Der Vierte Kreuzzug


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
10 Seiten
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1.) Einleitung

Im August 1198 rief Papst Innozenz III. zum Vierten Kreuzzug auf1, dessen Stoßrichtung Ägypten sein sollte2. Unter den Kreuzfahrern befanden sich Mitglieder zahlreicher renommierte europäischer Adelsfamilien, wie beispielsweise Markgraf Bonifaz von Montferrat und Balduin von Flandern. Ziel des Vierten Kreuzzugs war es, Jerusalem zu erobern, was im Dritten Kreuzzug unter Richard Löwenherz misslungen war.

Für den Transport des Kreuzfahrerheeres hatte man die aufstrebende Republik Venedig erwählt, jedoch kam es gleich zu Beginn des Kreuzzuges zu eklatanten Zwischenfällen. Anfänglich war vereinbart gewesen, das gesamte Kreuzfahrerheer in Venedig zu versammeln. Es sollte ein Heer von 30000 Kreuzfahrern sein, jedoch kamen nur 10000 in Venedig an, da der andere Teil des Heeres über Ungarn in Richtung Jerusalem zog. Im Vorfeld hatte Venedig einen Preis von 85000 Silbermark, zahlbar in vier Raten3, für den Transport des Heeres ausgehandelt. Man war beiderseitig von einem wesentlich größeren Heer ausgegangen, welches 4500 Pferde, 9000 Reiter und 20000 Mann Infanterie umfassen sollte. Waas schreibt bezüglich der Heeresgröße: „Die Größe des Heeres ergibt sich daraus, daß man mit Venedig einen Überfahrtsvertrag für 4500 Ritter, ebenso viele Pferde, 9000 Knappen und 20000 Mann Fußtruppen abschloß.“4 Jedoch fuhren viele auf eigene Faust nach dem Heiligen Land.

Als die 10000 Kreuzfahrer nur dazu in der Lage waren, 51000 Silbermark zu bezahlen weigerte sich Venedig, das Heer überzusetzen. Das Heer, welches bereits im Frühling 1201 in Venedig eingetroffen war, saß fest. Der Proviant wurde knapp und der Schuldenberg steigerte sich enorm.

Enrico Donaldo, der 90jährige blinde Doge von Venedig unterbreitete den Kreuzfahrern folgenden Vorschlag: Für die Vernichtung der Venedig abtrünnigen Städte Zara und Dalmatia an der jugoslawischen Seite der Adria erkläre er sich bereit, das Heer überzusetzen und die Schulden zu erlassen. Trotz enormer Proteste seitens Innozenz III. ging der französische Anführer des Kreuzzugs Bonifatius von Montferrats auf das Angebot ein, wodurch der Vierte Kreuzzug zu einem Wirtschaftskrieg im Interesse Venedigs degradiert wurde, dem auch noch Byzanz zum Opfer fallen sollte. Die materiellen Interessen überwogen den einstigen religiösen Gedanken der Kreuzzüge. Wirth schreibt hierzu: „... es war der große venezianische Doge Enrico Dandolo, der mit genialem Weitblick erkannte, daß sich für die Republik Venedig eine Sternstunde ihrer Geschichte bot. Ein unwiederbringlicher Zeitpunkt schien gekommen, um nicht nur in Dalmatien für die Venezianer wichtige Häfen in Besitz zu nehmen, sondern darüber hinaus als Zwischenbastion auf dem Weg zu den Märkten des Orients ein venezianisch- abendländiches Kaiserreich an den Schwarzmeerengen zu gründen.“5

Im Vierten Kreuzzug spielten die Städte Venedig und Byzanz eine entscheidende Rolle. Venedig als Initiator und Byzanz als Opfer.

2.) Venedig und die ersten Kreuzzüge

Venedig galt zur Zeit des Vierten Kreuzzugs als aufsteigende Handelsstadt, jedoch keineswegs als militärische Großmacht. Da die Kreuzzüge eher wirtschaftshemmend waren für Venedig, waren die Venezianer den Kreuzzügen gegenüber eher widerwillig und skeptisch eingestellt. Auch wurde den Venezianer häufig seitens der Kurie oder auch seitens Byzanz ( beispielsweise durch Leo V.) der Handel mit den Sarazenen vorgeworfen, jedoch ließ sich Venedig nicht durch diese Vorwürfe davon abbringen, den Handel mit den "Ungläubigen“ einzustellen. Für das venezianische Alltagsleben war der Überseehandel von enormer Bedeutung, da sie keinen Ackerbau oder sonstige Landwirtschaft im großen Stil betrieben. Gelegentlich beugten sich die Venezianer den „christlichen Einflüssen“, indem sie kurzweilig den Handel mit den Moslems einstellten, jedoch enthielten sie sich immer von den Kreuzzügen, um ihre moslemischen Kunden und Handelspartner nicht zu schädigen aus einem gewissen Eigeninteresse. Auch im Vierten Kreuzzug sollte sich Venedig nicht gegen Ägypten wenden. Waas schreibt hierzu: „Doch kam es nicht zum Angriff auf Ägypten. Viele haben die Schuld daran Venedig und Enrico Dandolo zugeschrieben und behauptet, sie seien durch große Handelsvorrechte von al-Malik-al-’Adil bestochen worden, die Sache der Kreuzfahrer zu verraten und die Ausrichtung des Zuges auf Ägypten zu verhindern.“6 Jedoch betrachtet Waas diese Beschuldigung als eine „...unrichtige...“.7 Andererseits jedoch gesteht Waas ein, „...daß ein Kreuzzug gegen Ägypten Venedigs gute Handelsbeziehungen zu dem Sultan erheblich gestört hätten.“ Venedig „...erhielt einige Jahre später Privilegien für seinen Handel in Alexandrien.“8 Im Ersten Kreuzzug hatten die Venezianer noch keine Rolle gespielt. Als sie jedoch erkannten, welche Vorteile an der Beteiligung am Ersten Kreuzzug ihre unmittelbaren Konkurrenten Pisa und Genua errungen hatten ( sie erschlossen neue Märkte in Palästina), entschlossen sie sich dazu, sich im Zweiten Kreuzzug zu engagieren. Hier boten sie ihre Flotte gegen Bezahlung zur Unterstützung an, um nebenbei ebenfalls neue Märkte zu erschließen. Man kann sie als vertraglich gebundene "Pseudokruezfahrer" betrachten, da sie nur aus wirtschaftlichen Gründen handelten.9

Der Doge Ordelafo Falier segelte einige Jahre nach der ersten Landung einer venezianischen Flotte erneut nach Palästina, um König Balduin von Jerusalem bei der Belagerung Sidons zu unterstützen. Als Dank hierfür erhielt Venedig neue Handelskonzessionen. Unklar ist jedoch, ob die Venezianer ebenfalls zum eigentlichen Kreuzfahrerheer unter dem Kreuz stehend zählten.

1122 sammelte Venedig erneut eine Flotte von 100 Schiffen, um 15000 Mann zu transportieren. Der Doge Domenico Michiel übernahm persönlich die Führung der Flotte und fuhr unter der Flagge von St. Peter, die ihm der Papst eigens hatte zukommen lassen. Zweifelsohne wollten die Venezianer als „Verteidiger des Heiligen Landes“ betrachtet werden, wozu sonst wäre der Doge unter der Fahne des Papstes gesegelt? Im August 1122 stach die Flotte in See. Auf dem Weg ins Heilige Land jedoch wurden nebenbei jedoch noch ein paar andere Dinge erledigt. Man könnte diese heute als „Begleitschäden“ bezeichnen. Bis über den Winter hinweg wurde Korfu belagert, jedoch wurde die Belagerung abgebrochen, als im Frühjahr 1123 die Nachricht eintraf, dass König Balduin gefangengenommen wurde. Vor Akkon besiegte die venezianische Flotte die ägyptische Flotte. Als Dank für den Sieg erhielt Venedig erneut privilegierte Handelskonzessionen und Steuerfreiheiten. Allein daran lässt sich wiederum die Söldnermentalität Venedigs ableiten. Nur aus wirtschaftlichen Gründen bestritten die Venezianer diesen Kreuzzug. Alles, woran Venedig interessiert war, waren materielle Vorteile. Zwar beteiligten sie sich auch an der Eroberung von Tyros, jedoch traten sie kurze Zeit später die Heimreise an, um anderen Dingen nachzugehen.10

Auf der Rückreise plünderten sie Rhodos, griffen die Inseln Samos und Lesbos an und zerstörten die Stadt Modon auf der Peloponnes. All dies geschah immer noch unter der Flagge des Papstes.

Im Juni 1125 kehrte der Doge triumphierend zurück: Er hatte den Christen im Heiligen Land geholfen und die verfeindeten Griechen geschädigt. Zwar beschreibt die Inschrift auf seinem Grab Domenico Michiel nicht als frommen Kreuzfahrer, dafür jedoch als “...terror Graecorum... et laus Venetorum.“11,als Schrecken der Griechen ...und Lob der Venezianer.

Venedig nahm an weiteren Kreuzzügen nur noch als „Beförderer“ teil- gegen Bezahlung, da sie offenbar gesättigt waren mit Handelskonzessionen und Märkten im Heiligen Land. Jedoch was ihre Handelsaktivitäten mit und in Byzanz betraf, waren sie sehr besorgt. Handelsprivilegien in Byzanz galten als besonders lukrativ.

Bereits am Muster des venezianischen Verhaltens unter Domenico Michiel im Jahre 1122 lässt sich ein mögliches Verhalten im Vierten Kreuzzug, der rund 80 Jahre später stattfand, erahnen. Für Venedig war der Kreuzzugsgedanke lediglich Mittel zum Zweck. Der Zweck war es, Konkurrenten zu schädigen und wirtschaftlich zu expandieren. Was hatte die Belagerung Korfus mit dem Kreuzzug gemeinsam? Nichts.

3.) Venedig und der Vierte Kreuzzug

1202 war es ein anderer Doge, der den Kreuzzug pervertierte, indem er Zara durch das Kreuzfahrerheer erobern ließ. Erst als ihm die Waffenhilfe des Kreuzfahrerheeres zugesichert worden war, nahm Dandolo trotz seines hohen Alters und seiner Blindheit das Kreuz. Keiner kannte die Gewässer und Häfen des Mittelmeers besser als der alte Doge. Dadurch, dass er das Heer führte, konnte er jederzeit auch die Richtung des Heeres lenken.

Nachdem das christliche Zara im November gefallen war, strafte Innozenz III. das gesamte Heer mit einem Bann. Alle, die an der Zerstörung Zaras beteiligt waren, waren nun aus der Kirche ausgeschlossen.

Die Nachricht von der Eroberung und Zerstörung Zaras muss einen immensen Effekt auf Kirche und Christenheit gehabt haben. Ein Kreuzzug hatte ursprünglich zur Idee, ehemals christliche Gebiete zurückzuerobern ( Palästina) oder Heiden und Ketzer zu bekämpfen ( Waldenser). Hauptziel war die Rückeroberung des „Heiligen Landes“. Und nun stelle man sich mal als mittelalterlicher Christ vor, es wird bekannt, das ein Kreuzfahrerheer aus wirtschaftlichen oder machtpolitischen Gründen eine christliche Stadt zerstört. Waas schreibt hierzu, dass bereits an der Eroberung Zaras erkennbar sei, dass die Führung des Kreuzzuges aus der Hand Innozenz III. entglitten wäre. Jedoch hätte Innozenz III. versucht, das Unternehmen durch verzeihende Nachgiebigkeit ( Aufhebung des Kirchenbanns) wieder in die Hand zu bekommen, was jedoch vergeblich gewesen sei.12

War es ursprünglich noch geplant, das Kreuzfahrerheer nach Ägypten überzusetzen, so gelang es Dandolo, den Weg des Heeres umzuleiten. Nun bewegte sich das Heer auf Konstantinopel zu.

4.) Venedig und Byzanz/Konstantinopel

Die Beziehungen zwischen Venedig und Byzanz/Konstantinopel waren gespannt.

Venedig hatte über lange Zeit exklusive Handelsprivilegien in Byzanz genossen, jedoch nahmen diese immer mehr ab. Manuel, Kaiser von Byzanz, hatte 1171 zahlreiche Venezianer festnehmen lassen und 1182 kam es zu „anti-westlichen“ Massakern in der Stadt. Brand schreibt hierzu:“ Manuel Comnenus had not improved Byzantine- Venetian relations when at the climax of a period of rising tensions he had on 12 March 1171 arrested all Venetians in the empire; while some had escaped, most were imprisoned and their property seized.”13 Isaac II. erneuerte die venezianischen Privilegien wie auch Alexius III. , wobei dies nur oberflächlich geschah, da Alexius III. Genua und Pisa bevorzugte. Hinzu kam noch die Tatsache, dass Alexius IV., Sohn von Isaac II: Angelus nach Italien geflohen war. Alexius IV. bat nun die Kreuzfahrer vor Zara, ihm zu helfen, seinen Thron in Byzanz zu besteigen. Als Gegenleistung garantierte er die Wiederherstellung der alten Handelsprivilegien Venedigs. „Die Bitte des byzantinischen Prinzen Alexios ... schien ein willkommener Vorwand, statt ins Heilige Land gegen das schismatische Konstantinopel weiterzusegeln.“14 Ausserdem versprach Alexios bei Zara: „... 100.000 Mark Silber je für Bonifaz, den Dogen und Balduin von Flandern... Außerdem sollte das ganze Heer auf dem jetzigen Zug von Alexios verpflegt werden und ferner der Kreuzzug eines Heeres von 100.000 Mann von Byzanz aus finanziert und durch die Absendung von 500 byzantinischen Rittern unterstützt werden.“15

Als Innozenz III. davon erfuhr, dass nach Zara auch noch Konstantinopel angegriffen werden sollte, verbat er den Sturm auf Konstantinopel, jedoch vergebens.“Innocent ... by forbidding the crusaders to attack Christian cities, but they refused to heed his command;...“16 Nachdem das Geschäft mit Alexios bekannt geworden war, trennte sich eine Gruppe vom Heer und fuhr unmittelbar nach Akkon, wohin ihnen auch Kreuzfahrer von Korfu aus folgten.17

Im April 1203 segelte die Flotte wieder. Nach einem Zwischenstop auf Korfu, welches erobert wurde, lief die Flotte am 24. Juni 1203 vor Konstantinopel ein. Als die Kreuzfahrer den Grund ihres plötzlichen Erscheinens vor den Stadtmauern bekanntgaben - Alexius IV. zu thronen- stießen sie als Lateiner bei der griechischen Bevölkerung Konstantinopels und dessen Kaiser Alexius III. auf Widerstand, da die Griechen keinen akzeptieren wollten, der mit Hilfe der Lateiner ihren Thron bestieg.

5.) Die erste Eroberung Konstantinopels

Am 5. Juli 1203 gelang es den Kreuzfahrern, die Kette zu durchbrechen, die den Hafen sperrte, so dass sie nunmehr in der Lage waren, Konstantinopel von Land und von See zu attackieren.

Am 17. Juli kam es zu schweren Gefechten: Die Franken wurden von englischen und dänischen Söldnern auf der Landseite abgewehrt, jedoch gelang es der Kreuzfahrerflotte unter Dandolo, einige Türme zu besetzen.

Ohne einen Erfolg seitens der Franken war es jedoch der Flotte nicht möglich ihre gewonnenen Türme zu halten. Alexius III. hatte währenddessen eine Gegenangriffsarmee gegen die Franken aufstellen können, jedoch kam es nie zum Gegenangriff. Obwohl der Angriff des Kreuzfahrerheeres abgewehrt war, floh Alexius III. nachts mit seiner Tochter. Die Zurückgebliebenen befreiten Isaac II. Angelus aus dem Gefängnis und wendeten sich an die Belagerer, um ihnen mitzuteilen, dass Isaac II. wieder im Amt sei und es keinen Grund für weitere Kampfhandlungen gäbe. Es wurde vereinbart, dass die Kreuzfahrer Isaac II. akzeptierten, wenn dieser seinen Sohn als Mitkaiser anerkenne.

Am 1. August 1203 wurde Alexius gekrönt.

Venedig hatte erreicht, was es gewollt hatte. Die alten Privilegien wurden wiederhergestellt.

6.) Waffenstillstand

Jedoch Alexius IV. fand schon bald keinen größeren Gefallen mehr an Konstantinopel. Das Geld, welches er benötigte, um die Venezianer auszuzahlen, fehlte. Um das Geld auftreiben zu können, erließ er neue Steuern, die widerspenstig von den Bürgern aufgenommen wurden, die es ohnehin schon leid waren, das Kreuzfahrerheer in ihren Mauern beherbergen zu müssen. Die Kreuzfahrer waren launisch, bezahlten ihre Rechnungen nicht und plünderten die Umgebung. Die Kreuzfahrer ihrerseits waren zornig auf Alexius IV. , der seine Versprechungen nicht einhielt, obwohl sie ihre Exkommunikation für ihn riskiert hatten. „ Alexios IV. vermochte die in Zara und später auf Korfu versprochenen Zahlungen an die Abendländler nicht zu gewährleisten: die griechische Bevölkerung revoltierte gegen die unerträgliche Steuerlast.“18 Isaac selbst war zu alt zum Regieren und zog sich aus der Politik zurück. Auch Alexius IV. zog sich mehr und mehr vom öffentlichen Leben zurück und verbrachte die meiste Zeit im Palast. Seine „...lateinerfreundliche Politik...“19 führte zu einer Revolte. In dieser gespannten Lage trat ein weiterer Protagonist auf die Bühne: Alexius Murzuphlus aus der Ducas Familie. Dieser war den Kreuzfahrern gegenüber nicht freundlich eingestellt und genoss daher eine enorme Popularität unter der griechischen Bevölkerung Konstantinopels.

Im Januar 1204 ermordete er Alexius IV. und sperrte Isaac in das Gefängnis, in dem er verstarb.

Alexius V. erneuerte die Befestigungsanlagen der Stadt, aus der sich das Kreuzfahrerheer zurückgezogen hatte. Das Heer lagerte außerhalb der Stadtmauern am Goldenem Horn. Zu den ohnehin bestehenden Spannungen kamen nun durch die Befestigungen neue Spannungen hinzu, da die neuen Befestigungsanlagen den Argwohn der Kreuzfahrer steigerten, die die Griechen für hinterhältig hielten.

7.) Die Vorbereitungen zur zweiten Eroberung Konstantinopels

Im Februar 1204 entschlossen sich die Kreuzfahrer dazu, Konstantinopel erneut zu erobern. Diesmal wollten sie jedoch einen lateinischen Kaiser einsetzen, der all ihre Probleme zwecks Auszahlung lösen sollte. Darüber hinaus sollte die Teilung der Christenheit aufgehoben werden.

Bereits im Vorfeld waren alle Details geklärt worden: Venedig sollte drei Viertel der Beute erhalten, um die Schulden der Kreuzfahrer ausgezahlt zu kriegen. Das restliche Viertel der Beute sollte zwischen den Kreuzfahrern aufgeteilt werden. Die ursprünglichen Exklusivprivilegien Venedigs sollten wiederhergestellt werden. Von einer Kommission von 12 Wählern, sechs Venezianer und sechs Nicht-Venezianern20, sollte ein lateinischer Kaiser gewählt werden. , der dann ein Viertel des Reiches erhalten solle. Die restlichen drei Viertel sollten zwischen Venedig und den Kreuzfahrern aufgeteilt werden. Die griechisch-orthodoxe Kirche sollte geplündert werden, und ein lateinischer Klerus sollte eingesetzt werden. Auch sollte Konstantinopel einen lateinischen Patriarchen erhalten. Um den neuen Kaiser zu unterstützen sollte das Heer für ein Jahr bei ihm bleiben. Die Kreuzfahrer, die dann noch blieben, sollten dem neuen Kaiser den Treueid leisten.

An diesen Planungen lässt sich erneut die dominierende Rolle Venedigs erkennen. Dandolo hatte es verstanden, Venedig als klaren Gewinner des Unternehmens zu behaupten. Im Nachhinein ist dies schwer verständlich, da sich im Heer kaum Venezianer befanden.

8.) Die zweite Eroberung Konstantinopels

Am 9. April 1204 begann der Kampf um Konstantinopel. Die Stadt hielt der ersten Angriffswelle wacker stand.

Am 13. April jedoch erklommen Venezianer die Stadtmauer und ein Stadttor fiel. Murzuphlus floh mit der Familie seines Vorgängers.

Die einstmals reichste Stadt der Christenheit wurde völlig ausgeplündert und die Bevölkerung massakriert.

Nach dem dritten Tag der Plünderung wurde die Beute zusammengetragen und, wie zuvor vereinbart, aufgeteilt. „Das Gros der geraubten Kleinodien und Habseligkeiten nahm den Weg nach Venedig.“21

Von den Plünderungen und Brandschatzungen konnte sich Konstantinopel nie mehr richtig regenerieren, bis es 1453 an die Moslems fiel.

9.) Fazit

Mit der Eroberung Konstantinopels endete der Vierte Kreuzzug. Die Kreuzfahrer dachten nicht mehr an Jerusalem und trugen davon, was sie erbeutet hatten. Das in Konstantinopel eingerichtete Lateinische Kaisertum hält bis 1261. Die ursprünglich exkommunizierten Kreuzfahrer kehrten nach Westeuropa zurück, jedoch durch den Sieg über Konstantinopel erfreut, befreite Innozenz III., dessen Wirken im Vierten Kreuzzug auch teilweise paradox erscheint, die Kreuzfahrer von ihrem Bann.

Man kann den Vierten Kreuzzug nur dann als Kreuzzug betrachten, wenn man darauf achtet, dass er von Papst Innozenz III. ausgerufen wurde. Die Eroberung Konstantinopels ist eher als Zufall zu betrachten, der ursprünglich nicht gewollt war, letztendlich jedoch vom Papst begrüßt wurde. Venedig war der „...eigentliche Sieger...“22 des Kreuzzuges. Der alte Doge hatte es verstanden, seine Interessen durchzusetzen und eher versehentlich auch noch Innozenz III. einen Gefallen zu erweisen. Mit der Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes hatte der Vierte Kreuzzug von Anfang an sehr wenig zu tun. Die einstigen Kreuzzugsideale wurden pervertiert. Die wirtschaftlichen Aspekte rückten immer mehr in den Vordergrund. Das Ergebnis des Vierten Kreuzzugs zählt sicherlich nicht zu den Glanzleistungen Innozenz III. während seiner Amtszeit als Papst.

Sicherlich war jedoch auch Innozenz III. über das Ende des Vierten Kreuzzugs erfreut, auch wenn es sicherlich seine ursprüngliche Absicht gewesen war, Konstantinopel zu erobern. „ Papst Innozenz III. war in einer schlimmen Lage: Der Kreuzzug, der sein Zug sein sollte, war nun zum zweitenmal seiner Führung entglitten Es lag nahe, dass der Papst voll Enttäuschung und Entrüstung geantwortet hätte. Aber da war die alte treugehegte Hoffnung auf eine Vereinigung mit der Ostkirche. Sie schien nun endlich erreicht. So antwortetet er den Kreuzfahrern friedlich mit ernsten Ermahnungen, für die Unterwerfung der griechischen Kirche unter Rom Sorge zu tragen und doch noch zum Kreuzzug zum Heiligen land aufzubrechen. Es war zweifellos nicht leicht für Innozenz III., diese Haltung einzunehmen, aber doch das Klügste, was er unter den gegebenen Uverhältnissen tun konnte.“23 Waas führt sein Fazit zum Vierten Kreuzzug fort, indem er bezüglich Innoznez III. schreibt: „ Außerdem muß die Tatsache, daß ein Kreuzzug so ganz der ursprünglichen Absicht entfremdet werden konnte,..., das Ansehen des Papstes sehr schädigen “24

Als Erfolg für den Papst führt Waas jedoch die Eroberung Konstantinopels und die Union mit der griechischen Kirche auf, obwohl der Vierte Kreuzzug Palästina nie erreicht hatte und die „...schwebenden Fragen des Heiligen Landes...“ nicht gelöst hätte.25

Wahrscheinlich belastete der Vierte Kreuzzug Innozenz III. auch so sehr, dass er einen neuen Kreuzzug ausrief, den er jedoch nicht mehr erleben sollte.

[...]


1 Mayer, Hans Eberhard, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 1985, S. 173.

2 Mayer, Hans Eberhard, ebd. S. 175.

3 Mayer, Hans Eberhard, ebd. S. 175.

4 Waas, Adolf, Geschichte der Kreuzzüge, Bd. 1, Freiburg 1956, S. 227.

5 Wirth, Peter, Grundzüge der Byzantischen Geschichte, Darmstadt 1976, S.124.

6 Waas, Adolf, Geschichte der Kreuzzüge, Bd. 1, Freiburg 1956, S. 243.

7 Waas, Adolf, ebd., S. 243.

8 Waas, Adolf, Geschichte der Kreuzzüge, Bd.1, Freiburg 1956, S. 244.

9 Nicol, Byzantium and Venice, S. 68-74.

10 Nicol, Byzantium and Venice, S. 75-79.

11 Sanudo, Marino,Hrsg. Monticolo, G., Le Vite die Dogi di Venezia, in: Rerum Italicarum Scriptores, XXII, Teil IV, Mailand, 1900, Seite 194-195.

12 Waas, Adolf, Geschichte der Kreuzzüge, Bd.1, Freiburg 1956, S. 245.

13 Brand, Charles, Byzantium confronts the West, Cambridge 1968, S. 125.

14 Wirth, Peter, Grundzüge der Byzantischen Geschichte, Darmstadt 1976, S. 124.

15 Waas, Adolf, Geschichte der Kreuzzüge, Bd.1, Freiburg 1956, S. 246.

16 Brand, Charles, Byzantium confronts the West, Cambridge 1968, S. 234.

17 Waas, Adolf, ebd.

18 Wirth, Peter, Grundzüge der Byzantischen Geschichte, Darmstadt 1976, S. 124.

19 Wirth, Peter, ebd., S. 122.

20 Waas, Adolf, Geschichte der kreuzzüge, Bd.1, Freiburg 1956, S. 249.

21 Wirth, Peter, Grundzüge der Byzantinischen Geschichte, Darmstadt 1976, S. 125.

22 Waas, Adolf, Geschichte der Kreuzzüge, Bd.1, Freiburg 1956, S. 250.

23 Waas, Adolf, Geschichte der kreuzzüge, Bd.1, Freiburg 1956, S. 249.

24 Waas, Adolf, ebd. S. 252.

25 Waas, Adolf, ebd. S. 227.

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Der Vierte Kreuzzug
Jahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V96539
Dateigröße
343 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vierte, Kreuzzug
Arbeit zitieren
Anonym, 2000, Der Vierte Kreuzzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96539

Kommentare

  • Gast am 18.7.2002

    Schlecht erarbeitet.

    Das ist doch keine Hausarbeit. Bereits in der Einleitung fehlen Zielfragen,des weiteren werden keine Quellen aufgeführt, lediglich Sekundärliteratur, die zudem noch teilweise veraltet ist und auf die venezianische Rolle wird zu viel Wert gelegt. Es werden auch wichtige Fakten ausgelassen. Alles in allem kann man diese Arbeit lediglich für einen groben Überblick verwerten, doch auch dann wäre man mit dem Mayer besser bedient.

  • Gast am 4.6.2003

    Donaldo Dacco?.

    Da hat sich offenbar einer einen Spaß gemacht. Der Doge heißt Dandolo, nicht Donaldo.
    Gruß Pöttrich

  • Gast am 16.12.2006

    Sehr zweifelhaft.

    Ich habe Waas nicht gelesen, bin aber doch beeindruckt, wie diametral seine Aussagen zu dem stehen, was heute allgemeinhin anerkannt wird.

    Da ich selbst mich eingehend mit dem IV. Kreuzzug beschäftigt habe, sind mehrere Stellen mehr als nur fragwürdig. Alles hier aufzuzählen wäre müßig, ich empfehle jedoch die Lektüre des Buches "Dandolo - Venedigs kühnster Doge" von Neckar.

    Was mir sehr übel aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass Behauptungen aufgestellt werden, die quellentechnisch nicht gesichert sind, es gibt sogar Widersprüche. So wurde zwar der Kirchenbann gegen die Kreuzfahrer aufgehoben von Innozenz, allerdings nicht gegen die Venezianer, und auch der Doge blieb exkommuniziert.

    Ein Kernsatz in der Einleitung ist bei den Haaren herbeigezogen: "Venedig als Initiator und Byzanz als Opfer."
    Venedig hat nicht den Kreuzzug initiiert, und auch Papst Innozenz ist die Leitung über den Zug spätestens in Zara entglitten. Natürlich hat Innozenz den Kreuzzug ausgerufen - aber Kontrolle hatte er doch spätestens ab Zara verloren, wo das Schicksal vorallem bei den Anführern der Ritterheere lag; hervorzuheben ist dabei besonders Bonifaz von Montferrat. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass die "Großen" die Besprechungen führten und entschieden, zumindest bis Konstantinopel. Dandolo als "Nicht-Großer" hatte zwar die Leitung über die Flotte, nicht aber die Leitung über das Heer.

    Wirths Äußerung ,,... [...] Ein unwiederbringlicher Zeitpunkt schien gekommen, um nicht nur in Dalmatien für die Venezianer wichtige Häfen in Besitz zu nehmen, sondern darüber hinaus als Zwischenbastion auf dem Weg zu den Märkten des Orients ein venezianisch-abendländiches Kaiserreich an den Schwarzmeerengen zu gründen."

    Das ist - pardon - aus heutiger Betrachtung nicht mehr haltbar. Die Frage ist doch: waren die Kreuzfahrer überhaupt gen Konstantinopel gefahren, um es mit Waffengewalt zu erobern? Vielmehr haben die Kreuzritter doch bei der Ankunft den Byzantinern den Thronerben gezeigt, in der Hoffnung, ihre Belohnung zu erhalten. Wären sie tatsächlich auf eine Etablierung eines lateinischen Kaiserreichs aus gewesen, hätten sie doch die Stadt sofort und ohne Umschweife angegriffen.
    Und selbst nach der ersten Eroberung setzten die Ritter und Venezianer keinen westlichen Kaiser ein, sondern den Prinzen als Regenten. Warum diese Umschweife, wenn man doch sofort einen "Westler" als Kaiser hätte einsetzen können? Man muss vielmehr davon ausgehen, dass Kreuzfahrer und Venezianer erst nach der Enttäuschung über die ausbleibende Bezahlung in Konstantinopel die Bezahlung mit Gewalt einstreichen wollten - das bedeutet:
    Es handelt sich um kein geplantes Unternehmen, von niemanden. Was geschah, war eine Aneinanderreihung von Zufällen, welche den schlimmsten anzunehmenden Unfall erzeugten. Venedig hat nicht vorsätzlich einen Wirtschaftskrieg gegen Byzanz geführt, es wurde da hinein gezogen - es ist Dandolo allerdings gerade deshalb hoch anzurechnen, dass er im Gegensatz zu allen anderen Akteuren die Schläue und Ruhe gewahrt zu haben, jedesmal einen Vorteil für sich und die Republik herausgeschlagen zu haben. Der Krieg gegen Zara ist einzig und allein auf ihn zurückzuführen - der Krieg gegen Konstantinopel jedoch nicht. Denn die tatsache, dass Dandolo vor dem Kreuzzug durchaus kooperativ und friedlich mit Byzanz Kontakt hatte und diplomatischen Kontakt hielt, passt nicht wirklich in eine von Venedig initiierte Intrige.

    Neben diesen grundelgenden Dingen sind üebrall kleinere Ungereimtheiten und Fehler, aber hier noch ein dicker Hund: Alexios flüchtete nicht nach Italien, sondern zu Philipp von Schwaben, dessen Frau zufällig die Tante Alexios' war. Ja, es geht sogar so weit, dass vor dem Kreuzzug es wohl ein Gespräch gab mit Bonifaz von Montferrat und Phillip von Schwaben gab, und es könnte sogar sein, dass Bonifaz von Montferrat auf den "überraschenden" Besuch des byzantinsichen Prinzen sehr gut vorbereitet war. Das alles gibt der Geschichte noch eine ganz andere Dimension.

    Des Weiteren war die Politik Alexios IV. auf gar keinen fall "lateinerfreundlich". Ganz im Gegenteil, es ist bekannt, dass der junge Kaiser im angesicht seiner Unpopularität beim Volke das "Lateinerproblem" ganz schnell aus der Welt schaffen wollte - er versuchte sogar mitten in der Nacht die venezianische Flotte in die Luft zu jagen, um kurzen Prozess zu machen. Auch das war ein Auslöser für den zweiten Sturm auf Konstantinopel.

    Und erst im Fazit wird erst recht die Wiedersinnigkeit des Textes deutlich: wurde eben noch vom großen, von Venedig initiierten Wirtschaftskrieg gesprochen, heißt es im Fazit, dass "Die Eroberung Konstantinopels ist eher als Zufall zu betrachten, der ursprünglich nicht gewollt war, letztendlich jedoch vom Papst begrüßt wurde". Allein diese Unstimmigkeit im Text selbst lässt erahnen, dass der ganze Aufsatz nochmals gründlich überarbeitet werden sollte, und zwar

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