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Wer ist besonders gefährdet spielsüchtig zu werden?

Title: Wer ist besonders gefährdet spielsüchtig zu werden?

Seminar Paper , 2000 , 14 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tobias Mehler (Author)

Social Work
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Der in der Bevölkerung verankerte Begriff „Spielsucht“ sowie der im klinischen und wissenschaftlichen Kontext gebräuchliche Fachausdruck „pathologisches Spielen“ kennzeichnen ein Erscheinungsbild, das sich folgendermassen beschreiben lässt:
Zentraler Lebensinhalt der Betroffenen ist das Glücksspiel, es dominiert und strukturiert ihr Denken, Fühlen und Handeln. Persönliche Interessen, das soziale Umfeld und berufliche Verpflichtungen werden vernachlässigt.
Nach der nosologischen Zuordnung innerhalb der Klassifikationssysteme psychischer Störungen (ICD-10, DSM-IV) zählt pathologisches Spielverhalten zu den Störungen der Impulskontrolle, die durch destruktives Verhalten infolge unkontrollierbarer Impulse gekennzeichnet sind.
Pathologisches Spielverhalten kann im Rahmen von akuten Lebenskrisen, affektiven
Störungen oder Persönlichkeitsstörungen auftreten.
Der Personenkreis, der besonders gefährdet ist, ein süchtiges Spielverhalten zu
entwickeln, soll mit den unterschiedlichsten Einflussfaktoren innerhalb eines komplexen Systems dargestellt werden. Den vielschichtigen Ursachen süchtigen Spielverhaltens wird das Drei-Faktoren-Modell am ehesten gerecht. Die süchtige Bindung an die Droge Glücksspiel ist nach diesem Modell ein Ergebnis der Wechselwirkungen von Merkmalen des Individuums, der Umwelt sowie der Droge (Tretter 1998). Dieses Modell dient der Integration verschiedener Konstellationen der Anfälligkeit für Drogeneffekte und von Erklärungsansätzen zur Entwicklung einer süchtigen Bindung. Die spezifischen Eigenschaften der drei Faktoren Individuum, Sozialfeld und Glücksspiel stehen miteinander in intensiver Wechselwirkung und wirken sich im Einzelfall in unterschiedlichem Ausmass und unterschiedlicher Kombination aus. Dies kann zu einem mehr oder weniger ausgeprägten süchtigen Spielverhalten führen.
Ein umfassendes Konzept, das die unterschiedlichen Bedingungsfaktoren in einen
widerspruchsfreien theoretischen Erklärungszusammenhang bringt, existiert jedoch
derzeit noch nicht.
Als erstes sollen die Charakteristika spielsuchtgefährdeter Personen dargestellt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Charakteristika spielsuchtgefährdeter Personen

1.1 Persönlichkeitsstruktur

1.2 Geschlecht

1.3 Genetische und neurobiologische Bedingungen

1.4 Angststörungen und affektive Störungen

1.5 Soziodemographische Faktoren

2. Soziales Umfeld spielsuchtgefährdeter Personen

3. Psychotrope Wirkung von Glücksspielen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Einflussfaktoren, die zur Entstehung von pathologischem Spielverhalten beitragen. Im Fokus steht dabei die Identifikation gefährdeter Personengruppen unter Anwendung des Drei-Faktoren-Modells, welches das Individuum, das soziale Umfeld und die spezifische Wirkung des Glücksspiels in eine wechselseitige Betrachtung setzt.

  • Analyse psychologischer Persönlichkeitsmerkmale und deren Rolle bei der Spielsuchtentwicklung.
  • Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede und soziologischer Einflussfaktoren.
  • Betrachtung genetischer und neurobiologischer Dispositionen.
  • Einfluss des familiären und sozialen Umfelds auf die Suchtgenese.
  • Psychologische Stimulation durch die Glücksspielumgebung.

Auszug aus dem Buch

1.1 Persönlichkeitsstruktur

Im Gegensatz zu internal kontrollierten Menschen, die überzeugt sind, durch eigene Begabungen, Fähigkeiten und Anstrengungen ihr Leben selbst gestalten zu können, sind Menschen mit externaler Kontrollüberzeugung, die für ihre Lebenssituation bevorzugt Kräfte und Einflüsse ausserhalb ihrer Selbst, wie Schicksal, Glück, Zufall oder andere Personen verantwortlich machen, eher zum Glücksspiel geneigt (Rotter 1966). Die Forschungsergebnisse in bezug auf pathologisches Spielverhalten sind jedoch uneinheitlich (Carroll und Huxely 1994; Glass 1992; Kweitel und Allen 1998; Malkin und Syme 1986).

In einer Längsschnittstudie verweisen die Befunde insbesondere auf die prädisponierende Wirkung von Defiziten in der Impulskontrolle für die Entwicklung eines süchtigen Spielverhaltens (Vitaro u.a.1997). Diese Studie basiert auf der Untersuchung von über 700 männlichen Adoleszenten im Verlauf von vier Jahren.

Steel und Blaszczynski (1996) untersuchten eine Stichprobe pathologischer Spieler aus Behandlungseinrichtungen auf bestehende Gemeinsamkeiten. Hierbei erwies sich der Faktor Impulsivität mit ausgeprägten Störungen des Spielverhaltens und der psychischen Funktionen verbunden. Die Autoren fanden ein Modell pathologischen Glücksspiels bestätigt, nach dem die Ausprägung der Störungen über das Konstrukt einer „antisozial impulsiven“ Persönlichkeitsdimension vermittelt wird (Blaszczynski u.a. 1997), wobei die Rolle der Impulsivität jedoch im Kontext einer allgemein gestörten Persönlichkeitsstruktur zu betrachten ist (Steel und Blaszczynski 1998).

Dargestellt an der Eysenck-Impulsivitätsskala erzielen pathologische Spieler höhere Impulsivitätswerte gegenüber der Normpopulation. Ausgeprägte Impulsivität und geringe Impulskontrolle, die sich als überdauernde Persönlichkeitsmerkmale auf der Verhaltensebene, in kognitiven Prozessen und bei der Affektregulation manifestieren, erweisen sich bei einem breiten Spektrum psychischer Störungen einschliesslich des pathologischen Spielverhaltens als dispositionale Prädiktoren (Herpertz und Saß 1997).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in den klinischen Begriff der Spielsucht und Vorstellung des Drei-Faktoren-Modells als theoretischer Rahmen.

1. Charakteristika spielsuchtgefährdeter Personen: Detaillierte Betrachtung individueller Risikofaktoren wie Persönlichkeitsstruktur, Geschlecht, biologische Grundlagen sowie soziologische Merkmale.

2. Soziales Umfeld spielsuchtgefährdeter Personen: Untersuchung familiärer Einflüsse und der Bedeutung des sozialen Umfelds bei der Entwicklung einer Suchtproblematik.

3. Psychotrope Wirkung von Glücksspielen: Erläuterung der suchterzeugenden Reizumgebungen und der unmittelbaren psychischen Stimulation durch Glücksspiele.

4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass kein einheitliches Profil eines "typischen Spielers" existiert, da die Suchtgenese auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren basiert.

Schlüsselwörter

Spielsucht, pathologisches Spielen, Glücksspiel, Impulskontrolle, Persönlichkeitsstruktur, Drei-Faktoren-Modell, Impulsivität, Neurobiologie, Dopamin, Suchtentwicklung, soziale Risikofaktoren, Spielbank, Automatenspieler, Affektstörungen, Prädisposition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Personengruppen ein besonders hohes Risiko tragen, eine Spielsucht zu entwickeln, und welche Faktoren diesen Prozess begünstigen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themen umfassen individuelle psychologische Merkmale, den Einfluss des sozialen Umfelds sowie die spezifische psychotrope Wirkung der Glücksspielumgebung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Darstellung prädisponierender Faktoren für die Spielsuchtentwicklung innerhalb eines komplexen Systems, um das Verständnis für das Gefährdungspotenzial zu schärfen.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener klinischer Studien und der Anwendung des theoretischen Drei-Faktoren-Modells zur Integration der Befunde.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Charakteristika von Spielern, die Rolle von Familie und Umfeld sowie die stimulierende Wirkung von Glücksspielautomaten und Kasino-Atmosphären analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den Kernbegriffen zählen Spielsucht, Impulskontrolle, das Drei-Faktoren-Modell und psychologische bzw. neurobiologische Risikofaktoren.

Warum gibt es laut Autor keinen "typischen" Spielsüchtigen?

Der Autor betont, dass die Ursachen für Spielsucht so vielfältig sind und individuell unterschiedlich kombiniert auftreten, dass eine eindeutige Kategorisierung einer Spielerpersönlichkeit empirisch nicht haltbar ist.

Welche Rolle spielt das Geschlecht bei der Glücksspielteilnahme?

Während Männer traditionell als spielfreudiger galten, zeigt die Analyse, dass sich die Geschlechterrollen angleichen und Frauen zunehmend zur Zielgruppe, insbesondere bei Automatenspielen, werden.

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Details

Title
Wer ist besonders gefährdet spielsüchtig zu werden?
Grade
1,3
Author
Tobias Mehler (Author)
Publication Year
2000
Pages
14
Catalog Number
V97007
ISBN (eBook)
9783638096829
Language
German
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Mehler (Author), 2000, Wer ist besonders gefährdet spielsüchtig zu werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97007
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