Die Sage – handelt es sich um Fakt oder Fiktion? Haben die Menschen früher noch fest daran geglaubt, so muss man heute über die alten Sagen schmunzeln. Dennoch gibt es auch in unserer Zeit wieder Sagen, sogenannte „urban legends“ oder „modern legends“ an die wiederum viele Menschen glauben. Wird man über sie auch schmunzeln – in vielleicht 100 Jahren? Und welche Art von Sagen wird dann kursieren.
Der Begriff der „Sage“ wird oft ganz allgemein verwendet. Erzähler machen meist keinen Unterschied und benennen zum Beispiel auch Fabeln oder Legenden als „Sagen“. Um eine Unterscheidung zu erleichtern möchte ich auf verschiedene Kleinformen und ihre Definitionen eingehen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Sage
3. Legende
4. Fabel
5. Märchen
6. Schwank
7. Historia
8. Moralische Geschichte
9. Biographische Erzählung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die literarische Kleinform der Sage durch eine präzise Abgrenzung zu anderen populären Erzählgattungen zu definieren und ihre spezifischen Merkmale im Kontext der Erzähltradition herauszuarbeiten.
- Definition und Klassifizierung der Sage sowie ihrer Unterformen (Memorat, Fabulat).
- Vergleichende Analyse zwischen Sage, Legende, Fabel, Märchen und Schwank.
- Untersuchung der Rolle von mündlicher Überlieferung und fiktionalen Elementen in verschiedenen Erzählformen.
- Darstellung historischer Entwicklungen und struktureller Merkmale der untersuchten Gattungen.
- Diskussion über den Wahrheitsanspruch und die pädagogische Funktion narrativer Kleinformen.
Auszug aus dem Buch
4. Fabel
Der Begriff „Fabel“ kommt von lateinisch „fabula“, was so viel bedeutet wie „das Erdichtete, Erzählung, Sage“. Bereits Phädrus hat den Terminus „fabulae aesopicae“ für beispielhafte Tiergeschichten verwendet. In den deutschen Wortschatz ist die Fabel durch H. Steinhöwels Übersetzung der Fabeln von Äsop gelangt.
Die ältesten, aufgezeichneten Fabeln entstammen der ionischen Kultur und haben zu einem Teil phantastische und zum anderen rationale Elemente enthalten. In der Antike ist die Fabel besonders in der Rhetorik (zur Veranschaulichung) genutzt worden. Auch im Mittelalter hat man die belehrenden Fabeln Äsops gekannt: sie wurden "bispeln" genannt. Das Wort „fabel“ hat damals noch eine Geschichte beschrieben, von der man nicht gewusst hat, ob sie war ist. Erst seit dem 18. Jahrhundert bezeichnet das Wort Fabel auch den Verlauf der Handlung eines epischen oder dramatischen Werkes.
Unklar ist weiterhin, wo die Fabel entstanden ist: Die Forschung ist sich nicht einig, ob der Ursprungsort Indien, Mesopotamien, Ägypten oder Griechenland ist. Die (vielleicht) fiktive Gestalt des Dichters Äsop (6. Jhd. vor Christus) gilt aber im Volksglauben noch immer als Urheber der Fabel.
Die Strukturmerkmale der Fabel hat 1940 Hausrath anhand von Äsops Fabeln herausgestellt: klarer Aufbau, Anschaulichkeit, wirkungsvolle Plastik, Knappheit und Pointiertheit. Er folgt damit dem Gedankengut Lessings, der 1886 die „lustige Schwatzhaftigkeit“ (Einfügung von Verlängerungen: Ortsangaben, Zeitangaben,...) La Fontaines kritisiert hat, da er gerade in der Kürze und Prägnantheit der Fabel den Reiz gesehen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik von Fakt und Fiktion in Sagen und die Notwendigkeit einer klaren Begriffsabgrenzung.
2. Sage: Erläuterung der Sage als Sammelbegriff für mündlich überlieferte, als wahr geltende Erzählungen mit übernatürlichen Elementen.
3. Legende: Untersuchung der Legende als erbauliche Erzählung über Heilige mit Fokus auf Vorbildfunktion und religiöse Aspekte.
4. Fabel: Analyse der Fabel als beispielhafte Erzählung, meist mit Tieren als Akteuren, die moralische Lebensweisheiten vermittelt.
5. Märchen: Beschreibung der Merkmale von Volks- und Kunstmärchen, insbesondere hinsichtlich Eindimensionalität und Wunderbarem.
6. Schwank: Charakterisierung des Schwanks als humorvolle, meist punktierte Erzählung ohne feste Gattungsgrenzen.
7. Historia: Betrachtung der Historia als historisch-didaktische Erzählform, die von scheinbar wirklich Geschehenem berichtet.
8. Moralische Geschichte: Untersuchung der Rolle der Moral als zentrales Element in verschiedenen volkstümlichen Erzählgattungen.
9. Biographische Erzählung: Erörterung der Biographie als literarische Darstellung menschlicher Lebensläufe und deren fiktionalen Charakter.
Schlüsselwörter
Sage, Legende, Fabel, Märchen, Schwank, Historia, Moral, Biographische Erzählung, Übernatürliches, Erzähltradition, Fiktion, Volkssage, Heiligenviten, Äsop, Erzählformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Kleinformen der Erzählliteratur, insbesondere die Sage, und deren Abgrenzung voneinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Themen sind unter anderem die Definition von Sagen, Legenden, Fabeln, Märchen und Schwänken sowie deren historische und funktionale Bedeutung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, durch die Definition der einzelnen Kleinformen Klarheit in den oft unscharfen Sprachgebrauch zu bringen und eine fundierte Unterscheidung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und den Vergleich der Gattungsmerkmale anhand etablierter Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich nacheinander den Kapiteln 2 bis 9, in denen jede Gattung definiert, mit Beispielen illustriert und hinsichtlich ihrer Merkmale analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sage, Legende, Fabel, Märchen, Schwank, Moral und Biographische Erzählung.
Welche Rolle spielt die Legende im Vergleich zur Sage?
Während die Sage den Fokus auf das Übernatürliche und mündliche Überlieferung legt, betont die Legende die Erbaulichkeit und die Vorbildfunktion von Heiligen.
Warum wird die biographische Erzählung als Fiktion bezeichnet?
Die Arbeit argumentiert, dass auch Biographien stets eine Auswahl und dramaturgische Aufbereitung des Lebens darstellen, bei der der Erzähler Aspekte weglässt oder ausschmückt.
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- Cornelia Holzheid (Author), 2001, Die Sage in Abrenzung zu anderen populären Erzählungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9700