Novalis - Heinrich von Ofterdingen


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

8 Seiten


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Novalis, „ Heinrich von Ofterdingen “

Autorinformation

Novalis, eigentlich Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, war der bedeutendste Lyriker und Prosadichter der deutschen Frühromantik. Er wurde am 2. Mai 1772 in Oberwiederstedt geboren und starb am 25. März 1801 in Weißenfels.

Novalis war Sohn des Großgrundbesitzers und Salinendirektors Heinrich Ulrich Eras- mus von Hardenberg und seiner Frau Auguste Bernhardine und wuchs im Umfeld ei- nes strengen Pietismus auf. Zwischen 1790 und 1794 studierte er Jurisprudenz, Ma- thematik und Philosophie an den Universitäten Jena, Leipzig und Wittenberg. Sein Lehrer war u.a. Friedrich von Schiller. 1795 hatte er sich ohne Wissen der Eltern mit der 13-jährigen Sophie von Kühn (1783-1797) verlobt, durch deren plötzlichen Tod sein Hang zur Mystik, der sich in seinen Werken niederschlägt, noch verstärkt wurde. 1797 studierte Novalis an der Bergakademie Freiberg Bergwerkskunde, Chemie und Mathematik; ein Jahr später ging er mit Julie von Charpentier (1776-1811) seine zwei- te Verlobung ein, doch es kam wieder zu keiner Hochzeit. 1799 wurde Novalis als Sa- linenassessor angestellt, um kurz darauf zum Amtshauptmann ernannt zu werden. Nach 1800 lähmte eine Lungenkrankheit seinen weiteren Werdegang, aufgrund derer er 1801 auch starb.

Seine berühmtesten Werke

Novalis war eng mit Friedrich von Schiller und Ludwig Tieck sowie mit August Wilhelm und Friedrich von Schlegel befreundet. Beeinflusst wurde er vor allem durch den deutschen Idealismus.

In seinen Werken erstrebte Novalis eine Poetisierung der Welt, wie z.B in „ Hymnen an die Nacht “, wo die Nacht als Reich der Poesie gefeiert wird.

In seinem Bildungsroman „ Heinrich von Ofterdingen “ versucht der Dichter sukzessiv die Welt zu erkennen und sie durch Poesie zu verschönern.

Inhaltsangabe

1. Teil

Der Roman beginnt mit einem Traum des jungen Mannes Heinrich von Ofterdingen. Er sieht im Traum eine wunderschöne blaue Blume, von der er fasziniert ist. Er ist davon überzeugt, dass sein Traum irgend eine Bedeutung hat. Die blaue Blume ist eine Vorausdeutung des Höhepunkts und des Ziels Heinrichs Entwicklung. Morgens kommt er mit seinem Vater darüber ins Gespräch. Dieser glaubt aber nicht, dass Heinrichs Traum eine Botschaft beinhaltet. Er findet Träume grundsätzlich sinnlos, Heinrich sieht darin aber Erholung von der Realität und der Ernsthaftigkeit des Lebens.

Eines Tages beschließt die Mutter, mit Heinrich nach Augsburg zu seinem Großvater zu fahren. Dabei schließen sie sich Kaufleuten an, die zufällig denselben Weg einschlagen. Heinrich ist darüber höchst erfreut und sieht endlich seinen Traum von der Ferne sich erfüllen. Jedoch macht er auch gleichzeitig die Erfahrung, dass der Abschied von der Heimat sehr schwer ist. Auf der Reise unterhält sich Heinrich mit den Kaufleuten über Wissenschaft und Kunst. Die Kaufleute bemerken nach einiger Zeit, dass Heinrich eine völlig andere Lebenseinstellung besitzt als sie und dass er sich für die Dichtkunst inte- ressiert. Sie erzählen Heinrich zwei Geschichten, in denen die Magie der Poesie zum Ausdruck kommt:

Die erste handelt von einem Dichter, der auf einem Schiff ausgeraubt wird und über Bord geworfen werden soll. Der Dichter fängt an zu singen und stürzt sich daraufhin selbst über Bord. Sofort taucht ein Untier auf und bringt ihn und sein Hab und Gut sicher an Land.

Die zweite Geschichte handelt von einer Prinzessin, die sich bei einem Ausritt in den Wald in einen jungen, armen Dichter verliebt. Sie beschließt, bei ihm zu bleiben, denn der König würde es sowieso nicht erlauben, seine Tochter mit einem armen Mann vermählen zu lassen. Ein Jahr nach dem Verschwinden kehrt die Tochter mit dem jungen Mann zum Schloss zurück, ihr Neugeborenes Kind in den Armen haltend. Der König erlebt an diesem Tag den glücklichsten Moment seines Lebens.

Die Reise nach Augsburg erstreckt sich über mehrere Etappen. Heinrich erlebt durch Begegnungen, Erzählungen und Gespräche den Sinn seines Lebens. Die Reisenden kommen an einem Schloss vorbei, wo Ritter zusammen an einem Tisch sitzen und Kreuzzugslieder singen. Sie drücken den Hass gegenüber den Nichtchristen aus. Heinrich ist von dieser Atmosphäre und vom Leben des Ritters begeistert. Später geht er nach draußen und trifft dort eine Jüdin, die im Krieg aus ihrer Heimat vertrieben worden ist. Sie macht die Christen für ihr Schicksal verantwortlich. Heinrich fühlt mit ihr und seine Kriegsbegeisterung ist nun völlig erloschen. Er wird mit Freude und Leid zur gleichen Zeit konfrontiert. Er verabschiedet sich am nächsten Tag in Kummer und Sor- gen.

Am Tag darauf rasten sie in einem Wirtshaus, in dem ein alter Mann seine Lebensgeschichte als Bergarbeiter erzählt. Er blickt gerne auf seine Vergangenheit zurück und macht den Leuten klar, dass Bergarbeiter ein besonderer Beruf ist, in dem man in der Einsamkeit viel an die Familie denkt und von dem „Tumult des Tages“ abgeschirmt ist. Ein Bergarbeiter muss geduldig sein und befasst sich nicht mit unnützen Gedanken, weil er immer aufmerksam sein muss. Jetzt, da er die Leute neugierig gemacht hat, beschließt er, mit ihnen eine Höhle aufzusuchen.

In dieser Höhle stoßen sie auf den Grafen von Hohenzollern, der dort in Einsamkeit lebt. Heinrichs Blick ist auf ein seltsames Buch gerichtet, in dessen Bildern er sich selbst sieht. Es zeigt seine Entwicklung bis in die Zukunft auf, ist aber unvollendet wie „Heinrich von Ofterdingen“ selbst. Das Sich-größer-sehen gegen Ende des Buches stellt seine Weiterentwicklung dar.

Bei der Ankunft in Augsburg steigt gerade ein Fest in Heinrichs Großvaters Haus. Der über den Besuch sehr erfreute Großvater führt Heinrich und seine Mutter in den Fest- saal. Dieser Tag ist der wichtigste in Heinrichs Entwicklung. In der Gestalt des Mannes und Dichters namens Klingsohr, den er auf dem Fest kennenlernt, begegnet ihm die Poesie. In Klingsohrs Märchen repräsentiert jede einzelne Gestalt eine bestimmte Idee und Bedeutung. In ihnen glaubt Heinrich bekannte und ihm nahestehende Leute zu se- hen. Desweiteren wird er mit der Liebe vertraut gemacht, die ihm in der Gestalt Mathil- des, der Tochter Klingsohrs, begegnet. Er legt somit seine Schüchternheit ab. Heinrich erlebt zum ersten Mal ein richtiges Fest (: Sinnbild für den Höhepunkt seiner Entwick- lung) und denkt an die blaue Blume, das Leitmotiv des Romans (blau als Sinnbild der Romantik), das das Ziel seiner Entwicklung darstellt. Der Traum in der Nacht über Mathilde ist ebenfalls eine Anspielung auf die blaue Blume.

Klingsohr nimmt Heinrich unter seine Fittiche. Er zeigt dem Begierigen Bücher und führt mit ihm Gespräche über Poesie. Der „letzte Schliff“ wird dem 1. Teil des Buches dadurch verliehen, dass sich Heinrich und Mathilde ewige Liebe schwören.

2. Teil

Vom 1. auf den 2. Teil vollzieht sich eine Verwandlung von der Realität in das Märchen der Phantasie, die eigentlich schon Klingsohr mit seinem Märchen angedeutet hat. Heinrich befindet sich auf der Suche nach seiner verstorbenen Geliebten, von Einsamkeit, Kummer und Schmerz getrieben.

Er wird einer Erscheinung gewahr, in der ihm seine Geliebte begegnet. An dieser Stelle verliert die Handlung völlig den Bezug zu dem Irdischen und erweitert sich in die Unend- lichkeit. Durch diese Begegnung erlangt Heinrich einen Zustand der Entzückung und al- le Bekümmernisse scheinen verflogen zu sein. Er trifft ein Mädchen, das ihn mit nach Hause nimmt und ihm dem Arzt Sylvester bekannt macht. Das Buch endet mit einem Gespräch zwischen Heinrich und Sylvester über die Natur, Heinrichs Vater, der Sylves- ter bekannt ist, und Heinrichs gute Erziehung, die einen solchen Werdegang als Dichter erst möglich gemacht hat.

Arbeitsaufträge

1. Entwicklungsroman der Romantik

Der Begriff Bildungsroman/ Entwicklungsroman wurde vom Literarhistoriker Karl Morgenstern im Jahre 1803 erfunden. Von 1817-1824 folgten Erläuterungen dieser neuen Literaturgattung in einer Serie von Aufsätzen, die von Morgenstern verfasst wurden. Der Bildungsroman gehört zu den prominentesten Gattungen der Literaturgeschichte und ist ein spezifisch deutscher Beitrag zur Romanliteratur.

Der Bildungsroman ist ein Roman, der die geistige Entwicklung der Hauptperson eines Romans von Anfang an bis zur Vollendung darstellt. Dieser Bildungsprozess geschieht in einer poetischen und zum Teil auch in einer Traumwelt, wie auch Heinrich’s Entwick- lung dargestellt wird. Der Prozess beginnt mit dem Traum über eine blaue Blume, die als Sinnbild für das Ziel der Entwicklung steht.

Heinrich ist ein frommer Junge, der von einem Hofkaplan mit der Dichtkunst vertraut gemacht wird und mit seinem einmalig ruhigen Gemüt begierig ist, mehr davon zu erfahren und sich weiterzubilden. Diese Voraussetzung muss nach Morgenstern die Hauptperson auch erfüllen. Sie muss sich nämlich gegenüber dem Bildungsprozess zuversichtlich zeigen und sich selbstbewusst fühlen.

Die allererste Stufe seiner Entwicklung setzt allerdings schon vor der Reise ein. Er er- fährt nämlich zum ersten Mal in seinem Leben, wie schwer der Abschied von dem ge- wohnten Zuhause ist, von dem er bis dahin noch nie getrennt worden ist. Heinrich’s eigentlicher Bildungs- bzw. Entwicklungsprozess beginnt am Anfang seiner Reise nach Augsburg, wo er mit den Kaufleuten konfrontiert wird, die durchaus eine ganz andere Ansicht der Welt haben als er. Durch diese Begegnung mit den Kaufleuten lernt er, sich mit Leuten auseinanderzusetzen, die weltlicher denken als er. Als sie näm- lich auf die Wissenschaft zu sprechen kommen, die fest in der Geistlichkeit verankert ist, und die Kaufleute sich darüber aufregen, weil sie eher den Weg der Erfahrung vorzie- hen als den „Gott wohlgefälligen Lebenswandel“, reagiert er sofort und versucht seinen Standpunkt zu verteidigen.

Weitere Schritte Heinrich’s Entwicklungsprozesses vollziehen sich bei den Rastpausen auf dem Weg nach Augsburg. Die geistige Entwicklung geschieht durch Erzählungen, durch Begegnungen mit verschiedenartigen Leuten und auch in Gesprächen, so zum Beispiel beim Aufenthalt auf dem Schloss, auf dem die ritterliche Kreuzzugsbegeisterung in Gesprächen und Liedern dem Leiden der Zulima gegenübergestellt wird und Heinrich von der Begeisterung in tiefe Trauer verfällt.

Durch den Bergmann erfährt Heinrich das Geheimnis des Erdinnern und beim Grafen von Hohenzollern befasst sich Heinrich durch das seltsame Buch mit sich selbst, mit seiner Gegenwart, mit seiner Vergangenheit, aber auch mit seiner Zukunft. Bei seinem Großvater wird der Reifeprozess durch die Gestalt Klingsohrs und seinem phantasti- schen Märchen und zuguterletzt durch die Entdeckung der Liebe in der Gestalt Mathil- des abgeschlossen. Dies wird daran sichtbar, dass ihm die blaue Blume wieder begeg- net, das Leitmotiv des Buches, das die Vollendung Heinrichs Entwicklung darstellt.

2. Vom Wesen des Romantischen

Im Zeitalter der Romantik vermischen sich alle möglichen und noch so gegensätzliche Gattungen und verschmelzen miteinander, so auch in Novalis‘ „Heinrich von Ofterdingen“. Gegen Ende des Buches verwandelt sich der Roman in ein Märchen. Dies soll die vollständige geistige Entwicklung Heinrichs verdeutlichen, der in seiner eigenen dichterischen Welt lebt. Darin liegt auch der Unterschied zur antiken Kunst. Dort wurden nämlich alle Gegensätze streng getrennt und alles klar geordnet.

Romantische Poesie ist die wichtigste aller Künste und trägt am meisten zur Bildung bei. Novalis ist der Meinung, dass jede Art der Poesie romantisch ist, weil in der Romantik alles vereint ist. Sie ist eine progressive Universalpoesie.

Die romantische Poesie besteht zum Teil aus Erzählungen, Gedichten oder Liedern, die zwar eine Assoziation hervorrufen wie zum Beispiel Träume, sie haben aber jeglichen Sinn und Zusammenhang verloren. Sie sind mit schönen Worten geschmückt und „wohlklingend“ und es sind höchstens einzelne Strophen verständlich. Gegensätze, wie zum Beispiel Leben und Tod, das Irdische und das Göttliche, verschmelzen miteinander. Die Natur wird in der Romantik als das Reine und das Schöne angesehen und ist rein poetisch, weil all ihre Gegenstände und Erscheinungen auf leichte Art und Weise bedichtet werden können.

Eigene Wertung

„Heinrich von Ofterdingen“ ist in zwei Teile unterteilt, die beide in Bezug auf die Hand- lung unvollendet sind. Durch diese Tatsache fragt sich der Leser, warum er das Buch überhaupt gelesen hat. Er erfährt zwar, dass Heinrichs Entwicklungsprozess am Ende des ersten Teils vollständig abgeschlossen ist - das ist wahrscheinlich nach Novalis‘ Auffassung ein sinnvoller Schlussstrich - ,aber die eigentliche Handlung kann nach Klingsohrs Märchen noch nicht zu Ende sein. Der Leser erwartet an diesem Punkt eine Weiterführung der Handlung. Daraufhin wird der Leser am Anfang des zweiten Teils in eine völlig andere Situation hineingeworfen, die mit dem ersten Teil überhaupt nichts zu tun hat.

Der Text ist vom Inhalt her relativ unspektakulär und an Spannung hat Novalis kräftig gespart. Desweiteren trägt die dichterische und ausschmückende Erzählweise Novalis‘, die an manchen Stellen doch zu langatmig wirkt und meiner Meinung nach gewöh- nungsbedürftig ist, dazu bei, dass sich der Text ziemlich zähflüssig liest. Zudem empfin- de ich als störend, dass zu viele Lieder und Geschichten eingefügt worden sind, die den Leser aus dem Kontext herausreißen. Gut daran ist wiederum die Aussageabsicht die- ser Gedichte, wie zum Beispiel in beiden Geschichten der Kaufleute, die am Ende des zweiten und im dritten Kapitel des ersten Teils eingearbeitet sind. Sie illustrieren die magische Wirkung der Dichtkunst, die am Ende zu einem „happy end“ führt. Eine Aus- sageabsicht ist aber nicht grundsätzlich in allen Gedichten zu finden.

Fazit: „Heinrich von Ofterdingen“ ist ein Roman, der lesenswert sein mag, wenn man sich für die Entwicklung Heinrichs interessiert und nicht die eigentliche Handlung als Priorität ansetzt.

Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

B Literatur

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8 von 8 Seiten

Details

Titel
Novalis - Heinrich von Ofterdingen
Autor
Jahr
1999
Seiten
8
Katalognummer
V96826
Dateigröße
345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Novalis, Heinrich, Ofterdingen
Arbeit zitieren
Steffen Manuel; Kupper (Autor), 1999, Novalis - Heinrich von Ofterdingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96826

Kommentare

  • Heike Johannes am 27.1.2001

    nix.

    Hätt ich die Seite doch nur schon vor einem Monat gefunden, dann hätt ich mir des Durchlesen von dem (echt öden) Buch sparen können, weil da ja praktisch mein ganzes Referat steht *ggg*

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Titel: Novalis - Heinrich von Ofterdingen



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