Verschwörungstheorien


Seminararbeit, 1999

20 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Erklärungsversuche
2.1. Das Deutungsmuster
2.2. Die Entstehung von Gerüchten
2.3. Begriffserklärung, Merkmale und Funktionen von Verschwörungstheorien
2.4. Sozialpsychologische Erklärungsansätze
2.4.1. Minoritäten
2.4.2. Gruppenbildung und Stereotypisierung
2.4.3. Gruppendenken
2.4.4. Sich-selbst-erfüllende Prophezeiungen
2.4.5. Expertengläubigkeit
2.5. Verschwörungstheorien in Konfliktsituationen
2.6. Der Epistemische Prozeß von Verschwörungstheorien
2.7. Paranoide Soziale Kognition

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang: Erklärung

1. Einleitung

Verschwörungstheorien (folgend: Vtn) haben heutzutage ein Ausmaß erreicht, daß es vorher in der Geschichte noch nie gegeben hat. Vtn gibt es mittlerweile überall auf der Welt und über so gut wie alle Bereiche. Moscovici (1987, S. 153) schreibt hierzu: „ Other centurys have only dabbled in conspiracy like amateurs. It is our century which has established conspiracy as a system of thought and a method of action.“

Vtn haben in unserer Zeit mehr den je Auswirkungen auf gesellschaftliche Ereignisse. Timothy McVeigh, der am 14.7.1997 zum Tode verurteilte Oklahomabomber (ein Bombenattentat auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City, bei dem 169 Menschen starben), glaubte erstens, daß die amerikanische Regierung den US-Bürgern ihre Bürger- freiheiten raubt („New World Order“-Vtn) und zweitens, daß ihm ein Implantat von der CIA (innerhalb des sog. MK-Ultra Projektes) eingepflanzt wurde (vgl. Ramsey, 1996). Mittlerweile gibt es mehrere Agenturen in den USA, die Personen gegen hohe Bezahlungen auf Implantate untersuchen und diese notfalls entfernen.

O. J. Simpson gewann seinen Strafprozeß, weil er die Geschworenen von einer Vt überzeugen konnte (Pipes, 1998, S. 15).

Die massive Anzahl Vtn über Prinzessin Diana’s Tod, veranlaßte Mohamed al-Fayed nach Beweisen zu suchen, ob Prinzessin Diana und sein Sohn Dodi al-Fayed tatsächlich einem Auftragsmord der British Intelligence und der CIA zum Opfer gefallen sind.

Vtn werden vor allem in der populären Kultur heraufbeschworen. Es gibt unzählige Bücher, z.B. die Werke von Kultautoren wie Thomas Pynchon, Don DeLillo und Robert Anton Wilson, Filme, z.B. JFK, Fletchers Visionen, Strange Days, Spiel auf Zeit und Serien, z.B. Darkskies, Akte X, die Verschwörungen als zentrales Thema beinhalten. Fiktionale Sendungen können Deutungsmuster (siehe 2.1.) nachhaltig beeinflussen. Kognitive Überwachungsmechanismen, die Nachrichtensendungen auf ihre Glaubwürdigkeit testen, greifen weniger stark und die Aufnahme affektueller Bestandteile in Unterhaltungssendungen wird begünstigt (vgl. Mast, 1989).

Durch die Verbindung von Dokumentationen mit Spielfilmen wird es zusätzlich schwieriger für Individuen Wirklichkeit und Fiktion auseinanderzuhalten: z.B. werden Spielfilme über den angeblichen Roswell Ufo-Absturz mit dazu passenden Reportagen gekoppelt, die über die „tatsächlichen“ Ereignisse des Absturzes berichten. Merten (1994) weißt darauf hin, daß eine Steigerung des Informationsangebotes durch die Massenmedien auch zu einer Steigerung der Verwendung fiktionaler Wirklichkeitskonstrukte führt.

Vtn kursieren zunehmend in allen sozialen Klassen1. Gründe hierfür sind wachsende gesellschaftliche Unsicherheiten, die z. B. durch Demokratisierung der Arbeitslosigkeit, Herauslösung aus traditionellen Bindungen, zunehmenden Meinungs-, Deutungs-, Glaubenspluralismus entstehen, die Verschmelzung verschiedener Vtn aus dem rechten und dem linken Lager, sog. „Fusion Paranoia“ (Kelly, 1995), und alternative Informationsquellen wie Daily Talks, Internet, die Zunahme der Underground/Alternative- Presse (vgl. Knight, 1999).

Graumann und Moscovici (1987, S. VII-VIII) schreiben zu den Eigenschaften von Vtn:

Any group of people must form a conception and an explanation of events and their own situation. Under such conditions, the illusion of a conspiracy enables people to personalize their ideas and feelings, and focuses attention on a real or imagined enemy. Beliefs in such opportune fictions weld people into one mass: They are united in the same fears, the same discontents. They are pushed to the same actions, and agitated by the same speeches. Such theories make the masses aware of their discontents, stir them up out of their indifference, and make them impassioned. Discontent, hostility, and vague fears are brought into such clear focus that they become binding.

Um dem komplexen Phänomenbereich von Vtn gerecht zu werden, müssen Erklärungen geschichtliche, psychologische, sozialwissenschaftliche, kulturelle, folkloristische und politische Bereiche beinhalten. In diesem Sinne können Vtn als überdeterminiert gelten (Zonis & Joseph, 1994). In dieser Hausarbeit werden nur sozialwissenschaftliche und psychologische Erklärungen berücksichtigt. Dadurch bleibt der Erklärungsgehalt stark eingeschränkt. Die Erklärung von Verschwörungstheorien wird heutzutage vorwiegend Historikern überlassen und von Sozialwissenschaftlern, Soziologen und Psychologen kaum beachtet. Die Fachliteratur in diesen Bereichen ist dementsprechend dürftig und uneinheitlich. In der deutschen Fachliteratur finden sich fast keine Abhandlungen. Daher sind die Beispiele im Text auf den amerikanischen Raum bezogen. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch in Deutschland eine Unzahl von Web-Seiten, Chat-Rooms und Büchern existieren, die Vtn propagieren.

Autoren, die verschwörungstheoretische Bücher schreiben und ins Literaturverzeichnis aufgenommen wurden, sind zur Unterscheidung im Text mit einem * markiert.

2. Alternative Erklärungsversuche

Als erstes wird auf die Entstehung von Deutungsmustern eingegangen, welche die Vorraussetzung für die Entstehung abweichender Glaubenssysteme und ihren Erfolg im öffentlichen Diskurs darstellen. Wenn eine genügend große Anzahl von Individuen das Deutungsmuster kollektiv miteinander teilt, dann werden „mehrere sozial kommunizierbare Wahrnehmungen in einen Argumentationszusammenhang gebracht (Schetsche, 1996, S. 65).“ Danach wird kurz auf psychologische Hauptmerkmale zur Erklärung von Gerüchten eingegangen, da die gleichen Prozesse auch für Vtn angenommen werden können. Dementsprechend unterscheiden Kapferer (1997) und Victor (1993) oftmals nicht zwischen Gerüchten und Vtn. Vtn sind m. E. eine Form von sog. „dread rumors“ (siehe 2.2.). Im folgendem wird direkt auf Merkmale von Vtn eingegangen. Es werden Ansätze aus sozialpsychologisch relevanten Theorien vorgestellt und danach eine Theorie, die verschwörungstheoretisches Denken in Zusammenhang mit Konfliktsituationen bringt.

Die letzten beiden Punkte beziehen sich auf sozial-kognitive Theorien und haben als Ausgangspunkt Wahrnehmungsprozesse und menschliche Informationsaufnahme.

2.1. Das Deutungsmuster

Deutungsmuster haben die Aufgabe die Eindeutigkeit in sozialen Situationen herzustellen, den Entscheidungsprozeß zu beschleunigen und verläßliche Verhaltensregeln auszubilden (Schetsche, 1996, S. 67-68).

Schetsche (1996, S. 68-78) nennt sieben Elemente aus denen ein Deutungsmuster besteht und die in bestimmter Weise zusammenwirken müssen.

1. Das Deutungsmuster muß einen Namen besitzen, der einprägsam ist und zugleich die Inakzeptanz und Dringlichkeit des Problems aufzeigt. Der Begriff Verschwörung spielt mit den Imaginationen der Individuen. Einige Akteure arbeiten konspirativ zusammen um ein gemeinsames verborgenes Ziel zu erreichen, daß unerlaubt und zum Nachteil mehrer anderer oder der übrigen Gesellschaft ist und die Notwendigkeit sofortigen Handelns verlangt.
2. Das Identifizierungsschema stellt eine Kurzfassung der Problembeschreibung dar, nach denen Situationen definiert und sowohl Opfer als auch Akteure erkannt werden können. Diese Problembeschreibungen sind meistens abstrakt und weisen oft unspezifische Symptome auf, die jedes Individuum an sich finden kann. Ein Beispiel hierfür ist die Symptomliste der „Abductees Anonymous“ (der Name soll absichtlich an die Selbsthilfe- gruppe der Anonymen Alkoholiker, engl. „Alcoholics Anonymous“ erinnern), an Hand derer jeder erkennen kann, ob er von Außerirdischen entführt wurde. Als Symptome werden z.B. angegeben: unerklärliche Narben, ein außergewöhnliches Interesse an Ökologie und vegetarischer Lebensführung, starke Phobien, paranoide Vorstellungen, Schlafstörungen, Alpträume, Angst vor medizinischen Behandlungen, etc. (Wilson & Hill, 1998).
3. Die Problembeschreibung besteht aus der Problemdefinition, die den Gegenstand thematisiert, und aus verschiedenen Wissensbeständen, die in Form von Axiomen, Feststellungen und Kausalattribuierungen vorliegen. Von besonderem Interesse für Vtn ist die Kausalattribuierung, die die soziale Verursachung der Probleme festlegt. Die Kausalattribuierungen beziehen sich dabei auf mehr oder weniger abstrakte Gruppen. Im Fall von Vtn oft auch auf Gruppen die niemals existiert haben, wie z. B. die Rosenkreuzer. Der Gruppe wird intentionales Handeln unterstellt. Dann wird eine radikale antagonistische Dichotomisierung vorgenommen. Auf der einen Seite die Guten (Nicht- Verschwörer) auf der anderen Seite die Bösen (Verschwörer), die für ihre Taten juristisch und moralisch verantwortlich sind.
4. Die Bewertung kann nur gelingen, wenn die Individuen den vorhandenen Zustand als inakzeptabel darstellen können. Die Bewertung bezieht sich auf allgemeine Moral- und Wertsysteme. Im Fall von Verschwörungstheorien wird oft auf die Verletzung der Menschenwürde (Art. 1 GG) und der Freiheit der Person (Art. 2 GG) hingewiesen. Das bekannteste Beispiel sind hierfür die (falschen) „Protokolle der Weisen von Zion“, in denen diese Freiheiten bedroht werden (ausführlich: Cohn, 1969).
5. Abstrakte Problemlösungen beziehen sich auf die Kausalattribuierungen der Problembeschreibung und behaupten nur, daß das Problem in der bestehenden Gesellschaftsordnung gelöst werden kann.
6. Konkrete Handlungsanleitungen „regeln die unmittelbare Reaktion der Individuen auf eine Situation, die erfolgreich unter das Deutungsmuster subsumiert wurde. Die Anleitungen liegen in pauschaler Form vor und müssen nur noch an die konkrete Situation angepaßt werden (Schetsche, 1996, S. 77)“. Handlungsanleitungen gibt das Internet, Gruppen oder einzelne Personen. Der Amerikaner Robert White, der das Magazin „Duck Book“ herausgibt, warnt (im Duck Book) vor den neuesten Verschwörungstheorien und gibt Überlebensanleitungen, Steuer-und Anlageberatungstips, um sein Geld vor den Verschwörern (zu denen auch die Federal Reserve Bank gehört) in Sicherheit zu bringen (Johnson, 1983). Ein extremes Beispiel bieten John Saxon’s Bücher „The Poor Man’s James Bond“ und „The Survivor“ in denen der Leser für den Notfall alles über Mord, Totschlag und die verschiedensten Waffen mitsamt Verkaufsstellen erfährt. Die John Birch Society hält regelmäßig Seminare und gibt eine Unzahl von „Fach“-Magazinen heraus.
7. Affektive Mechanismen sollen die Deutung absichern, indem sie kognitive Mechanismen umgehen. In der Psychologie finden sich zahlreiche Belege für die Beeinflussung von Kognitionen durch Emotionen. Bei Angst besteht die Tendenz schnelle Entscheidungen zu treffen und die vorliegenden Informationen nicht richtig zu nutzen (Keinan, 1987). Die negative Grundstimmung (die z.B. durch Vtn hervorgerufen werden) kann zu einer Fokussierung der Aufmerksamkeit auf stimmungskongruente Informationen führen; zusätzlich wirken sich Emotionen selektiv beim Erinnern auf das aus, an was man sich erinnert (Singer & Salovoy, 1988).

Die Diskursstrategien zu erklären, die verwendet werden, damit das Deutungsmuster erfolgreich ist, würde hier zu weit führen. Ich verweise daher auf Schetsche (1996, S. 87- 105).

2.2. Die Entstehung von Gerüchten

Die Entstehung und Weitergabe von Gerüchten folgt vor allem aus einer optimalen Kombination von allgemeiner Unsicherheit, persönlicher Angst, direkter Betroffenheit (outcome-relevant involvement) und Leichtgläubigkeit (Rosnow, 1991). In einer Atmosphäre allgemeiner Unsicherheit entstehen Gerüchte besonders gut. Sie helfen kognitive Unklarheiten zu beseitigen. Bei Vtn kann dieser Prozeß zu einem paradoxen Effekt führen. Indem Komplexität reduziert wird, wird gleichzeitig die allgemeine Angst verstärkt (vgl. Victor, 1993).

Unter persönlicher Angst versteht Rosnow (1991, S. 487) einen akuten oder chronischen affektiven Zustand, der mit der Besorgnis eines gefährlichen und enttäuschenden Resultates assoziiert ist. Je unklarer die momentane Situation und je höher die Angst der Bevölkerung ist, desto mehr Gerüchte verbreiten sich. Viele Gerüchte werden durch wirkliche Ängste (nach Freud (1977) Realangst/Furcht im Unterschied zu neurotischer Angst) angeheizt. Ein Beispiel hierfür ist Orson Welles‘ Rundfunkausstrahlung „War of the Worlds“ von 1938. Das Hörspiel wurde von Orson Welles so dargestellt, als ob Marsianer die Erde während der Ausstrahlung tatsächlich erobern (on the scene report). Nach Cantrill (1940) wurden in etwa 1 Millionen Menschen, von 6 Mio. Zuhörern, in Panik versetzt, die daraufhin beteten, weinten, versuchten Freunde zu warnen und in ihre Keller flüchteten um Giftgasangriffen der Marsianer zu entgehen. Diese Panik war nicht nur eine Antwort auf die dramatische Radiosendung, die sicherlich Angst provozierte, sondern auch auf vorhandene Realängste, wie z.B. die Furcht vor den zunehmenden Aggressionen Nazi-Deutschlands und einem bevorstehendem 2. Weltkrieg (Victor, 1993, S. 39).

Individuuen, die sich von dem Gerücht nicht direkt betroffen fühlen und es als unwichtig einstufen, wägen das Gerücht weniger kritisch ab und verbreiten es schneller.

Die Leichtgläubigkeit oder der Glaube an das Gerücht spielen eine entscheidende Rolle. Ob ein Gerücht verbreitet wird oder nicht hängt entscheidend von seiner Glaubwürdigkeit ab. Die Glaubwürdigkeit eines Gerüchtes hängt zum einem von seiner Quelle und zum anderem davon ab, welche Wünsche (wish rumors) oder Ängste (dread rumors) zum Ausdruck gebracht werden. Erscheint uns die Quelle als zuverlässig, uneigennützig und in Form eines Experten (siehe 2.4.5) wirkt das Gerücht glaubwürdiger. Dread rumors (Vtn können hierzu gezählt werden) verbreiten sich besonders schnell, da sich Individuen negativen Ereignissen eher zuwenden als Positiven. Ein Negativ-Negativ Gerücht (eine gehaßte Person/Gruppe tut etwas Negatives) verstärkt soziale Vorurteile und Stereotype, während ein Positiv-Negativ (eine geliebte Person/Gruppe tut etwas Negatives) und ein Negativ-Positiv (eine gehaßte Person/Gruppe tut etwas Positives) Gerücht überraschende Aspekte beinhaltet und zu einer kognitiven Unausgewogenheit führt (Kapferer, 1997, S. 159-161). Durch die Einführung eines negativen Elements erhöht sich die Botschaft des Gerüchtes und die Wahrscheinlichkeit der Verbreitung des Gerüchtes (Kapferer, 1997, S. 161).

Die Glaubwürdigkeit von Gerüchten hängt zusätzlich von den einzelnen Beteiligten, die das Gerücht konsensuell validieren, und den Massenmedien ab. Die verschiedenen Rollen die zur Verbreitung dienen sind z.B. der Anstifter, der Interpret, der eine sinnvolle Erklärung bietet, der Meinungsführer, dessen Ansichten sich besonders auf die Gruppe auswirken, der Apostel, der sich vollständig mit dem Gerücht identifiziert, der Stimmungsmacher, der das Gerücht weiterverbreitet ohne notwendigerweise daran zu glauben, der Genießer, der selber nicht an das Gerücht glaubt, es jedoch auskostet, der passive Vermittler, der noch nicht überzeugt ist, aber zu zweifeln beginnt (Kapferer, 1997, S. 118-119) und der virtuelle Meinungsführer, der vor allem die isolierten Bevölkerungs- gruppen über die Massenmedien erreicht (vgl. Eisenstein, 1994). Durch die Massen- medien wird ein Gerücht beschleunigt, beglaubigt, quantifiziert, dramatisiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, ohne unbedingt auf seine Quelle überprüft worden zu sein. Das Gerücht wird somit informatisiert und erhält, oftmals über selbstreferentielle Prozeße (vgl. Luhmann, 1996), den Status einer Wahrheit.

2.3. Begriffserklärung, Merkmale und Funktionen von Verschwörungstheorien

Vtn sind Theorien, über eine ungewisse Anzahl zusammenarbeitender Individuen, die eine geheime Vereinbarung getroffen haben, um ein verborgenes Ziel zu erreichen, daß gegen Gesetz und Ordnung verstößt (vgl. ähnlich, Zonis & Joseph, 1994).

Vtn werden in der Literatur abgegrenzt zu wirklichen (empirisch nachweisbaren) Verschwörungen wie z.B. Iran-Contra Affäre, Watergate Skandal, Propaganda due (P2)- Verschwörung; Vtn dagegen existieren nur in der Vorstellung der Individuen. Eine weitere Abgrenzung betrifft den Ausdruck „Theorien über Verschwörungen“. Damit sind Theorien gemeint, die den Aufbau, die Struktur und die Gründe von wirklichen Verschwörungen zu rekonstruieren versuchen. Zur deutlicheren Unterscheidung wurde in der englisch- sprachigen Literatur der Begriff „dietralogia“ anstelle von Vtn vorgeschlagen. Hier wird weiter der Begriff „Vtn“ verwendet.

Verschwörungstheoretisches Denken sollte von der „paranoiden Persönlichkeitsstörung“ nach DSM IV und von „wahnhaften Störungen“ nach ICD-10 (F20-F29) abgegrenzt werden. Die Diagnose der paranoiden Persönlichkeit überlappt stark mit der Borderline- und der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung, und läßt eine genetische Beziehung zur Schizophrenie vermuten (Davison & Neale, 1998). Wahnhafte Störungen wirken oft wie Schizophrenien und sind gekennzeichnet durch eine Anzahl verschiedener Wahnideen. Verschwörungstheoretisches Denken hingegen wird m. E. durch den sozialen Kontext bedingt und beinhaltet eine Reihe kognitiver Mißattributionen und verzerrter Wahr- nehmungen, deren Legitimität und Plausibilität durch die jeweiligen sozialen Netzwerke konsensuell validiert werden.

Vtn entstehen typischerweise in Krisensituationen, in denen häufig das etablierte Wertesystem in Frage gestellt wird. Einige Individuen werden in einem Krisenzustand angeregt Vtn, als einfache Antworten auf ungeklärte Fragen, anzubieten und andere sind gewillt diese zu übernehmen (Graumann, 1987). Goertzel (1994) stellte in seiner Studie dementsprechend Korrelationen zwischen dem Glauben an Verschwörungen und Anomie, Verlust des Vertrauens in andere und Minoritätsstatus fest.

Vtn können in lokale, die Verschwörer sind nur an bestimmten Orten aktiv, und globale Theorien, die Verschwörer sind überall, eingeteilt werden (Groh, 1987, S. 3). Die Zeitperspektive kann die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft betrachten. Häufig wird die Zeitperspektive als kontinuierlich angesehen, d.h. Verschwörer haben in der Vergangenheit „Böses“ geplant, sind in der Gegenwart aktiv, und werden in der Zukunft erfolgreich sein, wenn sie nicht von denen aufgehalten werden, die um ihre finsteren Pläne wissen (Groh, 1987, S. 3). In dieser Hinsicht müssen sich die „Wissenden“ mit zwei Opponenten beschäftigen: auf der einen Seite müssen die Verschwörer bekämpft werden und auf der anderen Seite die Ignoranz und Unwissenheit der eigenen Gesellschaft (Graumann, 1987).

Vtn werden bestimmten Gruppen zugeschrieben (siehe 2.4.1.). Gruppen, die bevorzugt genannt werden, sind: Juden, Freimaurer, Illuminaten, Tempelritter, Council on Foreign Relations, Bilderbergers, Trilateral Commission, Prieuré de Sion, Round Table und der Skull and Bones Orden (vgl. Vankin & Whalen, 1998; vgl. Vankin, 1992). Diese Gruppen sind schnell benannt und erhalten die kollektive Verantwortung für die jeweiligen Krisen. Die Gruppe repräsentiert als Ganzes das Böse in der Gesellschaft und verdichtet sich schließlich zur „Totalität der Bestie“ (Strasser, 1984). Die Verschwörer sind mächtiger, intelligenter und kompetenter als alle anderen, beeinflussen, nach ihrem Belieben, den Lauf der Geschichte (Groh, 1987; Zukier, 1987), sind lokal oder global omnipräsent und unbeirrbar in der Erreichung ihrer Ziele.

Der historische Kontext spielt eine entscheidende Rolle in Vtn. Dabei zeigt sich in Vtn die Unterschätzung der Komplexität historischer Prozesse, lineare Denkweisen, die Über- schätzung des Einflusses einzelner Personen auf geschichtliche Ereignisse und die Zusammenfügung einzelner historischer Fakten in einen kausalen Zusammenhang, der nicht aufgezeigt werden kann (Groh, 1987, S. 11). Bei der Erstellung des kausalen Zusammenhangs wird die zeitliche Einordnung geschichtlicher Ereignisse nicht beachtet. Tempelritter (1119-1312; allerdings ab 1307 verfolgt) werden zu Zeiten der Freimaurer (17. Jh., 1. Großloge erst 1717 in London) angesiedelt, z.B. bei van Helsing* (1995), oder die Illuminaten (1776-1785) werden auf die Assassinen (1090-1256) zurückgeführt, z.B. bei Daraul* (1997).

Zufälle gibt es nicht. Alles ist geplant und alles hat eine Bedeutung. Ein bekanntes Beispiel ist der sog. „Umbrella Man“, der 2 Sekunden vor der Ermordung John F. Kennedy‘s seinen Regenschirm öffnete. Ein unbedeutendes Ereignis wird hier zu einer Signalfunktion für den Schützen umgedeutet.

Nichts ist so wie es scheint. Gegner sind in Wirklichkeit geheime Verbündete (Johnson, 1995). Bolschewisten wurden von Wall Street-Bankern unterstützt, z. B. bei Robertson* (1992), die Nazis von Juden, z. B. bei Rüggeberger* (1990), das Council on Foreign Relations hat den Aufstieg Hitlers‘ gefördert (vgl. Callahan, 1996), usw.

Funktional gesehen, sollen Vtn erstens Dissonanz und zweitens Komplexität in Streßsituationen reduzieren (Groh, 1987). Vtn geben einfache Ursache-Wirkungs- Zusammenhänge wieder und können so Informationen und dissonante Elemente reduzieren. Dazu schreibt Zukier (1987, S. 97):

Psychological Research also has demonstrated the psychological need to perceive somme similarity and common measure... between the consequences of an event and its causes. Important events cannot happen haphazardly, and major negative consequences must have major - that is, conspiratorial causes.

Ein Beispiel hierzu ist die Unzahl von Vtn, die nach Prinzessin Diana’s Tod sowohl in den Massenmedien als auch im Internet kursiert sind.

2.4. Sozialpsychologische Erklärungsansätze

2.4.1. Minoritäten

Verschwörungen werden Minoritäten zugeschrieben. Moscovici (1987) hat sich damit auseinander gesetzt, wie diese Zuschreibungen in einer Gesellschaft stattfinden. Als grundlegenden Punkt sieht auch Moscovici gesellschaftliche Krisen an, in denen sich Individuen u.U. relativ depriviert und unsicher fühlen und dadurch Minoritäten als Sündenböcke suchen. Es genügt hier, daß Minoritäten existieren, die beschuldigt werden können. Individuen können sich gesellschaftliche und/oder internationale Krisen häufig nicht erklären und reduzieren durch Schuldzuweisungen die Komplexität der Ereignisse. Einfache Ursachenzuschreibungen (wie sie Vtn bieten) werden im Gegensatz zu komplexen Zuschreibungen bevorzugt (Snyder, 1981). Mit Hilfe kultureller Stereotype und Vorurteilen wird eine Minorität gesucht, die das Ereignis provoziert haben könnte. Einige Gruppen werden dabei bevorzugt als Verschwörer angesehen, wie z.B. Freimaurer, Illuminaten (vgl. Marcus, 1999) und Juden.

Diese werden mit dem Ereignis in Verbindung gebracht. Dann wird geschlußfolgert, daß sie das Ereignis systematisch und bewußt verursacht haben. Oftmals handelt es sich hierbei um unbewußte Relevanzstrukturen und nicht um absichtliche, bewußte Zuschreibungen. Sobald eine hinreichende Ursachenzuschreibung, die die Krisen erklären kann, stattgefunden hat, wird eine weitere Suche abgebrochen (Jones & Davis, 1965). Aus dem Abstrakten wird so eine konkrete Gruppe, die für die Ängste und Mißstände verantwortlich gemacht werden kann. Die Angst der Individuen wird zur Furcht vor jemanden Bestimmten und dadurch kann die ursprüngliche Angst besser bewältigt werden (Graumann, 1987). In den Beschuldigungen vermischen sich erfundene Eigenschaften und wirkliche Gegebenheiten bis zu einem Punkt, an dem sie nicht mehr auseinandergehalten werden können.

Den Verschwörern wird die Ressourcenausstattung zugeschrieben, die den meisten Individuen verwährt bleibt: Macht, Kontrolle, Geld. Das soll den Eindruck der Omnipotenz der Verschwörer erwecken und die Ernsthaftigkeit der Situation aufzeigen.

Die Verschwörer agieren gegen die Moral- und Wertvorstellungen der gesellschaftlichen Ordnung, wodurch sie besonders verwerflich erscheinen und Rachegefühle bei den Individuen auslösen.

2.4.2. Gruppenbildung und Stereotypisierung

Interessant für Vtn sind hier vor allem die „Theorie der Reizklassifikation“ (Tajfel, 1982) und die „Theorie der Sozialen Identität“ (Tajfel, 1982).

Die Theorie der Reizklassifikation besagt, daß Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen als größer wahrgenommen werden, als sie tatsächlich sind, während Unterschiede innerhalb der Gruppen als kleiner wahrgenommen werden. Der Theorie zufolge dienen sowohl der Inter-Klassen Effekt, die Vergrößerung der Unterschiede zwischen den Gruppen, als auch der Intra-Klassen Effekt, die Verkleinerung der Unterschiede innerhalb der Gruppen, zur Reduzierung der Komplexität. Minimale Reize reichen aus um eine Akzentuierung der wahrgenommenen Unterschiede zwischen den Gruppen hervorzurufen (Minimal Group Paradigma; Tajfel, 1982). Insgesamt zeigt das Minimal Group Paradigma, daß Individuen Mitglieder einer fremden Gruppe negativer beurteilen und ihre eigene Gruppe positiv hervorheben, auch wenn die Gruppen- einteilungen nach Zufall erfolgen und weder Interaktion zwischen den Gruppen noch innerhalb der Gruppen stattfindet.

Interessant ist in unserem Zusammenhang eine Studie von Mullin & Hogg (1998) in der unter situationaler Ungewißheit sowohl die Identifikation mit der minimalen Eigengruppe als auch die Inter-Klassendifferenzierung stärker ausgefallen ist.

Aufgrund der Minimal-Group Ergebnisse ist die Theorie der Sozialen Identität entstanden. Die Theorie der Sozialen Identität besteht aus vier Komponenten: Soziale Kategorisierung, Soziale Identität, Sozialer Vergleich und Positive Distinktheit.

Soziale Kategorisierung bezieht sich auf die Einteilung zwischen Eigengruppe und Fremdgruppe, die mit einer Akzentuierung der Klassendifferenzen einher geht und zur Bestimmung und Aufrechterhaltung Sozialer Identität dient.

Soziale Identität ist durch die jeweiligen Gruppenzugehörigkeiten bestimmt. Die Soziale Identität besteht aus verschiedenen Subidentitäten, z.B. Deutscher, Student, Arbeiter, Psychologe, etc., die das Individuum mit seinen Gruppen verbindet. Wie die Soziale Identität beschaffen ist, hängt von den Sozialen Vergleichen ab.

Soziale Vergleiche sollen eine gute Unterscheidung zwischen Eigengruppe und relevanten Fremdgruppen erreichen. Es werden Vergleiche bevorzugt, bei denen die eigene Gruppe einen Vorteil hat. Dabei wird oft eine „indirekte Diskriminierung“ (Mummendey & Simon, 1989) vorgenommen, d.h. es werden für die Eigengruppe Dimensionen bevorzugt, die für die Gruppe wichtig sind, während eine relative Überlegenheit der Fremdgruppen auf Dimensionen eingeschätzt werden, die für die Eigengruppe weniger wichtig sind. Da die Eigen- und Fremdgruppen nach dem gleichen Schema verfahren, beruhen die Auf- und Abwertungen auf Gegenseitigkeit.

Positive Distinktheit bezeichnet das Streben nach einer positiven Identität, d. h. es werden positive Merkmale der Eigengruppe betont und soziale Vergleiche wie oben dargestellt bevorzugt. Dies kann zu gruppendienlichen Attributionen führen, die den Selbstwert der Gruppe steigern und somit die Positive Distinktheit fördern. Ein Beispiel ist der „Correspondence Bias“2. Positive Eigenschaften werden in der Eigengruppe internal attribuiert und der Fremdgruppe external zugeschrieben, während negative Eigenschaften in der Eigengruppe external attribuiert werden, somit weg von der Guppe, und der Fremdgruppe internal zugeschrieben, somit angelastet werden (vgl. Vonk & Konst, 1998).

Nach diesen Theorien werden Stereotypisierungen durch Gruppenprozesse erklärt. Sie sind das Resultat eines Akzentuierungsprozesses und eines Bedürfnisses des Individuums nach positiver Sozialer Identität.

Die Theorie der Reizklassifikation und der Sozialen Identität können sowohl Stereotypisierungsvorgänge in wirklichen verschwörungstheoretischen (Selbsthilfe-) Gruppen, z.B. Liberty Lobby, Christian Identity, LaRouchtis, beschreiben als auch in virtuellen Gruppen bzw. „imaginierten Gemeinschaften“ (Anderson, 1991), die die Grenzen, durch Selbstkategorisierung zwischen sich und den anderen festlegen.

2.4.3. Gruppendenken

Der Begriff Gruppendenken geht auf Janis (1972; 1982) zurück. Janis zeigte Gruppendenken vor allem bei politischen und militärischen Entscheidungen (z.B. Schweinebucht-Phänomen, Eskalation des Vietnamkrieges, Pearl Harbor, Watergate- Affäre) auf. Gruppendenken zeichnet sich dadurch aus, daß die ursprünglichen Meinungen der Individuen durch Gruppendiskussionen verstärkt werden. Alternativen und Diskussionen von möglichen Risiken werden dabei ausgeklammert. Gruppendenken wird durch eine weitgehende Isolation der Gruppe von der Außenwelt, eine autoritäre Führung und die Vernachlässigung relevanter Entscheidungsregeln erleichtert.

In Selbsthilfegruppen gegen Verschwörungen, wie z.B. in der Christian-Patriots Defense League of Flora und der Posse Comitatus werden absichtlich hohe Isolationen angestrebt. Die Posse Comitatus (power of the county) bildet ein Konglomerat von mobilen Wohnheimen um sich vor der Verschwörung und vor dem Gesetz zu schützen (Johnson, 1983). Besonders rechte Selbsthilfegruppen sind stark strukturiert und hierarchisiert aufgebaut und bevorzugen einen autoritären Führungsstil (vgl. Johnson, 1983).

Merkmale von Gruppendenken sind (nach Sader, 1998, S. 219-220):

1. die Illusion der Unverwundbarkeit der Gruppe, die zu einem überhöhtem Optimismus führt
2. Entwertung von Warnungen
3. ein unhinterfragter Glaube an die inhärente Moralität der Gruppe
4. stereotypisierte Sicht gegenüber den Fremdgruppen, die als zu schlimm angesehen werden, um mit ihnen ernsthaft zu verhandeln
5. starker Uniformitätsdruck auf jedes Mitglied, das nicht den Stereotypen und Illusionen der Gruppe folgt
6. Selbstzensur, die eine offene Meinungsäußerung unterdrückt und die Neigung einzelner Gruppenmitglieder widerspiegelt, Zweifel und Gegenargumente herunter- zuspielen
7. Illusion der Einmütigkeit
8. Mind-guards (Tugendwächter), die die Gruppe vor gegenläufiger Information schützen und potentielle Abweichler zum Schweigen bringen

Victor (1993, ausführlich S. 92-99) bringt Gruppendenken in Verbindung mit dem Glauben von Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern und Therapeuten an eine Verschwörung satanischer Kulte. Victor argumentiert, daß die Legenden über satanische Kulte für Psychotherapeuten eine Substitution harter Fakten darstellen, in der Sicht, daß das Krankheitsbild von Patienten, bei denen die stark umstrittene Diagnose „Multiple Persönlichkeitsstörung“ (Dissoziative Identitätsstörung nach DSM IV) gestellt wurde, durch Satanische Kultlegenden erklärt werden kann. Führende psychiatrische Experten haben in den frühen 80‘ern diese Erklärungen abgegeben und steigerten innerhalb der psychiatrischen Kommunikationsnetzwerke die Glaubwürdigkeit. Rationale Kritik wurde zum Schutz der sog. „Satanic Cult Survivors“ ausgeblendet. Das Resultat war (und ist) eine geschlossene Kommunikation innerhalb dieser Gemeinschaft gläubiger Psychiater und Psychologen.

2.4.4. Sich-selbst-erfüllende Prophezeiungen

Der Begriff der „Sich-selbst-erfüllenden Prophezeiungen“ geht auf Merton (1957) zurück und wird in der Literatur auch „Pygmalion-Effekt“ genannt.

Watzlawick (1999, S. 91) definiert eine sich-selbst-erfüllende Prophezeiung als „eine Annahme oder Voraussetzung, die rein aus der Tatsache heraus, daß sie gemacht wurde, das angenommene, erwartete oder vorhergesagte Ereignis zur Wirklichkeit werden läßt und so ihre eigene >>Richtigkeit<< bestätigt.“ In einer sich selbst-erfüllenden- Prophezeiung wird das Ursache-Wirkungs-Prinzip verkehrt. Das Individuum erwartet ein bestimmtes Ereignis, definiert dabei die Situation falsch und erschafft dadurch die Vorraussetzungen für das Eintreten des erwarteten Ereignisses durch die vermeintliche Reaktion auf den betreffenden Sachverhalt. Die Reaktion (Wirkung) ist in Wirklichkeit die Aktion (Ursache), oder wie Watzlawick et al. (1992) schreiben, die Lösung ist erst das Problem.

Diese Ursache-Wirkungs-Verkehrung zeigt sich vor allem in Konfliktsituationen (siehe 2.5.). Eine wahrnehmende Person (oder Gruppe), die verschwörungstheoretisch denkt, bildet Erwartungen über die jeweiligen Intentionen der mutmaßlichen Verschwörer (die Stimuluspersonen) die stark stereotypisiert sind (category based expectancy). Snyder et al. (1977) konnten zeigen, daß Stereotype sich-selbst-erfüllende Prophezeiungen auslösen.

In die Erwartungen der Individuen fließen die Verhaltensweisen, die bei den Stimuluspersonen für typisch gehalten werden, mit ein und lenken die Interaktionen nach dem Bild, welches die Individuen von den Stimuluspersonen haben. Aufgrund dieser erwartungsbeeinflußten Attributionen können die Individuen bei den Stimuluspersonen reziprokes Verhalten auslösen, d.h. die Stimuluspersonen bestätigen aufgrund der Handlungen der wahrnehmenden Individuen genau das erwartete Verhalten. Wenn die Erwartungen so bestätigt werden, werden die Einstellungen zu den Stimuluspersonen verfestigt. Ist das Verhalten der Stimuluspersonen mehrdeutig wird eine erwartungskonforme Interpretation vorgenommen. Widerlegt das Verhalten der Stimuluspersonen die Erwartungen der Individuen, muß das andererseits nicht zu einer Korrektur der fehlerhaften Annahmen führen (Ross & Anderson, 1982), sondern die falschen Hypothesen werden durch selektive Wahrnehmung, selektives Behalten, emotionale Bindung an die eigenen Theorien und kognitive Umdeutung beibehalten.

Pipes (1998) gibt, anhand der Bildung von Geheimbünden, ein Beispiel aus dem 19. Jahrhundert: rechte Gruppierungen brachten eine Fülle von Verschwörungsliteratur (vor allem Anti-Freimaurer/-Illuminaten Literatur) über die Französische Revolution in Umlauf. Einige linke Gruppierungen und Revolutionäre, wie z.B. Filippo Buonarroti, nutzten dann diese Verschwörungstheorien zur Gründung wirklicher Organisationen. Als Folge nahmen reale politische Bewegungen konspirative Züge an. „Mit dem Zustandekommen von Netzwerken geheimer Organisationen wurde die Fantasie wahr...die Befürchtungen (der Rechten; Anm. v. Verf.), die einst nur das Werk ihrer Einbildung darstellten waren wahr geworden...Die Angst der Rechten vor Geheimbünden war zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung geworden (Pipes 1998, S. 126)“.

2.4.5. Expertengläubigkeit

Expertenmacht resultiert aus der speziellen Sachkenntnis des Indivduums, die z.B. durch Titel wie Professor, Doktor, etc. angezeigt wird. Expertenmeinungen werden in der Regel akzeptiert und erhöhen die Glaubwürdigkeit eines Sachverhaltes. Eine Autorität, die z.B. Expertenmacht besitzt, „entlastet uns psychisch in Konflikt- und Entscheidungs- situationen. Autoritäten reduzieren stellvertretend für uns die Komplexität der Umwelt auf ein erträgliches Maß... (Abels & Stenger, 1984, S. 49)“. Die Expertenmacht wird durch die Spezialisierung des Wissens und die wachsende Entfremdung des Individuums von der materiellen Welt begünstigt (Kapferer, 1997).

Verschwörungstheoretiker sind daher bemüht, ihren Büchern Seriösität und Sachlichkeit zu verleihen. Je wissenschaftlicher der Anspruch eines Buches oder Artikels erscheint, um so mehr wird Rationalität in der Argumentation erwartet (Schetsche, 1996, S. 82). Die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Vt wird durch die Nachbildung des wissenschaftlichen Anspruches erleichtert. Verschwörungstheoretische Bücher haben daher oftmals die gleiche Form wie wissenschaftliche Fachbücher: „Vorwort, Einführung, Danksagung, Quellenangaben, Fußnoten, Bibliographie, Register... (Pipes, 1998, S. 64)“. Zusätzlich besitzen die Bücher eine Anzahl von Querverweisen zu Büchern mit ähnlichen oder gleichen Theorien und zu geschichtlichen Fachbüchern. Die Titel der Bücher und Magazine orientieren sich stark an wissenschaftlichen Titeln. Das Magazin „American Historical Review“ ist eine vierteljährlich erscheinende führende wissenschaftliche Zeitung, während das Magazin „The Journal of Historical Review“ in akadamischer Fachsprache die Wirklichkeit des Holocaust zu widerlegen (Holocaust Revisionism) versucht (Pipes, 1998).

Glaubwürdigkeit und Akzeptanz erlangen Vtn durch teilweise prominente Experten. Der Linguist Noam Chomsky, der von der New York Times als vielleicht bedeutendster lebender Intellektueller angesehen wird, legt

...eine Verschwörungstheorie vor, die der US-Regierung an praktisch sämtlichen Mißständen der Welt schuld gibt, darunter Umweltverschmutzung, Militarismus, wirtschaftliche Armut, geistige Entfremdung und die Drogenkatastrophe. Die US-Regierung manipuliert die Presse..., an den Universitäten fördert sie den Postmodernismus..., und sie unterstützt den Profisport (um die Aufmerksamkeit von ernsten Problemen abzulenken) (Pipes, 1998, S. 250-251).

Weitere bekannte Beispiele sind Prof. Gary Allen von der Harvard University, dessen Buch „None dare call it Conspiracy“ (dt. „Die Insider“) allein in den USA eine Auflage von 5 Millionen erreicht hat, Prof. Carrol Quigley von der Georgetown University, der mit seinem Buch „Tragedy and Hope“ eines der einflußreichsten neueren verschwörungs- theoretischen Bücher geschrieben hat, und der Psychotherapeut Dr. Corrydon Hammond, der Gründer und Direktor der „Sex and Marital Therapy Clinic“, und der „Abstract Editor“ des „American Journal of Clinical Hypnosis“. Dr. Hammond erklärt in seinen Workshops, daß er durch Recovered Memory Therapy an Patienten mit der Diagnose „Multiple Persönlichkeitsstörung“ eine Verschwörung satanischer Kulte von Nazis und CIA-Agenten aufdecken konnte, die an Kindern „Brainwashing“ und mentale Reprogrammierung vornehmen, damit sie später auf bestimmte Codes relevante Verhaltensweisen wie Gehorsam, Förderung von Kinderprostitution, Mord, etc. zeigen (Victor, 1993, S. 294-295; Ofshe & Watters, 1996, S. 183-193).

2.5. Verschwörungstheorien in Konfliktsituationen

Vtn entstehen typischerweise gehäuft in Krisensituationen. Es kann sich hierbei um ökonomische (z.B. Massenarbeitslosigkeit, Verschärfung sozialer Ungleichheiten, Desintegration der Familie), politische (z.B. Kriege, Repressionen), religiöse (z.B. die zunehmende Enttraditionalisierung und Entwertung der religiösen Sinnvermittlung) oder um interpersonelle Krisen (z.B. Nachbarschaftsstreit, Mobbing) handeln. In Krisensituationen können Vtn anstehende Konflikte vor allem durch drei Mechanismen verstärken (nach Pruitt, 1987):

1. Vtn verstärken die Feindschaft zu einem wirklichen oder eingebildeten Gegner indem sie das Vigilanzniveau erhöhen, die Ängste der Individuen schüren und gleichzeitig verschärfte Maßnahmen gegen die Gegner fordern. Diese Feindbilder verzerren die Wahrnehmung und „...dies kann dann selbst gutgemeinte Versuche der Problemlösung treffen. In diesen Fällen führt die Erwartung zu schemageleiteten Inferenzen, die sich mit den Tatsachen nicht zur Deckung bringen ( Bornewasser, 1998, S.60)“ .
2. Vtn helfen eine scheinbar legitime Distinktion zwischen den Gegnern aufzubauen, d.h. es erfolgt eine Akzentuierung der wahrgenommenen Unterschiede zwischen den Gruppenmitgliedern, die die Interklassen-Differenz vergrößert. Es entsteht eine Reizklassifikation (siehe 2.4.2.).
3. Durch reziprokes Verhalten intensiviert sich die Feindschaft der Gegner, die als Teil einer Verschwörung angesehen werden (siehe 2.4.4.).

Der Gegner wird in Krisensituationen, die verschwörungstheoretisch umgedeutet sind, als ein einzelner Feind oder als ein Feind, der zu einer Gruppe gehört, angesehen. Pruitt (1987) nennt folgende Gründe, warum ein Gegner als einzelner Feind angesehen wird.

Ein Grund ist eine ökonomische Denkweise. Die meisten Individuen kennen die spiralenförmigen Prozeße in Konfliktsituationen nicht und erfahren in andauernden Krisen zunehmend Frustrationen, Ärger und Hilflosigkeit, die dazu führt, daß sie dem Opponenten Rücksichtslosigkeit und Boshaftigkeit unterstellen. Daher erscheint es dem jeweiligen Individuum nur logisch, daß der Gegner feindlich gesinnt ist. Ein zweiter Grund sind Ich-Verteidigungsmechanismen. Wenn der Konflikt fortschreitet wird dem Gegner die ganze Verantwortung zugeschrieben und das eigene Verhalten nicht weiter berücksichtigt, da es vielen Menschen schwer fällt sich selber für den Konflikt mitverantwortlich zu sehen. Ein dritter Punkt ist die Rechtfertigung der eigenen feindlichen Handlungen. Menschen neigen dazu sich schuldig zu fühlen, wenn sie aggressiv gegen vernünftige Menschen vorgehen, aber „...a diabolical enemy is fair game (Pruitt 1987, S. 200)“.

Folgende Gründe gibt Pruitt an, warum ein Feind als Teil einer Gruppe gesehen wird.

Ein Grund hängt mit Heider’s Balance-Konzept (1977) zusammen. Wenn ein Individuum viele Feinde hat, erscheint es psychologisch sinnvoll die Feinde als miteinander befreundet und damit als eine Gruppe anzusehen. Um so negativer die Einstellung zu den einzelnen Individuen ist um so wahrscheinlicher werden positive Beziehungen zwischen ihnen angenommen.

In Krisensituationen suchen Individuen nach einfachen Erklärungen, die ihnen Vtn bieten. Abwehrmechanismen spielen eine weitere Rolle. Einen Feind zu haben, kann für ein Individuum bedeuten, daß jemand es nicht respektiert. Um so mehr Feinde ein Individuum hat, umso größer ist die Bedrohung für sein Selbst. Diese Bedrohung wird eingeschränkt, wenn es annimmt, daß seine Feinde zusammenarbeiten und damit keine unabhängigen Einschätzungen vornehmen. Diese Annahme wird verstärkt durch ein Experiment von Wilder (1975; nach Pruitt 1987, S. 200), der zeigte daß der Asch-Effekt verschwindet sobald eine Versuchsperson annimmt, die anderen Versuchspersonen seien Teil einer Gruppe.

In größeren Konfliktsituationen werden die Feinde als ein kleiner Verschwörungskreis angesehen, der von einer großen Gruppe Konformisten umgeben ist („black-top image of the adversary“). Die Gegner als konforme Gruppe anzusehen deindividuiert die Personen und reduziert ihre Einzigartigkeit. Psychologische Experimente konnten zeigen, daß dadurch leichter aggressives Verhalten gezeigt und weniger Schuld empfunden wird. Ein letzter Punkt ist das „worst-case-Denken“, wenn eine Person mehrere einzelne Feinde hat. Aus pragmatischer Sicht ist die gefährlichste Situation die, in der sich unsere Feinde verbünden. Daher erscheint es am vernünftigsten, sie so zu behandeln, als ob sie sich schon verbündet hätten.

2.6. Der Epistemische Prozeß von Verschwörungstheorien

Kruglanski (1987) zeigt in seinem Konzept des epistemischen Prozesses Bedingungen auf sozial-kognitiver Basis auf, unter denen Mitglieder einer Gruppe Vtn leichter akzeptieren. Vtn werden i. allg. eher geglaubt, wenn die Theorie logisch mit anderen Überzeugungen der Gruppe übereinstimmt, wenn ein wünschenswerter Zustand in der Gruppe erreicht wird und wenn die Vtn das Bedürfnis nach Strukturierung der einzelnen Gruppenmitglieder befriedigen.

Der epistemische Prozeß besteht aus zwei getrennten Phasen: der Hypothesenbildung und der Hypothesenvalidierung. Beide Phasen sind miteinander verflochten. Wenn eine Hypothese validiert wird, muß sie vorher gebildet worden sein. Die Validierung einer Hypothese wiederum legt die Grundlage für die Bildung weiterer alternativer Hypothesen.

Die Hypothesenbildung wird von zwei allgemeinen Kategorien beeinflußt: die Fähigkeit Ideen in einem bestimmten Gebiet hervorzubringen und die individuellen epistemischen Motivationen.

Ein wichtiger motivationaler Faktor für Verschwörungstheorien ist das Bedürfnis nach Strukturierung, d.h. Personen suchen nach Ordnung und Sinn und versuchen eine klare, eindeutige Antwort zu einem bestimmten Thema zu bekommen. Sobald diese Ordnung hergestellt ist, wird sie aufgrund von selektiven Wahrnehmungsprozessen aufrecht- gehalten. Wenn Personen durch äußere Umstände emotional erregt sind, z.B. durch gesellschaftliche Krisen, wird ein kritischer Validierungsprozeß, in dem normalerweise verschiedene Alternativen abgewogen werden, verhindert. Unter diesen Umständen, wenn dringende Handlungsgebote oder Zeitdruck gegeben sind, werden früh gefaßte Vorstellungen eingefroren, die dann unzugänglich für Gegenbeweise sind. Widersprüchliche Informationen führen dadurch eher zu einer weiteren Ausarbeitung der eigenen Theorie, als zu einer Korrektur. Dieses Bedürfnis nach Strukturierung wird von typischen Vtn befriedigt. Vtn, die Mitglieder einer Gruppe vor einem gegen sie gerichteten Komplott warnen erfordern dringende Handlungsbereitschaft und damit ein Bedürfnis nach Strukturierung.

Ein zweiter wichtiger motivationaler Faktor sind schlußfolgernde Bedürfnisse. Eine Schlußfolgerung, die mit den Wünschen und dem Verlangen einer Person übereinstimmt wird eher eingefroren und verhindert dann eine Beschäftigung mit alternativen Schlußfolgerungen, im Sinne von Festinger’s (1957) Dissonanztheorie. Ein weiteres schlußfolgerndes Bedürfnis stellt die, in Experimenten oft aufgezeigte, Tatsache dar, daß Individuen die Verantwortung für negative Ereignisse eher external attribuieren als internal, während positive Ereignisse eher internal attribuiert werden (siehe 2.4.2.).

Zwei schlußfolgernde Bedürfnisse werden durch Vtn befriedigt.

Die gemeinsamen Handlungen sollen die negativen Ereignisse in der Zukunft abwenden und stellen somit einen wünschenswerten Zustand dar. Zweitens würde der bloße Akt, ein Verschwörungsmitglied aufzudecken, hohe Kompetenz und großen Einfallsreichtum der Gruppe aufzeigen und sich dadurch positiv auf das Selbstwertgefühl der einzelnen Gruppenmitglieder auswirken.

Die Hypothesenvalidierung wird durch deduktive Logik bestimmt. Um das deduktive Logik-Kriterium der Validierung zu erfüllen, müssen Vtn mit anderen Glaubensstrukturen der Gruppe korrespondieren.

2.7. Paranoide Soziale Kognition

Unter paranoider sozialer Kognition versteht Kramer (1998) ein Konstrukt aus verzerrten Wahrnehmungen und Fehlurteilen, das durch übertriebenes oder fehlplaziertes Mißtrauen und Verdächtigungen gegenüber anderen charakterisiert ist. Die paranoid-sozialen Kognitionen sind Nebenprodukte eines Interaktionsprozesses zwischen den informationellen Suchstrategien des Individuums und dem sozialen Kontext.

Nach Kramer‘s „social information processing model of paranoid social cognition“ werden paranoide Kognitionen durch situationale Faktoren (s. u.) ausgelöst, die Zustände dysphorischer Selbst-Aufmerksamkeit verursachen. Dysphorische Zustände sind auf- rüttelnde und aversive Zustände, die Individuen motivieren „... to make sense of whatever the situation is that is perceived to be inducing and to formulate an adaptive response to it (Kramer, 1998, S. 254).“ Dieser Sinnfindungsprozeß fördert Über-Wachsamkeit (verstärkte Suche nach negativer sozialer Information) und soziales Grübeln.

Über-Wachsamkeit verstärkt nicht-adaptive kognitive Prozesse, wie z. B. verzerrte Wahrnehmungen (vgl. Lazarus & Folkman, 1984). Soziales Grübeln über aversive Ereignisse verstärkt negative Gedanken und fördert worst-case Denken. Über- Wachsamkeit und soziales Grübeln bedingen sich wechselseitig. Die über-wachsame Abschätzung der sozialen Information fördert zusätzliche Daten, über die das wahrnehmende Individuum grübeln kann. Das soziale Grübeln fördert paranoid-ähnliche Hypothesen, die wiederum eine über-wachsame Überprüfung des sozialen Kontextes und der Verhaltensweisen anderer Individuen bewirkt. Dieser Kreislauf führt zu verschiedenen Urteilsfehlern (s. u.), die sozial-paranoide Verhaltensweisen auslösen. Nach dem Modell wirken paranoide Verhaltensweisen wieder auf die situationalen Faktoren zurück und bewirken eine Tendenz zunehmender Eskalation.

Kramer (1998, S. 256-261) nennt drei situationale Faktoren, die zu dysphorischer SelbstAufmerksamkeit führen können.

1. wahrgenommene Distinktheit: Forschung zur sozialen Kategorisierung konnte zeigen, daß sich Individuen oft selbst in distinkten bzw. einzigartigen Kategorien einordnen. Individuen, die zu distinkten sozialen Kategorien gehören neigen eher zu höherer Selbst- Aufmerksamkeit. Wenn diese Individuen der Überzeugung sind, daß sie nicht zur Gruppe gehören oder sich von den übrigen Gruppenmitgliedern unterscheiden, dann tendieren sie dazu, die genaue Bewertung, die sie durch andere Gruppenmitglieder erfahren, zu überschätzen. Eine Konsequenz ist, daß dadurch sinnfindende Prozesse in Gang gesetzt werden, die eine spontane attributionale Suche nach Gründen für das Verhalten der anderen gegenüber einem selber initiieren (Weiner, 1985; nach Kramer, 1998, S. 256).
2. wahrgenommene genaue Bewertung (perceived evaluative scrutiny): Um so höher die wahrgenommene Bewertung durch andere eingeschätzt wird, um so wahrscheinlicher erfährt das Individuum dysphorische Selbst-Aufmerksamkeit. Für eine Studie, die diesen Zusammenhang aufzeigt, siehe Kramer (1996).
3. Ungewißheit über die soziale Stellung: Nach Forschungsergebnissen von z.B. Tyler (1993) versuchen Individuen oft Informationen über ihre Stellung innerhalb sozialer Gruppen oder Organisationen zu erhalten. Ungewißheit über die soziale Stellung wird meistens als aversiver psychologischer Zustand erfahren und wird daher zu reduzieren versucht (vgl. z.B. Ashford, 1989; nach Kramer, 1998). Dieser Prozeß fördert die SelbstAufmerksamkeit und einen personalistischen Attributionsstil.

Folgende drei Urteilsverzerrungen nennt Kramer (1998, S. 262-265).

1. „Sinister Attribution Error“: Der „Sinister Attribution Error/ Bias“ (SAE) bezeichnet die Tendenz von Individuen „...to overattribute lack of trustworthiness to others ... [and] (Anm. v. Ver.) to be overly suspicious of others‘ intentions and motives ... (Kramer, 1998, S. 262)“. Ein interessantes Ergebnis der zweiten Studie von Kramer (1994, S. 213-222) zum SAE war, daß soziales Grübeln über die Motive und Intentionen anderer eine Zunahme des Vertrauens in die eigene Urteilssicherheit bedingt. Konsistent mit der Hypothese des SAE zeigten die Ergebnisse, daß Selbst-Aufmerksamkeit und die Möglichkeit sozialen Grübelns über andere (social other-focused rumination) höheres Mißtrauen und mehr Verdächtigungen bewirkt (Kramer, 1994).
2. „Overly Personalistic Construal of Social Interactions“-Bias: Dieser zweite Urteilsfehler zeigt die Tendenz „... for paranoid perceivers to view others‘ action in unrealistically self- referential terms (Kramer, 1998, S. 264).“ Aufgrund dieser Urteilsverzerrung überschätzt das sozial-paranoide Individuum das Ausmaß, mit welchem es das Ziel von Gedanken und Handlungen anderer ist. Eine Form dieser Urteilsverzerrung ist die „biased punctuation of social interaction“. Diese Verzerrung geht auf Forschungen zur Interpunktion in sozialen Interaktionen und Kommunikationen zurück. Hier ließ sich zeigen, daß Individuen soziale Ereignisse nicht kontinuierlich wahrnehmen, sondern eine Tendenz aufzeigen, Ereignisse in Form von diskreten (punktuierten) Episoden wahrzunehmen, die in unterschiedlichen Chunks zusammengefasst werden. Eine verzerrte punktuierte Wahrnehmung kann zeitlich nah beieinander liegende aber räumlich getrennte Ereignisse in einen kausalen Zusammenhang bringen und eine spiralenförmige Eskalation von Mißtrauen und Verdächtigungen nach sich ziehen.
3. Übertriebene Wahrnehmung von Verschwörungen: Unter dieser Urteilsverzerrung versteht Kramer (1998, S. 264) eine „...overperception of social linkages among actors engaged in independent actions.“

Diese Urteilstendenzen stehen in Wechselbeziehung zueinander. Zum Beispiel, wird eine übertriebene Wahrnehmung von Verschwörungen durch den „Punctuation Bias“ und den “Sinister Attribution Error“ verstärkt. Gleichzeitig wirkt sich der Glaube an Verschwörungen auf die Art aus, wie das Individuum soziale Interaktionen punktuiert usw.

3. Zusammenfassung

In dieser Hausarbeit wurden alternative Ansätze aufgezeigt, warum Verschwörungs- theorien (Vtn) in verschiedenen Gesellschaften auftreten. Als erstes wurde allgemein auf die Entstehung kollektiver Deutungen, die nicht den üblichen gesellschaftlichen Erklärungen entsprechen, eingegangen (2.1). Hier wurden sieben Merkmale besprochen, die ein Deutungsmuster haben muß, damit ein Sachverhalt für Individuen Handlungspriorität erhält.

In 2.2. wurde auf die Entstehung von Gerüchten eingegangen. Als wichtige psychologische Komponenten wurden allgemeine Unsicherheit, persönliche Angst, direkte Betroffenheit und Leichtgläubigkeit erklärt. Danach wurden typische Merkmale von Vtn aufgezeigt. Es wurden einige sozialpsychologische Ansätze zur Erklärung gegeben. Punkt 2.4.1. zeigte, warum Minoritäten als Verschwörer benannt werden. In 2.4.2. wurde die Theorie der Reizklassifikation und der Sozialen Identität von Tajfel besprochen, die Stereotypisierungsprozesse in Gruppen erläutern können. Das erscheint insbesondere für die Zuschreibung von Vtn an Minoritäten wichtig. Hier werden von Individuen, die an Vtn glauben, stark stereotypisierte Ansichten über diejenigen Gruppen, die als Verschwörer angesehen werden, vertreten. Mit den beiden Theorien kann erklärt werden, warum Individuen, die entweder einer Gruppe zugeordnet werden oder sich selbst in eine Gruppe kategorisieren, stereotypisierte Sichtweisen übernehmen. In 2.4.3. wurde Janis‘ Theorie über Gruppendenken vorgestellt, um zu zeigen wie sich stereotypisierte Ansichten in Gruppen noch verstärken können. 2.4.4. zeigte kurz den Prozeß von sich selbst- erfüllenden-Prophezeiungen auf. Dieser Prozeß kann durch Stereotype ausgelöst werden und besitzt daher Relevanz für das Thema. 2.4.5. zeigte den Zusammenhang zwischen Expertenmacht und Glaubwürdigkeit von Vtn auf. Punkt 2.5. ging auf verschwörungstheoretisches Denken in Konfliktsituationen ein. Hier wurden einige Erklärungen angeboten, warum Verschwörer immer als Feinde, ob einzeln oder als Gruppe, angesehen werden. Die letzten beiden Punkte (2.6. und 2.7.) beziehen sich im Gegensatz zu den anderen Punkten auf rein kognitive Prozesse. In 2.6. wird auf Kruglanski’s Konzept des Epistemischen Prozesses eingegangen und die zwei wichtigen Begriffe der Hypothesenbildung und der Hypothesenvalidierung kurz dargestellt. Als letzter Punkt wurde ein Modell zu paranoid-sozialer Kognition von Kramer aufgezeigt. Dieses Modell zeigt auf, wie situationale Faktoren und Urteilsfehler des Individuums sich untereinander verstärken und sich gegenseitig spiralenförmig aufschaukeln. Ein interessanter Aspekt für verschwörungstheoretisches Denken stellt auch das Ergebnis dar, daß grübeln und Über-Wachsamkeit sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Dabei werden sowohl Urteilsfehler als auch eine Zunahme des Vertrauens in die eigene Urteilsfähigkeit begünstigt. Verschwörungstheoretiker sehen sich oft selber als ungerechtfertigtes Ziel von Verunglimpfungen. Das steigert die Wachsamkeit auf mögliche Angriffe und Verleumdungen. Zum anderen denken sie viel über ihre Theorien nach und bestärken sich gegenseitig.

Vtn stellen immer noch ein von Wissenschaftlern wenig beachtetes Feld dar. Wünschenswert wären hier wissenschaftliche Forschungen über den Zusammenhang von Internet und der Zunahme von Vtn. Ansatzpunkte wären die Anonymität, die hektischen Sendungen überflüssiger Nachrichten (Mantovani, 1994), physische Isolation verbunden mit intensiver Interaktion bei Computer-vermittelter Kommunikation (Turkle, 1998) und eine beschleunigte Selbstoffenbarung (Bleuel, 1998). Bis jetzt hat sich mit Vtn im Internet m. W. nur Freyermuth (1996; 1998) populärwissenschaftlich auseinandergesetzt.

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[...]


1 aufgrund der Hypothese der „Auflösung der Klassen“ innerhalb der Individualisierungstheorie ist die Angemessenheit, heutzutage von einer Klassenstruktur zu sprechen, in der deutschen Soziologie in Frage gestellt worden; der Begriff „Klasse“ wird hier im Sinne einer „pluralisierten Klassengesellschaft“ (Vester, 1997) weiter verwendet.

2 in der älteren Literatur mit dem umstrittenem Begriff „Fundamentaler Attributionsfehler“ belegt 9

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Verschwörungstheorien
Veranstaltung
Grundbegriffe der Soziologie
Note
bestanden
Autor
Jahr
1999
Seiten
20
Katalognummer
V96656
ISBN (eBook)
9783638093323
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist insgesamt formal, argumentativ, sprachlich, begrifflich und theoretisch sehr gut (Kommentar des Betreuers).
Schlagworte
Verschwörungstheorien, Grundbegriffe, Soziologie
Arbeit zitieren
Marcel Baumgärtler (Autor:in), 1999, Verschwörungstheorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96656

Kommentare

  • Gast am 6.6.2002

    Thema verfehlt.

    Interessanter Bericht...allerdings ist der Autor schon zu sehr Sklave der Gesellschaft als das er einen neutralen Standpunkt vertreten könnte, trotzdem akzeptabel ;-)

  • Gast am 23.12.2001

    genial.

    verschwörungstheoretisch würde ich sagen,

    Du stehst unter mind control und

    hast den besten "Stimmen-Profi"

    unter den Soziologen drauf.

    Kann es Shaver sein ?

    Teste es beiläufig mit einer

    Bildbeschreibung, z.B. mit Giotto

    aus der Früh-Renaissance oder Dürer.

    Grüße von der FU Berlin

  • Gast am 7.7.2000

    Ungäubiger.

    Für einen Ungläubigen, der nicht an Vtn. glaubt, ist es ein guter Beitrag.
    Du soltest aber doch mal die rote Pille schlucken (Film: Matrix). Vielleicht merkst Du dann, daß nicht alles daran Science Fiction ist.

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Titel: Verschwörungstheorien



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