Ethik in der Sozialen Arbeit. Zur Thematik Gerechtigkeit und Selbstverständnis für SozialarbeiterInnen


Hausarbeit, 2019

21 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Gerechtigkeit?

2. Selbstverständnis SozialarbeiterIn, Ethikkodex und ethische Ansätze (Care-Ethik und Capability Approach)

3. Ethische Debatte: Beschneidung

4. Literaturverzeichnis

1. Was ist Gerechtigkeit?

Wer sich mit dem Thema Gerechtigkeit befasst, merkt schnell, dass es ziemlich schwer ist eine exakte Definition zu finden, die so umfangreich ist, dass sie alle Bereiche abdecken könnte. Schon alleine im Alltag läuft uns oftmals der Satz ´das ist ungerecht´ über den Weg. Doch was genau gilt als gerecht oder ungerecht? Wer bestimmt was Gerechtigkeit ist? Ist es ungerecht, wenn ein Besuch beim Arzt mit langen Wartezeiten verbunden ist und man nicht direkt an die Reihe kommt oder wenn eine Person ausgeschlossen wird oder eher, wenn eine Frau in einem Beruf weniger verdient als ihr männlicher Kollege? Jedes Individuum nimmt diese aufgeführten Situationen anders wahr und somit kann festgestellt werden, dass jedes Individuum ein anderes Verständnis von Gerechtigkeit hat. Unter der Frage, was ist Gerechtigkeit, lohnt es sich also einmal genauer hinzuschauen. Jedoch können nicht alle Aspekte betrachtet werden, da das Thema zu umfangreich und komplex ist.

Eine wichtige Voraussetzung, um sich mit dem Thema Gerechtigkeit auseinanderzusetzen, ist die Erkenntnis, die ebenfalls von A. Sen und J. Rawls ergründet wurde, dass jeder Mensch nach Gerechtigkeit strebt und immer streben wird (Vgl. Rommerskirchen 2015, S.214/227). Ohne diese Voraussetzung wäre Gerechtigkeit kein relevantes Thema für die Gesellschaft.

Doch mit dem Thema Gerechtigkeit wird sich schon seit der Antike befasst. Um sich dem Thema Gerechtigkeit jedoch in einem ersten Schritt anzunähern wäre vor allem ein Blick auf den klassischen Grundsatz „summ suique“ von Ulpian hilfreich. Diesem Grundsatz wird universelle Gültigkeit zugesprochen und bedeutet so viel wie, jede Person solle „das Seine“ oder „Ihre“ erhalten, also erhalten was dieser zustehe (vgl. Thole 2012, S.298). Dieser Grundsatz ist in seiner Aussage wohl richtig und einfach zu verstehen, aber ausreichend ist er meiner Meinung nach nicht. Der Grundsatz vernachlässigt die Grenzen von Gerechten und Ungerechten. A. Sen, der überzeugt von dem allgemeinen Streben nach Gerechtigkeit ist, verdeutlicht, dass diese Grenzen von Gerechten und Ungerechten verschiedene Variablen besitzen und es sehr viele verschiedene Denkweisen über Gerechtigkeit gibt, die auf unterschiedlichste Weisen erklärt werden können (Vgl. Rommerskirchen 2015, S.227). Welche Forderungen in welchem Kontext als gerecht gelten sollen, ist grundsätzlich umstritten und immer eine Frage der ethischen Perspektive verbunden.

Um Gerechtigkeit bestimmen zu können benötigt es daher einer Auseinandersetzung mit verschiedenen Gerechtigkeitstheorien, auf die ich deshalb in diesem Beitrag eingehen möchte. Um mich nicht in den unzähligen verschiedenen Positionen der Gerechtigkeitstheorien zu verstricken, habe ich mich für ausgewählte Theorien entschieden, die meines Erachtens ausschlaggebend sind um eine Beantwortung der Frage nach Gerechtigkeit ausarbeiten zu können.

Zunächst einmal geht es zurück in die Antike zu den Philosophen Aristoteles, Platon und Sokrates. Sokrates und Platons Gedanken, der Suche nach dem wahren Guten und Gerechtem, sind nur schwer voneinander zu trennen (vgl. Schwaabe 2007, S.21). Der Mensch ist, nach ihnen mit eigenen natürlichen Fähigkeiten ausgestattet. Jeder Mensch soll den Platz in der Gesellschaft einnehmen, den er zum Nutzen aller aufgrund seiner Fähigkeiten ausfüllen kann. Dies macht nach ihrer Vorstellung Gerechtigkeit aus (vgl. Müller 2014, S.19ff.). Platon erläutert, dass nur wer gerecht ist, vollkommenes Glück erfahren könnte. Dabei zählt Gerechtigkeit zu den sogenannten Kardinaltugenden, in denen Gerechtigkeit die bedeutsamste Rolle einnimmt (vgl. Müller 2014, S.21ff.)

Auch Aristoteles stellt sich der Frage des wahren Guten und Gerechten (vgl. Schwaabe 2007, S.51f.) und stellt die Gerechtigkeit als höchste Tugend heraus (vgl Schwaabe 2007, S. 61). Nach Aristoteles ist jener Mensch gerecht, der den Gesetzen Beachtung schenkt und sie achtet. Dabei schreibt das Gesetz die Tugenden Sanftmütigkeit, Tapferkeit und Maßhalten zu, die zusammengefasst unter dem Begriff Gerechtigkeit fallen (vgl. Müller 2014, S.24f.).

Einer der wichtigsten Vertreter der Gerechtigkeitstheorien ist John Rawls, dessen Name auch immer wieder in Bezug auf das Thema Gerechtigkeit auftaucht und auch heute noch stark diskutiert wird. Er befasst sich in seinem Buch „A theory of justice“ mit einem Gedankenexperiment und verändert damit die Überlegungen der Gerechtigkeit grundlegend (vgl. Röh 2013, S.98). Seine Überlegungen beziehen sich dabei auf die aktuelle Position eines Menschen in der Gesellschaft. Reiche und Mächtige haben in dieser Welt keinen Vorteil von größerer Gerechtigkeit, jedoch hätten Arme und weniger Begünstigte einen Vorteil davon. Diesbezüglich können sie aber meistens keinen Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Dieses entstehende Dilemma versucht Rawls zu lösen, indem er in einem Gedankenexperiment versucht sich mit der Frage auseinanderzusetzen was wäre, wenn man das Wissen über seine aktuelle Position in der Gesellschaft weglassen würde? Wenn man sich auf neutraler Basis entscheiden müsste ohne zu wissen, welche Hautfarbe, Herkunft oder ähnliches man hat. Seine Überlegungen zielen dabei auf das rationale Denken eines Menschen ab, indem sich jeder Einzelne fragen sollte in welcher Welt man leben wollen würde. Das ist nach Rawls das Konzept des Schleiers des Nichtwissens. Im sogenannten Urzustand sollen die Menschen durch rationales Denken die Grundsätze der Gerechtigkeit festlegen. Dabei geht er von Grundgütern aus, die jeder Mensch benötigt (vgl. Höffe 2013, S.7) und unabdingbar für die Gerechtigkeit sind. Diese Grundgüter bestimmen den Gegenstand der Grundsätze (vgl. Höffe 2013, S.7). Rawls spaltet diese allgemeine Gerechtigkeitsvorstellung in zwei Grundsätze auf. Zum ersten soll jede Person ein gleiches Recht auf gleiche Grundfreiheiten haben (vgl. Höffe 2013, S.44f.). Zum zweiten führt er das Unterschiedsprinzip an. Dieses Prinzip sagt aus, dass soziale Ungleichheit nur dann annehmbar ist, wenn diese notwendigerweise, die Lage der am wenigsten begünstigten Gesellschaftsmitglieder verbessern wird (vgl. Höffe 2013, S.47). Außerdem nimmt Rawls Bezug auf die faire Chancengleichheit (vgl. Höffe 2013, S.52). Es gilt als gerecht, wenn jede Person gleiche Chancen im Leben bekommt.

Kritisch zur Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls steht Amartya Sen. Sie kritisiert an Rawls, dass der lediglich eine Theorie zum Nachdenken über eine gerechte Welt entwickelt hat, aber diese Theorie nicht in die Praxis umzusetzen sei und somit keine Lösung realer Probleme erreicht werden kann. Das liegt daran, dass eine Gesellschaft nie vollkommen gerecht sein kann (vgl. Rommerskirchen 2015, S.229). Jedoch gehen A. Sen und auch M. C. Nussbaum auf den Ansatz Rawls ein und erweitern diesen in Bezug auf die Rawl´schen Grundgüter mit den Konzeptionen der Verwirklichungschancen bzw. der Befähigung (vgl. Riegler 2016, S.8).

Die dabei entwickelten Gerechtigkeitstheorien von Martha C. Nussbaum und Amartya Sen gehen zwar von John Rawls Gerechtigkeitstheorie aus, aber distanzieren sich davon in wichtigen Aspekten. In ihrer Gerechtigkeitstheorie geht es um die Interaktion von Befähigungen und Verwirklichungschancen. Dabei gehen sie darauf ein, dass gerechte Chancen zur Verfügung gestellt werden sollen, damit die Individuen selbst entscheiden können, welchen Lebensweg sie gehen wollen. Damit haben diese Individuen eine Garantie auf Freiheit und eine freie Willensentscheidung (vgl. Riegler 2016, S.2f.).

Amartya Sen zielt, in Bezug auf seine Gerechtigkeitstheorie, auf ein Mehr an Gerechtigkeit im gewohnten Leben ab. Dabei spielen die gerechte Befähigung und gerechte Verwirklichungschancen eine wichtige Rolle. Für ihn sind die Merkmale einer Gerechtigkeit das erreichte Wohlergehen und der Handlungserfolg. Daraus schließt sich ebenfalls, dass jedes Individuum diese Indikatoren selbst für sich feststellen und frei entscheiden kann, wobei die strukturellen Bedingungen jedem Einzelnen zur Verfügung gestellt werden müssen (vgl. Riegler 2016, S. 7f.). Jeder Einzelne soll die Chance bekommen, sich im alltäglichen Leben verwirklichen zu können. Sens Aussage, dass Gerechtigkeit im alltäglichen Leben erhöht werden kann, wird daran festgemacht, dass Individuen ihre Fähigkeiten entwickeln und ihre Wahl aufgrund dessen frei treffen können (vgl. Riegler 2016, S.9).

Des Weiteren rückt Martha C. Nussbaum in den Fokus. Sie sieht die Befähigung in menschenwürdigen Begegnungen. Gerechtes Handeln ist nach Nussbaum nur möglich, wenn auf den Aspekt der Menschenwürde eingegangen wird. Sie fordert, dass Menschen als Personen anzuerkennen sind (vgl. Riegler 2016, S.17). Ihrer Meinung nach kann ein Individuum nur ein gelingendes Leben führen, wenn der Staat gerechte Bedingungen schafft, um die Entwicklungsprozesse zu fördern. Dabei müssen grundlegende menschliche Fähigkeiten angeeignet werden. Diese Fähigkeiten müssen demnach durch die Bereitstellung von Ressourcen wie Fürsorge und Erziehung entwickelt werden. Die daraus resultierenden Grundbefähigungen sind für ein menschenwürdiges Leben unerlässlich (vgl. Riegler 2016, S.18).

Diese Gerechtigkeitstheorien geben erste Anhaltspunkte darüber, was als gerecht betrachtet werden soll und wie die Gerechtigkeit in der Gesellschaft definiert bzw. bestimmt werden kann. Da ich, als angehende Sozialarbeiterin, mir die Frage stellen sollte, inwiefern Gerechtigkeit relevant für die Soziale Arbeit ist, werde ich folglich mich damit auseinandersetzen und dadurch Gerechtigkeit definieren. Eigentlich steht es außer Frage, dass Gerechtigkeit fundamental für die Soziale Arbeit ist (vgl. Thole 2012, S.297). Da sich Soziale Arbeit mit Menschen in Problemsituationen auseinandersetzt, stellt sich die Frage nach dem gerechten Handeln gegenüber den Adressat*innen. Sozialarbeiter*innen streben immer nach einer bestmöglichen Lösung des Problems und wollen den Adressat*innen gerecht werden. Auch hier stellt sich oftmals die Frage, wie genau Gerechtigkeit zu definieren ist. Meiner Meinung nach geben die Gerechtigkeitstheorien einen guten Aufschluss über die Definition von Gerechtigkeit. Rawls strebt mit seinem Prinzip des Schleiers des Nichtwissens einen idealen Zustand der Gerechtigkeit an. Daraus resultiert jedoch nur, dass die Objektivität ein wichtiger Bestandteil des gerechten Handelns darstellt. Ohne diese Objektivität wäre gerechtes Handeln nicht möglich. Ein idealer Zustand der Gerechtigkeit ist meines Erachtens aber nicht zu erreichen. Lediglich können wir Gerechtigkeit anstreben, indem wir versuchen ein Mehr von Gerechtigkeit zu erlangen. Absolute Gerechtigkeit ist nur dann möglich, wenn alle Menschen die gleichen Ansichten eines guten Lebens hätten. Dies ist alleine deswegen schon nicht zu erreichen, da jedes Individuum mit eigenen Fähigkeiten ausgestattet ist, wie es auch Sokrates und Platon schon in der Antike betont hatten. Gerechtigkeit bedeutet somit, dass auch wenn es mehrere Sichtweisen der Gerechtigkeit gibt, sollten dies von allen Gesellschaftsmitgliedern akzeptiert werden und niemand sollte versuchen die Sichtweise derer zu ändern. Denn nur wer eine gewisse Akzeptanz gegenüber anderen Individuen hat, kann gerecht sein. Außerdem sollten Chancengleichheiten geschaffen werden, damit jedem Menschen die gleichen Möglichkeiten geboten werden und keiner ausgegrenzt werden kann. Abschließend lässt sich sagen, dass Gerechtigkeit ein sehr komplexes Thema ist, welches sich nicht direkt definieren lässt. Meines Erachtens ist es wichtig, dass jeder Mensch ein Mehr an Gerechtigkeit anstreben soll. Auf der Grundlage des theoretischen Wissens kann jeder sich eine Definition über Gerechtigkeit machen. Letztendlich muss jeder Einzelne für sich entscheiden, was Gerechtigkeit ausmacht.

2. Selbstverständnis SozialarbeiterIn, Ethikkodex und ethische Ansätze (Care-Ethik und Capability Approach)

Im Folgenden erläutere ich mein Selbstverständnis als zukünftige Fachkraft der Sozialen Arbeit. Ich beziehe mich dabei zunächst auf das Doppel- bzw. Tripelmandat, welches dem sozialarbeiterischen Handeln unterliegt. Anschließend widme ich mich dem Ethikkodex des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit e.V. (DBSH), der die grundsätzlichen Aufgaben und Anforderungen an Sozialarbeiter*innen formuliert. Ebenfalls nehme ich Bezug zu verschiedenen ethischen Ansätzen. Zu nennen sind dabei der Ansatz der Care-Ethik und des „Capability Approach“, die gleichermaßen Ansprüche und Richtlinien für professionelle Sozialarbeit behandeln. Die Erfüllung dieser Aufgaben stößt jedoch teilweise an Grenzen, die kurz beleuchtet werden.

Von Anfang an begleiten die Funktionen der Hilfe und Kontrolle die Sozialarbeiter*innen. Dabei wird immer wieder aufgezeigt, dass die Sozialarbeiter*innen so handeln sollen, dass sie Menschen in Problemlagen helfen, beraten und unterstützen. Auf der anderen Seite ist es die Aufgabe eines Sozialarbeiters einzugreifen, wenn verschiedene Gesetzte und Rechte verletzt werden. Dabei stehen sie in der Pflicht, gegenüber dem Träger, der Institution und dem Staat, diese zu kontrollieren. Das bedeutet, dass Sozialarbeiter*innen eingreifen müssen, wenn zum Beispiel das Kindeswohl gefährdet wird. Dieses Spannungsverhältnis ist wesentlicher Bestandteil des sogenannten Doppelmandats und Hauptbestandteil der Aufgabe des Sozialarbeiters (vgl. Otto u. Thiersch 2014, S.489f.).

Dieses Doppelmandat wurde im Laufe der Zeit um einen dritten Aspekt erweitert. Dabei wird nun unter den Aspekten der individuellen Bedürfnisse der AdressatInnen und den Bedingungen des Staates der dritte Aspekt der Profession hinzugefügt. Demnach wird nun von dem Tripelmandat, einem Dreiecksverhältnis, gesprochen. Dieser dritte Aspekt der Profession verpflichtet die Sozialarbeiter*in, die Fachlichkeit nicht zu vernachlässigen. Sozialarbeiter*innen haben eigene Grundsätze und Erwartungen anhand eines eigenen Ethikkodexes und eigene Methoden, die sie ebenfalls im beruflichen Handeln berücksichtigen müssen. Das bedeutet jetzt für die Sozialarbeiter*in, dass sie gewissermaßen unter allen Mandaten abwägen muss, um das bestmögliche Handeln zu gewährleisten. Dieses Spannungsverhältnis stellt die Sozialarbeiter*in vor eine komplizierte Aufgabe (vgl. Graßhoff et. al. 2018, S378f.).

Auch der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) hat anhand eines Ethikkodex verschiedene Aufgaben und Ansprüche an die Sozialarbeiter*innen gestellt. Dabei werden sechs oberste Prinzipien der Sozialen Arbeit vorgestellt. Unter diese Prinzipien fällt die Autonomie, das Wohlwollen, das Nicht-Schaden, die Solidarität, die Gerechtigkeit und die Effektivität. Diese Grundprinzipien sagen aus, dass der Wille der AdressatInnen an erste Stelle gestellt wird und Sozialarbeiter*innen dabei besonders die Selbstbestimmungsrechte der Adressat*innen beachten und schützen müssen. Ebenfalls müssen sie anhand dieser Beachtung des Willens darauf achten, dass sie nur Handlungen ausführen, die im Interesse des Adressaten liegen. Dabei sollen diese Handlungen dem Adressaten keinen Nachteil verschaffen oder schlimmsten Falles schaden. Ihnen wird ein universeller Schutz vor Verschlechterung der Lage eingeräumt. Außerdem sollen SozialarbeiterInnen eindeutig Partei für ihre Adressat*innen ergreifen und die Soziale Arbeit soll vor Interessen Dritter geschützt werden. Die Gerechtigkeit spielt für die Fachkräfte ebenfalls eine tragende Rolle. Sie schreibt vor, dass die eigenen Ressourcen nicht nach Belieben verteilt werden sollen, sondern dass aller Adressat*innen, bzw. Adressat*innen-Gruppen gleichermaßen Berücksichtigung finden. Das heißt so viel, wie dass bei einem Konflikt eines Ehepaares gleichermaßen auf die Ehefrau wie den Ehemann eingegangen werden muss und keiner eine ungerechte Bevorzugung erhält. Als letztes muss immer ein Blick auf die Effektivität gelegt werden damit die Sozialarbeiter*in keine Fehlinvestitionen und unnötige Lasten davonträgt. Sozialarbeiter*innen müssen demnach abwägen, ob Adressat*innen eine bestimmte Hilfe benötigen oder ob sie definierte Ziele der Adressaten mit diesen überhaupt erreichen können (vgl. Greuner 2014, S. 27). Daran lässt sich erkennen, dass diese Prinzipien hohe Anforderungen an Sozialarbeiter*innen stellen, die jedoch notwendig sind, um professionell Handeln zu können. Dadurch erhöhen sich die Chancen, die Problemlagen des Adressaten langfristig gemeinsam mit diesem lösen zu können.

Weiterführend gelten allgemeine Richtlinien der DBSH für das berufliche Handeln, die eine jede Sozialarbeiter*in beachten muss. Sozialarbeiter*innen müssen die erforderlichen Kompetenzen für ihre Arbeit immer weiterentwickeln und aufrechterhalten. Es ist also Voraussetzung, dass sie ihre Kompetenzen ebenfalls an die sich weiterentwickelnde Gesellschaft anpassen. Dabei sollen sie nicht ihre Macht missbrauchen oder ausnutzen, um einen persönlichen Gewinn dadurch zu erzielen. Sozialarbeiter*innen sollten den Adressaten ebenfalls mit Mitgefühl, Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit begegnen. Jedoch sollen sie auch auf sich achten und die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem kennen und wahren. Dies ist besonders entscheidend, um eine professionelle Distanz zwischen Sozialarbeiter*in und Adressat*in zu erhalten. Dabei sollen sie ihre Bedürfnisse und Interessen nicht denen der Adressaten unterordnen. Es gibt insgesamt 12 Richtlinien die beim DBSH thematisiert werden. Dabei wurden hier nur einige dieser Richtlinien benannt. Ebenfalls setzen sie voraus, dass Sozialarbeiter*innen sich darüber im Klaren sein sollten, dass auch ethische Ansätze relevant sind, um Entscheidungen ethisch begründen zu können. Sie sollen die Debatten über die Ethik pflegen und fördern (vgl. Greuner 2014, S. 31). Dabei ist zum Beispiel die Care-Ethik ein wichtiger Ansatz der zur Begründung einer Entscheidung herangezogen werden sollte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ethik in der Sozialen Arbeit. Zur Thematik Gerechtigkeit und Selbstverständnis für SozialarbeiterInnen
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Veranstaltung
Ethik
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V964868
ISBN (eBook)
9783346315601
ISBN (Buch)
9783346315618
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Selbstverständnis, Soziale Arbeit, Capability Approach, Care-Ethik, Beschneidungsdebatte, Ethikkodex
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Ethik in der Sozialen Arbeit. Zur Thematik Gerechtigkeit und Selbstverständnis für SozialarbeiterInnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/964868

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ethik in der Sozialen Arbeit. Zur Thematik Gerechtigkeit und Selbstverständnis für SozialarbeiterInnen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden