Seghers, Anna - Das siebte Kreuz


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

2 Seiten, Note: 11 Punkte


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Inhalt: Dieser Roman zeigt das Leben zur Zeit des Nationalsozialismus und beschäftigt sich mit dem Leiden der Gefangenen in dem Konzentrationslager Westhofen bei Frankfurt/ M. Im Mittelpunkt stehen sieben Häftlinge (Wallau, Beutler, Pelzer, Belloni, Füllgrabe, Aldinger, Georg Heisler), die dem Lager entfliehen können. Die Hauptperson in diesem Buch ist der Flüchtling Georg Heisler, der den gesamten Handlungsablauf der Erzählung maßgeblich bestimmt und beeinflusst. Georg ist auf der Flucht vor der Gestapo, die den Auftrag hat, alle Flüchtlinge so schnell wie möglich wieder zurück nach Westhofen zu bringen, wo sie der sichere Tod erwartet. Auf seinem Weg ins Ungewisse sieht sich Heisler mit zahlreichen Problemen konfrontiert: Die Nazis haben die Namen der Flüchtlinge in der regionalen Zeitung veröffentlicht, so dass Georg jeder Zeit damit rechnen muss, erkannt zu werden. Er muss Hunger und Erschöpfung ertragen, aber auch der Zustand seiner Hand, die er sich auf der Flucht verletzt hat, verschlechtert sich. Georg schlägt sich 2 Tage lang auf eigene Faust durch und versucht seine Gedanken zu ordnen. Er fühlt sich von Tag zu Tag erschöpfter und versucht schließlich, mit diversen Bekannten und Verwandten Kontakt aufzunehmen. Lagerkommandant Fahrenberg ordnet unterdessen an, im Innenhof des KZs sieben Kreuze aufzustellen, an denen die Flüchtlinge zur Peinigung angebunden werden sollen. Zwischenzeitlich hat jeder Mensch aus der näheren Umgebung von der Flucht erfahren. Unter den Bürgern herrschen Angst und Gleichgültigkeit, aber zum Teil auch der Wille, den Entflohenen zu helfen. Franz Marnet, ein ehemaliger Freund von Georg, überlegt, wie er seinen besten Kumpel aus vergangener Zeit unterstützen kann. Er zieht vertrauenswürdige Bekannte zu Rat und versucht, hilfreiche Kontakte zu knüpfen. Seine Bemühungen führen allerdings zu keinem Erfolg, da Gestapo und SS sehr wachsam sind. Mittlerweile werden die Häuser, von denen vermutet wird, dass Georg hier auftauchen könnte, überwacht. Angehörige und Bekannte (darunter auch Georgs Frau Elli) werden sowohl bespitzelt als auch zu Verhören vorgeladen. Heisler schlägt sich mit Glück zu seiner Ex- Freundin Leni durch, die in Höchst wohnt. Diese weist ihn allerdings ab und behauptet, ihn nicht zu kennen. Georg ist sehr enttäuscht von ihr und zieht schweren Herzens weiter. Am nächsten Tag trifft er zufällig auf Füllgrabe, einen weiteren Flüchtling. Dieser verrät ihm, dass er sich der Gestapo stellen werde, da er keine Kraft mehr habe und nicht glaube, dass es noch weiter Sinn hätte, die Flucht fortzusetzen. Heisler erklärt ihn für verrückt und bemerkt, dass er keine Gnade von den Nazis erwarten dürfe. Füllgrabe ist nicht von seinem Plan abzubringen, Georg hingegen setzt seinen Weg fort. Nach weiteren Strapazen kommt Heisler der Gedanke an einen Jugendfreund namens Paul Röder, der in der Vergangenheit sehr hilfsbereit und sozial eingestellt war. Dieser nimmt ihn sofort auf, hat aber Bedenken, als Georg ihm von seiner Flucht erzählt. Röder sorgt sich um seine Familie. Doch er erkennt bald, dass sein alter Bekannter verloren ist, wenn er ihm keine Zuflucht bietet. Mittlerweile wurden alle Flüchtlinge, bis auf Georg, eingefangen und zurück ins KZ gebracht. Unter ihnen auch Wallau, Georgs großes Vorbild und bester Freund. Er wird nach einigen erfolglosen Verhören von Lagerkommandant Fahrenberg zu Tode geprügelt. Paul erkundigt sich bei Arbeitskollegen, wie er seinem geflüchteten Freund helfen könne. Er erhält von einem Mann namens Fiedler, der sich früher an zahlreichen Protestaktionen gegen die Nazis beteiligt hat, einen gefälschten Pass und Geld. Georg wird mitgeteilt, dass am morgigen Tag ein holländischer Kahn ausläuft, auf dem er mitfahren könne. Zwischenzeitlich wechselt Georg noch einmal die Unterkunft. Dann besteigt er das Schiff.

Das siebte Kreuz bleibt unbesetzt.

Darstellung: Die Autorin Anna Seghers schrieb den Roman aus der Sicht eines allwissenden Erzählers. Sie verwendet durchgehend eine etwas veraltete Ausdrucksweise, was der Textverständlichkeit nicht gerade zu- gute kommt. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit konnte ich mich allerdings mit der Sprache anfreunden. Ihr Erzählstil ist sowohl von kurzen einfachen als auch von langen, komplexeren Sätzen geprägt. Auffallend ist, dass A. Seghers die Zeit des Nationalsozialismus aus der Perspektive unterschiedlichster Personen beschreibt. So versteht es die Autorin, nicht nur mit gerechtem Zorn Partei zu nehmen, sondern dem Leser - aus der Ferne - ein menschlich glaubhaftes Bild des verfinsterten Deutschland zu vermitteln. Die zahlreichen, auf den ersten Blick völlig überflüssig wirkenden Dialoge, vermitteln dem Leser das Gefühl, direkt am Geschehen beteiligt zu sein.

Zusammenhänge: Anna Seghers (geb. am 19.November 1900), deren Name ein Pseudonym ist, legte ihren richtigen Namen (Netty Reiling) ab, als ihre ersten Erzählungen erschienen. Auf Grund ihrer jüdischen Abstammung und ihrer Aktivitäten bei den Kommunisten wurde sie von der Gestapo verfolgt. 1933 emigrierte sie zusammen mit ihrem ungarischen Mann nach Paris. Dort schrieb sie das Buch „Das siebte Kreuz“, einer der wichtigsten Romane der deutschen Exilliteratur und ihr berühmtestes Werk. Als die deutsche Armee 1940 die französische Hauptstadt besetzte, musste sie wieder fliehen. Diese Zeit hielt Anna S. in ihrem Roman „Transit“

fest. Nach weiteren verschiedenen Aufenthaltsorten kehrte sie nach dem Krieg in ihre Heimat zurück und träumte von einem neuen Deutschland, in dem es soziale Gerechtigkeit, aber keine Gnade für die Nationalsozialisten gibt. Es folgten weitere Romane, bis sie am 1. Juni 1983 in Ost- Berlin starb.

Kritik: Meiner Meinung nach hat Anna Seghers mit ihrem Roman „Das siebte Kreuz“ ein Buch geschaffen, das sich auf ganz außergewöhnliche Art und Weise mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. Sie vermeidet es, die Nazis bis auf alle Ewigkeiten zu verfluchen, sondern bietet dem Leser eine vollkommen rationale Sicht des Geschehens. Dieser nicht auf Hass gegenüber den Nazis basierende Erzählstil ist für mich eine außerordentliche Leistung, da die Biografie der Autorin zeigt, wie sie selbst unter den Nazis gelitten hat. Sehr beeindruckend ist für mich die Fähigkeit der Autorin, die Gefühle oder Gedanken der im Buch vorkommenden Personen so zu beschreiben, dass man als Leser förmlich mit ihnen mitfühlt und leidet. Dennoch finde ich, ist Anna Seghers etwas zu kritiklos an das Thema der Naziherrschaft herangegangen. Auf Grund der unvorstellbaren Verbrechen und Gräueltaten, die Hitler und seine Mannen begangen haben, hätte sie im Text einige Passagen schärfer formulieren können. Bemerkenswert und sehr überzeugend ist für mich allerdings die Wahl des Titels, da das siebte Kreuz als Symbol für Hoffnung und Gerechtigkeit interpretiert werden kann.

Leseprobe: S. 34 (zweiter Absatz), S.35 (erster Absatz):

Ich habe diese Leseprobe gewählt, weil ich denke, dass sie Georgs Ausweglosigkeit und psychische Belastung, in der er sich befindet, sehr gut widerspiegelt.

Georg sah zwischen den welken Stauden über den Grabenrand. So nah stand der Posten - wo der Weg über dem Gurkenfeld in die Landstraße mündete -, so bestürzend nah, dass Georg gar nicht erschrak, sondern in Wut geriet. So greifbar nah stand er da auf seinen zwei Beinen gegen die Ziegelmauer, dass es die größte Qual war, sich zu verstecken, anstatt gegen ihn anzuspringen. Langsam ging der Posten den Weg ab, an der Fabrik vorbei zur Liebacher Au - in seinem Rücken, in der grauen und braunen Unendlichkeit zwei glühende Augenpunkte. Georg dachte, der Posten müsste sich umdrehen nach dem mühlenartigen Geklapper, das sein Herz jetzt machte, wo es doch selbst in der Todesangst noch viel stiller schlug als ein Vogelflügel. Georg rutschte im Graben weiter, fast bis zur Wegstelle, wo der Posten noch eben gestanden hatte. Wallau hatte ihm noch erklärt, dass dort der Graben unter dem Weg durchführte. Ob und wie der Graben dann weiterlief, das hatte Wallau selbst nicht gewusst. An dieser Stelle hatte auch seine Voraussicht aufgehört. Georg kam sich erst jetzt vollkommen verlassen vor. Ruhig - nur noch das Wort blieb ihm im Ohr, der bloße Klang, ein Amulett aus Stimme. Dieser Graben, sagte er sich, läuft unter der Fabrik durch, wird den Abfluss aufnehmen. Er musste abwarten, bis der Posten gedreht hatte. Jetzt blieb der Posten am Ufer stehen, pfiff. Von der Liebacher Au pfiff es zurück. Georg begriff jetzt den Abstand zwischen den Pfiffen, überhaupt begriff er jetzt viel. Jeder Punkt in seinem Gehirn war besetzt, jeder Muskel war angestrengt, jede Sekunde war ausgefüllt, ungemein dicht war das ganze Leben, atemlos und eng. Wie er dann in dem stinkigen, scharf riechenden Abfluss steckte, wurde ihm plötzlich flau, weil dieser Graben ja gar nichts war zum Durchkriechen, sondern bloß um darin zu ersticken. Und er wurde zugleich ganz rasend, weil er doch keine Ratte war und das kein Ort für ihn zum Abgehen. Da war es aber vor ihm schon nicht mehr pechschwarz, sondern ein Gewitter von Wasserkringelchen. Zum Glück war das Fabrikgelände nicht groß, vielleicht vierzig Meter breit. Wie er herauskam, jenseits der Mauer, stieg das Feld etwas an zur Landstrasse, und ein Weg führte schräg hinauf. In dem Winkel zwischen Mauer und Feldweg gab es einen Abfallhaufen. Georg konnte nicht weiter, er musste sich hinhocken und auskotzen.

2 von 2 Seiten

Details

Titel
Seghers, Anna - Das siebte Kreuz
Note
11 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
2
Katalognummer
V96540
Dateigröße
327 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seghers, Anna, Kreuz
Arbeit zitieren
Julian Trantel (Autor), 2000, Seghers, Anna - Das siebte Kreuz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96540

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