellationen vor. Die Tatsache, dass die Gewalt gegen den männlichen (Ehe)-partner nicht oder kaum propagiert wird, liegt daran, dass Männer aus Angst, als Schwächlinge zu gelten, sich nicht trauen über Gewalt ihrer Partner zu sprechen. Und die Tatsache, dass Männer aufgrund der weniger stark ausgeprägten Körperkraft der Frauen, oft keine physischen Schäden aufweisen, heisst noch lange nicht, dass sie keiner Gewalt ausgesetzt sind. Psychoterror, psychische verbale Gewalt etc. sind auch Formen der Gewalt.
    Bitte besser / genauer recherchieren!!!!!!!!!

    MfG Hertha

  • Gast am 5.2.2003

    Frauengewalt.

    Ich war enttäuscht wie leichtfertig das Thema "Gewalt gegen Partner" abgetan wird. Frauengewalt gibt es und zwar in einem sehr massiven Maße.
    Ich empfehle die aktuellen Studien zu diesem Thema zu lesen, um dann eines besseren belehrt zu werden.
    MfG, Anna.

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