Kommunikationstheorie: Postmoderne und Dekonstruktivismus


Skript, 2000

3 Seiten


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Postmoderne und Dekonstruktivistische Theorien

1. Postmoderne

1.1. politische Dimension

Der Postmodernebegriff in seinem politisch-ideologischen Kontext setzt Moderne nicht gleich mit Aufklärung, Humanismus und Emanzipation. Charakteristikum der Moderne ist vielmehr die Freisetzung des Individuums, das große Problem der Moderne besteht darin, daß es bis heute keine adäquate Form der Gesellschaftlichkeit von Individuen gibt.

Die Postmodernediskussion erweist sich nun als neuer Vorstoß auf eine angemessene Form Gesellschaftlickeit unter Wahrung der Individualität zu gestalten. Postmoderne ist also nicht "Nachmoderne" im zeitlichen Sinne, sondern sie versucht vielmehr, anders mit den Phänomenen der Moderne umzugehen.

1.2 Lyotards Methode

Postmoderne im Sinne Lyotards soll einen Einschnitt markieren, der eine Gesamtreflexion der Entwicklung der Moderne und ihrer Begründungsbewegung ermöglicht. Die Kritik der Ergebnisse der Moderne soll von ihren Scheuklappen befreit werden. Diese Art von Kritik der Moderne soll dazu beitragen Fehlentwicklungen zu korrigieren und somit die Moderne zu retten. Offenbar beruhen alle Strategien der philosophischen Moderne auf Ausgrenzug und Entwertung der Heterogenität, was nach Lyotard die größte Fehlentwicklung ist.

Sein Ziel ist es, die Heterogenität wieder anzuerkennen und auf ihrer Basis neue Formen des (gesellschaftlichen) Zusammenhangs zu denken, die dem Individuum und seinen Eigenheiten gerecht werden. Lyotard versucht nun eine neue Diskursform zu finden, die nicht auf Ausgrenzung der Heterogenität beruht. Er verneint wiss. Verallgemeinerung und jede Gesetzmäßigkeit, um das Individuum vielschichtiger beobachten und beschreiben zu können. Dem künstlerischen/ philosophischen Denken und Handeln liegen keine Regeln oder Kategorien zugrunde, sie müssen erst erschaffen werden -> völlig neue Denk- und Darstellungsformen werden eingeführt.

2. Dekonstruktion nach Derrida

Jaques Derrida geht weiter als Lyotard. Die Kritik an der Ausgrenzung der Heterogenität ist für ihn nur konsequent, wenn sie die metaphysisch strukturierte Sprache miteinbezieht und auch deren Totalitarität aufzeigt. Neben die totalitarisierende Sprache sollen andere Formen gestellt werden. Sprache ist laut Derrida heterogen und kann vielfältig ausgelegt werden. Jede Verallgemeinerung - auch die Definition von Begriffen - raubt Individualität.

2.1 verallgemeinerter Textbegriff

Ansatz ist der verallgemeinerte Textbegriff: alles ist Text, die Realität ist ein Text, es gibt kein "Außerhalb" von Text, keine Grenzen von Text und entsprechend auch keine Grenzen der differentiellen Verweisungen (Problem: Derrida selbst schafft mit seinem Textbe-griff Allgemeinheit und Definition, die das Verfahren eigentlich dekonstruieren soll).

Ein Text mit seinem Kontext ist als etwas Einzigartiges zu behandeln, das Herangehen erlaubt keine Vereinfachung, keine "Vorurteile", keine Definitionen und festgefügte Methoden. Derrida plädiert für das Lesen von Texten, das diesen möglichst wenig "Gewalt" antut im Sinne von von Reduktion auf eigene Begriffe und Ausrichtung auf ein Ziel.

2.2 "Methode"

Zweifel an jeglicher Methodologie, an regelhaftem Vorgehen. Demontage der Begriffe. Systeme (Texte) werden in ihre Einzelteile zerlegt, um ihre Widersprüche aufzudecken und neue Interpretationen und Lesarten anzubieten.

Dekonstruktion ist keine allgemeine Theorie oder Methode. Dekonstruktionen haben zwar mit Regeln und Ordnungsbegriffen zu tun, aber diese sind nur im Ramen relativer Allge-meinheit übertragbar.

3. Paul Virilio

3.1 Die Logistik der Wahrnehmung

Parallele Entwicklung von Kriegstechnologie und Film. Das Schlachtfeld wird zum Wahrnehmungsfeld, Waffentechnologie zu Wahrnehmungstechnologie: "Das Kino ist ein degenerierter Sprößling der militärisch-industriellen Gesellschaft".

Die Gleichzeitigkeit der Entwicklung von Film und Militärtechnologie hat die Art der Wahrnehmung verändert. Es zählen nicht mehr materielle Eroberungen (Land, Geld Rohstoffe) sondern die Eroberung immatrieller Wahrnehmungsfelder hat Priorität.

3.2 Die Sehmaschine

Die Geschwindigkeit beim Übermitteln von Kommunikation steigt, Zeit und Entfernungen werden aufgehoben. Die Menge an Informationen steigt, was die Erinnerungsfähigkeit überfordert und einschränkt. Das "Streben nach Omnivision", der Wunsch, "das nie Gesehene sichtbar zu machen" führt zur Entwicklung von Hilfsmitteln des Sehens wie Mikroskopen, Teleskopen, Ka- meras... Die Anwendung dieser Hilfsmittel verändert den Blick auf die Gesellschaft, z.B. verliert das Private an Wert. Es kommt zu einer Industri-alisierung und Automatisierung von Wahrnehmung, die Wahrnehmung wird technisiert, die objektive Wahrnehmung der "Sehmaschinen" (Überwachungskameras?) bleibt für den Menschen unzugänglich.

- Telepräsenz aller Objekte in Echtzeit: Transparenz und Virtualität
- Geschwindigkeit siegt über Zeit und Raum
- "intensive Zeit"

Die Realität verändert sich von Materie zu Geschwindigkeit. Die Grundfrage der Wahrnehmung lautet nicht mehr: "wie weit weg (räumlich und zeitlich) ist etwas?" sondern: "in welcher Geschwindigkeit bewegt sich das Wahrgenommene?".

3.3 Das letzte Vehikel

Domotik = Dekonstruktion der häuslichen Umgebung.

-> Interaktive Orte/ Virtualität ersetzen das reale Umfeld.
-> räumlich-zeitliche Desorientierung, Hetze
-> Vermischung von Aktion und Teleaktion, von realer und virtueller Umgebung
-> "Triumph der Seßhaftigkeit"

"Je schneller wir werden, desto mehr treten wir auf der Stelle." Kommunikationsmittel bestimmen den Menschen. Wenn es Kommunikationsangebote gibt, werden sie auch genutzt, der Mensch kann sich nicht entziehen: "Zwang zur Wahrnehmung?" führt zur Überlastung! Die klassischen

Kategorien des Denkens, Raum und Zeit, werden aufgehoben, damit geschieht ein Identitätsverlust, es kommt Desorientierung auf.

-> pessimistische Perspektive! bietet Reflexion über die Zustände Ausweg? (vgl, dazu Flusser: optimistischer)

4. Jean Baudrillard

4.1 Dekonstruktion der Kommunikationstheorien

Bislang gibt es keine echte Kommikationstheorie, den allen bisherigen Ansätzen liegt eine bestimmte Basis/ Prämisse zugrunde und alle Ansätze brauchen festgelegte Begriffe wie Sender/ Codierer, Botschaft, Empfänger/ Decodierer. Kritik Baudrillards daran:

- vorgegebene Denkkategorien/ Begriffe engen ein
- jeder Kommunikationsprozeß ist irgendwie gerichtet (vektorisierend) und an ein Schema gebunden
- es findet keine wirkliche Kommunikation statt, denn es gibt nichts Gemeinsames, keine Interaktion
- wissenschaftliche Konstruktion errichtet ein Simulationsmodell der Kommunikation, aus dem im voraus ein Antagonismus der Partner oder die Ambivalenz ihres Austausches ausgeschlossen sind

Schlußfolgerung: die Begriffe und Denkkategorien müssen aufgehoben werde "Dekonstruktion der Begriffe an sich"

4.2 Kommunikation ist sich selbst entfremdet

Kommunikation ist nicht mehr Interaktion, "miteinander sprechen", nicht mehr Aktion im Sinne einer sozialen, aktiven Handlung zwischen Individuen. Stattdessen findet eine Operationalisierung der Kommunikation statt, eine Veränderung der strategischen Funktionen von Kommunikation: transitive Funktion -> McLuhan -> Codierungsfunktion -> phatische Funktion (kontaktknüpfend und -erhaltend).

Sinn der Kommunikation ist schließlich nur noch die Verbindung selbst, es gibt keine Zweckbestimmung und keine Zielsetzung mehr, die dem Kommunikationsakt zugrunde liegt. Kommunikation läuft eigenbezüglich in einer Endlosschlaufe, die nicht mehr beeinflußt werden kann und bildet eine eigene "Metasprache". Soziales Handeln wird auf den "technologischen Imperativ" vereinfacht.

-> Kulturpessimismus, Nihilismus ?!?
-> Baudrillard bietet keine Alternativen zu seiner "Apokalypse"!

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Details

Titel
Kommunikationstheorie: Postmoderne und Dekonstruktivismus
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Autor
Jahr
2000
Seiten
3
Katalognummer
V96598
Dateigröße
328 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postmoderne, Dekonstruktivismus, Lyotard, Derrrida, Virilio
Arbeit zitieren
Svenja Kunze (Autor), 2000, Kommunikationstheorie: Postmoderne und Dekonstruktivismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96598

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