Das Feuilleton


Hausarbeit, 2000
7 Seiten, Note: sehr gut

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2. Übung

Als Basis einer Diskussion der beiden Texte Wilmont Haackes „Das Wiener jüdische Feuilleton“ und „Das Feuilleton des 20. Jahrhunderts“ möchte ich zunächst den Begriff „Feuilleton“ allgemein klären. Das Dudenlexikon definiert „Feuilleton“ folgendermaßen:

„ Bezeichnung f ü r die journalistische bzw. literarische Kunstform, die dem unterhaltenden, k ü nstlerischen und wissenschaftlichen Teil der Tagespresse das Gesicht gibt. Das Feuilleton unterscheidet sich von anderen Formen der Berichterstattung und Unterrichtung durch den Stil und eine gepflegte Sprache. Es umfasst Fortsetzungsromane, Novellen und Skizzen, Besprechungen ü ber Theater, Literatur, bildende Kunst, Film und Fernsehen, popul ä rwissenschaftliche Darstellungen, sowie Nachrichten aus den Gebieten der K ü nste und Wissenschaften. “ Wilmont Haacke differenziert das Feuilleton des weiteren wie folgt: Zum einen als „das Ressort, wie es in Zeitungen, Zeitschriften und anderen Medien als selbständige Sparte oder Programmteil erscheint“. Weiterhin als Stilform, in der Nachrichten und Meinungen, „um des besseren Ankommens willen“, geschrieben werden und zum dritten als das „reine“ Feuilleton.

Des weiteren spricht Haacke von Schwierigkeiten, das Feuilleton zu erhalten, da es in seiner dreifachen, oben beschriebenen Form seit jeher von Verlagen, Redaktionen und Sendeleitungen „leichtfertig scheel“ angesehen wird. Ebenso werde der Feuilletonist als oberflächlicher, unwissenschaftlicher Schriftsteller belächelt, der sich, unsicher und eingeschüchtert, stets vor dem Spott der schreibenden Kollegen fürchten müsse.

An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass ich diese Behauptung für etwas überzogen halte, dem Feuilletonisten wird heutzutage sehr wohl weitgehend der nötige Respekt gezollt. Zwar hat seine Funktion an „politischer“ Bedeutung verloren, da es heutzutage nicht mehr nötig ist, seine Meinung hinter gekonnten Wortspielen zu verstecken. Als Kabarettist unter den Journalisten wird der Feuilletonist gerade wegen seiner Fähigkeit, über die reine Berichterstattung hinaus, den Leser zu unterhalten, geschätzt.

Für die erkannte Notwendigkeit des Feuilletons spricht die Tatsache, dass es wider Erwarten immer noch existiert. Obwohl es, sei es durch Zensur und Sprachregelungen eingeschränkt wurde, hat sich das Feuilleton doch durch verschiedene politische Systeme hindurch gehalten.

Schon im Absolutismus war das Feuilleton ein Forum für Regimekritiker, so hatten unter anderen Jungdeutsche wie Heinrich Heine oder Ludwig Börne im Feuilleton die Möglichkeit trotz strenger Zensur und gegen oktroyierte Auffassungen, revolutionäre Ideen zwischen den Zeilen zu äußern: Während im politischen Teil der Zeitung die von Metternich erlassene „öffentliche Meinung“ zu lesen war, nahm vor allem Börne in Form von Theater und Literaturkritiken zu gesellschaftspolitischen Fragen Stellung und plädierte für eine republikanische Staatsform. Den gekonnten Wortspielen einiger Feuilletonisten sei Dank, konnte die Zensur nicht zupacken, die „Botschaft“ war ja auch nur zwischen den Zeilen zu lesen. Gerade deshalb wurde das Feuilleton den Verrissenen ein besonderes Ärgernis, weil es im Grunde unangreifbar war.

Selbst die wohlorganisierte NS-Kulturpolitik war nicht in der Lage, die leise Aussageweise des Feuilletons vollends zu stoppen. Jedoch wurde ihm innerhalb des deutschsprachigen Raumes sein bis dato gehaltener exponierter Platz genommen, und diese günstige Platzierung hat es nach 1945 auch nicht wieder erhalten.

Für die Tatsache, dass das Feuilleton im 20. Jahrhundert an Ruhm verloren hat, macht Haacke neben dem Nationalsozialismus auch die jüdischen Feuilletonisten verantwortlich. Er behauptet, dass sich, trotz Schwierigkeiten bei der Darstellung der Entwicklung des Wiener jüdischen Feuilleton eine durchgehende Linie erkennen lässt, die immer wieder die gleichen Wesensmerkmale jüdischer Manier und jüdischen Verhaltens aufzeige.

Diese Linie beginnt mit Joseph von Sonnenfels, den einzigen nennenswerten jüdischen Schriftsteller, den das 18. Jahrhundert hervorgebracht hat, traten Juden in der Wiener Presse zu dieser zeit nur vereinzelt auf. Sonnenfels, Herausgeber der Zeitschrift „Der Mann ohne Vorurteil“ galt als Vertreter aufklärerischer Ideen, seine Beiträge trugen feuilletonistische Züge.

Einer der ersten jüdischen Zuwanderer, die während des nächsten Jahrhunderts nach Wien kamen, war Moritz Gottlieb Saphier. Laut Haacke verflachte er das Feuilleton mit plumpen Wortspielen während er Heinrich Heine und Ludwig Börne kopierte. Die „selbstgefällige Eitelkeit“ erscheine als Kennzeichen des jüdischen Feuilletons, weiter beginne mit ihm die jüdische Schuld am schlechten Beigeschmack, den das Feuilleton nach und nach bekommen hat.

Saphiers unmittelbarer Nachfolger wurde Daniel Spitzer, der die feuilletonistisch witzige Form nutzte, um sämtliche Erscheinungen der österreichischen Öffentlichkeit herabzuwürdigen, dies zeigt sich zum Beispiel in den „Liedern eines Wiener Flaneurs“, die er für die „Deutsche Zeitung“ und später für die „Neue Freie Presse“ schrieb. Spitzers Humor lebte vom spitzfindigen Wortspiel und von der Antithese, aber er schrieb, was ihm Haacke zum Vorwurf macht, nicht mit Herz sondern mit Verstand.

Ein neuer Typ des jüdischen Feuilletons und der Ausdrucksweise entwickelte sich in Peter Altenberg, einem der Hauptvertreter des modernistischen jüdischen Feuilleton. Sein Feuilleton appellierte an das Gefühl und lehnte sich an den deutschen Wiener Feuilleton an. Jedoch würden die Momente der verfeinerten Beobachtung durch eine allzu gesuchte psychoanalytische Ausdeutung übertönt.

Ein formgewandter Nachfolger Altenbergs, Alfred Polgar, zeichnete sich durch eine verknappte, mehr und mehr versachlichte Form, einen telegrammhaften Stil und expressionistische Sprachverkürzung aus. Die Tatsache, dass Polgar wie Haacke beim „Berliner Tagblatt“ tätig war erklärt vielleicht, warum Haacke ausgerechnet und eigentlich nur über Polgar positives zu sagen weiß. Seine Berichterstattung trägt unsachliche, in höchstem Maße verallgemeinernde Züge, dies fehlen jedoch hier. So bezeichnet Haacke Polgar sogar als „einen der intelligentesten Zeugen“ dieser Zeit.

Die Juden seien es gewesen, die den Internationalismus in die österreichische Abeiterpresse brachten und das anscheinend unpolitische Feuilleton nutzen um ihn in die Herzen der lesenden Arbeiterschaft du „filtrieren“. Hier widersprechen sich Haackes Texte: Betont er auf der einen Seite die Funktion des Feuilletons Auskunft zu erteilen und Aufklärung zu vermitteln, welche es für den Leser unentbehrlich, und zwar nicht nur als schlichte Beilage zur Tagespresse mache, nennt er es hier „unpolitisch“.

Abseits von Juden dieser internationalistischen Prägung standen Theodor Herzl und Karl Kraus. Letzterer, Herausgeber der Zeitschrift „Die Fackel“ hätte während des Weltkrieges, wie auch andere Juden des Wiener Feuilletons, auf den Zusammenbruch seines Gastlandes hingewirkt und dazu beigetragen, dass das Feuilleton herabgekommen war.

Um dieses Herabkommen zu belegen, benennt Haacke einige typische Merkmale des jüdischen Feuilletons. So zerpflücke das jüdische, im Gegensatz zum deutschen Feuilleton den Gegenstand seiner Aufmerksamkeit und ziehe ihn in den Schmutz, während das deutsche zu erbauen und erheben wisse. Beraube man das jüdische Feuilleton seinem Wortwitz, mit dem es zwar gewisse Leserkreise zu amüsieren wisse, so lasse es „Güte, Wohlwollen und Herz“ vermissen. Während das deutsche Feuilleton schön und schlicht sei, wolle das jüdische anderen ein Urteil aufdrängen, da die Zugewanderten Wien mit vorgefasster Meinung sähen und deshalb die „wahren Erscheinungen des kleinen Lebens in lauter, eitler und witziger Geschwätzigkeit“ an ihnen vorübergingen. Weiterhin wären Juden ohnehin nicht in der Lage, Feuilletons von solcher Qualität zu schaffen, wie es deutsche Feuilletonisten täten, da sie innerlich unbeteiligt seien, und das Lokale ihnen versagt wäre, da sie vor allem den Wiener Dialekt nicht beherrschten. Erotik, Eitelkeit und Sensation in jüdischen Feuilletons trügen die Verantwortung dafür, dass das Feuilleton einen schlechten Ruf bekommen hätte.

Nach eingehender Lektüre und Auseinandersetzung mit diesem Text muss man zwangsläufig den Eindruck bekommen, die Juden wären schuld daran, dass das Feuilleton im 20. Jahrhundert an Ruhm verloren hat. Jedoch sollte man bedenken, dass sich die Zeiten geändert haben. Das Feuilleton hat gerade deshalb nicht mehr einen so hohen Stellenwert, da es nicht mehr notwendig ist, seine wirkliche Meinung hinter Wortspielen oder zwischen den Zeilen zu verstecken. Denn wie bereits erwähnt war das Feuilleton schön früh ein Forum sich zu gesellschaftspolitischen Fragen zu äußern, allerdings hinter vorgehaltener Hand. Heutzutage ist das Feuilleton doch eher zur Unterhaltung „degradiert“, eine Tatsache, die aber nicht jüdische Feuilletonisten zu verantworten haben.

Neben dieser Polemisierung störe ich mich vor allem an Haackes Art und Weise den „Werdegang“ des jüdischen Wiener Feuilletons zu beschreiben. Seine Berichterstattung trägt unsachliche, in höchstem Maße verallgemeinernde Züge, was diesen Text in meinen Augen unprofessionell macht. Die ständigen abfälligen Bemerkungen Haackes und seine Art, den deutschen Feuilleton über das jüdische zu stellen lässt eine Vermutung aufkommen: War er gar neidisch auf die Fähigkeiten seiner jüdischen Kollegen?

Anmerkungen

1 vgl. Grundkurs Geschichte, S 197

2 vgl. Feldmeier, S 241

Literatur

Feldmeier (Hrsg.)

Abiturtraining Geschichte Grundkurs K 12, Stark Freising, 1993

Gebhard

Handbuch der deutschen Geschichte, 4/2 „Die Zeit der Weltkriege“, Klett München, 1978

Grundkurs Geschichte K 12, Cornelsen Stuttgart, 1993

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Das Feuilleton
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V96603
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diskussion zweier Texte von Wilmont Haacke
Schlagworte
Feuilleton
Arbeit zitieren
Laura Gandlgruber (Autor), 2000, Das Feuilleton, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96603

Kommentare

  • Gast am 29.1.2001

    Das Feuilleton.

    Wahnsinn, muss morgen, (ja, ok, heute) genau diesen Text abgeben, als Arbeit zur Prüfung dazu, und wollt mich wärend ich schrieb im Internet über Haake schlauer machen, wo ich auf deine Arbeit gestossen bin, was genau mein Thema war, danke, hast mir das Leben gerettet, (Dir verdank ich wenigstens 1-2 Stunden Schlaf)
    Also, danke noch, und machs gut :)
    PS- hab Dir auch die beste Bewertung gegeben, INGO

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