In meinem Referat möchte ich untersuchen, welche Meinung Célestin Freinet eigentlich über Schulbücher hatte. Außerdem möchte ich an heutigen Schulbüchern exemplarisch untersuchen, ob und inwiefern sich die Prinzipien der Freinet-Pädagogik darin wiederfinden lassen.
Als Beispiele wähle ich die beiden folgenden Lehrbücher (beide für die 5. Klasse):
1.) "Startklar 5 - fit in Wort und Schrift"
Herbert Allerheiligen u.a. (Hrsg.)
Hannover (Schroedel) 1996
2.) "Mittendrin 5 - Sprachbuch"
Werner Broders u.a. (Hrsg.)
Stuttgart (Klett) 1995
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Freinets Ansichten über Schulbücher
III. Alternativen zum Schulbuch
IV. Sind heutige Schulbücher Freinet-gerecht? Ein Vergleich
V. Thesenpapier zum Referat
VI. Praktische Anleitung des Seminars
VII. Literaturangaben
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Haltung von Célestin Freinet gegenüber klassischen Schulbüchern und stellt diese Ansätze aktuellen Lehrmaterialien gegenüber, um das Potenzial einer schülerzentrierten Pädagogik zu beleuchten.
- Kritik am traditionellen Schulbuch als Instrument der Fremdbestimmung
- Darstellung freinet-pädagogischer Alternativen zur Wissensvermittlung
- Vergleichende Analyse zeitgenössischer Lehrwerke auf ihre Freinet-Kompatibilität
- Bedeutung von Selbsttätigkeit und Individualisierung im Unterricht
- Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter statt als Wissensvermittler
Auszug aus dem Buch
Célestin Freinet: „Plus de manuels!“ - „Schluß mit den Schulbüchern!“
„Schulbücher sind ein Instrument der Verdummung. Sie dienen lediglich den offiziellen Lehrplänen - und auch das manchmal sehr schlecht. Manche vergrößern sogar noch die Stoffülle dieser Lehrpläne, ich weiß nicht, aufgrund welchen Irrsinns, und stopfen den Unterricht voll bis zum äußersten. Ganz selten jedoch sind Schulbücher für die Kinder gemacht. Sie behaupten, die Arbeit des Lehrers zu erleichtern und zu ordnen, sie rühmen sich, Schritt für Schritt vorzugehen, im Rhythmus... der Lehrpläne. Der Schüler wird ihnen schon folgen, wenn er kann. Um ihn geht es hier aber gar nicht.
Schulbücher dienen also de facto in erster Linie der Unterwerfung des Kindes unter den Erwachsenen und, noch genauer, unter die gesellschaftliche Klasse, die durch Lehrpläne und Finanzen das Unterrichtswesen beherrscht.
Sicherlich gibt es einige wohlmeinende Pädagogen, die sich im Gegensatz dazu auf die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes beziehen und zu einer weniger orthodoxen Auffassung des Unterrichts gelangen. Die großen Verlage jedenfalls denken nicht daran, sich mit ihnen zu belasten, und nur die allerschädlichsten Schulbücher haben wirklich hohe Auflagen.
Selbst wenn die Schulbücher gut wären, wäre es am besten, sie so wenig wie möglich zu benutzen. Denn das Schulbuch - vor allem wenn es schon in den ersten Klassen benutzt wird - trägt dazu bei, die blinde Anbetung des gedruckten Wortes zu verbreiten.
Das Buch ist dann eine Welt für sich, fast etwas Göttliches, dessen Behauptungen man kaum noch in Frage stellt. „Es steht doch im Buch...“, heißt es dann, wogegen es doch gerade wünschenswert wäre zu lehren, daß im Buch auch nur Gedanken stehen, die dem Irrtum unterliegen können und denen man widersprechen kann, wie man auch jemandem widerspricht, der redet.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Freinets Position zu Schulbüchern kritisch zu beleuchten und diese an modernen Lehrwerken exemplarisch zu prüfen.
II. Freinets Ansichten über Schulbücher: Dieses Kapitel erläutert Freinets fundamentale Ablehnung des Schulbuchs als mechanisches Instrument, das die Entwicklung eigenständigen Denkens behindert und die Individualität der Schüler unterdrückt.
III. Alternativen zum Schulbuch: Hier werden pädagogische Konzepte wie Karteien zur Selbstkorrektur, die Arbeitsbibliothek und die Freinet-Druckerei als freiere Möglichkeiten der Wissensaneignung vorgestellt.
IV. Sind heutige Schulbücher Freinet-gerecht? Ein Vergleich: In diesem Teil erfolgt ein direkter Vergleich zwischen den Lehrwerken „Startklar“ und „Mittendrin“, um aufzuzeigen, inwieweit diese die Prinzipien der Freinet-Pädagogik umsetzen.
V. Thesenpapier zum Referat: Das Kapitel bietet eine stichpunktartige Zusammenfassung der zentralen Kritikpunkte und Konzepte des Referats.
VI. Praktische Anleitung des Seminars: Dieser Abschnitt veranschaulicht anhand konkreter Aufgabenbeispiele den Unterschied zwischen rein lernzielorientiertem Unterricht und einem aktivierenden, schülerorientierten Ansatz.
VII. Literaturangaben: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und Fachpublikationen auf.
Schlüsselwörter
Célestin Freinet, Freinet-Pädagogik, Schulbuchkritik, Selbstkorrektur, Freinet-Druckerei, Schülerinteressen, individualisiertes Lernen, offener Unterricht, Klassenbibliothek, mechanisches Lehren, Bildungsreform, Unterrichtsmaterialien, Selbsttätigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Grundsatzkritik von Célestin Freinet am traditionellen Schulbuch und dessen Rolle in der Unterdrückung eigenständigen Lernens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik an der Schulbuch-Monotonie, die Förderung individueller Interessen, die Bedeutung der Selbsttätigkeit und alternative Organisationsformen des Unterrichts.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den pädagogischen Wert moderner Schulbücher vor dem Hintergrund von Freinets Prinzipien zu bewerten und zu untersuchen, ob diese eine kindgemäße Erziehung ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine exemplarische Vergleichsanalyse zwischen zwei unterschiedlichen Lehrwerken für die 5. Klasse durchgeführt, um theoretische Prinzipien mit der schulischen Realität abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Erörterung von Freinets Ansichten, die Vorstellung seiner methodischen Alternativen sowie die praktische Analyse der Schulbücher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Freinet-Pädagogik, Schulbuchkritik, Individualisierung, Selbsttätigkeit und alternative Unterrichtsmaterialien.
Wie unterscheidet sich "Mittendrin" von "Startklar"?
Während "Startklar" klassisch lernzielorientiert und auf Fremdbestimmung ausgerichtet ist, versucht "Mittendrin" durch Wahlmöglichkeiten und Einbezug von Schülertexten eine freinet-orientierte Arbeitsweise zu fördern.
Warum hält Freinet Schulbücher für ein "Instrument der Verdummung"?
Nach Freinet verhindern sie durch vorgefertigte, einheitliche Inhalte die Entwicklung eigener Fragestellungen und führen zu einer mechanischen, kritiklosen Rezeption von Wissen.
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- Hanna Beyer (Author), 1998, Célestin Freinet und die Schulbücher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9693