Kritik verschiedener Biographien Giuseppe Verdis


Seminararbeit, 1999

7 Seiten


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VORBEMERKUNGEN

Bei den Vorbereitungen zu dieser Seminararbeit gab es einige Schwierigkeiten. Die ersten Probleme ergaben sich bereits bei der Literatursuche. Es gestaltete sich ziemlich schwierig, geeignete Biographien über Giuseppe Verdi zu finden. Die beste Auswahl fanden wir in der Städtischen Bücherei. Die Bibliothek der Musikwissenschaft hatte zwar auch einige Werke aufliegen, leider waren wir nicht berechtigt, diese zu entlehnen.

Das zweite Problem war das Herangehen an das Thema, da wir weder Anleitungen noch Vorschläge zur Ausarbeitung erhielten. Daher überlegten wir uns Möglichkeiten, um das Thema aufzuarbeiten und sind zu dem Schluß gekommen, in erster Linie die ausgewählten Biographien vorzustellen, zu kritisieren und dann Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Außerdem haben wir am Ende der Arbeit aus allen Biographien Textstellen zitiert, die uns wichtig erschienen.

1. BIOGRAPHIE "Verdi" von Hans Kühner

Es handelt sich um ein Taschenbuch mit 176 Seiten. Der Inhalt ist aufgeteilt in 27 Kapitel mit einer Einführung, einem Werksverzeichnis, einer Bibliographie, einem Namensregister und einem Quellennachweis der vorkommenden Abbildungen. Außerdem sind auf 5 Seiten Aussprüche Verdis abgedruckt, die der Autor offenbar anführt, um die Denkweise, die Ansichten und Meinungen Verdis zu bestimmten Themen aufzuzeigen. Am Ende des Buches findet sich auch eine Zeittafel und Beurteilungen weniger Persönlichkeiten wie Oscar Bie über Verdi, seine Werke und seinen Einfluß auf die Musikentwicklung der damaligen Zeit.

Die einzelnen Kapitel haben sowohl das Leben Verdis als auch seine Werke zum Inhalt. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Vorstellung seiner großen Werke und ihrer Entstehungsgeschichte. Die Kapitel zu den jeweiligen Opern beinhalten Handlung, Notenbeispiele und Interpretationen.

Das Buch ist bis auf einige Abbildungen wenig illustriert, sehr sachlich und informativ geschrieben.

Es bietet einen guten Einblick in Verdis Leben und seine Werke. Alle Informationen sind sehr kompakt formuliert und interessant aufgearbeitet. Die Einteilung der Kapitel hätte besser gelöst werden können. Eine Unterteilung in 2 Abschnitte wäre sinnvoll: ein Abschnitt, der sich nur auf sein Leben bezieht und einer, der seine Werke behandelt.

Positiv anzumerken ist auch, daß wenige Bewertungen des Autors selbst zu finden sind. Dadurch kann sich der Leser ein gutes eigenes Bild machen. Was in einem Taschenbuch dieses Umfangs fehlt, ist der geschichtliche Hintergrund. Es wäre interessant, auch etwas über die damalige Zeit und die Umstände, in denen sich Verdis Leben abspielte, zu erfahren.

2. BIOGRAPHIE "Giuseppe Verdi" von Hans Gal

Auch bei dieser Biographie handelt es sich um ein Taschenbuch. Es hat 230 Seiten und ist in 4 Blöcke aufgeteilt. Am Beginn steht eine Vorbemerkung des Autors, die seine persönliche Meinung über Verdi, sein Schaffen und seinen Einfluß auf die damalige Zeit zum Ausdruck bringt.

Der zweite Block ist wiederum viergeteilt und hat Verdis Leben zum Inhalt: "Kindheit und Jugend", "Wanderjahre", "Der Meister" und "Das Alter".

Der dritte und größte Block hat die Überschrift "Das Werk, seine Probleme und Hintergründe". Darin sind vor allem Verdis Werke mit Inhalt, Notenbeispielen und Interpretationen dargestellt. Außerdem liefert er einen geschichtlichen Hintergrund und allgemeine Informationen über das Libretto. Auch einige Ausschnitte aus relevanten Briefen Verdis sind aufgeführt. Das letzte Kapitel darin ist wiederum die persönliche Meinung des Autors zur Person Verdi.

Der vierte und letzte Block ist schließlich nur ein Verzeichnis der Werke und eine Bibliographie.

Das Buch hat bis auf einige Notenbeispiele keinerlei Abbildungen oder Fotos, es besteht ausschließlich aus Text. Das gestaltet die Lektüre etwas trocken. Die Aufteilung in Verdis Leben einerseits und in seine Werke andererseits finden wir gut, da einem die Möglichkeit geboten wird, nur einzelne Kapitel, je nach Interesse, zu lesen.

3. BIOGRAPHIE "Giuseppe Verdi" von Wolfgang Marggraf

Bei diesem Werk handelt es sich um ein gebundenes Buch mit 427 Seiten. Es ist in 3 Teile und einen Anhang unterteilt, die jeweils mit einer Überschrift versehen sind. Alle 3 Teile sind gleich aufgebaut. Am Beginn steht jeweils ein etwa 10seitiger historischer Überblick, der einen Einblick in die Geschichte und die Entwicklung dieser Zeit gibt. Danach folgt im ersten Teil eine Einführung in die Oper im allgemeinen. Die beiden nachfolgenden Unterkapitel beschreiben Verdis Leben, seine Kindheit, seine Jugend und sein erstes Schaffen.

Im zweiten Teil steht am Anfang ebenfalls ein geschichtlicher Rückblick, dann folgen Verdis wichtigste Werke und wie diese entstanden sind und welchen Einfluß sie auf seine gesellschaftliche Position hatten.

Der dritte Teil befaßt sich mit dem letzten Lebensabschnitt Verdis.

Im Anhang findet sich ein Werksverzeichnis, das sämtliche seiner musikalischen Werke auflistet mit Inhaltsangaben, Personenverzeichnis, Uraufführungsorten und sonstigen wichtigen Angaben.

Auch in dieser Biographie finden sich keine Abbildungen und Fotos, nur einige Notenbeispiele zu den einen oder anderen Opern. Die Einteilung des Inhalts ist optimal, da zu jeder Lebensphase Verdis ein historischer Überblick geboten wird, was zu einem besseren Verständnis des Werdegangs Verdis beiträgt.

4. BIOGRAPHIE "Giuseppe Verdi" von Giampiero Tintori

Bei dieser Biographie handelt es sich um den vierten Band aus der Reihe "Porträt des Genius" in gebundener Buchform. Es besteht aus 111 Seiten, wobei sich die Hälfte davon aus Abbildungen wie Fotos, Zeichnungen, Briefen und Notenpassagen zusammensetzt. Das Buch hat keine Inhaltsangabe und ist in 3 Teile gegliedert. Der erste Teil ist reiner Text, der das Leben und die Werke Verdis beschreibt. Der zweite Teil setzt sich aus den schon vorher erwähnten Abbildungen zusammen, die alle über einen Bildkommentar verfügen. Der dritte und letzte Teil besteht aus lauter kurzen Kapiteln, die alle separat betitelt sind und völlig unterschiedliche Bereiche behandeln. Es handelt sich dabei um Aussprüche Verdis. Beispielsweise gibt es ein Kapitel mit dem Titel "Das Publikum", eines, das mit " Die Kollegen" betitelt ist und wiederum ein anderes, das "Lyrische Oper" heißt.

Zu kritisieren ist die Unübersichtlichkeit des Aufbaus des Buches, da es keine Inhaltsangabe gibt und auch sonst keine Einteilung in Themenbereiche oder Abschnitte. Außerdem ist der Teil mit den Abbildungen unserer Meinung nach zu umfangreich. Eine Vermengung von Text und Bildern wäre sinnvoller. Mehr Informationen über Verdis Werke, d.h. Inhalte diverser Opern und eventuelle Interpretationen der Stücke wären für eine Biographie hilfreich. Dafür könnte man in der Lebensbeschreibung die eine oder andere persönliche Bewertung des Autors, die zahlreich zu finden sind, auslassen.

5. BIOGRAPHIE "Verdi" von Josef Wechsberg

Die fünfte von uns zuletzt behandelte Biographie ist ebenfalls ein gebundenes Buch und besteht aus 253 Seiten. Es setzt sich aus 15 Kapiteln zusammen die sowohl Verdis Leben als auch seine Werke zum Inhalt haben. Das Buch weist viele Illustrationen auf, die über Fotos des Komponisten hinausgehen. Außerdem liefert es einen historischen Überblick mit Einblicken in die damalige Zeit, Ausschnitten aus Briefen Verdis und Briefen, die an ihn gerichtet sind, und Aussprüchen.

Verdis Werke sind nur in textueller Form als Inhaltsübersicht dargestellt ohne Notenbeispiele, Beschreibung begleitender Instrumente oder andere Informationen über die Stücke.

Auch in dieser Biographie ist anzumerken, daß die Einteilung der Kapitel unglücklich gewählt wurde. Es gibt keinerlei Trennung zwischen den rein den Ablauf Verdi's Leben betreffenden Texten und denen, die seinen Werken gewidmet sind. Diese Vermengung führt zu einer gewissen Unübersichtlichkeit. Positiv zu erwähnen ist hingegen die Auswahl der verwendeten Abbildungen, die die Biographie etwas auflockern und jeweils passend zu den Texten gewählt wurden.

GEMEINSAMKEITEN

In allen 5 Biographien wird ein homogenes Bild von dem Komponisten Verdi gegeben bezüglich seines Charakters, seines Temperaments und seiner Person im allgemeinen. Diese Eigenschaften haben ein Bild von Verdi entstehen lassen, das einem Mythos nahekommt. Seine Werke vermitteln einen gewissen Eindruck der Person Verdi, einerseits was sein Leben, andererseits was das im damaligen Volk erzeugte Bild von ihm betrifft. Sie sind also immer im Verhältnis zur Geschichte, zum sozialen und kulturellen Umfeld und zur damals herrschenden politischen Situation zu sehen.

Es sollte auch eine Trennung zwischen der reinen Beschreibung des Lebens Verdis und seiner Rolle in der geschichtlichen Entwicklung Italiens vorgenommen werden. In allen 5 Biographien werden die Blickwinkel, was die Betrachtung der Person, des Individuums also, die des künstlerischen Genies und die des Patrioten, als welcher er dargestellt wird, anbelangt, vermengt.

Einige Zitate, die zeigen sollen, wie Verdi in den verwendeten Biographien dargestellt wird:

"Giuseppe Verdi, der noch in unser Jahrhundert herüberragt, hat in seinen fast neunzig Lebensjahren die gegensätzlichsten Phasen der Weltgeschichte wie der Kulturgeschichte, in lebendiger Anteilnahme am geistig-künstlerischen Bau seines Jahrhunderts und seines Landes mitwirkend, durchlebt." (KÜHNER, S.9)

"Der im achtzigsten Lebensjahre stehende Verdi ist an diesem Abend wohl der einzige, der mit der vollkommenen Ruhe eines großen Schöpfers über der fessellosen Begeisterung thront, die sein Werk und ihn selber überströmt. Alle spüren, daß sein Name die Glorie eines Geschlechtes ist." (KÜHNER, S.132)

"Die Oper mit allen ihren Bedingtheiten war eine Realität für ihn, eine künstlerische Notwendigkeit, an der zu zweifeln ihm niemals eingefallen wäre. Keiner hat einen weiteren Weg zurückgelegt als er, keiner wirkte mit einer klareren Erkenntnis der Grenzen, die er schrittweise erweitert hat, der realistischste Visionär, der je ein Kunstwerk schuf." (GAL, S.215)

"Mit seinem stets wachen Sinn für das Nützliche, Ursprüngliche, für ganz unpoetische alltägliche Arbeit, steht Verdi unter den Künstlern des 19. Jahrhunderts völlig allein. Andererseits ist es aber wohl gerade dieser Wirklichkeitssinn, der die unmittelbare, fast erdhafte Ursprünglichkeit seiner Kunst und ihrer Wirkung garantiert." (MARGGRAF, S. 289)

"Verdi ist in die Musikgeschichte als einer dieser verehrungswürdigen Patriarchen eingegangen, deren Altersbild sich uns mit solcher Intensität aufzwingt, daß wir ihm nicht entrinnen können." (TINTORI, S.12)

"Über Verdi als Homo politicus wurde viel geschrieben, doch die Italiener haben ihn zutreffender als Patrioten in Erinnerung. Verdi war niemals Politiker oder auch nur politisch tätig." (WECHSBERG, S.102)

"'[...] Bach und Beethoven flößen dem Menschen Ehrfurcht ein, den göttlichen Mozart verehren sie, und Wagner bewundern sie oftmals. Verdi aber lieben die Menschen. Er war einer von uns, einfach, aufrichtig und menschlich, ein wunderbarer Mensch und ein wunderbarer Musiker - eine seltene Kombination.'" (WECHSBERG, S.7)

Verwendete Biographien:

Kühner, Hans, Verdi, Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998

Gal, Hans, Giuseppe Verdi, Frankfurt am Main, Fischer Verlag, 1982

Marggraf, Wolfgang, Giuseppe Verdi, Leipzig, Deutscher Verlag für Musik, 1982 Tintori, Giampiero, Giuseppe Verdi, Hamburg, Marion von Schröder Verlag, 1966 Wechsberg, Josef, Verdi, München, List Verlag, 1975

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Details

Titel
Kritik verschiedener Biographien Giuseppe Verdis
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Literaturwissenschaftliches Seminar Italienisch
Autor
Jahr
1999
Seiten
7
Katalognummer
V96501
Dateigröße
337 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kritik, Biographien, Giuseppe, Verdis, Literaturwissenschaftliches, Seminar, Italienisch
Arbeit zitieren
Gudrun Stocker (Autor), 1999, Kritik verschiedener Biographien Giuseppe Verdis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96501

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