Hoffmann, E. T. A. - Das Fräulein von Scuderi


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
7 Seiten

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DAS FRÄULEIN VON SCUDERI von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann

“Das Fräulein von Scuderi“ ist eine Erzählung aus dem Zeitalter Ludwig XIV. Diese Erzählung aus dem Jahre 1819 vereinigt alle spannenden Elemente einer Detektivgeschichte; am Beginn steht ein Mord, es gibt einen Verdächtigen, der seine Unschuld beteuert, und ein altes Fräulein von Scuderi, eine Dichterin, der es vorbehalten ist, durch ihre Weisheit und untrügliche Sicherheit des Gefühls, den Fall aufzuklären.

Magdaleine von Scuderi, eine alte, weise Dichterin wohnt durch die Gunst Ludwig des XVI. und seiner Gemahlin in einem kleinen Haus in Paris. Es ist schon spät und sie schläft schon, als es an der Tür heftig klopfte. Ihre Kammerfrau öffnet schließlich, lässt den Fremden aber trotz flehender Bitten nicht zu ihrer Herrin, da sie ein Verbrechen befürchtet. Als der Fremde hört, dass die berittene Polizei im Anmarsch ist, gibt er der Dienerin ein Kästchen, sagt ihr, dass sie es der Scuderi so bald wie möglich geben müsse und flieht. Die Kammerfrau und der gerade erst zurückgekehrte Diener befürchteten eine Giftfalle in dem Kästchen, da in Paris vor kurzem erst eine Giftmordwelle durch den Einsatz eines neuen Gerichtshofes, der Chambre ardente, äußerst blutig, teilweise mit Hinrichtungen Unschuldiger, gestoppt werden konnte. Dieser, vom König selbst ernannte Gerichtshof, dessen Präsident la Regnie ist, verfolgt zur Zeit eine Serie von Juwelendiebstälen die durch, wie man annimmt, eine Bande von Profis durch Einbruch, Raub und oft auch Mord verübt wurden. Die Täter stehlen hauptsächlich Nachts, wenn Männer ihren Geliebten reiche Geschenke bringen, mit tödlicher Präzision den Edelmännern ihren Schmuck und ihr Gold und flüchten dann ohne auch nur die kleinste Spur zu hinterlassen. So kommt es, dass die Edelmänner sich zusammentun und einen Brief an den König schreiben indem sie ihn bitten, einen neuen Gerichtshof mit noch mehr Macht ins Leben zu rufen. Das lehnt der König, von den vielen Hinrichtungen des blutrünstigen la Regnie abgeschreckt, ab, fragt aber das Fräulein von Scuderi nach ihrer Meinung. Diese sagt halb im Scherz zum König, dass ein Liebender, der die Diebe fürchtet, der Liebe nicht wert ist. Dieser Satz beeindruckt ihn sehr und er beschließt, nicht noch mehr unschuldiges Blut vergießen zu lassen. Als am nächsten Morgen die Kammerdienerin der Scuderi das Kästchen gibt, erzählt sie ihrer Herrin was in der vorigen Nacht Schreckliches passiert sei und rät das Kästchen vorsichtig zu öffnen. Die Scuderi ist überzeugt, dass der nächtliche Besucher nichts Böses im Sinn hatte und öffnet das Kästchen. Nach dem Öffnen sieht sie in dem Kästchen ein paar goldene, mit Juwelen besetzte Armbänder und einen solchen Halsschmuck. Außerdem enthält das Kästchen einen Zettel auf dem der Satz steht, den sie beim König im Scherz gesagt hatte mit dem Beisatz, dass sie der Scuderi sehr dankbar seien, dass sie sie von großer Verfolgung errettet habe und das sie ihr diesen kostbaren Schmuck schenken wollen. Unterschrift: Die Unsichtbaren. Die Scuderi ist sehr bestürzt und wendet sich an die Gemahlin des Königs. Diese weiß, dass der Schmuck nur von René Cardillac, dem besten Goldschmied von Paris gefertigt seien konnte. Dieser ist ein Meister seiner Kunst, arbeitet mit Leidenschaft an jedem Schmuck und ist nur schwer von seinen Werken zu trennen. Cardillac wird an den Hof geladen, um ihn zu fragen wem er diesen Schmuck gefertigt habe. Er erzählt, dass er den Schmuck nur für sich allein gefertigt hat und dass er aus seiner Werkstatt gestohlen worden sei. René Cardillac will der Scuderi den Schmuck schenken, da er glaubt, das Schicksal habe es so bestimmt, doch die Scuderi lehnt ab. Der Goldschmied ist sehr nervös scheint innerlich mit sich zu ringen. Schließlich wird sie aber von der Maintenon, der Gemahlin des Königs, überredet, das Geschenk doch anzunehmen. Nachdem er der Scuderi die Füße geküßt hat, rennt er Hals über Kopf, Tische und Stühle umwerfend davon. Die Scuderi ist verwundert über dieses Betragen, aber die Maintenon erklärt ihr das er unsterblich in sie verliebt sei. Trotz des teuren Geschenks, will die Scuderi den Schmuck nie tragen, da an ihm das Blut der unschuldigen zu kleben scheint. Einige Monate später, als die Scuderi gerade in einer Glaskutsche fährt, wirft ihr der junge Mann, der ihrer Kammerfrau in der Nacht das Kästchen gegeben hatte, einen Zettel zu auf dem steht, dass sie den Schmuck jeden Fall zu Meister René zurückbringen solle, um ihres eigenen Leben willen. Die Scuderi ist nun von der Unschuld des jungen Mannes vollends überzeugt und will den Schmuck, der ihr sowieso nicht recht behagt dem Goldschmied zurückgeben. Sie meint den Jüngling zu kennen, aber geht erst nach zwei Tagen zu Cardillacs Werkstatt. Als die Scuderi dort ankommt erfährt sie, dass René Cardillac in der Nacht durch einen Dolchstoß ermordet wurde. Als der Verdächtige, Cardillacs Geselle dessen Name Olivier Brusson ist, in Ketten abgeführt wird erkennt sie in als den Jüngling. Die Tochter des Goldschmieds, Madelon, die Geliebte des jungen Mannes, beteuert seine Unschuld und fleht, ihn doch freizulassen. Die Scuderi ist durch das Verhalten Oliviers und seiner Geliebten von seiner Unschuld überzeugt und hat Mitleid mit den Beiden. Die Scuderi nimmt Madelon zu sich auf und diese erzählt ihr, was sich in der Nacht zugetragen hat. Olivier hätte sie in der Nacht geweckt und zu ihrem, im Sterben liegenden Vater gebracht. Dieser sei während eines Spazierganges mit ihm überfallen und mit einem Dolch ins Herz gestochen worden sein. Olivier hätte ihn dann den weiten Weg nach Hause geschleppt. Sie hätten beide geweint und gejammert, da auch Olivier seinen Meister wie einen Vater liebte. Die Scuderi ist sehr bewegt von Madelons Leiden und glaubt an die Wahrheit ihrer Aussage. Nach einer Erkundigung bei den Nachbarn über das Verhältnis des Lehrlings zu seinem Meister findet sie bestätigt was Madelon ihr erzählt hat. Währenddessen leugnet Olivier vor der Chambre ardente den Mord an René Cardillac und sagt das selbe aus wie Madelon. Die Scuderi stellt selbst Nachforschungen und lässt sich das Ereignis bis ins kleinste Detail immer und immer wiederholen. Doch solange sie auch forscht sie findet kein Tatmotiv für Olivier. Von der völligen Unschuld überzeugt faßt die Scuderi den Entschluß, Olivier um jeden Preis vor der Chambre ardente zu retten. Aus diesem Grund ging sie zu la Regnie und schilderte ihm ihr Anliegen. Dieser jedoch ist von der Schuld Oliviers überzeugt und zählt dem Fräulein von Scuderi die Beweise auf, die eindeutig gegen ihn sprechen. Er ist außerdem davon überzeugt, dass Olivier zu der Bande der Juwelenräuber gehört, die schon lange nachts auf den Straßen die Leute ausrauben und noch nicht gefaßt werden konnten. Dass Madelon in die Sache verwickelt ist, will la Regnie ebenfalls nicht ausschließen. Am Ende des Gesprächs ist die Scuderi ziemlich fertig, bittet la Regnie aber Olivier sehen zu dürfen. Diesen Wunsch gewährt er ihr. Doch als sie ihn sieht und wie er untergebracht ist fällt sie in Ohnmacht und will, als sie wieder aufwacht sofort nach Hause. Sie ist jetzt von der Schuld Oliviers überzeugt und weist Madelon ab, als diese sie anfleht Olivier zu helfen. Das Verhalten Madelons aber lässt sie wieder zweifeln an der Richtigkeit ihrer Überzeugung. Innerlich zerrissen weiß die Scuderi nun nicht wem sie glauben soll. Da erhält die Scuderi eine Bitte, dass Olivier sie in ihrem Haus treffen wolle, um sich mit ihr über alles zu unterhalten. Ihr wird erzählt, dass Olivier nur mit höchster Verehrung von ihr spräche und er diese Gespräch unbedingt wünsche. Da sie sich Klarheit aus diesem Gespräch erhofft willigt sie ein. In der Nacht wird Olivier Brusson zu ihr geführt und während das Haus von Polizei umstellt ist, sind Olivier und die Scuderi alleine in einem Zimmer. Olivier kniet nieder und fleht die Scuderi an ihm zu helfen. Sein Betragen lässt sie alle Furcht vor dem vermeintlichen Mörder René Cardillacs vergessen und sie hört ihm zu. Olivier fragt, ob sie ihn nicht wiedererkennen würde und dann erzählt er ihr, dass er der Sohn ihrer Pflegetochter Anne Guiot, die einen Uhrmacher geheiratet hatte, sei. Das Fräulein von Scuderi ist geschockt, da er es war, den sie wie ihren eigenen Sohn liebte und fast ständig bei ihm war. Dann, vor 23 Jahren waren sie nach Genf gezogen und die Scuderi hatte nie mehr etwas von ihnen gehört. Als sie sich wieder einigermaßen erholt hat, bittet sie ihn Platz zu nehmen und anfangen zu erzählen. Bevor er jedoch beginnt beteuert er der Scuderi nach einmal, dass auch wenn er von des Henkers Hand sterben müsse, so sei er doch rein von jeder Blutschuld. Olivier erzählt, dass die Eltern beide früh, kurz nacheinander gestorben seien. In Genf geht er dann in die Lehre bei einem Goldschmied, welchen er bald in seiner Geschicklichkeit weit übertrifft. Dann erfährt er von René Cardillac, dem wohl besten Goldschmied der Welt und zieht nach Paris um bei Meister Cardillac zu arbeiten. Dieser empfängt ihn kalt und barsch, aber Olivier lässt nicht locker und nach einer Probe, die Olivier mit Bravour besteht, wird René freundlicher und stellt ihn an, nimmt lässt ihn sogar bei ihm wohnen. Dann lernt er Madelon kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Meister Cardillac jedoch duldet diese Liebe nicht und er wirft Olivier hinaus. Dieser muß umziehen, hat aber solche Sehnsucht nach Madelon, dass er des Nachts zurückkehrt zu Cardillacs Haus in der Hoffnung Madelon zu sehen. Gegen Mitternacht geht in der Werkstatt Licht an und kurze Zeit später kommt René Cardillac aus einem Geheimausgang in der Mauer heraus. Olivier folgt ihm und wird Zeuge eines Mordes von Cardillac an einem nächtlichen Spaziergänger. Der Polizei, die bald eintrifft erzählt er was sich zugetragen hat, ohne jedoch René Cardillacs Namen zu nennen. Olivier hofft, dass alles nur ein böser Traum ist und kehrt innerlich aufgewühlt zu seiner neuen Wohnung zurück. Panik erfaßt ihn, als kurz darauf René Cardillac das Zimmer betritt. Dieser jedoch lächelt, was Oliviers Abscheu weiter steigert, und bietet Olivier an, wieder in seiner Werkstatt zu arbeiten. Er nennt als Grund, das er ihm an allen Ecken und Enden fehle und das Madelon sich fürchterlich nach ihm sehne. Den Mord erwähnt er dabei nicht und er tut so, als wäre nichts vorgefallen. Als Olivier jedoch zaudert, wird Cardillac böse und warnt ihn, sich an die Polizei oder la Regnie zu wenden, da er sich dabei selbst schaden würde. René Cardillac erklärt, dass Olivier seine Nachgiebigkeit Madelon zu verdanken habe, die krank vor Liebe wurde, als Olivier gehen mußte. Olivier willigt ein, da auch ihn die Sehnsucht schmerzt. Als Olivier in seiner Erzählung stockt, ruft die Scuderi, die René Cardillac hoch schätzte, wie entsetzlich es sei, dass Cardillac zu der Mordbande gehörte. Da erklärt Olivier ihr, dass Cardillac allein es war, der diese Verbrechen ausführte und fährt mit seiner Erzählung fort. Immer wenn Olivier mit seinem Meister in der Werkstatt ist schaut er ihn kaum an und redet nur ein paar Wörter mit ihm. Nur Madelons Liebe hält ihn noch aufrecht. Diese weiß nichts von dem Mord und schöpft auch keinen Verdacht. Da Cardillac denkt, dass es so zwischen den beiden nicht weitergehen kann, beschließt er Olivier sie ganze Geschichte zu erzählen. Als seine Mutter mit ihm im 1. Monat schwanger war, traf sie auf einer Feier einen Mann, der ihr wegen seiner Juwelenkette, von der sie ihren Blick nicht mehr abwenden konnte, gefiel. Als sie sich nun in den Armen lagen und sie seine Halskette anfaßte, starb der Mann und Renés Mutter konnte sich erst aus den, sie krampfhaft umfassenden Armen befreien, als Vorbeikommende ihr halfen. Dieses Erlebnis hatte zur Folge, dass die Frau erkrankte und man ihr und ihrem Kind wenig Chancen gab, zu überleben. Doch sie wurde wieder gesund und Geburt verlief problemlos. Diese Ereignis hatte aber Spuren hinterlassen, weniger bei der Mutter, als bei dem Kind. Schon in frühster Kindheit liebte René Gold und Juwelen über alles und stahl sie sogar. Er konnte echte Stücke von unechten unterscheiden und lernte schließlich als Goldschmied. Aber den angeborenen Trieb konnte der erste Meister seiner Kunst nicht unterdrücken und so stahl Cardillac all sie Stücke, die er gearbeitet hatte aus den Häusern der Kunden. Eine innere Stimme ließ ihn einen Haß entwickeln gegen diejenigen, denen er Schmuck angefertigt hatte. Dann kaufte er sich ein neues Haus und der Verkäufer zeigte ihm einen Geheimgang, den früher Mönche angelegt hatten, um unbemerkt durch die Mauer aus dem Haus und wieder hinein zugelangen. Dem Goldschmied kamen finstere Pläne und in der Nacht ging er, von der Stimme geplagt, los und erdolchte einen Edelmann, um ihm den Schmuck zu rauben. Das verschafft ihm eine Befriedigung und so nahm die Mordwelle ihren Lauf. Cardillac zeigt Olivier seine zusammengeraubten Schätze, so viele, dass selbst der König es nicht reicher besitzt. Eines Abends ist Cardillac bester Laune und beauftragt Olivier, seinen schönsten Schmuck dem Fräulein von Scuderi zu bringen. Keine Mordgedanken würden ihn plagen bei der, die er am meisten verehrt, die Tugend in Person. Olivier ist erfreut, als er den Namen hört und schöpft neue Hoffnung. Er beschließt die Gelegenheit zu nutzen, und der Scuderi alles zu verraten, in der festen Hoffnung, dass sie ihm und Madelon helfen könne. Doch auch diesmal plagt Cardillac wieder die Stimme, die ihn dazu aufruft, den Schmuck wieder bekommen. Olivier bemerkt dies und bekommt Angst um der Scuderi Leben. Er wirft der Scuderi den Zettel in die Kutsche und als diese nicht kommt, um den Schmuck zurückzugeben und Cardillac immer unruhiger wird und nur noch von dem herrlichen Schmuck spricht gerät Olivier in Panik. Er ist davon überzeugt, dass Cardillac noch in der selben Nacht losziehen will, um den Schmuck zu rauben. Olivier täuscht sich nicht und als auf der Straße wartet kommt gegen Mitternacht Cardillac durch den Geheimgang und geht zu der Straße in der das Fräulein von Scuderi wohnt. Doch nicht wegen ihr ist Cardillac dort, sondern wegen eines Offiziers der die Straße entlang kommt. René Cardillac fällt ihn an, wird aber selbst tödlich getroffen und bleibt liegen. Olivier läuft hin, der Offizier hält ihn für einen Komplizen Cardillacs und will kämpfen. Als er jedoch sieht, dass sich der Mann nur um den am Boden liegenden, der noch lebt, kümmert, läuft er davon. Olivier schleppt den Toten nach Hause und der Rest ist bekannt. Verstand und ihre Weisheit zu helfen. Dann wird Madelon hereingelassen und sie fliegt Olivier an den Hals und glaubt, dass nun alles wieder gut werden würde. Im Morgengrauen wird Olivier weggebracht und die Scuderi ehrt Oliviers Heldensinn, lieber unschuldig zu sterben, als Madelon zu verletzen. Nach einem Brief an la Regnie, der nichts erreicht kommt der Scuderi die Idee, einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Das Fräulein von Scuderi wendet sich an den besten Advokaten von Paris, Arnaud d´Andilly. Sie erzählt im alles, ohne Oliviers Geheimnis zu verletzen, in der Hoffnung, d´Andilly würde sich mit Eifer daranmachen, den Unschuldigen zu retten. Er enttäuscht sie bitter, indem er, nachdem er sich alles anhört, nur sagt, dass das Wahre nicht immer wahrscheinlich sein muß. Der Anwalt erklärt, dass alle Beweise gegen Brusson sprechen und selbst er Olivier nicht erretten könne. Als die Scuderi am Abend alleine zu Hause sitzt und überlegt, was sie noch tun könne, kommt sie ein Oberst besuchen, der mit ihr sprechen will. Es ist derjenige, der René Cardillac erstochen hat. Er erzählt, dass er einen Brustpanzer trug und den Dolch griffbereit, als er überfallen wurde. Die Scuderi ist überglücklich, in der Hoffnung die Wahrheit endlich ans Licht bringen zu können. Der Oberst jedoch hatte Angst selbst verurteilt zu werden. Beide gehen zu d´Andilly und dieser sieht vor, dass der Oberst aussagt und das Fräulein von Scuderi den König selbst um Gnade bitten soll. Die Aussage des Oberst bringt eine Verzögerung, die die Scuderi nutzt, um mit dem König zu sprechen. Sie kleidet sich elegant und benutzt sogar Cardillacs Geschmeide, um den König zu beeinflussen, der der festen Überzeugung ist, dass Olivier Brusson der Mörder ist. Der König ist beeindruckt von soviel Majestät. Die Scuderi schildert dem König den ganzen Fall in allen Details und fleht schließlich um Gnade für Olivier. Der König will Madelon sehen und diese wird schließlich hereingeführt. Sie wirft sich dem König zu Füßen und dieser ist gerührt von ihrer Schönheit. Der König entlässt sie und sagt, dass man auf die Entscheidung der Chambre ardente warten müsse. Nach einem Monat etwa lässt der König das Fräulein von Scuderi zu sich rufen und macht ihr die frohe Mitteilung, dass Olivier Brusson frei sei. Der König schenkt dem Brautpaar noch 1000 Louis, wünscht aber, dass sie aus Paris fortgehen sollen. Die Scuderi ist überglücklich, aber das Brautpaar ist noch glücklicher über die Hilfe der Scuderi. Die gestohlenen Juwelen schließlich werden den rechtmäßigen Besitzern, sofern noch am Leben, zurückgegeben. Der restliche Schmuck wird dem Schatz der Kirche zu St. Eustache übergeben.

Interpretation

E.T.A. Hoffmann lässt die Handlung unvermittelt mit dem ersten Besuch Oliviers bei der Scuderi einsetzen, führt dann den Leser mit ungewöhnlicher erzählerischer Virtuosität über die Vordergrundhandlung der historischen Szenerie und über die Rolle der Scuderi hin zur Zentralfigur des Goldschmieds, in zwielichtigem Dunkel bleibt. Mit scharfer Charakterisierungskunst bereitet der Autor die Auflösung des kriminalistischen Rätsels vor, das psychologisch mit der problematischen Existenz eines künstlerischen Genies in einem grotesk häßlichen Körper begründet wird. Als ein Vererbungsphänomen, das auf ein Erlebnis seiner Mutter während der Schwangerschaft zurückgeht . sie verliebte sich in den blitzenden Halsschmuck eines Offiziers -, wird Cardillacs „böser Stern“ motiviert. Die „Stimmen des Satans“ in ihm sind die seines besessenen, exzentrischen, hinter der Maske ehrbarer Bürgerlichkeit verborgenen Künstlertums, Stimmen, die erst dann schweigen, wenn er seine Schöpfung auf mörderische Weise zurückerobert hat. Der Dichter greift ein naturphilosophisches Thema seiner Zeit auf und zeigt dadurch die Darstellung schicksalhafter Verflechtungen, „wie mit dem Keim der schönsten Blüte der Wurm mitgeboren werden kann, der sie zum Tode vergiftet“. Doch weniger wissenschaftlichen Studien als vielmehr der unaufhörlichen und außergewöhnlich scharfen Selbstbeobachtung verdankt der Dichter seine Einfühlungsgabe in die seelische Zwangslage eines Künstlers, der sich von seinem Werk trennen soll. Typisch für Hoffmanns Erzählkunst ist das fatalistische Ausgeliefertsein seiner Gestalten an rätselhafte dämonische Mächte, an ein seltsames, unheilvolles Schicksal, dem sie unterworfen sind.

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Hoffmann, E. T. A. - Das Fräulein von Scuderi
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V96893
Dateigröße
341 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hoffmann, Fräulein, Scuderi, Thema: Das Fräulein von Scuderi
Arbeit zitieren
Harald Messner (Autor), 2000, Hoffmann, E. T. A. - Das Fräulein von Scuderi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96893

Kommentare

  • Gast am 2.6.2008

    Charakterisierung zum Fräulein (Magdaleine) von Scuderi.

    ...hat jemand auch noch eine Charakterisierung des Fräuleins??
    Ich muss über die Personen im Buch nämlich demnächst eine Arbeit schreiben!
    DANKE!

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