Diffusion von Wissen versus Schutz des geistigen Eigentums


Seminararbeit, 2000

23 Seiten, Note: 1-


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Inhalt

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Vorgehensweise

2. Entstehung von technischen Wissen im Innovationsprozess

3. Diffusion von Innovationen
3.1. Adoption als notwendiger Bestandteil der Diffusion
3.2. Der Diffusionsprozess
3.2.1. Determinanten des Diffusionsprozesses
3.2.2. Die s-Kurve als Modell zur Beschreibung des Diffusionsprozesses im Zeitverlauf
3.3. Marktbezogene Betrachtung der Diffusion
3.4. Wettbewerbsbezogene Betrachtung der Diffusion
3.5. Imitation von Innovationen als Folge der Diffusion

4. Schutzmechanismen für die Innovation
4.1. Markteintrittsbarrieren
4.2. Gewerbliche Schutzrechte
4.3. Mögliche Auswirkungen des Patentrechts auf die Wettbewerbssituation innerhalb einer Branche
4.4. Der Tatsächliche Einfluss der Schutzmechanismen auf die Imitationsentscheidung

5. Schlussbetrachtung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

„Diffusion von Wissen versus Schutz des geistigen Eigentums“ - mit dieser Gegenüberstellung wird ein Spannungsfeld sichtbar, das sich aus den einander ent- gegenwirkenden Kräften, die im Zuge des technologischen Wandels wirksam wer- den, ergibt. Die für die Entwicklung einer Branche notwendige und gewünschte Ausbreitung von Innovationen bildet in diesem Spannungsfeld einen Pol, die den Interessen des innovierenden Unternehmers entgegenstehen. Im Rahmen dieser Ar- beit sollen einzelne Determinanten, die dieses Spannungsfeld bestimmen, untersucht werden.

1.2. Vorgehensweise

Das Phänomen der Diffusion soll in dieser Arbeit am Beispiel der Ausbreitung einer technologischen Innovation dargestellt werden. Dabei wird der begriff der Innova- tion im weiteren Sinne angewendet, da er die gesamte prozessuale Dimension der Innovation erfasst und somit eine logische Verbindung zur Diffusion verständlich nachgezeichnet werden kann. Dazu werden die ersten Phasen des Innovations- prozesses kurz skizziert, um daran anknüpfend eine detaillierte Beschreibung der Diffusion liefern zu können.

Die Ausbreitung der Innovation im Diffusionsprozess bildet im Rahmen dieser Arbeit ein erstes zentrales Kapitel. Erst die Diffusion einer Innovation führt auch zu einem Wandel im Markt und somit in den betroffenen Branchen. Dieser Wandel führt wiederum zu Veränderungen der Wettbewerbssituation innerhalb der Branchen. Es werden im Zuge dieser Arbeit die für das Verständnis der Diffusion notwendigen Faktoren Adoptionsprozess und Determinanten der Diffusion erklärt, um dann ihren idealtypischen Verlauf anhand des s-Kurven-Modells nachzeichnen zu können.

Daran anschließend findet die marktbezogene Betrachtung statt, die auf einem Marktphasenschema beruht, das Kortmann in Anlehnung an Heuß und Gort/Klepper vorstellt. Hier, sowie in der darauffolgenden wettbewerbsbezogenen Betrachtung der Diffusion werden Entwicklungen sichtbar, die ihrerseits wiederum auf die Innovationsplanung des Innovators zurückwirken. Dieser muss sich im Zuge der Diffusion seiner Innovation auch mit dem für ihn im Zweifelsfall unerwünschten Phänomen der Imitation auseinandersetzen: Wenn ein Wettbewerber nach dem Innovator mit einer Imitation, die als mindestens „teilweise gleich“ in Anwendungs- und Verwen- dungsmöglichkeiten beurteilt wird, als auch in Bezug auf die Übernahme einzelner Bestandteile der Innovation durch die Imitation auf dem relevanten Markt auftritt, droht dem Innovator ein teilweiser Verlust seiner Innovationsgewinne

Da aber der Innovationserfolg ganz entscheidenden Einfluss auf die langfristigen Umsatzgewinne und somit auf die Erreichung strategischer Unternehmensziele hat, kann es im Interesse des Innovators liegen, die Imitation zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Ihm stehen dabei mehrere Wege zur Verfügung, mögliche Vorteile aus seiner Position als Erstanbieter zu nutzen, um sein geistiges Eigentum und den damit verbundenen Innovationsgewinn vor Imitation zu schützen.

Sowohl Markteintrittsbarrieren als auch gewerbliche Schutzrechte bieten diese Möglichkeit. Die Beschreibung dieser beiden Schutzoptionen bilden den zweiten zentralen Teil dieser Arbeit. Dabei werden zunächst Markteintrittsbarrieren in ihrer Abhängigkeit von branchen- und Unternehmensimmanenten Bedingungen nachgezeichnet und - soweit im Rahmen einer solchen Arbeit möglich - bewertet. Ebenso wird bezüglich der gewerblichen Schutzrechte verfahren. Aufgrund seiner dominanten Bedeutung geschieht dies am Beispiel des Patentschutzes.

In Anlehnung an eine bei Schewe angeführten empirischen Untersuchung findet schließlich eine Bewertung der Wirksamkeit von Markteintrittsbarrieren und ge- werblichen Schutzrechten statt, die auf die sich anschließende Schlussbetrachtung hinführt.

2. Entstehung von technischen Wissen im Innovationsprozess

Der Innovationsprozess im weiteren Sinne umfasst sieben kritische Phasen, in deren Verlauf an letzter Stelle die Diffusion steht. Um diese verständlich herleiten zu können, sollen die ersten sechs Phasen der Innovation hier kurz skizziert werden.

- Die Phase der Problemidentifikation - hier werden Kundenbedürfnisse, allgemeine Markt- und Technologieentwicklungen[1] sowie die Diskrepanzen zwischen dem ermittelten betrieblichen Ist- und dem angestrebten Sollzustand, der sich aus den strategischen Unternehmenszielen ableitet,[2] aufgedeckt.
- Die Phase der Ideenfindung für Problemlösungen - in ihrem Verlauf wird ein Screening der Ideen durchgeführt und die suchfeldrelevanten Alternativen selektiert.
- Die Phase der Ideenbewertung - aufgrund der hohen Risikobelastung eines Innovationsprojektes fällt die Bewertung und Entscheidung über die Durchführung auf der Ebene der Unternehmensleitung.[3]
- Die Phase der Innovationsvorbereitung und -planung - Sie umfasst die Formulierung konkreter Ziele und Aufgaben für die Forschung und Entwicklung.[4]
- Die Phase der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten- hier geht es bereits um den zeitlichen und rechtlichen Vorsprung im Forschungswettbewerb.[5]
- Die Phase der Produkteinführung - die dazu notwendigen Investitionen, der Ferti- gungsaufbau, die unverwechselbare Benennung und Marketinganstregungen werden getätigt.
- Die Phase der Markteinführung - Ermöglichen die vorangegangenen Aktivitäten die Einführung auf dem Markt oder den Einsatz eines neuen Verfahrens, kann ab diesem Zeitpunkt von Produkt- oder Prozessinnovation gesprochen werden.[6]

Die Markteinführung ist im doppelten Sinne zu verstehen: als Einführung der Innovation in das Marktsystem und als Einführung eines neuen Marktes. Hier setzt die Diffusion ein, die im Weiteren zu betrachten sein wird.

3. Diffusion von Innovationen

Die Markteinführung stellt den logischen Beginn des Diffusionsprozesses dar. Unter dem Diffusionsprozess versteht man die Ausbreitung einer Innovation im Zeitablauf innerhalb eines bestimmten sozialen Systems. Von der Diffusion nicht zu trennen ist die Adoption. „Adoption is a decision to make full use of an innovation as the best course of action available.”[7] Bei einem Nachfrager, der sich zur Übernahme einer Innovation entschieden hat, spricht man von Adopter, derjenige der die Übernahme in Erwägung zieht, wird als potentieller Adopter bezeichnet. Die Tatsache von Diffu- sionserscheinungen begründet sich daraus, dass die Entschließung zur Übernahme einer Innovation nicht bei allen Mitgliedern eines sozialen Systems zur gleichen Zeit erfolgt, sondern im Zeitablauf. Zur Analyse wird daher auf aggregierter Ebene das Ergebnis der individuellen Adoptionsprozesse aller Mitglieder eines sozialen Sys- tems untersucht.[8] Man kann somit feststellen, dass die Adoption die Voraussetzung für die Diffusion ist, wobei beides prozessual aufzufassen ist.[9]

3.1. Der Adoptionsprozess als notwendiger Bestandteil der Diffusion

Im Vordergrund der Analyse von Adoptionsprozessen steht die Frage, wie dieser Prozess abläuft, also ob er durch ein Phasenschema charakterisiert werden kann und in welcher Geschwindigkeit diese Schritte von einem einzelnen Nachfrager durchlau- fen werden, bis es zur eigentlichen Übernahme einer Innovation kommt. Auf der Grundlage dieser Phasen können Rückschlüsse auf die zeitliche Dauer des Adop- tionsprozesses gemacht werden. Diese wiederum ist abhängig von der individuellen Innovationsbereitschaft.[10] Die Adoption bzw. die endgültige Implementierung oder Ablehnung einer Innovation werden als Ergebnis eines extensiven Entscheidungs- prozesses aufgefasst. Begründet wird diese Auffassung durch die Tatsache, dass ein potentieller Adopter aufgrund mangelnder Erfahrung mit der Innovation, zuerst ein- mal Kriterien zu dessen Beurteilung entwickeln muss.[11] In der Literatur ist bei der Darstellung des Adoptionsprozesses eine weitgehende Übereinstimmung anzutreffen, da sie sich stark an dem von Rogers entwickelten Phasenkonzept orientiert:

The Innovation-Decision Processis the process through which an individual (or other decision making unit) passes from first knowledge of an innovation, to forming an attitude toward the innovation, to a decision to adopt or to re- ject, to implementation of the new idea and to confirmation of this decision.”[12]

Die Einteilung des Adoptionsprozesses in verschiede Phasen begründet sich aus der Annahme weitgehend homogener Verhaltensweisen potentieller Adopter in diesen Phasen:[13]

In der ersten Phase gewinnt der potentielle Adopter oder ein Adopterkollektiv(Abnehmerunternehmen, Konkurrenzt etc.) Kenntnis (knowledge) von der Innovation. Es überwiegen zunächst die Informationen über die Innovationsidee und über die grundsätzliche Funktionsweise. Möglicherweise tritt die Innovationsbotschaft bereits auf Prädispositionen, die die Wahrnehmung steuern. Diese Phase kann als kognitive Phase gekennzeichnet werden.

Die Phase der Einstellungsbildung (persuasion) ist primär durch affektive Elemente geprägt, in der der potentielle Adopter erste Verwendungsmöglichkeiten realisiert und persönliche Interaktionen zur Risikoreduktion an Bedeutung gewinnen.

Die verschiedenen Bewertungsprozesse führen schließlich zur Entscheidungsphase(decision) und damit zur Adoption oder Rejektion. Annahme oder Zurückweisung müssen aber nicht von Dauer sein, sondern können durch zusätzliche harmoni- sierende Informationen oder schlechte Erfahrungen nach Kauf in ihr Gegenteil ge- kehrt werden. Häufig ist der Entscheidung eine Versuchsphase vorgelagert, in der die Innovation durch verschiedene Formen des Ausprobierens getestet wird.

Der Adoption folgt die Phase der Implementierung (implementation) und der ersten Nutzung. Hier treten häufig Anwendungsprobleme und Widerstände bei betroffenen Arbeitnehmern auf. Es kommt vor, dass die Innovation in diesem Stadium modifi- ziert oder angepasst wird und von einer ‚re-invention’ gesprochen werden kann.

Die letzte Phase ist durch weitere Informationsbeschaffung gekennzeichnet. Es wird nach Argumenten gesucht, die die Annahmeentscheidung rechtfertigen (confirmation) und geeignet sind Dissonanzen zu reduzieren.

3.2. Der Diffusionsprozess

Die Unterscheidung homogener Übernehmergruppen im Zeitverlauf führt bei Rogers zu fünf idealtypischen Gruppen. Diese Kategorien können auf der Basis markanter Punkte der Normalverteilung gebildet werden:

- Neuerer oder Innovator (innovators)
- Frühannehmer (early adopters)
- Frühe Mehrheit (early majority)
- Späte Mehrheit (late majority)
- Nachzügler, Zauderer (laggards)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Adopter-Kategorien auf der Basis der Innovationsbereitschaft, Quelle: Pohl S. 51 in Anlehnung an Rogers (1983), S. 247

Bei dieser Einteilung wird beobachtet, wie viel früher eine Innovation von einer Adoptionseinheit als von den anderen Mitgliedern eines sozialen Systems übernom- men wird. Dabei kommt es auf den genauen Übernahmezeitpunkt an und zunächst nicht auf die gesamte Länge des Adoptionsprozesses. Es kann nun davon ausgegan- gen werden, dass Adopter mit einer höheren Innovationsbereitschaft die einzelnen Phasen des Adoptionsprozesses schneller durchlaufen, als jene mit niedrigerer. Hierbei ist aber zu bedenken, dass der Zeitpunkt des Beginns des Adaptionsprozesses nicht bei allen Mitgliedern des sozialen Systems der gleiche ist und daher auch eine Person, die den Prozess schnell durchläuft, aber später einsetzt, eine geringere ‚inno- vativeness’ aufweist und umgekehrt. Somit kann von der Innovationsbereitschaft nicht direkt auf die Länge des Adoptionsprozesses geschlossen werden.[14] Diese stark differenzierte Einteilung der Adopter wird in einer Reihe von Untersuchungen, insbesondere bei der Diffusionsmodellierung, nicht verwendet.[15] Dort wird lediglich eine Unterscheidung in Innovatoren, bzw. frühe Übernehmer und Imitatoren bzw. späte Übernehmer vorgenommen.[16] Charakteristisches Merkmal der ersten Gruppe ist, dass eine Übernahmenentscheidung autonom und unbeeinflusst von Adoptions- handlungen anderer erfolgt. Die Nachfolger, zeichnen sich durch die Nachahmung beobachteten Verhaltens aus und werden deshalb auch als Imitatoren bezeichnet. Imitation ist ein Phänomen beider Marktseiten. Darunter wird auch das „Nachzie- hen“ etablierter und neu hinzutretender Konkurrenten des Innovators durch Imitation des neuen Angebots verstanden. Auf der Abnehmerseite können sowohl Unterneh- men als auch Haushalte bzw. Konsumenten als Imitatoren früherer Übernehmer auf- treten.[17]

3.2.1. Determinanten des Diffusionsprozesses

Zur Erklärung der Innovationsbereitschaft werden in der Literatur unterschiedliche Determinanten genannt, die sich auf sozioökonomische, psychographische und ver- haltensorientierte Merkmale beziehen. Beispielhaft seien hier nur Eigenschaften wie Ausbildung; Beruf und Schichtzugehörigkeit, Rationalität, Intelligenz oder Selbst- vertrauen genannt. Verhaltensorientiert spielt vor allem das Informationsverhalten bzgl. Informationserwerb und -weitergabe eine Rolle.[18] Bei technischen Innova- tionen ist für die Forschung von besonderer Bedeutung die Gruppe der Innovatoren, die aufgrund ihrer Verhaltensweisen weitgehend mit den Meinungsführern in einem sozialen System gleichgesetzt werden und eine wichtige Rolle für die Kommunika- tion einer Innovation hinsichtlich der Folge-Adoptoren spielen.[19]

3.2.2. Die s-Kurve als Modell zur Beschreibung des Diffusionsprozesses im Zeit- verlauf

Rogers versteht unter dem Prozess der Diffusion “...the process by which an innova- tion is communicated through certain channels over time among the members of a social system…”[20] Ein besonderes Augenmerk wird dabei dem Faktor Zeit zuge- sprochen. Einmal ist von Interesse, aus welchen Gründen Adoptoren zu einem be- stimmten Zeitpunkt eine Innovation übernehmen, zum anderen, wie ein Anbieter Einfluss auf die Geschwindigkeit der Marktdurchdringung seiner Produkte nehmen kann.[21] Zur Beschreibung des Diffusionsverlaufs wird die Adoptionsrate herangezo- gen. Sie beschreibt wie viel Prozent der potentiellen Adopter eines sozialen Systems eine Innovation innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls übernommen haben. Dem- gegenüber legt Rogers die Zeitspanne von der Markteinführung bis zur Erreichung eines bestimmten Prozentsatzes zugrunde. Mit ihr sollen primär Aussagen bezüglich einer Innovation getroffen werden, die es ermöglichen, durch die Gegenüberstellung mit anderen Innovationen relative Vergleiche im Bezug auf die Ausbreitungs- geschwindigkeit in einem sozialen System zu treffen. In beiden Modelle beschreibt die Diffusionskurve einen s-förmigen Verlauf. Mathematisch betrachtet entspricht die Diffusionskurve einer kumulativen Darstellung der Adoptionskurve.[22]

Rogers und Shoemaker konnten diesen idealtypischen Verlauf bei über 3000 Bei- spielen feststellen, wobei es sich überwiegend um nicht industrielle Diffusionspro- zesse handelte.[23] Für den weiteren Fortgang ist jedoch primär der Diffusionsverlauf auf Herstellerebene von Bedeutung. Eine Analyse des Diffusionsverlaufs von 46 Produktinnovationen auf Herstellerebene erbrachte ähnliche Ergebnisse. Gort/Klepper konnten ebenfalls einen s-förmigen Verlauf des Zugangs von Innova- tionen auf Herstellerseite im Zeitverlauf beobachten.[24] Somit ist festzustellen, dass in Analogie zum Diffusionsprozess auf Nachfragerebene auf Herstellerebene zwingend mit dem Auftreten vom Imitatoren zu rechnen ist.[25] Bestrebungen, die Diffusions- geschwindigkeit auf der Konsumentenseite, z.B. durch Marketingaktionen, zu be- schleunigen, lassen für gewöhnlich die Annahme zu, dass der Innovator eine Penetrationsstrategie verfolgt. Dies hat darüber hinaus zum Ziel, den ‚return of in- vestment’ zu verbessern, Markteintrittsbarrieren gegen potentielle Verfolger zu errichten, bzw. sich rasch im neuen Markt zu etablieren. Marketingstrategien sind demnach durchaus geeignet, die Diffusionsrate bzw. das Diffusionspotential einer Neuerung zu beeinflussen, z.B. durch das Preis-Leistungs-Verhältnis oder die Er- hältlichkeit über den Handel, aber sicher nicht imstande die grundsätzliche Form des Diffusionsverlaufs abweichend von der S-Kurve zu verändern. Dies würde eine Än- derung der individuellen Adoptionsentscheidungsprozesse und des Interaktions- systems erfordern.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Diffusionskurve, Quelle: Pohl in Anlehnung an Rogers (1983), S. 95

Durch den S-förmigen Verlauf begründet steigt die Adoptionsrate im Zeitverlauf zunächst an, um nach dem Tangentialpunkt wieder abzunehmen. In ihrem Endpunkt ist die Sättigungsmenge erreicht.

3.3. Marktbezogene Betrachtung der Diffusion

Die Diffusionserscheinung lässt sich auch bezogen auf ein Marktphasenschema interpretieren, wobei von einer Neuerung ausgegangen werden kann, die im Verlauf des Marktphasenschemas diffundiert. Die erste Phase stellt der Vormarkt da, der die Tätigkeiten bis zur Invention umfasst. Sind Probleme wie Produktion und Distribu- tion gelöst, tritt die Vormarktphase aus dem technischen in das ökonomische Sta- dium. Die Markteinführung (innovation) markiert den Beginn des latenten Marktstadiums und den Beginn der Diffusion. Die Neuerung wird zuerst in Bereichen eingesetzt, in denen keine anderen Alternativen zur Verfügung stehen und wo die Höhe des Preises keine Rolle spielt. Die Erstübernehmer zählen überwiegend zur Gruppe der Pioniere, wobei die meisten potentiellen Adopter in der Innovation noch keine überlegene Alternative zu herkömmlichen Problemlösungen sehen. Erfahrun- gen die in der Latenzphase gesammelt werden, können bei gleichbleibenden Perio- denumsätzen allmählich zu Preisrückgängen und Qualitätsverbesserungen führen, womit eine „Zündung der Nachfrage“ einhergehen kann. Interessenten suchen den Produzenten auf, um sich über das neue Produkt oder Verfahren informieren zu lasen. Zu einem kräftigen Anstieg und einem Beginn der Expansionsphase kommt durch das Adoptionshandlungen der frühen und späten Mehrheit, die durch Nachah- mung Risiko antizipieren. Die Anbieter müssen durch rasches Kapazitätswachstum dem zügigen Wachstum der Nachfrage entgegenkommen. Durch steigende Gewinn- und Absatzchancen, werden weitere Anbieter angelockt, was zu einem verstärkten Anbieterwettbewerb um Absatzgebiete und Abnehmer führt. Sind auch angrenzende Absatzsegmente für die Innovation ausgeschöpft, läuft der expansive Prozess aus, wobei sich der technologische Fortschritt in der Branche weiter verlangsamt.. Die Wachstumsraten sinken, bei weiterhin zunehmenden Produktions- und Absatzzah- len. Die Adpoter dieser Phase gehören überwiegend der späten Mehrheit an. Konkur- renten mit überlegeneren Leistungen treten auf und setzen somit die Gewinne der Anbieter unter Druck. Die Stagnationsphase ist geprägt durch wettbewerbsbeding- ten Preisverfall, der ursächlich auf die zurückgehende Nachfrage bei gleichzeitigem Vorliegen von Überschusskapazitäten zurückzuführen ist. Bei intensivem Wettbe- werb sind auch „schädliche“ Prozesse, wie die ruinöse Konkurrenz nicht auszu- schließen. Häufig ist der spätere Verlauf technischer Innovationen von Konzentra- tionsprozessen begleitet. Die Kontraktionsphase ist dadurch gekennzeichnet, dass die etablierte Innovation durch neue, überlegene abgelöst werden. Es wird zu einer De- diffusion im Markt kommen. Parallel zur Marktentwicklung läuft die Entwicklung einer Branche bzw. Industrie, die die Innovation bereitstellt.[27]

Gerade bei technischen Innovationen liegen die Gründe für die Länge des individu- ellen Entscheidungsprozesses, der sich in Risiko- bzw. Innovationsbereitschaft äußert, stärker im Produkt selbst begründet. Als von besonderer Relevanz werden die Faktoren „Relativer Vorteil“, „Kompatibilität“, „Komplexität“, „Erprobbarkeit“ und „Kommunizierbarkeit“ genannt.[28] Andere Theorien stellen Konkurrenzprodukte oder die Variable Zeit als Bestimmungsgründe für die Ausbreitung von Innovationen in den Vordergrund[29].

3.4. Wettbewerbsbezogene Betrachtung der Diffusion

Das elementare Medium im Diffusionskontext ist Information und Kommunikation. Eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von Neuerungsinformationen spielt der Wettbewerb, der als gesellschaftliche Veranstaltung aufzufassen ist Daraus kann man schließen, dass indirekt der Wettbewerb einen Einfluss auf das Diffusionsgeschehen hat. Unter Wettbewerbsbedingungen bestimmt sowohl das Ausmaß der lohnenden Innovationen als auch der Imitationen von Konkurrentenseite die Intensität des Wettbewerbs. Es ist nun von Interesse, in welcher Weise der Wettbewerb die Diffu- sion beeinflusst. Für den weiteren Verlauf der Ausführungen sind vor allem die dif- fusionsfördernden Faktoren von Bedeutung. Als besonders stimulierend wirkt die Sogwirkung, die von Zusatzgewinnen ausgeht. Es erfolgt eine rasche Imitation auf Konkurrentenebene, und eine schnelle Übernahme der Unternehmensabnehmer und Konsumenten. Durch fortlaufende Übernahmeakte steigt der Anpassungsdruck auf noch zögernde potentielle Adoptoren, die schließlich nachziehen und somit die Dif- fusion vorantreiben. Hoher Wettbewerbsdruck auf Absatzmärkten kann bei Abneh- merunternehmen andererseits zu Übernahmezwängen bei Produkten führen, denen sie aus technologischen oder wirtschaftlichen Gründen eher skeptisch gegenüberste- hen. Ein ähnliches Verhalten weisen potentielle Konkurrenten innovierender Unter- nehmen durch Imitation deren Neuerungen auf. Wettbewerb steigert die Risiko- akzeptanz und dadurch die Wahrscheinlichkeit unüberlegter Adaptionen. Ein Grund für die Förderung der Diffusion durch Wettbewerb ist zudem, dass die hohe Reak- tionsverbundenheit bei wirksamen Wettbewerb zu einem gesteigerten Informations- verhalten führt. Tritt diese Tatsache zusammen mit den Bemühungen eines durch niedrige Marktschranken bedrohten Erstanbieters, seine starke Marktstellung mit einer Expansion gerichteten Politik zu verteidigen, so führt die zu einer Beschleuni- gung der Diffusion.

Innovationen verfolgen keinen Selbstzweck, sie orientieren sich stets an der Erfül- lung wirtschaftlicher und sozialer Ziele. Die wirtschaftlichen Ziele sind im Kern auf die Ergebnisse der Produktion in Form von Qualität und Kundennutzen ausgerichtet. Zur Zielerreichung dienen dabei in erster Linie Produktinnovationen als auch im geringeren Umfang Prozessinnovationen, Marketinginnovationen oder die Verbes- serung des Vertriebsnetzes. Ebenfalls durch Produkt- und Prozessinnovationen las- sen sich die Kosten der Produkte und Prozesse reduzieren[30]. Ein zunehmend kriti- scher Aspekt der Innovation ist der Zeitpunkt ihres Markteintritts und die Dauer des Innovationsprozesses.[31] Die Zeit hat sich zu einem bedeutenden Wettbewerbsfaktor entwickelt, vor allem in Bezug auf Produkt-/ Innovationszyklen und die Amortisa- tionszeiten (pay-off-Perioden), die nicht unerheblich die Relation zwischen Aufwand und Ertrag beeinflussen. Auch hier wirkt also ein den Diffusionsprozess beschleuni- gender Effekt.

Wie bei der Beschreibung des Innovationsprozesses schon erwähnt, ordnen sich diese Ziele den strategischen Unternehmenszielen unter, wobei das Hauptziel im langfristigen Unternehmenserfolg liegt, der wiederum maßgeblich durch die Innova- tionstätigkeit beeinflusst wird. Diese These Schumpeters basiert auf der Annahme, dass der Innovator für eine gewisse Zeit eine Monopolstellung inne hat, die ihm er- möglicht, Pioniergewinne zu erwirtschaften, die über der Höhe der durchschnittli- chen Gewinne liegen.[32] Die Initiierung der Innovation geht also von demjenigen aus, der erhoffen kann, sich Innovationsgewinne anzueignen.[33] Unternehmen, die ein Produkt als erste einführen, können mit einer durchschnittlichen Kapitalrendite über vier Jahre von fast 23% rechnen.[34] Gefährdend für den Innovationserfolg bzw. die Abschöpfung von Innovationsgewinnen ist die Diffusion von Innovationen auf Her- stellerebene. Werden Wettbewerber auf die Innovation aufmerksam gemacht, so werden sie versuchen, mit ähnlichen Produkten auf den Markt zu treten. „Der Pioniergewinn besitzt somit eine Anreizfunktion zur Imitation“.[35] Dabei ist bezüglich des Diffusionsprozesses zwischen frühen und späten Imitatoren zu unterscheiden[36]

Erwartet der Innovator eine Imitation seiner Neuerung, so wird er mit der Abnahme seines errungenen Vorsprungs und ggf. mit dem dauerhaften Verlust von Marktan- teilen rechnen. Er wird, wie oben erwähnt, sich um eine schnelle Entwicklungszeit und die rasche Markteinführung bemühen. Dieses Verhalten ist nach Kaufer nicht zu erwarten, wenn die Zahl der potentiellen Konkurrenten sehr groß ist, weil dadurch die Reaktionsverbundenheit der Anbieter schwindet. Das wiederum verlangsamt den Diffusionsprozess. Neben der Hervorbringung von Neuerungen durch Innovationen ist volkswirtschaftlich vorrangig deren Ausbreitung wichtig. Einzelwirtschaftlich wird im Wettbewerb aber Forschung und Entwicklung nur finanziert werden können, wenn diesen Erträge in einer Höhe gegenüberstehen, die mindestens der besten alter- nativen Mittelverwendung entsprechen. [37] Der Unternehmer will möglichst lange seinen Vorsprunggewinn halten. Diesen Vorteil wird er aber nur so lange inne haben, so lange er zumindest teilweise den Kunden daran partizipieren lässt und kein Kon- kurrent auftritt, der nicht zumindest ein gleichwertiges Angebot bereitstellt (Schumpeter’sches Leistungsmonopol). Neben dem Erscheinen besserer Innovatio- nen wird seine Stellung auch durch Imitationen bedroht.[38]

3.5. Imitation von Innovationen als Folge der Diffusion

Es bestehen zahlreiche Kanäle, über die ein potentieller Imitator Wissen über eine Innovation erlangen und somit dem Innovator den Lohn seiner innovativen Tätigkeit streitig machen kann. Im Bereich der Produktinnovationen gibt das Produkt, sobald es auf den Markt gekommen ist, selbst Aufschluss über seinen innovativen Gehalt: Die rein physische Untersuchung und Analyse des Produkts gibt dem Imitator erste Anhaltspunkte über die Beschaffenheit und Zusammensetzung der Produktneuheit. Ist der Innovator auf Lieferanten angewiesen, stehen diese, sofern sie nicht an Ge- heimhaltung gebunden sind, als weitere Informationsquelle für den Imitator zur Ver- fügung. Schließlich kann durch Abwerbung des an der Innovation beteiligten Personals ein Know-How-Transfer zugunsten des Imitators entstehen.[39] So reicht die bloße Tatsache, Erstanbieter zu sein nicht aus, um sich nachhaltig am Markt gegenüber Konkurrenten zu behaupten, oder sogar die oben genannt Kapitalrendite des Innovators zu realisieren. Aufgrund dieser Unsicherheiten, die sich für den Innovator bezüglich der Realisierung eines Pioniergewinnes ergeben, erlangt der Schutz vor Nachahmung eine bedeutende Rolle.[40]

4. Schutzmechanismen für die Innovation

Einen wesentlichen Einfluss auf das Ausmaß der Konkurrenz haben Markteintritts- barrieren: Ihr Vorliegen bzw. ihre Errichtung führen dazu, dass die Konkurrenten- /Imitatorenzahl nicht oder nur gering steigt. Auf der anderen Seite ermöglichen sie demjenigen Unternehmer, der diese Barrieren als strategisches Wettbewerbsinstru- ment einsetzt, die Erzielung überdurchschnittlicher Erträge.[41] Können diese Barrie- ren vom Imitator überwunden werden, hat die Imitation Aussicht auf Erfolg.

4.1. Markteintrittsbarrieren

Bei Schewe findet man ein Schema, das einen Ansatz Porters zu Markteintrittsbarrieren weiterführt. Als bedeutendste Barriere werden die „economies of scale“ - Vorteile genannt. Sie ermöglichen in erster Linie Kostenvorteile durch hohes Produktionsvolumen und dadurch bedingt geringe Stückkosten.[42] Dem innovierenden Unternehmen eröffnen sich dadurch größere Spielräume in der Preispolitik.[43] Außerdem besteht bereits ein leistungsfähiges Vertriebsnetz.

Durch den Aufbau von Abnehmer-Loyalitäten kommen dem Innovator Produkt- differenzierungsvorteile zu Gute. Vorraussetzungen dafür sind Branchen, die einen hohen Produktdifferenzierungsgrad aufweisen. Unterstützend wirken Aktivitäten des Innovators in angrenzenden Märkten. An den Innovator werden bezüglich des Niveaus seiner F- und E- Tätigkeiten, der Fähigkeit zur schnellen Markteinführung und Schaffung von Kundennähe, hohe Anforderungen gestellt.[44]

Als weitere Faktoren, die den Eintritt von Konkurrenten als Imitatoren auf dem rele- vanten Markt behindern, sind die Höhe der Umstellkosten genannt, die an der Schaffung neuer technologischer Standards anknüpft und somit eine Nicht-Kompati- bilität mit den Produkten anderer Hersteller schafft. Potentielle Imitatoren müssen in diesem Falle zusätzliche Mittel für die Umstellung auf das Produkt oder Verfahren aufwenden, das sich u.U. in weiterem Schulungsbedarf der Anwender und evtl. parallelen Serviceleistungen äußert.

Ebenfalls Zutrittsverhindernd kann der begrenze Zugang zu Distributionskanälen wirken. Als fördernd für diese Barriere gilt die begrenzte Anzahl der Kanäle, mit der ein Großteil des Marktes erreicht werden kann, langfristige Lieferverträge des Inno- vators und die begrenzte Aufnahmekapazität der einzelnen Kanäle. Eventuellen Nachzüglern würden Kosten für den Aufbau eines adäquaten Distributionssystems entstehen.[45]

Ein weiteres Hindernis beim Markteintritt kann der erforderliche Kapitalbedarf sein, der in Form von Investitionen vor dem Zutritt erbracht werden muss.[46] Schewe nennt weiterhin die Schaffung von Referenzen für den Innovator, die in persönlicher Form über Kontakte und die Bereitstellung von Referenzanlagen erfol- gen kann. Für den Imitator bedeutet das ein Nachziehen in den genannten Bereichen als direkte Komponenten und indirekt weitere Zugeständnisse in Service- und Ga- rantiebereich.

Eine besondere Bedeutung kommt der Barriere des technologischen Know-Hows zu, dessen Vorhandensein eine Notwendigkeit zur Entwicklung bzw. Nachahmung eines Produktes oder Verfahrens darstellt. Der zeitliche Aspekt spielt beim strategischen Timing des Marktzutritts vor allem bei frühen Folgern (second-to-market) eine große Rolle, da die Anforderungen an die flexible und erfahrene Forschung und Entwicklung, den Aufbau der Produktion und die rasche Mobilisierung von Kapital für einen Eintritt in der frühen Wachstumsphase, sehr hoch sind.[47]

Ein weitere Möglichkeit ist die Nutzung des Gewerblichen Rechtsschutzes (hier v.a. Patentrecht), die zunächst eine Imitation unmöglich machen. Dieser rechtliche Aspekt wird aufgrund der hohen Bedeutung, die ihm in der Literatur zugewiesen wird, weiter unten gesondert behandelt.

In Schewes erweiterten Konzept der Markteintrittsbarrieren wird ferner das produktionstechnische Know-How erwähnt, welches dem Innovator Vorteile aus dem Bestand bereits existierender Produktions- und Fertigungsanlagen verschafft. Es kommt in diesen Unternehmen häufig zu Vorteilen aus Lerneffekten.

Als letztes wird die Barriere in Form von Präferenzen beim Nachfrager genannt, die durch Markterschließung erfolgt. Hohe Marketingaufwendungen etablierter Anbieter erschweren potentiellen Wettbewerbern den Markteintritt, wohingegen geringere Aufwendungen diesen Eintritt erleichtern.[48].

4.2. Gewerbliche Schutzrechte

Im Rahmen der gewerblichen Schutzrechte nimmt der Patentschutz gegenüber dem Gebrauchs- und Geschmacksmusterschutz sowie dem Markenschutz eine dominante Rolle ein.[49] Er soll daher im Folgenden ins Zentrum der Untersuchung von gewerblichen Schutzrechten hinsichtlich der Branchenentwicklung gestellt werden.

Patentanwärter ist derjenige, der eine Erfindung als erster anmeldet, in Deutschland zum Beispiel beim Deutschen Patentamt in München. Im Folgenden wird vom Pa- tentamt geprüft, ob die angemeldete Invention auf einer gezielten erfinderischen Tä- tigkeit beruht, sowie den Kriterien der „Neuheit“ und der „gewerblichen Anwend- barkeit“ entspricht.[50] Desweiteren ist im Patentierungsprozess achtzehn Monate nach der Einreichung des Antrags eine genaue Dokumentation der Erfindung zu veröffentlichen. Sie soll Außenstehenden einen Einspruch gegen die Erteilung des Patents ermöglichen.[51]

Erreicht das Patent Gültigkeit, so besteht der rechtliche Schutz für maximal 20 Jahre ab Einreichung des Patentantrags. Innerhalb dieses Zeitraumes fallen regelmäßige und stetig steigende Patentgebühren für den Halter des Patents an.[52]

4.3. Mögliche Auswirkungen des Patentrechts auf die Wettbewerbssituation innerhalb einer Branche

Das Patentrecht basiert auf der normativen Forderung, dass ein Inventor für die posi- tiven Effekte, die seine Tätigkeit auf den technologischen Wandel einer Branche hat, entlohnt werden soll. Demgegenüber stehen jedoch die möglichen Folgen, die die Gewährung eines Ausschließlichkeitsrechts durch die Einschränkung des Wettbe- werbs auf die Branche haben können. Daher ergibt sich folgende Problematik für die Wirtschaftspolitik:

„Zum einen darf der Nachstoß-Prozeß durch das imitierende Unternehmen nicht zu schnell erfolgen, um dem vorstoßenden Unternehmen für die markt- wirtschaftliche Verwertung seiner Innovationen einen angemessenen Frei- raum zur Verfügung zu stellen, und zum anderen darf sich der Prozeß nicht zu langsam entwickeln, um evt. Monopolgewinne nicht zu groß werden zu lassen...“[53]

Es hat sich jedoch die Meinung durchgesetzt, dass der Nutzen der innovativen Tätig- keit im Vergleich zu den Kosten, die durch Patentierung in Form von Wettbewerbs- verzerrungen innerhalb einer Branche entstehen, übersteigen.[54] Dennoch gibt es nach wie vor Kritiker und Befürworter der Patentierung. Letztere sehen im Patentschutz einen Stimulus für Innovation. Nur wenn neues technisches Wissen nicht frei ver- fügbar ist, besteht nach ihrer Ansicht der Anreiz, selbst innovativ tätig zu werden. Auch in der Rechtsliteratur hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass das Patentrecht einen leistungsgerechten Wettbewerb fördert und ihm somit Systemkonformität hinsichtlich der Wettbewerbsordnung attestiert werden kann.[55]

Kritiker des Patentrechts halten dessen Innovations-Anreizfunktion für überbewertet. Ihrer Meinung nach entstehen Erfindungen vor allem im Rahmen der routinemäßigen F- und E-Aktivitäten der Branchenmitglieder. Vielmehr sehen sie den Wettbewerb als Motor der Innovation und halten daher die Patentvergabe für unnötig bzw. sogar schädlich für die Branchenentwicklung.

„Insbesondere im Falle voraussichtlich relativ ertragsstarker technischer Er- findungen, die zu einem überlegenem technischen Produkt oder Verfahren führen, sowie bei geringer oder sehr schwieriger Imitationsmöglichkeit wird häufig die Auffassung vertreten, dass der Patentschutz keine wesentliche Wirkung und notwendige Voraussetzung für die ‚Abschöpfung’ der zuge- standenen Innovationsgewinne ausübt, sondern vermutlich nur eine zusätzlich unterstützende Wirkung für die Festigung der ausschließlichen Vermark- tungsposition hat womit die konstitutiv gegebenen Wirkkräfte in Richtung Unternehmens-Umsatz-Konzentration noch verstärkt werden.“[56]

Tendenziell ist zu beobachten, dass vor allem die Lizenzvergabepraxis unter großen Unternehmen hohe Markteintrittsbarrieren herbeiführt. Auch ist anzunehmen, dass die Patentierung die Wettbewerbsposition gerade jener Unternehmen stärkt, die ohnehin eine sichere Stellung in der Branche einnehmen.[57]

4.3. Der tatsächliche Einfluss der Schutzmechanismen auf die Imitationsentscheidung

Die oben skizzierten Mechanismen zur Abwehr von Imitationen haben nach einer Studie von Schewe nicht den Effekt, der ihnen theoretisch zugestanden wird. Als besonders hinderlich für den Markteintritt erwies sich im Zusammenhang mit einer Imitationsentscheidung die Tatsache, dass sich das Innovationsobjekt durch eine be- sonders hohe Komplexität auszeichnete, die sich in einer langen Entwicklungsdauer, verbunden mit hohem Entwicklungsaufwand, äußerte. Auch die Tatsache bestehen- der Kundenbindung und das Vorhandensein von Distributionskanälen scheinen einen potentiellen Imitator eher abzuhalten. Entgegen der theoretischen Erwartungen scheint die Economies-of-Scale-Barriere hingegen sogar noch zur Imitation zu ermuntern und den Imitator dazu zu verleiten, seine eigenen Größenvorteile auszunutzen.[58] In zwei Drittel der beobachteten Fälle war der Imitator größer als der Innovator.[59] Auch scheint der gewerbliche Rechtschutz entgegen aller Erwartungen eher zur Imitation aufzufordern als davon abzuhalten.[60]

Die Wirkung von gewerblichen Schutzrechten auf die Branchenentwicklung ist von zahlreichen Faktoren abhängig, von denen im Rahmen dieser Arbeit nur einige we- nige herausgegriffen werden können. Empirische Untersuchungen in der elektrotech- nischen Industrie und dem Maschinenbau haben ergeben, dass mit zunehmender Größe die Fähigkeit zur Hervorbringung von Innovationen und damit auch ihrer Pa- tentierung wächst.[61] Auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Innovation zum Patent angemeldet wird, hängt dabei nicht unmaßgeblich von der Größe des Unternehmens ab, das die Neuerung hervorgebracht hat.[62] Desweiteren lassen sich in der Häufigkeit von Patentanmeldungen sowohl Unterschiede zwischen Prozess- und Produktinno- vationen, als auch branchenspezifische Verschiedenheiten erkennen: Während sich der Patentschutz für Produktinnovationen, z.B. in der chemischen und pharmazeuti- schen Industrie als äußerst sinnvoll erwiesen hat, wird demgegenüber im Bereich der Prozessinnovationen vor allem auf den Schutz durch Geheimhaltung vertraut. Schließlich ist die Tatsache, dass Unternehmen oftmals von der Möglichkeit der Pa- tentierung einer Innovation Abstand nehmen, auch auf die lange Bearbeitungsdauer im Prozess der Patentierung zurückzuführen, da der Schutz bei relativ kurzen Pro- duktlebenszyklen im Zweifelsfall zu spät wirksam wird.[63]

Der gewerbliche Schutz wird daher vor allem in Anspruch genommen,

„...(1) wenn das zu schützende Wissen in Produkte eingeht, statt daß es lediglich in Prozessen zur Anwendung kommt, (2) je unzureichender die faktischen Schutzmaßnahmen sind, (3) je länger die voraussichtliche Nutzungsdauer des neuen Wissens sein wird.“[64]

Als generelle Tendenz stellt Brockhoff die Strategie der Geheimhaltung bei innovativen Marktbeherrschern und Prozessinnovatoren fest und die der Patentierung bei jungen Markteroberern und Allround-Forschern.[65]

5 Schlussbetrachtung

Im Zuge dieser Arbeit ist gezeigt worden, dass zahlreiche Einflussgrößen auf die Diffusion und auf die sie begründende Adoption von Innovationen einwirken. Ferner ist darauf eingegangen worden, dass die Diffusion nicht nur die Erscheinung des Pioniergewinns, der als treibende Kraft für die Innovationstätigkeit gilt, sondern auch das Auftreten imitierender Konkurrenz und die Markt - bzw. Branchenentwicklung in ihren Verlauf aufzeigen kann. Maßnahmen, die Imitationshürden in Form von Markteintrittsbarrieren errichten, sind skizziert worden. Letztendlich bieten aber auch diese keinen langfristigen vor Schutz vor den Kräften des Wettbewerbs. Im Rahmen dieser Arbeit können nur einzelnen Determinanten des Spannungsfeldes „Diffusion von Wissen versus Schutz des geistigen Eigentums“ aufgezeigt werden. Anhand dieser wird jedoch deutlich, dass dabei ganz spezifische Abhängigkeiten wirksam werden, deren Untersuchung im Rahmen zukünftiger, auf empirisches Da- tenmaterial gestützter und auf einzelne Branchen ausgerichteter Arbeiten wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung dieser Branchen bringen werden.

Literatur

Bodenstein, Gerhard (1988): Diffusionsforschung, in: Marketing, 8. Juni 1988, S. 1-53.

Brockhoff, Klaus (1999): Forschung und Entwicklung: Planung und Kontrolle, 5. Aufl., München u.a. 1999.

Gierl, Heribert (1987): Schriften zum Marketing, Bd. 21, Die Erklärung der Diffusion technologischer Produkte, Berlin 1987.

Gort, M. / Klepper, S. (1982): Time Paths in the Diffusion of Produkt Innovations, in: The Economic Journal 92 (1982), S. 630 - 653.

Greipl, Erich / Täger, Uwe (1982): Schriftenreihe des IFO-Instituts für Wirtschaftsforschung, Nr. 109, Wettbewerbswirkungen der unternehmerischen Patent- und Lizenzpolitik, Berlin u.a. 1982.

Hauschildt, Jürgen (1997): Innovationsmanagement, 2. Aufl., München 1997.

Herzoff, Sabine (1991): Gründung, Innovation und Beratung, Bd. 15, Innovations-Management: Gestaltung von Prozessen und Systemen zur Entwicklung und Verbesserung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen, Berg. Gladbach u.a. 1991.

Kaufer, Erich (1989): Fundamentals of pure and applied economics, vol. 30, The Economics of the Patent System, Chur u.a. 1986.

Kortmann, Walter (1995): Europäische Hochschulschriften: Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft, Bd. 1646, Diffusion, Marktentwicklung und Wettbewerb: eine Untersuchung über die Bestimmungsgründe zu Beginn des Ausbreitungsprozesses technologischer Produkte, Frankfurt u.a. 1995.

Kroeber-Riel, Werner / Weinberg, Peter (1996): Konsumentenverhalten, 6. Aufl., München 1996.

Pleschak, Franz / Sabisch, Helmut (1996): Innovationsmanagement, Stuttgart 1996. Pohl, Alexander (1996): Leapfrogging bei technologischen Innovationen: ein Erklärungsansatz auf Basis der Theorie des wahrgenommenen Risikos, Wiesbaden 1996.

Porter, Michael E. (1999): Wettbewerbsstrategie, 7. Aufl., Frankfurt am Main 1999.

Rogers, Everett M. / Shoemaker F. Floyd (1971): Communication of Innovations: A Cross-Cultural Approach, 2. Aufl., New York u.a., 1971.

Rogers, Everett M. (1983): Diffusion of innovations, 3. Aufl., New York u.a. 1983. Schewe, Gerhard (1992a): Die Innovation im Wettbewerb. Werden bestimmte Innovationen häufiger imitiert als andere?, in: ZFB-Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 62. Jg. (1992), H. 9, S. 967 - 988.

Schewe, Gerhard (1992b): Management von Forschung, Entwicklung und Innovation, Bd. 10, Imitationsmanagement: Nachahmung als Option des Technologiemanagements, Stuttgart 1992.

Vahs, Dietmar / Burmester, Ralf (1999): Innovationsmanagement: von der Produktidee zur erfolgreichen Vermarktung, Stuttgart 1999.

Abbildungen

Abb. 1: Adopter-Kategorien auf der Basis der Innovationsbereitschaft, Quelle: Pohl (1996), S. 51.

Abb. 2: Diffusionskurve Quelle: Pohl (1996), S. 55.

[...]


[1] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S. 24 f.

[2] Vgl. Vahs/Burmester (1999), S. 82 ff.

[3] Vgl. Vahs/Burmester (1999), S. 90 ff.

[4] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S. 25 und S. 205 f.

[5] Vgl. Kortmann (1995), S. 12.

[6] Vgl. Brockhoff (1999), S. 37.

[7] Vgl. Rogers (1983), S. 5.

[8] Vgl. Pohl (1996), S. 46, vgl auch Gierl (1987), S. 24.

[9] Vgl. Herzoff (1991), S. 12.

[10] Vgl. Pohl (1996), S. 47.

[11] Vgl. Bodenstein (1988), S. 24 ff.

[12] Rogers (1983), S. 163 ff.

[13] Vgl. Bodenstein (1988), S. 24ff.

[14] Vgl. Pohl (1996), S. 50ff.

[15] Vgl. Schewe (1992a), S. 37 ff.

[16] Vgl.Pohl (1996), S. 53.

[17] Vgl. Kortmann (1995), S. 21.

[18] Vgl. Bodenstein (1988), S. 24ff., vgl. auch Rogers (1983), S. 247 f.

[19] Vgl. Kroeber-Riehl/Weinberg (1996), S. 632.

[20] Rogers (1983), S. 5., Hervorhebungen vom Verfasser der Arbeit

[21] Vgl. Gierl (1987), S. 24.

[22] Vgl. Pohl (1996), S. 53.

[23] Vgl. Rogers/Shoemaker (1971), S. 185.

[24] Vgl. Gort/Klepper (1982), S. 638 ff.

[25] Vgl. Schewe (1992a), S. 38.

[26] Vgl. Kortmann (1995), S.82 ff., Hervorhebungen vom Verfasser der Arbeit

[27] Vgl. Kortmann (1995), S. 210ff., Hervorhebungen vom Verfasser der Arbeit

[28] Vgl. Pohl (1996), S. 59 ff.

[29] Vgl. Gierl (1987), S. 36ff.

[30] Kostensenkungen können dort vor allem durch Reduzierungen des Ressourcenverbrauchs (Senkung der Lohnkosten durch Automatisierung, Reduzierung des Energieverbrauchs, Senkung der Materialkosten etc.), aber auch Verringerung der Ausfallkosten und Verbesserung des Preis- Leistungsverhältnis bei Erzeugnissen erzielt werden.

[31] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S. 85.

[32] Vgl. Schewe (1992b), S. 968.

[33] Vgl. Brockhoff (1999), S.42.

[34] Vgl. Vahs/Burmester (1999), S.12.

[35] Vgl. Schewe (1992b), S. 968.

[36] Vgl. Schewe (1992b), S. 39.

[37] Vgl. Brockhoff (1999), S. 93.

[38] Vgl. Kortmann (1995), S.108 ff.

[39] Vgl. Porter, Michael (1999), S. 232 f.

[40] Vgl. Porter, Michael (1999), S. 233.

[41] Vgl. Kortmann (1995), S.108 ff.

[42] Vgl. Hauschildt (1997), S. 61 ff., Hervorhebungen vom Verfasser der Arbeit

[43] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S. 85.

[44] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S. 85.

[45] Vgl. Hauschildt (1997), S. 61 ff., Hervorhebungen vom Verfasser der Arbeit

[46] Vgl. Schewe (1992b), S. 982.

[47] Vgl. Schewe (1992a), S 47.

[48] Vgl. Schewe (1992a), S. 112.

[49] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 70.

[50] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 29.

[51] Diese Regelung hat aber auch zur Folge, dass eventuelle Konkurrenten des Inventors detailliertes Wissen über seine Neuerung erlangen. Paradoxerweise kann also gerade die Patentierung einer Invention Wege der Imitation eröffnen: Zum einen dadurch, dass ein potentieller Imitator Kenntnis von der Neuerung erhält und im folgenden mit dem Angebot der Lizenznahme an den Inventor herantritt, zum anderen dadurch, dass er aufgrund des Wissens über die Invention Wege der Patentumgehung findet. Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 29.

[52]. Vgl. Kaufer (1989), S. 12.

[53] Greipl/Täger (1982), S. 27.

[54] Vgl. Kaufer (1989), S. 9.

[55] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 22.

[56] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 32.

[57] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 42.

[58]Vgl. Schewe (1992a), S. 211

[59] Vgl. Hauschildt (1997), S. 65f. [60]Vgl. Schewe (1992a), S. 211

[61] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 47.

[62] Große Unternehmen verfügen zumeist über eine eigene juristische Abteilung, so dass sie im Gegensatz zu kleineren Unternehmen nicht die extrem hohen Kosten für Patentanwälte in ihre Rentabilitätsüberlegungen einfließen lassen müssen. Darüber hinaus besteht für kleinere Unternehmen eine nur geringe Wahrscheinlichkeit, eventuelle Verstöße gegen das Recht auf exklusive Nutzung der Innovation tatsächlich auch in einem Verfahren durchsetzen zu können, da auch hier die Kosten enorm hoch wären. Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 56.

[63] Vgl. Greipl/Täger (1982), S. 56.

[64] Brockhoff, Klaus (1999), S. 100 f. Faktische Schutzmaßnahmen sind für Brockhoff in diesem Zusammenhang „konstruktive Vorkehrungen an Produkten“ und „Geheimhaltung von Prozessen und Formeln“, vgl.: Brockhoff (1999), S. 95.

[65] Vgl.: Brockhoff (1999), S. 101.

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Diffusion von Wissen versus Schutz des geistigen Eigentums
Note
1-
Autor
Jahr
2000
Seiten
23
Katalognummer
V96667
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Diffusion von Wissen versus Schutz des geistigen Eigentums" - mit dieser Gegenüberstellung wird ein Spannungsfeld sichtbar, das sich aus den einander entgegenwirkenden Kräften, die im Zuge des technologischen Wandels wirksam werden, ergibt. Die für die Entwicklung einer Branche notwendige und gewünschte Ausbreitung von Innovatio! nen bildet in diesem Spannungsfeld einen Pol, die den Interessen des innovierenden Unternehmers entgegenstehen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen einzelne Determinanten, die dieses Spannungsfeld bestimmen, untersucht werden.
Schlagworte
Diffusion, Wissen, Schutz, Eigentums
Arbeit zitieren
Martin Gomolka (Autor), 2000, Diffusion von Wissen versus Schutz des geistigen Eigentums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96667

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