Das Alte Ägypten - Das Neue Reich


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

39 Seiten, Note: 15 Punkte


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INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

Die Herrscher zur Zeit des Neuen Reiches

1. Geschichte
1.1. Die Geschichte des Neuen Reiches
1.2. Hatschepsut
1.3. Echnaton
1.4. Tutanchamun
1.5. Ramses II. der Große

2. Kultur
2.1. Gesellschaft und Staat
2.2. Kunst
2.3. Literatur
2.4. Religion und Totenkult

3. Schrift
3.1. Hieroglyphen
3.2. Die Entwicklung der Schrift

4. Zusammenfassung

Einleitung

Ägypten gehört wohl zu den wenigen Ländern, deren Vergangenheit eine ungebrochene Faszination bis heute auf die Menschen ausübt. Die erstaunlich gut erhaltenen Bauwerke und oft prachtvollen Kunstgegenstände sind die einzigen Zeugen einer versunkenen Kultur, die noch immer den Schleier des Geheimnisvollen tragen. Diese Faszination hat mich selbst schon sehr früh in den Bann Ägyptens gezogen und dies ist auch der Grund, diese Jahresarbeit Ägypten zu widmen.

Der große Umfang von ca. 3000 Jahren macht es allerdings unmöglich, die gesamte Entwicklung des alten Ägypten von den Anfängen bis zum Ende darzustellen, deshalb beschränkt sich diese Arbeit auf den Zeitraum und die Entwicklung des Neuen Reiches von ca. 1570 - 1070 v. Chr.

Mit dem Neuen Reich sind untrennbar verbunden bewundernswerte als auch fragwürdige Personen, die jedoch dieser Epoche ihren Charakter verleihen.

Jedoch soll sich diese Arbeit nicht nur auf die politischen Geschehnisse der Geschichte beschränken, sondern auch Einblicke in die Kultur des Landes geben. So findet neben der geschichtlichen und gesellschaftlichen Betrachtung auch die Kunst, Literatur und Religion ihren Platz. Natürlich gibt es noch viele weitere Aspekte, aber dies würde zu weit vom eigentlichen Ziel der Arbeit abweichen, das Ägypten zur Zeit des Neuen Reiches vom vielsagenden Anfang bis zum unrühmlichen Ende in der geschichtlichen Betrachtung darzustellen.

Lediglich die Entwicklung der Schrift soll noch in einer kurzen Ausführung dargestellt werden, denn sie ist untrennbar mit Ägypten verknüpft, durch ihre Entzifferung erst wurde es möglich, die Vergangenheit Ägyptens wiederzubeleben und vor allem dazu beizutragen, die schon angesprochene Faszination zu entfachen. Die Literatur zum Thema ist sehr vielseitig, dennoch ist zu bemerken, daß trotz intensiver Recherche manche Sachverhalte nur lückenhaft bzw. keine Erwähnung fanden und so nur Anhaltspunkte für diellung genutzt werden konnten.

Die Herrscher Ägyptens zur Zeit des Neuen Reiches

Das Neue Reich 1570 - 1070 v. Chr. (ca.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1. DIE GESCHICHTE DES NEUEN REICHES

Als Pharao Ahmose I. als Gründer einer neuen Dynastie die Herrschaft über Ägypten übernahm, begann so gleichzeitig eine neue Glanzzeit und Epoche Ägyptens - das Neue Reich. Entstanden und wiedervereinigt ging es hervor aus einer Zeit der Besetzung durch die Hyksos, die durch Ahmose letztendlich aus ägyptischen Territorium vertrieben wurden. Die Herrschaft der Hyksos führte den Ägyptern die Anfälligkeit ihres Reiches gegen ethnische Bewegungen vor Augen und sollte so Auswirkungen auf den Regierungsstil des Neuen Reiches nach sich ziehen.

Ca. 1660 v. Chr. drangen die Hyksos in Ägypten ein, da die damalige Regierung durch die Wirren der Zweiten Zwischenzeit zu geschwächt war, gegen Eindringlinge und eigene innere Probleme vorzugehen. Den Hyksos gelang es, die gesamte Macht über Ägypten an sich zu reißen. Parallel zu dieser Hyksosherrschaft entstand ca. 1650 v. Chr. eine thebanische 17. Dynastie, durch den Widerstand einiger Gaufürsten gebildet, die jedoch noch zu den Vasallen der Hyksos gehörte. Diese Fürsten hatten sich zum Ziel gesetzt, das nationale Erbe des Mittleren Reiches gegen kulturelle und religiöse Einflüsse der Hyksos zu schützen. Nach und nach lehnte sich die 17. Dynastie gegen die ausländischen Besatzer auf und es gelang ihnen, die oberägyptischen Gaue für ihr Unternehmen der Befreiung zu gewinnen. Die Grundlage für die Rückeroberung Ägyptens und die Vertreibung der Hyksos war geschaffen. Die zukünftigen thebanischen Könige konnten die Macht Thebens zunehmend festigen und die Herrschaft über die oberägyptischen Gaue gewinnen. Bald erstreckte sich das thebanische Gebiet von Elephantine bis Abydos. Beide Dynastien akzeptierten sich stillschweigend, doch nichts konnte über die schwelende Feindschaft hinwegtäuschen. Mit Pharao Ta’a II. erfolgte die offene Auflehnung Thebens und dessen Gaue gegen die Hyksos. Die Befreiungskriege hatten begonnen. Sein Sohn Kamose setzte die Kämpfe fort, in denen er sich zunächst mit Ägyptern konfrontiert sah, die die Hyksos im Kampf gegen Theben unterstützten und ihm so Widerstand entgegensetzten. Deren Widerstand wurde schnell niedergeschlagen und ihm gelang die fortschreitende Eroberung hyksosbesetzten Gebietes und das Vordringen bis Avaris, der Hauptstadt der Hyksos, doch einnehmen und besiegen konnte er die Stadt nicht. Es blieb ihm vorerst nur die Möglichkeit, die bestehenden Beziehungen der Hyksos mit dem Königreich Kusch, das aus Nubien entstanden war, zu unterbinden und so eine Schwächung der Hyksos herbeizuführen. Kusch stellte von jetzt an eine Gefahr für Ägypten dar, später noch war es eine Aufgabe der Pharaonen des Neuen Reiches, das Königreich Kusch unter ägyptische Kontrolle zu bringen, wenn nicht gar die Zerschlagung dieses Reiches.

Trotz des Scheiterns an der Einnahme Avaris‘ machte sich Kamose zum König von Ägypten und ihm gelang es nun nach langer Zeit der Zerrissenheit, die Macht des Pharao zu festigen. Noch war das ägyptische Territorium nicht vollständig befreit, als Folge dessen die Kämpfe gegen die Hyksos weiter anhielten. Nach Kamoses Tod wurden sie von seinem Nachfolger Ahmose weitergeführt und gegen 1560 v. Chr. gelang ihm das, was Kamose versagt geblieben war: die Einnahme Avaris‘. Die Hyksos hatten ihre Residenz und Macht über Ägypten verloren.

Nach seinem Sieg bestieg er als Ahmose I. den Thron Ägyptens und vereinte das Reich. Ahmoses Aufgabe war es nun, die innere Sicherheit und Ordnung Ägyptens wieder herzustellen, denn die Hyksosherrschaft und die Kriege hatten tiefe Spuren im ägyptischen Volk hinterlassen - Armut, Rückschritt, Verwüstung. Er reagierte, indem er eine Neuaufteilung des Landes vornahm. Die thebanische Priesterschaft, das Militär und der Adel erhielten nun neue Gebiete zur eigenen Bewirtschaftung. Aber die Besetzung bewirkte noch etwas anderes: den Drang nach Expansion des ägyptischen Reiches.

Mit der Vertreibung der Hyksos war es Ahmose I. noch nicht genug, er verfolgte sie weiter bis über die Grenzen Ägyptens hinaus. Er drang bis nach Scharuhen vor, eine bedeutende Hyksosfestung, die den Weg zwischen Palästina und Ägypten beherrschte und somit als ägyptischer Kontrollpunkt attraktiv war. Erst nach dreijähriger Belagerung gelang es ihm, die Festung einzunehmen. Diese Tatsache zeigt, daß die Verteidigungsstrategie der Hyksos der Belagerung der Ägypter weit überlegen war. Mit der Eroberung Scharuhens hatte Ahmose I. einen wichtigen Besitz und Ausgangspunkt weiterer Vorstöße gesichert. So gelang es ihm, Palästina zu erobern und bald erstreckte sich das ägyptische Reich bis zum Euphrat. Durch Blitzkriege beabsichtigte er, Nubien (Kusch) und Syrien zu unterwerfen und Ägypten anzugliedern. Die Angliederung Kuschs sollte jedoch erst Thutmosis I. gelingen. Ahmose festigte die Grenzen Ägyptens und brachte es fertig, Libyen unter ägyptische Herrschaft zu bringen.

Aufflammende innere Unruhen veranlaßten ihn, einen Teil seiner Macht und Verantwortung an die Statthalter der Provinzen abzugeben. Selbst seiner Königin räumte er wichtige politische Ämter ein, z. B. einen Teil seiner Regierungsgewalt und die Kontrolle der Priesterschaften.

Trotz dessen erlebte Ägypten mit Ahmose eine neue beginnende Blüte und durch seine innenpolitischen Maßnahmen erholte sich die Wirtschaft zunehmend. Nach seinem Tod wurde sein Mitregent Amenophis I. Pharao von Ägypten. Schon früh setzte dieser seinen Mitregenten Thutmosis I. ein, der unter Amenophis an den fortführenden Schlachten gegen Kusch teilnahm. Als Thutmosis I. an die Macht kam, setzte er die Feldzüge gegen Kusch fort und bereitete so dessen schrittweise Eroberung vor. Er betrieb eine ausgedehnte Expansionspolitik, durch die er zahlreiche Provinzen an Ägypten angliederte und so dem Land Güter, Sklaven, fremde Sitten und Bräuche brachte. Vor allem Expeditionen in syrisch- palästinensisches Gebiet trugen dazu bei und dienten dem Vorhaben, diese Gebiete zum Lehen des ägyptischen Reiches zu machen, aber für eine dauerhafte Eroberung reichte Ägyptens Macht noch nicht aus.

Aber aus dem vormals isolierten Ägypten erwuchs nun eine führende Weltmacht mit zahlreichen Kontakten zum Ausland. Im Zuge dieser Entwicklung gelangte auch Theben große Bedeutung als religiöses Zentrum und Memphis als Wirtschafts- und Verwaltungshauptstadt. Als Begräbnisstätte wählte Thutmosis I. das Tal der Könige, mit dessen Bau er bald beginnen ließ und in dem er selbst und viele seiner Nachfolger bestattet wurden. Thutmosis II. führte die Politik seines Vaters weiter und hatte auch in Kusch einzugreifen um Aufstände niederzuschlgen, deren Gründe die Verarmung und schlechten Lebensbedingungen durch die Angliederung waren.

Zu bemerken ist, daß Thutmosis seine HauptfraU Hatschepsut zu seiner Mitregentin ernannte, bemerkte aber deren politischen Ehrgeiz, und um diesen zu stoppen, ernannte er seinen Sohn Thutmosis III. zu seinem Nachfolger. Doch nach seinem Tod sollte es anders kommen.

1.2. Hatschepsut

Hatschepsut Khnemetamun Makarê - unter diesem Namen bestieg sie als erfolgreichste Regentin des alten Ägypten den Thron. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg, als sie als Tochter des Pharao Thutmosis I. und seiner Frau Ahmose geboren wurde. Schon früh wurde sie durch einen erfahrenen Wesir erzogen, der ihr auch erste Einblicke in die Politik des Landes gab und sie selbst darin unterwies. Dies geschah ganz im Sinne ihres Vaters, denn ihre Ernennung zur offiziellen Erbtochter des Königs zeigte seine Absicht, sie zur zukünftigen Königin seines Reiches zu machen. Auch er fuhr fort, sie in die Verwaltung des Staates einzuführen, ein Grund dafür könnte gewesen sein, daß er zeitig erkannte, daß sein Sohn Thutmosis II. zu schwach war, um als zukünftiger Regent über Ägypten zu herrschen. Nach dem Tod ihres Vaters gelangte sie zunächst mit ihrem Halbbruder und Mann Thutmosis II. an die Macht über Ägypten. Doch mit ihrer Regentschaft als „Große königliche Gemahlin“ an der Seite Thutmosis II. erfüllte sie weit mehr Pflichten als die reine Repräsentation des Königshauses. Durch ihren Ehrgeiz gewann sie zahlreiche Mitarbeiter und hohe Beamte des Staates für sich, darunter auch Senenmut, Haushofmeister Thutmosis‘ II. Ihr Einfluß als Regentin wurde deutlich an der eigenmächtigen Postenvergabe unabhängig von der Meinung ihres Mannes, was sich soweit entwickelte, daß es später ein wirkungsvolles Mittel für sie wurde, Beamte an sich zu binden und ihren Hofstaat und die Beamtenschaft geschickt zu ihren Gunsten zu steuern. Auch begann sie bereits mit eigenen Bauvorhaben in Karnak.

Nach dem Tod ihres Mannes Thutmosis II. wurde sie Regentin des mächtigsten Staates der damaligen Zeit. Formell war Thutmosis III. König von Ägypten, doch durch seine Unmündigkeit übernahm Hatschepsut die Herrschaft. Senenmut wurde nun zu ihrem wichtigsten Mann im Staat. Senenmut selbst stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Durch seine Verdienste als Offizier war es ihm jedoch möglich, zum Beamten befördert zu werden. Danach ging seine Karriere steil nach oben. Noch während Thutmosis‘ II. Regentschaft wurde er Erzieher Hatschepsuts Tochter Nofrure. Als Günstling Hatschepsuts gelangte er bald an das Amt des Vermögensverwalters. In seiner Funktion als bedeutendster Staatsmann vertraute ihm Hatschepsut einen Teil ihrer Macht an. Er hatte nun die Macht über sämtliche Ländereien, Einkünfte und Schatzhäuser des Staates. Durch zahlreiche weitere Verdienste und Ämter wurde er schließlich oberster Minister Ägyptens unter seiner Königin Hatschepsut. Von ihrer eigenen königlichen Verantwortung zeugen zahlreiche Bauten: Die Fortführung der Bauarbeiten in Karnak gehörten dazu, ebenfalls die Errichtung der Obelisken in der Tempelanlage, die ihr Machtstreben symbolisierten. Ihre beginnenden Bauarbeiten an ihrem Totentempel, der zu Ehren Amuns errichtet wurde, zeigten schon die zunehmende Bedeutung dieses Gottes und der Priesterschaft.

Im zweiten offiziellen Regierungsjahr ihres Stiefsohnes Thutmosis III. krönte sie sich zum Pharao von Ägypten, symbolisiert durch einen weiblichen Horustitel. Auch in verschiedenen Darstellungen war sie nun mit dem traditionellen Bart und Königsornat zu sehen. Thutmosis III. rückte nun für einen Zeitraum von über 20 Jahren in den Hintergrund, vom Thron verstoßen wurde er jedoch nicht, denn er behielt alle seine königlichen Vorrechte als offizieller Pharao. Ein Grund für die Ernennung Hatschepsuts zum Pharao war ihre Absicht, einer Ausnutzung der Situation Ägyptens durch andere Länder vorzubeugen, denn die Regentschaft eines unmündigen Pharaos hätte Leicht dazu führen können, in die Abhängigkeit anderer Länder bzw. wieder unter Fremdherrschaft zu geraten, von der man sich immer noch erholen mußte.

Hatschepsuts Politik war geprägt durch den Dienst an den Göttern des Reiches. Sie begann mit dem Aufbau und dem Erweitern der Tempel, um die Pflege der religiösen Riten zu garantieren und fortzuführen. Das sicherte ihr die Anerkennung des Volkes, auf das solche Maßnahmen immer eine besondere Wirkung hatte, denn die Religion war ein wichtiger Bestandteil ihres täglichen Lebens. Außerdem zeigt der Aufbau der durch die Hyksos zerstörten Gebäude noch den Schock, den die Besetzung in den Gedanken der Bevölkerung hinterlassen hatte. Mit dem Aufbau der Tempel erfolgte auch die Förderung der Priesterschaften und deren materielle Versorgung.

Die Wirkung ihrer ruhigen und friedlichen Herrschaft drang über die Grenzen Ägyptens hinaus, so daß auf diese Weise die Türen für neue friedliche Beziehungen ins Ausland geöffnet wurden, auch die unter ihrem Vater geschlossenen Bündnisse blieben weiter intakt. Neue Handelsverbindungen wurden aufgebaut, am bedeutendsten die Verbindung mit Punt, nach dem 1482 v. Chr. erste Handelsexpeditionen stattgefunden hatten.. Hatschepsuts Außenpolitik war darauf ausgelegt, statt Kriegszügen friedliche Beziehungen aufzubauen, bezeugt durch die weitreichenden Handelsbeziehungen und -expeditionen nach Punt und dem Sinai. Dieser Politik konnte auch das Erstarken des Mitannireiches nichts anhaben. Die Mitanni stießen zwar in ägyptisches Territorium in Syrien vor und verursachten so einen drohenden Abfall, da sich einige Fürsten von Ägypten lösten und auf die Seite der Mitanni schlugen, doch Hatschepsut reagierte mit Warnexpeditionen und ein Krieg konnte so erfolgreich vermieden werden. Es folgten noch einige Feldzüge nach Nubien um die Herrschaft Ägyptens in diesem Gebiet zu festigen, denn noch immer flammten Konflikte auf.

Trotz ihres Ehrgeizes und der Energie, mit der sie sich für Ägypten engagierte, war sie nicht unbeeinflußt durch ihren obersten Minister Senenmut und Intrigen am königlichen Hof. Als Mitherrscherin Thutmosis‘ III. kam es bald zu Konflikten, denn dieser war inzwischen mündig und begann, sich seinen eigenen Hof aufzubauen. Es folgten gegenseitige Intrigen und es war nicht zu verhindern, daß einige Beamte Hatschepsuts die Fronten wechselten, aber ihrer Macht konnte dies dennoch nichts anhaben. Aber der Konflikt bestand: Auf der einen Seite Hatschepsut, die auf den inneren Aufbau des Landes konzentriert war und sich auf die Priesterschaft und konservativen Kräfte des Landes stützte und auf der anderen Seite Thutmosis III. Er hatte in den Feldzügen unter seiner Stiefmutter seine Macht über das Heer, welches eigentlich erst durch Hatschepsut weiter aufgebaut wurde, gefestigt und dies auf seiner Seite, zudem forderte er die Ausdehnung Ägyptens mittels kriegerischer Feldzüge. Doch erst nach dem Tod seiner Stiefmutter konnte er seine Forderungen verwirklichen und zudem die Feldzüge nach Nubien und Syrien fortsetzen. Dieser Konflikt wurde jedoch bald in beiderseitigem Einvernehmen beigelegt, Hatschepsut blieb so weiterhin im Vordergrund im Hinblick auf die Regierung des Landes.

Mit ihrer Regentschaft brachte Hatschepsut Ägypten eine neue Blüte, sie legte durch die Handelsbeziehungen die Grundlage für die wirtschaftliche Macht und den Reichtum Ägyptens. Geistig und kulturell begann sich nun Ägypten weiterzuentwickeln, Ausdruck für den Frieden und Wohlstand im Reich. Auch das Menschenbild blieb nicht unbeeinflußt: Wert und Würde der Persönlichkeit jedes Einzelnen wurde aufgewertet und auch gesellschaftliche Werte änderten sich: Persönliches Eigentum und das Selbstwertgefühl des Einzelnen spielten eine wachsende Rolle; die Beamten im Staat wurden persönliche Gefolgsleute statt willenlose Werkzeuge des Pharao, dieser wiederum bewies Vertrauen und Wertschätzung seinen Untergebenen gegenüber. Begleitet wurde der Wandel in der Gesellschaft durch ein wachsendes Interesse am Ausland.

Dennoch bildete sich durch die umfangreichen Bauprojekte zugunsten der Religion eine Gefahr späterer Wirtschaftskrisen als Folge der finanziellen Beanspruchung und auch der Machtzuwachs und Reichtum der Amunpriesterschaft sollte später noch zur Rivalität zwischen König und Priestern führen.

Gegen 1468 v. Chr. starb Hatschepsut. Sie hatte mit ihrer ruhigen und friedlichen Regierungszeit gezeigt, daß auch eine Frau fähig war, ein Land wie Ägypten zu regieren, vor und nach ihr gab es zwar noch andere Königinnen auf dem Thron Ägyptens, doch nur Hatschepsut hatte es geschafft, mit ihrer Regierung Ägypten eine glückliche Zeit zu garantieren. Umso mehr ist es zu bedauern, daß ihr Andenken von einigen Nachfolgern ausgelöscht wurde.

Nach dem Tod der Hatschepsut trat Thutmosis III. sein rechtmäßiges Erbe an, und aus Rache wegen der langen Existenz im Hintergrund ließ er zahlreiche Denkmäler Hatschepsuts zerstören.

Er nahm die Expansionspolitik und -kriege wieder auf und dehnte so die Grenzen Ägyptens weiter aus, bis in das Gebiet des Euphrat und nach Sudan. Der Grund seiner Expansion war die Absicht, Ägypten zu einem politischen Faktor in der damaligen Mittelmeerwelt zu machen. Mit dieser Ausdehnung war Ägypten nun ein Weltreich. Die Beute seiner Kriege garantierten anhaltenden Reichtum, Prunk und Wohlstand des ägyptischen Reiches und Volkes. Ägypten wurde zu einem mächtigen, wohlgeordneten Reich, das aber aufgrund seiner Größe schwierig zu kontrollieren war. Doch Thutmosis III. festigte die Stabilität und seine eigene Macht durch militärische Handlungen und ermöglichte dem Reich so einen weiteren Aufstieg. In den eroberten

Gebieten errichtete er eine ägyptische Verwaltung, dennoch blieben einige Probleme bestehen. Einige Stadtstaaten bewahrten ihre Souveränität und schlossen sich unter dem Fürsten von Kadesch gegen Ägypten zusammen, unterstützt durch die Mitanni. Als Reaktion Thutmosis III. folgte ein Feldzug gegen Syrien/Palästina. Zunächst stieß Thutmosis auf den Widerstand der dortigen Bevölkerung, doch nach einer Überraschungstaktik gelang ihm der Vorstoß entlang der Küste bis nach Meggido, welches er nach sieben Monaten Belagerung erobern konnte. Dadurch sicherte er die ägyptische Herrschaft über Nordpalästina, seine Macht als Pharao wurde in diesen Gebieten anerkannt. Selbst Kadesch unterwarf sich. Es folgten noch mehrere Feldzüge in Richtung Syrien, und es gelang ihm, das Widerstandszentrum Kadesch völlig zu erobern und vorerst auszuschalten. An der Küste eroberte er phönikische Hafenstädte, durch die er die Verbindung zum ägyptischen Mutterland ermöglichen konnte und somit bedeutende Punkte zur Verwaltung Syries in den Händen hielt. Er trieb den Ausbau der Verkehrswege und der Flotte voran, um die Verbindung in den Gebieten und außerhalb zu verbessern.

Ein Gegner für das ägyptische Reich erwuchs nun durch das Mitanni- Reich. Thutmosis III. versuchte mit einem seiner Feldzüge, dieses Reich als Rivale im Kampf um die Vorherrschaft in Syrien auszuschalten. Doch er war nicht völlig erfolgreich, er erreichte lediglich einen Rückzug der Mitanni und damit einen kleinen Gebietsgewinn Ägyptens. Er unternahm weitere Kriegszüge gegen dieses Reich, da Teile der Mitanni bereits zeitweise ägyptisches Territorium belagerten. 1448 v. Chr. unterzeichneten beide Seiten einen Vertrag, in dem die Mitanni die Vorherrschaft Ägyptens in der damaligen Mittelmeerwelt anerkannten (zuvor hatten dies schon Assyrien, die Hethiter und Babylon getan). Doch dieser Vertrag hinderte die Mitanni nicht daran, eine neue Koalition gegen Ägypten anzustiften.

Dennoch legte Thutmosis III. mit seiner Expansion die Grundlagen für eine syrisch-palästinensische Provinz Ägyptens. Sein Überwachungspunkt war die Stadt Gaza. Da er den lokalen Fürsten ihr Amt belassen hatte, brachte er deren Kinder nach Ägypten. Am königlichen Hof wuchsen sie als „Geiseln“ auf, man beabsichtigte so, sich gegen Aufstände der Fürsten zu versichern und die ägyptische Erziehung sollte später zur Loyalität gegenüber dem Pharao führen. In Theben als religiösem Zentrum Ägyptens begann nun die Machtausdehnung der Amunpriesterschaft, wenn auch noch im Verborgenen, doch später sollte sich dies für einige Pharaonen noch nachteilig auswirken. Die geschickte Organisation im Hintergrund machte ein eingreifen des Pharao unmöglich, denn es gab keinen Anhaltspunkt, etwas gegen die erstarkende Macht der Amunpriesterschaft zu unternehmen. Sein Nachfolger Amenophis II. hatte als Nachfolger anfangs mit Rebellionen in den Gebieten Asiens, genauer in Syrien und Palästina, und den Mittelmeerstädten zu kämpfen, die gegen die ägyptische Herrschaft aufbegehrten. 1421 mußte er nochmals gegen Nordsyrien ziehen, da durch die Mitanni eine erneute Verschwörung enstanden war. Amenophis konnte sie größtenteils zerschlagen, aber völlig sicher war er gegen eine Revolte nicht. Später war er gezwungen, gegen Palästina zu ziehen, um den Frieden im Reich aufrecht zu erhalten. Trotz dem brachten eine diplomatische Friedenspolitik, größtenteils friedliche Regierungszeit und innenpolitische Stabilität, garantiert durch fähige Beamte, Ägypten weiteren Prunk und Wohlstand. Doch eine neue Gefahr bahnte sich an: die Hethiter. Sie begannen, gegen den Süden des Landes auszugreifen. Deshalb schloß Amenophis II. ein Bündnis mit den Mitanni, um gegen einen militärischen Schlag seitens der Hethiter gerüstet zu sein.

Thutmosis IV. als sein Nachfolger sah sich mit Revolten in Palästina und Streitigkeiten mit den Mitanni konfrontiert, zudem drohte der Abfall Palästinas vom Reich. Die große Macht der Stadtkönige und Scheichs hatte dazu geführt, daß der ägyptische Pharao keine direkte Macht über Palästina ausübten. Aber Thutmosis IV. reagierte mit Feldzügen um seine Herrschaft zu sichern und auch die Streitigkeiten mit den Mitanni beizulegen. Mit Amenophis III. folgt eine Regierungsperiode der Stabilität und wirtschaftlichen Blüte, die Kunst, Kultur und Religion erreichte unter ihm einen neuen Höhepunkt. Seine Regierungszeit wurde durch keine Kriege und Streitereien gestört, der internationale Handel und die blühende Wirtschaft brachten Ägypten eine enorme Kunstblüte. Dennoch es bahnten sich schon ernstzunehmende Konflikte mit den Hethitern an. Doch auf Amenophis III. sollte erst eine Zeit des religiösen Umbruchs folgen.

1.3. Amenophis IV. Echnaton

Aton - dieser Gott sollte mit der Herrschaft des Amenophis IV. eine enorme Aufwertung erfahren. Als Mitregent Amenophis‘ III. wurde Amenophis IV. nach dem Tod des Vaters Regent Ägyptens. Er übernahm ein beachtliches Erbe: ein blühendes Reich in Wohlstand und eine hervorragende Verwaltung, garantiert durch fähige Persönlichkeiten. Da er bei der Thronbesteigung noch minderjährig war, übernahm zunächst seine Mutter Teje die Regierungsgeschäfte Ägyptens. Durch ihren Einfluß kam es schon zu einer frühen Heirat Amenophis‘ IV. mit Nofretete. Insgeheim sollte sie ihn in bestimmten Bereichen der Politik lenken. Mit dem Beginn seiner Herrschaft war noch nichts von einer religiösen Revolution und dem Bruch mit dem Amunkult zu spüren. Amenophis IV. wurde sogar im Amunheiligtum in Karnak zum Pharao gekrönt. Erst in seinem 4. Regierungsjahr begann er mit seiner Revolution des ägyptischen Glaubens. Bereits unter seinem Vater Amenophis III. war der Kult um Aton, der Sonnenscheibe, aufgelebt, durch Amenophis erfuhr der Kult eine weitere Ausarbeitung. Aton war schon in Amenophis‘ IV. Kindheit zu seiner persönlichen Gottheit geworden, und um dem nun Ausdruck zu verleihen, errichtete einen Atontempel im bereits sich neu entwickelndem Kunststil seiner Epoche. Durch seine Gattin Nofretete wurde er in seinem Bestreben des religiösen Umbruchs voll unterstützt. Der Reichsgott Amun wurde nun durch Aton abgelöst, ursprünglich kein richtiger Gott, der demnach auch keine große Bedeutung zuvor in der Religion erfahren hatte. Amenophis ging noch weiter, er räumte Aton einen königlichen Titel ein. Gründe für den drastischen Bruch mit der Amunpriesterschaft waren deren Korruption und deren wachsende Macht und Einfluß auf den Pharao. Schon Amenophis III. hatte versucht, den Machtzuwachs einzudämmen, denn er hatte die Gefahr erkannt, die der Königsmacht drohte.

Durch diesen Bruch aber kam es zum Konflikt mit der Amunpriesterschaft. Sie faßten die Schließungen der Tempel und die folgende Enteignung als einen politischen Angriff auf, zudem waren die Tempelwirtschaften ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft: Von den Reichtümern und der Kriegsbeute, die in den Tempeln verwaltet wurden, hing die wirtschaftliche Kraft des Landes und die Existenz der einflußreichen Familien ab. Die Familien wiederum hatten wichtige Ämter des Staates in ihrer Hand und sahen ihre finanzielle Situation bedroht. Folge war ein Bruch in der Verwaltung. Die Beamten kündigten dem Pharao die Gefolgschaft. Amenophis IV. reagierte, indem er in die führenden Ämter des Staates ihm ergebene Mitarbeiter und Günstlinge einsetzte. Außerdem verlegte er seine Residenz in die neu gegründete Stadt Amarna, deren Name prägend für Amenophis‘ IV. Regierungszeit werden sollte. Mit der Gründung Amarnas und seinem Umzug änderte er gleichzeitig seinen Namen, um seiner Revolution Ausdruck zu verleihen: Achenaten bzw. Echnaton. Seine eingeleitete Revolution schloß er ab, indem er seinen Gott Aton von seiner Sonderstellung zum alleinigen Gott Ägyptens erhob. Das Amt des obersten Priesters gab er ab und ermöglichte so die Entstehung einer neuen Priesterkaste des Aton. Er fuhr mit der schrittweisen Unterdrückung der restlichen Götter Ägyptens fort und bald wurde aus der henotheistischen Lehre zum ersten Mal in der Geschichte eine monotheistische Lehre, was ihm auch den wenig ehrenvollen Namen „Ketzerkönig“ einbrachte. Aton selbst erfuhr nun eine neue Interpretation: er wurde neuer Weltschöpfer in der ägyptischen Weltanschauung und er offenbarte sich nur dem Pharao, also Echnaton. Dieser wurde nun als Pharao zu einer Art „Prophet“ des Aton. Echnatons Wort wurde so zur Richtschnur, er begründete die Sitten und Gesetze neu und erarbeitete eine neue Liturgie, ein Beispiel dafür ist sein Sonnengesang zu Ehren Atons. Natürlich blieb eine Übersteigerung des Kultes nicht aus, er entwickelte sich bisweilen soweit, daß die gesamte königliche Familie ihrer Göttlichkeit wegen angebetet wurde.

Echnaton begann zudem, noch verbliebene Götter regelrecht zu verfolgen und deren Namen auszulöschen, jedoch nicht die Lokalgötter. Dies führte dazu, daß der Atonkult nur in den höheren Kreisen der Gesellschaft verbreitet wurde, in der Bevölkerung blieb der Amunkult weiter verwurzelt. Offiziell ließ Echnaton den Amunkult völlig verbieten, denn ein Nebeneinander zweier Kulte war für ihn untragbar und unmöglich.

Daß das Reich trotz Echnatons Konzentration auf die Religion nicht in Desorganisation verfiel, ist einzig und allein der gut organisierten Verwaltung zu verdanken. Sie trug dennoch die Last der ägyptischen Angelegenheiten, denn Echnaton hatte alle Verantwortung für Außenpolitik und Diplomatie an seine Minister, Hofleute und Diplomaten abgegeben. Sie regierten Echnatons Ägypten. Es war allerdings nicht zu verhindern, daß durch die vernachlässigten Beziehungen zu den asiatischen Gebieten die ägyptische Herrschaft schwächer wurde. Die dortigen Agenten und Minister Ägyptens nutzten die Streitigkeiten der einheimischen Fürsten, um die Herrschaft einigermaßen aufrechtzuerhalten.

Dennoch herrschte außenpolitische Untätigkeit von seiten Ägyptens. Das hethitische Großreich bedrohte Ägyptens Bündnispartner Mitanni, die Hethiter erkannten jedoch vorerst die Vorherrschaft Ägyptens an. Konflikte entstanden erst, als vereinzelte syrische Fürsten, wie der Fürst von Kadesch, zu den Hethitern überliefen. Die Hethiter garantierten ihnen besseren Schutz und politische Beziehungen als Ägypten sie bot. Folge dessen war zweifellos eine Konfliktlage für Ägypten, doch militärische Schläge blieben aus.

Ein Höhepunkt Echnatons Regierung bzw. die seiner Minister war der Aufbau von Handelsbeziehungen zu weiter entfernten afrikanischen und asiatischen Ländern.

Unter Echnatons Ministern, Verwaltern und Diplomaten hatten sich zwei Persönlichkeiten durchgesetzt, die später noch von Bedeutung sein sollten: Minister Aja mit ziviler Autorität und General Haremhab mit der militärischen Macht. In den letzten Regierungsjahren ernannte Echnaton, er starb in seinem 16. Regierungsjahr, Semenchkare zu seinem Mitregenten. Dieser verfolgte bereits eine Politik der Aussöhnung mit der Priesterschaft des Amun, doch er starb bald nach seinem eigenen Regierungsantritt.

1.4. Tutanchamun

Tutanchamun - dieser Name steht für das paradoxe Bild eines für die Geschichte des Neuen Reiches eher unbedeutenden Pharaos, der jedoch durch seine prunkvolle Grabausstattung und Mumie zum glänzendsten Repräsentanten des altägyptischen Pharaonentums wurde.

Mit seiner Thronbesteigeung im Alter von neun Jahren, minderjährig, um überhaupt die Regierung des Landes in den Händen zu halten, wurde er zu einem Werkzeug seiner „Berater“ Aja und Haremhab. Durch sie beeinflußt, regierten sie durch ihn und verfolgten ihre Politik- und Restaurationsvorstellungen des Staates. Die Amarnazeit und ihre religiöse Revolution wurde beendet und versucht, vergessen zu machen. Im 3. Regierungsjahr des jungen Pharaos änderte dieser zur Verdeutlichung und Bestärkung der religiösen Restauration seinen Namen von Tutanchaton in Tutanchamun, ebenso seine junge Frau, dies geschah nicht ohne Druck der Amunpreisterschaft, die durch Haremhab auf Tutanchamun ihren Einfluß geltend machte.Eigentlicher Regent Ägyptens war Aja, denn als erfahrener Verwaltungsbeamter übernahm er alle innenpolitischen Angelegenheiten, während Haremhab sich hauptsächlich auf militärische Belange konzentrierte, Tutanchamun selbst als „Kinderkönig“ besaß keine Entscheidungsgewalt.

Die Priesterschaften erhielten ihren enteigneten Besitz und die mächtigen Reichtümer zurück und gelangten so wieder zu ihren Mitteln, im Hintergrund ihre weiter Macht zu vergrößern und zu stärken.

Außenpolitisch verfolgte Haremhab die Sicherung der Grenzen zu garantieren und versuchte zudem, wegen eines Konflikts mit den Hethitern, die ägyptische Vorherrschaft in den asiatischen Gebieten zu wahren, konnte jedoch keinen Erfolg erzielen.

Als Tutanchamun mit ca. 19 an einer Kopfverletzung starb, man geht inzwischen davon aus, daß Tutanchamun ermordet wurde, erlosch nur wenige Jahre später die 18. Dynastie, um einer neuen Phase des Neuen Reiches den Weg zu ebnen und Tutanchamun geriet in Vergessenheit.

Erst die Entdeckung des Grabes 1922 durch Howard Carter im Tal der Könige machte Tutanchamun so berühmt, daß er zu einem Sinnbild des alten Ägypten wurde.

Nach dem frühen Tod des jungen Pharaos stand Ägypten vor dem Problem der Nachfolge. Aja sicherte sich zunächst den Thron, indem er Tutanchamuns Frau heiratete. Doch seine Amtszeit war nur kurz und Haremhab folgte ihm auf den Thron. Sein Ziel war es, in Ägypten wieder die alte Ordnung herzustellen. Dies setzte er um durch den Erlaß von Gesetzen zum Schutz vor Machtmißbrauch durch Steuerbeamte, der Verwaltung oder Militär, wie es schon oft in Krisenzeiten vorgekommen war. Außerdem organisierte er die Tempelwirtschaften neu, indem er die Priesterschaft aus ehrwürdigen Mitgliedern des Militärs bildete. So hatte er eine gewisse Kontrolle über den neuen Klerus, da Haremhab selbst hoher Offizier des Militär gewesen war.

Noch immer waren die Folgen der Echnaton-Herrschaft spürbar, wieder versuchte Haremhab die Herrschaft über Palästina zu sichern und scheiterte erneut an der Überlegenheit der Hethiter bzw. an der aufständigen Bevölkerung.

Noch zu seinen Lebzeiten ernannte er seinen Wesir und Soldaten Ramses zu seinem Nachfolger, indem er ihm den Titel des Königssohns verlieh, obwohl Ramses nicht aus adligen Verhältnissen stammte. Nach seiner Niederlage gegen die Hethiter überließ er seinen Thron Ramses, der der Begründer der 19. Dynastie und der Ramessidenzeit wurde. Seine Aufgabe bestand nun darin, die Macht Ägyptens in Palästina zu festigen und Syrien wieder unter ägyptische Herrschaft zu bringen. Dies gelang ihm durch die Niederschlagung der aufständischen Bevölkerung in beiden Gebieten. Sein Ziel war es, das Reich in seiner vorigen Größe wiederherzustellen und vor äußeren Angriffen zu schützen. Sethos I. wurde schon sehr früh sein Mitregent, da Ramses I. schon im fortgeschrittenen Alter war, als er den Thron Ägyptens bestieg. Nach dessen Tod folgte ihm Sethos I. Durch eine engagierte Außenpolitik stellte er die Oberhoheit Ägyptens nach Niederschlagung weiterer Aufstände und Kämpfe in Palästina und Syrien wieder her. Dem folgte eine neue Blüte Ägyptens, begleitet von einer Kunst- und Kulturreife. Dennoch blieben auch in dieser Zeit die problematischen Beziehungen mit den Hethitern bestehen, so daß Kämpfe nicht ausbliebenö. Hinzu kamen nun Konflikte mit Libyern und einfallenden Stämmen in den nubischen Gebieten Ägyptens, die noch unter seinem Nachfolger anhielten.

1.5. Ramses II.

Als Ramses II. 1290 v. Chr. die Macht über Ägypten übernahm, hatte er bereits eine nicht zu verachtende militärische Laufbahn hinter sich. Schon früh wurde er als Hoffnungsträger der 19. Dynastie angesehen, und wurde deshalb durch seinen Vater Sethos I. intensiv auf das Amt des zukünftigen Pharaos vorbereitet. Als Mitregent wurde er in der Lenkung des Staates, der Wirtschaft und der Verwaltung unterwiesen. Zudem nahm er noch während der Regierungszeit Sethos I. an dessen Feldzügen nach Syrien teil, denn das hethitische Reich, dessen Herrschaftsgebiet sich nun bis Kadesch ausgebreitet hatte, stellte nun einen nicht zu unterschätzenden Gefahrenherd dar.

Doch erst unter Ramses II. Herrschaft kam es zu einer Entscheidung bezüglich der Streitigkeiten zwischen Ägypten und dem Hethiterreich. Durch die zunehmende ernste Bedrohung für Ägypten sah sich Ramses II. gezwungen, Feldzüge gegen den Feind im Norden zu unternehmen, die ihre Entscheidung in der Schlacht von Kadesch 1285 v. Chr. finden sollten. Das eigentliche Ziel beider Mächte war nicht nur die Bekämpfung der gegnerischen Macht sondern auch bzw. vor allem die Behauptung der Vormachtstellung in Syrien. Denn die Hethiter hatten bei ihrem Vordringen in syrisch-ägyptisches Gebiet bereits die mit Ägypten verbündeten Mitanni vernichtet und erreichten durch eine geschickte Diplomatie bezüglich der syrischen Vasallenfürsten deren Abfall von Ägypten. Ramses sah sich nun in eine unsichere Lage gedrängt.

Die Schlacht von Kadesch selbst brachte weder für die Hethiter noch für Ramses und Ägypten eindeutige Ergebnisse, auch von einem Sieg einer der beiden Parteien konnte nicht gesprochen werden. Alles, was diese Schlacht den beiden Streitmächten einbrachte, waren hohe Verluste.

Diese Einsicht veranlasste Ramses II., sich vorerst vom Kampfgebiet zurückzuziehen und ein kurzzeitiger Waffenstillstand wurde geschlossen. Dennoch blieben Zusammenstöße zwischen den ägyptischen und hethitischen Armeen nicht aus, doch dies auch ohne wirkliche Gewinne.

Frieden zwischen den beiden Streitmächten wurde erst 1270 v. Chr., im 21. Regierungsjahr Ramses II. geschlossen, in dem beide Parteien auf weitere Eroberungen und Angriffe verzichteten, die Hethiter somit die Kontrolle über den nördlichen Teil Syriens behielten und sich gegenseitiger Hilfe bei einem Angriff durch andere Mächte versicherten. Die Hethiter bekräftigten diesen Friedensvertrag, indem sie eine hethitische Königstochter an Ramses‘ Hof schickten und dieser sie zu einer seiner Hauptfrauen ernannte.

Doch durch diese langanhaltenden außenpolitischen Maßnahmen hatte die Innenpolitik erheblich gelitten, so daß Ramses nun sein Geschick auf die Stabilisierung der inneren Situation des Landes lenkte. Seine intensive Hinwendung zu großangelegten Bauvorhaben, v. a. die großen und imposanten Tempelanlagen trugen viel dazu bei, seine Popularität im Land zu steigern und sich so auch die Unterstützung der Priesterschaft zuzusichern. So baute er zum Beispiel die Tempel in Abydos, Theben und vor allem in Karnak weiter aus.

Doch man kommt nicht umhin zu sagen, daß diese Bautätigkeit in eine regelrechte Bauwut ausartete, denn die zahlreichen Tempel sollten vor allem dazu dienen, ihn zu ehren und seine Präsenz und Größe als Pharao zu repräsentieren. Am Besten kommt dies in Abu Simbel zur Geltung, da in nubischem Gebiet gelegen, in dem er so seine Anwesenheit und königliche Macht demonstrierte.

Neben seinen Bauvorhaben galt seine Sorge auch der Verwaltung, denn nur so konnte er den Wohlstand, Reichtum und Überfluß an Waren kontrollieren, die ihm und dem Land durch die vielen Feldzüge zugefallen waren. Seinen Beinamen „der Große“ trug er so nicht zu Unrecht, denn er sicherte die Stabilität und wirtschaftlich gute Situation des ägyptischen Reiches. Als er jedoch nach 67 Jahren Regierungszeit starb, hinterließ sein Tod regelrechte Hilflosigkeit im Lande und sein schon zu Lebzeiten eingesetzter Erbe Merenptah konnte nicht verhindern, daß diese mißliche Situation von den nun vordrängenden Libyern ausgenutzt wurde.

Merenptah gelang es trotz dessen, die Libyer vernichtend zu schlagen. Aber er konnte den Frieden mit den Hethitern nicht mehr aufrecht erhalten. Es kam zu zahlreichen Revolten, die der Pharao aber niederschlagen konnte. Nach seinem frühen Tod regierten noch einige andere Pharaonen Ägypten, dennoch waren ihre Regierungen so schwach, daß ein beginnender Verfall der königlichen Autorität nicht zu verhindern war. Mit Königin Tausret war der Untergang der 19. Dynastie nicht mehr zu verhindern. Nach ihrem Tod kam es zu heftigen Thronwirren, die 19. Dynastie verschwand und im Land brachen Unruhen aus. Diese Unruhen wurden erst durch Pharao Sethnacht, dem Begründer der 20. Dynastie, bewältigt. Ihm gelang es zudem, die ägyptische Großmacht wieder zu stärken und zu stabilisieren. Seine Amtszeit war nur kurz, ihm folgte sein Mitregent Ramses III. auf den ägyptischen Thron. Ihm gelang es, die königliche Autorität weiter zu festigen, er stabilisierte das Reich und brachte Nubien, das kurzzeitig von Ägypten abgefallen war, wieder unter ägyptische Herrschaft. Den ersten Konflikt, mit dem sich Ramses III. konfrontiert sah, war ein Einfall von Libyern in das westliche Delta, der schwere Verwüstungen nach sich zog. Ramses III. reagierte mit einem Feldzug, der sich zu einem Krieg gegen die Libyer ausweitete. Die Libyer wurden von ihm erfolgreich geschlagen und vertrieben, die Bedrohung jedoch war durch den Sieg Ägyptens nicht gebannt erst Jahre später wurden sie endgültig geschlagen. Um 1200 v. Chr. bahnte sich eine erneute Bedrohung an, diesmal durch die Seevölker, Nomaden aus Kleinasien und der Ägäis, die beabsichtigten, in Ägypten mit Hilfe gewaltsamer Mittel zu siedeln. Dies führte sogar soweit, daß sie das mächtige Hethiterreich stürzten und die phönikischen Besitzungen Ägyptens zerstörten. Ihr Weg nach Ägypten war von Verwüstungen geprägt, doch ihre Angriffe zu Land und zu See wurden von dem ägyptischen Heer vernichtend geschlagen.

Doch durch diese Kriege und Konflikte geriet das Land in eine wirtschaftliche Krise, da Kriege und Waffen große finanzielle Aufwendungen beanspruchten, die Lage des Volkes jedoch übergangen worden war. Unzufriedenheit im Volk breitete sich aus, die inneren Probleme im Reich nahmen zu; Instabilität war die Folge und schon ein Vorbote des Niedergangs des Neuen Reiches. Da Ramses seine Regierung gefährdet sah, versuchte er, durch zahlreiche Schenkungen königlichen Landes die Unterstützung der Priesterschaft zu erlangen, er gab zudem das Hohepriesteramt an die Amunpriesterschaft in Theben ab. Dadurch erlangte die Priesterschaft das für sie wichtigste Amt für die weitere Machtausdehnung der in der nachfolgenden Zeit überhaupt. Schon bald begannen die Hohepriester, die Macht des Königs zu untergraben und entwickelten sich so zu ernstzunehmenden Rivalen der Pharaonen. Als Ramses III. starb, war die Glanzzeit des alten Ägypten beendet. Mit seinen Nachfolgern sollte der politische und wirtschaftliche Verfall und der Niedergang des alten Reiches nicht mehr aufzuhalten sein. Mit Ramses IV. ging die Fernherrschaft über ägyptische Gebiete im Nahen Osten verloren, die Königsmacht begann mehr und mehr zu schwinden, während die Macht der Priesterschaft Thebens mehr und mehr wuchs. Bald wurde der Pharao abhängig von dem Einfluß der Hohepriester, die inzwischen die Verwaltung des königlichen Landbesitzes an sich gerissen hatten. Unter Ramses VII. kam es zu verstärkten Unruhen im Reich und erneut brach eine ernste Wirtschaftskrise aus. Erst Ramses IX. gelang es noch einmal, die alte Stabilität des Reiches wiederherzustellen. Seine intensive Innenpolitik Unterägyptens (Norden) hatte jedoch zur Folge, daß die Amunpriesterschaft, voran ihr Hohepriester Amenhotep, nun die Möglichkeit nutzte, ihre Macht auf den gesamten Süden des Landes auszudehnen. Amenhotep ging soweit, daß er das Vorrecht eines Herrschers beanspruchte und somit die Herrschaft eines Hohepriesters gleichsetzte mit der Herrschaft eines Pharao. Durch diesen enormen Machtzuwachs spitzte sich die Rivalität zwischen Pharao und Hohepriester weiter zu. Amenhotep begann, auch auf Nubien Anspruch zu erheben. Mit Ramses X. als Nachfolger auf dem Thron Ägyptens war der fortschreitende Verfall nicht mehr aufzuhalten, er verlor die Herrschaft über einige Nordwestregionen des Landes und die Herrschaft über Syrien. Die Regierungsgewalt des Pharao war so schwach geworden, daß unter Ramses XI. heftige Revolten und schließlich ein Bürgerkrieg ausbrach. Ramses XI. regierte nun nur noch den nördlichen Teil Ägyptens, der südliche Teil wurde ausschließlich durch Herihor, Nachfolger des Hohepriesters Amenhotep und Herrscher von Theben, regiert. Der Anspruch auf Nubien bestand immer noch, so daß Auseinandersetzungen zwischen Theben und Nubien nicht ausblieben. Diese Konflikte weiteten sich soweit aus, daß ein Krieg drohte, ein willkommener Anlaß für Ramses XI., die Macht der Amunpriesterschaft zu brechen. In diesem Krieg konnte Theben keine Ergebnisse für sich erzielen.

Herihor bestand dennoch weiter auf der Herrschaft über Nubien, neue Auseinandersetzungen mit dem nubischen Vizekönig waren die Folge. Dieser drang in ägyptisches Gebiet ein, wurde aber zurückgeschlagen. Nubien nutzte diesen Vorfall dennoch, um sich endgültig von Ägypten loszusagen. Die Parallelität von Ramses XI. und Herihor führte zu inneren Unruhen, die das Reich in einen Zustand der Spaltung versetzten. Herihor hatte nun die Kontrolle über den Klerus, die Beamtenschaft und das Heer im Süden erlangt. Ramses selbst hatte die Verantwortung über seinen verbliebenen Teil des Reiches auf die Beamten der Verwaltung abgewälzt und gab so das Reich dem unaufhaltsamen Verfall preis. Auch der thebanische Staat war schwach, denn er war wirtschaftlich im Nachteil. Nubien war verloren und nur der Nordteil des Landes wurde durch die Nähe zum Ausland, vor allem der Mittelmeerwelt, versorgt. Letztenendes versank Ägypten in wirtschaftlichem Ruin, es war nicht mehr zu verhindern, daß das ehemals so glanzvolle und mächtige Neue Reich in Ober- und Unterägypten auseinanderbrach und damit das Ende des Neuen Reiches besiegelt war. Nach dem Tod Ramses XI. erreichte die Amunpriesterschaft dennoch ihren Machthöhepunkt und errichtete von Theben aus einen „Gottesstaat des Amun“, der in der Realität jedoch eine militärische Diktatur war. Gott und Geistlichkeit dominierte in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Militär und Klerus und die regimetreue Verwaltung standen unter der Macht des Hohepriesters, der so die zwei einflußreichsten Mächte kontrollierte.

Im Delta hatte sich unbehelligt davon bereits eine neue 21. Dynastie gebildet, aus der Smendes I. als neuer Pharao Ägyptens hervorging, dieser stand jedoch völlig unter dem Einfluß des Gottesstaates. Mit ihm begann die dritte Zwischenzeit für Ägypten, dies nun gespalten in es die Reiche Tanis und Theben.

Erst den Pharaonen der 22. Dynastie sollte die Reichseinigung und dessen Stabilisierung gelingen. Doch seit dieser Zeit war Ägypten ein von Fremdherrschern regiertes Land und würde es vorerst auch bleiben. Das alte Ägypten der Pharaonen war mit Ramses XI. untergegangen.

2.1. GESELLSCHAFT UND STAAT

Im Neuen Reich bestand die Gesellschaftsstruktur weitgehend unverändert fort, wie sie in den Anfängen des Reiches entstanden war. Sie war immer noch streng strukturiert, aufgebaut auf dem Erbrecht, Rang, Ansehen und Beruf jedes einzelnen Ägypters. An der Spitze der Gesellschaft stand der Pharao, Regent mit der absoluten Autorität und politischen Macht in Ägypten. Demnach wurde der Staat mit dem König personifiziert, von dieser Auffassung leitete sich auch die Bezeichung des Königs ab; Pharao geht auf per- a’a >großes Haus< zurück. Als oberster Priester nahm er zudem als Oberhaupt des Klerus eine religiös-kultische Funktion ein, denn durch bestimmte Rituale war er verpflichtet, dem Land Wohlstand und Frieden zu garantieren. Oft jedoch überließ er diese Aufgaben den Priestern der jeweiligen Tempel. Daß die Monarchie, zentralisiert in der Person des Pharao, einen heiligen Charakter besaß, drückt sich in den fünf Namen des Königs aus: Der erste Name, sein Horusname, verdeutlichte die Rolle des Pharao als Inkarnation des Horus, der Name der Nebty, der zweite Name, drückte die Verpflichtung des Königs zum Schutz Ober- und Unterägyptens aus. Es folgte der Goldhorusname, die Identifizierung des Pharao mit der Sonne. Sein vierter Name war der Einheit Ägyptens gewidmet und der fünfte Name, der eigentliche Name des Pharao, schließlich betonte die Verbindung zwischen Pharao und Gott. Diese Namen machten ihn in der Hinsicht der Weltanschauung der Ägypter zu einem irdisch-halbgöttlichen Wesen auf Erden, der Pharao war der Vermittler zwischen Menschen und Göttern und betonte die Verbindung Ägyptens mit den Göttern.

Auch wenn der Pharao die einzigartige Stellung inne hatte, ein halbgöttliches Wesen zu sein, wurde seine Familie ebenso heilig angesehen. Die Königinnen gelangten zu Ansehen als eine der Hauptgemahlinnen des Pharao und durch die Geburt des Thronfolgers. Doch ihr Einfluß war größtenteils auf zeremonielle und religiöse Pflichten beschränkt, und wenn sie Einfluß gewannen, machten sie ihn oft nur im Verborgenen wirksam. Eine Königin rückte oft nur in den Vordergrund, wenn sie als Regentin für einen unmündigen König die Herrschaft über Ägypten übernahm. Das beste Beispiel hierfür ist Königin Hatschepsut oder Ahotep, Mutter des Ahmose I., dem Gründer des Neuen Reiches. Die Kinder des Königs wurden zusammen mit anderen Adligen bei Hof unterrichtet, oft im Ungewissen, ob sie jemals die Regentschaft des Landes übernehmen würden. Diese Entscheidund traf der Pharao persönlich. Erst mit dem Titel eines königlichen Erben bzw. einer Erbtochter war ersichtlich, wer die Thronfolge übernehmen würde.

Die gesamte Macht des Pharaos konnte jedoch nicht zur Wirkung kommen ohne eine straff organisierte Verwaltung. An dem Zustand der Verwaltung war es ersichtlich, wieviel Macht der Pharao im Staat besaß. Die Verwaltung war für den König das wichtigste Mittel für die Herrschaft über Ägypten. Zur Verwaltung gehörte der Adel mit den führenden Positionen bei Hof, er bildete so die privilegierte Oberschicht der Gesellschaft. Außerdem war es nicht ungewöhnlich, daß adlige Mitglieder an der Regierung des Landes beteiligt waren und zeitweise selbts, vor allem in Krisenzeiten des Landes, uneingeschränkte Macht besaßen. Dieser Oberschicht folgten die Beamten, ernannt durch den Pharao und eingeteilt in hochrangige Beamte, Schreiber und Gehilfen. Alle Beamte unterstanden dem Pharao direkt und erhielten dessen Anweisungen. Für das Rechtswesen und der Stadtverwaltung wurden zivile Beamte, für die Armee militärische Beamte und für religiöse Fragen die Priesterschaft eingesetzt. Die bedeutendste Kaste der Verwaltung war jedoch die der Schreiber. Sie waren die wichtigste Stütze, denn sie ermöglichten durch ihre Lese- und Schreibkundigkeit das Erfassen aller Verwaltungsvorgänge, Verträge und sonstiger Diplomatie, sie vermerkten die Ernteabgaben, Steuern und andere für den Staat wichtige Einkommen. Aus dieser Kaste wurde oft der Wesir gewählt, der als Chef der Regierung an der Spitze der Staatsbürokratie stand. Im Neuen Reich war es üblich, zwei Wesire zu wählen aus dem Grund der gegenseitigen Kontrolle und Machtteilung, um so eine Machtergreifung eines der Wesire zu verhindern. Zudem kam dem Wesir das Amt des obersten Richters zu, auch wenn der Pharao das Gesetz verkörperte. Verurteilt wurde nach dem Gewohnheitsrecht, wobei geringere Delikte durch weniger hochrangige Beamte verurteilt wurden.

Ganz Ägypten war gegliedert in Verwaltungseinheiten, sogenannte Gaue, die der Regierung direkt unterstanden. Diese administrativen und territorialen Einheiten wurden jeweils durch einen Nomarchen verwaltet. Die Nomarchen wurden allesamt vom Pharao ernannt, sehr oft stammten sie aus den adligen Kreisen der Gesellschaft und das Amt selbst wurde in den Familien weitervererbt. Als Repräsentant des Pharao lag in den Händen der Nomarchen eine nicht unbeträchtliche Macht. Ihre Aufgaben bestanden darin, die allgemeine Ordnung im Gau aufrecht zu erahlten, Recht zu sprechen, die Felder instand zu halten und die Ernteerträge sowie Abgaben der Bevölkerung zu überwachen. Durch die oftmals langen Verbindungen und die geographische Lage der Gaue setzte der Pharao sein ganzes Vertrauen in die Nomarchen, was die Regierung und Verwaltung betraf. Diese Situation konnte leicht dazu führen, daß dem Pharao in einigen Nomarchen Rivalen erwuchsen, die die Macht an sich rissen und sich vom Pharao lossagten, wenn Konflikte zwischen den Gauen und der Zentralmacht enstanden.

Trotz dieser Risiken war die Verwaltung unverzichtbar, wollte der Pharao die Kontrolle über das Land, die Vorräte, Rohstoffe, Warentransporte und Steuern behalten, denn nur so sicherte er die Stabilität des Landes und dessen Wohlstand.

Mit dem Neuen Reich enstand eine neue Kaste: das Berufsheer. Alle Angehörigen des Heeres stiegen in die gesellschaftliche Oberschicht auf, denn der Ruf eines Soldaten oder Offiziers brachte Anerkennung und Wertschätzung. Die Befehlsgewalt lag nun nicht mehr beim Pharaom, dieser hatte den Oberbefehl an einen Offizier seines Vertrauens abgegeben. Die Organisation und Struktur des Heeres ähnelte dem Aufbau der Verwaltung, das Heer wurde durch Schreiber geleitet und organisiert. Einige vertraute Offiziere der

Pharaonen sollten später selbst den Thron besteigen, so zum Beispiel Haremhab, Ramses I. oder Ramses II.

Neben dem etablierten Berufsheer entstand im Neuen Reich eine eigene staatliche Polizei, sie stand dennoch eher dem Pharao als eine Art Schutztruppe zu.

Eine besondere Stellungin der altägyptischen Gesellschaft nimmt die Priesterschaft ein. Zum einen war sie die zweite wichtige Machtstütze des Pharao, zum anderen grenzte sie sich stark gegenüber der restlichen Bevölkerung ab. Bestimmte Vorschriften mußten eingehalten werden, da sie in direktem Kontakt zu den Göttern standen. Sie unterschieden sich durch ihre Kleidung und Auftreten, von ihnen wurde ein untadeliger Lebenswandel und die Forderung, ihr Leben in den Dienst der Götter zu stellen, erwartet. Dies verbot ihnen nicht die Heirat und die Gründung einer Familie, im Gegenteil, so wurde der Tempeldienst an den Sohn weitervererbt.

Auch in der Priesterschaft herrschte eine strenge Hierarchie. An der Spitze stand der Hohepriester, er übernahm die rituellen Dienste des Pharao und war somit oberster Priester, neben dem Pharao. Im Neuen Reich kam es nicht selten vor, daß ein Hohepriester ohne besondere Fähigkeiten das Amte übernahm, z. B. Herihor war ein ehemaliger Offizier, der die Priesterschaft kurzerhand unter eine militärische Führung stellte. Dem Hohepriester folgten die Tempeldiener und Priestergehilfen. Sie sorgten für die Tempelverwaltung und übernahmen die alltäglichen Arbeiten im Tempel oder Heiligtum. Aber auch das Amt des Lehrers der Schreiber und die Leitung der Tempelschulen gehörte zu ihrem Aufgabenbereich. Die Tempelschulen waren ein wichitges Zentrum der Lehre und Schulung, denn Bildung war von Bedeutung, sie war der Schlüssel zur Macht. Vor allem die Fähigkeiten Lesen und Schreiben garantierten den gesellschaftlichen Aufstieg und Anerkennung. Die Möglichkeit, eine Tempelschule zu besuchen, war jedoch nur einer kleinen Minderheit vorbehalten, der adligen Oberschicht.

Die Tempelgesellschaft funktionierte selbst wie eine Verwaltung. Sie überwachte ihren Landbesitz selbst, sorgte für die Instandhaltung des Tempels, sicherte den Lebensunterhalt der Tempelbewohner und -bewirtschafter. Im Neuen Reich führten die Abgaben und Schenkungen an die Tempel zu deren Wachstum und Vergrößerung des Reichtums. So gewann die Priesterschaft zunehmend Einfluß auf den Pharao, dieser wiederum nutzte deren Gunst für die Unterstützung und Durchsetzung seiner Politik. Noch war die Priesterschaft von dem König abhängig, aber spätestens am Ende des Neuen Reiches hatte der an der Spitze stehende Hohepriester soviel Macht, diese Abhängigkeit zu durchbrechen. Durch die Größe der Tempelbezirke, z. B. Karnak mit 80.000 Mann im Dienst des Amuntempels, war es für den Klerus ein Leichtes, die Macht an sich zu reißen. Aber die Priesterschaft war auch Neuerungen unterworfen, das beste Beispiel war die Revolution des Echnaton. Die Rolle der Priesterschaft wird auch deutlich an der Götterverehrung: Nur die Priester hatten Zugang zu den Tempeln, dem Ort des Gottes. Nur wer rein war, durfte das Heiligtum betreten, der normalen Bevölkerung war es untersagt. Der Hohepriester hatte als einziger Priester, neben dem Pharao, das Privileg der Statuenverehrung. Er nahm auf Geheiß des Pharao die kultischen Handlungen vor. Dies hatte zwar Wirlkung auf die Bevölkerung, diese hielt sich jedoch an ihre eigenen Haus- und Lokalgötter, die für sie eher greifbar waren als ein „versteckter“ Gott, den sie nie oder nur selten zu Gesicht bekamen. Dieser Großteil der Bevölkerung bildete auch die Basis der ägyptischen Gesellschaft. Zu ihr gehörten Handwerker und die Bauern, größter Anteil der Bevölkerung. Diese Basis bildete die eigentliche Grundlage des Pharaonentums, denn von ihr stammt der Großteil steuerlicher Abgaben und wichtiger Güter für das Land. Die Landwirtschaft und Viehzucht lieferte die Grundnahrungsmittel wie Brot, Bier, Obst und Gemüse für die gesamte Bevölkerung. Weiterhin war durch die Gewinnung von Leinen die Textilversorgung garantiert und der Anbau von Papyrus und Binse stellte das Schreibmaterial zur Verfügung. Die Bauern und Handwerker lebten in Armut, dennoch ertragbar durch den Lebensstil der Ägypter, das Klima und die weitgehend unproblematische Bewirtschaftung des Landes. Den Bauern war keine richtige Freiheit garantiert, oft lebten sie in Teilleibeigenschaft der Adligen oder Tempel. Ihre Lage war zudem abhängig von den Überschwemmungen des Nils und den daraus resultierenden Ernten. Daraus erwuchs ihre Belastung durch Steuern und Ernteabgaben, die Kontrolle des Staates war so allgegenwärtig. Allzuoft wurden sie für die Bauunternehmen des Pharao verpflichtet, ihre Freiheiten noch mehr eingeschränkt. Auch die Handwerker durchlebten harte Zeiten, sie waren verpflichtet, vor Ort des Baugeschehens zu leben. Besitzlose und Ungelernte wurden in den Dienst des Staates gestellt, meist als niedere Gehilfen oder Aufseher.

Die starke Kluft zwischen arm und reich war erkennbar, auf der einen Seite stand die Armut und das beschwerliche Leben der Unterschicht und auf der anderen der Prunk und Reichtum der Oberschicht. In den Städten zeichnete sich dieses Bild immer öfter ab, bald gab es regelrecht abgegrenzte und abgeschnittene Stadtteile. Trotz des harten Lebens suchte die Bevölkerung Ausgleich in Festen und anderer Zerstreuung. Für die Unterschicht waren Fischfang und religiöse Feste typisch, seltener die Jagd, die zur Vergnügung den Adligen vorbehalten war. Auch Spiele waren nicht unüblich, sie besaßen oft religiösen Charakter. Dies zeigt die Vermischung zwischen täglichem Leben und Religion und betont die Bedeutung der Religion als einen wichtigen Bestandteil des täglichen Lebens. Mit den Expansionszügen und Kriegen während des Neuen Reiches kam eine neue Bevölkerungsschicht hinzu: Sklaven und Kriegsgefangene, diese waren jedoch unfrei und lebten in Leibeigenschaft der Adligen und Tempel.

Erwähnenswert in der ägyptischen Gesellschaft ist die Stellung der Frau. Im Gegensatz zu den anderen Mittelmeerstaaten dieser Zeit genoß sie große Autonomie, auch wenn sie dem Mann nachwievor untergeordnet war. Ihre Rechte und Freiheiten bestanden darin, daß sie erbberechtigt war, ihren Besitz selbst verwalten und über ihn verfügen konnte und daß sie eigenmächtig Verträge abschließen konnte. Weiterhin hatte sie das Recht auf gerichtlichen Beistand. Im beruflichen Leben jedoch waren ihre Möglichkeiten auf eher unbedeutende Berufe bschränkt. Zu Ansehen gelangte sie als Priesterin, Sängerin oder Tänzerin eines Göttinnentempels. Als Priesterin unterstand jedoch auch sie einem Hohepriester.

2.2. DIE KUNST DES NEUEN REICHES

Die Geschichte eines Landes beschränkt sich nicht nur auf die politischen Ereignisse, auch die kulturellen Entwicklungen lassen erkennen, in welchem Zustand ein Land sich befindet. Die Kunst ist ein unmittelbarer Ausdruck der Veränderungen eines Landes, so auch im Neuen Reich.

Als sich die Kunst im Neuen Reich wieder zu entfalten begann, wendete man sich zunächst den Stilen der vergangenen Epochen zu, nicht zuletzt durch die Periode der Hyksosbesetzung, unter der die Kunst den Einflüssen des fremden Volkes ausgesetzt gewesen war. Wendet man sich der ägyptischen Kunst zu, so fällt auf, daß in keiner Epoche Ägyptens berühmte Künstler auftraten. Der Grund dafür liegt darin, daß die Künstler zu jeder Zeit, so auch im Neuen Reich, einfache Handwerker waren und ihre aufgetragenen Arbeiten wie jeder andere Handwerker erfüllten. So sind die Kunstwerke namenlos geblieben, die Handwerker dieses Standes aber waren in der ägyptischen Gesellschaft dennoch hoch geschätzt, wenn sie sich an die traditionellen Ausführungen hielten, diese jedoch waren zu jeder Zeit abhängig von den gesellschaftlichen Werten und von der Lage des Landes.

Alle Werke waren zweckgebunden, d. h. sie wurden für religiöse Zwecke oder Repräsentationszwecke hergestellt, die war Ästhetik der Funktion untergeordnet.

Reliefs und Malerei verbunden mit Hieroglyphentexten eigneten sich hervorragend zur anschaulichen Darstellung von Kriegsberichten, Alltagsleben oder Preisungen einer Gottheit, Statuen sollten wichtige Personen ehren und die oft imposanten Bauwerke dienten zur Machtund Stärkedemonstration des Pharao.

Anfänglich dominierte in der Kunst des Neuen Reiches ein idealisierender, unrealistischer, unpersönlicher und bisweilen anonymer Stil die Darstellungsweise königlicher Personen, während sich in der profanen Kunst bereits die Darstellung der Persönlichkeit eines Individuums durchsetzte. Diese Neuerung zeigt die Entwicklung der ägyptischen Kunst innerhalb der traditionellen Formen. Dies führte soweit, daß die Künstler versuchten, in allen Formen der Kunst idealisiertes Bild mit realistischer Darstellung zu verbinden.

In der Zeit der Regierung Hatschepsuts beeinflußte deren Eleganz, der Luxus des Landes und die königliche Pracht den Kunststil. Unter ihrer Herrschaft gelangte die ägyptische Kunst zu ihrer elegantesten Ausprägung, die Statuen strahlen eine gewisse Milde, Sanftheit, Jugendlichkeit und Sinnlichkeit aus, eine Entwicklung, die in der Zeit des Amenophis III. einen weiteren Schritt erfuhr, die starke Durchsetzung individueller Züge der Personen. In der Malerei und Reliefkunst löste man sich von der Strenge und Unbewegtheit der Abbildungen, die Formensprache wurde abwechslungsreicher und die realistische Darstellung setzte sich immer weiter durch. Selbst die Architektur in Hatschepsuts Zeit, wie ihr Totentempel zeigt, war durch Eleganz und Erhabenheit beeinflußt.

Eine besondere Stellung in der Kunst des Neuen Reiches nimmt die Amarnakunst ein.

Auch sie war besonders funktionsgebunden, denn Echnaton versuchte mit ihrer Hilfe, seine Stellung und die religiöse Umwälzung zu manifestieren.

Charakteristisch für diesen Abschnitt sind weich fließende Linien, lebhafte Bewegungen, sehr naturalistische Darstellungen und eine deutliche Loslösung aus der Formenstrenge und Tradition, auch wenn einige Statuen eine gewisse Strenge behalten haben. Die Büste der Nofretete ist das berühmteste Beispiel der Amarnakunst, denn sie wirkt sehr realistisch, individuell und wie eine Momentaufnahme der Königin, sie vermittelt dennoch eine gewisse Strenge durch die symmetrischen Züge des Gesichtes. Die Reliefkunst der Amarnaperiode ist gekennzeichnet durch impressionistisch anmutende Momentaufnahmen, die durch gekonnt gesetzte Licht- und Schatteneffekte den Eindruck von Lebendigkeit vermitteln, eine Technik, die auch nach der Amarnaperiode beibehalten wurde.

Doch das eigentlich Neue der Amarnakunst waren die sich im Verlauf dieser Periode steigernden Verzerrungen und Übersteigerungen der Menschenabbildungen. Dies erklärt sich durch den Einfluß Echnatons auf die Kunst. Er allein gab nun die Kunstideale vor, was dazu führte, daß das favorisierte Menschenbild des Königs zur Richtschnur der Kunst wurde. Doch mit Echnatons Tod wurde diese Kunstvorstellung schnell verworfen.

Die Kunst der Nachamarnazeit behielt zwar die Lebendigkeit und Momentdarstellung bei, kehrte jedoch zu den Vorstellungen der Voramarnazeit zurück. Der Mensch wurde in klassischer Strenge und in gemessener Ruhe dargestellt, sowohl in der Malerei und im Relief als auch in der Plastik.

Die Entwicklung der Kleinkunst zu dieser Zeit ist an den prunkvollen Grabbeigaben des Tutanchamun zu erkennen. Es zeichnete sich bereits der filigran-bewegte und ornamentale Stil der Ramessidenzeit ab.

Mit der Gründung des Geschlechtes der Ramessiden setzte wiederum eine besondere Periode der Kunst ein, die sich jedoch nicht so extrem wie die der Amarnazeit hervorhob.

Die „ramessidische Renaissance“ strebte die Verbindung alter Tradition mit den neuen Errungenschaften der Kunst an. Dies prägte sich aus in der Verbindung weicher Linien mit dem strengen formalen Aufbau der frühen Kunst des Neuen Reiches mit einem starken Hang zur Monumentalität. Die Statuen wirkten streng, aber von der traditionellen Starrheit gelöst, gut erkennbar an den

Monumentalfiguren des Ramses II., ebenso die Architektur wurde von der Monumentalität beeinflußt. Ramses II. gibt mit seinen Tempeln in Karnak und Abu Simbel das beste Beispiel dafür. Doch nach Ramses II. litt die Kunst zunehmend unter den Krisen und der sich verschlechternden politischen Lage Ägyptens bis sie mit dem Zusammenbruch Ägyptens wieder einen ihrer Tiefpunkte erreichte.

2.3. LITERATUR

Neben der Kunst ist auch das literarische Leben als Teil der Kulturgeschichte für die Geschichte eines Landes aufschlußreich. Erwähnenswert für die Literatur des Neuen Reiches sind die religiösen Texte des Totenbuches und des Sonnengesangs des Echnaton, im epischen Bereich die verschiedensten Erzählungen z. B. die des Wenamun; in der Lyrik finden sich sehr häufig Liebesgedichte, hinzu kommen die zur Literatur zu zählenden Kriegsberichte der Pharaonen, niedergeschrieben auf zahlreichen Stelen.

Das Totenbuch:

Obwohl es die Texte des Totenbuchs schon lange vor dem Neuen Reich gab, da sie zum Teil aus den Pyramidentexten hervorgingen, kann man erst jetzt von einem „Buch“ sprechen, da die in Stein gemeißelten Texte nun auf Papyrus niedergeschrieben wurden und als Textsammlung für jeden Ägypter unentbehrlich waren. Diese Papyrussammlungen galten als der wichtigste Ratgeber und Wegweiser des Verstorbenen während seiner Reise ins Jenseits, doch einige Textstellen bzw. Sprüche mußten schon während des Begräbnisses zitiert werden, so auch folgende:

„Hier beginnen die Kapitel

Die die Reise der Seele

In die hellen Lichter des Tages erzählen, Eine Wiederauferstehung im Geiste, Seinen Eintritt und seine Reisen In den Regionen des Jenseits.

Dies sind die Worte, die man aufsagen muß Am Tage des Begräbnisses,

Im Augenblick, wenn vom Körper getrennt Die Seele der Welten des Jenseits betritt.

[...]“)1

Aber das doch wichtigste Anliegen des Totenbuches war es, dem Verstorbenen das Bestehen vor dem Totengericht zu garantieren. Vor dem Totengericht, in der Halle der Maat - der absoluten Wahrheit

- mußte sich der Verstorbene von allen seinen negativen Handlungen lossagen und seine Rechtschaffenheit beweisen:

„Gruß dir, du Größter Gott, Herr der Vollständigen Wahrheit!

Ich bin zu dir gekommen, mein Herr,

Ich bin geholt worden, um deine Vollkommenheit zu schauen.

Ich kenne dich, und ich kenne deinen Namen, Ich kenne die Namen dieser 42 Götter, Die mit dir sind in dieser Halle der Vollständigen Wahrheit,

Die von denen leben, die zum Bösen gehören. Und sich von ihrem Blut nähren

An jenem Tag, an dem Rechenschaft abgelegt wird vor

Osiris.

[...]

Ich habe kein Unrecht gegen Menschen begangen,

Ich habe keine Tiere mißhandelt.

Ich habe nichts Böses an Stelle von Recht getan. Ich kenne nicht, was es nicht gibt,

Und ich habe nichts Böses erblickt.

[...]

Ich habe nicht Schmerz zugefügt und hungern lassen,

Ich habe keine Tränen verursacht. Ich habe nicht getötet,

Und ich habe nicht zu töten befohlen; Niemandem habe ich ein Leid angetan.

[...]

Ich bin rein, ich bin rein, Ich bin rein, ich bin rein!

(...)“)2

Ein weiterer religiöser Text ist der liturgische und sehr bildreiche Gesang zu Ehren des Gottes Aton, von Echnaton (wahrscheinlich) selbst verfasst, bekannt als der „Sonnengesang“ des Echnaton. In dieser Hymne wird das Weltbild Echnatons deutlich und soll gleichzeitig seine Rolle als personifizierter Gott als Sohn des Aton verstärken.

„Schön strahlst Du im Horizonte des Himmels, Du lebendiger Aton, Du Anfang des Lebens.

Wenn Du am Osthorizont aufgegangen bist,

Dann erfüllst Du jedes Land mit Deiner Vollkommenheit. Du bist schön und groß, licht und hoch über jedem Lande. Deine Strahlen umarmen die Länder bis ans Ende Deiner ganzen Schöpfung ...

Bist Du selbst auch fern, so sind Deine Strahlen doch auf Erden.

Obwohl Du auf der Menschen Antlitz scheinst, ist Dein Lauf unerforschlich.

Hell wird die Erde, denn Du bist aufgegangen am Horizont.

Du erstrahlst als Aton am Tage.

Du vertreibst das Dunkel und schenkst Deine Strahlen ... Die Menschen sind erwacht und stehen auf den Füßen, Denn Du hast sie aufgerichtet.

Du hast die Erde erschaffen nach Deinem Wunsch, Du allein

Mit Menschen, Vieh und allem Wild,

Alles, was auf der Erde ist und auf Füßen läuft, Was in der Luft ist und mit Flügeln fliegt,

Und die Fremdländer Syrien und Nubien und das Land Ägypten.

(...)

Du schaffst den Nil in der Unterwelt

Und bringst ihn herauf nach Deinem Belieben,

Um die Menschen am Leben zu erhalten, wie Du sie geschaffen hast.

Du bist ihrer aller Herr, der sich abmüht mit ihnen, Du Herr aller Lande, der aufgeht für sie. Du Sonne des Tages von großer Hoheit! ...

[...]

Du läßt die Welt erstehen für Deinen Sohn, Der aus Deinem Leib hervorgegangen ist,

Den König von Ober- und Unterägypten ... Echnaton.“)3

Wie schon erwähnt, existierten neben der religiösen Literatur Erzählungen und Gedichte.

Eine bekannte Erzählung ist der Bericht des Wenamun in der späten Periode des Neuen Reiches.

Dieser war als Bote des Hohepriesters von Theben und Gottesstaates des Amun nach Byblos geschickt worden, um Holz für den Bau einer Barke zu Ehren des Amun-Re zu besorgen. Auf der Reise wurde ihm jedoch alles Geld gestohlen und Wenamun versuchte nun, ohne Geld das nötige Holz zu bekommen. Dies war jedoch unmöglich auch wenn der König von Byblos beteuerte, daß Amun zwar ein mächtiger Gott und Ägypten Mittelpunkt der Kultur sei, aber ohne Geld der Erwerb von Holz nicht möglich sei. Nachdem Wenamun einen Boten zurück nach Ägypten geschickt hatte, um das notwendige Holz zu bezahlen, konnte er seine Heimreise antreten. Wenamuns Bericht verdeutlicht, daß mit dem Niedergang des Neuen Reiches die ägyptische Herrschaft und dessen Ansehen in den Nachbarländern nicht mehr von Bedeutung waren und es im Begriff war, völlig unbedeutend als Land zu werden. Zum einen lag es an dem unaufhaltsamen Niedergang, aber auch an der erstarkenden

Macht der Assyrer, die in der Mittelmeerwelt ihren Einfluß vergrößerten.)4

Abschließen möchte ich dieses Kapitel mit einem schwärmerischen Gedicht zu Ehren der weiblichen Grazie, die in Ägypten schon immer hoch geschätzt war, wie das Gedicht aus der Amarnazeit zeigt:

„Sie gleicht dem aufgehenden Morgenstern

Zu Beginn eines glücklichen Jahres,

Von schimmerndem Glanz und heller Haut, Lieblich der Blick ihrer Augen,

Süß die Sprache ihrer Lippen ...

Anmutig schreitet sie dahin,

Betört mein Herz mit ihrem Gang,

Ihretwegen drehen sich alle Männer um Und recken die Hälse,

Der Glückliche, der sie umarmt!

Er ist am höchsten geadelt unter den Männern!“)5

2.4. RELIGION UND TOTENKULT

Wie schon in einigen Kapiteln vorher erwähnt, spielte die Religion eine zentrale Rolle im Leben jedes Ägypters. Sie war deshalb so einflußreich, da sie die Erwartung auf ein Leben im Jenseits garantierte. Durch den Glauben an die Fähigkeiten der Götter und dem Befolgen religiöser Regeln sollte es einem jeden Ägypter möglich sein, im Jenseits sein Leben weiterzuführen ohne die Angst um sein Seelenheil.

Nur die wichtigsten Regeln, tugendhaftes Leben, Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit, wurden der Bevölkerung gelehrt, das eigentliche kultische Wissen lag nur bei einer kleinen Zahl der Priester, denen die genauen theologischen Überzeugungen bekannt waren. Für das Neue Reich ist der starke Amunkult charakteristisch; Amun selbst war zu Beginn der religiösen Entwicklung Ägyptens ein Lokalgott der Stadt Theben gewesen, der wie einige andere Götter auch durch die Kämpfe und Umwälzungen, die die religiöse Welt nicht ausließen, nach und nach zu einem bedeutenden Hochgott Ägyptens aufstieg. In den Prozessen der religiösen Entwicklung bildeten sich Götterfamilien, unter anderem die Triade Osiris - Isis - Horus, aber auch Verschmelzungen zwischen zwei Gottheiten fanden statt, wodurch sich die Eigenschaften mehrerer Götter in einem Gott vereinigten, die durchaus im Widerspruch zueinander stehen konnten, so z. B. die Göttin Hathor, die einerseits die Schützerin aller Mütter war aber durchaus als eine Art Rachegöttin des Sonnengottes Verderben über Land und Leute bringen konnte. Durch die Beziehungen, in der die Götter untereinander standen, versuchten die Priester die Überlegenheit eines Gottes zu untermauern, doch durch die unterschiedlichsten Kulte war dies nahezu unmöglich, was zum typischen Polytheismus der ägyptischen Religion führte.

Das Ergebnis waren die verschiedensten Lokalgötter, Hausgötter und Hochgötter. Die Lokalgötter gehörten ursprünglich zu jeder wichtigen Stadt und waren an regionale Heiligtümer gebunden, die Hochgötter waren für den regierenden Pharao von großer Bedeutung, denn mit Hilfe dieser Götter war er für das Schicksal des Reiches und seiner Ordnung verantwortlich. Dies spiegelte sich wider in seinem Anspruch, Sohn des Re zu sein und sein Horusname sollte verdeutlichen, daß er als Pharao unter dem Schutz des Horus stand. Beide Götter waren zudem Teil des ägyptischen Weltbildes, in dem der Sonnenkult ein wichtiges Element darstellte.

Als im Neuen Reich der Gott Re mit Amun, dessen Kult und Priesterschaft immer einflußreicher im Land aund auf den Pharao wurden, verschmolz, übernahm Amun dessen Eigenschaften. Die Stellung Amuns als der Sonnengott im Neuen Reich schlechthin konnte auch durch Echnaton nicht gefährdet werden. Amun wurde zu Gunsten Atons verdrängt, der nach Echnatons Auffassung die einzige Erscheinung der Sonne darstellte und einziger Gott Ägyptens sein sollte. Echnaton ging sogar soweit, die Person des Pharaos mit der obersten Gottheit gleichzusetzen, denn als göttliches Wesen sollte es irdischen Rivalen unmöglich sein, seine Stellung anzuzweifeln.

Trotz Verbot und Verfolgung des mächtigen Amunkultes war der angestrebte Monotheismus sehr beschränkt, so daß nach Echnatons Tod der Amunkult ohne Machteinbuße wieder eingesetzt wurde und in seiner Stellung zusätzlich gestärkt wurde.

Doch neben Amun und Horus gab es noch Hochgötter wie Hathor und Maat, die für den Pharao bedeutend waren. Maat verkörperte das Prinzip der Ordnung und Harmonie, das der Pharao durch seine Regierung zu gewährleisten hatte.

Betrachtet man die ägyptische Religion genauer, fällt auf, daß die mächtigen Hochgötter hauptsächlich für den Pharao und die Priester von Bedeutung waren. Die Bevölkerung hielt sich mehr an kleinere Götter, die für die jeweilige Region typisch waren, so z. B. Bastet, Sobek oder Thot, deren Verehrung eher monotheistisch anmutete. Die Bevölkerung konnte nicht viel mit den gerühmten Hochgöttern anfangen, deren göttliche Fähigkeiten für die Bevölkerung oft nicht von Nutzen waren. Deshalb bevorzugten die einfachen Bürger die vielen Hausgötter, die von alten Totemsymbolen abgeleitet wurden bzw. auf dem Aberglauben an heilige Tiere basierte, so z. B. Bes, ein zwergenhafter Gnom, der Schutzherr der Schwangeren und Neugeborenen. Diese Hausgötter garantierten, so der Glaube, mehr Schutz als Amun, der Sonnengott.

In einer Beziehung jedoch waren Pharaonen und die Bevölkerung gleicher Meinung: im Glauben an die Unsterblichkeit. Jeder Ägypter wurde von Osiris vor dem Eintritt ins Jenseits gerichtet. Sein Urteil richtete sich nach der Lebensführung und Rechtschaffenheit des Einzelnen.

Osiris als Gott der Unterwelt war das Sinnbild für die Verbindung von Gott und irdischer Welt, denn laut einer Legende lehrte Osiris den Ägyptern als erster Pharao die Rechtsordnung und Götterverehrung, wurde aber aus Neid seines Bruders Seth getötet. Seine Frau Isis fand Osiris, doch Seth entführte seinen Leichnam und zerstückelte ihn. Doch wieder fand Isis die Stücke und setzte sie zusammen. Es entstand die erste Mumie, dies erklärt auch das Erscheinungsbild des Osiris als Pharao in Mumiengestalt. So gelangte Osiris in die Unterwelt und wurde deren Gottheit. Isis wurde das Idealbild der ägyptischen Frau und Schützerin der Kinder und Seth Symbol für Negatives.

Wie schon erwähnt, mußte jeder Ägypter von Osiris gerichtet werden.

Dies erfolgte vor dem Totengericht, eine Art „Jüngstes Gericht“, vor dem der Verstorbene ob seiner Lebensweise geprüft wurde. Seine Seele wurde mit der Feder der Maat - die Wahrheit - aufgewogen, bestand er diese Prüfung, war sein Weg in das Jenseits und Paradies, das „Gefilde der Seeligen“, geebnet. Scheiterte er jedoch, starb er den „zweiten Tod“ und seine Seele war für ewig verloren. Um diesem Schicksal zu entgehen, suchte der Verstorbene Unterstützung im Totenbuch.

Doch nicht nur seine Seele mußte bestehen und gewahrt werden, auch sein Körper mußte erhalten werden. Denn der Körper als sterbliche Hülle galt als wichtiges „Gehäuse“ für das Weiterleben im Jenseits. Zu diesem Totenkult gehörte die Mumifizierung, bei der dem Verstorbenen die inneren Organe entfernt und in Kanopen aufbewahrt wurden. Diese Prozedur wurde von einem Priester in Gestalt des Gottes Anubis überwacht, der zum Schutz der Seele des Toten Zauberformeln sprach.

Es folgte der Wasserentzug des Körpers, um diesen für die Ewigkeit haltbar zu machen. Abschließend wurde der Verstorbene, wieder unter Aufsicht des Priesters, in Leinen gewickelt, oft unter Einbindung schützender Amulette, und erhielt eine Totenmaske. Auch sein Sarkophag war von Bedeutung, er fungierte als eine Art Schutzschild und „ewiges Haus“ für den Toten.

Während des Begräbnisses in einer Nekropole oder Königsgrab wurde die rituelle Mundöffnung an der Mumie vollzogen, die es dem Verstorbenen ermöglichen sollte, alle Fähigkeiten wiederzuerlangen und in der Ewigkeit wiedergeboren zu werden. Damit es ihm an nichts mangelte, erhielt er als Grabbeigaben seinen Hausrat samt Möbeln und die sogenannten Uschebti, mumienförmige Gestalten, die im Jenseits anfallende Arbeiten für ihn erledigen sollten.

So aufwendig der Totenkult auch gewesen sein mag, man kommt jedoch nicht umhin zu sagen, daß auch im Jenseits Klassenunterschiede herrschten, denn das Begräbnis und die Ausstattung mit Grabbeigaben war von den finanziellen Mitteln des Verstorbenen abhängig.

3. SCHRIFTENTWICKLUNG

Auch wenn die Schriftentwicklung im Alten Ägypten keine direkte Verbindung zur Geschichte Ägyptens besitzt, ist sie es dennoch wert, Erwähnung zu finden, denn nichts ist enger mit Ägypten verknüpft als die Hieroglyphen, für viele Menschen heute noch ein großes Rätsel, daß nur wenige entziffern können. Denn mit der fortschreitenden Entwicklung der ägyptischen Schrift im Laufe der Epochen des ägyptischen Reiches ging nach und nach das Wissen um die Bedeutung der Schriftzeichen verloren.

3.1. Die Hieroglyphen

Die Hieroglyphen entstanden etwa zur Zeit der ersten Einigung des ägyptischen Gebietes ca. 3100 v. Chr. Als sprichwörtlich „heilige Zeichen“ wurden sie für alle Arten heiliger Texte an Tempelwänden, Stelen oder Gräbern als gemeißelte Schrift genutzt bis ca. 700 v. Chr. Für die Entwicklung der ägyptischen Schrift bilden die Hieroglyphen die Grundlage.

Die Schriftzeichen unterscheiden sich in drei Gruppen: Piktogramme, Phonogramme und Ideogramme.

Die Piktogramme sind alle die Symbole, die für sichtbare und wörtlich gemeinte Begriffe stehen, das dargestellte Bild entspricht dem Wort. Diese Bilde waren nicht veränderbar und behielten ihre feststehende Bedeutung in Wortverbindungen.

Doch eine Schrift, die sich nur auf optisch fassbare Dinge beschränkte, war nicht ausreichend, deshalb wurden die sogenannten Ideogramme ergänzend genutzt. Sie beschrieben eine Tätigkeit oder Eigenschaft und wurden so im übertragenen Sinn gebraucht.

Doch auch dies beschränkte noch die Ausdrucksmöglichkeiten, es wurden also noch Zeichen benötigt, die weder einen Gegenstand darstellten oder eine Tätigkeit beschrieben.

Dies sind die Phonogramme, bei der das dargestellte Bild nicht von Bedeutung ist, sondern der Klang. Dies entwickelte sich soweit, daß man mit dem gleichen Zeichen verschiedene Wörter ausdrücken konnte, da der Klang das entscheidende Unterscheidungsmerkmal war und nicht mehr, ob der Inhalt des Wortes sichtbar oder darstellbar war. Auch Vokale wurden nicht berücksichtigt. Oft wurde mit Zusatzzeichen (Determinanten) eine eventuelle Verwechslung gänzlich ausgeschlossen.

3.2. Die weitere Entwicklung

Neben den Hieroglyphen setzte mit der 2. Dynastie die Entstehung einer zweiten Schriftart ein. Das Hieratisch als nun richtige Handschrift bediente sich der Hieroglyphen, die Nutzung von Tinte und Pinsel zum Schreiben ermöglichte nun jedoch, schneller anfallende Texte niederzuschreiben, was von großer Bedeutung für die Verwaltung des Landes war. Die Korrespondenz im Land innerhalb der Gaue wurde nun erheblich beschleunigt und vereinfacht, auch Weisungen des Pharao konnten nun schneller erfüllt werden.

Folge dieser schnelleren Schreibweise war die Verkürzung und Verwischung der Hieroglyphen, in manchen Fällen so stark, daß einige Zeichen völlig geändert wurden und ihren Bildcharakter verloren.

Es setzte eine eigene Entwicklung des Hieratisch ein, so daß in Oberägypten das abnormale Hieratisch vorherrschte, welches bis zur 27. Dynastie (ca. 525 v. Chr.) genutzt wurde; in Unterägypten jedoch entwickelte sich aus dem Hieratisch das Demotisch, daß noch stärker als das Hieratisch von den eigentlichen Hieroglyphen abwich und kein bzw. nur sehr schwer ein Bezug zu den ursprünglichen Hieroglyphen hergestellt werden konnte.

Auch diese Schrift wurde wiederum nur in der Verwaltung genutzt bis ca. 470 n. Chr., das alte Hieratisch löste nun die Hieroglyphen für die Schreibung religiöser Texte ab.

Es ist anzumerken, daß alle Schriften nicht für die Nutzung des Volkes zugänglich gemacht wurden, doch da dies zum großen Teil nicht schreibkundig war, hätte eine „Volksschrift“ nicht viel Erfolg gehabt.

Durch die wechselnde Besetzung Ägyptens in der Spätzeit, vor allem die griechische Besatzung, wurden die alten Schriften zunehmend durch das Griechisch ersetzt, das in diesen Zeiten offizielle Verwaltungssprache wurde. Eine besondere Form ist hier das Koptisch zu nennen. Ägyptische Christen versuchten, mittels griechischer Buchstaben die alte ägyptische Sprache niederzuschreiben, was sich wiederum nur auf religiöse Texte beschränkte.

All dies führte dazu, daß die Kenntnis für das Schreiben und Lesen der Hieroglyphen allmählich verlorenging und mit der Eroberung Ägyptens durch den Islam und der Verbreitung der arabischen Schrift war das Wissen um sie endgültig verloren.

Erst mit dem Fund des Steines von Rosette bei Napoleons Expedition in Ägypten konnte Champollion 1822 die Hieroglyphen wieder entziffern und löste so mehr oder weniger die abenteuerliche Erschließung der ägyptischen Vergangenheit aus.

4. Zusammenfassung

Betrachtet man die geschichtliche Entwicklung Ägyptens während des Zeitraumes des Neuen Reiches, sind drei verschiedene Phasen der Entwicklung erkennbar.

Die erste Phase reichte von Beginn des Neuen Reiches, ca. 1570 v. Chr. bis zum Ende der Regierung des Thutmosis III., ca. 1450 v. Chr. Kennzeichnend für diese Phase waren der Aufbau Ägyptens bis zu dessen Aufstieg als Weltmacht der damaligen Welt. Unbestritten gab Ahmose I. mit seinem Drang nach Expansion des ägyptischen Reiches als Reaktion auf die Hyksosbesetzung den Anstoß zu dieser Entwicklung. Im Zuge dieses Expansionsbestrebens erhielten die Gebiete Syriens und Palästinas die größte Bedeutung für Ägypten und behielten diese auch während der gesamten Dauer des Neuen Reiches, da sie die Voraussetzung zur Eroberung asiatischer Gebiete darstellten. Auch wenn das Hauptaugenmerk der ersten Pharaonen hauptsächlich auf der Gebietsausdehnung lag, überwanden sie gleichzeitig die jahrhundertelange Isolation des Ägyptens der vorangegangenen Epochen. Den Höhepunkt des gesamten Expansionsstrebens des frühen Neuen Reiches erreichte Thutmosis III., der das Reich bis zum Euphrat und in den Sudan auszudehnen vermochte. Diese enormen Ausdehnungen förderten die wirtschaftlich gute Situation, deren Grundlagen vor allem der Hatschepsut zu verdanken waren, die mit friedlicher Politik die ertragreichsten Handelsbündnisse aufbauen konnte. Mit Thutmosis III. zeigten sich jedoch schon die ersten Grenzen der ägyptischen Macht, denn die Verwaltung des riesigen Territoriums bereitete große Probleme und diese konnten nie ganz gelöst werden. Trotz des Wohlstandes und Reichtumes zeichnete sich hier schon die folgende Problematik anhaltender Revolten der syrischen und palästinensischen Bevölkerung ab, denen diese Probleme nicht verborgen blieben.

Auch entwickelten sich nun neben Ägypten andere Reiche wie die Mitanni und wenig später die Hethiter, die mit ihrem Erstarken und ebenfalls drängendem Willen nach Expansion Ägypten den Rang einer Weltmacht streitig machten. Dies war vor allem charakteristisch für die zweite Phase des Neuen Reiches nach 1450 v. Chr. Außenpolitisch war Ägypten mit Konflikten der neu entstandenen Reiche beschäftigt, innenpolitisch versuchten die Pharaonen die bestehende Situation aufrecht zu erhalten. Die Anfälligkeit des ägyptischen Gebietes und die damit verbundenen

Verwaltungsprobleme führten zu beginnenden Machteinbußen, denn die Pharaonen und ägyptischen Verwaltungen sahen sich außerstande, die Kontrolle zufriedenstellend in den syrischen und palästinensischen Gebieten aufrecht zu erhalten. Die Vermutung liegt nahe, daß man zwar auf Gebietsgewinne aus war, aber dabei völlig außer Acht gelassen hatte, wie ein solches Gebiet zu verwalten werden mußte, ohne daß Gefahr durch Revolten oder ähnliche Vorfälle bestand. Da dies nicht erfolgt war, verloren die Pharaonen bis einschließlich Echnaton die Autorität über syrisch- palästinensisches Gebiet, wobei unter Echnaton die extremste Entwicklung (im negativen Sinne) erfolgte. Seine völlige politische Untätigkeit nutzten die Hethiter, um syrische Fürsten zu gewinnen und Ägypten somit Gebiete streitig zu machen. Allein dies zeugte schon vom beginnenden Niedergang Ägyptens als Weltmacht und als Land, doch mit den Regierungen des Ramses I. bis Ramses II. trat vorübergehend eine Stabilisierung und Erholung der Situation ein. Syrien und Palästina wurden als ägyptische Provinzen erhalten, blieben aber als Streitfall zwischen Ägypten und den Hethitern bestehen. Selbst die Schlacht von Kadesch konnte von Ramses II. nicht entschieden gewonnen werden, es stand nun fest, daß eine Gebietsausdehnung wie unter Thutmosis III. nicht mehr zu erreichen war. Auch zeichneten sich zunehmend innenpolitische Gefahren durch die Amunpriesterschaft ab. Schon unter Hatschepsut hatte diese an Bedeutung gewonnen, da durch zahlreiche Schenkungen finanzieller und territorialer Art die Macht der Priesterschaft gestärkt wurde. Zahlreiche Bauwerke zu Ehren des Amun zeigten den Willen der Pharaonen, sich in der Priesterschaft einen Garanten und eine Stütze der pharaonischen Macht zu sichern. Die Hohepriester nutzten den Reichtum und ihr Amt geschickt, um den Einfluß der Priesterschaft auf den Pharao zu stärken, und selbst Echnatons religiöse Revolution konnte dieses Bestreben nicht schmälern, im Gegenteil, die Macht der Priester wurde bestärkt.

Nach dem Tod des Ramses II. ca. 1237 v. Chr. begann die dritte Phase des Neuen Reiches, die Phase des Niedergangs und Zerfalls. Die Pharaonen nach Ramses II. verloren mehr und mehr Macht inund außerhalb Ägyptens. Die Priesterschaften machten der pharaonischen Macht zu schaffen und auch der

Stabilisierungsversuch des Ramses III. konnte Ägyptens Niedergang nicht mehr aufhalten. Er verhinderte zwar vorerst Einfälle der Libyer und der Seevölker 1182 v. Chr., doch ihr oftmals weites Vordringen in ägyptisches Gebiet zeigte die Wehrlosigkeit und Destabilisierung des Neuen Reiches. Nach ihm ging Ägypten seinem endgültigen und unaufhaltsamen Niedergang entgegen. Wirtschaftlicher Ruin führte zu heftigen inneren Unruhen, zunehmende außenpolitische Verluste führten zu derartiger Bedrängnis der Pharaonen, daß ein Zusammenbruch ihrer Macht nicht mehr vermeidbar war. Die Situation verlangte Lösungen, doch die Pharaonen hatten ihre Macht verloren und lagen im Streit mit den Priesterschaften. Seit Ramses III. hatten die Hohepriester mehr und mehr die Macht des Pharao untergraben und stellten nun Rivalen in der Machtausübung in Ägypten dar. Die Macht der Hohepriester hatte sich von Theben aus über das gesamte südliche Ägypten ausgedehnt, die pharaonische Macht bestand nur noch im nördlichen Teil des Landes. Diese Parallelität der Autoritäten führte unweigerlich zu Spannungen und das Ergebnis war der totale Verfall des Landes, wirtschaftlich wie politisch und eine Spaltung in ein Ober- und Unterägypten war nicht mehr aufzuhalten. Die Existenz des Neuen Reiches endete ca. 1070 v. Chr. mit dem Beginn der dritten Zwischenzeit.

38 von 39 Seiten

Details

Titel
Das Alte Ägypten - Das Neue Reich
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
39
Katalognummer
V96955
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Hausarbeit, die sich neben der geschichtlichen Entwicklung des Neuen Reiches des Alten Ägypten auch mit kulturellen Aspekten dieser Zeit beschäftigt
Schlagworte
Ägypten, Neues Reich
Arbeit zitieren
Jana Grusser (Autor), 2000, Das Alte Ägypten - Das Neue Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96955

Kommentare

  • Gast am 28.3.2001

    hmm.

    naja was das soll wes ich nicht aber is net so gut gelungen !

  • Gast am 30.8.2001

    -.

    Bin ja der Meinung,sie hat große Ahnung vom Behandelten...-Gute Leist-
    ung,aber viel zu lange-Vortragsdauer über 45 min...

  • Gast am 18.3.2002

    Schade.

    Also, wenn ich ehrlich bin, dann halte ich diese Arbeit für einer Schul- Facharbeit unwürdig - v.a., wenn sie mit 15 (!!!) Punkten bewertet wurde.
    1) Die Darstellungen zu den Pharaonen ähneln in ihrer Art und Weise der RTL-Produktion "Cleopatra" (oder wars SAT.1?). Wie bitte ist es wissenschaftlich zu belegen, dass Hatschepsut "ehrgeizig" oder "eigenmächtig" war und "Intrigen" plante? Gar nicht! Es wäre angebracht, sich an historische Quellen zu halten - die zum Thema Ägypten meist besonders sachlich gehalten sind, eben um ein solches "buntes Bild" zu vermeiden. Die Ausführungen sind viel zu extrem Deutungen und keine belegbaren Tatsachen. (Ich möchte damit nicht sagen, dass Deutungen unzulässig sind, aber hier finden sich fast _nur Deutungen.)
    2) Es wäre hilfreich und angebracht gewesen, sich mit den Übersetzungen und Deutungen der Pharaonennamen zu befassen (z.B. Tutenchaton -- Tutenchamun...)
    3) Das Kapitel über ägyptische Gottheiten ist nicht nur zu oberflächlich, sondern auch unzureichend. Die ägyptische Vorstellung von der Erschaffung der Welt (Re -- Shu, Tefnut, Geb, Nut usw.) gehört meiner Ansicht nach zwingend zu den Ausführungen. Dass Seth Symbol für das Negative ist, ist schlicht und einfach falsch, aber symptomatisch für das Problem dieses Kapitels: die einfache Schwarz-Weiß-Malerei.
    4) Dass die Hieroglyphen nur derart oberflächlich behandelt wurden, liegt vielleicht an der Seitenvorgabe der Facharbeit, ist aber dennoch ärgerlich.
    5) Es fehlt jegliche Quellenangabe - ganz zu schweigen von Fußnoten etc. Woher sind die Informationen?
    Fazit: Keine Ahnung, wie hier gearbeitet wurde, wissenschaftlich jedenfalls nicht. Liebe Autorin, reise doch (noch) mal nach Ägypten! Vielleicht schreibst Du dann eine bessere Facharbeit.

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