Heimatschutz-Stil. Anmerkungen zu einem Stilphänomen in der Architektur der Jahrhundertwende.


Seminararbeit, 1994
51 Seiten, Note: sehr gut

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Gliederung

Einleitung
Geschichtsbewegung
Denkmalschutz
Heimatschutz

Stilfragen und Einflüsse

Heimatschutz und Architektur
Gedanken, Theorien und Ziele des Bauens nach dem Verständnis des Heimatschutzes
Staatliche Aktivitäten als Vorbild
Maßnahmen von Seiten des Heimatschutzes
Sonderproblem: Heimatschutzbauen in Großstädten
Industriebauten in heimatlicher Gestaltung

Heimatschutz-Bauen und seine Gegner

Heimatlicher Baustil im Bergischen Land
Begriffsbestimmung und Überlegungen zum Heimat- Baustil im Bergischen Land
Organisation und Initiatoren heimatlichen Bauens in der Wupperregion

Zusammenfassung

Abkürzungen

Literatur

Heimatschutz-Stil.

- Anmerkungen zu einem Stilphänomen in der Architektur der Jahrhundertwende.

Einleitung

Zu Beginn unseres Jahrhunderts fanden sich drei große historisch-kulturell ausgerichtete Bewegungen nebeneinander: die national und regional orientierte Geschichtswissenschaft, die Denkmalpflege und die Heimatschutzbewegung. Die beiden ersten hatten ihre Wurzeln im späten 18./frühen 19. Jahrhundert, während die Heimatschutzbewegung erst an der Wende zum 20. Jahrhundert entstand. Es ist hier wichtig, neben dem hier interessierenden Heimatschutz die beiden älteren Strömungen zu nennen, da sie alle drei eng miteinander verwandt sind und sich häufig berührten oder überschnitten.

Aufgabe vorliegender Arbeit soll es sein, einige Merkmale des Einflusses vorzustellen, den die Heimatschutzbewegung auf die Architektur im Allgemeinen nahm und im weiteren, welche Resonanz diese Ideen bei den Menschen des Bergischen Landes auslöste. Die hier im Folgenden für Deutschland gemachten Ausführungen schildern nicht unbedingt ein nationales Phänomen; Einflüsse des Heimatschutz-Baustiles lassen sich im ebenfalls in benachbarten Staaten verfolgen, so in Österreich, der Schweiz oder auch in Belgien.1

Geschichtsbewegung

Das im frühen 19. Jahrhundert erwachte Interesse an der Geschichte der deutschen Lande, an der gemeinsamen mittelalterlichen Vergangenheit, steht in engem Zusammenhang mit den Bewußtseinsveränderungen der Menschen nach den politischen Erfahrungen mit dem Zusammenbruch des maroden alten Kaiserreiches, der Errichtung des Napoleonischen Regimes und dessen Überwindung. Das alte Reich war vergangen, wesentliche Rechte des Adels waren aufgegeben - respektive gewandelt - worden, zu Gunsten einer den neuen Staaten notwendigen und förderlichen Mobilität der Bevölkerung (zu denken ist hier z.B. an die sog. "Bauernbefreiung"). Dem Bürgertum erwuchsen neue Aufgaben und Möglichkeiten, wesentlich breitere Schichten gelangten zu höherer, teils universitärer Bildung. Die große Masse des Volkes kam zu einer geregelten, oft erzwungenen Grundbildung. Der Staat stützte sich verstärkt auf wissenschaftlich gebildete Beamte.

In diesem Klima wurden neue Instrumente der Identitätsfindung nötig, insbesondere da sich mit der einsetzenden Säkularisierung ein Individualisierungsprozeß verband. Die Fragen nach Zielen, nach persönlicher und kollektiver Identität, ließen sich nur aus der Geschichte, aus dem Erkennbarmachen von Verläufen und Entwicklungen beantworten; Fragen die nun erstmalig gestellt und beantwortet werden mußten. Das mittelalterliche Denken von einem "von oben bestimmten Sein", sei es von Gott, durch die Vernunft oder die Natur, war weggefallen. - Als ein Ausfluß der historischen Strömungen dieses 19. Jahrhunderts, des "Jahrhunderts der Geschichte"2, ist z.B. die Gründung der Monumenta Germaniae Historica zu sehen, durch die von Freiherrn von Stein 1819 gegründete Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, ebenso aber auch das Aufblühen der vielen kleinen, regional oder lokal orientierten historischen Vereine.3

Denkmalschutz

Die Denkmalschutzbewegung ist, ebenfalls von historischem Bewußsein getragen, erstmals an den Höfen des Adels in Erscheinung getreten. Hier war es vor allem die Sorge um die Erinnerung an die Vergangenheit der eigenen Familie. Im Zentrum standen hier zuerst Mobilia: Wappentafeln,

- Delchevalerie, Ch.: Architekturen von Paul Jasper-Lüttich, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 11, 1902/03, S.249-254

Inschriften, Grabsteine, - Dinge die die Größe und die Herrschaftsberechtigung der eigenen Familie unterstrichen; erst danach folgte das Interesse an Bauwerken.4 Als wichtigster Initiator der Denkmalschutzbewegung ist Friedrich Schinkel zu nennen, der als erster anregte, für die Belange des Denkmalschutzes eine Behörde zu schaffen. Die ersten hauptberuflichen Denkmalschützer wurden in den 1830er und 1840er Jahren installiert. Doch erstreckte sich dieser Denkmalschutz immer nur auf Dinge, die im Eigentum der Öffentlichen Hand standen, während privater Besitz völlig unberührt blieben. Darüber hinaus war Denkmalschutz sehr abhängig von den Intentionen der Politik. Noch zum Ende des 19. Jahrhunderts diente der Denkmalschutz in den Augen Wilhelms II. weniger geschichts- und kunstkonservatorischen Aufgaben, sondern insbesondere staatstragenden Zielen.5 Er richtete sich auf Monumentalgebäude, Großdenkmäler, Burgen, Abteien usw. die das Ansehen der Herrschaftsform und der Herrscherfamilie unterstrichen, - die Zeugen bürgerlicher Kultur und Leistung waren dazu weniger geeignet. Anstoß zu einem breit gefaßten Denkmalschutz, der auch Dinge von "nur" lokaler und regionaler Bedeutung erfassen sollte, gab Frhr. v. Biegelleben auf dem 1. Deutschen Denkmaltag in Dresden, im Jahre 1900.6

Heimatschutz

Wichtiger Wegbereiter der Heimatschutzbewegung war die seit 1887 erscheinende Zeitschrift Kunstwart, insbesondere der sich hier zu Wort meldende Architekt Paul Schultze-Naumburg, Gegner von Architektur in historischen Baustilen. Der Heimatschutz fand seine Begriffsprägung durch einen Artikel des Musikdirektors Ernst Rudorff in der Zeitschrift "Die Grenzboten" im Jahre 1897, wo Rudorff Maßnahmen zum Schutz der Natur und der Landschaft, zur Pflege des Brauchtums, den Erhalt der Baudenkmäler sowie die Neubelebung und Förderung volkstümlicher Bauweise forderte.7 Konkret faßbar wird diese neue Bewegung dann mit dem Aufruf zur Gründung des Bundes Heimatschutz im Jahre 1903, sowie seiner Realisierung im Jahre 1904 unter Leitung von Paul Schultze- Naumburg. Das Interesse an dieser Bewegung war sehr groß, in nur zwei Jahren, bei der zweiten Jahreshauptversammlung im Oktober 1906, konnte der Bund Heimatschutz bereits 1000 Einzel- und 149

Körperschaftsmitglieder aufzählen, was bedeutete (folgt man der Deutschen Bauzeitung), daß er für rund 100.000 Einzelpersonen sprach.8 Obwohl Pflege von Landschaft, Brauchtum und Natur ebenfalls zu den Zielen des Heimatschutzbundes zählten, bildeten Denkmalpflege und Architektur von Anbeginn einen markanten Schwerpunkt des Vereins, so daß ein Redakteur der Deutschen Bauzeitung im Jahre 1906 spekulierte, daß es zu engen Verpflechtungen von Denkmalschutz und Heimatschutz auf Vereinsebene kommen müßte.9

Dieser Schwerpunkt von Denkmalpflege und Architektur führte dazu, daß von der Heimatschutzbewegung ein starker Einfluß auf das Bauen nach der Jahrhundertwende ausging. Während die Denkmalschutzbewegung versuchte, wertvolle historische oder künstlerische Zeugnisse vor der Vernichtung zu bewahren, verlegte sich die Heimatschutzbewegung darauf, traditionelle Eigentümlichkeiten vor modernen Einflüssen zu schützen. Der Denkmalschutz hatte zu dieser Zeit vor allem den Schutz einzelner Objekte im Visier. Die Bestrebung des Heimatschutzes war dahingehend, die Wirkung des bestehenden Ensembles vor den neu hinzukommenden Einzelobjekten zu schützen, ein traditionell geprägter Gesamteindruck sollte bewahrt bleiben. Die unter diesem Einfluß entstandenen Gebäude weisen besondere Eigentümlichkeiten auf, was in der Folge dazu führte, daß man zu einem Terminus "Heimatschutzstil" fand.

Stilfragen und Einflüsse

Mit dem beginnenden, oben bereits genannten allgemeinen Geschichtsbewußtsein, war auch ein Bewußtsein für unterschiedliche Kunst- und Stilrichtungen in breite Kreise der Bevölkerung gedrungen. Nach dem Ende der Rokoko-Epoche, spätestens aber nach dem Ende des Empire, bot kein neugeschöpfter Kunst- und Baustil Orientierung für die Künste im Allgemeinen, sondern eine Epoche sich abwechselnder, verschiedener historischer Stile und Stilmischungen hatte Einzug gehalten.10 Die Gotik, treffender unter der Bezeichnung Neo-Gotik, leitete diese Epoche aufeinanderfolgender, zeitweise auch gleichzeitig benutzter, wiederbelebter historischer Stile ein. Diese Epoche wird global als die Zeit des "Historismus" bezeichnet, ihre wiedererweckten Stile tragen zur Unterscheidung von Ursprünglichem den Zusatz "Neu" oder "Neo". Nicht immer wurde im Historismus Stilreinheit gewahrt, so daß sich auch verschiedene historische Stile an einem Objekt vereinigt finden, was zu dem abwertenden Begriff Eklektizismus führte. Erst in jüngerer Zeit wird dieser Zeit eine bis dahin verweigerte kunstgeschichtliche Eigenständigkeit zugebilligt. Der Historismus ist zu verstehen als das künstlerische Ausdrucksmittel einer geschichtsbewußten Gesinnung. Die dahinterstehende geistige Haltung ging von einer Re-Aktivierung der Geschichte aus, einem Anknüpfen an frühere, vermeintlich glücklichere Epochen, wofür die historischen Stile ein äußeres, künstlerisches Merkmal waren. Allerdings sollten in stilistischer Hinsicht die historischen Vorbilder nicht kopiert werden, sondern die überbrachten Ausdrucksformen sollten für neu zu Schaffendes, den zeitgemäßen Bedingungen Entsprechendes, benutzt und umgewandelt werden.

- Ein wichtiger, sich auf die Frage des zeitgemäßen Kunststiles auswirkender Gedanke war vor allem die von dem neuen Geschichtsbewußtsein getragene Sehnsucht nach einem einheitlichen Staat. Als nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der damit verbundenen Reichsgründung der Einheitswunsch erfüllt war, wurde verstärkt auch die Frage nach einem einheitlichem Stil laut, der das Wesen des nun geeinten deutschen Volkes widerspiegeln sollte.

- Gerade in der Architektur war die Suche nach einer neuen festen Richtung schmerzhaft schon früh verspürt worden. Das wird sehr deutlich durch entsprechende Aufsätze in Fachzeitschriften. Bezeichnenderweise taucht hierbei häufig der gleiche, an einen Hilfeschrei errinnernde Titel auf: "In welchem Style sollen wir bauen ?", ursprünglich fußend auf einer gleichnamigen Schrift von Heinrich Hübsch.11 Während ein Rosenthal 1844 noch zu einer eindeutigen Antwort fand und die Gotik präsentierte,12 wurden nach 1860, spätestens aber nach der Reichsgründung 1871 andere Antworten gegeben.

Streitthema wurde die Frage, ob die Gotik oder die Renaissance der Stil sei, der der Gegenwart am besten entspräche.13 Den Sieg trug die Renaissance davon, wobei aber weniger nationalistische Erwägungen als vielmehr künstlerisch praktische Erwägungen den Ausschlag gaben. Als typisch für diese Zeit ist die Verbindung einer Deutschen Kunst- und Industrieausstellung in München 1876 mit einer Sonderausstellung "Unserer Väter Werk", die Meisterwerke der Renaissance heraushob, um sie den damaligen Zeitgenossen vorbildhaft vor Augen zu führen. Nachdem in den 1860er Jahren das Neben- und Miteinander verschiedenster historischer Stile durch das Bemühen um Stilreinheit unter Favorisierung der Renaissance abgelöst worden war, trat in der Spätphase der Historismusepoche eine Ablösung von der Neo-Renaissance ein. Die bis dato nie völlig verdrängte Neo-Gotik gewann wieder an Beliebtheit, andere

Stilrichtungen traten hinzu. Zum Ende des 19./Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Richtungen deutlich, die zwar den Wert und Stiltreue von Werken der Neo-Renaissance und Neo-Gotik anerkannten, gleichzeitig aber zu schlichtern Formen strebten. Um dennoch "stilgetreu" zu arbeiten, war die erneute Hinwendung zum Empire zwangsläufig, das die Möglichkeit zu leichten, praktischen und klaren Formen bot. Neben Neo-Gotik, Neo- Renaissance, Zweitem Rokoko und Neo-Klassizismus wurde am Rande auch dem Exotismus gehuldigt, worunter chinesisch-japanische,14 indische und persisch-arabische Stilformen zu verstehen sind, die Einfluß auf den sogenannten Jugendstil der Jahrhundertwende hatten. Ebenfalls nicht zu vergessen ist eine Geschmacksneigung, die ländliche, regional-geprägte Eigenheiten bevorzugte. So fanden sich Freunde z.B. der alpenländischen Region, die sich, wie selbstverständlich, ihr Schweizer Haus in die Norddeutsche Tiefebene setzten.15

Neben dieser Stilvielfalt nahmen weitere Faktoren Einfluß auf die Architektur vor der Jahrhundertwende:

- Zu nennen sind hier die großen Geldmengen, die als Reparationszahlungen nach dem Krieg 1870/71 für einige Jahre ins Reich flossen. Sie machten die Vergabe günstiger Kredite möglich und sorgten in Folge der einsetzenden Firmen-Gründungswelle (Gründerzeit) für einen Bauboom von Privat- und Gewerbebauten.

- Weiterhin spielten Erfindungen und Weiterentwicklungen in der Baubranche eine wichtige Rolle, die das Bauen moderner und billiger machten. Von Bedeutung waren zu dieser Zeit die Nutzung der Dachpappe und damit verbunden die Verbreitung von Flachdächern,16 ebenso die Anwendung von Stahlbeton.17 Auch hatte sich gerade auf dem Lande vielfach aus Kosten und Zeitgründen eingebürgert, neu errichtete Häuser nicht mehr zu verputzen, sondern nacktes Ziegelmauerwerk sichtbar zu lassen.

Heimatschutz und Architektur

Gedanken, Theorien und Ziele des Bauens nach dem Verständnis des Heimatschutzes

Dieser Zeit der letzten Jahrhundertwende, die geprägt war von Bauwerken aus der Vielfalt der Neo-Stile der vergangenen 80 Jahre, in der Bauwerke mit modernem Gepräge entstanden und wo neue Baustoffe wie Dachpappe und Beton benutzt wurden, trat nun die Heimatschutzbewegung mit ihren Forderungen an die Architektur entgegen.

Kern der Bewegung war die Idee, daß es einen Schutz für die ideellen Werte eines Volkes geben müßte. Insbesondere hielt man einen Schutz für ein traditionell geprägtes Heimatbildes für notwendig. Darum richtete sich die Bewegung in erster Linie auf das Bauen in Mittel- und Kleinstädten, vor allem aber auf ländliche Situationen. Hier hatte sich am längsten ein traditionelles Bild erhalten, und das Bauen nach städtischen, besser großstädtischen Vorbildern oder mit modernen Werkstoffen hob besonders dort sehr kontrastreich gegen Bestehendes ab. Tradierte Bauweise war vor allem auf dem Lande über Jahrhunderte erhalten geblieben, weil bestimmte, für die jeweilige Region geeignete Gebäudetypen, von ländlichen, lokal gebundenen Baumeistern errichtet wurden, die ursprünglich ihr Wissen generationsweise weitergaben. Einschränkungen hatte es nur durch landesherrliche oder städtische Auflagen seit dem 16./17. Jhdt. gegeben, insbesondere aus feuerpolizeilichen Gründen. Darüberhinaus waren keine gesetzlichen Regelungen vorgesehen (z.B. Baufreiheit in Preußen lt. Allgemeinem Landrecht). - Neue Verkehrsmittel, vor allem die Eisenbahn, und die allmähliche weite Verbreitung gedruckter Medien hatten nun einen regen Austausch bewirkt und Architektur- Impressionen auch aus entfernteren Regionen, insbesondere aber vom Bauen aus den Großstädten vermittelt. Es wurde beklagt, daß uralte, bewährte Bauweisen als veraltet und nicht mehr zeitgemäß angesehen, in unglaublich kurzer Zeit vergessen wurden.18 Weiterhin drängten verstärkt fach- und hochschulgebildete Architekten mit dem kunstgeschichtlichen Wissen dieser Zeit ans Werk, geprägt von dem Bauen der vergangenen Jahrzehnte. So waren nach Ansicht des Heimatschutzes gerade die Klein- und Mittelstädte sowie die ländlichen Regionen den Nachahmern großstädtischen Bauens ausgeliefert. Zusätzlich boten auf dem Lande die modernen Baustoffe Gelegenheit zu billigem Bauen. Das ließ einen Landeskonservator Gradmann19 dazu aufrufen, besonders hier auf den Heimatschutz zu achten, weil auf dem Land kaum Kontrolle durch die Allgemeinheit vorhanden war und er sah darin eine dankenswerte Aufgabe für Lehrer und Pfarrer. Wichtig war ihm der Kampf gegen diejenigen Stimmen, die das Einfache, Ursprüngliche und Dörfliche verachten. Als Problem erkannte er, daß den Bauern eingeredet worden war, städtischen Einfluß beim Bauen als "modern" anzunehmen.20

Auch spielten nicht nur geschichtlich/kunstgeschichtlich-konservatorische Gründe eine Rolle, allein auch der "Eindruck des Malerischen" sollte bewahrt werden. So warnte Ferdinand Luthmer in einem Vortrag vor Architekten in Frankfurt über das "malerische Element in der damaligen Baukunst" zwar vor den Irrtümern, die selbst einem Schinkel unterlaufen seien und zu "Theaterburgen" am Rhein geführt hätten, lobte aber ausdrücklich die Bemühungen des Heimatschutzes, die Sammlungen von Abbildungen von als beispielhaft (in diesem Sinne) empfundener Architektur und den modernen Architekten der damaligen Zeit, der versuchte "sein Werk in Einklang zu bringen mit Umgebung, Stadtbild und Landschaft und in bewußter Liebe zur Heimat".21 - Hinzu kam zum Malerischen noch eine nostalgische Sehnsucht, wobei an den baulichen Gegebenheiten Sehnsüchte nach einer anscheinend heilen Welt festgemacht wurden. So kommt eine tiefe Trauer zum Ausdruck, wenn ein Architekt schreibt, daß "...diese Plätze [Kachelöfen], an welchen allabendlich Ahn und Urahn im Dämmerschein der glimmenden Holzscheite, besonders zur rauhen Jahreszeit, ihren auf den Knieen rutschenden Enkeln allerhand fromme und weltliche Mär verkündeten" nun Vergangenheit waren.22 Der Schreiber dieser Zeilen sah es als Ziel des Heimatschutzes an, dafür Sorge zu tragen, daß "der alte wohlige Hauch, der die schmucklosen, aber doch reizvollen Hütten der Alten umwob, wieder fühlbar wird".

Neben den Forderungen, die Rudorff oder Schultze-Naumburg als anerkannte Wegbereiter des Heimatschutzes aufgestellt hatten, waren auch schon früher Stimmen laut geworden, die die Rückkehr zu einer volkstümlichen Bauweise einforderten. Schon lange bevor Heimatschutz als Begriff geprägt war, verlangte K.E.O. Fritsch vor der 2. Generalversammlung des Verbandes Deutscher Architekten im Jahre 1876 die Abkehr von den ursprünglich höfisch geprägten, historisierenden Stilen; seiner Meinung nach war eine Kluft entstanden zwischen Künstlern und Bauherren. Insbesondere sollten nicht die Privatbauten ein Abklatsch (so !) der Monumentalbauwerke sein, sondern letztere sollten als Frucht aus der Blüte des volkstümlichen Bauens hervorgehen.23 Ein nicht genannter Autor klagte 1897 in einer Dresdner Lokalzeitung über das Bauen auf dem Lande: "...Aber gerade hier hat man in unbegreiflicher Verblendung es geschehen lassen, dass städtische Gewohnheiten auch in der Baukunst einzogen und mit ihnen die Fluth unverstandener, zweckloser Bauformen wie der Gesimse, Medaillons, Konsolen, Balkons und der sonstigen Scheinarchitekturen, die unseren modernen Dörfern ihren trostlosen unerfreulichen Anblick geben, die die moderne Bauthätigkeit auf dem Lande so vertheuern, die aber auch den malerischen historischen Charakter unserer Dörfer vernichten!...". Diese Klage war der Deutschen Bauzeitung "so sehr aus der Seele gesprochen", daß sie nicht säumte, den Aufsatz wortwörtlich zu übernehmen.24

Ebenso traten unter dem Leitbegriff Heimatschutz Stimmen hervor, die sich energisch gegen moderne Tendenzen in der Kunst und Baukunst aussprachen, vor allem gegen die Adaption von stilistischen Einflüssen, soweit sie aus England kamen. Ein Karl Scheffler polemisierte in einem längeren Artikel in der "Deutschen Bauhütte" vor allem gegen die englische Architektur, die er in England zwar gelten lassen wollte, vor deren Übernahme er energisch warnte.25 Hier ist allerdings nicht die Sorge um ein traditionelles Heimatbild, sondern der Schutz vermuteter deutsch-nationaler Eigentümlichkeiten gemeint.

Eine weitere Gruppe interpretierte die Eigenschaft "heimatlich" bei der heimatlichen Bauweise nicht als besondere äußere, stilistische Eigentümlichkeit, sondern legte vor allem Wert auf "natürliche Erfüllung des Zweckes durch Gestaltung und Anordnung der Räume, sowie die richtige Verwendung der Baustoffe".26 Es galt dabei der Schluß: waren diese Voraussetzung erfüllt, so bewegte man sich im Rahmen jahrhunderteralter Bautradition und pflegte somit heimatliche Bauweise. Stilfragen waren nachrangig. Es wurde der Wunsch geäußert, die Anhänger des modernen Bauens und die der heimatlichen Richtung mögen sich vereinen, um daraus die lange gesuchte "gesunde Baukunst [entstehen zu lassen] , bei der das Praktische und Schöne in richtigem Verhältnis stehen".27

Wichtig war den Vertretern heimatgebundener Bauweise, daß nicht das Äußere kopiert, die Übernahme hergebrachter Fassaden geübt wurde, sondern daß die den traditionellen Bauten innewohnenden Gedanken und Überlegungen Berücksichtigung fanden. Genauer: Nicht nur das Äußere war wichtig, auch das Innere, die Raumaufteilung und eine entsprechende solide handwerkliche Ausführung sollte aus dem traditionellen Bauen schöpfen.28 Der Geist, aus dem die Bauwerke der "Alten" entstanden waren, sollte einbezogen werden: Zweckmäßig, solide, der Witterung und Landschaft angepaßt sollte gebaut werden, wobei der Zierrat dem Zweckmäßigen untergeordnet sein sollte. August Lux führte dazu in der Deutschen Bauzeitung einen ganzen Katalog von Überlegungen und Maßnahmen auf, von denen sich der Bauherr oder Architekt leiten lassen sollte. Er schloß in seine Überlegungen nicht nur das komplette Bauwerk bis hin zur Farbgebung ein, sondern verwies darauf, daß auch die Lage des Bauwerks den örtlichen und klimatischen Bedingungen entsprechen muß; ebenso die umgebende Pflanzenwelt oder gartenarchitektonische Elemente, so Sockel, Mauern, Einfriedungen und Zäune.29

Auch finden sich solche Architekten, die Teile der Argumentation des Heimatschutzes zwar übernahmen, dennoch aber zu anderen Erkenntnissen gelangten. So erklärte Johannes Otzen, daß für ihn die Zusammenhänge von Baukunst und der sie beeinflussenden regionalen Faktoren des Standortes von besonderer Bedeutung seien, so z.B.: Klima, Bodenverhältnisse, Religion, Politik, wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben, technisches Können, Wissen und künstlerische Begabung der Bevölkerung. Er kam allerdings zu dem Schluß, die Weiterentwicklung der historischen Stile zu empfehlen und plädierte hier nachhaltig für die nordische Backsteingotik.30

Staatliche Aktivitäten als Vorbild

Die Ideen, den vermeintlichen Schutz der regionalen Eigentümlichkeiten durch Beachtung besonderer Vorschriften zu garantieren, wurden in Bau- und Kunstzeitschriften in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts heftig diskutiert. Bemerkenswerterweise liefen viele Bestrebungen gleichsam parallel und wurden vor allem von einzelnen Personen und kleinen Gruppen getragen, zu einer Zeit, wo die Heimatschutzbewegung als Institution noch nicht bestand bzw. gerade erst gegründet wurde. Eine tatsächliche Vorreiterfunktion in der praktischen Umsetzung solcher Gedanken scheinen staatliche Stellen vor allem in Sachsen gehabt zu haben. Ein bedeutendes Beispiel, auch noch nach Jahren in der Fachpresse angeführt, waren die Pläne zu kleineren landwirtschaftlichen Gehöftbauten, die schon vor 1897 aus einem Architekten-Wettbewerb staatlicher Stellen in Sachsen hervorgegangen waren.31 Gefordert worden war hier: preiswertes, zweckmäßiges und malerisches Bauen.

Die "Deutsche Bauhütte" sprach von einem für die Zeit bahnbrechendem Verdienst, den sich Sachsen damit erworben habe.32 Schon sehr früh, nur drei Jahre später, verabschiedete Sachsen ein Baugesetz, das auch die Belange des Heimatschutzes berücksichtigte (1.7.1900). Ebenfalls in Sachsen wurde eine Zusammenarbeit verabredet zwischen Kunstgewerbe- und Baugewerksschulen mit dem Verein für sächsische Volkskunde, um Zeugen bäuerlicher und heimatkundlicher Bauweise aufzunehmen und zu veröffentlichen. Äußere Zwänge, so die Angabe in der Auschreibung von "Landflucht und Stadtsucht", führten zu einem weiteren Wettbewerb. Niedere Beamte sollten auf dem Lande seßhaft gemacht werden, wobei man bemüht war, die Grundbedingungen zumindest im Wohnungsbau zu verbessern. Es galt der Satz: "Mit seinem Heim wird dem auf das Land Gesetzten auch die Scholle lieb, zumal, wenn diese jenem seine Eigenart und das Liebenswerte verleiht".33 Beabsichtigt war, notwendige Dienstgebäude besonders preiswert und gleichzeitig unter Berücksichtigung traditioneller Eigentümlichkeiten des Standortes zu errichten. Das Ergebnis dieses "Wettbewerbesüber Forsthäuser und ländlichen Kleinwohnungen" bot man zur Nachahmung den Interessierten in Form eines Tafelwerkes zum Kauf an.34 Den Landbauämtern wurde ferner nahegelegt, vor Aufstellung eines Entwurfs "tunlichstältere Bauten der Gegend zu studieren".35

Auch ist zu lesen von anderen staatlichen Stellen, die Wettbewerbe angeregten und durchgeführten. Z.B. wurde 1905 im Regierungsbezirk Minden zu einer Konkurrenz aufgerufen, um zu "mustergültigen Entwürfen für die gebräuchlichsten, ländlichen und bürgerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden zu gelangen".36 Das Mindener Beispiel wurde von der Regierung im benachbarten Fürstentum Schaumburg-Lippe als richtig erkannt und übernommen, private Geldgeber, "eine große Anzahl auf das Volkswohl bedachter Männer", finanzierten diese Aktion.37 Ein weiterer Wettbewerb wurde von Dr. zur Nedden, dem Regierungspräsidenten von Trier durchgeführt, um zu geeigneten Architektenvorschlägen zu gelangen, die als Anregung zum Bauen nach den Vorstellungen des Heimatschutzes veröffentlicht wurden.38

Maßnahmen von Seiten des Heimatschutzes

Die Mittel, mit denen die Heimatschützer das Bauen in regional- traditionellem Stil fördern wollten, waren einerseits staatliche Zwänge und Verbote, indem bei den Gesetzgebern auf Erlaß praktikabler Gesetze gedrungen wurde, zum anderen die Belehrung der Allgemeinheit und die Schaffung von regionalen Organisationen.

Neben der bereits genannten frühen Gesetzgebung in Sachsen kam besonders der preußischen Gesetzgebung, als führendem Land im Deutschen Reich eine besondere Bedeutung vor. Für die preußischen Provinzen war ein erstes Verunstaltungsgesetz am 2.6.1902 erlassen worden, das sich aber nur gegen Reklameschilder in landschaftlich hervorragenden Gegenden richtete. Ihm folgte dann wenige Jahre später das Preußische Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden vom 15.7.1907. Den einzelnen Städten wurde es durch dieses Gesetz überlassen, eigene Ortsstatute zu errichten. So z.B. das Ortsstatut der Stadt Berlin gegen Verunstaltung vom 24.6.1909. Weiter folgten im Anschluß Ministerialerlasse, die u.a. die Behörden aufforderten, weite Kreise der Bevölkerung zur Mithilfe anzuhalten, wie der Innenminister-Erlaß vom 10.1.1908, dem ein weiterer am 19.1. folgte. Paul Schultze-Naumburg nannte diesen staatlichen Eingriff "eine unserer stärksten Hilfen und Stützen".39 - Umgekehrt wandte man sich aber auch gegen die Anwendung von städtischer Baugesetzgebung auf das Bauen in dörflicher Umgebung. Hier wurde gegen die manchorts auf Dörfern praktizierte Einführung von Baufluchtlinien und genormten Straßenbreiten gewettert, baupolizeiliche Verbote von Fachwerkbauweise sowie von Stroh- und Reetdächern wurden bedauert.40

Breit angelegte Bild- und Foto-Sammlungen von besonders malerischen und für die jeweilige Region als typisch erkannten Gebäuden und Ensembles bildeten mit den Tafelwerken moderner Architektur, die den Heimatschutz berücksichtigte, einen Schwerpunkt in der Aufklärungsarbeit.41 Hinzu kamen Vorträge, entsprechende Zeitungsveröffentlichungen und Ausstellungen. Es widmete sich diesen Themen eine entsprechende Fachpresse, wie z.B. die Zeitschrift "Das Land",42 die vom Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege herausgegeben wurde. Ebenso wurden Bauwerke gebranntmarkt, die als besonders abschreckende Beispiele galten. So berichtete Theodor Goecke von einer Ausstellung des Bayrischen Vereins für Volkskunst und Volkskunde in Erding im September 1904: "Für den Städtebauer belehrend waren insbesondere die Bilder zur Erhaltung heimischer Bauweise, Zeichnungen und Aquarelle, die zum Teil von Dilettanten und zwar mit Verständnis für die Konstruktion von Bauern- und Getreidehäusern, mit Gefühl für ihre malerische Wirkung in der

Landschaft gefertigt waren, ferner Photographien von Straßenbildern mit Randbemerkungenüber die bei Neubauten gemachten Fehler - Anwendungen fremder Formen, Verstoßgegen die heimische Art und Umgebung!".43 Weiter führte Goecke aus, daß einem Kreis von Architekten die in Erding als gravierend empfundenen Fehler in natura präsentiert wurden; unter diesen auch Gabriel von Seidl.

Propagiert wurde auch die Wiedereinführung von historischen und regionalgebundenen Werkstoffen. Nicht nur wegen des malerischen Eindrucks, sondern auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit. Empfohlen wurden Lehmstampfbauten, Lehmverputz und -anstrich als feuerhemmende Schutzschicht, die Verwendung von Feldsteinen und Torf.44 Gegen die Verwendung von modernen Baustoffen, wie z.B. gegen die Dachpappe, konnte von Seiten des Heimatschutzes auch eine Reihe von erschreckenden Beispielen vorgeführt werden, wo es auf Grund ungenügender Durchlüftung zu erheblichen Folgeschäden und damit für die Eigentümer statt eines wirtschaftlichen Vorteils zu hohen Kosten kam.45

Unterstützung erfuhren die Bestrebungen für das Bauen unter Heimatschutzgedanken auch durch die Denkmalpflege bzw. durch Werke, die der historischen Bauaufnahme dienten. Insbesondere ist hier an das Werk über das Deutsche Bauernhaus zu denken, dessen Erscheinen der Heimatschutz bejubelte.46

Zur Mitte des ersten Jahrzehnts war die Heimatschutzbewegung, insbesondere im Bezug auf ihren Einfluß auf das Bauen, zu einer mächtigen Bewegung geworden, deren Einfluß in den kommenden Jahren noch wachsen sollte. Friedrich Schultze resümierte im Zentralblatt der Bauverwaltung: "Man studiert sie [die traditionelle heimatliche Bauweise] jetztüberall und eifrig, und ihren entwicklungsfähigen Keimen wird ein neuer Boden bereitet. Diese ursprünglichen Werke, je nach verschiedenen Landesteilen und Volksbräuchen verschieden entstanden und allmählich gewachsen, kommen nun auch zu ihrem Recht als Kunstwerke (...) . Man spricht jetzt von Heimatkunst, Bauernkunst, Bürgerkunst, Volkskunst. (...) ...sie alle [Heimatschutz, Denkmalschutz] erstreben dasselbe Ziel, das Heimatliche, das mehr und mehr zu verblassen und zu verschwinden droht, in Stadt und Land zu erhalten und neu zu beleben. Die Städte versuchen der Verunstaltung ihrer Straßenbilder durch Polizeivorschriften und Fassadenwettbewerbe entgegenzuwirken. Man bekämpft die Mode und Prunksucht der Bauern, die nicht mehr Bauern sein und es den Städtern gleich tun wollen, denn ihre städtisch aufgeputzten Neubauten haben so manch schönes Dorfbild zerstört."47

Eine wesentliche Stütze der Heimatschutzbewegung, die zentral nur organisatorisch und ideologisch aktiv, auf Grund ihrer Aufgabenstellung in der praktischen Arbeit vor allem aber auf regionaler und lokaler Ebene tätig sein mußte, waren die Zusammenschlüsse zu Interessensgemeinschaften vor Ort. Wichtig war hier die Einbindung möglichst vieler Honoratioren, Politiker und Regierungsbaumeister. Birgitta Ringbeck nennt als typischen Vertreter des Heimatschutzgedankens den "beamteten oder freiberuflichen Akademiker", der nach Auffassung von Rudorff oder Schultze-Naumburg vor allem mit "geschichtlichem Verständnis und tiefer Geschmacksbildung" gesegnet sein sollte.48

Sonderproblem: Heimatschutzbauen in Großstädten

Natürlich gab es in der Folge auch Bestrebungen, Bauen unter Maßgabe des Heimatschutzes in Großstädten einzuführen, was ein ungleich schwierigeres Vorhaben war, da diese im 19. Jahrhundert rapide gewachsen oder oftmals erst jetzt zur Großstadt geworden waren und z.T. ganz andere Sorgen hatten. Hier muß an erster Stelle die Wohnungnot genannt werden, die sich indirekt auch auf Produktivität und Qualität der Produkte auswirkte und darum zum Druck der Unternehmerschaft auf die Lokalpolitik führte. Hinzu kommt das Problem der verkehrsmäßigen Erschließung und Anbindung der Städte. Zu nennen sind hier die Einführung von Straßenbahnen oder der Ausbau von Einsenbahnstrecken. Diese städtebaulichen Probleme mußten unter einer schwierigen Ausgangsbedingung gelöst werden: die Städte hatten zum Ende des 19. Jahrhunderts häufig noch ein mittelalterliches Gepräge, das heißt, enge und gedrängte Bebauung, oft begrenzt durch eine historische Umwallung. In der Folge wurde der knappe und damit teure Wohnraum in mehrgeschossiger Bauweise bebaut, für die ein Heimatstil in der Regel nicht verwendet werden konnte und die bereits lange begonnen hatte, bevor von Seiten des Heimatschutzes Einfluß auf das Bauen genommen wurde. Hinzu kam der Kampf von Kräften auf der einen Seite, die bestrebt waren, möglichst Vieles als Denkmal zu erhalten und denen auf der anderen Seite, die Mittel und Wege suchten, mittelalterliche Enge zu überwinden und Platz für Neues zu schaffen. Unberücksichtigt von recht extremen Plänen, wie z.B. vom Kunsthistoriker Albert Ilg, der vorschlug, sowohl Wien als auch Rom so zu belassen wie sie waren und ein Neu-Wien bzw. ein Neu-Rom in der Nachbarschaft zu errichten, finden sich auch der historischen Sache sehr angemessene Vorhaben, wie die des TH-Professors Joseph Neuwirth, der nicht nur eine Denkmalliste forderte, sondern aus Denkmalschutzgründen auch den Bau einer U-Bahn für Wien forderte.49

Sieht man davon ab, daß die Problemstellungen der Großstädte deutlich andere waren, als die der Mittel- und Kleinstädte oder der Dörfer, so stellt sich hier vor allem die Frage, wo denn in den Großstädten der Stil war, der zur heimatlichen Richtschnur erhoben werden sollte. Für Städte, die bereits in vergangenen Jahrhunderten beachtlich gewachsen waren und ein einheitliches Gepräge besaßen (z.B. Danzig mit seinen Backsteinbauten) war diese Frage sicherlich deutlicher zu beantworten, als für die Großstädte des 19. Jahrhunderts. Walter Baedeker-Mahlow ging in der Berliner Architekturwelt dieser Frage am Beispiel Berlins nach.50 Er kam zu dem Ergebnis, daß für derartige Städte ein anderer, wesentlich weiter gefaßter Maßstab zu gelten habe. Weltstädte müßten den ihnen innelebenden Geist auch durch ihre Architektur ausdrücken und, um beim Beispiel Berlin zu bleiben, so warnte er hier vor kleinlichem Denken, das nur jenen Stileigentümlichkeiten Raum gibt, die auf märkischem Boden gewachsen waren. Er mahnte vor dem beschränkten Nährboden „Altberliner Stilformen“ und riet dazu, fremde Einflüsse aufzunehmen, dann aber spezifisch zu verarbeiten. Hierzu meinte er: "Nicht ein unvergorenes Gemisch aller möglichen Stile darf das Ergebnis sein, sondern ein sorgfältiges Auswählen und Heraussieben des Geeigneten und Anpassungsfähigen und ein Umschmelzen diese Materials in Formen, die durch die Bedürfnisse unseres spezifisch Berliner Lebens gegeben sind."51 Eine weitere Forderung des Heimatschutzes, die Klage über gradlinie Straßenführung, der Mangel an malerischen Elementen in der Großstadt, war allein wegen der damaligen modernen Erfordernisse nicht zu erfüllen. Einer der bekanntesten Städteplaner der Zeit um die Jahrhundertwende, der Wiener Camillo Sitte, räumte in seinem mehrfach neu aufgelegten Buch "Der Städtebau nach seinen künstlerischen

Grundsätzen" ein, daß "eine getreue Nachahmung alter Stadtanlagen" auf Grund modernen Lebens und moderner Technik nicht mehr möglich sei.52

Industriebauten in heimatlicher Gestaltung

"Industriebauten in heimatlicher Gestaltung" überschrieb Emil Beutinger einen Artikel aus dem Jahre 1915 für die Zeitschrift "Der Industriebau" der in einer Serie "Wohlfahrtseinrichtungen, Arbeiterhäuser,

Heimatschutzbestrebungen, Landwirtschaftliche Anlagen" veröffentlicht wurde. Alleine die Tatsache, daß zu diesem Thema mehrfach geschrieben wurde, verdeutlicht, wie weit der Einfluß der Heimatschutzbewegung in die Architektur hineinstrahlte. Hier nun fand sich ein Sonderproblem, denn im Gegensatz zum Wohnhausbau mußte eine vorausgehende Frage beantwortet werden: Inwieweit hatten Fabriken und ähnliche Gewerbebauten überhaupt ein Schönheitsbedürfnis zu befriedigen ? Erst danach stellten sich die Stil-Fragen der Bauausführung. Die Berechtigung, hier Vorschläge zur Ausführung machen zu müssen, leitete der Heimatschutz aus der historischen Entwicklung der Industrie her. Er argumentierte, daß im ländliches Verlagssystem wie auch im der städtischen Gewerbe bis zum 19. Jahrhundert Wohn- und Arbeitsbereich in der Regel räumlich zusammenfielen, der Arbeitsbereich des Gewerbetreibenden war Teil des Wohnbereiches oder war zumindest dort unmittelbar angebaut.53 Aus diesen gewachsenen historischen Konstellationen, die eine künstlerisch-architektonische Einheit bildeten, erwuchsen die Fabriken des 19. Jahrhunderts. Spätestens in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte dann ein krasser Bruch, die Trennung von Arbeit und Wohnen. Die neuen Gewerbegebäude wurden wesentlich größer, hatten Dampfmaschinen und die von ihnen betriebenen Maschinen aufzunehmen, waren Nur-Fabriken, der Wohnbezug existierte nicht mehr. Emil Beutinger sah gleichzeitig eine weitere Änderung bisheriger Gewohnheit: Die neuen Gewerbebauten waren zwar sehr zweckdienlich, aber "jede Rücksichtnahme auf die Umgebung oder den Zusammenschlußmit der Nachbarschaft ist dahin".54 Beutinger verstand seine Forderung nach heimatlicher Gestaltung nun jedoch nicht als den Ruf nach Zinnen, Türmen oder anderem Burgen-Zubehör, sondern er verlangte klare, durchdachte Bauwerke mit exakten Formen. Sie konnten gut auf Ornamente und dekorative Aufbauten verzichten, sollten aber der Nachbarschaft angepaßt sein. "Deshalb wird ein vernünftiger Heimatschutz auch nicht auf malerische oder gemütliche Gesichtspunkte hinweisen, sondern auf die Erfüllung der technisch-wirtschaftlichen Erfordernisse im Rahmen einer Sachlichkeitskunst, die sich mit allen Forderungen der Technik, Form, Zweckm äß igkeit, Sachlichkeit und den allgemeinen Gesichtspunkten eines guten Geschmacks vereinigen l äß t."55 Er hielt die Forderungen des Heimatschutzes nicht für Fesseln, sondern für Notwendigkeiten. Insbesondere hätte die Allgemeinheit ein Recht auf Gehör, da die Bauten auf lange Zeit stehen würden.

Mit nahezu identischen Argumenten wie Beutinger äußerten sich zwei Verfechter Bergischer Bauweise zu Fabrikbauten unter Gesichtspunkten des Heimatschutzes. Otto Schell56 und Friedrich Wilhelm Bredt57 vertraten ihre Positionen in gleicher Zeitschrift in jeweils weiteren Folgen der Serie "Wohlfahrtseinrichtungen, Arbeiterhäuser, Heimatschutzbestrebungen, Landwirtschaftliche Anlagen" zu Fabrikbauten im Bergischen Land. Auch hier wurde die Klage laut über den Bruch in der Fabrikarchitektur nach

Verbreitung der Dampfmaschine, insbesondere über den Qualitätsabfall, als es in der Gründerzeit galt, schnell billige Bauten aufzuführen, um einen Vorsprung vor der Konkurrenz herauszuarbeiten. Namentlich wurden als besonders schlechte Beispiele genannt: die Wülfing'sche Weberei in Dahlerau, ein das Auge verletzender rot-weißer Anstrich der Barmer Brauerei Dietrich oder eine deplazierte Kupferzwiebelhaube bei Barthels- Feldhoff in Wupperfeld. Bredt spracht sich gegen jeglichen "Burg"-Zierrat aus und hielt Türme nur dort für sinnvoll, wo sie z.B. als Treppenaufgang einen tatsächlichen Nutzwert hatten.

Eine andere Art der Verletzung des Heimatschutzes ergab sich durch das mancherorts praktizierte Verfahren standardisierten Bauens. Ohne Rücksicht auf die jeweilige Region, setzten Bauträger, nicht selten sogar Behörden, einen stets gleichen, schablonisierten Gebäudetyp für Bauten gleicher Bestimmung in die Landschaft. Friedrich Schultze war diese Verhalten bei Molkereien, Brennereien, Zuckerfabriken, Wasserwerken, Wassertürmen u.s.w. aufgefallen und er übte heftige Kritik an dem ausschließlichen Gewinnstreben, das solchem Bauen zu Grunde lag. Er vermutete, daß sich dieses "Bauen von der Stange" letztendlich nicht lohne und daß ein individueller Bau, der von innen heraus - d.h. den jeweiligen Problemstellungen folgend - ausgeführt sei, einen höheren Gewinn abwerfen würde.58 Ebenso gegen den Bauherrn Reichsbahn wurden Vorwürfe wegen des schablonenhaften Bauens laut, insbesondere gegen die Eisenbahndirektion Elberfeld. Bemängelt wurde, daß völlig identische Bahngebäude in sich sehr unterscheidenden Regionen errichtet wurden.59 - Auch die Adresse von regionalen Verwaltungen und Behörden waren Einwände gegen die oberirdische Verlegung von

Elektroversorgungsleitungen gerichtet.60 Ferner wurde Kritik gegen die Masten der Straßenbahnen geübt und verlangt, sie sollten von Architekten gestaltet und dem jeweiligen Landschaftsbilde angepaßt werden.

Heimatschutz-Bauen und seine Gegner

Je mehr sich das Bauen unter den Bedingungen des Heimatschutzes verbreitete, je stärker der Staat mit Verunstaltungsgesetzen diese Bewegung stützte, desto lauter wurden auch Stimmen, die rigoros jede Beschränkung auf dem Bausektor ablehnten. Unter den stärksten Gegnern waren Bauherren, Künstler und Architekten, die jede Beschränkung persönlicher Freiheit auf künstlerischem Gebiete ablehnten, vor allem aber interessierte Industriekreise und ihre jeweiligen Lobbyisten zu finden, wobei in der Argumentation meistens der Bürger vorgeschoben wurde, der angeblich per Gesetz durch die Kunstsachverständigen entmündigt werden sollte. Ein weiteres häufig benutztes Argument war der Ruin der Industrie, der letztlich den Bürger selber wieder treffen würde. - Als der ehemalige Regierungsbaurat Hasak sich in einer Broschüre für die freie Verwendung des Papp-Flachdaches ausprach und Vorwürfe gegen die "Ausschreitungen des Heimatschutzes" erhob, wurde ihm in der Deutschen Bauzeitung heftig widersprochen: "Die Starken im Lande sind die Dachpappenfabrikanten und ihre Gesinnungsgenossen, die Schwachen, die der Staat (...) zu schützen hat, das sind die Vertreter höhererästhetischer Anforderungen".61 Der Kampf, insbesondere um Dachformen und -Beläge, führte bis ins preußische Abgeordnetenhaus, wo die Vertreter der Steinkohlenteer- Industrie 1910 eine Petition zu Gunsten der Dachpappe abgaben und eine Stellungnahme einforderten über die "Wichtigkeit der Dachpappe für den Wohlstand der ländlichen Bezirke und ihre Berechtigung als nützlichstes Bedachungsmaterial, und wie sehr die Dachpappe beteiligt gewesen ist an der Erhaltung von Millionen ländlichen Eigentums und ersparter Feuerversicherungsprämien".62 Die sich in ihrer Handlungfreiheit eingeschränkt glaubenden Industriezweige gründeten einen "Ausschuß zur Beseitigung der Auswüchse der Heimatschutzbewegung".63 Auf künstlerischer Ebene wurde eine Vereinigung namens "Werdandi-Bund" gegründet, die sich nach eigenem Bekunden bemühte, einen Mittelweg zwischen den Baustoffindustrien und der Heimatschutzbewegung zu beschreiten. Der Architekt Otto Liesheim, Vertreter dieser Richtung, gab in einem Aufsatz die Stellungnahme von Prof. Seeßelberg (anscheinend ebenfalls Mitglied dieses Werdandibundes) wieder, der in einem Vortrag vor der Hauptversammlung des "Bundes für Ton-, Zement- und Kalkindustrie" den Heimatschutzbund auf Grund seiner Vergangenheit angriff: "Seine Bestrebungen sind ausgegangen von der Idee des Denkmalschutzes. Dann griffen sie weiter auf das Landschaftlicheüber, sie wurden sozusagen eine Malerangelegenheit, und sind auch tatsächlich in die Führung von Malernübergegangen. Wer hätte nicht noch alle jene `Kunstwart'- Gegenüberstellungen von schönen alten strohgedeckten Bauernhäusern und dergleichen mit neuzeitlich verschandelten eklektizistischen Bauten aller Art im Gedächtnis? Die Folge davon ist dann natürlich vorderhand die Empfehlung der damals als schön gekennzeichneten Bauweisen und die Verurteilung der abweichenden gewesen. Insbesondere wurden manche Baustoffe scharf angegriffen. Dann aber trat noch eine besonders bedenkliche Periode ein, als nämlich wieder ein im Heimatschutzbunde führender Maler sich für die besondere Schönheit des Biedermeierstiles derart erwärmte, daßnun aller Welt eben dieser Stil als vorzugsweise nachahmenswert und heimatberechtigt hingestellt wurde. (...) Es liegt aber auf der Hand, daßdie Heimatschutzidee, die trotz aller dieser Einseitigkeiten wesentlich das künstlerische Gewissen und das Heimatschutzgefühl hatte wecken helfen,überall mit dem wirtschaftlichen und mit den technischen Errungenschaften in Konflikt geraten mußte."64 Eine erfrischende Polemik zur Frage des Bauens im Heimatstil bietet eine ganz andere Sichtweise der Problemstellung:65 Das "Heimatliche" sah der Autor als im Grunde etwas "Ökonomisches" an und wollte es für sich soweit gelten lassen, wo es sich auf den Gebrauch ortsüblicher Materialien und die Berücksichtigung heimatlich-klimatischer Bedingungen bezog. Dort, wo ähnlich Problemstellungen ähnliche Antworten erfordern, ergibt sich auch eine Einheit im Bild. Scharf wurde den Beteuerungen der Heimatschutzbewegung widersprochen, keine Fassadenkosmetik zu betreiben; der Schreiber vertrat vielmehr die Auffassung, die Bauherrn würden das Innere der Häuser sowieso nach ihren modernen Bedürfnissen gestalten und das regionaltypische Aussehen blieb doch nur an der Oberfläche. Mit dem Wort Heimat in Verbindung mit Architektur und Stilfragen verknüpfte er eine bestimmte "Beschränktheit", etwas Zurückgebliebenes, sehr Eingegrenztes, und vermutete, daß der Begriff Heimatschutz nur als Tarnbezeichnung einer Bewegung diente, die bis dato unter dem Begriff Verschönerungsverein firmierte. Er unterstellte, daß die Bewegung unzeitgemäß und modernitätsfeindlich war: "Und nun, wir haben Eisenbahnen, Fabriken, Gasanstalten, Wasserstaue usw., die nach der Meinung der sentimentalen Herren Heimatschützler die Gegend verschandeln. Das möchten alles Ritterburgen oder sonst wie romantische Erscheinungen sein. Wenn die Lokomotive schon ertragen werden muß, dann bitte, in reiner Gotik".66

Hans Payer äußerte sich in ähnlich kritischer Weise, indem er erklärte, daß mit dem Abschluß bestimmter Epochen auch ihre jeweile Kunstrichtung abgeschlossen sei und widersprach ernergisch der Auffassung, Neubauten den bestehenden Bauten vergangener Zeiten anzupassen.67 Er legte dar, daß die allgemeinen neuen Entwicklungen auf Grund ihrer besonderen Art ein Bauen alten Stils nicht mehr zuließen und nannte als Beispiel den Eisenbeton, für den er die Entwicklung eines entsprechenden zeitgemäßen Baustils forderte. Er warf der Heimatschutzbewegung ein heuchlerisches Verhalten vor, da sie einerseits Kirchen hochlobt, die über lange Zeiträume hinweg errichtet wurden, wobei die Bauabschnitte im jeweils zeitgemäßen Stil neben Bisheriges gesetzt wurden, andererseits die modernen Künstler eines Verbrechens bezichtigte, wenn diese ihre Kunst ebenso neben Althergebrachtes setzten. Kunstwerke entstünden im Geist des Künstlers und nicht durch das Urteil der Zeitgenossen. Um dem Genius einen freien Raum zu schaffen, forderte er, alle Wettbewerbe nur noch von Preisrichterkollegien entscheiden zu lassen, die sich aus Künstlern rekrutieren und aus denen die Laienrichter verbannt sein sollten. Sein

Vorwurf in Richtung der Heimatpflege: Der schöpferische Geist des Künstlers würde erstickt. Seiner Auffassung nach waren "Werke, die von Künstlern in ihrer Heimat und unter dem sie umgebenden Einfluss geschaffen werden (...) stets Kunstwerke im Sinne des Heimatschutzes, weil sie in der Heimat und für sie durch den Genius des Künstlers entstehen".68

Heimatlicher Baustil im Bergischen Land

Begriffsbestimmung undÜberlegungen zum Heimat-Baustil im Bergischen Land

Wie bereits oben für andere Regionen dargelegt, waren auch im Bergischen Land zur Jahrhundertwende Kräfte angetreten, die beabsichtigten, als Bergische Bauweise erkannte Architekturformen zu sammeln, zu bewahren und entsprechende Empfehlungen für Neubauten auszusprechen. Im Gefolge dieser Aktivitäten, die unten ausgeführt werden, kamen unterstützend entsprechende Maßnahmen der Behörden hinzu. Proklamiert wurden „die Bergische Bauweise“ und das „Bergische Haus“. Bevor davon die Rede ist, was die Protagonisten dieser Bauweise darunter verstanden, soll hier verdeutlicht werden :

Die hiermit gemeinten Häuser sind nicht die einfachen, ländlichen

Fachwerkbauten, entweder mit schwarzem Gerüst und weiß gestrichenem Gefache, noch die gleichartigen Bauten, die man zusätzlich mit einer Wetterverkleidung aus Schiefer versehen hatte. (De Jonge unterschied hier zwischen Bauernhaustyp und dem identischen, jedoch etwas größeren Kleinstadttyp).69 Auch nicht die als speziell bergische Haustypen erkannten Schleif- und Hammerkotten, insbesondere auch nicht das im Wuppertale festgestellte Bleicherhaus mit der Besonderheit einer steinernen und damit feuerfesten Garnkammer.70 - Es wurde hier ein bestimmter Bautypus bevorzugt und seine Züge als beispielhaft für Zukünftiges propagiert, der dem vermögenden Bürgertum zuzurechnen ist. Was waren die „Bergische Bauweise“ oder das „Bergische Haus“?

Vorwegzunehmen ist, daß hier ein Kunstbegriff geprägt wurde, denn die Aufgabe, für das Bergische Land einen bestimmten Heimattypus zu finden, stieß bereits an der geografischen Verbreitung auf Probleme. Nach einer Clemen´schen Darlegung sind für das Bauen im Bergischen Land besonders die [Bürger-] Häuser der Epoche von 1750 bis 1850 von Bedeutung, die in einem Stil errichtet worden waren, der [um 1900] in der ‘großen Architektur’ bereits als überholt galt; denn gerade diese Bauwerke mit grünen Fensterläden in Verbindung von weißem Holzwerk und grau- schwarzen Schieferfassaden oder Bruchsteinsockeln hätten „ einen ganz besonderen Reiz “ und „ seien eigentlich für das bergische Land bis in die letzten Jahrzehnte charakteristisch “ gewesen.71 Damit koppelte man die Rheinregionen des Bergischen Landes (als ehem. politische Einheit gesehen) ganz bewußt ab, da dieser als „Bergisches Haus“ bezeichnete Typ dort nicht verbreitet war.72

Ein weiteres Problem spielte die zeitliche Eingrenzung. Obwohl man erkannt hatte, daß dem als Bergisches Haus bezeichneten Typen ein in der damaligen Zeit noch verbreiteter und auch heute noch zu findender Fachwerk-Ständerbau mit schwarzem Ständerwerk und weißem Lehmgefache zu Grunde lag, faßte man nicht diesen, mehr ländlichen, sondern die großbürgerlichen, vor allem städtischen Schieferbauten mit den entsprechenden Stilmerkmalen des Rokoko und Empire unter den Begriff des Bergischen Hauses. Das hatte wiederum Irritationen zur Folge bei der Bezeichnung der ländlichen Fachwerkhäuser aus früherer Zeit, weshalb sich anscheinend dafür einen anderer Begriff einbürgerte: „altbergisch“.73 Die seinerzeit bestehende Unsicherheit in der Begriffsverwendung wird deutlich, wenn z.B. ein Werk mit dem Titel „Altbergische Häuser in Bild und Wort“ keine Häuser der Zeit vor 1750 zeigt, sondern seine Präferenz eindeutig dem unter dem Begriff „Bergisches Haus“ firmierenden bürgerlichen Schieferhaus der Epoche 1750-1850 gibt.74

In einem erstaunlichen Widerspruch zu den tatsächlichen Äußerungen im ersten Viertel dieses Jahrhunderts steht die Auffassung von Frau Schmidtde Bruyn, die Heimatforschung habe den Begriff des „Bergischen Hauses“ oder der „Bergischen Bauweise“ wahllos auf alles angewandt, was sie unter den schwarz-weiß-grünen Hut bringen konnte: „ die bisherige Heimatforschung befaßte sich fast ausschließlich mit dem ‘ bergischen Haus ’ oder der ‘ Bergischen Bauweise ’ , womit das Bauernhaus ebenso wie das Patrizier- Bürger- oder Kleinbürgerhaus gemeint sein kann, solange es das schwarz-weiß-grüne Farbkleid trägt “.75

Die Gründe, warum es gerade diesen großbürgerlichen Bauten zukam, dem heimatlichen Bauen als Vorbild zu dienen, liegen darin, daß man in diesen Häusern die höchstentwickelte Stufe in einer

Entwicklungsfolge sah. Es wurde von den Verfechtern Bergischer Bauweise behauptet, diese großbürgerlichen Bauten seien aus dem Grundtypen des ursprünglichen, „altsächsischen Hauses“76 entstanden, der später selber wieder unter Einfluß des „fränkischen Hauses“ kam77 und nun den Gipfel der Hausbautradition im Bergischen Land erklommen hätte.78 Man glaubte, daß in der Epoche 1750-1830 die hergebrachte Bauweise des Bergischen Landes mit der modernen Baukunst des 18. Jahrhunderts zu einer homogenen neuen Bauform zusammengewachsen war. Insbesondere, da diese Zeit ein Abschnitt wirtschaftlicher Blüte des Bergischen Landes war, zum Bauen das notwendige Kapital zur Verfügung stand und man es sich leisten konnte, die Bautätigkeit anderer Orte zum Vorbild zu nehmen. Besonders werden hierbei immer wieder genannt: die Arbeiten am Benrather Schloß unter dem Franzosen Nicolas de Pigage, Hofarchitekten von Herzog Karl Theodor.79 Hier war auch Eberhard Haarmann tätig, der später wiederum etliche Barmer Bürgerhäuser bauen sollte. Ebenfalls anregend mögen die vielfältigen Auslandskontakte der Elberfelder und Barmer Fabrikanten, insbesondere in den Benelux-Raum und nach England, gewirkt haben.

Weiterhin ist zu beachten, welche Situation die Verfechter heimatlichen Bauens zu ihrer Zeit antrafen. Auf Grund häufiger Stadtbrände fehlte eine mittelalterliche, städtische Bausubstanz im Bergischen Land fast völlig. Gerade darum prägten diese schieferbeschlagenen 2½ -3½ Geschoß hohen Häuser mit den Stilmerkmalen des Spätbarock, vor allem aber des Rokoko und Empire, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das vertraute Bild der bergischen Städte und waren sichtbare Vorbilder althergebrachten Bauens, die man nur in kleinerer Zahl auch auf dem Lande fand.80 Allerdings drohten diese Bürgerhäuser, Zeichen vergangenen Wohlstandes, zur Jahrhundertwende vor allem in den Wupperstädten unterzugehen und industrieller Notwendigkeit, wirtschaftlichem Fortschritt und baulichem Zeitgeschmack zum Opfer zu fallen. Das führte in der Folge zu einer vollständigen, im Grunde nicht gewünschten Veränderung der Städtebilder. Der klassizistischen Baukunst mit den als fremd empfundenen Flachdächern und ebenso den Stilen der Neo-Epochen, die bis dahin auf dem Vormarsch gewesen waren, sollte nun, weil traditionsfern und ortsfremd, ein deutliches „Halt“ geboten und ihnen mit der Bergischen Bauweise ein heimatlicher Schwerpunkt entgegengesetzt werden.81 Allerdings war das, was die an der Bergischen Bauweise interessierten Menschen bewegte, in den Innenstädten nicht mehr überall durchführbar. Zum Teil hatte sich hier schon eine flächensparende 4½ - 5½geschossige Bauweise durchsetzt. Dafür wollte man aber den Einfluß der Bergischen Bauweise in den Neubaugebieten durchsetzen, am Rande der Stadtzentren, wo insbesondere Villenbebauung geplant war (z.B. in Wuppertal: Briller Viertel, Zooviertel). Otto Schell sagte dazu: „ ...in den immer mehr in Aufnahme kommenden Villenkolonien unserer blühenden bergischen Städte wäre eine Neubelebung [des Bergischen Bauens] und zeitgem äß e Anpassung vielleicht doch am Platze. Mit der Einführung eines Türmchens z.B. könnte der bergische Stil zu einemäußerst reizvollen Villenstil gestaltet werden...82 und Paul Clemen drückte das so aus: „ Dringend wünschenswert wäre es, daßdas Interesse für jene charakteristischen Bauwerke der letzten Jahrhunderte, die doch zugleich Zeugen des wirtschaftlichen Aufblühens dieser Gegend sind, vertieft und in weiteren Kreisen geweckt würde.

Gegenüber den zu einem nicht geringen Teile ganz unkünstlerischen Versuchen, ohne jede Empfindung eine aufdringliche und parvenüartige städtische Architektur mit schlechten Stuckfassaden in diese Gegend hineinzutragen und das ganze Landschaftsbild zu schänden, mußimmer erneut auf die gesunden Keime hingeweisen werden, die auch für die Weiterbildung der Architektur in diesen Schieferhäusern liegen “.83 - Weiterhin ist zu sagen: für die hier im Zusammenhang mit Bauwerken besonders interessierende Epoche von 1750-1850 bestand ein breites Interesse. Schon viel früher war ein Faible für den bürgerlichen Lebensstil dieser Zeit sehr deutlich geworden. Die Berichte zu den Vereinsaktivitäten des BGV, abgedruckt in seiner Zeitschrift, erzählen von den Anstrengungen, Wohnunginterieurs aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammenzutragen, um komplette „Bergische Stuben“ einzurichten, - eine Sammeltätigkeit, die bereits vor der Jahrhundertwende eingesetzt haben muß und in Zusammenhang steht mit den dem Verein (über den Barmer Kunstverein) in Aussicht gestellten Räumlichkeiten in der Ruhmeshalle Barmen.84

Auch schwingen unverhohlen romantische Gefühle in den Gedanken der dem heimatlichen Bauen im Bergischen verbundenen Menschen mit: Die Sehnsucht nach der Bindung an die Vergangenheit und nach dem Malerischen im Hausbau, im Bewußtsein einer angeblich tiefen Schollenverbundenheit des Bergischen Menschen. So bei den Erklärungsversuchen der Farbkombination schwarz-weiß-grün, die der Region bis heute gerne als gemeinsames Markenzeichen zugesprochen wird. Otto Schell vermutete, daß die Farbauswahl auf die Bleicher zurückgeht: „ Das schneeige Garn auf dem grünen Wiesenplan mag ihm [dem Bleicher] den Gedanken nahe gelegt haben, die freundlichen herzgewinnenden Farben an seinem Heim, traulich im Schatten hochwipfliger Bäume geborgen, anzubringen. So kam zu dem von den

Vätern ererbten schwarz-weißem Gewande das satte, wohltuende Grün. 85 - Auch Friedrich Wilhelm Bredt sieht hier den ‘wohlüberlegenden Bergischen Hausvatter’ als Urheber, der Land und Klima kennt, und daraus seine richtigen Schlüsse zu ziehen weiß. Hier sind die Einführung der Verschieferung und das regenreiche Wetter Ursache für die Farbwahl: „ In der düsteren Farbenwirkung, die dem Schiefer eigentümlich ist, lag für das Gesamtbild der Straßen in einer Gegend, deren klimatische Verhältnisse weniger sonnenhelle Tag als unter normalen Bedingungen gewähren, eine gewisse Gefahr. Das ist den Erbauern zum Bewußtsein gekommen und daraus erklärt sich ihr glücklicher Griff, dem Grauschwarz ein lichtes Grün und Weißhinzuzufügen “.86

Organisation und Initiatoren heimatlichen Bauens in der Wupperregion

Nach einschlägiger Überlieferung hatte der verdienstvolle Denkmalpfleger Paul Clemen den Bergischen Geschichtsverein angeregt, in Sachen heimatlichen Bauens aktiv zu werden.87 Eine spätere Quelle, Schoenfelders Aufsatz in den Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, nennt dazu sogar eine konkrete Jahreszahl: 1903.88 Die zu Anfang geschilderte, enge Verquickung von regionaler

Geschichtsforschung, Denkmalpflege und Heimatschutz würde gerade durch dieses Beispiel aus der Bergischen Region sehr deutlich unterstrichen. Allerdings lassen die vielen Veröffentlichungen dieser Zeit und die anscheinend breite Zustimmung für den Gedanken der Förderung Bergischer Bauweise vermuten, daß das Thema schon länger erkannt und besetzt worden war. Für Aktivitäten im Sinne der Belebung bergischheimatlichen Gepräges sind hier als beispielhaft zu nennen: Die Sammlung des BGV von Bildmaterial zu einzelnen Bauwerken,89 die Kunstgewerbe- Ausstellung in Barmen 1905 unter Leitung von Wilhelm Werdelmann mit ausdrücklichen Verweisen auf heimatliche Bezüge,90 Schells Vorträge91 über das Bergische Haus vor dem Bergischen Geschichtsverein und seine Artikel92 in der Zeitschrift des BGV, der ausführliche Bericht über die Bergische Bauweise von Rudolf Hinderer, 1905.93 - So waren es, wie auch in anderen Regionen, vor allem einzelne Stimmen, die die Pflege des heimatlichen Bauens propagierten, und Otto Schell vermerkte 1906, daß diese Bewegung bereits seit einigen Jahren sehr lebendig war, jedoch durch die Initiative des Bergischen Geschichtsvereins, eine eigene Plattform für die Förderung der Bergischen Bauweise zu schaffen, eine bedeutende Steigerung erfahren hatte.94 Es mag sein, daß von Clemen tatsächlich die Anregung gekommen ist, diese Aktivitäten zu kanalisieren und zu institutionalsieren, zumal zur gleichen Zeit (1906) der Rheinische Verein für Denkmalschutz und Heimatpflege unter maßgeblicher Beteiligung Clemen´s gegründet wurde, der u.a. „ die Eingliederung neuer Architektur in den landschaftlichen und baulichen Rahmen unterstützen sollte “.95 Verständlich wäre es aber auch, wenn man bei der 1906 erfolgten Ausschußgründung einen Namen wie den von Paul Clemen als spiritus rector werbewirksam vorgeschoben hätte. Tatsächlich kommt dem Bergischen Geschichtsverein die Rolle als Motor dieser Bewegung zu, der sich brieflich an maßgebliche Persönlichkeiten, vor allem an amtliche Stellen wandte, um die Verwaltungen für sein Anliegen zu gewinnen und sich weiter darum bemühte, Interessierte zusammenzuführen. Es ist festzustellen, daß hierbei bereits weitoffene Türen eingerannt wurden, denn der Oberbürgermeister von Elberfeld, Funck, stellte 1905 heraus, daß „ in dem Entwurfe der neuen Bauordnung auch [auf] möglichste Erleichterungen und Förderung der bergischen Bauweise Bedacht genommen “ worden war.96 Weiter regte Funck an, einen Wettbewerb „ zur Erlangung geeigneter Musterentwürfe ins Auge zu fassen “. Paul Clemen, auf diesen möglichen Wettbewerb angesprochen, befürwortete das Anliegen und setzte sich sehr dafür ein, daß aus dem Dispositionsfond des Provinziallandtages (Städtefonds) für einen das Bergische Haus betreffenden Wettbewerb Gelder zur Verfügung gestellt wurden. Clemen begründete den Antrag persönlich und stellte die Bedeutung der Gebäude aus der Zeit von 1750-1850 als charakteristisch für den Heimatstil des Bergischen Land heraus. Als vorbildlich nannte er in seiner Begründung die Forschungsarbeit des Architekten und Elberfelder Kunstgewerbeschullehrers Rudolf Hinderer über Bergische Schieferhäuser sowie die vom Bergischen Geschichtsverein geleistete Vorarbeit. Die Folge des Clemen´schen Einsatzes war eine Bewilligung von 2000 Mark für einen noch auszurufenden Wettbewerb. - In einer Vorbereitungsphase kam es noch zu verschiedenen Gesprächen innerhalb des Bergischen Geschichtsvereins und mit den Stadtverwaltungen von Barmen und Elberfeld (Paul Clemen war allerdings nur bei einem dieser Gespräche anwesend) sowie zu der Gründung eines provisorischen Ausschusses unter der Leitung des Elberfelder Beigeordneten und Stadtbaurates Lothar Schoenfelder.

Dieser Ausschuß rief nun am 24.2.1906 zu einer Versammlung in den

„Bergischen Saal“ des Elberfelder Rathauses auf, zu der die Vertreter der meisten bergischen Städte, die Provinzialverwaltung, der Schloßbauverein, die Regierungen in Köln und Düsseldorf, die Kunstakademie Düsseldorf, die größeren Verkehrsvereine, die Kunstgewerbe- und Baugewerkschulen in Barmen und Elberfeld, sowie etliche kulturell-, musisch- oder historisch- tätige Vereine eingeladen waren. Neben Vorträgen zum Thema war die Ausstellung einer bereits angelegten Sammlung Bergischer Bauten: Fotografien, Zeichnungen und Aquarelle (u.a. von Hinderer, Fülle, Ritter),

Umrahmung der Veranstaltung. Im Mittelpunkt stand die Umwandlung des provisorischen Ausschusses zu einem Arbeitsausschuß und die Aufnahme neuer Mitglieder. Dieser Arbeitsausschuß wurde nun von 16 Mitgliedern aus dem ganzen Bergischen Raum gebildet, dem sowohl Angehörige der Kommunalverwaltung (wie der Remscheider Oberbürgermeister Nollau), der Landesdenkmalbehörde (Provinzialkonservator Clemen Bonn), Vertreter der freien Wirtschaft (wie die Fabrikanten Hasenclever und Bayer) vor allem aber Architekten und Baumeister, in der Regel verbeamtet, angehörten. Als Vertreter der letzten Gruppe sind Schoenfelder, Hinderer und de Jonge (Elberfeld), Schutte und Winchenbach (Barmen), Weber (Köln), Stahl (Düsseldorf) und Faust (Siegburg) zu nennen. Hinzu kamen Vorstandsangehörige des Bergischen Geschichtsvereins wie Werth und Schell, ein wenig später folgte als Vertreter von Stadtbaurat Winchenbach der Direktor der Barmer Kunstgewerbeschule, Wilhelm Werdelmann.97 Nach einer anderen Quelle gab sich diese Einrichtung den Namen "Verein zur Erhaltung und Förderung der Bergischen Bauweise".98 Die Versammlung des 24.2.1906 beschloß, Initiativen zu starten um dem Untergang des Bergischen Hauses entgegenzuwirken. Beabsichtigt war, wie an anderenen Orten bereits mit Erfolg praktiziert, den von Funck angeregten Wettbewerb auszuschreiben, um so zu „ vorbildlichen und mustergültigen Entwürfen in den charakteristischen Formen aller bergischen Stilarten “ zu gelangen.99 Um möglichst weiten Kreisen die Teilnahme an diesem Wettbewerb zu ermöglichen, wurde weiterhin beschlossen, dazu Vorlagematerial zur Verfügung zu stellen.100

Schon drei Wochen später tagte diese Institution das erste Mal und wählte Lothar Schoenfelder zum Vorsitzenden und Bauinspektor de Jonge zum Schriftführer. Auf Bitte des Barmer Oberbürgermeisters wurden der Lenneper Amtsrichter, Friedrich Wilhelm Bredt aus Barmen, sowie der Barmer Fabrikant Jäger in den Ausschuß berufen. Eine der Hauptaufgaben, die noch vor dem geplanten Wettbewerb angegangen werden sollte, die Sammlung und Verbreitung von als paradigmatisch für das Bergische Land erkannten Bauformen, fiel einem gesonderten Redaktionsausschuß zu. Er bestand aus den Herren Werdelmann (Vorsitzender), de Jonge, Schell, Schutte, Stahl und Hinderer.101 Tatsächlich brachte der Ausschuß zur Förderung der Bergischen Bauweise dann ab dem Jahre 1908 ein Mappenwerk in verschiedenen Lieferungen zur Veröffentlichung: „Bergische Bauweise“ (Berlin 1908-10). Weiterhin konnte er für das Elberfelder Jubiläumsjahr 1910 zum lange vorbereiteten Wettbewerb aufrufen.102 Auch hier folgte eine Veröffentlichung: „Städtische und Ländliche Bauten in Bergischer Bauweise - Wettbewerb 1910“, (Leipzig 1911). Neben diesem Ausschuß finden sich auch weitere Aktivitäten zu Gunsten des Bauens in heimatlichem Stil. So berichtete F.W. Bredt in einem Lichtbilder-Vortrag vor der Hauptversammlung des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, am 8.12.1909 in Barmen, daß eine Absprache mit dem Deutschen Werkbund getroffen wurde, eine geplante Wanderausstellung zu vorbildlichen Fabrikbauten zuerst in der Barmer Ruhmeshalle zu zeigen.103 - Selbst der Barmer Kunstverein, der sich in der Folgezeit intensiv für moderne Kunstrichtungen engagierte, bekundete sein starkes Interesse an der Epoche, der das Bergische Patrizierhaus entstammte und gab ein Werk heraus, das Richart Reiche und Friedrich Wilhelm Bredt über das Mobiliar des bergischen Bürgerhauses verfaßt hatten.104 - Weiterhin finden sich in den beiden ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts neben einschlägigen Monographien etliche Artikel in der einschlägigen Presse.105

Neben der wohlwollenden Begleitung und teilweise aktiven Beteiligung im Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, unterstützten die Kommunen diese Bewegung auch gesetzgeberisch. Von der Seite des Staates war den Kommunen die Möglichkeit eingeräumt worden, Ortssatzungen zu erlassen. Grundlage war das von Preußen geschaffene Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden v. 15.7.1907. - Barmen reagierte sehr schnell. Die Stadtverordnetenversammlung faßte am 10. September 1907 den Beschluß, eine Bauberatung zu eröffnen und stellte dazu den Architekten Johannes Grefges aus Freiburg ein. Die regelmäßige Prämierung der besten architektonischen Leistungen kam unterstützend hinzu. Eine entsprechende Ortssatzung wurde nach am 15. Dezember 1908 erlassen, die allerdings in der Hauptsache dem Schutz bestehender Bausubstanz diente.106 - In Elberfeld dauerte es immerhin noch bis zum Jahre 1911, als am 8. September ein Ortsstatut erlassen wurde. Allerdings wurde hier auch schon ausführlicher darauf gedrungen, die bisherige Bebauung bei Neubaumaßnahmen mit einzubeziehen.107 Für Streitfragen installierte man einen künstlerischen Beirat, der aber anscheinend nie einberufen wurde.108 Auf Seiten der Kunstgewerbeschulen sind bereits mit Wilhelm Werdelmann als Direktor der Barmer, und Rudolf Hinderer als Dozent an der Elberfelder Schule, zwei maßgebliche Architektur- und Kunstlehrer im „Ausschuß zur Förderung bergischer Bauweise“ tätig geworden. Aus der Tatsache, daß diese Schulvertreter hier mitarbeiteten, darf aber nicht geschlossen werden, daß das Bauen nach heimatlichen Gesichtspunkten communis opinio in den beiden Schulen gewesen war. Tatsächlich läßt sich aus Werdelmanns Bauten der späteren Jahre eine Abkehr von dieser Richtung feststellen109 und der Elberfelder Lehrer Alfred Altherr, späterer Direktor des Kunstgewerbemuseums Zürich, hing generell eher einer nüchternen, funktionsbetonten Formgebung an.110 Besonders interessant ist in diesem

Zusammenhang die Stellung des Direktors der Elberfelder Schule, Otto Schulze. Schulze, 1907 an der Gründung des Deutschen Werkbundes beteiligt, bekannte 1908 öffentlich (im Jahr des ersten Erscheinens der „Bergischen Bauweise“), er habe aus einem Gefühl des Angerührtseins sich eine zeitlang dem heimatlichen Bauen sehr verbunden. Des weiteren erklärte er an dieser Stelle, nun zwar noch für einen (eingeschränkten) Denkmalschutz einzutreten, aber nur dort, wo dieser „ nicht mit den Forderungen des Lebens in Widerspruch gerät “ und wandte sich strikt gegen das Bauen nach den Maßgaben des Heimatschutzes.111

Das, was man bei älteren Bauten festgehalten hatte, waren eine Fülle von Details, die man nun den neuen Bauherren und Architekten in dem Mappenwerk „Bergische Bauweise“ als beispielhaft nahelegte. Sie umfaßten im knappen Textteil Lage, Aufbau, Silhouette, Gebäudetyp, Grundriß, Fachwerk und Schieferverkleidung, Dachstuhl und -eindeckung, Farbgebung, Gebäudeschmuck, Eingangs- und Treppenarchitektur, Holzwerk, Schmiedearbeiten und Innenausbau.112 Der sehr anschauliche und umfangreiche Bildteil hingegen geht nur auf Silhouette, Fassadengestaltung, Holzwerk und Zierat sowie die äußere Schieferbekleidung ein. Die Wirkung, die von diesem Werk ausging, muß sehr nachhaltig gewesen sein, da etliche Architekten und Bauherren Anregungen daraus aufgriffen und viele Neubauten davon geprägt wurden, bis hin in die 1930er Jahre.113 Auch in den Siedlungsbau der 1920er Jahre flossen Elemente des Bergischen Heimatstils ein, so z.B. feststellbar bei der Siedlung Buschenburg, teilweise auch bei der Siedlung Sedansberg, beide in Wuppertal Barmen.114

Allerdings sind heute etliche Bauten in Bergischer Bauweise durch Kriegseinwirkung oder Abriß späterer Zeit verschwunden bzw. durch

Umbaumaßnahmen verändert. An einige wenige Wuppertaler Neubauten im Stil des Bergischen Bauens sei hier beispielhaft erinnert.115 · Sparkasse a.d. Schloßbleiche, Architekt Lothar Schoenfelder, Abriß in den 1970er Jahren, heute City-Center116

- Vaterländische Feuerversicherung, Viktoriastraße, Architekt Heinrich Plange, heute dort: Neubau der Bau-Berufsgenossenschaft117 · „Haus Abendfrieden“, Fassade errichtet 1897, Am Diek 28/30118
- Wirtschaftsgebäude am Viehhof, Architekt Walter Frese, erbaut 1913/15, heutiger Nutzen: Kommunikationszentrum die Börse

Die Börse

Viehhofstraße 125

Abb. WZ v.1.9.1995

- Brahmsstraße 6 in Barmen (ehem.: Mendelssohnstr.6), 1907 erbaut für Stadtbauinspektor Paul Freygang
- Villa August Mittelsten-Scheid, Hohenstaufenstraße 22, von Emanuel von Seidl um 1910 errichtet.

Zusammenfassung

Die vor allem von der Heimatschutzbewegung proklamierte der Idee des

Bauens nach heimatlicher Tradition -kurz Heimatschutzstil-, entwickelte sich aus dem am Denkmalschutz gereiften Gedanken, nicht nur das einzelne Objekt, sondern auch die stimmungsprägende Umgebung, ein ästhetisches Heimatgefühl, sei schützenswert.

Die Entstehungsgründe sind vielschichtig. Es gehören dazu die Ablehnung der Bauten des Historismus, die bis dato ein Vakuum in der Architektur füllten, oder auch abrupte Brüche in bestehenden Bautraditionen durch Einführung neuer Baustoffe, wie Stahl-Beton oder die Hinwendung zum Flachdach durch den Gebrauch der Dachpappe. Abgelehnt wurden auch moderne Architektureinflüsse, wie sie z.B. aus England kamen. Besonders störend wurde die Entwicklung empfunden, wenn sie so deutlich sichtbar war wie in den rasch, teilweise unkontrolliert wachsenden Städten. Auf dem Lande fiel unangenehm auf, daß seit Einführung der Eisenbahn und moderner Presse sich städtische Modeerscheinungen breitmachten und es zu teilweise heftigen Brüchen mit traditioneller Bauweise kam. Auch fanden sich unter den Vertretern heimatlicher Bauweise Menschen, die sich hier aus emotionalen Gründen zu Hause fühlten und in der Betonung des Traditionellen die Lösung aller Probleme wähnten: „ Also man habe das unabweisbare Bestreben, sich wieder ein gemütliches, anziehendes und sonniges Heim mit dem sinnigen Garten daneben zu schaffen, wo die Frau und die heranwachsende Jugend sich emsig und schaffend lustig betätigt. Dort, wo der Ernährer nach des Tages Last und Mühe sein Erholungsstündchen zubringt und dabei den Fleißund die Freudigkeit seines Weibes würdigt und er selbst mit Eifer und Lust spielend und zufrieden die gröberen Arbeiten nachholt und verrichtet. - Dann, wenn dieses Gemeingut des Deutschen wieder entstanden, werden bessere Zeiten einkehren. Ein arbeitsfreudiges Volk wied die heimatliche Scholle bewohnen und vor fremden Eindringlingen zu schützen wissen. In diesem Sinne mußein jeder wirken und die Früchte werden in absehbarer Zeit geerntet werden “.119

Proklamiert wurde von der Heimatschutzbewegung und den ihr Nahestehenden, die Betrachtung traditionellen regionaltypischen Bauens und die Umsetzung auf Neubauten. Es wurde gefordert, daß dabei auch Baumaterialien und Gebäudegrundrisse berücksichtigt würden. Allerdings sollte Traditionelles nicht kopiert, sondern seine Prinzipien sollten den modernen Anforderungen entsprechend angewandt werden. Demzufolge gibt es im Grunde keinen Heimatschutzstil, sondern eine Fülle von regional unterschiedlichen Heimatschutzstilen.

Die Heimatschutzbewegung verstand es, sich beim Gesetzgeber Gehör zu verschaffen, und ihr Gedankengut in frühe Bau- und Denkmalschutzgesetzgebung miteinfließen zu lassen. Die von ihr mitinitiierte Berücksichtigung traditioneller Bauweise bei der Gesetzgebung wurde dann wiederum als Argument dafür benutzt, daß der Heimatschutzstil dem nationalen Willen entspräche und eine allgemeine Zustimmung erführe: "Wenn ein Bauherr ohne triftigen Grund anderen mit seinem Bau einästhetisches Ärgernis, eine Störung ihresästhetischen Empfindens bereitet, so besteht in fast allen Kulturstaaten einöffentliches Recht, ihn von solchem abzuhalten".120

Auf der Gegenseite formierten sich die Gegner des heimatlichen Bauens, die sich zum einen aus dem Lager kamen, das prinzipiell staatliche Einflußnahme auf die Kunst ablehnten, zum anderen von denen getragen wurde, die der Heimatschutzbewegung vorwarfen, Fortschrittshemmend zu sein und ausschließlich aus nostalgischen Gründen Fassadenkosmetik zu betreiben. Zum dritten kam heftiger Widerstand von der Baustoffindustrie, die sich wehrte, daß gegen ihre Produkte Stimmung gemacht wurde. Im Bergischen Land sammelten sich die Vertreter heimatlicher Bauweise im „Ausschuß zur Förderung bergischer Bauweise“ der mit seiner Mappe „Bergische Bauweise“ ein Werk von beachtlicher Detailfülle herausbrachte. Dieses Werk, und die auf dieser Grundlage im Wettbewerb von 1910 entstandenen neuen Architekturvorschläge: „Städtische und Ländliche Bauten in Bergischer Bauweise“ sollten den Schöpfern neuer Häuser Möglichkeiten an die Hand geben, vom Althergebrachten zu profitieren.

Vergleicht man das Mappenwerk „Bergische Bauweise“ jedoch mit den Vorwürfen, die o.g. Stimmen gegen den Heimatschutzstil ins Feld führten, so werden auch hier die Mängel deutlich. Der Heimatschutz hatte für sich in Anspruch genommen, nicht nur Fassadenkosmetik zu betreiben, sondern sowohl traditionelle Baustoffe als auch überkommene Risse und Hausteilungen zu beachten. Im Vergleich damit fällt bei dem beispielgebendem Mappenwerk auf, daß die Frage nach Fachwerk- oder Massivbauweise kaum eine Rolle spielt. Ebenso fehlen Grundrisse bis auf wenige Ausnahmen völlig. Auch sind Schnitte, insbesondere zum Aufbau des Dachstuhls nicht aufgeführt. Die starke Betonung der Fassadengestaltung, von Holzwerk und Zierat sowie der äußeren Schieferbekleidung ist hier nicht zu übersehen.

Weiterhin muß angenommen werden, daß die starke Betonung des heimatlichen Bauens und ihre Ausstrahlung bis in die späten 30er Jahre, möglicherweise mit ein Grund dafür war, daß das sogenannte „Neue Bauen“ insbesondere im Wuppertal zaghaft einsetzte und die Vertreter der Neuen Sachlichkeit in der Minderheit waren.121 Ein opulenter Jugendstilbau, wie das Warenhaus Leonhardt Tietz von Wilhelm Kreis (Kaiserstraße/Neumarkt, heute Kaufhof, Neumarktstraße in Wuppertal-Elberfeld)122 zählt ebenso in seiner Zeit zu den Raritäten im Wuppertal, wie der Stahl-Betonbau des Goldzackgebäudes in der Wiesenstraße aus dem Jahre 1910.123

Goldzackgebäude, Wiesenstraße 118

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Busmann, Architektur in Wuppertal, S. 68

Ein wesentliches Verdienst haben sich die Schöpfer des Mappenwerkes jedoch erworben. Sie legen Zeugnis von Bauwerken und ihren Details ab, die in der Mehrzahl heute längst verschwunden und zumeist auch nicht dokumentiert sind.

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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[...]


1 vgl. dazu: - H - : Denkmalpflege und Heimatschutz in der Schweiz, in: Deutsche Bauzeitung, 40. Jg. 1906, S. 404-406

2 Nipperdey, Th.: Deutsche Geschichte, S.499

3 vgl. dazu auch Festrede Prof. Dr. Seitz zum 50jährigen Bestehens des BGV, in: ZBGV 47, 1914, S.4-5

4 Erlaß des Markgrafen Alexander von Bayreuth 1771, zitiert bei: Kiesow: Denkmalpflege, S. 6

5 Kiesow, G.: Denkmalpflege, S.19

6 Kiesow, G.: Denkmalpflege, S.18

7 Ringbeck, B.: Architektur, S. 216

8 o.A.: Von den Versammlungen des Tages für Denkmalpflege und des Bundes Heimatschutz, in: Deutsche Bauzeitung, 40.Jg. 1906, S.97

9 o.A.: Von den Versammlungen des Tages für Denkmalpflege und des Bundes Heimatschutz, in: Deutsche Bauzeitung, 40.Jg. 1906, S.97

10 Der Biedermeierstil, der sich im deutschen Kulturraum als Sonderform aus dem Empire weiterentwickelte, soll hier unberücksichtigt bleiben, da sein Einfluß vor allem die Innenraumgestaltung (Möbel) und weniger die Außenarchitektur berührt, auch wenn Prof. Widmer explizit vom Typ des Biedermeierhauses in seinem Aufsatz "Zur Charakteristik des Biedermaierhauses" spricht (Moderne Bauformen, 5. Jg. 1906, S.65-67).

11 Wiegmann, R.: "Bemerkungen über Schrift `In welchem Styl sollen wir Bauen?'von H. Hübsch", in: Kunstblatt, 10. Jg. 1829; Rosenthal: "In welchem Style sollen wir bauen?", in: Romberg's Zeitschrift für praktische Baukunst, 1844; Hofmann,A.: "In welchem Style sollen wir bauen?", in: Allgemeine Bauzeitung, 55. Jg., 1890

12 Rosenthal kommt bei Abwägung, was für das deutsche Volk (bzw. die deutschen Völker) der richtige Stil sei, zu dem Ergebnis, daß dies nur die Gotik, der gemanische Baustil, sein könne. In seinen Augen ist die Gotik nicht zu einer Blütezeit gekommen, da sie durch ein Übermaß an Reichtum verfremdet und in der Folge, durch die Ablehnung von seiten der Reformation als "Erzeugnis des Katholicismus", jäh unterbrochen worden sei. Rosenthal schlägt vor, den germanischen Baustil (=die Gotik), zum nationalen Baustil zu erklären. Allerdings nicht in seiner bekannten historischen Entwicklung, sondern in einer reineren Form, so wie er sich ohne Störung entwickelt hätte. (Rosenthal: "In welchem Style sollen wir bauen?", in: Zeitschrift für praktische Baukunst, 1844, S. 27

13 vgl. auch: Hofmann, A.: In welchem Style sollen wir Bauen?, in: Allgemeine Bauzeitung, 1890, S. 82f

14 Interesse an chinesischer und japanischer Kultur bestand auch schon im 18. Jahrhundert.

15 So auch in Vohwinkel, Errichtung eines Schweizer Hauses als Sommerfrische der Fabrikantenfamilie vom Baum. (Busmann, J. et al.: Architektur in Wuppertal, S. 200

16 Der Begriff „Flachdach“ ist heute durch die Dachformen des Neuen Bauens besetzt, ist hier aber unter zeitgeschichtlichem Aspekt zu verstehen. Gemeint sind die seinerzeit neu eingeführten, flachgeneigten Dächer, die nun zu dem bis dahin bekannten Steildach traten. Ebenfalls wird der Begriff von verschiedenen Autoren dieser Zeit für Dächer südeuropäischer Prägung genutzt.

17 Stahlbeton, erfunden von Joseph Monier (1823-1906)

18 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 432

19 Robert (?) Gradmann

20 Gradmann: Denkmalpflege und Heimatschutz, in: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsass-Lothringen, 4. Jg. 1907 S.59

21 Gstr.: Architekten und Ingenieurverein zu Frankfurt am Main, in: Deutsche Bauzeitung 42. Jg. 1908, S.258

22 Schenker, E.: Heimatschutz, in: Zeitschrift für das Baugewerbe, 54. Jg. 1910, S.45

23 Fritsch, K.E.O.: Wie kann die Baukunst wider volksthümlich gemacht werden ?, in: Deutsche Bauzeitung, 10. Jg. 1876, S.383-386

24 Volksthümliche Baukunst in Dresden, in: Deutsche Bauzeitung, 31.Jg. 1897, S.378 f

25 Scheffler, K.: Heimkunst, in: Deutsche Bauhütte, 6. Jg. 1902, S. 250 f (Scheffler steht im Übrigen dem Jugendstil sehr kritisch gegenüber, während er Arbeiten van de Veldes oder Pankoks anerkennt, lehnt er die von Mackintosh und Olbrich als oberflächliche Modenarrheit ab.)

26 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 431

27 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 431

28 Lux, A.: Grundpfeiler der heimischen Bauweise, in: Deutsche Bauhütte 13. Jg. 1909, S.421

29 Lux, A.: Grundpfeiler der heimischen Bauweise, in: Deutsche Bauhütte 13. Jg. 1909, S.426; eine ähnliche Argumentation bei Gerhard Heyden, "Über die Anpassung des Bauwerkes an das Landschaftsbild", in: Deutsche Bauhütte, 9. Jg. 1905, S.257-260, wo vor allem die damals praktizierte Ausbildung der Bauhandwerker, Architekten und Baumeister -zu verschult, der Erfahrungsaustausch auf Wanderschaft fehlt- dafür verantwortlich gemacht wurde, daß moderne Bauten mit wenig Rücksicht auf die natürliche Umgebung ausgeführt wurden.

30 Otzen, J.: Vortrag vor dem Architektenverein in Berlin. Deutsche Bauzeitung, 21. Jg. 1887, S.158 ff

31 -dt.: Volksthümliche Baukunst in Dresden, in: Deutsche Bauzeitung, 31.Jg. 1897, S.378 f;

32 Hanftmann, B.: Praktische Neuübung bodenständiger Bauweise, in: Deutsche Bauhütte, 11. Jg. 1907 S.190

33 Hanftmann, B.: Praktische Neuübung bodenständiger Bauweise, in: Deutsche Bauhütte, 11. Jg. 1907 S.190

34 Forsthäuser und ländliche Kleinwohnungen in Sachsen, bearbeitet von L.F.K. Schmidt, Oberbaurat im hochbautechnischen Bureau des Königlichen Finanzministeriums in Dresden. 32 Tafeln mit Text. Verlag von Gerhard Kühtmann, Dresden 1906. 15 Mk

35 Hanftmann, B.: Praktische Neuübung bodenständiger Bauweise, in: Deutsche Bauhütte, 11. Jg. 1907 S.192; sh. dazu auch: Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 432

36 o.A.: Landbaukunst im Regierungsbezirk Minden und in Schaumburg-Lippe, in: Deutsche Bauzeitung, 39. Jg. 1905, S.211

37 o.A.: Landbaukunst im Regierungsbezirk Minden und in Schaumburg-Lippe, in: Deutsche Bauzeitung, 39. Jg. 1905, S.211

38 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 432

39 Entwicklung und Ziele des Heimatschutzes in: Baurundschau, 1912, S. 199, zitiert bei Ringbeck, B.: Architektur, S. 221

40 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 433

41 u.a. Hocheder, C.: Von heimischer Bauweise, in: Deutsche Bauhütte, 13. Jg. 1909, S.10

42 Verlag Trowitzsch & Sohn, Berlin

43 Goecke, Th.: Zur Erhaltung Heimischer Bauweise, in: Der Städtebau, 1. Jg. 1904, S.167

44 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 432 f

45 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 438

46 Das Bauernhaus im Deutschen Reiche und in seinen Grenzgebieten, hrsg vom Gesamtverband der deutschen Architekten und Ingenieurvereine, Dresden 1906

47 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 431-432

48 Ringbeck, B.: Architektur, S. 223

49 o.A.: Denkmalpflege und Heimatschutz in den Großstädten, in: Deutsche Bauzeitung, 45. Jg. 1911, S. 274-275

50 Baedeker-Mahlow, W.: Großstadt und Heimatkunst, in: Berliner Architekturwelt, 17. Jg. 1914/15, S. 413-415 zu Berlin siehe auch Ebe, G.: Die Tradition in der Architektur, in: Die Bauwelt, 3. Jg. 1912, Nr. 52, S. 29-31

51 Baedeker-Mahlow, W.: Großstadt und Heimatkunst, in: Berliner Architekturwelt, 17. Jg. 1914/15, S. 415

52 Ringbeck, B.: Architektur, S. 229

53 Die Prämisse gilt für den Betreiber, für die Arbeiter nur bedingt.

54 Beutinger, E.: Industriebauten in heimatlicher Gestaltung, in: Der Industriebau, 6. Jg. 1915, S. 402

55 Beutinger, E.: Industriebauten in heimatlicher Gestaltung, in: Der Industriebau, 6. Jg. 1915, S. 402

56 Schell, O.: Ältere Fabrikbauten im Bergischen, in: Der Industriebau, 7. Jg. 1916, S.15-20

57 Bredt, F.W.: Fabrikbauten unter Berücksichtigung des Bergischen Landes, in: Der Industriebau, 1. Jg. 1910, S.69-72

58 Schultze, Fr.: Zur Pflege heimatlicher Bauweise insbesondere auf dem Lande, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg. 1904, S. 439

59 Rotta: Zur Pflege der heimischen Bauweise, in: Baugewerks-Zeitung, 45. Jg. 1913, S.334

60 Rotta: Zur Pflege der heimischen Bauweise, in: Baugewerks-Zeitung, 45. Jg. 1913, S.333

61 Gurlitt, C.: Ein Angriff auf die Heimatschutzbewegung, in: Deutsche Bauzeitung, 45. Jg. 1911, S.206-212

62 zitiert von K. Schmidt: Zur Ästhetik der Baustoffe - Ein Beitrag zur Heimatschutzbewegung, in: Deutsche Bauzeitung, 45. Jg. 1911, S.146

63 Liesheim, O.: Heimatschutzbund und Werdandibund, in: Neudeutsche Bauzeitung 8. Jg. 1912, S.184

64 Liesheim, O.: Heimatschutzbund und Werdandibund, in: Neudeutsche Bauzeitung 8. Jg. 1912, S.183 f

65 Heimwart: Heimische Bauweise, in: Das Deutsche Landhaus, 2. Jg. 1906, S. 194-196. - Es mag dahin gestellt bleiben, ob "Heimwart" Name, Pseudonym oder ggf. eine interessante Wortschöpfung aus Heimatschutz und Kunstwart ist.

66 Heimwart: Heimische Bauweise, in: Das Deutsche Landhaus, 2. Jg. 1906, S. 194 f (Es mag dahingestellt sein, ob „Heimwart“ ein Pseudonym ist, ggf. aber auch eine witzige Verbindung von Heimatschutz und Kunstwart ?)

67 Payer, H.: Heimatschutz und Heimatkunst, in: Wiener Bauindustrie-Zeitung (Österreichische Bauzeitung), 34.Jg. 1916, S. 19-23; - vgl. dazu auch: Schulze, O.: Die Moderne und die historischen Baustile, in: Neudeutsche Bauzeitung, 5. Jg. 1909, S. 201-206

68 Payer, H.: Heimatschutz und Heimatkunst, in: Wiener Bauindustrie-Zeitung (Österreichische Bauzeitung), 34.Jg. 1916, S. 23

69 De Jonge, J.: Beschreibung des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, S. 6

70 Schell, O.: Tafel zu „Einige Beiträge zur historischen Entwicklung des Bergischen Hauses“, in: ZBGV 38, 1905

- Bredt, F.W.: Fabrikbauten unter Berücksichtigung des bergischen Landes, in: Der Industriebau,

1. Jg. 1910, S.70

- Nicht dazugerechnet werden kann die von Otto Schell behauptete spezielle "Elberfelder

Bauweise", die in den 1830er Jahren von Oberbürgermeister Brüning aus der Taufe gehoben worden und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Elberfeld in Gebrauch geblieben sein soll. (Schell, O.: Ältere Fabrikbauten im Bergischen, in: Der Industriebau, 7. Jg. 1916, S. 19 f). Weiterführende Hinweise dazu finden sich in der einige Jahre zuvor erschienen Festschrift zum 300jährigen Elberfelder Stadtjubiläum. Schell verstand darunter Bauten in einem „Rundbogenstil“ deren besonderes Merkmal insbesondere die namensgebenden Bogenöffnungen waren und deren Entstehungszeit mit der Amtszeit von OB Brüning zusammenfiel. Allerdings wird der besondere Einfluß OB Brünings nicht deutlich (sieht man davon ab, daß etliche dieser Gebäude Öffentliche Bauten waren) (Schell, O.: Ältere Fabrikbauten im Bergischen, in: Der Industriebau, 7. Jg. 1916, S. 19; - Schell, O.: Das Alte Elberfeld - die älteren öffentlichen Bauten der Stadt, in: Die Stadt Elberfeld, S.58 f). Genannt wurden als Bauten „Elberfelder Stils“ u.a.: der klassizistische Cremer-Bau des ehemaligen Elberfelder Rathauses (Von der Heydt-Museum), das alte Schlachthaus am Brausenwerth, das städtische Armenhaus, oder die sogenannte „Benjaminshütte“, eine Fabrikanlage, die um 1830 entstanden sein soll (im Jahr 1916: Elberfeld, Simonsstraße 4). Der angebliche Elberfelder Stil galt als Regional-Stil, jedoch nicht als Bergischer Stil. Schell selber trennte diese regionalspezifische Bauweise streng vom Bergischen Heimatstil.

71 Schell, O.: Die Bewegung zur Erhaltung und Wiederbelebung der bergischen Bauweise, in: ZBGV 39, 1906, S. 228

72 vgl. Bredt, F.W.: Zur Geschichte des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, S. 1 - Schell, O.: Das Alte Elberfeld - Sitten und Einrichtungen, in: Die Stadt Elberfeld, S. 212

73 in diesem Sinne: B. Müller, Besprechung: Altbergische Heimatkunst, Bd. I, Geschnitzte Möbel , in: ZBGV 49, 1916, S. 194

74 Fülle, W. / Jacoby, M. / Schell, O. / Wieynk, H.: Altbergische Häuser in Bild und Wort, Barmen 1907

75 Schmidt-de Bruyn, R.:Das Bergische Patrizierhaus bis 1800, S. 8

76 Diese Sicht ist nicht unproblematisch, denn das Bergische Land gilt als Grenzregion unterschiedlicher Hausbauweisen, sh. dazu Peßler, W.: Das Altsächsische Bauernhaus in seiner geographischen Verbreitung, Braunschweig 1906, insbesonder S. 9

77 Bredt, F.W.: Zur Geschichte des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, S. 5

78 Schell, O.: Einige Beiträge zur historischen Entwicklung des bergischen Hauses, in: ZBGV, 38, 1905, S.345

79 Bredt, F.W.: Zur Geschichte des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, S. 2; - vgl. dazu auch: Schell, O.: Das Alte Elberfeld - Sitten und Gebräuche, in: Die Stadt Elberfeld, S. 214

80 Bei der Betrachtung des Bergischen Hauses war es den Förderen Bergischer Bauweise gleichgültig, welcher Kunststil der genannten großen Hauptrichtungen jeweils angewandt wurde, ebenso die Frage, welcher der am besten geeignetste wäre. F.W. Bredt verwies darauf, daß es alle Stile hervorragendes geleistet hätten, und sich die damalige Anwendung sich nach dem Geschmack des Bauherren gerichtet hätte. Ebenfalls war ohne Belang, ob es sich um Fachwerk- oder um Massivbauweise handelte. (Bredt, F.W.: Zur Geschichte des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, S. 5)

81 Schoenfelder, L. / Lehmann: Wiederbelebung der alten Bauformen in unserer Zeit, in: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1910 Hft 2, S. 89 f

82 Schell, O.: Einige Beiträge zur historischen Entwicklung des bergischen Hauses, in: ZBGV, 38, 1905, S.344

83 Schell, O.: Die Bewegung zur Erhaltung und Wiederbelebung der bergischen Bauweise, in: ZBGV 39, 1906, S. 224

84 Schell, O.: Bericht, erstattet in der Generalversammlung am 5.12.1900, in: ZBGV 35, 1900-1901, S.152

85 Schell, O.: Das Alte Elberfeld - Sitten und Einrichtungen, in: Die Stadt Elberfeld, S. 21

86 Bredt, F.W.: Zur Geschichte des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, S. 3

87 o.A.: Das Bergische Haus, in: Bauzeitung für Württemberg, Hessen, Baden, Elsass-Lothringen, 3. Jg. 1906, S. 96;

- Schoenfelder, L.: Vorwort zu: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, Berlin 1908 ff;

- Eckardt, U.: Denkmal-Schutz-Gesetz, in Polis 1/1992, S.33

- Mahlberg, H.-J.: Mit aller Entschiedenheit - für Wuppertal, in: Polis 1-2/1995, S.24

88 Schoenfelder, L. / Lehmann: Die Wiederbelebung der alten Bauformen in unserer Zeit, Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1910 Hft 2, S. 91

89 Schell, O.: Bericht, erstattet in der Generalversammlung am 5.12.1900, in: ZBGV 35, 1900-1901, S.154; - dgl.: Die Sammlungen des BGV zu Elberfeld. Übersicht des jetzigen Umfangs, in: ZBGV 36, 1903, S.235

90 Barmer Zeitung Nr. 135 vom 10.6.1905: Eröffung der Kunstgewerbe-Ausstellung

91 Vortrag von Otto Schell, zitiert von: Jahresbericht 1905, in: ZBGV 39, 1906, S. 245

92 Schell, O.: Einige Beiträge zur historischen Entwicklung des bergischen Hauses, in: ZBGV, 38, 1905, S.324-345 + 3 Tafeln

93 -H[inderer, R.]: Bergische Hausbaukunst, in: Deutsche Bauzeitung, 39. Jg. 1905, S. 393-395

94 Schell, O.: Die Bewegung zur Erhaltung und Wiederbelebung der bergischen Bauweise, in: ZBGV 39, 1906, S. 223

95 Witting, D. et al.: Paul Clemen, in: Rheinische Heimatpflege, 1991, Heft 3, S. 165

96 Hier und im weiteren: Schell, O.: Die Bewegung zur Erhaltung und Wiederbelebung der bergischen Bauweise, in: ZBGV 39, 1906, S. 223

97 Schell, O.: Die Bewegung zur Erhaltung und Wiederbelebung der bergischen Bauweise, in: ZBGV 39, 1906, S. 227

98 Holtmanns, J.: Vereinsnachrichten - Jahresbericht 1906, in: ZBGV 40, 1907, S. 219

99 o.A.: Das Bergische Haus, in: Bauzeitung für Württemberg, Hessen, Baden, Elsass-Lothringen, 3. Jg. 1906, S. 96

100 o.A.: Das Bergische Haus, in: Bauzeitung für Württemberg, Hessen, Baden, Elsass-Lothringen, 3. Jg. 1906, S. 96

101 Schell, O.: Die Bewegung zur Erhaltung und Wiederbelebung der bergischen Bauweise, in: ZBGV 39, 1906, S. 228

102 Schoenfelder, L. / Lehmann: Wiederbelebung der alten Bauformen in unserer Zeit, in: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1910 Hft 2, S. 91, 93

103 Bredt, F.W.: Fabrikbauten unter Berücksichtigung des Bergischen Landes, in: Der Industriebau, 1. Jg. 1910, S.71-72

104 Bredt, F.W. / Reiche, R.: Mobiliar bergischer Bürgerhäuser aus der Zeit 1700 - 1830, hrgs. im Auftrag des Kunstvereins in Barmen, Düsseldorf 1909

105 nach 1945 erschienen an neuen Arbeiten zur historischen Bauweise im Bergischen Land: Ossenberg, H.: Das Bürgerhaus im Bergischen Land, 1963 rep 1981 Schmidt-de Bruyn, R.: Das Bergische Patrizierhaus bis 1800, Köln 1983

106 Eckardt, U.: Denkmal-Schutz-Gesetz, in: Polis, 1/1992, S. 34 f

107 Eckardt, U.: Denkmal-Schutz-Gesetz, in: Polis, 1/1992, S. 36

108 Eckardt, U.: Denkmal-Schutz-Gesetz, in: Polis, 1/1992, FN 23

109 Mahlberg, H.J.:Kunst, Design & Co., S.101 f

110 Mahlberg, H.J.:Kunst, Design & Co., S. 21

111 Schulze, O.: Heimatkunst und Denkmalpflege, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. XXII, 1908, S. 158, 162

112 de Jonge, J.: Beschreibung des Bergischen Bürgerhauses, in: Bergische Bauweise, hrsg. v. Ausschuß zur Förderung Bergischer Bauweise, Berlin 1908 ff, S. 5 - 9

113 Metschies, M.: Stadtgesicht mit Falten, S. 49; 51

114 Heuter, C.: StadtSchöpfung, S. 39 f, 108, 133

115 Elberfelder Beispiele mit Abbildungen in Schoenfelder, L. / Lehmann: Wiederbelebung der alten Bauformen in unserer Zeit, in: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1910 Hft 2, S. 94

116 Abb.: Schoenfelder, L. / Lehmann: Wiederbelebung der alten Bauformen in unserer Zeit, in: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1910 Hft 2, S. 94

117 Abb.: Schoenfelder, L. / Lehmann: Wiederbelebung der alten Bauformen in unserer Zeit, in: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1910 Hft 2, S. 92

118 Abb.: Metschies, M.: Wuppertal Wiederentdeckt-Zehn Jahre danach, S. 167

119 Schenker, E.: Heimatschutz, in: Zeitschrift für das Baugewerbe, 54. Jg. 1910, S.46

120 C. Gurlitt: Ein Angriff auf die Heimatschutzbewegung, in: Deutsche Bauzeitung, 45.Jg.1911, S.212

121 Metschies, M.: Stadtgesicht mit Falten, S. 49; 51

122 Vgl. dazu: Verlag Wasmuth (Hrsg.): Wilhelm Kreis Kaufhausneubau L. Tietz AG Elberfeld, Text von Dr. M. Creutz, Berlin 1912 (= 10. Sonderheft der Architektur des 20. Jahrhunderts) - Busmann, J. et al.: Architektur in Wuppertal, S. 34

123 Busmann, J. et al.: Architektur in Wuppertal, S. 68

51 von 51 Seiten

Details

Titel
Heimatschutz-Stil. Anmerkungen zu einem Stilphänomen in der Architektur der Jahrhundertwende.
Veranstaltung
Seminar "Kunst in der Wupperregion"
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1994
Seiten
51
Katalognummer
V96815
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heimatschutz-Stil, Anmerkungen, Stilphänomen, Architektur, Jahrhundertwende, Seminar, Kunst, Wupperregion
Arbeit zitieren
Florian Speer (Autor), 1994, Heimatschutz-Stil. Anmerkungen zu einem Stilphänomen in der Architektur der Jahrhundertwende., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96815

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