Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Charakteristik Mortimers


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

1 Seiten


Leseprobe

Literarische Charakteristik

zu Friedrich Schillers "Maria Stuart", 2. Akt, 5, Szene

Im zweiten Auftritt des zweiten Akts von Friedrich Schillers klassischer Tragodie "Maria Stuart" (1799) geht es um ein geheimes Gesprach zwi- schen Elisabeth, der Konigin von England, und Mortimer, dem Neffen Paulets. Elisabeth schildert Mortimer ihre ausweglose Lage, schmeichelt ihm und bittet ihn, Maria zu ermorden, so dass ihr Ruf als Konigin nicht geschadigt wurde. Mortimer, der in Wirklichkeit Maria verehrt, verspricht ihr zu helfen, wofur ihm Elisabeth eine grofie Laufbahn verspricht.

Elisabeth scheint in Mortimer einen "kecken", mutigen und verwegenen jungen Mann zu sehen, der schon in jungen Jahren mundig ist, weil er Selbstbeherrschung und die Kunst der Tau­schung erlernte. Auflerdem findet sie, dass er an­ders als sein Onkel "ernst" sei und "auf den Grund dringt". Andererseits meint sei, er kenne die Welt des Scheins nicht. Sie sagt ihm schliefl- lich, ihr "guter Engel" sprache aus ihm.

Elisabeth bezeichnet Mortimer als keck und mutig ( vgl. ). Als "keck" bezeichnete man im fruheren Sprachgebrauch jemanden, der kuhn oder sogar verwegen ist, mutig nennt man jemanden, der seine Angst vor grofien Gefahren uberwinden kann. Damit meint sie Mortimers Verstellungskunst as- genuber Maria und anderen, da es fur Mortimer lebensgefahrlich ware, wenn seine Tauschung ent- deckt wurde, er muss dabei seine Angst uberwinden und etwas wagen, was leicht misslingen kann (Verwegenheit).

Neben dem kecken Mut besitzt Mortimer ihrer Meinung nach aber auch "seltne Beherrschung" seiner selbst, die fur die Tauschungskunst ebenso erforderlich ist wie Mut und Verwegenheit. Selbst­beherrschung bedeutet die Fahigkeit seine Gedan- ken und Gefuhle vollkommen unter Kontrolle zu haben, bei der Verstellung also seine wahren Gs- fuhle und Gedanken fur sich behalten zu konnen. Diese "schwere Kunst der Tauschung" (vgl.), also die Fahigkeit sich vor anderen zu verstellen und ihnen etwas vorzumachen, macht ihn in Elisabeths Augen "mundig vor der Zeit" (vgl. ), also reif und erwachsen. Sie meint also, jemand, der seine GS- fuhle und Gedanken verbergen konne, beweise damit, dass er kein Kind mehr sei, das naiv und unschuldig sagt, was es denkt.

Sie vergleicht ihn mit seinem Onkel und bezeichnet ihn dabei als ernst ( ). Er sei jemand, der "auf den Grund dringt" ( ). Als ernst bezeichnet man je- manden, der sich mit den unangenehmen Tatsachen des Lebens auskennt und dem deswegen jede ober- flachliche Leichtigkeit vergangen ist. Sie findet also, dass jemand wie Paulet sich nur etwas vor- macht, was nicht ernst zu nehmen ist. Auf den "Grund" zu dringen bedeutet hier wohl, dass Mor­timer nicht wie sein Onkel von Pflicht, Recht und Gewissen redet, sondern zum Grund des Problems vorgedrungen ist, dem politischen Machtkampf zwischen Maria und Elisabeth also, der ihrer Mei- nung nach eine andere Losung verlangt als Recht, Gesetz und Gewissen, namlich Mord.

Andererseits halt sie Mortimer aber auch fur welt- fremd ("Ihr kennt die Welt nicht" vgl. ). Welt- fremdheit bedeutet, dass man die Kompliziertheit der Welt nicht kennt und deshalb viele Schwierig- keiten ubersieht. Elisabeth meint damit die Unfa- higkeit den Schein der Welt zu erkennen. Als Ko- nigin muss sie immer makellos erscheinen, auch wenn das der Wahrheit nicht entspricht. Sie meint, dass Mortimer das nicht verstehe.

Dass Elisabeth meint, ihr "guter Engel" spreche aus Mortimer (vgl. ), erklart sich daraus, dass sie in Mortimer den Retter in der Not sieht. Mit Engel ist hier wohl der Schutzengel gemeint, ein Engel der Elisabeth in der Not hilft.

Elisabeths Bild von Mortimer erscheint als unzu- treffend. Zum einen weifl sie nicht, dass Mortimer sie tauscht und in Wirklichkeit auf Marias Seite ist. Zum anderen ist das strahlende Bild, das sie von Mortimers Personlichkeit entwirft, nicht viel mehr Schmeichelei, mit der sie den jungen Mortimer umgarnen und zur Mordtat verfuhren will. Dies erkennt man daran, dass sie ihn fur weltfremd halt, auflerdem sieht man es an ihren Versprechungen, in denen sie Mortimer eine grofle Karriere in Aussicht stellt (vgl. ) sowie an den erotischen Anspielungen auf engste und zarteste Bande (vgl. ), die sie ver- binden, obwohl sie ihm gleichzeitig misstraut (sie misst" ihm anfangs forschend die Augen, sie spricht das Wort "Mord" nie aus, sie wartet immer, bis Mortimer von sich aus einen Schritt weiter auf sie zugeht). Sie halt ihn also in Wirklichkeit eher fur einen romantischen Schwarmer, der auf ihren Charme hereinfallt und den sie fur ihre Zwecke missbrauchen kann. Wahrscheinlich wurde auch aus den versprochenen Belohnungen nichts werden, weil Mortimer als Mitwisser immer einen Risiko- faktor darstellen wurde.

Obwohl das Bild Elisabeths von Mortimer von ihr nur vorgetauscht ist, entspricht es dennoch, ohne dass Elisabeth das weifl, der Wahrheit: Mortimer ist tatsachlich ein Tauschungskunstler - so talentiert, dass gerade sie darauf hereingefallen ist, als sie ihn (im Innern) vielleicht fur ziemlich naiv hielt.

[...]

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Details

Titel
Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Charakteristik Mortimers
Autor
Jahr
2000
Seiten
1
Katalognummer
V96532
ISBN (eBook)
9783638092081
Dateigröße
326 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Maria Stuart, Mortimer
Arbeit zitieren
Martin Gabel (Autor:in), 2000, Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Charakteristik Mortimers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96532

Kommentare

  • Gast am 18.12.2001

    Maria Stuart-Charakteristik Mortimers.

    ich finde deine äußerungen eigentlich so ganz treffend jedoch fehlen mir bei deinem Text die seiten bzw. Zeilenangabn

  • Gast am 14.2.2001

    Gut.

    HI !
    Sehr schöner Aufstaz !
    Hast du eine 1 ?
    Ja !!!!!!!!!!!!!!
    Tschau
    Nadine

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Titel: Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Charakteristik Mortimers



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