Japan. Wirtschaft im Wandel


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

4 Seiten, Note: 11 Punkte


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Wirtschaft im Wandel

In den achtziger Jahren hat die japanische Wirtschaft enorm expandiert. Der industrielle Schwerpunkt Japans hat sich dabei von der Leichtindustrie auf die Schwerindustrie, die Chemie und die Elektronikindustrie verlagert, die zusammen etwa zwei Drittel des jährlichen Gesamtexports produzieren. Vor dem 2. Weltkrieg lag die japanische Wirtschaft in den Händen einiger weniger, wohlhabender Familien, die als Zaibatsu („reiche Clique“) bezeichnet wurden. Diese Familien kontrollierten den größten Teil der Kohle-, Eisen-, Zellstoff- und Aluminiumindustrie. In den Jahren 1945 und 1946 wurde das Familieneigentum dieser riesigen Gesellschaften unter der alliierten Besatzung aufgelöst. Die Firmen blieben jedoch intakt und haben seitdem eine noch größere Wirtschaftsmacht gewonnen, denn die Geschäftsbereiche wurden auch auf die Sektoren Schiffsbau, Banken und andere Industrien ausgedehnt. Nachdem die japanische Industrie durch die Angriffe im 2. Weltkrieg schweren Schaden erlitten hatte, erfolgte in der Zeit des Wiederaufbaus eine komplette Modernisierung der Produktionsanlagen. Japan hat schon damals über einen modernen Grundstock bei den Industrieanlagen verfügte, welches ein mitentscheidender Faktor für den folgenden Wirtschaftsboom war. Beim Wiederaufbau wurde vor allem der chemischen und petrochemischen Industrie und dem Maschinenbau Vorrang eingeräumt. Mitte der fünfziger Jahre hatte die industrielle Produktion das Vorkriegsniveau bereits überholt, das hatte zur Folge, dass die jährlichen Zuwachsraten im Produktionssektor in die Höhe stiegen. Mitte der neunziger Jahre war Japan zur führenden Schiffsbaunation in der Welt aufgestiegen und zählte auch in den Bereichen der Produktion elektrischer und elektronischer Geräte, darunter vor allem Uhren, Videorecorder, Fernsehgeräte, Kameras, Mikrowellengeräte, Kühlschränke, Faxgeräte, Computer und Kopiergeräte. Auch in der Stahlverarbeitung und Automobilherstellung gehört Japan zu den führenden Ländern. Unterstützt durch den starken Yen konnten japanische Gesellschaften zunehmend in Industrieanlagen im Ausland investieren. Mitte der neunziger Jahre zählte Japan außerdem zu den führenden Produzenten chemischer Grundstoffe. Auch in der Textilindustrie rangiert Japan an vorderster Stelle und nimmt bei der Herstellung von synthetischen Fasern weltweit den dritten Platz ein. Seide und Baumwolle nahmen in dieser Periode jedoch an wirtschaftlicher Bedeutung ab. In Japan befasst man sich seit Beginn der Industrialisierung sehr intensiv mit der Wirtschaft des Landes. In fast allen westlichen Industrieländern wird Japan durch einen stets wachsenden Anteil des Bruttosozialproduktes respektiert. Konsum ist Trumpf in Japan. Was jeden Besucher der großen Städte sofort ins Auge springt, ist die hochentwickelte Konsumkultur, denn jeder Japaner ist Verbraucher und diese Konsumgewohnheiten bestimmen sein Leben mehr als alles andere. Der staatlich gelenkte Industriekapitalismus erreichte neue Höhen des Erfolgs, forderte aber auch einige Opfer. Es wurde rasend produziert, aber wenig konsumiert. Hohe Arbeitsmoral und Konsumverzicht waren die hervorstechenden Kennzeichen der 3 Boomjahrzehnte in denen der Verzicht oft zu weit ging. Das es der Firma gut geht, war vielen das höchste Gebot, alles schien der Produktion geopfert zu werden: Umwelt, Familie und die eigene Gesundheit. Trotz einer guten Ausgangslage besteht seit 1991 eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung (Rezession). Nachfrage, Produktion, Investitionen und Gewinne sinken. So musste Personal abgebaut werden, was für Japan zu einer verhältnismäßig hohen Arbeitslosigkeit führte. Das wertvolle Prinzip der lebenslangen Beschäftigungsgarantie musste aufgegeben werden. Heute hilft die Regierung den Betrieben mit Investitionsförderung. In den Anfängen der Wirtschaftsentwicklung war die ungeheure Abhängigkeit vom Import der Rohstoffe ein gewaltiges Problem, jedoch gestaltet sich nun die Exportabhängigkeit zunehmend zur schwierigen Aufgabe. Japanische Waren sind nämlich auf dem Weltmarkt teurer geworden, weil Lohnkosten steigen und die japanische Währung gegenüber dem US-Dollar aufgewertet werden musste.

Eine Aufwertung erhöht den Wert nach außen. Importe werden dann billiger, was zur Folge hat, dass der Export von Waren gehemmt wird, da die Produkte verteuert werden. So versucht Japan im pazifischen Raum neue Märkte zu erschließen, um die Rolle als Weltwirtschaftsmacht für die Zukunft zu behaupten. Die Hauptgründe dafür, dass Japan zu einer bedeutenden industriellen und wirtschaftlichen Großmacht geworden, kann man anhand 6 Hauptgründen erkennen:

- Eine Gesellschaft ohne trennende Klassenunterschiede und Neidkomplexe, die zwar eine Hierarchie kennt, aber jedem die Chance bietet aufzusteigen.
- Die große Lernbereitschaft und der Wille, alle als nützlich erkannten fremden Ideen und Verfahren zu übernehmen, ohne die eigene Identität aufzugeben.
- Damit japanische Firmen auf den Weltmärkten konkurrenzfähig sind, wird den exportintensiven Firmen durch steuerliche Vorteile ein besonderer Rückhalt zugesprochen.
- Eine soziale Struktur im Unternehmen, die alle Beteiligten die Firma als ’’mein Haus’’ empfinden lässt und zu großer Loyalität und Einsatzbereitschaft führt.
- Die enge Zusammenarbeit zwischen der Industrie und einer ganz auf wirtschaftliches Wachstum programmierten Ministerialbürokratie, die sich ihren Nachwuchs unter der Elite der Universitätsabsolventen auswählen kann.
- Eine Bevölkerung, die sich bisher ganz dem nationalem Ziel verpflichtet fühlte, gemeinsam den wirtschaftlichen Aufstieg zu schaffen, dafür hart zu arbeiten und zu sparen.

Allgemeines:

Die wichtigsten Handelspartner Japans sind die USA, die EU-Länder, die neun ASEAN-Länder ( Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand, Brunei, Myanmar, Laos und Vietnam ), Australien und die Vereinigte Arabische Emirate. Der steigende Wohlstand äußert sich im wachsenden Anteil des Dienstleistungssektors. Für die Wirtschaft besonders wichtig sind die Verkehrswege: Das Eisenbahnnetz der Shinkansen von 20.255 km, das Straßengesamtlänge von 1,2 Mio. km und ein Schnellstraßennetz von 9000 km Länge. Japan besitzt zusätzlich die drittgrößte Handelsflotte der Welt. Die wichtigsten Seehäfen sind Yokohama, Nagoya und Kõbe und Osaka. Im Schiffbau sind 8 Großwerften tätig und die sind führend in der Welt. Die Erdöl- und Erdgasvorkommen sind gering, so dass man auf den Handel mit den Vereinigten Arabischen Emirate eingehen muss. Für die Energieversorgung sorgen 47 Kernkraftwerke, wobei man bedenken muss das dies sehr gefährlich ist, denn Japan ist ein stark erdbebengefährdetes Land. Mit 3776m ist der Fujijama der höchste Berg. Durch eine künstliche Neulandgewinnung gelang es Osaka einen internationalen Flughafen zu errichten.

Elektroindustrie:

Eine sorgfältige Planung führte dazu, dass sich Japan in Sachen Elektroindustrie in den Weltmärkten verankern konnte. Mit der verstärkten Produzierung von Siliziumplättchen, die heute zum Beispiel in Taschenrechnern und Videorecordern eingebaut sind, wurde eine ausbaufähige Struktur erreicht. Jahr für Jahr werden 80% der Forschungs- und Entwicklungsgelder in die Elektronik gesteckt. Die führende japanische Firma ist Fujitsu, die in Japan einen Marktanteil von ca. 30% errungen hat.

Autoindustrie:

Seit 1980 sind Japans Autobauer die Größten. Den Drang Japans an die Spitze zu kommen, wurde schon früh signalisiert. 1967 beschloss die Regierung in Tokio, die Einfuhrhindernisse für ausländische Autofirmen schrittweise abzubauen, weil die heimische Industrie inzwischen stark genug sei, sich der internationalen Konkurrenz zu stellen. Die wichtigste Ursache für den Erfolg japanischer Autos sind gute Preise. Die Werke, in denen produziert wird, sind fast alle neu und auf dem modernsten Stand der Technik. Die Transportwege werden meist kurz gehalten, so dass beim Produzieren nicht auf Teile gewartet werden muss und die Auslieferung möglichst schnell erfolgt. So liegen alle 10 Werke von Toyota in der Stadt Toyota City oder in unmittelbare Nähe. Im Umfeld sind dann auch die kleinen Zuliefererfirmen um keine Zeit zu opfern. Große Lagerbestände, die Kapital binden und Platz kosten, sind somit nicht nötig. Das ausgereifte Konzept brachte Japan dazu, sich im Weltmarkt zu etablieren. Die erfolgreichsten Autokonzerne sind: Toyota, Nissan, Mitsubishi, Honda und Daihatsu. Im Jahr 1867 wurde Sakichi Toyoda geboren - in bescheidenen Verhältnissen zwar, aber mit einem unglaublichen Ideenreichtum, wie sich schon sehr bald herausstellen sollte. Ein Erfinder, wie er im Buche steht. Und einer, der im Laufe seines Lebens über 80 Patente verbuchen konnte. Die Konstruktion eines revolutionären Webstuhls zum Beispiel, dessen Funktionalität sehr bald bis weit über Japans Grenzen hinaus geschätzt wurde. Was nicht zuletzt sicherlich auch Sakichi Toyodas Anspruch zu verdanken ist, seinen Kunden immer nur das Beste bieten zu wollen. Fünf Jahre nach Beginn der Autoproduktion waren es dann auch schon über 1.000.000 verkaufte Autos. Bedarf steigend. Das beste Beispiel für den Bedarf an zuverlässigen, qualitativ hochwertigen und trotzdem günstigen Autos ist wohl der Corolla: mit über 23 Millionen gebauten Exemplaren das gefragteste Automobil der Welt. Worauf wir diese rasante Entwicklung zurückzuführen? Auf Sakichi Toyoda und seine ureigene Unternehmensphilosophie: ’’Biete jedem Kunden in jeder Hinsicht das bestmögliche Produkt und verwende ausschließlich die besten Materialien. Achte auf sorgfältigste Verarbeitung und sei ständig darum bemüht, deine Produktionssysteme zu verbessern’’. Die Einstellung befolgt der Toyota-Konzern genauso, wie Sakichi Toyoda ihn vor 133 Jahren geprägt hat. Diese Treue zu einem Zitat führt dazu, dass Toyota heute immer noch zu den führenden Autoherstellern gehört und größter japanischer Hersteller ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fragen zum Text: Japan - Wirtschaft im Wandel

1.) Nenne verschiedene Standorte der Fahrzeugindustrie Japans. Benutze dafür den Atlas !
2.) Beschreibe den Verlauf der japanischen Wirtschaft. Welche Besonderheiten fallen dir auf ?
3.) Was sind Grundlagen für die japanische Präsenz auf dem Weltmarkt ?
4.) Woran erkennt man, dass bei Toyota eine Art von ’’Lean Production’’ betrieben wird ?
5.) Erläutere die japanische Entwicklung anhand Material 1.
6.) Nenne drei der Hauptgründe, warum Japan zur Industrie- und Wirtschaftsmacht wurde, und fasse sie mit eigenen Worten zusammen
7.) Warum sinkt der Anteil der Landwirtschaft in BSP so drastisch?
8.) Welche Aussagen kann man anhand der Grafik M2 zum Im - und Export Japans machen ?

Quellen:

- Statistisches Bundesamt; Länderbericht Japan; Wiesbaden;1994
- F.A. Brockhaus GmbH; Der Brockhaus in 15 Bänden; Leipzig; 1998
- Florian Coulmas; Japan außer Kontrolle; Darmstadt; 1998
- Internet; http://www.userworld.com

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Japan. Wirtschaft im Wandel
Note
11 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V96768
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Japan, japanische Wirtschaft
Arbeit zitieren
Florian Stüdemann (Autor), 2000, Japan. Wirtschaft im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96768

Kommentare

  • Gast am 3.7.2003

    Japan.

    super hausarbeit ich bin stolz auf den ersteller dieses meisterwerkes mir hilfts .... cu *g*

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Titel: Japan. Wirtschaft im Wandel



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