Stadtentwicklung während des Industriezeitalters. Reformbewegungen bis zum Zweiten Weltkrieg


Seminararbeit, 2000

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt:

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Industriestadt als initiierender Faktor fur neue Impulse in der Stadtplanung

3. Die Gartenstadtidee von Ebenezer Howard

4. Le Corbusiers Visionen der Ville Contemporaine und der Ville Radieuse

5. Von der Utopie zur Realitat: Umsetzung der Ideen Howards und Le Corbusiers

6. AbschlieGende Bemerkungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Magneten http://en.wikipedia.org/wiki/Ebenezer_Howard#/media/File:Howard-three- magnets.png

Abbildung 2: Modellzeichnung einer „Garden City" http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Garden_City_diagram.jpg

Abbildung 3: Dom-Ino Haus http://www.afewthoughts.co.uk/flexiblehousing/admin/images/4/1.jpg

Abbildung 4: Plan der Ville Contemporaine http://heltschl.org/GEO/8/83/le%20corbusier1.gif

Abbildung 5: Unite d’habitation in Nantes http://media.archinform.net/l/00000004.jpg

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit dem kulturgenetischen Bereich der Stadtgeographie bezuglich der Stadtentwicklung wahrend des Industriezeitalters. Hierbei werden in dieser Arbeit vornehmlich Reformbewegungen bis zum zweiten Weltkrieg behandelt.

Dabei wird zu allererst die durch die Industrialisierung hervorgerufene Ausgangssituation der Stadte um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. unter Punkt zwei beschrieben, um einen kurzen Einblick zu geben, warum uberhaupt Reformbewegungen von Noten waren.

Im dritten Abschnitt der Arbeit wird kurz der Mensch Ebenezer Howard vorgestellt, worauf auf seine Idee der Gartenstadt naher eingegangen werden soll.

Unter Punkt vier wird das Schaffen Le Corbusiers thematisiert, wobei ein besonderes Augenmerk auf seinem Plan der Ville Contemporaine und dem der Ville Radieuse ruhen soll. Im darauf folgenden Abschnitt wird versucht, die Realisierung ihrer Visionen naher zu beleuchten, wobei der Schwerpunkt auf der Umsetzung der Ideen von Howard liegt.

In Unterpunkt funf wird die Arbeit abschlieGend noch einmal kritisch resumiert.

2. Die Industrialisierung als initiierender Faktor fur neue Impulse in der Stadtplanung

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts befanden sich viele Stadte auf europaischem Boden in einer katastrophalen Situation. Grund hierfur war die Phase der Industrialisierung, welche vor allem GroGbritannien und Deutschland betraf. Diese industrielle Revolution brachte nicht nur Vorteile, die z. B. aus der Erfindung der Dampfmaschine von James Watt im Jahre 1769 und des mechanischen Webstuhles resultierten, sondern zog auch schwere Probleme nach sich. Die damaligen Gemeinden bzw. Stadte waren nicht auf die von nun an explosionsartig fortschreitende Industrialisierung vorbereitet. Diese vollzog sich in Deutschland vor allem in Montanrevieren wie dem Ruhrgebiet und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten, so z. B. in Berlin, Hamburg, Leipzig und Stuttgart. Das „Land" vereinsamte zusehends: Zu Tausenden floh die Landbevolkerung aus ihrer angestammten Umgebung in die Stadte, was dort teilweise zur Verdreifachung der Einwohnerzahl fuhrte. Die Stadte konnten dieser Landflucht weder infrastrukturell noch mit angemessenem Wohnraum entgegnen. Eine drastische Uberlastung der Infrastruktur sowie vollig uberbelegter Wohnraum waren die Folge.

Da sich die neu entstehende Industrie mit ihren Produktionsstatten in direkter Nachbarschaft oder sogar inmitten von Wohngebieten ansiedelte, fuhrte dies zu starker Luftverschmutzung in den Ballungsgebieten, die durch das Aufbluhen des noch jungen Automobils um die Jahrhundertwende noch verstarkt wurde. Diese spezifischen Probleme industrieller Ballungszentren fuhrten zu hygienisch und sozial unhaltbaren Zustanden innerhalb der Stadte.

All diese Umstande fuhrten dazu, daG sich anfangend mit Theodor Fritsch 1896 in Deutschland und Ebenezer Howard in GroGbritannien immer mehr „Planer" und „Denker" mit der Losung der anstehenden Problematik beschaftigten. Da Fritsch, der zwei Jahre vor Howard publizierte, das damalige deutsche Phanomen des Antisemitismus bzw. Rassismus stark in seine Vorstellungen einflieGen lieG, erlangte er nie das Ansehen Howards, dessen „Modell eher egalitare Zuge [tragt]" (Akademie fur Raumforschung und Landesplanung 1983, S. 11). Im folgenden wird also von diesen beiden Vorschlagen nur der Howards behandelt, da allein er letztendlich zukunftsweisend war.

3. Ebenezer Howard und die „Gartenstadtidee“

Sir Ebenezer Howard (1850-1928), der 1927 zum Ritter geschlagen wurde, war ursprunglich ein begehrter Stenotypist, ehe er, durch einen von 1872 bis 1877 dauernden Amerikaaufenthalt inspiriert, „uber ein besseres Leben und dessen Verwirklichung nachzudenken [begann]" (Lexikon der Weltarchitektur 1992, S. 284). Diese Gedanken spiegeln sich wider in der „Gartenstadtidee", mit deren Verwirklichung er sich eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualitat versprach, insbesondere in den industriellen Siedlungsagglomerationen. Trotz der Hingabe, mit welcher er sich diesem Ziel verschrieb, gab er den ehemals erlernten Beruf als Stenotypist nicht auf, sondern ubte ihn fast bis zu seinem Lebensende aus.

In seinem 1898 erschienenen Buch „Tomorrow" schildert er die Gedanken seiner Idee, deren grundsatzliche Uberlegung war, vorerst einmal die Ausdehnung der GroGstadt zu begrenzen. Kurz nach erscheinen dieser ersten Auflage seines Buches war das Interesse an seinen Ideen schon so groG, daG 1899 die „Garden City Association" gegrundet wurde. 1902 erschien die zweite Auflage des Buches mit dem Namen „Garden Cities of Tomorrow", das schon detaillierte Tuschezeichnungen zur Errichtung einer solchen Gartenstadt enthielt.

Abbildung 1: Die drei Magneten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Howard wollte seine Modelle verwirklichen, indem er die Vorzuge des Landes mit denen der Stadt verband, um weitere Wellen der Landflucht (s.o.) zu verhindern. Um das seinen Lesern zu verdeutlichen, erstellte er eine Zeichnung, die die ihm wichtigsten Vorzuge und Nachteile von Stadt, Land und „Stadtland" beinhaltet. Auch seine Aussage „Human Society and the beauty of nature are meant to be enjoyed together" zeigt auf, daG er die Meinung vertrat, daG nur eine Kombination beider Elemente -also die menschliche Gesellschaft sowie die Natur- eine Verbesserung der Lebensqualitat nach sich ziehe (siehe Abbildung 1: Die drei Magneten).

Schon zwischen 1889 und 1892 schuf er den grundlegenden Plan fur seine ideale Gemeinschaft. Er beinhaltet die Uberlegungen, daG seine Gartenstadt eine straff organisierte, stadtische Siedlung fur maximal 32.000 Einwohner sein sollte. In einer solchen Siedlung sollten sich sowohl ruhige Wohngegenden als auch Handel, Industrie und kulturelle Einrichtungen voll entfalten konnen. Die Howard’sche Gartenstadt, die keineswegs als „Schlafstadt" oder „Satellitenstadt" von einer groGeren Metropole abhinge, sollte nach seinen Ansichten von einem breiten Grungurtel umgeben sein (vgl. Fishman 1977, S. 40).

Sein Plan beinhaltet nicht nur die ideelle Vorarbeit fur die sozialen Gegebenheiten, sondern auch detaillierte MaGangaben in Bezug auf eine einzelne Gartenstadt, denn seine Plane umfassen den Bau von sechs solchen „grunen Stadten" um eine zentral in diesem Zirkel liegende Stadt, deren Einwohnerzahl allerdings nur 58.000 betragen sollte. Insgesamt ergibt sich also fur das System, welches er als „Group Of Slumless Smokeless Cities" titulierte, eine Bewohnerzahl von 250.000, eine GroGe, die selbst heute noch als optimal fur eine urbane Siedlung angesehen wird.

Die einzelne Gartenstadt sollte in etwa eine Ausdehnung von 1000 acres (etwa vier Quadratkilometer) besitzen. Der sie radial umgebende Grungurtel war seinen Planen entsprechend ca. 20 % km groG. In diesem Gurtel sollten nicht nur Bauernhofe zur Versorgung der Stadt angesiedelt werden, sondern auch soziale und administrative Einrichtungen (vgl. Hall 1988, S. 92f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Stadtentwicklung während des Industriezeitalters. Reformbewegungen bis zum Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar Stadtgeographie
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V96994
ISBN (eBook)
9783638096690
Dateigröße
981 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Reformbewegungen, Weltkrieg, Proseminar, Stadtgeographie
Arbeit zitieren
Gerd Johannes Peters (Autor), 2000, Stadtentwicklung während des Industriezeitalters. Reformbewegungen bis zum Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96994

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