Vom Fluch der Ideologien


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2020

54 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Realität

2. Begriffe

3. Politische Lügen

4. Unwahrheiten der Religionen

5. Nationalismus/Chauvinismus

6. Faschismus

7. Nationalsozialismus/Neonazismus

8. Rassismus

9. Kolonialismus

10. Imperialismus

11. Ein Exkurs in die Wirtschaft

12. Kapitalismus

13. Sozialismus und Kommunismus

14. Exkurs: Demokratischer Sozialismus

15. Exkurs: Soziale Marktwirtschaft Nachwort

Liebe Leserinnen und Leser!

Thomas von Aquin definierte die Wahrheit als adaequatio rei ac intellectus, als Übereinstimmung der Erkenntnis mit der Realität. Aber zuweilen trifft wohl Christian Morgensterns Spruch zu, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Pech für die Realität, sofern sie mit einer Lehre nicht übereinstimmen will. Dann muss eben die Realität „angepasst“ werden – und schon ist eine Ideologie geboren. In Form staatlicher Ideologiepropaganda überfährt sie den Menschen und lässt ihm keinen Freiraum zum Atmen. Er betet den Unsinn gern nach, wenn nur der Druck damit weicht. Was dabei herauskommt, zeigt dieses Buch an zahlreichen Beispielen. Wenn die Rückbindung einer Theorie an die Wirklichkeit aufgegeben wird, tut sich ein enormes Potential für einen Wahn auf, für Ideologien wie Nationalismus, Faschismus, Manchester-Liberalismus, Raubtier-Kapitalismus, Kommunismus (recte Sozialismus), Rassismus etc., die für ganze Gruppen von Menschen zu Geißeln wurden. Die Bezeichnung von Ideologien endet meistens auf -ismus; das deutet auf eine Deterioration der ursprünglichen Idee hin. Außerdem stehen oft auch handfeste Interessen, wie z. B. beim Kolonialismus, dahinter.

In diesem Buch gehe ich auf das von Ideen Intendierte ein und stelle anhand exemplarischer Beispiele ihre Übertreibungen durch Ideologien samt ihren gravierenden Folgen dar. Bereits vor fast 2.400 Jahren wies Aristoteles darauf hin, dass jede „Tugend“ (heute sagt man „richtiges Verhalten“ dazu) in zweierlei Hinsicht verfehlt werden kann, wenn man nämlich ihrem konträren oder kontradiktorischen Gegensatz folgt. So steht z. B. die Sparsamkeit zwischen Geiz und Verschwendungssucht.

Wohl wissend um die intellektuelle Anfechtbarkeit der Grundlagen politischer Ideologien haben Opportunisten keine Schwierigkeit damit, sich zu betätigen, wo Vorteile winken. Im folgenden werden sich manche auf die Füße getreten fühlen, wenn Fakten auf den Tisch kommen. Liebe Leserinnen und Leser, lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen! Ich wünsche Ihnen dabei neue Erkenntnisse und viel Vergnügen.

München, im Dezember 2020 Der Autor

1. Realität

Weil die Realität für die Beurteilung von Ideologien so wichtig ist, bedarf es einer Definition und Betrachtung derselben. Gehen wir von der im Vorwort zitierten Definition Thomas von Aquins, der adaequatio rei ac intellectus aus, und sehen wir uns andere Ansätze an. Wegen der Heisenbergschen Unschärferelation ist z. B. die Messung des Impulses eines subatomaren Teilchens umso ungenauer, je genauer sein Ort bestimmt werden kann und umgekehrt. Dies gilt auch für andere komplementäre Paare physikalischer Größen. Daraus kann man aber nicht schließen, dass eine Erkenntnis der Wirklichkeit nicht möglich sei, denn Heisenberg stellte nur eine durch den Wellencharakter der Materie bedingte systematische Meßungenauigkeit fest, die um viele Zehnerpotenzen unterhalb der Erkennbarkeit in der Makrowelt liegt, und darum so lange von der Wissenschaft nicht entdeckt wurde. Sie hat deshalb für die praktische Realitätserkenntnis in der Alltagswelt keine Bedeutung. Ebenso tut die Relativitätstheorie der Kausalität im Alltag keinen Abbruch.

Der deutsche Idealismus z. B. behauptete, die Welt würde dadurch „entstehen“, dass ein Individuum sie betrachte. Für dieses sieht es vielleicht so aus, aber es ist nicht nachvollziehbar, die Beobachtung der Realität mit ihr selbst zu verwechseln. Es existiert nicht nur, was wahrgenommen wird. Die Begriffe Objekt oder Gegenstand machen deutlich, dass uns etwas „entgegengeworfen“ wird oder uns „entgegensteht“. Es würde auch unabhängig von uns „existieren“, sozusagen aus der Umgebung „herausstehen“, wie es die wortwörtliche Übersetzung nahelegt.

Ein paar Bemerkungen zur Wahrnehmung. Laut Kant nehmen wir nicht das Ding an sich wahr. In der Praxis machen wir uns ein Bild davon. Das stimmt auch mit der Physiologie des Sehens überein: von einem Gegenstand reflektiertes Licht trifft auf die Zäpfchen der Netzhaut, der elektrische Impuls wird vom Sehnerv in ein neuronales Signal umgewandelt und vom Gehirn „gesehen“. Dass Zeugen oft einen Vorgang verschieden schildern, hängt damit zusammen, dass Wahrnehmung bedürfnisgeleitet ist, wie die Psychologie festgestellt hat. Daraus kann man nicht folgern, dass es sich um verschiedene Vorgänge gehandelt habe. Wenn ihnen der Vorfall so erschien, sagt das nicht unbedingt etwas über die Realität aus; der Richter hat nun die unbequeme Aufgabe festzustellen, was Fakt ist. Hätte sich die exakte Wissenschaft der Physik mit ihrer mathematischen Formelsprache von der Realität kein richtiges Bild gemacht, und wären die Ingenieure nicht danach verfahren, hätten Menschen nicht zum Mond und wieder zurückfliegen können. Auch Einsteins Relativitätstheorie wurde experimentell bestätigt, sie ist also wahr im Sinne Thomas von Aquins, und seine Definition von Wahrheit erweist sich als brauchbar.

2. Begriffe

„Mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten.“ Goethe meinte: „Ich kann das Wort so hoch nicht schätzen, ich muß es anders übersetzen.“ Das taten auch die Autoren der Septuaginta (LXX), die die hebräische Bibel ins Griechische, die damalige lingua franca des Mittelmeerraumes übersetzten, weil viele hellenisierte Juden nicht mehr Hebräisch verstanden. Jes. 7, 14 lautet: „Die junge Frau (ha almah, eine bestimmte Frau) hat empfangen (hará, Vergangenheit) und wird einen Sohn gebären“ Sie übersetzten ha almah falsch mit parthénos (Jungfrau), was hebräisch betulah geheißen hätte. Matthäus zitierte so in seinem Evangelium und packte manipulativ noch einen Fehler dazu: „Eine Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.“ Die Stelle bei Jesaia bezog sich auf eine Zusage Jahwes an König Achas, seine beiden königlichen Widersacher würden zuschanden werden, noch bevor das besagte Kind Gut und Böse unterscheiden könne. Dessen Geburt sende ihm Jahwe als Zeichen. Wegen der falschen Übersetzung wurde die Stelle als Voraussage der Geburt Jeschuas durch eine Jungfrau mißdeutet und von der Kirche dogmatisiert. Auch andere berühmte Persönlichkeiten der Religionsgeschichte seien auf wunderbare Weise zur Welt gekommen.

Das „jüdische Volk“ ist wegen der langen und ausgedehnten Diaspora eigentlich ethnisch kein Volk, worauf Schmidt-Salomon hinwies, vielmehr hielt es die Mosaische Religion zusammen, die heute viele ablehnen. Gemäß othodoxer und konservativer Auslegung der Halacha, der jüdischen verpflichtenden Religionsvorschriften, gilt jeder Mensch als Jude, der eine jüdische Mutter hat, unabhängig davon, ob oder wie sehr er jüdische Glaubensvorschriften befolgt oder nicht. Dabei ist es Bedingung, dass die Mutter bei der Empfängnis Jüdin nach der Halacha sein muss. Im Jahr 2008 flammte in Israel die Debatte mit besonderer Schärfe auf, nachdem das Oberste Rabbinatsgericht die Entscheidung des lokalen Rabbinatsgerichts von Aschdod bestätigte, dass die Konversion einer Frau, die vom Siedlerrabbiner Chaim Druckman vorgenommen worden war, wegen Verletzung der Halacha für ungültig zu erklären sei. Diese Auffassung mutet etwas rassistisch an und negiert nebenbei die Tatsache, dass der Tanach nur die patrilineare Abstammung kennt. Rabbiner beschlossen später einfach etwas Anderes und änderten damit das angeblich von Jahwe dem Mose für Israel gegebene Gesetz. Priester maßten sich hier, im Katholizismus und im Islam Einiges an! Der Prophet befahl z. B. keinen Shador.

Ein paar Worte zum Begriff „Antisemitismus“. Wer die Sache so simplifiziert wie der Hotschkesmacher Ephraim Kishon es tat, und behauptet: „Wer gegen Israel ist, ist Antisemit,“ bedient damit intellektuell nur die unterste Schublade. Nicht nur Juden, sondern auch ihre Brüder, die Araber, sind Semiten, und wer wie Israel seit Jahrzehnten 3,5 Millionen Palästinensern Unrecht antut mit der Politik faschistoider Likud-Premierminister und ihrer rechtsextremen Hiwis, die das palästinensische Volk und seinen berechtigten Anspruch auf einen eigenen Staat unterdrücken, handelt nach dieser Diktion ebenfalls „antisemitisch“. Korrekt müsste der Begriff „Antijudaismus“ lauten. In politischer Hinsicht ist es richtig, von „Antizionismus“ zu sprechen.

Auch der Sozialismus verstand es, Begriffe mit großem Erfolg zu verfälschen: er habe im Vergleich zum Westen angeblich eine Volks-Demokratie, mußte sich aber 1989 belehren lassen, wer „das Volk“ ist, und dieses jagte die Spezialdemokraten zum Teufel. Die SED unterdrückte das Volk 40 Jahre lang und ließ 90 % für 10 % malochen, u. a. für den Luxus der Spitze in Wandlitz. Gregor Gysi war ihr letzter Vorsitzender. Sie benannte sich in SED/PDF um, fusionierte mit der WASG und hieß fortan „Die Linke“. So brachte sie es tatsächlich fertig, sich als Ossipartei darzustellen. Das war insofern nicht ganz falsch, weil sich zahlreiche frühere Kader dort wiederfanden. Gregors Gysis Vater Kurt war in der DDR Staatssekretär für Kirchenfragen. Nach Berichten von Kirchenleuten habe er die dortigen Kirchen nach Kräften niedergehalten. Bezüglich Gregor Gysis ist in einem Protokoll von der Autofahrt eines „IM“ mit „Erwin“ die Rede. Dieses wird von Herrn Thomas Klingenstein, geb. Erwin, selbst auf die Rückfahrt von einem Besuch bei Havemann am 3. 10. 1979 bezogen. Er erklärte, er sei mit niemandem außer Gysi auf der Rückfahrt zusammen gewesen, der Text könne sich nur auf Gysi beziehen. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, sagte aus, es gebe in ihrem Haus keinerlei Zweifel daran, dass der IM (Informelle Mitarbeiter) „nach Aktenlage nur Gregor Gysi gewesen sein könne.“ Dieser bestreitet es, unterlag aber in einem Prozeß vor dem Berliner Verwaltungsgericht. Frau Birthler konnte den Verdacht, Gysi habe wissentlich und willentlich für die Stasi gearbeitet, nicht durch Details belegen; insofern bekam Gysi im Prozeß gegen das ZDF von der in der Bundesrepublik Deutschland rechtsstaatlich verfahrenden Justiz Recht.

Das i s t Demokratie.

3. Politische Lügen

Dass Donald Trump massiv lügt, fake news produziert und mit Vorliebe andere Menschen beleidigt, ist unterdessen allgemein bekannt. Diesen Tatsachen und seiner Unfähigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie hat er es wohl zu verdanken, dass er nicht wiedergewählt wurde. Trotzdem feier(te)n seine Anhänger diesen bad loser vorher und nachher frenetisch. Wie ist das möglich? Er bediente gekonnt Evangelikale: sie glauben wörtlich, Gott habe die Welt in 6 Tagen geschaffen, diese sei 6000 Jahre alt (selbst wenn man ihnen Millionen Jahre alte Dinoknochen vor die Nase hält, die sie als fake abtun), und sie verbieten die Behandlung der Evolutionstheorie im Unterricht. Die US-Evangelikalen können sich nur noch mit Jehovas Zeugen um den 1. Rang bei der dämlichsten Bibelauslegung streiten. Trump instrumentalisierte ferner die Ängste weißer Männer im Rostgürtel der USA, denen es wirtschaftlich nicht gut geht. Rassenhaß und Vorurteilen weißer Südstaatler trat er nicht entgegen und verniedlichte brutale Polizeigewalt. Er schützte das miese Geschäft der US-Waffenlobby und hob Obamacare auf, angeblich um zu sparen, doch seine Millionärsclientel fütterte er mit weiteren Steuergeschenken.

Ein Fall für sich ist Putin. Seiner eigenen Aussage zufolge bewundert er den größten Lügner der Nazis, Dr. Goebbels. Putin muß wohl noch dazulernen, wie seine hanebüchene Lüge im Fall Nawalny Präsident Macron gegenüber zeigt. Aber schön alles der Reihe nach: im Flugzeug wand sich Nawalny plötzlich vor Schmerzen und schrie. Den Schrei bekam ich durch das Video eines Bloggers mit. Die Piloten regierten sofort und landeten in Tomsk. Der dortige Notarzt diagnostizierte eine Vergiftung und spritzte korrekt Atropin. Die Flasche, aus der Nawalny getrunken hatte, nahm eine Begleiterin geistesgegenwärtig an sich. Im Krankenhaus in Tomsk erschienen alsbald dunkel gekleidete Männer, angebliche Ärzte (Welcher Arzt trägt keinen weißen Kittel?) Als ich diese auf einer russischen Website sah, beschlich mich sofort der Gedanke an die Gestapo der Nazis, die meinem Vater an einem Sonntagabend 1944 trotz UK-Stellung wegen seines Herzleidens, persönlich einen Einberufungsbefehl zustellte, um zu zeigen, wer das Sagen hat. Er war ihr auf die Füße getreten, weil er als Richter und Vorstand des lokalen Gefängnisses dem Oberstaatsanwalt wegen ihrer grausamen Verhörmethoden Anzeige erstattet hatte, und ein SA-Nazi seinen Posten haben wollte. Dieser Typ machte nach dem Krieg im SPD-Musterland Hessen Karriere. Ich hoffe, dass sie von seiner braunen Vergangenheit nichts wußten. Aber weiter mit dem Fall Nawalny. Nach der Kenntnis meiner Frau, die in Rußland einen höheren Rang bei der Polizei bekleidete, handelte es sich um FSB-Angehörige (= Geheimdienst + Sonderpolizei), die eine Vergiftung völlig ausschlossen, jedoch behaupteten, Nawalny hätte „Kreislaufstörungen“. Als er ins Koma fiel, gaben sie Diabetes als Diagnose an, injizierten ihm aber keine Glukoselösung, was jeder Arzt selbstverständlich getan hätte. Nach Tagen (als nach Meinung der „Ärzte“ eine Vergiftung nicht mehr nachzuweisen war), erlaubte Putin seinen Transport in die Berliner Charité. Bundeskanzlerin Merkel hatte sich dafür eingesetzt. Ein Labor der Bundeswehr und unabhängig davon 2 Labors in Frankreich und der Schweiz stellten eine Vergiftung mit einem verbotenen Kampfstoff aus der Novytschok-Gruppe fest, wie bei Skripal und seiner Tochter in Salisbury. Rußland verlangte daraufhin, dass auch ihm das Beweismaterial zur Verfügung gestellt würde – und das, obwohl Rußland überführt worden war, die Urinproben seiner gedopten Athleten von Staats wegen ausgetauscht zu haben – der Gipfel der Unverfrorenheit. Als die Vergiftung nicht mehr abzuleugnen war, behauptete Rußland, man habe Nawalny während des Fluges oder in Deutschland vergiftet. Jeder Kriminalist lacht über diese dumme Lüge: cui bono? Hier hätte keiner ein Motiv dafür, aber Putin ein vitales Interesse, seinen schärfsten Kritiker aus dem Weg zu räumen, wie zuvor Berezowskij, der sich mit Putin überworfen hatte, die Journalistin Politkovskaja, die Putin hart kritisierte, oder Litwinenko, Nemzov und gut 20 andere. Anläßlich seines Besuches bei Macron tischte Putin die irre Lüge auf, Nawalny habe sich selbst vergiftet. Macron reagierte irritiert und zweifelte wohl an der geistigen Gesundheit Putins. Kann man Novytschok in Rußland ganz einfach in der Apotheke kaufen? Aber weshalb sollte es Nawalny nehmen und vor allem warum so: die Trinkflasche wies nur an ihrer Außenseite Spuren des Giftes auf. Wer würde beim Selbstmord sauberes Wasser aus der Flasche trinken und dann die Flasche oder seine Hände ablecken? Lügen haben in Rußland Tradition: Eltern bringen ihren Kindern zu lügen bei, wenn sie zu spät zur Schule kommen, diese etwa schwänzten, oder die Hausaufgaben nicht gemacht haben. Der britische Historiker Christopher Clark zitiert in seinem Buch „Die Schlafwandler“ einen britischen Minister, der 1903 dem 1. Lord der Admiralität schrieb: „Die Geschichte der russischen Diplomatie ist eine lange Geschichte von lauter Lügen.“ Zarin Katharina die Große gab Fürst Potemkin Geld mit dem Befehl, Häuser für Arme zu bauen, er steckte das Geld jedoch ein, baute nur Fassaden, und führte seine Zarin in einer verhängten Kutsche flugs dran vorbei, als sie das Ergebnis sehen wollte. Ein Sprichwort sagt: Wer lügt, der stiehlt. Meine russische Frau war baß erstaunt, daß in öffentlichen Anlagen der BRD Rosenstöcke und Blumen aller Art stehen. In Rußland sagte sie, würden sie schon in der 1. Nacht verschwinden. Viele Russen sind gar nicht an der Wahrheit interessiert; sie machen sich als angebliche (unkritische) „Patrioten“ die ständig gehörten Propagandalügen zu eigen und zeihen westliche Darstellungen der Lüge. Ich scheiterte mit meinen entsprechenden Versuchen bei einem russischen Rechtsanwalt, mit dem ich mich ansonsten gut unterhalten konnte, und gewann den Eindruck, dass die Leute die Propaganda glauben wollen. Glauben kommt nicht vom Wissen, sondern vom Hören (besser vom Hörensagen), wie auch die Kirche lehrt: ex auditu. Ein Sprichwort ergänzt: Fama crescit eundo.“ Ein Gerücht wächst, je länger und weiter es läuft. Für jede Propaganda und Desinformation gilt: „Semper aliquid haeret.“ Etwas bleibt immer hängen. Und wenn man es nur oft genug zu hören bekommt, bleibt viel hängen. Das gilt dann als Wahrheit, ich nenne es die „russische Wahrheit“. Ende Oktober 2020 passierte in Penza/Rußland Folgendes: eine antifaschistische Gruppe junger Leute dachte wohl etwas zu laut über die Verhältnisse in Rußland nach, jemand verpfiff sie beim FSB oder bei der Polizei, und man beschuldigte sie des„Terrorismus ohne Waffen“, weil sie angeblich einen Angriff auf Jedinaja Rossija (Putinpartei „Einiges Rußland“) geplant hätten. Sie wurden im Gefängnis mit Stromstößen gefoltert, zusammen mit Tbc-Kranken in derselben Zelle eingesperrt, bis einige von ihnen auch Tbc bekamen, und ihre Penisse mit einer Nadel durchstochen. Als Strafe erhielten sie 6 – 18 Jahre verschärfte Haft (hard regime, wie man im Russischen sagt), und kein korrupter, putinhöriger Richter gab ihnen rechtliches Gehör. Wenn jemand unter derlei Umständen Propaganda nachbetet, weil er Angst hat, ist das verständlich.

4. Unwahrheiten der Religionen

Die recht umfangreiche Thematik samt Islamismus habe ich in meinem Buch „Raus aus dem religiösen Tertiär!“ (GRIN Verlag, München, 2. Aufl. September 2020) dargestellt. Ich spare das Thema daher hier aus.

5. Nationalismus/Chauvinismus

Seit der Krönung Karls des Großen 800 durch den Papst in Rom galt das Paradigma des Frankenreiches, ab 962 des (erneuerten) Heiligen Römischen Reiches, ab dem Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Zusatz „deutscher Nation“, bis zum 30-jährigen Krieg. Dieser schwächte faktisch die Zentralgewalt so sehr, dass im Westfälischen Frieden 1648 die Schweiz und die Republik der Vereinigten Niederlande aus dem Reichsverband ausschieden. Ihr südlicher Teil blieb vorerst bei Spanien; daraus entstanden nach diversen Wechselfällen 1830 das souveräne Belgien und Luxemburg. Das Reich war zu einem Sammelsurium von etwa 300 Klein- und Kleinststaaten geworden, Böhmen mit (damals noch) Schlesien war der größte davon. Zuvor zogen deutsche Kaiser immer wieder nach Italien, um sich dort krönen zu lassen, oder auch, um in rebellischen Städten oder Landesteilen ihre Herrschaft zu behaupten.

Im 19. Jahrhundert trat der Nationalismus seinen Siegeszug an. Anfangs war er eine emanzipatorische Idee, die gegen Fürstenregimes den Willen des Volkes betonte, als Nation gleicher Herkunft, Sprache und Kultur in einem gemeinsamen Staat zu leben. Den auch von Vaterlandsliebe getragenen Ansatz übertrieb jedoch zunehmend der Chauvinismus, der nach einer Theaterfigur benannt, seine radikalen Thesen ausposaunte. Er überhöhte die eigene Nation („Du bist nichts, die Nation ist alles“), setzte andere Nationen überheblich herab, und entwickelte ein Sendungs­bewußtsein, andere nach den eigenen Vorstellungen zu formen, wie: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Zu Recht spottete einst Tucholsky: „Worauf man in Europa stolz ist: Franzose, Engländer, Deutscher, oder kein Franzose, kein Engländer oder kein Deutscher zu sein.“ Was ist am deutschen Nationalismus wahr, der die „Reinheit des Blutes bewahren“ wollte? Das „deutsche Volk“ entstand im wesentlichen aus den Stämmen der Sachsen, Franken, Schwaben/Alemannen und Bayern, integrierte jedoch eine Menge Slawen wie Wenden, Sorben, Pruzzen (Preußen), Pommeranen, noch mehr Angehörige anderer Ethnien im Zuge der deutschen Ostkolonisation (in einer alten Urkunde heißt es „Wien im Slawenland“), im 19. Jh. im Ruhrpott Polen als erste Gastarbeiter, und nach dem Krieg Millionen Volksdeutscher, auch mit fremdem Einschlag, (daher wurden wir als „Beutedeutsche“ apostrophiert), sowie viele Gastarbeiter, die deutsche Staatsbürger wurden. Was ist da bitte „echt deutsch“? Ein Sprichwort sagt: „Dummheit und Stolz wachsen am selben Holz.“ In Europa, das aus der Vielfalt seiner Kulturen entstanden war, hatte man damals nichts kapiert, heute kauen einige das abgestandene Zeug wieder.

Die Habsburger legten wegen des Verrats der Rheinbundstaaten 1806 die deutsche Kaiserkrone nieder, blieben aber Oberhaupt des 1804 begründeten „Kaisertums Österreich“, und diesem blieb der Vielvölkerstaat. Wegen des Nationalismus gärte es dort zunehmend: in Venedig wollte ein proletarisches Opernpublikum das Kaiserpaar provozieren, als es nach einigen Takten der Kaiserhymne lauthals den Gefangenenchor aus Verdis Revolutionsoper „Nabucco“ sang; die österreichischen Erzherzöge als Statthalter der italienischen Reichsteile mahnten dringend Reformen an, und der Balkan wurde zunehmend zu einem Pulverfaß, insbesondere seit Österreich-Ungarn das aus dem langsam verwesenden Osmanischen Reich stammende und von ihm bereits 1878 besetzte Bosnien-Herzegovina 1908 annektierte. Schon 1866 nach der Niederlage Österreichs gegen Preußen wollte sich Ungarn von Österreich trennen. Durch die Diplomatie Kaiserin Elisabeths mit Unterstützung Graf Andrassys gelang ein Kompromiß: in einer künftigen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn waren beide Länder in Personalunion durch denselben Monarchen sowie in Realunion nur auf bestimmten Gebieten wie z. B. einer gemeinsamen Außen-, Verteidigungs-, und Währungspolitik verbunden. Kaiser Franz-Josef ließ sich in der Folge zum ungarischen König krönen, während er eine Krönung zum König von Böhmen unvernünftigerweise ablehnte. In der Folge gab es vor allen in Böhmen zwischen Tschechen und Deutschen viele Probleme, während der österreichischen Regierung der Mährische Ausgleich gelang. Kaiser Franz-Josef verstand die Zeichen der Zeit nicht und hielt an seinem veralteten Verständnis von Monarchie fest. Der von Dr. Spannagl liberal erzogene Sohn Kronprinz Rudolf hätte das Ruder vielleicht herumreißen können, aber nach einer Verschwörung gegen seinen Vater, an der er anscheinend beteiligt war, und die vor dem Auffliegen stand, sah er wohl keinen anderen Ausweg als den Selbstmord zusammen mit seiner romantischen Geliebten, der jugendlichen Comtesse Vecera. Der nachrückende Thronfolger Franz-Ferdinand war nicht der richtige Mann, er ignorierte z. B. die beim Staatsbesuch 1914 in Sarajevo nach einem 1. Anschlag manifest gewordenen Sicherheitsmängel, und mußte die Schlamperei wie seine Sturheit mit dem Leben bezahlen. Serbiens Nationalisten der „Schwarzen Hand“ wollten mit Unterstützung Rußlands die Doppelmonarchie schwächen, die serbische Regierung schlug das Ultimatum Österreich-Ungarns in den Wind, und letzteres erklärte Serbien den Krieg. („Serbien muß sterbien“). Ihm trat Rußland bei, und Deutschland in „Nibelungentreue“ an die Seite von Österreich-Ungarn. Die Katastrophe war da, keiner sah sie, alle waren sie kriegsbesessen.

Wie die britischen Autoren McGregor und Dougherty aufdeckten, hatte sich in Großbritannien vor dem 1. Weltkrieg eine Geheimgruppe unter der Führung Alfred Milners gebildet, zu der Politiker und Financiers gehörten, und die an allen demokratischen Institutionen vorbei das Reich in einen Krieg verwickeln wollte, um damit den lästigen Konkurrenten um Macht und wirtschaftlichen Einfluß ein für allemal loszuwerden. Dazu gesellten sich französische Revanchisten, wie vor allem in Versailles der „Tiger“ Clemenceau, die den Verlust des Krieges von 1870/71 nicht verschmerzen konnten, und auf Rache sannen. Auch Churchill stieß dazu. Die Zuweisung der alleinigen Kriegsschuld am 1. Weltkrieg an Deutschland, die unvernünftig harten Bedingungen des Diktatfriedens von Versailles und die Weltwirtschaftskrise von 1929 förderten das Heraufkommen Hitlers. Der Chauvinismus führte letztlich zu Faschismus, Nationalsozialismus und zu den ethnischen Säuberungen im Jugoslawienkrieg. Manche Länder scheinen bis heute nichts daraus gelernt zu haben.

6. Faschismus

Fasces, kordelumschnürte Rutenbündel mit einem Beil, wurden als Amtssymbol etruskischen und später römischen höheren Amtsträgern von Dienern, den Liktoren, vorangetragen. In neuerer Zeit verwendeten die USA, Frankreich und Italien dieses Symbol. Ursprünglich waren die fasci di lavoratori und die fasci siciliani eine Art außerparlamentarische Opposition von Landarbeitern, und erst später wurden sie zum Parteiabzeichen des Partito Nazionale Fascista. Mussolini knüpfte bewußt an den Ruhm und die Macht des Römischen Reiches an. Der Begriff „Faschismus“ war inhaltsleer und bezog sich zuerst auf aufwieglerische Anhänger des Syndikalismus („Bündlertum“), bis sich Mussolini scharf vom Sozialismus und Kommunismus abgrenzte, und sich damit für den Mittelstand, die Kirche, Beamte und die Armee wählbar machte.

Nach dem Marsch auf Rom wurde Mussolini 1922 italienischer Ministerpräsident. 1932 legte er in „La dottrina del Fascismo“ seine Ideologie dar: extremer Nationalismus, eine durch Krieg angestrebte Großmachtstellung im Mittelmeerraum, den Willen zur Macht (Nietzsche), das Führerprinzip, die direkte Aktion und eine vom Geheimdienst überwachte Verschmelzung von Staat und Einheitspartei. Der Staat „übernahm“ auch den Sport, Diktatur und Personenkult waren ausgeprägt.

Zur Eroberung von „Lebensraum“ führte Mussolini 1923 – 32 den 2. italienisch-lybischen Krieg, ab 1935 den Abessinienkrieg, er beteiligte sich 1936 am Spanischen Bürgerkrieg, besetzte 1939 Albanien, trat 1940 in Hitlers Westfeldzug ein, und brach den griechisch-italienischen Krieg vom Zaun. 1941 kämpften die italienischen Streitkräfte gegen die Sowjetunion und in Nordafrika. Im Zuge des von ihm propagierten „vivere pericolosamente“ (gefährlich leben) erlitten seine Armeen einige Schlappen, aus denen sie Hitler durch deutsche Truppen heraushauen lassen mußte („Duce, das werde ich Ihnen nie vergessen“; er meinte dessen Stillhalten beim Anschluß Österreichs). Mussolini veranlaßte ethnische Säuberungen, ließ Konzentrationslager errichten (wie es die Briten in Südafrika vorgemacht hatten); Agitation gegen Juden und Rassegesetze folgten erst später. Nach der alliierten Eroberung großer Teile Italiens wurde Mussolini vom Großen Faschistischen Rat abgesetzt, zumal der König um seinen Thron bangte, Italien wechselte wieder die Seiten zu den späteren Siegern, und erhielt eine neue Regierung unter dem Ministerpräsidenten Marschall Badoglio. Man verhaftete den Duce, doch auf Hitlers Befehl befreite ihn Otto Skorzeny mit einem veritablen Husarenstück. Der „Führer“ ermöglichte ihm unter dem Schutz der SS, angeblich gegen Übergabe der italienischen Goldreserven, die Herrschaft über den Operettenstaat der „Repubblica di Salò“ am Gardasee. Meine italienische Zimmerwirtin in Sirmione lieh mir einmal das Buch „I segreti del Garda“ (Die Geheimnisse des Gardasees), in dem Mussolinis letzte Tage mit seiner in der „Torre dei Sospiri“ (Turm der Seufzer) wohnenden Geliebten Claretta Petacci nochmals zum Leben erweckt wurden. Nach gescheiterten Waffenstillstandsverhandlungen versuchte Mussolini, in einem hochgeschlossenen deutschen Uniformmantel als einfacher Soldat verkleidet und mit einem tief ins Gesicht gezogenen Hut - sein Aufzug hätte in eine italienische Oper gepaßt - zusammen mit seiner Geliebten ins Ausland zu fliehen, wurde aber von partigiani rossi erkannt. Man erschoß beide, und die geschändeten Leichen wurden kopfüber am Marktplatz aufgehängt. Mussolini lebte wirklich gefährlich.

Auch in anderen europäischen Staaten etablierte sich der Faschismus: in Spanien, Portugal, Kroatien, Ungarn, Rumänien, der Slowakei und während der deutschen Besetzung in Norwegen. Bulgarien erlebte eine Königsdiktatur; auf deutschen Druck flossen in sie auch faschistische Elemente ein, die Bevölkerung war aber wenig involviert.

Heutzutage bereiten die Regime in Ungarn und Polen Unbehagen, weil sie die Meinungs- und Pressefreiheit unterdrücken und die Justiz manipulieren, was sie zumindest als undemokratisch-autoritär qualifiziert. Im Südosten will die Türkei zwar der EG beitreten, erfüllt aber seit 20 Jahren mehrere Beitrittsbedingungen nicht. Der frühere türkische Ministerpräsident Yilmaz verspottete seinerzeit die EU als „Christenclub“. Wie er meint – aber jeder Club hat das Recht, selbst zu entscheiden, wer bei ihm Mitglied wird oder nicht.

7. Nationalsozialismus/Neonazismus

Seit 1879 bildeten sich zahlreiche Gruppen, Vereine und einige Parteien mit antijüdischen, völkischen, revisionistischen, alldeutschen und impeperialistischen Elementen. Der Germanenorden ging in der einflußreichen Thulegesellschaft auf, der die Sammlungsbewegung des Nationalsozialismus das Hakenkreuzsymbol verdankt. Ihr „charis­matischer Führer Adolf Hitler“ hatte das Interpretationsmonopol inne, was NS bedeutet. In den bei der Gründung der NSDAP 1920 niedergelegten 25 Grundsätzen fanden sich z. B.: Aufhebung des Versailler Vertrages, Bildung eines Großdeutschlands, (Rück)Gewinnung von Kolonien als „Lebensraum“, Ausgrenzung der Juden, Arbeitspflicht, Brechung der „Zinsknechtschaft“ und Verstaatlichungen als Ausdruck des Antikapitalismus, Ausbau der sozialen Fürsorge und Schaffung eines gesunden Mittelstands als Zeichen der (langsam abnehmenden) sozialistischen Komponente. Propagiert wurden Führerprinzip, Antiliberalismus, Gleichschaltung, Zensur, Kirchenkampf und Einführung der Todesstrafe. In „Mein Kampf“ nannte Hitler als Ziele den Anschluß Österreichs, die Gewinnung von Lebensraum im Osten, die Eroberung Rußlands und seiner Randgebiete und legte seine Rassenideologie sowie seinen Sozialdarwinismus dar. Finanzkapital und Bolschewismus stellte er gleichermaßen als Ausgeburten des Internationalen Judentums hin, inszenierte sich als der von der Vorsehung bestimmte Führer, und schuf um sich einen Personenkult. Großindustrie, Banken, Militärs und Adel versprachen sich von der Kollaboration Vorteile, die sich später u. a. im Wege von Aufrüstung und Autobahnbau verwirklichten. Sogar das jüdische Bankhaus Warburg unterstützte Hitler, die Deutschnationalen förderten ihn, von Papen wurde 1933 Vizekanzler, um Hitler und die Nazis für seine Intentionen zu benutzen. Der als überheblicher Herrenreiter Beurteilte tönte: „In 2 Monaten haben wir ihn so in die Ecke gedrückt, daß er quietscht.“ Der Medienzar Hugenberg trommelte für Hitler. 1933 „übernahm“ der Nationalsozialismus komplett die Gewerkschafts­bewegung, und führte den 1. Mai als „Tag der Arbeit“ ein. Mit dem Vatikan schloß Hitler ein Konkordat, 1936 initiierten die Nazis jedoch eine Kirchenaustrittsbewegung („Los von Rom“) und schufen den Begriff „gottgläubig“.

Die spätere Kriegswirtschaft wurde zu einer Zentralplanwirtschaft, und zahlreiche mittelständische Unternehmen gingen bankrott. 1943 beauftragte man Ludwig Erhard, den späteren Wirtschaftsminister Dr. Adenauers, mit der Planung einer am marktwirtschaftlichen Prinzip orientierten Wirtschaft für die Zeit nach dem „Endsieg“.

Die völlige militärische Niederlage des Nationalsozialismus in 1945 sowie die Zerstörung des ganzen Landes waren für Deutschland wohl eine der schlimmsten Erfahrungen der Geschichte. Der ideologische Größenwahn Hitlers und des Nationalsozialismus kostete 50 Millionen Menschen, darunter 6 Millionen Juden, das Leben, zerstörte Europa – und das alles nur aus falschem ideologischen Denken heraus! Aber wieder gibt es Ewiggestrige, die mit ihrer Verherrlichung der bekannten Verbrechen die Jugend, vor allem in den neuen Bundesländern, verführen. Auch die akademische Ausbildung zum Geschichtslehrer vermag Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD Thüringens, nicht zu differenziertem Denken und Anerkennung der Realität zu befähigen – weil er Balken im Hirn hat. Wenn das unionsgeführte Kultusministerium Hessens nicht auf dem rechten Auge blind ist, muß es gegen ihn wegen seiner pflichtwidrigen Aktivitäten für verfassungsfeindliche Ziele ein förmliches Disziplinarverfahren mit dem Ziel seiner Entfernung aus dem Dienst einleiten. Als man verschiedenen Leuten Zitate von Höcke und aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ vorlegte, waren sie nicht in der Lage, sie richtig zuzuordnen. Das sagt eigentlich alles. Heil Höcke wird wie sein Spießgeselle Andreas Kalbitz vom Verfassungsschutz beobachtet. Liest man dessen Biografie bei Wikipedia, ist er einer der schlimmsten Neonazis. Sogar die AfD schloß ihn am 15.05.20 wegen Verschweigens (!) seiner rechtsradikalen Mitgliedschaften beim Eintritt rechtsgültig aus der Partei aus, das Berliner Landgericht lehnte seinen Eilantrag dagegen am 21.08.20 ab. Einen Parteifreund schlug er, unbeherrscht wie er ist, so in den Magen, dass dieser mit Milzriß (wegen der Gefahr inneren Verblutens lebensgefährlich!) ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Vorsitzende der AfD, Prof. Meuthen, schloß Kalbitz nicht etwa wegen seines heutigen Rechtsradikalismus aus, sondern sah sich offensichtlich zum Ausschluß mittels des erwähnten juristischen Tricks gezwungen, weil er für das Image der AfD fürchtete. Aber eigentlich paßt Kalbitz hervorragend dazu: keine Vernunft, Zuschlagen, und eine Menge ideologischen Quatschs, den er bei seiner rechtsradikalen Entwicklung verinnerlichte. Beruflich war er offenbar ein Versager - wie Hitler – er hat sich wohl darum „entschlossen, Politiker zu werden“ - so wie Hitler. Gott bewahre uns aber davor, dass wieder braune Horden „die Macht ergreifen“, um „aufzuräumen“, wie es einige von ihnen bereits angekündigt haben. AfD = Auffangbecken für Dummdreiste.

8. Rassismus

Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale kategorisiert, unzulässig auf Charakter und Begabung schließt, alles von sich selbst Verschiedene als minderwertig ablehnt und als Rechtfertigung für Unterdrückung und Ausbeutung dient. Der Begriff „Rasse“ ist bei Menschen biologisch nicht zu begründen, nicht einmal bei freilebenden Wildtieren, nur bei gezüchteten Haustieren. Ostafrikaner stehen genetisch Weißen näher als indigenen Südafrikanern (!) Rassismus soll als quasi-wissenschaftliches Mäntelchen für Herrschaftsverhältnisse und zur Mobilisierung von Menschen für politische Ziele dienen. Er führt zu Vorurteilen, Diskriminierung, Rassentrennung, Sklaverei, Pogromen bis zu ethnischen Säuberungen, und erweist sich als üble Ideologie. Kultur, soziale Stellung, Begabung und Charakter sind keineswegs durch die erbbiologische Ausstattung determiniert, sondern ebenso ein Produkt von Bildung; es lassen sich daraus keine vermeintlich natur- oder gottgegebenen Herrschaftsordnungen ableiten.

Das indische Kasten(un)wesen stellt die älteste Form quasi-rassistischer Diskriminierung autochthoner Völker (Drawidas) durch die ab 1500 vor Chr. in Nordindien einwandernden Arier dar, und wird bis heute für Ausbeutung instrumentalisiert. Der moderne Rassismus war religiös begründet. Ab der Reconquista 1492 verfolgte man Juden und Muslime als Eindringlinge oder marranos (Schweine), und vertrieb sie. Selbst die Taufe reichte nicht aus, den Makel zu tilgen; ihr Wesen liege ihnen sozusagen im Blut, und die Inquisition achtete darauf, dass sie nicht im Geheimen rückfällig wurden. Die „Statuten von der Reinheit des Blutes“ (1449) der einstigen spanischen Hauptstadt Toledo stellen frühe Nürnberger Rassegesetze katholischer Provenienz dar. Die moderne Anthropologie (Carl von Linné, de Buffon, Blumenbach) begründete den Schluß von physischen Merkmalen auf geistig-moralische Werte, und bereitete den Weg für den säkularen Rassismus im Werk von Joseph-Arthur Comte de Gobineau (1816 - 1882), der die „arische Herrenrasse“ erfand. Sein Essay über „Die Ungleichheit der Menschenrassen“ (1853/55 ) diente US-Rassisten aus dem Süden zur Rechtfertigung der erst 1865 von Abraham Lincoln abgeschafften Sklaverei, deren Verbot ihn das Leben kostete.

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Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Vom Fluch der Ideologien
Autor
Jahr
2020
Seiten
54
Katalognummer
V966081
ISBN (eBook)
9783346316349
ISBN (Buch)
9783346316356
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich komme auf diverse Ideen der Geschichte zu sprechen. Durch Realitätsausblendung bzw. Übertreibung derselben entstehen Ideologien. Anhand exemplarischer Beispiele stelle ich die gravierenden Folgen dar.
Schlagworte
Ideen, Realitiätsausblendung, Ideologien, gravierende Folgen
Arbeit zitieren
Wilhelm Kratochwil (Autor), 2020, Vom Fluch der Ideologien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/966081

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