Die Bedeutung von außerschulischen Lernorten im heimatkundlichen Sachunterricht am Beispiel Steinhude früher und heute


Seminararbeit, 1999
21 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Theoretische Grundlagen
1.1. Die Bedeutung von außerschulischem Lernen
1.2. Rahmenrichtlinien für den Sachunterricht
1.3. Das Thema Steinhude früher und heute im Hinblick auf die Rahmenrichtlinien

2.) Steinhude - früher und heute (Didaktische Einbindung)
2.1. Das Steinhuder Meer
2.2. Das historische Steinhude
2.3. Entwicklung des heutigen Ortes
2.4. Bedeutung der Steinhuder Strassennamen

3.) Möglichkeiten der außerschulischen Erkundung des Ortes Steinhude mit Grundschülern (Methodische Einbindung)
3.1. Aalräucherei
3.2. Fischer- und Webermuseum
3.3. Rallye

4.) Erinnerungen an meine eigene Grundschulzeit in Steinhude

5.) Verwendete Literatur

1.) Theoretische Grundlagen

1.1. Die Bedeutung von außerschulischem Lernen

Nicht erst seit der Reformpädagogik taucht die Forderung danach auf, Schülern auch außerhalb des Klassenzimmers unterrichtliche und erzieherische Lerninhalte nahezubringen. Die Veränderungen der Kindheit in den letzten Jahrhunderten zwingt die Pädagogen dazu, ihre herkömmlichen Unterrichtsmethoden zu überdenken und - beispielsweise durch Freiarbeit, Wochenplanarbeit o.ä. - zu erweitern. Der Zweck der Schule ist nicht, lediglich theoretisches Wissen zu vermitteln, sondern sie soll den Schülern auch ermöglichen, ihre eigenen praktischen Erfahrungen zu machen. Eine Art, diese Forderung umzusetzen, kann das außerschulische Lernen darstellen: „Das Suchen und das Aufsuchen von Lernorten außerhalb des Klassenzimmers ist ein Weg der Schule, die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten der Kinder zu erweitern und so die Defizite der veränderten Umwelt zu vermindern.“[1]

Gerade im Sachunterricht ist es erforderlich, den Schülern Lerninhalte wirklichkeitsnah zu vermitteln. Schüler müssen in der außerschulischen Realität ihre eigenen Erfahrungen machen, wozu die Grundschule ihnen Gelegenheit geben sollte. Bei Unterrichtsgängen werden „ganz wesentliche Ziele im kognitiven wie im affektiven Lernbereich angesprochen“.[2]

Dabei sollte die Einbindung außerschulischen Lernens wie folgt aussehen:

„1. Vorbereitung auf das Lernen ,vor Ort’,
2. handelnde Auseinandersetzung mit dem Lernort,
3. Auswertung der Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen.“[3]

An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht genauer auf die Überlegungen bezüglich der Planung und Durchführung von Unterrichtsgängen eingehen, da dieses den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen würde. Ich beschränke mich daher im folgenden darauf, zu zeigen, warum außerschulisches Lernen gerade für mein Thema Steinhude früher und heute so motivierend ist.

1.2. Rahmenrichtlinien für den Sachunterricht

Die niedersächsischen Rahmenrichtlinien legen Aufgaben, Ziele und Inhalte des Sachunterrichts in der Grundschule verbindlich fest. Das oberste Ziel des Sachunterrichts ist hierbei, „dem Schüler Ausschnitte der Lebenswirklichkeit zu erschließen, soweit sie für ihn bedeutsam und zugänglich sind.“[4]

Es wird dabei von einem situationsorientierten Unterricht mit den folgenden vier Lernfeldern ausgegangen: 1. Zusammenleben der Menschen, 2. Mensch und heimatlicher Lebensraum, 3. Sicherung des menschlichen Lebens sowie 4. Mensch und Natur/ Mensch und Technik.[5]

Innerhalb des Lernfeldes „Zusammenleben der Menschen“ findet sich als Punkt 4.1.3 Unser Wohnort früher und heute. Dieses Thema soll in Klasse 4 im Sachunterricht behandelt werden.

1.3. Das Thema Steinhude früher und heute im Hinblick auf die Rahmenrichtlinien

Als Kommentar zum Thema 4.1.3 Unser Wohnort früher und heute findet sich die folgende Aussage: „Die geschichtliche Dimension wird im 3. und 4. Schuljahr vorrangig an Zeugnissen aus der Vergangenheit im Wohnort und in der näheren Umgebung aufgezeigt. Die Entwicklung des Ortes kann im Zusammenhang mit dem Leben der Menschen und ihrer Arbeit behandelt werden.“[6] An dieser Stelle werden auch „Unterrichtsgänge zu historischen Zeugnissen“[7] vorgeschlagen.

Steinhuder Grundschüler werden im Unterricht der 3. und 4. Klasse mit der Tatsache konfrontiert, daß ihr Wohnort nicht immer so aussah wie heute. Sie lernen etwas über die Entstehung des Steinhuder Meeres und erfahren die Gründe der Menschen, sich damals in dieser Gegend anzusiedeln. Die Schüler begreifen, daß die Menschen andere Berufe ausübten und daß das Leben früher sich grundlegend von ihrem eigenen Alltag heute unterscheidet, da sich die Lebensverhältnisse der Menschen drastisch verändert haben.

Natürlich muß man als Lehrer mit den Schülern dieses Wissen zuerst theoretisch erarbeiten. Doch um den Kindern das Leben in Steinhude vor einigen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten realistisch nahezubringen, ist es unerläßlich, auch außerschulisches Lernen zu initiieren. Gerade in Museen sind Zeugnisse der Vergangenheit gut verständlich aufbereitet und wecken Interesse am historischen Leben. Daher eignet sich das Steinhuder Fischer- und Webermuseum ausgezeichnet als außerschulischer Lernort. Dort können sich Grundschüler leichter in die Thematik hineindenken, als wenn ihnen nur theoretische Informationen dargeboten würden. Ebenso kann im Rahmen eines Unterrichtsganges mit den Schülern eine Steinhuder Aalräucherei besucht werden, da dort die Arbeitsabläufe im wesentlichen die gleichen sind wie vor 100 Jahren, z.B. beim Räuchern der Aale. Den Schülern wird sowohl im Museum als auch in der Aalräucherei sogar die Möglichkeit zu eigenen Aktivitäten geboten. Nicht zuletzt sollte man mit den Schülern auch im Ort Steinhude selbst einen Unterrichtsgang durchführen. Sie können sich die Straßen ansehen und dann anhand historischer Dokumente nachvollziehen, wie der Ortskern früher aussah und wie das Straßenbild sich gewandelt hat.

Dieses Lernen außerhalb ihres Klassenzimmers und des Schulgebäudes kann den Schülern die Unterrichtsinhalte lebendig verdeutlichen. Daher ist das Aufsuchen von außerschulischen Lernorten von großer Bedeutung für den heimatkundlichen Sachunterricht - gerade weil die Schüler die Möglichkeit haben, sozusagen „direkt vor der eigenen Haustür“ zu erfahren, wie sich menschliches Leben im Laufe der Zeit verändert hat.

2.) Steinhude - früher und heute (Didaktische Einbindung)

2.1. Das Steinhuder Meer

Das Steinhuder Meer ist der größte Binnensee Norddeutschlands. Es bildet das Zentrum des 1974 gegründeten, ca. 310 qkm großen „Naturparks Steinhuder Meer“ und liegt etwa 35 km von Hannover, der Landeshauptstadt Niedersachsens, entfernt. Das Steinhuder Meer ist in der Saaleeiszeit, die vor rund 200 000 Jahren stattgefunden hat, entstanden. Der genaue Ursprung ist jedoch unbekannt, beispielsweise wird vermutet, daß der See bei einem sehr niedrigen Grundwasserstand in sandigem Gelände vom Wind als flache Mulde in der letzten Eiszeit ausgeblasen wurde und sich dann beim Anstieg des Grundwasserspiegels mit Wasser füllte. Andere Ansätze erklären die Entstehung des Steinhuder Meeres durch die Auslaugung eines unterirdischen Salzstockes.

Mit seiner Ausdehnung von etwa 32 qkm und einer Tiefe zwischen 0,5 m und 3,1 m ist die Wasseroberfläche im Verhältnis zur Wassertiefe sehr groß. Daher wird das Steinhuder Meer als Flachsee bezeichnet. Im Gegensatz zu den meisten Seen durchströmt kein Fluß das Steinhuder Meer, den Hauptwasserzufluß erhält es durch das Grundwasser sowie durch unterirdische Quellen. Im Osten wird das Steinhuder Meer umgeben vom Toten Moor, im Norden durch eine Endmoränenlandschaft und im Westen wie im Süden durch das Niedermoor.

2.2. Das historische Steinhude

Der Ort Steinhude liegt am Südufer des Steinhuder Meeres und gehörte bis zur Gebietsreform im Jahre 1974 zur Grafschaft Schaumburg Lippe. Heute ist Steinhude Ortschaft der Stadt Wunstorf im Großraum Hannover.

Steinhude wurde von den Slawen gegründet. Der Ortsname wird erstmalig zwischen 1290 und 1300 in einem Verzeichnis des Bischofs zu Minden als „Steinhuthe“ erwähnt. Aus dem Jahre 1379 findet sich auch die Bezeichnung „Stenhuthe“. „Sten“ bedeutet Stein, das Wort „Huthe“ oder „Hude“ hat die Bedeutung Weide. Also heißt „Steinhude“ soviel wie Steinweide; ein sehr passender Name für diese Gegend, da früher die Wiesen und Weiden mit Findlingen übersät waren.

Die ersten Siedler bauten ihre Häuser aus Findlingen und Holz, außerdem zogen sie einen Damm und einen Graben um ihre Siedlung. Erst im 16./17. Jahrhundert wurde das Dorf auf den Befehl vom Grafen Adolf XI. allmählich vergrößert: „Graf Adolf XI. [...] ordnete an, [...] den Flecken überhaupt zu erweitern.“[8]

Es gab mehrere Gründe dafür, warum sich Menschen damals in dieser Gegend ansiedelten. Zum einen bot das Meer die Möglichkeit, Fische zu fangen. Der Boden konnte als Ackerland sowie als Weideland für Vieh genutzt werden. Außerdem konnten die Menschen im Moor Torf stechen. Zudem boten sich die vielen Findlinge auf den Wiesen und Weiden und das Holz im Wald zum Hausbau an, aus den Baumstämmen des nahegelegenen Waldes konnten außerdem Boote hergestellt werden.

Damals gab es zwei wesentliche Erwerbszweige in Steinhude, die Fischerei und die Weberei.

Die Fischerei ergab sich natürlich durch die Nähe zum Steinhuder Meer. Bereits um 1300 wird von Fischlieferungen an den Bischof zu Minden berichtet: „Die Fischer von Stenhuthe [...] haben ihre Fische zu liefern.“[9] Später mußten die Fischer den Fürstlichen Hof in Bückeburg beliefern und Pacht an den Fürsten zahlen. 1738 gab der Bückeburger Hof einen Erlaß heraus, der das Fischen mit Zugnetzen während der Laichzeit zum Schutz des Fischbestandes im Steinhuder Meer untersagte. Vor 1801 war die Fischerei an einige Steinhuder Familien verpachtet, nach 1801 wurde das Gebiet dann in Distrikte eingeteilt und meistbietend für 6 Jahre verpachtet. (Der vollständige „Fischerei-Pachtvertrag“ von 1800 ist nachzulesen in: Ochwadt: Das Steinhuder Meer: Eine Sammlung von Nachrichten und Beschreibungen bis 1900, 1967, S. 186.) Die Pacht war nicht hoch, doch nur etwa 30 Fischer konnten ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei verdienen. Die meisten mußten durch Torf-, Heu-, Schilf- und Personentransporte mit ihrem Torfkahn, Lohntorfstechen, Handweberei und Landwirtschaft etwas hinzuverdienen, um ihre Familie ernähren zu können. Die damalige Ausbeute soll bei etwa 350 Zentner Fisch pro Jahr gelegen haben. Gefangen wurden Aale, Hechte, Barsche, Weißfische und manchmal auch Karpfen. Um 1900 wurde der Zander eingeführt, der vorher nicht im Steinhuder Meer vorkam. Für den Fang benutzte man zuerst Netze und geflochtene Weidenkörbe, später wurden diese durch Reusen ersetzt. Der Fang von mehreren Fischern wurde dann lebendig in Holzfässern auf Pferdewagen zum Verkauf nach Hannover transportiert. Schon früh wurden die Fische auch geräuchert - speziell auf die Aalräucherei werde ich im Kapitel 3.1. noch näher eingehen.

[...]


[1] Burk/ Claussen: Lernorte außerhalb des Klassenzimmers I, 1998, 15.

[2] Krüger, 1976, 9.

[3] Burk/ Claussen: Lernorte außerhalb des Klassenzimmers II, 1998, 26.

[4] Rahmenrichtlinien für die Grundschule: Sachunterricht, 5.

[5] ebd., 6.

[6] Rahmenrichtlinien für die Grundschule: Sachunterricht, 72.

[7] ebd., 72.

[8] Ochwadt, 1967, 32.

[9] Ochwadt, 1967, 19.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von außerschulischen Lernorten im heimatkundlichen Sachunterricht am Beispiel Steinhude früher und heute
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Didaktik der Sozialwissenschaften - Abteilung Sachunterricht)
Veranstaltung
Außerschulische Lernorte
Note
gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
21
Katalognummer
V9694
ISBN (eBook)
9783638163255
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sachunterricht, Sachkunde, Heimatkunde, Steinhude, Steinhuder Meer, Außerschulisches Lernen, Exkursionen, Grundschule, Unterricht, Heimat
Arbeit zitieren
Hanna Beyer (Autor), 1999, Die Bedeutung von außerschulischen Lernorten im heimatkundlichen Sachunterricht am Beispiel Steinhude früher und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9694

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