Tourismus auf Kuba


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
12 Seiten

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Gliederung:

1) Naturgeographische Gegebenheiten
1.1) Physische Geographie
1.2) Klima
1.3) Flora und Fauna
1.4) Kuba - Paradies auf Erden ?

2) Sozialökonomische Faktoren
2.1) Landesstrukturdaten
2.2) Kuba - Zwischen den Welten

3) Tourismus auf Kuba
3.1) Arten des Tourismus auf Kuba
3.2) Sozialismus und Tourismus
3.2.1) Gelenkter Tourismus
3.2.2) La Habana - Kubas zukünftiges Disney World ?
3.3) Was bringt der Tourismus den Kubanern?
3.4) Die Zukunft des Tourismus in Kuba

4) Quellenangaben

Anlagen
Kuba - Topographische Karte
Tourismusstatistik der Karibik vom WTTC

1) Naturgeographische Gegebenheiten

1.1) Physische Geographie

Die wegen ihrer Form auch "cocodrilo" (Krokodil) genannte Insel liegt geographisch gesehen an der Nahtstelle zwischen Nord- und Südamerika (zwischen dem 20. und 24. Grad nördlicher Breite), kaum 150 km von Florida (USA) entfernt.

Die Insel Kuba bildet zusammen mit der Isla de la Juventud und weiteren kleineren Inseln die Republik Kuba, und ist als Hauptinsel der Großen Antillen die größte der Westindischen Inseln.

Kuba erstreckt sich mit einer maximalen Länge von 1200 km und einer geringsten Breite von nur 50 km, sowie einer Größe die ungefähr die der ehemaligen DDR entspricht, zwischen dem Karibischen Meer und dem Atlantik. Die Zufahrt zum Golf von Mexiko verläuft im Norden und Südwesten der Insel durch die Floridastraße und die Straße von Yucatán. Im Osten ist Kuba von der Insel Hispaniola durch die Windwardpassage getrennt, einen Seeweg, der den Nordatlantik und die Karibik verbindet.

Den größten Teil der Insel nehmen sumpfige Ebenen und niedriges Hügelland ein. Gebirge erheben sich nur im äußersten Südosten (Baracoagebirge bis 1231m, Sierra Maestra bis 1974m), im Zentrum der Südküste und im äußersten Westen (Sierra Guaniguanico bis 665m). Die Insel ist relativ reich an Rohstoffen, zu nennen sind v.a.:

Kobalt, Nickel, Eisenerz, Kupfer, Mangan, Salz, Holz, Silizium und Petroleum. Mit Ausnahme der steil abfallenden Südküste sind Kubas Küsten flach und von zahlreichen Inseln und Korallenriffen umgeben. Die Küste ist insgesamt 3740 km lang, vorherrschende Böden sind typisch tropische Roterden. Die meisten der zahlreichen Flüsse Kubas sind nicht schiffbar. Größter Fluss ist der Cauto im Südosten (240 km lang, 120 km schiffbar, Quelle in der Sierra Maestra).

1.2) Klima

Das Klima Kubas kann man als randtropisch bezeichnen, die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 27° C. Das Klima ist ausgeglichen und regenreich mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 1320 mm. Über 60% der Niederschläge fallen in der Regenzeit von Mai bis Oktober. Im Südosten des Landes sorgt der Nordostpassat für ein immerfeuchtes Tropenklima.

Die Region in der die Insel liegt wird oft von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht.

1.3) Flora und Fauna

Von den Savannen und dem tropischen Regenwald des Tieflands ist durch Rodung (Zuckerrohr!) nur wenig übrig geblieben. In den südöstlichen Gebirgen wächst noch immergrüner Feuchtwald, und auf der Halbinsel Zapata gibt es große Mangroven- und Sumpfwälder.

Auf Kuba kommen über 50 Palmenarten vor.

Kubas Tierwelt zeichnet sich v.a. durch 342 Vogelarten aus. Der Kuba-Trogon ist der Nationalvogel der Insel. Krokodile gibt es nur noch in einigen Reservaten und Zuchtstationen auf der Halbinsel Zapata. Über 700 Fischarten und viele andere Meerestiere leben in kubanischen Gewässern. In dem tropischen Klima finden viele Insektenarten einen idealen Lebensraum, darunter für den Menschen gefährliche Insekten wie Sandflöhe und Anophelesmücken.

1.4) Kuba - Paradies auf Erden?

Die angeführten naturgeographischen Gegebenheiten verleihen Kuba einen paradiesischen Touch. Und in der Tat kann man auf Kuba das Gefühl von unberührter Natur erahnen, wenn man an den langgestreckten, scheinbar menschenleeren Stränden flaniert. Diese Robinsonade innerhalb der Zivilisation übt den entscheidenden Reiz für viele Touristen aus, man kann die Bequemlichkeiten eines Pauschalurlaubes genießen, ohne auf den "wirklichen" Luxus eines entspannenden Umfeldes verzichten zu müssen.

Ein gutes Bild von der Schönheit Kubas bekommt man in den Reiseberichten von Christoph Kolumbus, welcher auch Kuba entdeckte; dass er die Insel nahe dem indischen Festland wähnte (Seefahrt von 10 Tagen) ist hierbei nebensächlich.

Aus Eintragungen in das Bordbuch am 27. Oktober 1492 :

"Ich habe keinen schöneren Ort je gesehen. Die beiderseitigen Flussufer waren von blühenden, grünumrankten Bäumen eingesäumt, die ganz anders aussehen als die heimatliche Bäume. Sie waren von Blumen und Früchten der verschiedensten Art behangen, zwischen denen zahllose, gar kleine Vögel ihr s üß es Gezwitscher vernehmen ließen [...] Ich gestehe, beim Anblick dieser blühenden Gärten und grünen Wälder und am Gesang der Vögel eine so innige Freude empfunden zu haben, dass ich es nicht fertigbrachte, mich los zureißen und meinen Weg fortzusetzen. Diese Insel ist wohl die schönste, die Menschenaugen je gesehen, reich an ausgezeichneten Ankerplätzen und tiefen Flüssen. [...] Die Insel hat schöne und hohe Berge, die sich allerdings nicht weithin erstrecken; der restliche Teil der Insel weist Erhebungen auf, die an Sizilien gemahnen [...] Die Indianer wussten zu erzählen, dass auf dieser Insel Goldminen und Perlen zu finden seien ..."

2) Sozialökonomische Faktoren

2.1) Landesstrukturdaten

Kuba fällt v.a durch sein relativ gutes Bildungssystem und den damit verbundenen hohen Alphabetisierungsgrad (95.7%) sowie durch ein umfassendes soziales Netz, welches von der Grundversorgung mit Nahrungsmitteln bis hin zur medizinischen Versorgung reicht, auf. Somit ist auch eine Lebenserwartung von 75.78 Jahren sowie eine geringe Säuglingssterblichkeit nicht überraschend, auch das Bevölkerungswachstum ist mit 0.4% im Vergleich mit anderen karibischen Staaten (z.B. Haiti : 1.5%) niedrig. Kubas wichtigster Wirtschaftszweig ist der Export von Zucker, somit arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft (20%) oder in der Industrie (22%) , welche auch größtenteils auf die Verarbeitung von Zucker spezialisiert ist. Der Abbau und Export anderer Rohstoffe wie Gold, Mangan, Eisenerz oder Kobalt ist hingegen rückläufig. Der Tourismus aber gewinnt immer mehr an Bedeutung, da durch den Zerfall des Ostblockes und des COMECON / RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) die großen und sicheren Zuckerabsatzmärkte (welche Preise über Weltmarktniveau boten) wegfielen. Somit ist mit einer steigenden Anzahl von Beschäftigten im Dienstleistungssektor zu rechnen, welcher z.Z. 48% der kubanischen Wirtschaft ausmacht, davon machen aber 30% den gewaltigen Verwaltungsapparat des plan- wirtschaftlich - kommunistischen Staates aus. Eines von Fidel Castros Hauptanliegen ist seit der Revolution 1959 : Die ländlichen Gebiete zu erschließen und in ganz Kuba lebenswerte Umstände zu schaffen, so verfügt Kuba über ein entwickeltes Straßen und Schienennetz sowie landesweite Stromversorgung.

Auf der anderen Seite ließ Castro die Städte Kubas verwahrlosen, es wurden zwar Trabantenstädte an den Stadtränder hochgezogen um die Wohnungsnot zu lindern, aber das sozialistische Regime war darum bemüht die Städte nicht zu dem Sündenpfuhl Kubas werden zu lassen, wie dies in vorrevolutionären Zeiten der Fall war.

Heute herrscht sogar oft auf dem Lande ein besserer Lebensstandard als in der Stadt, z.B. haben die Bauern billigeren Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung, da sie neben der garantierten staatlichen Ration noch Erzeugnisse aus eigenem Anbau haben.

2.2) Kuba - Zwischen den Welten

Kuba war perfekt in das Wirtschaftssystem der 2. Welt (z.B. RGW) eingebunden, es war ein typischer Agrarstaat welcher Rohstoffe (insbesondere Zucker und Tabak) an die Industriestaaten Osteuropas und Russlands lieferte. Im Gegenzug erhielt es Maschinen, technisches Know-how und v.a. auch billigen Treibstoff und Öl. Kuba hatte sogar einen Überschuss an Importöl, welchen es gewinnbringend auf europäischen Dumpingmärkten verkaufen konnte. Die staatlichen und ausländischen Subventionen (Zuwendungen der UdSSR alleine : 4-6 Mrd. $/Jahr) für eigentlich nicht überlebensfähige Industrien, verbunden mit einer unflexiblen Planwirtschaft haben Kuba bereits in den Jahren des relativen Wohlstandes enormen Schaden zugefügt. Als dann mit dem Niedergang der UdSSR und des RGW über Nacht 85% der ausländischen Investitionen sowie der Absatzmarkt für die landwirtschaftlichen Produkte wegfiel , stürzte Kuba in eine starke Rezession, das Bruttoinlandsprodukt fiel in den Jahren 1989-93 um 35%, erholte sich aber und verzeichnete schon 1996 wieder ein Wachstum von 7.8%, diesmal aber aus eigener Kraft. Um die Abhängigkeit von den RGW Importen zu zeigen, sei gesagt, dass als die Kraftfutterlieferungen aus Osteuropa wegfielen, ein Großteil der Kühe geschlachtet werden musste.

Durch ein verschärftes US-Embargo der Regierung Clinton welches sich im Helms-Burton Gesetz manifestiert, ist das Wachstum in jüngster Zeit (1997 2.5%, 1998 1.2%) wieder rückläufig.

Ich möchte hier nur kurz die wichtigsten Punkte des Gesetzes grob umrissen wiedergeben, da es die außenpolitischen Schwierigkeiten zeigt, mit denen Kuba zu kämpfen hat und eine Tatsache darlegt : Kuba muss es alleine schaffen!

Helms-Burton Gesetz

- Verbot der Einreise in die USA für Angestellte, Eigentümer und Mehrheitsaktionäre jener ausländischen Firmen, die Investitionen in Unternehmen tätigen, die auf enteigneten Besitztümern operieren.
- Importverbote für alle Waren aus Drittländern, die kubanische Rohstoffe etc. enthalten.
- Unterstützung für Kuba aus den ehemaligen Staaten der UdSSR wird von deren Entwicklungshilfezuweisungen aus den USA in Abzug gebracht.
- Klagerecht für alle US-Staatsbürger (d.h. auch ehemalige kubanische Staatsangehörige) vor US-Gerichten auf Ansprüche gegen Firmen, die aus der Nutzung enteigneten Besitzes Gewinne erwirtschaften.

Dieser völkerrechtswidrige Vorstoß der USA stieß bei der WTO, den amerikanischen Partnern der NAFTA sowie der EU auf heftigen Widerstand , aber die USA weichen nicht von ihrer harten Linie gegen Kuba ab. Dieses Gesetz bringt Kuba trotz der harten internationalen Kritik Einbussen bei neuen Verträgen mit ausländischen Investoren, denn nicht alle Handelspartner Kubas sind so solidarisch wie der traditionelle Partner Mexiko, welcher ein Gesetz erließ , welches die Befolgung des Helms-Burton Gesetzes unter Strafe stellt.

Auf den ersten Blick lassen einen die Landesstrukturdaten Kubas darauf schließen, dass Kuba sich im Aufbruch in die 1. Welt befindet, beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass Kuba zwar ohne Frage ein Schwellenland ist, aber mit einer Tendenz hin zur 3. Welt. Bei Kuba ist es wichtig die Relationen zu beachten :

Es verhungern zwar keine Kinder in den Strassen aber es herrscht Hunger und von einer ausgewogenen Ernährung zu sprechen wäre vermessen, es gibt eine medizinische Grundversorgung aber es herrscht Mangel an Medikamenten und an Treibstoff für die Krankentransporte. Somit kämpft ein Großteil der Kubaner ums tägliche Überleben, und ihre Lebensfreude, ihr Stolz und der Son tragen nicht unwesentlich dazu bei die hohe Lebenserwartung der kubanischen Bevölkerung zu ermöglichen. Außerdem ist Kuba vom Export agrarischer Rohstoffe abhängig, eine eigene verarbeitende Industrie ist außer für Tabak kaum vorhanden (nur 3% der Exporte stammen aus der verarbeitenden Industrie). Die Insel leidet noch zu sehr unter den Reglementierungen einer sozialistischen Mangelwirtschaft. Es beschreitet zur Zeit einen ideologischen Spagat in der Form einer Wirtschaft der zwei Systeme, der sozialen Marktwirtschaft. Da Kuba zur Zeit auf immense ausländische Investitionen angewiesen ist , wurden die Richtlinien hierfür liberalisiert. Die Binnenwirtschaft erfährt aber immer noch die starken Beschränkungen der Planwirtschaft, nur schleppend werden Arbeiter zur Selbständigkeit ermuntert, sogar Bauernmärkte wurden nur zögernd wieder eingeführt. Nur 40% der Produktionskapazität sind ausgelastet, 33% der Arbeitskraft sind ungenutzt aber subventioniert. Zwangsläufig wird sich aber Kuba auch politisch öffnen müssen um das repressive Embargo der USA zu lockern, inwiefern es Kuba schafft seine Ideologie dabei zu bewahren ist eine offene Frage. Der Einfluss der Medien sowie die Verheißungen des Kapitalismus werden v.a. den jüngeren Teil der Bevölkerung zu einer Demokratisierung des Staates bewegen.

Mit den Alten stirbt auch der Rückhalt der Regierung in schwierigen Zeiten, denn die Jungen kennen nicht die Verhältnisse der vorrevolutionären Zeit. Auch ob Kuba durch eine politische Öffnung automatisch in die Hegemonialssphäre der USA gerät, wird und kann erst die Zeit zeigen.

3) Tourismus auf Kuba

3.1) Arten des Tourismus auf Kuba

Die Mehrzahl der 1,4 Mio. Touristen (1998) sucht die Erholung in all-inclusive Hotels und Clubs, welche sich meistens in den größeren Touristenclustern von Ciego de Avila, Holguin und Varadero befinden. Diese "Gettoisierung" der Touristen erspart dem Reisenden den unvermeidlichen Kulturschock, wenn er mit westlich-kapitalistisch geprägtem Werteverständnis auf Kubaner trifft welche mit ihrem Monatseinkommen von 17 US-Dollar auskommen müssen. Reisende und Bereiste genieren sich. In den Clubs beschränkt sich der Kontakt zur Bevölkerung auf die Rezeptionistin, den Kellner und die Strandanimation. Wer als Tourist nicht mehr will, wer unter "seinesgleichen" bleiben möchte ist hiermit zufrieden und die Tourismusindustrie profitiert davon. Eine andere Tourismushochburg ist La Habana, der "Schlüssel der Alten Welt zur Neuen Welt" spricht eher das Clienté der historisch und kulturell interessierten Individualtouristen an.

Auch der Rucksacktourist welcher das Land auf eigene Faust entdecken will, kommt in Kuba auf seine Kosten. Die Insel strotzt vor Schönheit und Flair und wer sich auf die Kubaner einlässt, erfährt oft bedingungslose Gastfreundschaft.

3.2) Sozialismus und Tourismus

Ein großes Problem Kubas ist die Vereinbarung des Tourismus , als Auswuchs kapitalistischer Ideale , mit der sozialistisch-marxistischen Ideologie des Staates. Vor der Revolution 1959 war der Einfluss der USA allgegenwärtig, Amerika hatte sich im Spanisch- Amerikanischen von 1898 auf die Seite Kubas geschlagen und durch seinen Sieg Kuba jene Freiheit gegeben welche es zu seinem Vasallen machte. Insbesondere Habana wurde zum Sündenpfuhl Kubas, zum karibischen Moloch, zur Spielwiese der reichen Amerikaner.

Glücksspiel, organisierte Kriminalität, Korruption und Prostitution wurden zu den Krankheiten Kubas, dazu gesellten sich ,auf die spanische Kolonialzeit zurückführbare, räumlichen Disparitäten. Allein die Hafenstädte waren entwickelt, die Landbevölkerung siechte vor sich hin. Es gab kaum Schulen und Krankenhäuser auf dem Lande, die aufgezwungene, da gewinnbringende, Zuckermonokultur hungerte die Menschen aus. Diese Missstände wollte die Guerrilabewegung um Fidel Castro Ruz beseitigen. 1959 floh der Diktator Batista in die USA, Kuba wurde eine sozialistische Republik; Ländereien, Betriebe und Industrie enteignet und umverteilt. Nach der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht am 17. April kam die endgültige Abkehr von den USA, unmittelbares Resultat der Annäherung an die UdSSR war die Kuba Krise im Herbst 1962 , welche die Welt beinahe in den 3. Weltkrieg führte. Die sowjetischen Subventionen und die Handelsbeziehungen mit dem Ostblock machten den Tourismus überflüssig, außerdem konnte man so die Macht des neuen Regimes besser vor ideologischer Unterwanderung schützen. Der Zusammenbruch der UdSSR 1989 hat jedoch Kuba gezwungen wieder auf die Ressource Tourismus zurückzugreifen um Devisen ins Land zu bringen.

Aus dem verhassten reichen Fremden, dem Aggressor aus dem Norden ist nun der Rettungsanker der Nation geworden. Castro geht auf die Notwendigkeit der Öffnung zum Tourismus in seiner Rede anlässlich des 40. Jahrestages des Sturmes auf die Moncada Kaserne ein (29. Juli 1993) :

"Wir haben einfach keine Alternative, als unsere Position an die entstandene Situation anzupassen. Es handelt sich hierbei nicht um eine von uns angestrebte Situation. Vielmehr ist das eine Situation, der wir uns gegenübersehen, nicht weil wir unsere Grundsätze beiseite geschoben hätten, sondern wir unseren Grundsätzen treu sind. Wir stehen dieser Situation nicht gegenüber, weil wir unsere revolutionären Vorstellungen vergessen hätten, sondern weil wir unsere revolutionären Vorstellung zu retten versucht haben ..."

3.2.1) Gelenkter Tourismus

Doch diesmal konnte Fidel Castro den Tourismus gestalten, versuchen ihm ein sozialistisch vertretbares Antlitz zu geben.

So benutzte man das Verfahren des Joint Ventures um ausländische Investitionen ins Land zu holen , ohne die Kontrolle über die entstandenen Unternehmen zu verlieren. Das bereits am 15. Februar 1982 verabschiedete Gesetzesdekret gestattet in den zu gründenden Mischunternehmen eine Beteiligung des ausländischen Kapitals von bis zu 49%. Die Mehrheit bleibt direkt beim kubanischen Staat, in den gegründeten Unternehmen arbeiten hauptsächlich qualifizierte Kubaner. Somit profitiert auch der Durchschnitts-Kubaner vom ausländischen Kapital. Außerdem sind die Investoren somit an die kubanischen Richtlinien für den Tourismus gebunden, welche z.B. für jedes neue Hotel , welches in einem touristisch gut entwickelten Landesteil gebaut wird , ein weiteres neues Hotel in schwächer entwickelten Landstrichen fordern. Im Allgemeinen favoriert Castro den Tourismus in "Touristen Gettos", damit die sozialistische Gesellschaft nicht mit dem Klassenfeind kollidiert. Ein Spezialfall hierfür ist La Habana.

3.2.2) La Habana - Kubas zukünftiges Disney World ?

Habana ist gleichzeitig Metropole, kulturelles, industrielles und politisches Zentrum des Landes und repräsentiert mit seinen fast 2,5 Millionen Einwohner weit über 20% der Bevölkerung Kubas. Der durch Sklavenhandel und Zucker getriebene wirtschaftliche Aufschwung der Stadt im 18. Jahrhundert machte sich auch bald im Stadtbild deutlich: Paläste und prunkvolle Herrschaftshäuser mit Balkons, Arkaden und schönen Innenhöfen im Stil der spanischen Kolonialarchitektur wurden erbaut, Parks, Plätze und Prunkstraßen angelegt und eine Universität gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Habana Eisenbahnverbindungen, ein System von Aquädukten und Gasbeleuchtung. Nach der Vertreibung der Spanier 1898 bekam Habana den "american way of life" übergestülpt und es wurden Luxushotels und Bars gebaut und es entstanden Villenviertel wie Vedado und Miramar. Auch die Revolution von 1959 fand ihren Niederschlag im Stadtbild Habanas, zur raschen Bekämpfung der Wohnungsnot entstanden Trabantenstädte wie Alamar und die Luxusbauten wurden zu Wohnungen umgewandelt oder gemeinnützigen Zwecken unterstellt. Jedoch fehlen häufig die nötigen finanziellen Mittel zur Instandhaltung, und unter dem Einfluss von Seeluft und tropischen Wirbelstürmen verwittern viele architektonische Zeugen der Kolonialzeit. Gerade in der momentanen Wirtschaftskrise fehlen diese Mittel, in jüngster

Zeit wird jedoch mit Hilfe der UNESCO (die Altstadt Habanas wurde zum Weltkulturerbe erklärt) und ausländischer Investoren (zumeist auch Joint Ventures) ein Sanierungsplan in Angriff genommen, dessen erste Resultate in der Altstadt bei restaurierten historischen Gebäuden zu sehen sind.

Wenn Castro an seiner Doktrin von der "Gettoisierung der Touristen" auch in Habanna festhalten will, muss er mitten in Habana eine touristische Erlebniswelt schaffen und die Bevölkerung umsiedeln. Parallel zu den Restaurationsarbeiten in der Altstadt entstehen auch preiswerte und moderne Siedlungen außerhalb Habanas, welche mit Strom und fließendem Wasser die , zumeist in zerfallenen Ruinen lebenden, Altstadtbewohner locken sollen. Es hat den Anschein als würde nicht für die Kubaner sondern ausschließlich für die Touristen saniert, auch die Hoteliers der restaurierten Hotels geben zu : "Das Flair des Alten wirkt als Tourismusmagnet, v.a. die Amerikaner sehen alles was älter als 20 Jahre ist, als alt an und entwickeln romantische Gefühle". Das Gesamtprojekt trägt den Namen "Project Maestro" und Kritiker aus intellektuellen Kreisen nennen es eine Prostitution Habanas für den Tourismus. Fehlen die Bewohner der Altstadt, fehlt die Seele der Altstadt und es entsteht wirklich eine Art Themenpark, und um auf den amerikanischen Einfluss hinzuweisen vergleichen die Kritiker ihn mit "Disney World".

3.3) Was bringt der Tourismus den Kubanern ?

Da die meisten Kubaner eine relativ gute Schulbildung haben sind sie fähig qualifizierte Berufe innerhalb der Tourismusindustrie zu übernehmen. Dank des Joint-Venture Prinzips bleibt die Verwaltung sowie die Distribution der Arbeit in kubanischer Hand. 1999 arbeiteten 13.2% der Kubaner direkt in der Tourismusbranche, dazu kommen noch informelle Arbeiten. Die Anzahl der Beschäftigten in der Tourismussparte wächst mit 1.5% und wird in den folgenden Jahren noch verstärkt wachsen, da Kuba sich weiter für den Tourismus öffnen wird , um den Staatshaushalt auszugleichen. Die ausländischen Investitionen in den Tourismus machen 19.4% von den gesamten ausländischen Investitionen aus, auch hier ist ein Wachstum wahrscheinlich. Ist es vielleicht interessant anzumerken, dass die im Exil lebenden Kubaner , durch Überweisung an auf Kuba lebende Verwandte , genauso viel Dollars nach Kuba transferieren wie ausländische Firmen investieren. Diese Dollarspritze fürs gemeine Volk ist auch bitter nötig, denn die Legalisierung des Besitzes von US-Dollar hat die Gesellschaft in zwei Teile geteilt, jene mit Dollar und jene ohne. Rund 40% der Kubaner verfügen über Dollar, die gepriesene soziale Gerechtigkeit bleibt auf der Strecke. Während das arme Pesos-Volk bei den öffentlichen Küchen ansteht, kann der Tourist oder der

Dollar- Kubaner sich in Dollar-Shops mit exquisitem Genussmitteln eindecken. Taxen, Hotels usw. nehmen von Touristen nur Dollar. Damit sich die einzelnen Hotels und Zimmervermieter sich nicht mit Preiskämpfen gegenseitig zerstören, wurden Tourismus-Steuern erlassen, welche die Preise indirekt regulieren und einen Großteil der Tourismuseinnahmen des Landes direkt in die Staatskasse bringen. Dies kann nur eine kurzfristige Lösung sein, längerfristig muss das Geld beim Volk landen um dessen Kaufkraft zu stärken und somit die Binnenwirtschaft zu kräftigen.

Obwohl der Tourismus zur Zeit für die Kubaner eine Art Heiliger Gral ist, ist der Kontakt mit Touristen verpönt, Mädchen werden in Begleitung von Touristen kontrolliert. Der Sextourismus spielt aber in Kuba keine entscheidende Rolle, ähnlich wie in vermeintlichen Sextourismushochburgen wie Thailand machen die Sextouristen nur einen kleinen Teil der "Kundschaft" aus. Die Prostitution wird v.a. durch die eigene Bevölkerung am Leben erhalten, zumal in einem klassisch kommunistisch organisierten Land wie Kuba, die höheren "Machtcliquen" wie Militärs und Politiker die Dienste der Mädchen schon lange vor den Touristen in Anspruch genommen haben und es noch immer tun.

3.4) Die Zukunft des Tourismus in Kuba

Die bisherigen Ansätze sind vielversprechend, in den meisten Fällen kommt der Tourismus den Arbeitern zugute. Kuba ist prädestiniert für den Tourismus, es hat eine schöne Natur und eine interessante Geschichte, bei weiterer Öffnung des Landes wird der Tourismus boomen. Der Balanceakt besteht nun für Kuba darin, die sozialistische Ideologie und die nationale Identität zu wahren. Dies ist kein leichtes Unterfangen, wenn es misslingt werden wir vielleicht wieder "Stars and Stripes" auf dem Capitolio in Habana sehen und damit wäre für viele Touristen der Reiz an Kuba verloren. Denn es ist gerade dieser "kubanische Weg" und der Umgang der Kubaner mit ihrer peripheren Rolle in der Weltgesellschaft das viele an Kuba fasziniert.

4) Quellenangaben

Microsoft Encarta Enzyklopädie Plus 2000 Microsoft Encarta Weltatlas 2000

Aus Politik und Zeitgeschichte - Beilage zur Wochenzeitung das Parlament 48-49 / 96 Rororo Special Tourismus - Brigitte Scherer

Spiegel Spezial "Urlaub Total - Flucht in den Traum" Nr.2 / 1997 CIA - The World Factbook 1999 - Cuba

World Travel & Tourism Council ( www.wttc.org )

Tourismus in Kuba - Präsentation einer soziologischen Feldforschung ( http://mailbox.univie.ac.at/Sabine.Gruber/default.htm )

Cuba Seite von Michael Koch , verschiedene Beiträge aus dem Forum ( http://home.t- online.de/home/mk-verda/ausgabe.htm)

Reise durch Kuba ( Texte von Holger Behrndt - Fotos von Holger Behrndt und Paul Kistner) ( http://home.t-online.de/home/catedra/h001_000.htm )

LTU & TUI ( www.ltu.de / www.tui.de )

Dokumentarfilmreihe "Kuba Nacht" auf N3

11 von 12 Seiten

Details

Titel
Tourismus auf Kuba
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V96867
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, Kuba
Arbeit zitieren
Meik Bittkowski (Autor), 2000, Tourismus auf Kuba, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96867

Kommentare

  • Gast am 19.6.2002

    Geniales Referat.

    Das Referat ist echt genial. Es hat mir spaß gemacht zu lesen, selbst wenn ich nicht alle Informationen daraus für mein Referat brauchen konnte. Hat mir auf jeden Fall gut gefallen.

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Titel: Tourismus auf Kuba


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