Vom weiten Weg ins Heilige Land. Eine kritische Analyse spätmittelalterlicher Reiseberichte über den Alltag auf Pilgerschiffen


Bachelorarbeit, 2019

46 Seiten, Note: 15/20


Leseprobe

Inhalt

Danksagung

Einleitung

Fragestellung

Das Evagotorium des Bruders Felix Fabri

Hans VI. Tucher

“Peregrinatio in terram sanctam” von Bernard von Breydenbach

Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land

Der Unbekannte Niederadlige aus Bayern

Der Ritter Arnold von Harff

Auswertung

Literaturverzeichnis

Danksagung

In diesem Teil möchte ich zuerst meinem Betreuer Prof. Martin Uhrmacher danken, der mich von Anfang an unterstützt hat und mir zahlreiche Ideen gegeben hat, die mir bei der Zusammenstellung meiner Bachelorarbeit sehr geholfen haben.

Ebenso bin ich Prof. Dr. Thomas Ertl von der Freien Universität Berlin sehr dankbar, der ein tolles Seminar über „Travelling to the Holy Land after 1291“ gehalten hat. Dieser Kurs hat mich sehr begeistert und motiviert, um meine Bachelorarbeit in diesem Bereich zu schreiben.

Des Weiteren möchte ich mich bei der Universität Luxemburg bedanken, durch die ich die Möglichkeit erhalten habe, eine solche Arbeit aufzustellen.

Letztens möchte ich mich bei meiner Familie und hauptsächlich bei meinen Eltern bedanken. Vielen Dank für die finanzielle Unterstützung und euren motivierenden Beistand während meines gesamten Studiums.

Einleitung

Im späten Mittelalter waren die Wall- und Pilgerfahrten zu heiligen Orten ein Zeichen von Frömmigkeit und eine Folge des allgemeinen Heiligen- und Reliquienglaubens. Dies weist darauf hin, dass das Mittelalter stark durch Wallfahrten geprägt wurde.1 Jedoch entstanden diese Pilgertraditionen nicht erst im Mittelalter, schon in der Antike, bei den Römern und Griechen pilgerten die Menschen. Zu dieser Zeit unternahm man Pilgerfahrten nach Delphi, um beispielsweise das Orakel aufzusuchen und um Rat zu fragen. Somit kann man schon in der Antike vom Phänomen des Pilgerns sprechen. Die christlichen Wallfahrtstraditionen des Mittelalters haben ihren eigentlichen Ursprung schon im Judentum. Auch im Islam gilt die „Haddsch“ als wichtiger Bestandteil des Glaubens.2 Als „Haddsch“ wird die islamische Pilgerfahrt nach Mekka bezeichnet, die jeder Moslem wenigstens einmal in seinem Leben unternehmen soll.3 Im 4. Jh. n. Chr. entwickelten die frühen Christen den Wunsch, Jesus „au lieu où marchèrent ses pieds“4 anzubeten, also überall dort, wo seine Füße ihn hingetragen hatten. Die Menschen wollten damals auf denselben Wegen wie einst Jesus gehen, um Ihm so näher zu sein.

Die religiöse Symbolik der Pilgerfahrt ist in der Bibel zunächst durch die Wallfahrten der diversen Patriarchen wie Abraham, Isaak und Jakob dokumentiert. Sie reisten nach Sichem und Mamre, wo Gott sich ihnen anvertraute und offenbarte.5 Schon damals wurden Ausgangspunkte für das christliche Pilgerwesen gelegt und somit besuchte man anfangs „Stätten des Wirkens Jesu“6, um sie auf diese Weise zu achten und zu verehren.

Jerusalem, die Heilige Stadt, ist eines der wichtigsten Pilgerziele der drei großen Weltreligionen. Ab dem 12. Jahrhundert wurde Jerusalem auch auf den christlichen Weltkarten als das Zentrum der Welt dargestellt.7 Jerusalem wurde als „umbiculus mundi“, als der „Nabel der Welt“ bezeichnet. Die Stadt galt demzufolge als der Mittelpunkt der christlich geprägten mittelalterlichen Welt.8 Heutzutage gilt nicht nur Jerusalem allein als wichtiges Pilgerziel. Im Laufe der Zeit gewannen auch andere Städte eine größere Bedeutung.9 Die „peregrinationes maiores“ des Mittelalters, waren die klassischen Pilgerorte mit überregionaler Bedeutung: Jerusalem, Santiago de Compostela und Rom.10 Im 11. - und 12. Jahrhundert wurde der Reliquienkult und das Pilgerwesen von der christlichen Kirche so stark gefördert, dass es zu einem erneuten Aufschwung der Wallfahrten kam. Durch neue Bußpraktiken und die damit verbundenen Heilsverheißungen wurde das Pilgerwesen begünstigt.11 Letzteres wurde auch durch das Reformpapsttum und die Gottesfriedensbewegung der damaligen Zeit gestärkt. Doch die Kreuzzüge des 11. und 13. Jahrhundert brachten ein neues Element der Pilgerfahrt nach Jerusalem: die militärischen Kampfhandlungen im Namen Gottes und des christlichen Glaubens. Die Kreuzzüge wurden als Pilgerfahrten mit einem Doppelcharakter bezeichnet.12 Es entstanden in der Folgezeit weitere wichtige Pilgerziele wie Venedig und Köln, weil der Fall von Akkon im Jahr 1291 das Pilgern ins Heilige Land für eine Zeit lang unmöglich gemacht hatte. Das religiöse Zentrum der Welt befand sich nun vollständig in muslimischen Händen.13 Bis ins Jahr 1517 stand Jerusalem unter der Herrschaft der Mameluken, die von Konrad Grünemberg wie folgt beschrieben werden: „Warent der mertail verlognet christen, haist man dort mameluken. Die hatend lang wis schuben und gros wis hullen uff und schwarze bärt, aber undern angesichten nit so schwarcz, als die indischen moren.“14 Sie werden als verleugnete Christen bezeichnet. Dies ist auch der Grund warum mehr Pilgerberichte aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert erhalten sind.15 Denn die Mameluken waren der Meinung, dass das Heilige Land ausschließlich das Recht der muslimischen Welt war. Diese religiöse Intoleranz sorgte für eine negative Haltung der Mameluken bezüglich Pilgerreisen der Christen nach Palästina.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts nahm die Zahl der Pilger und Pilgerreisen auf Grund des ausgeweiteten Handels und der verbesserten Verkehrswege rasant zu16 und so kam es dazu, dass sich das Pilgerwesen weiter entwickelte und die Gruppen von Menschen, die eine Reise aus religiösen Gründen unternahmen und sich dabei die unterschiedlichen Reiseverkehrsmittel der damaligen Zeit zunutze machten, immer größer wurden.17

Der Begriff Wallfahrt stammt vom Wort „wallen“ ab, was so viel bedeutet wie „das Reisen in die Fremde“.18 Der Begriff Pilgerfahrt oder „peregrinatio“ wird öfters als Synonym benutzt. Anders als heutzutage war der Weg zu den Pilgerstätten sehr anstrengend und gefährlich. Die zahlreichen Pilgerberichte, die im späten Mittelalter veröffentlicht wurden, waren eine wichtige Reisebegleitung der Pilger und gewährten ihnen einen Einblick auf das, was sie am Ziel erwartete. Trotz der zahlreichen Gefahren verließen die Pilger ihre vertraute Umgebung und zogen in ferne Länder, die ihnen gänzlich fremd waren. Die Menschen des späten Mittelalters waren Teil einer mobilen Welt.

Gepilgert sind Männer, Frauen und sogar Kinder. Man hat die Pilgerfahrt in Gruppen oder individuell unternommen; reiche Personen/Familien sogar mit den Bediensteten.19 Angesichts der Gefahren, die auf den Straßen lauerten, reisten die Pilger möglichst in Gruppen, was es auch Armen, als Dienern erlaubte, einen wohlhabenden Herrn in die Ferne zu begleiten. Die Frauen waren weniger zahlreich als die Männer, aber auch sie unternahmen Pilgerreisen.20

Der Grund für eine Pilgerreise und die Motivation, diese zu bewältigen, war hauptsächlich religiös motiviert. Viele hatten den Wunsch, fremde, ferne und erstaunliche Dinge zu sehen und zu erleben, auch wenn dies nicht oft eingestanden wurde. Hierbei wird von abenteuerlustigen Pilgern gesprochen. „Einige Historiker gehen davon aus, dass es meist eine Kombination des religiösen Beweggrundes mit einer beabsichtigten Steigerung des sozialen Ansehens war. Andere wiederum sprechen von einem regelrechten „Sakraltourismus“, der gegen Ende des Mittelalters entstanden sei.“21

Ein weiteres Motiv ins Heilige Land zu pilgern war es, gerade für Adlige, sich in der Heiligen Stadt Jerusalem zum Ritter des heiligen Grabs schlagen zu lassen. Ebenso war die besondere gesellschaftliche Anerkennung, vor allem für die hochgeborenen Pilger, ein Motiv.22 Der Wallfahrer, der sich auf die Reise begab, wurde entweder durch seine persönliche Frömmigkeit, die Suche nach einem Heilungswunder oder den Wunsch, für seine Sünden zu büßen, motiviert.

Trotz der Kritik, die gegen eine Art "Pilgertourismus" ab dem 4. Jahrhundert formuliert wurde, hörte die Praxis des Pilgerns während des gesamten Mittelalters nicht auf. Sie stellte im Gegenteil vielmehr einen der wichtigsten Aspekte der Frömmigkeit jener Zeit dar. Ihre Bedeutung lässt sich im künstlerischen Bereich anhand von großen Heiligtümern und Wallfahrtsbasiliken messen, die vor allem entlang der Straßen nach Santiago de Compostela errichtet wurden. Auch im literarischen Bereich kann man die Wichtigkeit dieser Reisen messen. Beispielsweise anhand der zahlreichen Pilgerberichte, die uns von Klerikern, Laien, Adligen, Notaren und Händlern überliefert wurden.

Fragestellung

Im Folgenden setzt sich diese Bachelorarbeit mit solchen Pilgerberichten auseinander und konzentriert sich hauptsächlich auf den gelebten Alltag der Reisenden im Kontext eines besonderen Transportmittels: den Pilgerschiffen. Im Mittelalter gab es diverse Methoden, um eine Pilgerreise zu bewältigen. Die einfachste und kostengünstigste war es, zu Fuß zu gehen. Für einige weit entfernte Pilgerziele wie Jerusalem musste ein großer Teil der Reise allerdings auf dem Schiff gemeistert werden.

Diese Arbeit soll die Lebensbedingungen und Erfahrung der Reisenden an Bord solcher Pilgerschiffe beschreiben. Dazu werden einige Reiseberichte von bekannten Pilgern aus dem Mittelalter analysiert. Die Reiseberichte von Hans Tucher (1428-1491), Bernhard von Breydenbach (1440-1497), Felix Fabri (1441-1502), Konrad Grünemberg (1442-1494), Arnold von Harff (1471-1505) und eines wohl aus Bayern stammenden unbekannten Niederadligen werden in dieser Arbeit eine zentrale Rolle spielen. Diese Bachelorarbeit setzt sich mit diesen sechs Pilgern auseinander, da sie alle im 15. Jahrhundert geboren sind und somit alle mehr oder weniger zur gleichen Zeit gereist sind. Ebenso kommen diese sechs Pilgern aus unterschiedlichen sozialen Stämmen. Unter diesen sechs befinden sich Niederadlige, ein Kaufmann, ein Mönch und Ritter.

Die meisten der erhaltenen Reiseberichte geben nur sehr wenig über die Lebensbedingungen und Schwierigkeiten preis, mit denen sich die Pilger an Bord der Pilgerschiffe konfrontiert sahen. Die Themen, denen man in diesen Berichten am häufigsten begegnet, handeln von den heiligen Orten oder den Grabstätten verschiedener Heiliger, die man unterwegs besichtigen sollte. Nur äußerst selten wird über die Reisevorbereitung, die Überfahrt und das Leben an Bord geschrieben. Man kann davon ausgehen, dass die Verfasser dieser Berichte es nicht für wichtig gehalten haben, auf diese Aspekte einzugehen. Die Bedingungen, Schwierigkeiten und Gefahren, denen die Pilger während der Reise begegnen konnten, waren für die damaligen Pilger dennoch genauso relevant wie die Besichtigung der heiligen Stätten. Immerhin war es wichtig, sich auf jede Etappe und auf jede mögliche Bedrohung, der man als Pilger an Bord eines Schiffes oder allgemein während einer Pilgerreise begegnen konnte, vorbereiten zu können.

In den diversen Reiseberichten, die im Folgenden analysiert werden, werden mehrmals relevante Informationen zum Thema des Alltags an Bord erwähnt. Bei meiner Suche habe ich mir 9 Themen ausgesucht, die für mich zum Alltag an Bord dazu gehören. Erstens die Passagiere, darunter auch die Tiere, zweitens die Lebensbedingungen an Bord dazu gehört beispielsweise der Schlafraum. Drittens die Hygiene und die dazu gehörige Körperpflege. Diese drei bilden für mich die wichtigste Grundlage für diese Hausarbeit. Dazu kommt noch der Aberglauben / die Traditionen, die Kosten, die Konflikte / Gefahren / Ängste, die Seekrankheiten / der Tod und schlussendlich noch der Zeitvertreib (Was die Passagiere während der Reise unternahmen). Auffällig ist, dass bei einigen Reiseberichten mehr Informationen zu finden sind als bei anderen. Diese Frage wird in der Schlussfolgerung ausdiskutiert. Es gilt auch noch darauf hinzuweisen, dass die Reiseberichte der damaligen Zeit eine sehr wichtige Rolle für unser Verständnis vom Reisen, bzw. dem Pilgern im ausgehenden Mittelalter spielen und uns auch Einblicke in die Motive der Pilgernden geben können.

Die Anzahl der Pilger, die eine detaillierte Beschreibung des Alltags und der Lebensbedingungen an Bord der Pilgerschiffe liefern, ist sehr gering. Demnach ist die Entscheidung für die oben erwähnten Autoren logisch, weil es sich bei diesen um die ausführlichen detailgetreuen Verzeichnisse von Pilgerreisen handelt.

Bisher wurde dem Thema in der historischen Forschung nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil die meisten Historiker den heiligen Stätten der damaligen Zeit eine größere Bedeutung schenken, als dem Reisealltag der Wallfahrer. Die vorliegende Ausarbeitung soll also einen detailgetreuen Einblick in die spätmittelalterlichen Wallfahrten liefern.

Die in dieser Arbeit verwendete Methode kann als vergleichende Analyse bezeichnet werden. Die wichtigsten Erkenntnisse der jeweiligen Pilgerberichte werden zusammengefasst und anschließend miteinander verglichen. In Bezug auf die Thematik dieser Arbeit ist es wichtig, Fabri als Quelle zuerst zu bearbeiten, da man durch sein Werk einen sehr detaillierten Einblick in die Forschung der Schifffahrt des 15. Jahrhunderts erhält. Deshalb wird sich ein Großteil dieser Bachelorarbeit mit seinem Reisebericht auseinandersetzen. Die Reihenfolge der restlichen Arbeit, stürzt sich auf das Jahr der Reise der einzelnen Pilger.

Das Evagotorium des Bruders Felix Fabri

Der Dominikanermönch Felix Fabri (1437/38 – 1502) gilt als eine der wichtigsten Quellen seiner Zeit. Laut A. Graboïs ist der Dominikaner „la figure la plus orginale de cette génération de pèlerins“,23 dies bedeutet, dass er Felix Fabri als die interessante Figur der damaligen Pilgergeneration ansieht. Fabri wurde in der Schweiz in Zürich geboren und lebte später in Ulm, wo er schlussendlich auch verstorben ist. „A Dominican monk, Felix Fabri of Ulm (Germany), made two pilgrimages to the Holy Land, the first in 1480 and the second in 1483. He later cheerfully set them down at great length and in painstaking detail in a book which he playfully called the Evagatorium Fratris Felicis Fabri.“24 Für seine lange Reise, zahlte der Ulmer Mönch insgesamt 23 Dukaten (Florentiner Gulden).25 Der Ulmer Mönch wurde hauptsächlich durch seinen Evagotorium bekannt, in dem er seine zwei Pilgerreisen ins Heilige Land festhielt. Wie bereits erwähnt, reiste Fabri zweimal ins Heilige Land, das erste Mal reiste er mit dem Johanniter-Ritter Georg von Stein am 14. April 1480 ab und kehrte am 16. November desselben Jahres wieder zurück. Doch die erste Reiste bezeichnet er selbst als eine nicht gelungene: Er ist der Meinung, dass diese Reise zu kurz war und er vor der Abreise mehr Wissen über die heiligen Stätten hatte als nach seinem Besuch der Heiligen Stadt. „In meinem Herzen ganz unruwig (...) und laß alle die Bücher, die von Jerusalem und von dem heiligen lant sagten und je mer ich laß jhe unruwiger ich wart.“26 Natürlich waren seine Reisen in erster Linie religiös motiviert, doch in ihm lebte auch der Drang, diese Orte nochmals zu besuchen, um sein Wissen zu vervollständigen und sein Evagotorium mit detaillierteren Informationen zu füllen. So beschloss er im Jahr 1483 erneut eine Reise ins Heilige Land zu unternehmen. Dieses Mal in Begleitung des Truchsessen Hans von Waldburg. Während dieser Reise begegnete er einer weiteren wichtigen Figur dieser Zeit, dem Pilger Bernhard von Breidenbach, mit dem er das Katharinakloster auf Sinai besuchte. Die Reiseroute seiner zweiten Wallfahrt beschreibt er in seinen Evagotorium sehr detailliert: Er begann seine Reise in Ulm und gelangte über Innsbruck, Brenner und Venedig, per Seeweg nach Jaffa. Nachdem er Jerusalem gründlich besichtigt hatte, setzte er seinen Weg über den Sinai entlang des Roten Meeres bis nach Ägypten fort. Schließlich kehrte er über das Mittelmeer von Alexandria nach Venedig und anschließend über Norditalien wieder in seine Heimat zurück.

Das Evagotorium des Dominikanermönchs ist hauptsächlich bekannt dafür, dass es seine Pilgerfahrt auf einer Galeere sehr detailgetreu zusammenfasst. Allerdings wurde der größte Teil dieses Werkes erst nach seinen Reisen geschrieben (1484 – 1494/95), auch wenn er während der Reise schon damit angefangen hatte.27 Ebenso gab er den Zweck des Werkes bekannt: „Elle a d’abord pour but d’instruire ses frères qui lui ont demandé une description fidèle des lieux saints. Mais le dominicain n’a pas voulu que son oeuvre ne soit qu’une froide et traditionnelle présentation de la Terre sainte.“28 Dies zeigt uns, dass Felix Fabri, seinen Brüdern eine genaue Beschreibung der Orte geben wollte, die er auf seinen Reisen aufgesucht hatte. Nichts desto trotz wollte er keine traditionelle Beschreibung veröffentlichen. Deshalb bezieht er sich in seinem Reisebericht auch auf den Alltag an Bord. « La Terre sainte [...] est l’objet de mon propos, et c’est surtout sur elle que j’ai écrit. Mais j’ai aussi noté scrupuleusement les dangers que j’ai courus sur la Méditerranée pendant l’un et l’autre voyage, les difficultés que j’ai endurées à travers le désert et les mésaventures variées que j’ai connues avec mes compagnons de pèlerinage parmi les Turcs, les Sarrasins, les Arabes et les faux chrétiens d’Orient: je voulais que votre charitable communauté se mette à apprécier davantage le calme monastique, la stabilité́ du cloître, la discipline de la règle, le devoir de l’obéissance et à déprécier le voyage et la pérégrination.»29 Dies bedeutet, dass wir aus seinem Evagotorium zahlreiche und tiefgreifende Informationen über die Pilgerreisen der damaligen Zeit erhalten, wobei Fabri nicht nur die heiligen Stätten, sondern auch den Alltag und die Gefahren seiner Pilgerfahrten beschreibt. Er ist eine der einzigen Quellen des Spätmittelalters, die einen Wert auf den Alltag an Bord der Schiffe während der Pilgerreise legten. Er spricht über die Bedingungen an Bord, über die Missgeschicke und Unruhen, welche den Pilgern wiederfahren sind, wie die Stürme, die Seekrankheiten und noch viele weitere interessante Themen, die wir im Folgenden aufgreifen werden.

Zuerst gibt Felix Fabri Auskunft darüber, wie viele Passagiere sich auf seiner Galeere befanden: Er berichtet, dass sich 110 Pilger an Bord befanden. Samt Schiffbesatzung waren etwa 330 Personen auf der Galeere. So erhält man einen Überblick darüber wie viele Passagiere auf einmal einer solchen Reise auf einem Pilgerschiff anschlossen. “(...) the number of pilgrims was one hundred and ten, and that of all people who embarked in the galley altogether was three hundred and thirty.“30 Die Anzahl der Passagiere pro Schiff variierte damals jedoch sehr stark, dies wird in der Analyse der Reiseberichte anderer Pilger noch genauer gezeigt.

In den deutschen Übersetzungen der Berichte kommt des Öfteren das Wort „Galeere“ vor. Eine Galeere ist ein mediterranes gerudertes Schiff aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Wichtig zu erwähnen ist, dass sich in Zeiten militärischer Spannungen eine geringere Anzahl an Passagieren an Bord der Pilgerschiffe befanden: „In fact, in periods of military tension the number of passengers recorded in the travelogues is smaller, reflecting undoubtedly a general tendency to wait until circumstances in the eastern Mediterranean were less risky. Thus, in 1480, the year of a massive Ottoman attack on Rhodes, the galley on which Pierre Barbatre sailed to the Holy Land is said to have carried only about 90 pilgrims on the way eastward and merely 60 on the return voyage.”31 Dieses Beispiel von Pierre Barbatre aus dem Jahr 1480 zeigt sehr gut, dass die drohende Gefahr durch den Angriff eines feindlichen Schiffes zu sterben die Menschen des späten Mittelalters nicht davon abhielt, eine Pilgerreise anzutreten.

Neben den Pilgern waren auch einige Adlige an Bord, die die Ehre erhielten in Jerusalem zum Ritter geschlagen zu werden. Anfangs wollte der adlige Teil der Passagiere diese Reise allerdings nicht gemeinsam mit den Frauen begehen, da es in ihren Augen eine Schande war in Begleitung von Frauen geehrt zu werden. Fabri bezeugt: „The proud nobles however, were not pleased at this and thought that they would not embark in the ship in which these ladies were to go, considering it a disgrace that they should go receive the honor of knighthood in company with old women.”32 Diese Haltung zeigt uns, dass die Frauen neben den edlen und ritterlichen Männern keinen wirklichen Platz in der mittelalterlichen Gesellschaft hatten. Diese Aussage ist allerdings nicht zu verallgemeinern, da Fabri später erwähnt, dass es einigen Rittern an Bord gelang, die Adligen zu überzeugen, die Frauen aufzunehmen, da sie ihnen während der Reise sicher dienen könnten: “ (...) but other wiser and more conscientious knights contradicted those proud men and rejoiced in the holy penitence of these ladies, hoping that their holiness would render our voyage safer.”33 Während die Frauen bei der Hinreise einen geringeren Wert in den Augen der zukünftigen Ritter hatten und nicht akzeptiert wurden, hatten sie bei der Rückreise eine größere Bedeutung.

Das Leben an Bord der Pilgerschiffe war sehr strapaziös. Es herrschte ein Mangel an Hygiene und Schlaf. Außerdem machte die Hitze der Besatzung schwer zu schaffen. Diese Faktoren sorgten dafür, dass die Männer an Bord erkrankten und nur die Frauen hatten noch die Kraft, die Kranken wieder gesund zu pflegen. So waren die Frauen auf der Rückreise nahezu die einzige Hoffnung der Männer die Reise unbeschadet zu überleben:“Herein God, by the strength of these old women, confounded the valor of those knights, who at Venice had treated them with scorn and had been unwilling to sail with them. They moved to and for throughout the galley from one sick man to another, and ministered to those who had mocked and scorned them as they lay stricken down on their beds” 34 Wie bereits erwähnt wurde, macht der Bericht von Felix Fabri darauf aufmerksam, dass auch Frauen mit an Bord der Pilgergaleeren waren: „Female pilgrims and other women-passengers also travelled on Venetian ships. Felix Fabri mentions seven old and pious women who shared the same galley that took him to the Holy Land during his firste journey (1480), and, on the way back, took upon themselves the care of sick passengers.”35 Obwohl die Frauen einen Platz an Bord hatten, wurden sie trotzdem anders behandelt: „Women were not expected to participate in the common meal, but rather to eat in their berths.“36

Felix Fabri gibt auch einen detaillierten Einblick über die Bedingungen an Bord. Er beschreibt den Schlafplatz als sehr eng: Die Passagiere schliefen Schulter an Schulter, da die Schlaffläche nur ausreichend für den eigenen Körper war.37 “The uncomfortable and congested dormitories were extremely hot during the summer; sleeping berths were arranged without any space between them, with the names of passengers inscribed on the with chalk. One could hardly move in the sleeping berth without touching one’s neighbor, while fleas, lice, gnats and worms, not to mention the continual noise and “various foul vapors” were rendering the nights in the pilgrim galleys, quite unbearable.”38 In diesem Teil berichtet Felix Fabri davon, dass die Schlafsraüme im Sommer sehr warm waren. Ebenso befanden sich viele Insekten in diesen Räumen. Dies weist darauf hin, dass es einen Mangel an Hygiene gab. Des Weiteren beschwert er sich über den Lärm der anderen Passagiere, den Gestank und allgemein über eine unangenehme Atmosphäre. Da die Hygiene an Bord nicht immer großgeschrieben wurde, forderte Fabri die Pilger dazu die tägliche Körperpflege nicht zu vernachlässigen. Da die meisten Männer an Bord einen Bart hatten, weil „ohne Bart zu fahren, unehrenhaft sei“, gibt Fabri den Hinweis, sich die Flöhe und Läuse von einem anderen Passagier entfernen zu lassen.39

Ein nicht weniger wichtiger Punkt, den Fabri in seinem Evagotorium erwähnt, ist die tägliche Angst. Die Angst der Reisenden ist ein Aspekt des Pilgerns, der nicht ignoriert werden darf, denn die Gefahren an Bord waren sehr vielfältig und unterschiedlich. Eine der größten Bedrohungen war es, von einem feindlichen Schiff angegriffen zu werden. In einer Passage erklärt Felix Fabri, dass der Kaiser der Osmanen, Sultan Mehmet II., die Insel Rhodos mit vielen türkischen Schiffen belagerte und wegen seiner großen militärischen Macht viele Pilgerschiffe angriff und großen Schaden verursachte: “() the whole of the Aegan and Carpathian and Malena seas swarmed with Turks, and that it was impossible during this year to take pilgrims to the Holy Land.”40 Die Angst dieser Gefahr zu begegnen, verfolgte die Pilger während der gesamten Reise. Dies hatte großen Einfluss auf ihre Gesundheit, was dazu führte, dass sie sehr stark gestresst waren und krank wurden. Jedes Mal, wenn das Schiff an einer Insel anlegte, damit die Passagiere sich ausruhen und die Vorräte aufgefüllt werden konnten, versuchten die Bewohner der Insel, sie mit Horrorgeschichten über den osmanischen Feind abzuschrecken, damit sie nicht wieder in See stachen. Die Ursache hierfür war eine ganz einfache: Wenn die Pilger nicht mehr abreisten, verdienten die Händler der Insel mehr Geld, da die Pilger von deren Waren angewiesen waren. Diese Geschichten spielten noch stärker mit dem Unterbewusstsein der Passagiere und vergrößerten die Angst, von einem osmanischen Schiff geentert zu werden, nur noch weiter: “There the people terrified us by telling us horrible tales about the Turks, wherefore we stayed there for several days, because they told us that we could not reach the island of Corfu unmolested, forasmuch as the Turks had spread their fleet over the whole Adriatic, and made a prey and a spoil of all that met them.”41

[...]

1 Denke, Andrea, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486, Köln Weimar Wien 2011, S.1.

2 Haupt, Barbara und Busse, Wilhelm G. (Hgg.), Pilgerreisen in Mittelalter und Renaissance zitiert in Von Samson-Himmelstjerna, Carmen, Deutsche Pilger des Mittelalters im Spiegel ihrer Berichte und der mittelhochdeutschen erzählenden Dichtung, Onlineveröffentlichung am 10 Juli 2009: https://www.degruyter.com/view/journals/bgsl/131/1/article-p168.xml, S. 168.

3 Duden, Konrad, Duden, Deutsches Universal Wörterbuch, Dudenverlag, 1880 – 2017.

4 Gouvard, Claude, De Libera, Alain, Zink, Michel, Dictionnaire du Moyen Âge, mot : pèlerinage, Quadrige, Presse Universitaires de France, Paris 2002.

5 Puszcz, Theodor, Das liturgische Gebet für Reisende und Pilger sowie Seefahrer, Bonn 2018, S.12.

6 Ebd., S.13.

7 Denke, Andrea, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486, Köln Weimar Wien 2011, S.2.

8 Haupt, Barbara und Busse, Wilhelm G. (Hgg.), Pilgerreisen in Mittelalter und Renaissance zitiert in Von Samson-Himmelstjerna, Carmen, Deutsche Pilger des Mittelalters im Spiegel ihrer Berichte und der mittelhochdeutschen erzählenden Dichtung, Onlineveröffentlichung am 10 Juli 2009: https://www.degruyter.com/view/journals/bgsl/131/1/article-p168.xml, S. 168.

9 Denke, Andrea, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486, Köln Weimar Wien 2011, S.2.

10 Dorninger, Maria E., Pilgerreisen im Mittelalter: Christliche Fernpilgerziele am Beispiel von Jerusalem und Santiago de Compostela, Universität Salzburg 2002/2003, S.1.

11 Mitterauer, Michael, Warum Europa?: mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs, Verlag C.H. Beck, München, 2003, S.213.

12 Puszcz, Theodor, Das liturgische Gebet für Reisende und Pilger sowie Seefahrer, Bonn 2018, S.14-15.

13 Gärtner, Kurt und Kasten, Ingrid und Shaw, Frank, Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters, Tübingen 1996, S.143.

14 Denke, Andrea, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486, Köln Weimar Wien 2011, S.2.

15 Ebd., S.2.

16 Dorninger, Maria E., Zur Topographie des Heiligen Landes. Pilgerreisen im Mittelalter. Am Beispiel von Hans Tucher., Universität Salzburg 2002/2003, S. 3-4.

17 Gärtner, Kurt und Kasten, Ingrid und Shaw, Frank, Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters, Tübingen 1996, S.143.

18 Krüger, Oliver; Wallfahrt/Wallfahrtswesen in Müller, Gerhard (Hg.): Theologische Realenzyklopädie. Bd.35, Berlin, New York 2003, S.408.

19 Arbel, Benjamin, Daily Life on board venetian shipt: the evidence of renaissance travelogues and diaries, Venedig 2017, S. 186.

20 Ebd., S. 197.

21 Denke, Andrea, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486, Köln Weimar Wien 2011, S.5.

22 Denke, Andrea, Konrad Grünembergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486, Köln Weimar Wien 2011, S.6.

23 Meyers, Jean, L’Evagotorium de Frère Félix Fabri : de l’errance du voyage à l’errance du récit, Cairn.info, 2008/1, S. 1.

24 Hunt, Janin, Fout Paths to Jerusalem: Jewish, Christian, Muslim, and Secular Piligrimages, North Carolina 2002, S.134.

25 Schröder, Stefan, Zwischen Christentum und Islam: Kulturelle Grenzen in den spätmittelalterlichen Pilgerberichten des Felix Fabri, Berlin 2009, S. 353.

26 Meyers, Jean, L’Evagotorium de Frère Félix Fabri : de l’errance du voyage à l’errance du récit, Cairn.info, 2008/1, S. 1.

27 Meyers, Jean, L’Evagotorium de Frère Félix Fabri : de l’errance du voyage à l’errance du récit, Cairn.info, 2008/1, S.10.

28 Ebd., S. 11.

29 Ebd., S.14-15.

30 Fabri, Felix, Palestine Pilgrims Text Soeciety, Vol. I., translated by Stewart Aubrey, London 1896, S.13.

31 Arbel, Benjamin: Daily Life on board venetian shipt: the evidence of renaissance travelogues and diaries, Venedig 2017, S. 187.

32 Fabri, Felix, Palestine Pilgrims Text Soeciety, Vol. I., translated by Stewart Aubrey, London 1896, S.11.

33 Fabri, Felix, Palestine Pilgrims Text Soeciety, Vol. I., translated by Stewart Aubrey, London 1896, S.11.

34 Ebd., S.26.

35 Arbel, Benjamin: Daily Life on board venetian shipt: the evidence of renaissance travelogues and diaries, Venedig 2017, S. 190.

36 Ebd., S. 191.

37 Denke, Andrea, Venedig als Station und Erlebnis auf den Reisen der Jerusalempilger im später Mittelalter, Hennecke 2001, S.111.

38 Arbel, Benjamin: Daily Life on board venetian shipt: the evidence of renaissance travelogues and diaries, Venedig 2017, S. 195.

39 J. Stich, Markus, Stürme – Enge – Langweile: Bemerkungen zum Alltag auf venezianischen Pilger-Galeeren im 15. Jahrhundert, Universität Konstanz 2015, S.384.

40 Fabri, Felix, Palestine Pilgrims Text Soeciety, Vol. I., translated by Stewart Aubrey, London 1896, S.12.

41 Fabri, Felix, Palestine Pilgrims Text Soeciety, Vol. I., translated by Stewart Aubrey, London 1896, S.13.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Vom weiten Weg ins Heilige Land. Eine kritische Analyse spätmittelalterlicher Reiseberichte über den Alltag auf Pilgerschiffen
Hochschule
Université du Luxembourg
Note
15/20
Autor
Jahr
2019
Seiten
46
Katalognummer
V967363
ISBN (eBook)
9783346315021
ISBN (Buch)
9783346315038
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heilige, land, eine, analyse, reiseberichte, alltag, pilgerschiffen
Arbeit zitieren
Kim Monteiro De Jesus (Autor:in), 2019, Vom weiten Weg ins Heilige Land. Eine kritische Analyse spätmittelalterlicher Reiseberichte über den Alltag auf Pilgerschiffen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/967363

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