Exkurs zur Ethnographie und Geographie Galliens in Lucans "Bellum Civile"


Hausarbeit (Hauptseminar), 1995

31 Seiten


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Inhalt

EINLEITUNG
VITA
EINIGE ANMERKUNGEN ZUM EPOS VOM BÜRGERKRIEG

LUCANS EXKURS ZUR ETHNOGRAPHIE UND GEOGRAPHIE GALLIENS
DER HISTORISCH-GEOGRAPHISCHE BEGRIFF GALLIEN
KATALOG DER VON LUCAN GENANNTEN REGIONEN UND VOLKSSTÄMME
Die Zeltplätze am Ufer des Genfer Sees
Das Lager in den Vogesen ü ber den Flußwindungen und die Lingonen
Der FlußIsara
Blonde Rutener
Der FlußAtax
Der FlußVar, Grenze Hesperiens
Monoeci oder Hafen des Herakles
An der Wattmeerk ü ste
Im Nemetergebiet
An den Ufern des Aturus
Die K ü ste der Tarbeller
Die Santoner
Die Bituriger
Suessionen, behende mit langen Waffen
Leuker, Meister im Schleudern von Geschossen
Remer, Meister im Schleudern von Geschossen
Sequaner, kunstvoll in der Beherrschung ihrer Pferde
Belger, die gelernt haben den Sichelwagen zu lenken
Latiums angebliche Br ü der, die Arverner
Die ü berm äß ig rebellischen Nervier
Vangionen mit weiten Hosen
Von grimmigen Batavern
Der FlußCinga
Lyon, am Zusammenflußvon Rhone und Saône
Ein Volksstamm in den Cevennen
Bei den Treverern
Die geschorenen Ligurer
Die langhaarigen Chauken

ZUSAMMENFASSUNG

NACHWEISE
QUELLEN
LITERATUR

Einleitung

Vita

Der Schriftsteller Marcus Annaeus Lucanus, geboren im Jahre 39 v. Chr. in Corduba,1 gehörte der vornehmen römischen Familie der Annaeer an, eine der bedeutendsten Familien des 1. Jahrhunderts. Sein Vater war der römische Ritter Marcus Annaeus Mela, ein bekannter Redner, sein Onkel der Philosoph und zeitweilige Erzieher Neros, Lucius Annaeus Seneca. Schon kurz nach seiner Geburt siedelte Lucan nach Rom über, wo der Stoiker Lucius Anneaus Conutus sein Lehrer für Rhetorik wurde. 20jährig unternahm er im Jahre 59 eine Bildungsreise nach Athen und gehörte wenig später dem Freundeskreis Neros an. Nero hatte nach griechischem Vorbild einen Wettstreit ins Leben gerufen (Neronischer Agon), der alle 5 Jahre stattfand und neben Athleten- und Reiterwettkämpfen auch einen musisch- literarischen Wettbewerb umfaßte. Bei diesen Neronia trat Lucan im Jahre 60 erstmals öffentlich als Rezitator auf.

Er mußte zu dieser Zeit bereits begonnen haben, sich mit seinem Hauptwerk, der Geschichte des Bürgerkrieges2 zwischen Caesar und Pompeius auseinanderzusetzen, denn schon 63/63 konnte er die ersten drei Bücher dieses Epos veröffentlichen. Aus unbekannter Ursache verlor er die Gunst Neros und durfte nicht mehr publizieren. Angeblich soll sich Lucan darauf den Gegnern des Kaisers angeschlossen und in den Jahren 64-65 an der Verschwörung des Caius Calpurnius Piso3 beteiligt haben. Am Ende einer längeren Vorbereitungszeit, in der verschiedene Mordpläne gegen Nero entworfen wurden, kam dieses Komplott im Jahre 65 durch Verrat ans Licht und wurde vereitelt.4 Zum Kreis der Verschwörer wurden auch Lucan wie sein Onkel Seneca gerechnet und von Nero in den Selbstmord gezwungen.5

Einige Anmerkungen zum Epos vom B ü rgerkrieg

Der junge Schriftsteller Lucan hatte bei seinem Tod ein umfangreiches dichterisches Werk hinterlassen. Von seinen bezeugten Arbeiten ist uns jedoch nur sein Hauptwerk, das Epos vom Bürgerkrieg, überliefert, das wahrscheinlich unvollendet geblieben und nicht überarbeitet worden war. Dieses Hauptwerk gliedert sich in 10 Bücher und soll, analog zu Vergils Aeneis, ursprünglich auf 12 Bücher angelegt gewesen sein.6 Als Quelle nutzte Lucan Caesars Bellum civile, und Livius, Buch 109- 116, das heute verloren ist.7 Möglicherweise waren ihm auch die Briefe Ciceros bekannt, hier besonders die Briefe an seinen Freund Atticus (epistulae ad Atticum) sowie die Sammlung von amtlichen und privaten Briefen (epistulae ad familiares).

Lucans Thema ist der letzte große Kampf zwischen den Vertretern der Republik und den Anhängern des Principats, ein Kampf, der zwischen den Kontrahenten Cn. Pompeius und C. Iulius Caesar 100 Jahre zuvor stattgefunden hatte und Rom in einen Bürgerkrieg stürzte. Lucans Werk ist trotz vieler Ausschmückungen, Übertreibungen und phantasievollem Beiwerk keine Fiktion, sondern beruht durchweg auf historischen Tatsachen. Seinen Schilderungen verdanken wir wichtige Details; Darstellungen wie z.B. die göttliche Ekstase der Priesterin während der Orakelbefragung in Delphi8 sind hier einmalig und uns aus keiner anderen Quelle bekannt.

Eine Besonderheit in Lucans Werk - Parallelen finden wird in Caesars Bellum Gallicum- sind die langen Exkurse geographischer, ethnischer und theologisch- mythologischer Art, dazu Abhandlung zu Naturkatastrophen und der antiken Sagenwelt.

Die Aufgabe dieser Hausarbeit soll es sein, den Exkurs Lucans (1. Buch 391-465) zur Geographie Galliens und zu seinen Bewohnern näher zu erläutern; einbezogen sind hier die von Lucan genannten germanischen Stämme im Rhein-Maas-Gebiet und am Oberrhein.

Lucans Exkurs zur Ethnographie und Geographie Galliens

Im ersten Buch seines Epos vom Bürgerkrieg läßt Lucan nach dem Proömium die Handlung direkt mit den Kriegshandlungen einsetzen: Caesar rückt in Eilmärschen über die Alpen und steht in Italien am Ufer des Flüßchens Rubicon; das Überschreiten des Gewässers markiert den Kriegsbeginn. Nach Auftritt des Volkstribuns Curio und einer zündenden Rede Caesars gegen Pompeius und einer Erwiederung aus den Reihen seiner Soldaten, die den Rückhalt Caesars bei seinem Gefolge unterstreichen soll, beginnt Caesar in solcher Art ermutigt seine Truppen zu sammeln. Diese Truppenteile waren über ganz Gallien verstreut und mußten nun zusammengerufen werden (...sparsas per Gallica rura cohortes...).9 Lucan unterstellt, daß überall, wo die Römer nun abziehen, ein großer Jubel anhebt und benutzt die Aufzählung von Flüssen und Volksstämmen, um uns die verschiedenen Regionen Galliens vorzustellen. In seinem Exkurs führt uns Lucan zuerst vom Genfer See nach Norden in die Vogesen. Zurück geht es nach Süden in das Dauphiné bis an die Mittelmeerküste, an den Küstenstreifen zwischen Nizza und Narbonne; von hier springt er zur Nordsee. Ein zweiter großer geographischer Block beginnt am Oberrhein, setzt sich im Pyrenäengebiet fort, folgt der französischen Atlantikküste nordwärts, um dann in das Gebiet des heutigen Belgien und der Niederlande zu führen. Wieder kehrt Lucan zum Oberrhein zurück, folgt dem Fluß bis in sein Mündungsdelta, kehrt um und zieht die Mosel hinauf nach Trier. Von dort geht es an die ligurische Mittelmeerküste. Seinen Exkurs beschließt er mit der Nennung von gemeinsamen Eigenheiten gallischer Stämme, wie dem Auftreten von Druiden und Barden oder der Menschenopferung für barbarische Gottheiten. Ein letzter Anhang führt wieder zurück an die Nordsee.

Der historisch-geographische Begriff Gallien

Vor Betrachtung der geographischen oder ethnischen Namen ist es wichtig, kurz auf das Verständnis des Begriffes „Gallien“ einzugehen, das für Lucan und die zeitgenössische Rezeption seines Werkes vorauszusetzen ist. Karten standen Lucan und seinen Mitbürgern noch nicht zur Verfügung, das Wissen basiert ausschließlich auf literarischen Angaben. Allerdings ist zu vermuten, daß auf Grund des seit der Eroberung Galliens als besonders umfangreich vorauszusetzenden Handelsverkehrs, sowie wegen der in Gallien zahlreich stationierten Soldaten, auch über orale Quellen verfügt werden konnte. Zudem müssen in Rom allein durch die politische Neuordnung Galliens unter Augustus (15-13 v. Chr.) Kenntnisse von Land und Leuten vorgelegen haben.

Älter als eine geographische Vorstellung von Gallien ist der lateinische ethnologische Begriff Galli für Gallier. Die unter diesem Sammelbegriff bezeichnete Volksstämme sind schon in der griechischen Sprache seit einigen hundert Jahren unter der Bezeichnung Keltoi oder Galatai (Kelten oder Galater) bekannt. Erstmalige Erwähnung fanden sie bei Hekataios von Milet10 und bei Herodot11, ihre ersten Kontakte zur antiken Welt sollen sich über die Kolonie Massalia (Marseille) ergeben haben.12 Die frühen Kontakte zwischen der antiken Welt und den Galliern basierten insbesondere auf dem Handel, der vor allem entlang der großen Flüsse stattfand. Eine der wichtigsten Verkehrsachsen zog sich über die Rhône - Saône - Mosel bis zum Rhein hin.13 Über den Handel wird auch das erste Wissen über geographische Verhältnisse und Bevölkerung Inner-Galliens gewachsen sein. Die damalige Rolle des fernreisenden Kaufmanns als Informationsquelle wird besonders deutlich vorgeführt bei den Vorbereitungen zu Caesars Britannienexpedition.14

Vor allem jedoch erlebte die antike Welt, die Etrusker noch vor den Römern, die Gallier durch kriegerische Aktivitäten, ihre Einbrüche und ihr Festsetzen in Norditalien. Im Zuge der Machterweiterung innerhalb Italiens erfolgte auch die Eroberung und Einnahme Roms (Schlacht an der Allia 387 v. Chr.) mit dem anschließenden Freikauf der Stadt durch die Römer. Mit dem Beginn des 3. vorchristlichen Jahrhunderts konnten die Römer erste Erfolge gegen die Gallier oder Kelten verzeichnen (Schlacht bei Sentinum 295 v. Chr.). Am Ende einer langen Kette kriegerischer Ereignisse steht um das Jahr 150 v. Chr. die völlige Vertreibung der Kelten aus Oberitalien.15

Das Engagement der Römer in Gallien selber begann mit dem Schutz der befreundeten Kolonie Massilia vor den Angriffen der Gallier im Jahre 125 v. Chr. und mit Kämpfen des Marcus Fulbius Flaccus gegen die Allobroger, Averner und Saluvier in den darauffolgenden Jahren.16 Im Zuge dieser Aktion eroberten die Römer das Land zwischen Cevennen und Alpen, nordwärts bis zum Genfer See. Von der um 118 v. Chr. gegründeten Kolonie Narbo erhielt diese neue römische Provinz den Namen Narbonensis oder Gallia Narbonensis. Die gallischen Stämme bewohnten ein Gebiet, das sich um 100 v. Chr. östlich bis zur Weser erstreckte. Sie kamen in diesen Jahren jedoch immer stärker unter den Druck der von Osten und Nordosten nachdrängenden Germanenstämme, so daß sich die Grenze des gallisch geprägten Gebietes von der Weser nach Westen bis zum Rhein vorschob.

Die Grobteilung des freien Galliens, die, wie die Einleitung zu Caesars Bellum Gallicum erkennen läßt, schon vor der Eroberung bestand,17 wird bei der vorliegenden Arbeit nicht besonders berücksichtigt. Die römische Verwaltungsreform am Beginn der Kaiserzeit berücksichtigte die alte Gebietsteilung zu mindest teilweise bei der Erhebung der neuen römischen Provinzen. Die traditionellen Gebiete waren: Aquitanien mit einer Bevölkerung aus keltischen und iberischen Stämmen, das den Raum zwischen Pyrenäen und der Garonne ausmachte (erobert 57 v. Chr.), die Region der Belger im Nordosten, sowie das dazwischenliegende eigentliche Gallien, später Gallia Lugdunensis.

Gut 60 Jahre nach Gründung der Kolonie Narbo begann 58 v. Chr. unter Caesar die Unterwerfung der bis dahin freien Teile Galliens, der Gallia comata, ausgelöst durch Wanderungsbewegungen der durch germanische Stämme unter Druck geratenen Helvetier. Seit Bestehen der Provinz Gallia Narboniensis war es zum Teil schon zu engen Kontakten zwischen Römern und einigen gallischen Volksstämmen gekommen: Die Häduer hatten z.B. ein Freundschaftsverhältnis zu Rom und führten den Titel fratres et consanguinei populi Romani. Ein allgemein gefaßter Senatsbeschluß aus dem Jahre 61 v. Chr. „ ...uti, quicumque Galliam provinciam obtineret, quod commodo rei publicae facer posset, Haeduos ceterosque amicos populi Romani defenderet... “ wurde von Caesar im Jahre 58 v. Chr. benutzt, um bei vorgeschobener Hilfe für die Häduer gegen die Helvetier, in die Gallia comata einzumarschieren.18 Die gallischen Stämme widersetzten sich Caesar über mehrere Jahre, eine römische Herrschaft konnte erst nach 51 v. Chr. endgültig durchgesetzt werden. Caesars 8 Bücher über die Geschichte des Gallischen Krieges, entweder sukzessive oder nach dem Jahr 51 als Ganzes geschrieben, wurden zu einer Informationsquelle ersten Ranges. Mit Caesars Gallischen Feldzügen stieß Rom erstmals nach Norden über die Gallia Narboniensis hinaus, darüber hinaus brachten Ausdehnung, Dauer und Erfolg des Unternehmens eine erhebliche Ausweitung des geographischen Gesichtskreises und eine Fülle neuerworbener Einzelerkenntnisse.19

Insgesamt ordneten Lucan und seine Zeitgenossen dem Begriff Gallien jenes geographisch umfangreiche Gebiet zu, das sich vom Rhein bis zur französischen Atlantikküste und von den Pyrenäen bis zur Nordsee erstreckt. Tatsächlich verstanden die Römer unter der Gallia Transalpina, also das nördlich der Alpen gelegene Gallien, sowohl die Provinz Gallia Narbonensis als auch die von Caesar eroberte Gallia comata. Von dem Historiker und Geographen Strabon,20 einem Zeitgenossen des Kaisers Augustus, hat sich eine Karte überliefert. Strabon kommentierte dazu: „ Man sagt nämlich, daßdas Pyrenäengebirge, auf beiden Seiten an das Meer reichend, an das innere und an dasäußere, diese Keltik è im Westen begrenzt, wobei im Osten der Rhein den Pyrenäen parallel sei, “ (Strabon IV 1,1 C 176f ).21 Eigenartigerweise sahen die Römer Gallien, Hispanien und Britannien als politisch-geographische Einheit an und trugen (später) dieser Sichtweise Rechnung, als sie diese Gebiete als Prätorianerpräfektur Gallien zusammenfaßten.22 Dieser „transalpine Westen“ lag von Rom aus betrachtet jenseits der Alpen, und die bevorzugten Verkehrswege dorthin führten immer über Gallien. Hispanien wurde üblicherweise über die südgallischen Häfen, Britannien über das Mündungsgebiet von Rhein, Maas und Schelde erreicht.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte der Alpen, Gallien, Spanien und Britannien nach Strabo (entnommen: Heinen,H.: Der r ö mische Westen, S.61)

Katalog der von Lucan genannten Regionen und Volksstämme

Die Zeltplätze am Ufer des Genfer Sees

Deseruere cavo tentoria fixa Lemanno

Das südliche Ufer des Genfer Sees bildete war gleichzeitig der nördlichste Ausläufer der Gallia Narbonensis. An seiner Westspitze lag die allobrogische Stadt Genava, wo eine Brücke das Land der Allobroger mit dem der Helvetier verband. Genava am Lemanner See ist einer der ersten Handlungsorte im Gallischen Krieg.

Das Lager in den Vogesen über den Flußwindungen und die Lingonen

castraque quae Vosegi curvam super ardua ripam pugnaces pictis cohibebant Lingonas armis.

Caesar erwähnt die Vogesen, allerdings als einzelnen Berg im Lande der Lingonen, wo die Maas entspringe.24 Diese, mit heutigen Augen unrichtige Behauptung, kann zur damaligen Zeit ihre Richtigkeit gehabt haben, wenn die Gallier unter dem Begriff Vogesen ein wesentlich größeres Gebiet verstanden.25 Zumindest bezieht sich Lucan auf Caesars Aussage im Gallischen Krieg, wenn er die Vogesen zum Bollwerk gegen die Lingonen mit den bebilderten Schilden erhebt. Die Sitze der Lingonen befanden sich westlich der Vogesen im Quellgebiet von Maas und Marne. Später erhielt das Volk als Ganzes die römische Bürgerrecht und galt als foederati.26 Hauptort war Andematunnum, heute Langres.

Der Fluß Isara

...isara, qui gurgite ductus...

Unter dem Namen Isara kannten die Römer drei verschiedene Gewässer: die Isar als Zufluß zur Donau, die Oise als Seinezufluß, wie auch die Isere, die in die Rhône mündet. Die von Lucan gemeinte Isara kann vom Kontext her, sowie aus der als recht wilder Fluß beschriebenen Beschaffenheit, nur die Isere sein, die als reißender Bergstrom die Grajischen Alpen verläßt. Der erwähnte Zusammenfluß von Isara und Rhône spielte schon beim Zug Hannibals eine Rolle.27

Blonde Rutener

...Ruteni flavi...

Die Rutener lebten am Tarn (Tarnis) und am Lot (Oltis) in Südgallien, in der Grenzregion von Gallia Narbonensis und Gallia Comata. Die Bemerkung Lucans, die Rutener würden von langer Besatzung erlöst, kann nur so zu verstehen sein, daß Teile des Stammes schon bei der Einnahme der Gallia Narbonensis unter römische Herrschaft gekommen waren. Der einzige größere Ort war Segodunum, das heutige Rodez. In ihrem Stammesgebiet waren Silbervorkommen. Das den Rutenern von Lucan zugesprochene Attribut „blond“ ist in Caesars Bellum Gallicum nicht erwähnt und kann hier schmückendes Beiwerk sein.

Der Fluß Atax

mitis Atax...

Atax, der heutige Aude, wird von Lucan als sanft beschrieben. Er entspringt in den Pyrenäen war ab der Stadt Narbo in seinem Unterlauf schiffbar.

Der Fluß Var, Grenze Hesperiens

...finis et Hesperiae promoto limite Varus gaudet...

Während die Grenze des römischen Italiens zu Caesars Zeiten noch das Flüßchen Rubicon war, war sie in nur wenigen Jahren nach Norden und Nordwesten verschoben worden. Rund 100 Jahre später, zu Zeiten Lucans, bildete der Var die Grenze des Hesperien genannten italienischen Kernlandes des römischen Reiches. Der Begriff Hesperia=Westland war die ursprüngliche Bezeichnung der Griechen für Italien. Auf Grund der politisch-geographischen Veränderungen und der damit verbundenen Erweiterung geographischer Kenntnisse erfuhr die Bezeichnung Hesperien eine nach Westen verschobene Erweiterung, bis hin nach Spanien. Zur Unterscheidung bezeichnete man die westlich Italiens gelegenen Gebiete zeitweise auch als Hisperia ultima.28

Monoeci oder Hafen des Herakles

...quaque sub Herculeo sacratus nomine portus...

Monaco, von Lucan Monoeci oder Hafen des Herakles genannt, wird ist schon Hekataios29 bekannt und wird von ihm mit den Fahrten des Herakles in Verbindung gesetzt. Der Hafen war klein, seicht und durch den Mistral gefährdet, für die Küstenschiffahrt aber sehr wichtig. Die Herkunft des Namens ist unklar.30

An der Wattmeerküste

...quaque iacet litus dubium, quod terra fretumque vindicat alternis vicibus...

Lucan schildert hier das für ihn in diesem Ausmaß unerklärliche Gezeitenphänomen sowie das Trockenlaufen des Wattenmeeres. - Während Inner-Gallien für die Völker der Antike noch lange ein „weißer Fleck“ gewesen war, hatten sich bereits schon Kenntnisse über Atlantik und Nordsee weit verbreitet. Das Wissen ist vor allem erworben worden durch den Handel, hier insbesondere durch die Zinnfahrten nach Britannien. Die Entdeckung der Nordsee wird dem Karthager Himilco um das Jahr 500 v. Chr. zugeschrieben. Da die Karthager ihr Wissen anscheinend geheim hielten, wurde die Nordsee erneut entdeckt durch Pytheas von Massilia, der vor allem Britannien, Norwegen und die deutsche Nordseeküste erforschte.31 Dieser Seefahrer stellte Beobachtungen über die Mitternachtssonne, die Gezeiten und das Klima an, wurde von seinen Zeitgenossen und Nachfahren aber für unglaubwürdig erachtet.32

- Das mag im Widerstreben Lucans zum Ausdruck kommen, sich auf eine mögliche Erklärung festzulegen. Er führt zwar denkbare Zusammenhänge von Mondphase und Gezeiten an, hält aber auch eine Verbindung mit göttlichem Tun, insbesondere dem Wirken des Sonnengottes Helios für denkbar. - Die Stämme an der Wattmeerküste, die sich hier über den Abzug der Römer freuen, können nur die Menapier, Bataver, Friesen und Chauken gewesen sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wohnsitze der gallischen und germanischen Stämme in Gallien und den Grenzregionen (X. de Planhol: Geographie Historique S.25)

Im Nemetergebiet

...rura nemetis...

Die Nemeter waren ein germanischer Volksstamm mit keltischem Namen, ursprünglich wohl abgeleitet vom keltischen Wort nemed (=edel, schön). Ihre Wohnsitze hatten sie am Oberrhein, ihr wichtigster Ort war die Siedlung Noviomagus oder Nemetae, das heutige Speyer. Nördlich grenzte ihr Gebiet an das der Vangionen, südlich an das der Tribocer. Die Westgrenze ihres Landes bildeten die Vogesen und das Pfälzer Bergland, ihre Ostgrenze der Rhein. Es wird vermutet, daß Sie ursprünglich aus Mitteldeutschland abgewandert sind und wie ihre nördlichen und südlichen Nachbarn, die Vangionen und Tribocer, dem Volk der Sueben angehörten.33 Sie sollen erst rechtsrheinisch gelebt, dann auf die linke Rheinseite übergewechselt haben, wo sie das Gebiet der von ihnen verdrängten Mediomatriker besetzten. Eine mögliche Fluchtburg mit einem Heiligtum war auf dem Donnersberg (Ringwallanlage).34 Im Spätsommer des Jahres 58 v. Chr. gehörten sie zu den Stämmen, die unter der Führung Ariovists am Oberrhein, 7 Tagesmärsche von Besançon (= Vesontio am Dubis) entfernt, eine Niederlage gegen Caesar erleiden mußten.35 Als Schlachtfeld wird die Gegend um Rappoldsweiler36 oder Mühlhausen37 vermutet. Die Nemeter sollen danach römische Untertanen geworden sein, ihre Wohnsitze brauchten sie nicht verlassen. Die Frage, ob die Nemeter bereits zu Zeiten Caesars auf dem linken Rheinufer saßen, ist umstritten. Die Übersiedlung soll nach Wolters erst nach den Feldzügen des Drusus (Germanicus) stattgefunden haben,38 womit das Volk zu Lucans Zeit dann bereits in Gallien gewohnt hätte.39

An den Ufern des Aturus

...qui tenet ripas Aturi...

Die römischen Besatzungen, die von den Ufern des Aturus abgezogen wurden, waren im Tarbellerland stationierte Soldaten. Der Aturus ist der heute unter dem Namen Adour bekannte Fluß. Er entspringt in den Pyrenäen und mündet im Golf von Biskaya in den Atlantik.

Die Küste der Tarbeller

...qua litore curvo molliter admissum claudit Tarbellicus aequor...

Die Tarbeller lebten in Aquitanien an der Atlantikküste zwischen dem Stamm der Bituriger und den Pyrenäen. Am Aturus (Adour) der durch ihr Gebiet strömte, lag ihr wichtigster Ort: Aquae Tarbellae, heute Dax. Bekannt wurden Heilquellen auf dem Gebiet der Tarbeller, sowie die von ihnen betriebene Goldgräberei. Caesar eroberte ihr Gebiet im Jahre 56 v. Chr.

Die Santoner

...signa movet gaudetque amoto Santonus hoste...

Die Santoner wohnten nördlich der Gironde (Meeresbucht am Atlantik, Mündungsgebiet der Flüsse Dordogne und Garonne); der Name der heutigen Provinz Saintonge erinnert an diesen keltischen Volksstamm. Ihr Hauptort war Mediolanium Santonum, später nur noch civitas Santonum und Santoni, heute Saintes. Der Wunsch der Helvetier, ins Land der mit ihnen befreundeten Santoner auszuwandern, löste die Invasion Caesars nach Gallien im Jahre 58 v. Chr. aus.40 Keune vermutet ursprünglich gemeinsame Wohnsitze der Helvetier und Santoner zwischen Main und Rhein.41 Die Santoner nahmen mit 12000 Mann im Jahr 52 v. Chr. am Aufstand des Vercingetorix42 bei Alesia (Alise-Sainte-Reine) teil.43 Das Land der Santoner war auf Grund der Küstenlage bekannter als andere gallische Landstriche und wurde mehrfach in der antiken geographischen Literatur erwähnt.

Die Bituriger

...et Biturix...

Nördlich, sich an das Gebiet der Tarbeller anschließend, begann das Land der Bituriger. Sie waren ein recht großer Stamm, der sich in zwei große Untergruppen gliederte, die Bituriges Cubi und die Bituriges Vivisci. Die Bituriges Cubi lebten westlich bzw. südlich der Loire, ihre Hauptstadt war Avaricum, das heutige Bourges. Vor allem mit ihnen hattes es Caesar als Kriegsgegner zu tun. Sie scheinen viele Städte (bzw. Siedlungen) besessen zu haben, denn Caesar spricht davon, daß an einem Tag über 20 Städte der Bituriger angezündet worden seien.44 Einer ihrer Erwerbszweige war die bergmännische Eisenerzgewinnung. Die allgemeine Bemerkung Caesars, über Geschick und Erfahrung der Gallier beim Bau von Erdstollen, anläßlich des Kampfes bei Avaricum (52 v. Chr.), der Hauptstadt der Bituriger, bezieht wohl besonders auf diese Volksgruppe.45 - Die mit ihnen verwandten Bituriges Vivisci lebten an der Gironde, ihre wichtigste Stadt war Budigala, das heutige Bordeaux. - Die Lucanstelle kann sowohl für eine, wie auch für beide Gruppen der Bituriger gelten.

Suessionen, behende mit langen Waffen

...longisque leves Suessones in armis

Die Suessionen lebten in Nordost-Frankreich zwischen den Flüssen Oise und Aisne, der Ortsname Soissons und der Name einer Region, Soissonaise, erinnern an sie. Ihre Volksgruppe fällt unter die Sammelbezeichnung Belger, eine enge Beziehung unterhielten sie mit den Remern. Die Suessionen trieben vor allem Ackerbau, dazu besaßen sie 12 Städte.46 Ihr Hauptort war das stark befestigte Novidonum,47 das spätere Soissons. Zur Zeit der Unterwerfung Galliens durch Caesar wurden die Suessionen durch König Galba regiert, der auch bei den benachbarten Stämmen angesehen war und zum obersten Kriegsherrn erkoren wurde. Im Jahre 57 v. Chr. unterlag eine vereinigte Streitmacht der belgischen Stämme Caesar, die Suessionen mußten sich unterwerfen und ihre Waffen abgeben.48 Als Gallien unter Kaiser Augustus einer Verwaltungsreform unterworfen und in 3 Provinzen geteilt wurde, gehörten die Suessionen zur Provinz Belgica.49

Leuker, Meister im Schleudern von Geschossen

...optimus excusso Leucus lacerto

Die Leuker wohnten in Lothringen, benachbart den Sequanern und den Mediomatrikern, mit dem Hauptort Tullum, heute Toul. Von ihren Städten sind namentlich bekannt: Scarponna, Noviomagus Leucorum, Mosa und Nasium, heute Scarponne, Nijon, Meuvy und Naix.50 Die von Lucan als Meister im Schleudern hervorgehobenen Leuker erscheinen in Caesars „Bellum Gallicum“ namentlich nur am Rande, als Dienstleister zur Heeresversorgung, nicht als Kriegsgegner.51

Remer, Meister im Schleudern von Geschossen

...optimus excusso Leucus Remusque lacerto

Die Remer waren ebenfalls wie die Suessionen ein keltisch-belgischer Volksstamm, und sollen gleich den Leukern Meister im Schleudern von Geschossen gewesen sein. Mit den Suessionen verband sie nicht nur gleiches Gesetz und Recht, gleiche Verwaltung und gleiche Herrschaft, sie waren mit diesen auch verbrüdert und blutsverbunden.52 Ihr recht großes Stammesgebiet lag im heutigen Grenzland zwischen Belgien und Frankreich zwischen den Flüssen Aisne und Marne und umfaßte die heutige Region Champagne. Schon vor der römischen Zeit schlugen die Remer eigenes Geld.53 Ihr Hauptort war Durocorterum, lateinisch Durocortorum Remorum. In römischer Zeit wurde die Kurzform Remis gebräuchlich, daher das heutige Reims. Die besonders fruchtbaren Böden erlaubten den Anbau von Winterweizen und Zwiebelgemüse (bulbi),54 daneben scheint der Handel eine Rolle gespielt zu haben.55 Daß Lucan die Remer in seine Aufzählung derjenigen gegnerischen Stämme einreiht, die in Jubel über den Abzug der Römer ausbrechen, ist eigenartig. Während des Gallischen Krieges waren gerade die Remer einer der wenigen Stämme, die Caesar freundlich gegenüber standen.56 (Später führten sie auch den Ehrentitel foederati.57 ). Denkbar ist, daß Lucan bewußt die Remer hier mit aufführte, weil sie als einer der größten belgisch-keltischen Stämme seinen Rezipienten sicherlich bereits ein Begriff waren.

Sequaner, kunstvoll in der Beherrschung ihrer Pferde

..optima gens flexis in gyrum Sequana frenis...

Das Hauptsiedelgebiet der Sequaner lag zwischen der Saône und dem Jura, mit dem Hauptort Vesontio, heute Besançon. Diese Hauptstadt wird bei Caesar näher beschrieben: An drei Seiten vom Doubs umflossen, war sie nur an einer schmalen Bergseite zugängig. Sie besaß neben dem natürlichen Schutz bergseits noch eine starke Ringmauer.58 Nach einer (umstrittenen) Textstelle im Bellum Gallicum, soll das Land der Sequaner bis an die Rhone gereicht haben.59 Ihr Land entsprach zu Zeiten Caesars ungefähr der mittelalterlichen Freigrafschaft Burgund (Franche-Comte). Trotz der großen räumlichen Entfernung ist ihr Stammesname auf das gleiche Wort zurückzuführen wie der Fluß Seine, latinisiert Sequana. Die Zusammenhänge sind unklar. Wie bei den Remern weisen Münzfunde aus vorrömischer Zeit auf ein relativ entwickeltes Wirtschaftssystem hin. Vor dem Gallischen Krieg hatten bereits freundschaftliche Beziehungen zwischen Rom und den Sequanern bestanden.60

Während innergallischer Machtkämpfe gegen die Häduer um die Vorherrschaft, hatten die Sequaner den Germanenführer Ariovist ins Land geholt, der nach Beendigung der Kämpfe im Land verblieb und die Sequaner selber immer stärker unter Druck setzte.61 Als Ariovist zum Sturm auf Vesontio ansetzte, wurde er durch Caesar geschlagen (s.o. „Im Nemetergebiet“ S.13). Anschließend verbrachte Caesar sein Winterlager im Land der Sequaner.62 Zum Kampf der Sequaner gegen die römische Herrschaft kam es erst zum Ende des Gallischen Krieges durch ihre Beteiligung mit 12000 Kämpfern am Aufstand des Vercingetorix im Jahre 52 v. Chr.63

Belger, die gelernt haben den Sichelwagen zu lenken

...et docilis rector monstrati Belga convinni...

Der Begriff Belger ist kein eigentlicher Volksname, sondern Sammelname für verschiedene keltische Stämme in Nordost-Gallien, dessen Geltungsbereich von einem Kernland, dem Gebiet des Hauptstammes der Bellovaken,64 auf die benachbarten Stämme und Gegenden ausgedehnt worden war.65 Das Gebiet dieser Belger genannten Stämme erstreckte sich zwischen Rhein und Nordsee und schied sich vom übrigen Gallien durch die Flüsse Seine und Marne.66 Daneben unterhielten die Belger enge Kontakte nach Britannien.67 Sie galten als besonders kampferfahren, da sie sich in steten Auseinandersetzungen mit den über den Rhein drängenden Gemanen befanden.68 Die Remer berichteten über sie, daß die Belger eigentlich Germanen gewesen waren und sich schon früher gegen die Cimbern und Teutonen hatten zur Wehr setzen müssen.69 Besiegt wurden die Belger-Stämme im Jahre 57 v. Chr., nahmen aber dennoch am Aufstand des Vercingetorix im Jahre 52 v. Chr. teil. Namentlich den Belgern zugeordnet wurden von Caesar nur die Remer, Nervier und die Bellovaken, Strabon führt jedoch zusätzlich mit Namen an: Suessionen, Atrebaten, Ambianer, Moriner, Menapier, Caleten, Veliocassen, Viromanduer, Aduatucer, Kondruser, Eburonen, Käroser, Pämaner, Segner.70

Latiums angebliche Brüder, die Arverner

...Arverni ausi Latio se fingere fratres sanguine ab Iliaco populi...

Die Arverner lebten in der Auvergne, nordwestlich des Gebirgszuges Cevennen, am Oberlauf des Liger (Loire) und seines Nebenflusses Elaver (Allier). Ihre Hauptstadt war das heutige Clermond-Ferrand, mit lateinischem Namen Augustomenetum, erstmals von Strabo erwähnt als Nemvssoz.71 Sie hatten schon recht früh Kontakte mit den Römern, als sie unter ihrem König Betuitus im Jahre 121 v. Chr. den bedrängten Allobrogern zu Hilfe kamen und von Konsul Q. Fabius Maximus nahe dem heutigen Valence (Zusammenfluß Rhone/Isere) vernichtend geschlagen wurden.72 König Betuitus geriet in Gefangenschaft.73 Die Kämpfe wurden auf römischer Seite fortgesetzt von Cn. Domitius Ahenobarbus. Die Arverner erlitten in der Folge hohe Gebietsverluste, blieben aber einstweilen unabhängig. Während des Gallischen Krieges wurden die Arverner unter Vercingetorix zur treibenden Kraft bei dem großen gallischen Aufstand des Jahres 52 v. Chr., der mit der Niederlage des Vercingetorix bei Alesia (Alise Ste. Reine) zusammenbrach. Ihm wird zugeschrieben, als erster den Gedanken einer vereinigten keltischen Nation auf gallischem Boden verfolgt zu haben.74 Die kritische Bemerkung Lucans, die Arverner bildeten sich ein, mit dem römischen Volk verwandt zu sein, weil sie ebenfalls troischen Wurzeln entsprossen seinen, ist möglicherweise die empörte Reaktion auf damals umlaufende Gerüchte.

Die übermäßig rebellischen Nervier

...nimium rebellis Nervius et caesi pollutus foedere Cottae...

Die als übermäßig rebellisch, vertragsbrüchig und als Mordbuben dargestellten Nervier waren einer der Hauptstämme im Gebiet der Belger. Sie lebten zwischen den Flüssen Sambre und Schelde und der Nordsee, mit dem Hauptort Bag á cum, heute Bavay. Durch ihr Gebiet führte schon in vorrömischer Zeit eine äußerst wichtige Fernverkehrsstraße, die Lutetia (Paris) mit dem Rhein im Bereich des späteren Kölns verband; ihre Hauptstadt Bag á cum lag zudem im Schnittpunkt weiterer wichtiger keltischer Verbindungsstraßen.75 Zum Stamm der Nervier gehörten als Untertanen die Ke ú tronen, Grudier, L é vaker, Pleumoxier und Geidumner.76 Als eine Besonderheit der Nervier ist anzusehen, daß sie keinerlei Reiterrei besaßen und sich nur auf ihre Fußtruppen stützten.77 Während des Kriegszuges gegen die Stämme der Belger wurden die Nervier beim Kampf an der Sambre (57 v. Chr.) fast völlig vernichtet.78 Nach eigener Aussage unternahm Caesar große Anstrengungen den dezimierten Stamm zu erhalten, um damit ein Beispiel für seine Charakterstärke zu geben.79 Im Winter 54 v. Chr. erfolgte der erste große Gallieraufstand unter dem Eburonenführer Ambiorix. Der von Lucan erwähnte Cotta, ist wahrscheinlich der Legat80 Lucius Aurunculeis Cotta, der durch eine List von Ambiorix aus dem Winterlager gelockt und dann von den Eburonen niedergemacht wurde. Die Römer verloren dabei eine frisch aufgestellte Legion und 5 Kohorten.81 Lucan verfälscht allerdings hier die historischen Abläufe. Erst nachdem Cotta bereits umgekommen war, ließen sich die Nervier von den Eburonen aufstacheln, es ihnen gleich zu tun und den bei ihnen im Winterquartier liegenden Legaten Q. Tullius Cicero zu überfallen, Bruder des berühmten Redners. Der Bericht in Caesars Bellum Gallicum zeugt im Gegensatz zu Lucan eher von einer Hochachtung der Lernfähigkeit und der militärischen Leistungen der Nervier.82 Beim Herannahen von Entsatztruppen, ließen die Nervier von Ciceros Lager ab; im Februar des Jahres 53 v. Chr. erfolgte eine Strafexpedition, bei der ihr Land zur Plünderung freigegeben wurde. Im Jahre 52 v. Chr. nahmen sie noch am Aufstand des Vercingetorix teil. Aber schon zu Zeiten des Augustus dienten sie selber im römischen Heer.83

Vangionen mit weiten Hosen

...et qui te laxis imitantur, Sarmata, bracis, Vangiones...

Die ethnische Zugehörigkeit der Vangionen ist umstritten, wahrscheinlich waren sie ein germanisches Volk, daß den Sueben zugerechnet werden muß und zuletzt stark keltisiert war. Ursprünglich wohnten die Vangionen auf dem rechten Rheinufer und siedelten dann auf das linke Rheinufer über, wo sie gleich den Nemetern die Mediomatriker als Flußanlieger verdrängten und sich im Raum zwischen den Flüssen Rhein, Nahe, Glan und Isenach festsetzten.84 Ihre Nachbarn waren die mit ihnen verwandten Triboker und Nemeter. Der Zeitraum des Wechsels über den Rhein ist ebenfalls unsicher. Die Vangionen gehörten den Truppen unter der Führung von Ariovist an, die von den Sequanern gegen die Haeduer ins Land geholt worden waren. Ob sie nach der Niederlage gegen Caesar die Erlaubnis erhielten, sich auf dem linken Rheinufer anzusiedeln ist eher fraglich, da Caesars Bestrebungen dahin gingen, die germanischen Stämme von der Ostgrenze Galliens fernzuhalten.85

Möglicherweise hatten sie sich aber schon vor Caesars Ankunft dort festgesetzt; als spätester Zeitpunkt ist das Jahr 50 n. Chr. anzusetzen, als die Vangionen nachweislich Hilfstruppen für die Römer stellten. Hauptort des Volksstammes war die Siedlung Borbetomagus, später Vangiones genannt, heutiger Name: Worms. Weiter historische Siedlungen waren die heutigen Orte Alzey (vicus Altiaiensium), Bingen (Bingium) und Nierstein (Buconica). Ihren Lebensunterhalt bestritten die Vangionen vornehmlich mit Ackerbau und Viehzucht. Bei Caesar sind sie nur einmal genannt als sie unter Ariovists im Jahre 52 v. Chr gegen die Römer kämpften. Lucan schildert die Vangionen als mit weiten Hosen bekleidet nach Sarmatenart. Diese Eigenart wird wohl deshalb hervorgehoben, da die germanischen Stämme eigentlich enge, körperbetonende Unterkleidung trugen, die (persischen) Sarmaten hingegen sehr weite.86 Ob die Vangionen sich nun aber tatsächlich nach Sarmatenart kleideten, oder ob es sich hier um dichterisches Beiwerk handelt, bleibt dahingestellt.

Von grimmigen Batavern

...Batavi truces, quos aere recurvo stridentes acuere tubae,...

Die Bataver waren ein germanisches Volk, das sich angeblich (nach der Germania des Tacitus) vom Stamm der Chatten abgespalten haben soll um dann im Mündungsgebiet des Rheins zu siedeln. Nach gleicher Quelle sollen sie hochgewachsen und rot-blond gewesen sein.87 Wenskus vermutet, daß es sich bei den Bataver um eine Adelsschicht der Chatten handelt, die sich auf Grund sozialer Konflikte vom Hauptstamm abspaltete, was dann auch im Namen Bataver seinen Niederschlag gefunden hat.88 Der Name Batavi soll bedeuten „die Tüchtigen“ oder „die Guten“ und den gleichen Wortstamm besitzen wie die gotischen Worte „batiza“ oder „bota“.89 - Ihr Hauptwohngebiet war die batavische Insel, gebildet aus verschiedenen Flußarmen im Mündungsdelta des Rheins, daneben wohnten sie aber auch noch südlich von Waal und Maas. Ursprünglich war ihr Land von Kelten bewohnt gewesen, denn die Ortsnamen Lugdunem Batavorum, Batavodurum oder Noviomagus sind keltischen Ursprungs. Ihr Hauptort war Noviomagus, das heutige Nimwegen (im MA: Neomagus und Neumagen). Erstmals historisch faßbar werden sie durch Caesars „Bellum Gallicum“, der sie als wilde barbarische Völker bezeichnet, von denen sich einige nur von Fischen und Vogeleiern ernähren.90 Über Kriegshandlungen mit den Batavern wird bei Caesar nichts berichtet, eine direkte Eingliederung in den römischen Machtbereich erfolgte wahrscheinlich erst durch Drusus (Germanicus) im Jahre 13 v. Chr.91 Was Lucan bewogen haben mag, die Bataver in die Reihen der jubelnden römischen Gegner zu stellen, bleibt unklar. Möglicherweise war es der Reiz des Exotischen, die Geschichte von den Fisch und Eier-Essern, die rohen, wilden Charakterzüge, die ihnen der Volksmund zusprach. Tatsächlich hatten sie zu Lucans Zeiten ein gutes Verhältnis zu Rom, der Bataveraufstand erfolgte erst nach dem Tod des Lucan (69/70). Auf Grund ihres Rufes besonders kriegstüchtig zu sein, wurden sie von den Römern stark zu Militärdiensten herangezogen. Dem heutigen Ortsnamen Passau in Bayern liegt ein „castra Batava“ zugrunde.

Der Fluß Cinga

...qua Cinga pererrat gurgite...

Der Cinga entspringt am Südhang der Pyrenäen und mündet in den Ebro. Er lag bis zum Kantabrischen Krieg (26-19 v. Chr.) in der Grenzregion, die Hispanien vom Gebiet der bis dato freien nordspanischen Kantabrer schied. Der Übersetzer und Herausgeber Wilhelm Ehlers bestreitet in seinem Erläuterungsanhang eine Identität des nordspanischen Gewässers mit dem von Lucan beschriebenen Flüßchen, da in diesem Fall die von ihm beobachtete Systematik durchbrochen würde.92

Lyon, am Zusammenfluß von Rhone und Saône

...qua Rhodanus raptum velocibus undis in mare fert Ararim

Nach dem Fund einer Münze aus dem Jahre 42 v. Chr. wird die am Zusammenfluß von Rhodanus und Arar (Rhone und Saône) gelegene Stadt Lyon unter dem Namen Lugudunon, latinisiert Lugudunum oder Lugdunum, erstmals belegt. Es handelt sich hierbei um einen relativ häufigen keltischen Ortsnamen. Der Name bedeutet vermutlich „Rabenburg“ oder „Burg des Gottes Lugus“, kann aber auch adjektivisch als „kleine Burg“ verstanden werden.93 Ursprünglich bestand nur eine kleine keltische Siedlung oberhalb des rechten Ararufer unter der Bezeichnung Rhodanusia. Daneben war auf dem Landzipfel zwischen Rhone und Saône eine Siedlung von vertriebenen Allobrogern gegründet worden. Beide wurden von Caesar eingenommen, nördlich davon fand am Arar im Jahre 58 v. Chr. das erste Gefecht Caesars mit den Helvetiern statt. Die römische Stadt Lugdunum, die durch Ausbau aus den beiden ursprünglichen Siedlungen hervorging, entstand erst kurz nach Beendigung des Gallischen Krieges aus einer Koloniegründung des Munatius Plancus (43 v. Chr.). Sie gewann rasch große Bedeutung und besaß später eine städtische Verfassung, eine ständige Besatzung, eine Münzstätte und wurde als großer Verwaltungssitz bekannt. Nach ihr benannt ist die provincia Lugdunensis.94

Ein Volksstamm in den Cevennen

...qua montibus ardua summis gens habitat cana pendentes rupa Cebennas.

Vergleicht man die Bemerkung Lucans vom Volksstamm, der auf den schneebedeckten Höhen der Cevennen hausen soll mit den Angaben Caesars, wie mühselig er sich und seinen Truppen im Winter einen Weg über dieses Gebirge suchte,95 so ist man geneigt zu glauben, daß diese Passage als schmückendes Beiwerk zu verstehen ist und man diesen Stamm eher am Fuß oder Hang des Gebirgszuges, als auf Bergeshöhen zu suchen hat. Es bieten sich dafür die schon oben beschriebenen Arverner an, dazu die Gabaler (von den Arvernern abhängig), die Vellavier, die im Quellgebiet der Loire hausten, insbesondere aber auch die Helvier auf der Südostseite der Cevennen.

Bei den Treverern

Tu quoque laetatus converti proelia, Trevir...

Gebräuchlich war bei diesem gemanisch-keltischen Mischvolk sowohl der Name Treveri (Treverer) wie auch Treviri (Trevirer). Sie wurden von Caesar zu den Galliern gerechnet und bewohnten den Hunsrück- und Eifelraum beiderseits des Unterlaufs der Mosel. Auf eine ursprünglich germanische Abkunft verweist Tacitus in seiner Germania.96 Ihr Gebiet reichte nördlich bis zu den Ardennen, östlich bis an den Rhein, im Süden bis an die Gebiete der Mediomatriker und Vangionen (Hunsrückkamm) und im Westen bis an das Gebiet der Remer. Im Land der Treverer sind viele Siedlungen nachgewiesen, so Andethanna (Niederanwen), Ausava (Oos b. Gerolstein), Contionacum (Konz), Beda (Bitburg) usw., daneben viele Fliehburgen aus vorrömischer Zeit. Der spätere Hauptort Trier entstand erst in römischer Zeit als Kastellgründung beim Bau der Straße von Lyon an den Rhein.97 Der Stamm besaß ein gut funktionierendes Wirtschaftssystem mit eigener Münzprägung. Die Treverer lebten von der Landwirtschaft und Viehzucht. Bodenfunde aus römischer Zeit weisen auf reich ausgestattete Höfe hin.98 Sie waren berühmt für ihre Pferdezucht, betrieben Tuchherstellung in Verbindung mit ihrer Schafzucht; verbreitet war auch das Töpferhandwerk, das Latènekeramik herstellte und schon bald römische Techniken übernahm. Treverer sind als Händler in vielen Orten nachgewiesen, so z.B. in Lyon, Rom, Mainz, Britannien, Speyer oder Neuburg an der Donau. - Erstmalig historisch greifbar wird der Volksstamm, als er zu Beginn des Gallischen Krieges Abgesandte zu Caesar schickt, um Hilfe gegen die über den Rhein drängenden Suebenstämme zu erbitten.99 Mehrfach bezeugt Caesar, daß die Treverer für ihrer Reiterei nicht nur berühmt waren, sondern auch zahlenmäßig die größte in ganz Gallien unterhielten.100 Ihr Verhältnis zu den Römern war unbestimmt, so stellten sie Caesar Hilfstruppen zur Verfügung, wandten sich aber auch ebenso rasch wieder von ihm ab. Diese besonderen Umstände veranlaßten Caesar vor seiner 2. Britannienexpedition Truppen im Land der Treverer zu stationieren. Mehrfach nahmen sie an Aufständen gegen die Römer teil, wahrscheinlich an einem Aufstand in den Jahren 39-37 v. Chr., sicher aber am Aufstand des Jahres 29 v. Chr.101

Die geschorenen Ligurer

...et nunc tonse Ligur, quondam per colla decore crinibus effusis toti praelate Comatae

Das Volk der Ligurer, von dem Lucan sagt, sie seien einst mit Haarflut geschmückt den Galliern überlegen gewesen, nun aber geschoren, gilt als ein indogermanisches Urvolk mit mehreren Stämmen, das zwischen den Pyrenäen und der Poebene saß.102 Die Untersuchung sprachlicher Verwandtschaften sowohl mit italischer, keltischer und nordillyrischer Sprache stützen diese Annahme.103 Die Ligurer wurden durch die im 4. Jhdt v. Chr. nach Norditalien einrückenden Kelten zusammengedrängt auf das Gebiet der Seealpen und den nordwestlichen Appenin. Sie gerieten nach dem 2. Punischen Krieg, wo sie Karthago mit Hilfstruppen unterstützten, überwiegend unter die Oberherrschaft der Römer, ein Teil von ihnen wurde umgesiedelt.104 Die letzten noch freien Anghörigen wurden unter Augustus unterworfen. Die Aussage Lucans ist hier vor allem topisch zu verstehen, die verlorene Haarpracht als Zeichen verlorener Größe und Freiheit. Auch hat in diesem Sinne hat der Verlust der Eigenständigkeit zur Anpassung an die römische Sitte geführt, das Haar kurz zu tragen.105

Die langhaarigen Chauken

...et vos crinigeros bellis arcere Caycos oppositi...

Nachdem Lucan seinen geographisch-ethnischen Exkurs über Gallien mit globalen Ausführungen zu gallisch-germanischem Brauchtum und Glauben eigentlich schon beendet hat, folgt als Anhängsel noch eine Bemerkung zu den Chauken. Hier ist zu vermuten, daß er -um (relative) Aktualität bemüht- noch ein Stück Zeitgeschichte in seinen Text hineinarbeitet, denn die Chauken hatten zu Caesars Zeiten, von denen der Dichter schreibt, nichts mit Gallien zu tun. Allerdings kam es in den Jahren der Kindheit Lucans zu unangenehmer Berührung mit dem römischen Gallien, als sie die Küste im Jahre 47 n. Chr. brandschatzten. - Die Chauken waren ein germanischer Stamm an der Nordseeküste und lebten zwischen den Flüssen Ems und Elbe, östlich des Stammes der Friesen. Unterschieden wurden sie in die sogenannten Kleinen Chauken und die Großen Chauken. Sie wurden erstmals von Drusus bekämpft, nachdem dieser die Friesen unterworfen hatte und waren ab dem Jahre 5 n. Chr. römische Untertanen.106 Zu Zeiten des Tiberius (14-37 n. Chr.) wurde das Chaukenland wieder aufgegeben. Als der Volksstamm sich später den Römern feindlich gegenüberstellte, kam es im Jahre 41 n. Chr. zu einer Strafexpedition des Statthalters P. Gabrinius Sekundus „Chaukius“. Schon im Jahre 47 überfielen sie aber wieder die gallischen Küsten und nahmen (nach Lucans Zeit) am batavischen Aufstand gegen Rom teil.

Zusammenfassung

Der „Aufhänger“, mit dem Lucan seinen geographischen Exkurs im Text festklammert, ist der enthusiastisch vorgetragene Aufruf zum Krieg verbunden mit einer Ergebenheitsadresse an Caesar, mit der der Truppenführer Laelius die letzten Zweifel der Truppen beseitigt und eine dem Bürgerkrieg günstige Stimmung provoziert. Als Folge dieser Rede, so Lucan, ruft Caesar seine Truppen aus Gallien zusammen.107 Am Ende des Exkurses spricht Lucan dann von der Ansammlung einer unübersehbaren Streitmacht (...ut immensae robore vires audendi maiora fidem fecere...). Sicherlich sind die historischen Vorgänge aber anders abgelaufen, denn Caesar hatte zu Beginn seiner Unternehmung nur eine Legion zur Verfügung und erschreckte seine Gegner weniger durch große Truppenkontingente als vielmehr durch die Geschwindigkeit seines Handelns.108 Die Sammlung der Truppen vollzog sich tatsächlich sehr viel langsamer, denn Caesar hatte am Ende des Jahres 49 v. Chr. erst 12 Legionen ohne vollständige Gefechtsstärke beisammen.109 Die historische Tatsache, daß Caesar Truppen sammeln mußte, verwendet Lucan dazu, einzelne Regionen und Völker Galliens vorzustellen. Allerdings sind die besetzten Gebiete kaum vollständig geräumt worden, war doch der letzte Widerstand in Gallien gerade erst gebrochen. Die Stimmung in Gallien aber, der Jubel der dort laut Lucan anhob, ist möglicherweise richtig dargestellt, war die Militär- und Eroberungspolitik Caesars doch von einer bis dahin beispiellosen Grausamkeit geprägt. So fielen unter Caesar 800 Ortschaften, wurden 300-400 Stämme unterworfen, sollen von insgesamt 3-4 Millionen gallischer (auch germanischer) Krieger ein Drittel getötet und ein weiteres Drittel versklavt worden sein.110 Sein Verhalten insbesondere gegen die Usipeter und Tenkterer „ stießauch in Rom auf massive Kritik “.111 Lucans weitere Darstellung Caesars im Bürgerkriegsepos, als der kriegslüsterne Gewaltmensch, entspricht gerade unter Berücksichtigung der Erfahrungen des Gallischen Krieges sicherlich historischen Tatsachen.

Da sowohl die historische Abfolge, wie auch der Handlungsverlauf in Lucans Epos, an dieser Stelle eine Bemerkung zur Sammlung von Truppen erfordert, ist damit die Frage, ob sein geographischer Exkurs zu Gallien nur der künstlerischen Ausschmückung dienen soll, sicherlich zu verneinen.112 Es gehört dazu ein weiterer Aspekt, das Interesse der Rezipienten. Zu einer Zeit, wo das römische Reich eine ungeheure Ausdehnung besaß, gleichzeitig aber dem Informationsbedürfnis nur eine geringe Zahl geographischer Informationsquellen gegenüberstanden (z. B. Strabon, Geographica), wird Lucan mit seinem geographischen Exkurs auf größte Aufmerksamkeit gestoßen sein. Damit verbunden ist gleichzeitig eine Demonstration und Verherrlichung der Größe Roms und des römischen Reiches.

Die Frage, ob Lucan seinen Exkurs bewußt so aufgebaut hat, um damit eine besondere wissenschaftliche oder politische Absicht zu verfolgen, oder ob er den Katalog seinem dichterischen Werk gemäß formte, bleibt Spekulation. Festzustellen ist allerdings, daß er seine Exkurse allgemein sowohl in Blöcke wie auch in Einzelszenen darlegt.113 Bei diesen Überlegungen ist aber nicht zu vergessen, daß Lucan in erster Linie als Dichter zu sehen ist und nicht als Historiker oder Geograph. Sachlich falsche Darstellungen, wie die Verbindung des Rubicon mit der Schneeschmelze in den Alpen (Lucan 1, 219) oder die Hervorhebung des Appenin als Quellgebirge des Po (Lucan 2, 408ff), können nur wider besseres Wissen ganz bewußt so formuliert worden sein. Sie dienen in erster Linie dem dichterischen Werk.

Nachweise

Quellen

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[...]


1 Corduba = Córdoba, Spanien, vermutlich vor 45 v. Chr. auf den Mauern einer älteren Stadt gebründet, Hauptstadt der römischen Provinz Baetica. Lag am seinerzeit noch schiffbaren Guadalquevir und war vor allem von Veteranen bewohnt. Galt als die kulturell am höchsten stehende Stadt Hispaniens.

2 49 bis 46 v. Chr. (Pompeius wurde bereits im Jahre 48 ermordet, die letzten Anhänger erst im Jahre 45 geschlagen)

3 C. Calpurnius Piso wurde im Jahre 38 von Caligula verbannt und von Claudius wieder zurückgerufen. Er galt als Repräsentant der alten senatorischen Ideale. Ob er tatsächlich die nach ihm benannte Verschwörung gegen Nero angeführt hatte, ist unsicher.Calpurnius Piso schied durch Suizid aus dem Leben.

4 ausführliche Darstellung bei Tacitus, Annalen, Buch 15

5 vermutetes Todesdatum: 30.4.65

6 Burck, E., Lexikon der Alten Welt, Bd. II, Sp. 1775, s.v. Lukan

7 Burck, E., Lexikon der Alten Welt, Bd. II, Sp. 1775, s.v. Lukan

8 Lucan, V.161-224

9 Lucan, I. 393

10 Hekataios von Milet, Geschichts- und Geographieschreiber, zwischen 550 und 480 v. Chr.

11 Herodot, Geschichtsschreiber, um 484 - um 430 v. Chr.

12 Niese, B, RE Halbband (Hbd.) 13, Sp 611f, s.v. Galli

13 Heinen, H.: Der römische Westen, S.46

14 Caesar, Bellum Gallicum, IV, 20.3-4

15 Niese, B., RE Hbd. 13, Sp 621-624, s.v. Galli

16 Mommsen, Th., Römische Geschichte S. 295

17 Caesar, Bellum Gallicum, I, 1

18 Wolters, R.: Römische Eroberung, S. 31

19 Beckmann, F.: Geographie, S.118 f

20 Strabon, geboren 64/63 v. Chr. in Amaseia (Pontos), gestorben 23/26 n. Chr. verfertigte die Historischen Kommentare (zw. 27 vor und 7 nach Chr.) und die Geographischen Kommentare „ Geographica “ (um 18 n. Chr.); behandelte in der Geographica erstmals ausführlich die Geographie Britanniens und Germaniens

21 zitiert nach Heinen, H.: Der römische Westen, S.61

22 Heinen, H.: Der römische Westen, S.42-46

23 wie FN 22

24 Caesar, Bellum Gallicum, IV, 10.1

25 vgl. Beckmann, F.: Geographie, S.172

26 Cramer, F., RE Hbd. 25, Sp 714, s.v. Lingones

27 Haug, F., RE Hbd.18, Sp. 2053, s.v. Isar-Isara-Isaras 10

28 Weiss, J., RE Hbd. 15, Sp. 1243, s.v. Hesperia

29 siehe Fußnote 10

30 Philipp, H., RE Hbd. 31, Sp 132f, s.v. Monoecus

31 Seefahrer und Geograph aus Massilia (Marseille), befuhr um 325 v. Chr. die Nordsee, erreichte die Insel Thule

32 Lasserre, F., Lexikon der Alten Welt, 2. Bd., Sp. 2492, s.v. Pytheas

33 Franke, A., RE Hbd. 32, Sp.2382, s.v. Nemetes

34 Schumacher, in: Mainzer Zeitschrift V 11, zitiert bei: Franke, A., RE Hbd. 32, Sp.2383, s.v. Nemetes

35 Caesar, Bellum Gallicum, I, 38-53

36 Bengtson, H. / Milojcic, V.: Großer Hist. Weltaltlas, Erläuterungen, S.222 13

37 Bannert, H., RE Suppl.15, Sp.657, s.v. Vangiones

38 zwischen 15 und 9 v. Chr.

39 Wolters, R.: Römische Eroberung, S. 149

40 Caesar, Bellum Gallicum, I, 10-11

41 Keune, J.B., RE Hbd. 2 (2. Reihe), Sp 2292, s.v. Santoni

42 Vercingetorix, Sohn eines Avernerfürsten, Füherer des großen Gallieraufstandes 52 v. Chr., wurde dabei zum König der Gallier ausgerufen; hingerichtet 46 v. Chr.

43 Caesar, Bellum Gallicum, VII, 75.3

44 Caesar, Bellum Gallicum, VII, 15

45 Caesar, Bellum Gallicum, VII, 22

46 Caesar, Bellum Gallicum, II, 4

47 Caesar, Bellum Gallicum, II, 12

48 Caesar, Bellum Gallicum, II, 13

49 Strabon, Geographica, IV, 177

50 Cramer, F., RE Hbd. 24, Sp 2152, s.v. Leuci

51 Caesar, Bellum Gallicum, I, 40

52 Caesar, Bellum Gallicum, II, 3

53 Keune, J.B., RE Hbd. 1 (2. Reihe), Sp. 587, s.v. Remi

54 Plinius d. Ä., Naturalis historia XIII, 85 und XIX, 97, zitiert bei Keune, RE 2 (2. Reihe), Sp. 590 f, s.v. Remi

55 Keune, J.B., RE Hbd. 1 (2. Reihe), Sp. 592, s.v. Remi

56 Caesar, Bellum Gallicum, II, 3-7; V, 53

57 Keune, J.B., RE Hbd.1 (2. Reihe), Sp. 588, s.v. Remi

58 Caesar, Bellum Gallicum, I, 38

59 Caesar, Bellum Gallicum, I, 33

60 Caesar, Bellum Gallicum, I, 3

61 Caesar, Bellum Gallicum, I, 31 ; VI, 12

62 Caesar, Bellum Gallicum, I, 54

63 Caesar, Bellum Gallicum, VII, 75

64 Siedlungsraum im westlichen Belger-Gebiet, in einer Region zwischen der Flüssen Seine, Somme und Oise. Hauptort war Bratuspantium, heute warscheinlich Montdidier. Der Volksname der Bellovaken blieb erhalten im heutigen Ortsnamen Beauvais.

65 Ihm, M., RE Hbd. 5, Sp. 204, s.v. Belgae

66 nur teilweise identisch mit der späteren Provinz Belgica

67 Mommsen, Th.: Römische Geschichte, S.295

68 Caesar, Bellum Gallicum, I, 1

69 Caesar, Bellum Gallicum, II, 4

70 Strabo, Geographica, IV,193-196; VI, 32.; vgl. auch Ihm, RE 3, Sp. 205, s.v. Belgae

71 Ihm, M., RE Hbd. 4, Sp. 1499, s.v. Arverni

72 Mommsen, Th.: Römische Geschichte, S. 295 f; vgl auch Bengtson, H.: Römische Geschichte, S. 181

73 Ihm, M., RE Hbd. 4, Sp. 1488, s.v. Arverni

74 Bengtson, H.: Römische Geschichte, S.186

75 Linckenheld, E., RE 17, Sp. 56, s.v. Nervii

76 Caesar, Bellum Gallicum, V, 39

77 Caesar, Bellum Gallicum, II, 17

78 Caesar, Bellum Gallicum, II, 16-28

79 Caesar, Bellum Gallicum, II, 28

80 höherer Offiziersrang, Adjutant des Feldherrn

81 Caesar, Bellum Gallicum, V, 24-37

82 Caesar, Bellum Gallicum, V, 40; V, 42; V, 52

83 Linckenheld, E., RE Hbd. 33, Sp. 61, s.v. Nervii

84 Bannert, H., RE Suppl. 15, Sp 654-656, s.v. Vangiones

85 Bannert, H., RE Suppl. 15, Sp 656, s.v. Vangiones

86 Kybalová, L.: Mode, S. 95

87 Ihm, M., RE Hbd. 5, Sp 118ff , s.v. Batavi

88 Wenskus, R.: Stammesbildung, S. 425

89 Wolters, R.: Römische Eroberungen, S. 144 Fn 53

90 Caesar, Bellum Gallicum, IV, 10

91 Ihm, M., RE Hbd. 5, Sp 119ff , s.v. Batavi

92 Lucanus, Bellum Civile, Anmerkungen, S. 510

93 Cramer, F., RE Hbd. 26, Sp 1718ff, s.v. Lugudunum

94 Cramer, F., RE Hbd. 26, Sp 1718ff s.v. Lugudunum

95 Caesar, Bellum Gallicum, VII, 8

96 Rau, P., RE Hbd. 12 (2. Reihe), Sp. 2303, s.v. Treveri

97 Rau, P., RE Hbd. 12 (2. Reihe), Sp. 2307, s.v. Treveri

98 Rau, P., RE Hbd. 12 (2. Reihe), Sp. 2312, s.v. Treveri 24

99 Caesar, Bellum Gallicum, I, 37

100 Caesar, Bellum Gallicum, II, 24; V, 3

101 Rau, P., RE Hbd. 12 (2. Reihe), Sp. 2306, s.v. Treveri

102 Andreae, B.: Lexikon der Alten Welt, Bd. II, Sp1732, s.v. Ligurer

103 Vetter, RE Hbd 25, Sp 531, s.v. Ligures

104 Weiss, J., RE Hbd 25, Sp 533 f, s.v. Ligures

105 Eckstein, F., Lexikon der Alten Welt, Bd. II, Sp 1179, s.v. Haartracht 25

106 Ihm, M., RE Hbd 6, Sp 2201-2202, s.v. Chauci

107 Lucan, Bellum Civile, I, 352-395

108 Bengtson, H.: Römische Geschichte, S.191

109 Bengtson, H.: Römische Geschichte, S.193

110 Wolters, R.: Römische Eroberung, S. 66

111 Wolters, R.: a.a.O.

112 vgl. auch Beckmann, F.: Geographie und Ethnographie, S.116 f 27

113 Lucanus, Bellum Civile, Anmerkungen, S. 510

31 von 31 Seiten

Details

Titel
Exkurs zur Ethnographie und Geographie Galliens in Lucans "Bellum Civile"
Autor
Jahr
1995
Seiten
31
Katalognummer
V96750
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Oberseminar "Lucans Epos vom Bürgerkrieg"
Schlagworte
Exkurs, Ethnographie, Geographie, Galliens, Lucans, Bellum, Civile
Arbeit zitieren
Florian Speer (Autor), 1995, Exkurs zur Ethnographie und Geographie Galliens in Lucans "Bellum Civile", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96750

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