Grimmelshausen, Hans Jacob Christoph von - Der abenteuerliche Simplicissimus


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten


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Inhalt:

Simplicissimus wächst auf einem Bauernhof auf, der, als Simplicissimus noch jung war, überfallen wird. Er flüchtet in den Wald und wird von einem Einsiedler aufgenommen. Dieser unterrichtet den dummen, unerfahrenen und einfältigen Buben und lehrt ihm das Schreiben und das Lesen. Außerdem ist für den Einsiedler der Glaube und die Religion sehr wichtig und so muss S. das Buch der Bücher lesen. Bevor der Einsiedler stirbt, gibt er S. den Rat, dass er sich selbst erkennen, böse Gemeinschaften meiden und beständig verbleiben soll. Nach dem Tod des Eisiedlers geht S. in die Stadt und beschließt dort gegen den Willen des Priesters auch Einsiedler zu werden. Als er zu Hause ankommt, findet er einen Brief des Einsiedlers. Kurz darauf wird er beraubt und geht in die Stadt Gelnhausen. Diese Stadt wurde aber kurz zuvor von schwedischen Verbündeten und Kaiserlichen Truppen überfallen und so lässt ihn der schreckliche Anblick zur Festung Hanau weiterziehen. Dort wird er bald von zwei Musketieren angegriffen und auf den Verdacht hin, dass er ein Spion sei verhaftet. Der Wache teilt dem Gubernator den Verdacht mit und überreicht ihm das Birkenrindenbüchlein, in das S. seine Gebete schreibt. In diesem Buch ist auch der Brief des Einsiedlers, dessen Schrift dem Gubernator verdächtig vorkommt und so lässt er S. in Ketten legen und einsperren. Hier trifft er den Pfarrer wieder, der sich bereit erklärt, für ihn beim Gubernator einzutreten. Als der Gubernator erfährt, dass der Brief von dem Einsiedler verfasst wurde, der ein guter Freund von ihm war, lässt er S. zum Pagen machen. Eines Tages muss er schwedische Soldaten bedienen und so lernt er zum ersten Mal die Unsitten und Laster des Soldatenlebens kennen.

S. beschließt eine Predigt vor ihnen zu halten, doch der Pfarrer rät ihm davon ab. Er wird vom Gubernator zum Tischnarren gemacht. Während dieser Zeit nimmt er sich die Narrenfreiheit heraus und hält jeden den Narrenspiegel vor. S. wird von kroatischen Söldnern entführt, doch es gelingt es ihm zu fliehen. Nun wird er von Kaiserlichen Soldaten aufgegriffen und ins Magdeburger Lager gebracht. Dort unterstellt man ihn dem Hofmeister. Er lernt den Herzbruder, den Sohn des Hofmeisters, kennen. Der Hofmeister unterrichtet S. in den Dingen des Lebens, des Glaubens in Kultur und Wissenschaft. Mit einer List gelingt es dem Schreiber Olivier, den Herzbruder als Dieb anzuschwärzen. Dadurch fällt er in Ungnade, nimmt Abschied und geht in schwedische Dienste. Als auch noch der Hofmeister stirbt, hält ihn nichts mehr an diesem Ort, da er keinen Freund mehr im Lager hat. S. bleibt bei den Kaiserlichen Truppen, doch hat er nun eine neue Aufmachung; er verkleidet sich als Frau und wird stets von Männern verfolgt. Als man entdeckt, dass er keine Frau ist, wird er verhört und man kommt zum Schluss, dass er ein Spion sein müsse. Man beschließt S. zuerst zu foltern und dann am Scheiterhaufen zu verbrennen. Doch es kommt alles anders, da die Schweden das Lager in Magdeburg überfallen. Bei den Schweden ist auch der Herzbruder, der S. rettet. Herzbruder wird aber am Ende der Schlacht gefangengenommen. S. kommt mit Herzbruders Knecht und Pferd an einen schwedischen Rittmeister. Mit ihm gelangt er als Reitknecht nach Westfalen. Doch dort gewinnt ihn ein kaiserlicher Dragoner bei einem Überfall. Sein neuer Herr stirbt aber bald und so nimmt S. das Gewand des Herren an sich. Er nennt sich nun Jäger und heimst sich seinen ersten Ruhm bei den Kameraden und Offizieren ein, weil er sich bei Beutezügen besonders hervortut. Die Bauern der Umgebung fürchten ihn jedoch. Als “Jäger von Soest“ wird er berühmt, vor allem, nachdem er seinen Rivalen den “Jäger von Werle“ durch einen inszenierten Teufelsspuk auf dem Feld schlägt. S. schreibt nun einen Brief an den Pfarrer und trifft auf Jupiter, der sich für Gott hält. S. wird zu einem Duell herausgefordert, aus dem er zwar als Sieger hervorgeht, doch wird er sofort danach gefangengenommen, weil alle Duelle verboten sind. Während der Gefangenschaft hilft er mit einer List eine Stadt zu erobern und wird sogleich freigelassen. Bald darauf findet er einen verborgenen Schatz, den er nach Köln zu einem Kaufmann bringt, um ihn vor Neidern zu schützen. Auf der Rückreise gerät S. in schwedische Gefangenschaft, doch als er sich als “Jäger von Soest“ zu erkennen gibt, geht man sehr freundlich mit ihm um. Er lehnt das Angebot auf Seiten der Schweden zu Kämpfen ab, da er an den Kaiserlichen Fahneneid gebunden ist, doch beschließt er für sechs Monate keine Waffe in die Hand zu nehmen. Dafür darf er sich in der Festung Lippstadt frei bewegen. Er nützt die Gelegenheit, um sein restliches, in einigen hohlen Bäumen von Soest, verstecktes Vermögen zu holen. Sein Geld öffnet ihm alle Tore und er beginnt ein nicht christliches Leben. Er liest und übt sich auch im Lautenscpiel und Gesang. Schließlich verliebt er sich in die Tochter eines benachbarten Obristen, doch fährt er nach Köln. Dort lernt er zwei Adelige kennen und begleitet die beiden nach Paris. Plötzlich hat er kein Geld mehr und nimmt eine Arbeit bei einem Arzt an, bei der er auch viel über die Quacksalberei lernt. Indem er der Dame Beau Alman Privatunterricht im Gesangs- und Spielkunst gibt, kommt er zu Geld und macht sich auf die Rückreise nach Lippstadt, weil er sich einen Posten in der versprochenen Kommandostelle erhofft. Aber auf der Reise erkrankt er an den Kindsblattern und er muss seinen ganzen Besitz hergeben, um die Krankheit auskurieren zu können. Er beginnt nun als Quacksalber Geld zu verdienen, doch wird er bald von kaiserlichen Truppen festgenommen. S. stürzt in den Rhein und wird von einem Schiff aufgenommen, doch seine Freiheit ist nicht von langer Dauer, da die Schiffsbesatzung ihn den kaiserlichen Truppen wieder übergibt. Jetzt muss er als Musketier dienen. Der Herzbruder verspricht ihm sobald als möglich die Kommandostelle zu verschaffen. Er trifft wieder auf Olivier, der ihm Freundschaft und Mitarbeit anträgt. Bald darauf unternehmen sie ihren ersten Überfall, der recht lohnend ist.

S. rät Olivier, sich das Geld in sein Hemd einzunähen. S. zwingt den Bauern, der Olivier Unterschlupf geboten hat, ihn nach Villingen zu führen. Dort erlangt er auch wieder einen Pass von einem kaiserlichen Kommandanten. S. pflegt nun den Herzbruder und nach dessen Genesung machen sie eine Wallfahrt. Sie verbringen den Winter in einem Badeort und fahren im Frühling nach Wien, wo S. die Hauptmannstelle bekommt. Bald darauf werden S. und der Herzbruder in einer Schlacht verletzt. S. quittiert seinen Dienst, um den Herzbruder bei seiner Kur zu begleiten. Von dort aus fährt er nach Lippstadt und erkundigt sich bei seiner Schwägerin über sich selbst. Er erfährt, dass seine Frau bei der Geburt seines Sohnes gestorben ist und dass, das Kölner Vermögen eben für diesen Sohn gewesen ist. Er sieht auch seinen Sohn, aber weil er wenig Schmeichelhaftes über sich hört, macht er sich unerkannt davon. Er findet einen kranken Herzbruder, doch verliebt er sich auch in ein hübsches Bauernmädchen, die er sogleich heiratet. Doch S. erlebt eine böse Überraschung, denn seine Frau ist dumm und faul. Das Trinken seiner Frau führt dazu, dass sie und seine beiden Kinder bald nach deren Geburt sterben. Eines Tages hört er merkwürdige Dinge über den Mummelsee und macht sich auf den Weg. Er begibt sich auf eine Reise durch das Innere der Erde und bekommt zum Schluss vom König einen Wunderstein, mit dessen Hilfe auf seinem Hof eine Mineralquelle sprudeln soll. Er wird von einem Obristen verleitet, mit ihm nach Russland zu gehen. Dort wird er von Tataren entführt und kommt nach Korea und Japan. Er gelangt über Alexandria, Konstantinopel und Venedig nach Rom und schließlich wieder zurück in den Schwarzwald. Dort entschließt er sich endgültig Einsiedler bis zu seinem Lebensende zu bleiben.

Interpretation:

H.J.C. von Grimmelshausen wurde im Jahre 1621geboren. Er wuchs bei einer adeligen Familie auf und besuchte die Lutherische Lateinschule von 1627 - 1634. Er wurde Soldat und musste zum katholischen Glauben übertreten, weil er am 30.08.1649 heiratete. Nach dem Jahr 1648 ist er Verwalter, Beamter und Gastwirt am Oberrhein und von 1662 - 1665 Burgfogt. 1667 steht er im Dienst des Strassburger Bischofs. Grimmelshausen stirbt im Jahr 1676. Seine größten Werke sind: „Der abenteuerliche S.“ (1669); „Die ausfürliche und wundersame Lebens- beschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche“ (1670); „Der seltsame Spring ins Feld“ (1670)

Die Hauptfigur von diesem ersten bedeutsamen, deutschen Prosaromanes ist Simplicissimus, dessen Lebensgeschichte hier erzählt wird. Er durchläuft verschiedenste Stationen: das Leben bei den, durch den Krieg, unterdrückten Bauern; die Weltabgeschiedenheit des Einsiedlers; die wilde Skrupellosigkeit der Soldaten; den höfischen Glanz; die erotischen Abenteuer in Paris; Krankheit und mißlungene Ehe; Einsiedelei.

Der Roman ist in 5 Bücher aufgebaut. Jedes Buch ist in Kapitel unterteilt und die einzelnen Kapitel in Episoden; deshalb spricht man hier auch von einer episodischen Handlungsstruktur. Diese entspricht dem spanischen Schelmenroman, also dem Picarro Roman. Der abenteuerliche S. ist der erfolgreichste Barokroman gewesen, weil er unteranderem auch ein realistisches Bild des Kriegsgeschehen im 30 jährigen Krieg wiedergegeben hat. Er berichtet auch über den Soldatischen Alltag und weist auch autobiographische Züge des Autors auf. Die Hauptfiguren neben dem S. sind: der Eisiedler, der Pfarrer, der Herzbruder und Olivier Die Ich - Erzählperspektive unterstreicht die Authentizität des Dargestellten, dass heißt, dass für die Wahrheit verbürgt wird. Den Ausgangs- und Endpunkt des Romanes bildet das erste und fünfte Buch, in dem die Einsiedelei die Hauptrolle ist. Der Krieg, der Glauben und die Religion sind die Themenbereiche, mit denen sich das Buch auseinander setzt; es wird der Mensch dargestellt, der durch die Umwelt, die glaubenslos ist, gefährdet ist. Die Motive sind: der einfältige Mensch in Bezug auf Reinheit, Unschuld, Glaube und Religion; das Einsiedlermotiv, das die Weltabkehr bedeutet; das Maskenmotiv, als S. Tischnarr gewesen ist; das Reisemotiv und das VANITAS- Motiv, das in diesem Roman am wichtigsten ist, da S. immer eine Gratwanderung zwischen Gut und Böse, Glück und Unglück, usw. vollführt. Im gesamten Verlauf des Werkes bleibt eine kritische Einstellung erhalten. Neben den zeitkritischen Bemerkungen, die sich selbstständig bis zu ironisch - satirischen Einlagen (Jupiter-Episode, Mummelsee - Episode) ausweiten und nur noch lose mit dem Romangeschehen verbunden sind, ist ein Teil der kritischen Erörterung betont religiöser - moralischer Art und eng mit dem Handeln der Hauptfigur verbunden. Dazu gehören auch die Unterhaltungen des S. mit Geistlichen über Sünde und Schuld, über Reue und Buße, sowie immer wieder vorgebrachte Selbstanklagen. Demnach kann man von drei Schichten des Romanes sprechen: einer historisch - unterhaltenden, einer ironisch - satirischen mit zeitkritischer Funktion und einer religiös - moralischen, die mit dem Handeln des Helden zusammenhängt. Die letztegenannte Schicht berührt immer wieder die Frage: Wie findet der Mensch in einer bösen Welt, in der er jederzeit der Sünde verfallen kann, ein seliges Ende?

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Details

Titel
Grimmelshausen, Hans Jacob Christoph von - Der abenteuerliche Simplicissimus
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V96900
Dateigröße
333 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grimmelshausen, Hans, Jacob, Christoph, Simplicissimus
Arbeit zitieren
Harald Messner (Autor), 2000, Grimmelshausen, Hans Jacob Christoph von - Der abenteuerliche Simplicissimus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96900

Kommentare

  • Gast am 22.4.2002

    Danke!!.

    Danke, dass es Leute wie dich gibt, die solche schwierigen, unverständlichen Texte zusammenfassen und ins Internet stellen. Hab nämlich versucht das Buch zu lesen, habe aber jetzt nach dem 2. Buch aufgegeben

  • Gast am 18.9.2002

    simplicissimus.

    sehr ausführlich und alles wichtige drin!!! saugut =)

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Titel: Grimmelshausen, Hans Jacob Christoph von - Der abenteuerliche Simplicissimus



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