Goethe, Johann Wolfgang von - Faust


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

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Inhalt:

Dem eigentlichen Werk sind das Vorspiel auf dem Theater und der Prolog im Himmel vorangestellt. Im Vorspiel auf dem Theater diskutieren der Direktor, der Theaterdichter und die Lustige Person über den Sinn des Theaterspielens. Während der Direktor alles nach dem Erfolg bei der Menge berechnet, bekennt sich der Dichter zur hohen, göttlichen Poesie. Die Lustige Person gibt praktische Ratschläge, wie man das Publikum am besten unterhalten kann. Der Prolog im Himmel rühmen die drei Erzengel Raphael, Gabriel und Michael die unübertrefflichen hohen Werke der Schöpfung Gottes. Mephisto ist anderer Meinung, denn er sieht nur, ,,wie sich die Menschen plagen". Der Herr lenkt das Gespräch auf den Dr. Faust, den er als Knecht bezeichnet. Mephisto verhöhnt die Leidenschaft, mit der dieser Tor ihm diene und bietet dem Herrn eine Wette an: es würde ihm gelingen, Faust von ihm abzuwenden. Der Herr geht darauf ein. Doch nur, solange Faust auf Erden lebe. Die Wette wird geschlossen.

Faust grübelt in seiner Studierstube bei Nacht über den Sinn des Daseins. Die herkömmlichen Wissenschaften vermögen ihm nichts mehr zu geben. Nur noch in der Magie sieht er einen Weg, in das Geheimnis der Welt einzudringen. Er schlägt das Zauberbuch des Nostradamus auf und berauscht sich beim Anblick des Zeichens des Makrokosmos an der Harmonie, die das All durchdringt. Doch hofft er sich noch mehr Befriedigung vom Zeichen des Erdgeistes, den er mit geheimnisvollen Formeln beschwört. Der Geist erscheint, jedoch nur, um Faust seine Zwergenhaftigkeit als Mensch gegenüber der Natur und ihren ewig schaffenden Gewalten fühlen zu lassen. Nach einer kurzen Unterbrechung durch seinen Famulus Wagner meditiert Faust verzweifelt weiter und nähert sich dem Gedanken einer Erlösung durch den Tod. Doch kaum hat er eine kristallene Schale mit Gift an den Mund gesetzt, als Glockenklang und Chorgesang ihm des ,,Osterfestes erste Feierstunde" künden. Überwältigt von Jugenderinnerungen und dem Auferstehungswunder des Osterfestes, fühlt er sich der Erde neu zurückgegeben. Mit Wagner tritt Faust nun am Ostermorgen einen Spaziergang an vor das Tor der Stadt. Ehrfurchtsvoll begrüßt ihn das Volk, dem er einst in jungen Jahren bei Bekämpfung der Pestseuche hilfreich zur Seite stand. Der Anblick der untergehenden sonne ruft in ihm aber aufs Neue die metaphysische Sehnsucht wach, und er kommt zur Selbsterkenntnis: ,,Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen." Auf dem Heimweg umkreist ihn ein geheimnisvoller schwarzer Pudel, der ihm in sein Studierzimmer folgt. Beim Versuch, das Neue Testament in sein "geliebtes Deutsch" zu übertragen, stößt er gleich am Anfang auf die unüberwindbare Schwierigkeit der Übersetzung des griechischen Wortes Logos. Die normale Übersetzung mit ,,Wort" genügt ihm nicht und so wählt er die Formulierung: ,, Am Anfang war die Tat!" Doch nun beginnt der Pudel zu randalieren und entpuppt sich als Mephisto. "Ich bin der Geist, der stets verneint", offenbart er Faust, ,, ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." nachdem Faust in wilden, aufbegehrenden Worten seinen ganzen Unmut über die Last und Qual des irdischen Daseins ausgedrückt hat, wird ein Pakt geschlossen und mit einem Tropfen Blut aus Fausts Arm besiegelt: Mephisto verbindet sich auf Erden ganz zu Fausts Diensten. Dafür erhebt Mephisto Anspruch auf ihn, wenn sie sich "drüben" wiederfinden. Entscheiden soll sein, ob Faust jemals durch die Erfüllung seiner Wünsche befriedigt werden kann, sodass er zum Augenblick sagen möchte: ,,Verweile doch! Du bist so schön!" Dann möge die Totenglocke schallen und dann soll Mephisto seines Dienstes ledig sein. Ehe sie nun ihre Reise in die Welt antreten, fertigt Mephisto einen Schüler ab, den er auf diabolische Weise in die Wissenschaft einführt. Mit einer derben Szene bei einer "Zeche lustiger Gesellen" in Auerbachs Keller in Leipzig beginnt dann Fausts "neuer Lebenslauf". Dann schleppt Mephisto Faust in die Hexenküche, wo Faust in einem Spiegel das himmlische Bild eines Weibes sieht, für das er sofort leidenschaftlich entflammt. Die Hexe muss ihm einen Verjüngungstrank reichen, der aus dem Professor der Philosophie einen verliebten Jüngling machen soll. Das unschuldige Geschöpf, an dem sich Fausts Liebessehnen in tragischer Weise erfüllen soll, ist Gretchen. Er begegnet ihr -sie kommt gerade von der Beichte- und spricht sie sofort in stürmischer Werbung an. Mephisto kann nicht schnell genug Geschmeide herbeischaffen, mit dem das arme Kind betört werden soll. Im Haus und Garten der Nachbarin, Marthe Schwerdtlein, vollzieht sich das weitere. Es kommt zum rührenden Geständnis des zum ersten Liebeserleben erwachten Mädchens. Ahnend sieht sich Mephisto den "bösen Geist", der zwischen ihr und ihrer Liebe steht, und ihr gläubiges Gemüt ist in tiefer Sorge um die Stellung des Geliebten zur Religion, die auch durch das berühmte Glaubensbekenntnis Fausts nicht behoben werden kann. Nachdem Gretchen Faust in ihre Kammer eingelassen hat, während ihre Mutter durch einen Trank, den Faust ihr gab, in tiefen Schlaf versetzt wurde, ist die tragische Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Valentin, Gretchens Bruder, stellt Faust zum Zweikampf und stirbt, da Mephisto seine Hand erlahmen ließ. Vergeblich betet Gretchen, die schwanger ist, vor dem Bild der Mater dolorosa (,,Ach neige, Du Schmerzenreiche, Dein Antlitz gnädig meiner Not!"). Faust wird zur Ablenkung von Mephisto zu dem großen Hexensabbat der Walpurgisnacht auf den Blocksberg geführt, wo die beiden im Aufstieg auf den Brocken in den tollen Strudel der entfesselten Dämonenwelt hineingezogen werden. An Gretchen hat sich inzwischen das unabwendbare, bittere Schicksal vollzogen: ihre Mutter starb an dem Trank, ihr Bruder ist tot, das Kind, das sie zur Welt brachte, ertränkte sie. So findet Faust nur noch eine Wahnsinnige im Kerker, deren Verbrechen "ein guter Wahn" war und bei deren Anblick Faust "der Menschheit ganzer Jammer" anpackt. Vergeblich versucht Faust, Gretchen aus dem Gefängnis zu retten. Ihr Geist ist verwirrt. Der Anblick Mephistos reißt sie jedoch zu letzter Klarheit empor. Sie befiehlt sich reuig der Gnade Gottes an. Es graut ihr selbst vor Faust. ,,Sie ist gerichtet!" ruft Mephisto. Doch aus der Höhe erklingt eine Stimme: ,,Ist gerettet!" Mephisto reißt Faust mit sich fort.

Interpretation:

Goethes erster, zwischen 1772 und 1775 entstandener Entwurf zu Faust eignete sich die im Sturm und Drang gängige ,,titanische" Auffassung der Figur an. Diesem nur als Abschrift erhaltenen so genannten Urfaust folgte 1790 die überarbeitete Fassung Faust. Ein Fragment. Erst auf Drängen und unter intensiver Beteiligung Schillers nahm Goethe 1797 die Arbeit wieder auf, die nunmehr im ästhetisch-philosophischen Vorzeichen der Weimarer Klassik stand. Der 1808 abgeschlossene erste Teil wurde erstmals 1829 in Braunschweig vollständig aufgeführt (unter der Direktion von Ernst August Friedrich Klingemann), als Goethe nach langer Pause bereits mit der Vollendung des zweiten Teils beschäftigt war (1825-31). Dieser wurde seiner Weisung gemäß erst posthum veröffentlicht (1833). Die erste vollständige Aufführung beider Teile erfolgte 1876 am Großherzoglichen Hoftheater in Weimar. Die der eigentlichen Handlung des ersten Teils vorangestellten Szenen ,,Zueignung", ,,Vorspiel auf dem Theater" und ,,Prolog im Himmel" führen zentrale Motive der Tragödie ein und schaffen die Ausgangskonstellation der Wette um Fausts Seele zwischen Gott und Teufel (Mephistopheles: ,,Was wettet ihr - den sollt ihr noch verlieren"). Die Anfangsszene im Studierzimmer Fausts rekapituliert dessen gescheiterte Versuche, dem Weltgeheimnis mit Hilfe von Wissenschaft und Magie auf die Spur zu kommen, und endet mit dem verzweifelten Entschluss zum Suizid, der im letzten Augenblick unter dem Eindruck der das Osterfest einläutenden Glocken wieder revidiert wird. Bei dem anschließenden Osterspaziergang wird Faust seines gespaltenen, zwischen Geistigkeit und Sinnlichkeit schwankenden Wesens gewahr (,,Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust"). Diesen Konflikt verspricht der - in seiner teuflischen Provenienz von Faust bald erkannte - Mephisto in der folgenden Studierzimmer-Szene zu lösen, fordert aber Fausts Seele als Pfand. Der mit Blut besiegelte Pakt erhält durch die von Faust geforderte Zusatzklausel wiederum den Charakter einer Wette: ,,Werd' ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zu Grunde gehen!".

Die zentrale Handlungseinheit, die Liebestragödie um Gretchen, wird vorbereitet in den teils witzig-satirischen, teils pittoresk-unheimlichen Szenen in Auerbachs Keller und der künstlichen Verjüngung Fausts in der Hexenküche. In der Gestalt Gretchens begegnet Faust das lebendige Idealbild der Frau, die ihm Mephisto zuvor in einem Zauberspiegel gezeigt hatte. Zur Erfüllung seiner leidenschaftlichen Begierde nimmt er dessen Hilfe in Anspruch, was sich als fataler Fehler erweist: Das Gretchens Mutter zugedachte Betäubungsmittel wirkt tödlich, ihr Bruder fällt im Duell mit Faust, sie tötet in Verzweiflung das gemeinsame Kind und endet im Kerker. Insofern scheint sich das Böse als beherrschendes Prinzip durchzusetzen, scheitert jedoch an der von Gretchen verkörperten Gegenmacht der göttlichen Liebe, über die Mephisto ,,keine Gewalt" besitzt. Die rein lustbetonte, letztlich egoistische Liebe Fausts demonstrierte Goethe in den eingestreuten Walpurgisnacht-Szenen, deren sexuell freizügige Teile er mit Rücksicht auf die moralischen Konventionen seiner Zeit vor der Veröffentlichung des Dramas tilgte.

Die im Konflikt beider Liebeskonzeptionen aufscheinende Einsicht in die prinzipielle Unvereinbarkeit von Ehe und Erotik berührte die seinerzeit kontrovers geführte Diskussion um den Stellenwert der bürgerlichen Zweierbeziehung und belegte zugleich innerhalb des Dramas die offenkundige Unlösbarkeit des von Faust als schmerzlich empfundenen Grundwiderspruchs von geistiger und sinnlicher Existenz. Der erste Teil des Faust, der bei den Zeitgenossen teils enthusiastischen Zuspruch fand, vereinte das im Genie-Ideal des Sturm und Drang wurzelnde Faustbild mit der Ideendiskussion der Hochklassik und der nachklassischen Ästhetik Goethes, die besonders in der romantischen Ausmalung der Hexenszenen zutage trat.

Die Einlösung der Wette blieb dem zweiten Teil der Tragödie überlassen, der aus der Sicht des alternden Dichters kaleidoskopartig die Summe seines eigenen jahrzehntelangen Ringens um Welterkenntnis und Lebenserfüllung zog. Die sogar nach Goethes Einsicht ,,inkommensurable" Gedanken- und Ereignisfülle, in der Mythen der deutschen Geschichte ebenso ihren Platz fanden wie diejenigen der Antike (Klassische Walpurgisnacht), ergibt im ganzen gesehen eher einen facettenreichen weltanschaulichen Essay als ein bühnengerechtes Schauspiel. Am Ende steht, ähnlich wie in Wilhelm Meisters Wanderjahren, die Einsicht in den absoluten Wert der in sich selbst vollendeten, auf kein konkretes Ziel gerichteten Tätigkeit: ,,Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen." Die Macht der unter dieser Voraussetzung wirksamen göttlichen Gnade besiegt letzten Endes den ,,Geist, der stets verneint" und macht Mephisto zum Verlierer der Wette.

Im Gegensatz zum positiven Echo des ersten Teils stieß der zweite bei seiner Veröffentlichung weitgehend auf Unverständnis, was der enormen Nachwirkung, die die Tragödie insgesamt entfaltete, jedoch keinen Abbruch tat. Die Gestalt des Faust unterlag dabei unterschiedlichen, oft missverständlichen Interpretationen, wie der schließlich von der nationalsozialistischen Ideologie usurpierten Umwertung zum Ideal des deutschen Geistes. Als exemplarisches Menschheitsdrama hat Goethes Dichtung, die u. a. Charles Gounod (Margarethe, 1858) zu einer Vertonung anregte, gleichwohl ihren Platz unter den ersten Werken der Weltliteratur behauptet. Filmfassungen schufen Friedrich Wilhelm Murnau (1926) und Gustav Gründgens (1960).

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Details

Titel
Goethe, Johann Wolfgang von - Faust
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V96892
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
5 Seiten
Schlagworte
Goethe, Johann, Wolfgang, Faust
Arbeit zitieren
Harald Messner (Autor), 2000, Goethe, Johann Wolfgang von - Faust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96892

Kommentare

  • Gast am 12.11.2000

    Super Zusammenfassung.

    Der Text wurde präzise und trotzdem kurz zusammengefasst!
    Bravo

  • Gast am 25.2.2001

    gute arbeit.

    deine arbeit kann sich echt sehen lassen. du hast präzise gearbeitet und ebenfalls sehr ausführlich.
    DANKE

  • Gast am 1.4.2001

    Goethe, Johann Wolfgang von - Faust.

    Gut geschrieben,prima!

  • Gast am 26.3.2002

    "Faust".

    Kenne kein interessanteres und vor allem besser zu lesendes Buch!Viel Spass denen die es noch vor sich haben und Danke denjenigen,die ihre Arbeiten veröffentlichen und somit vielen anderen beim verständnis behilflich sein können!

  • Gast am 22.5.2002

    Schöne Hilfe.

    Also ich muss echt sagen, seine sehr gelungende Zusammenfassung!!! Riesegroßes Lob an Dich!!!!!

    Mfg

  • Gast am 22.3.2004

    Besten Dank!.

    Gute Zusammenfassung. Vielen Dank!!

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Titel: Goethe, Johann Wolfgang von - Faust



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