Gewalt in den Medien und ihre Wirkung auf Kinder


Hausarbeit, 1999

10 Seiten


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Einleitung

Die Frage, welche und ob die Betrachtung von Gewalttaten eine Wirkung auf den Betrachter hat existiert nicht erst seit es das Kino oder Fernsehen gibt. Schon viel früher, zur Zeit des Theaters und sogar zu Zeit der Gladiatorenkämpfe, haben sich einige Menschen gefragt, ob das Gesehene Auswirkungen auf die Beobachter hat. Die Diskussion hat sich beim Aufkommen der Massenmedien nochmals verschärft und mittlerweile eine breite Zuhörerschaft gefunden (vgl. Theunert 1996, S. 29).

Besonders die Frage, welche Auswirkungen die Gewaltdarstellungen auf die Kinder haben wird heiß diskutiert. Die Kinder von heute wachsen, im Gegenteil zu früher, in einer Mediengesellschaft auf. So gibt es in vielen Haushalten neben Radio und Fernsehen auch Videorecorder, Computer, Videospiele u.a. Fast alle Kinder machen, wie Untersuchungen gezeigt haben, von diesen Medien gebrauch, ob mit oder ohne Zustimmung der Eltern (vgl. Scholz 1993, S. 183).

Wie sich der Konsum von Mediengewalt auf die Kinder auswirkt soll im folgenden geklärt werden.

Der quantitative Fernsehkonsum von Kindern u. Jugendlichen

Das Fernsehen nimmt im Leben der Kinder einen großen Stellenwert ein. Nach einer Untersuchung von Hurrelmann (Psychologie Heute, 6/1991, S. 50 - 55) schauen schon Kinder unter drei Jahren durchschnittlichen 20 bis 30 Min. täglich Fernsehen; bei den Vier- bis Sechsjährigen sind es schon 1 bis 1 ½ Stunden. Kinder zwischen 6 und 13 Jahren schauen täglich im Schnitt 104 Min. Fernsehen. Ein durchschnittliches Schulkind sitzt täglich ca. 2 Stunden vor dem Fernseher (vgl. Scholz 1993, S. 184f). Doch was sehen sich die Kinder an?

Der qualitative Fernsehkonsum von Kindern und Jugendlichen

Viele Kinder mögen Sendungen, bei denen sie einen ,,guten" Helden bei alltagsfernen und gefährlichen Abenteuern gegen das Böse zusehen können (z.B. Michael Knight aus der Serie Knight Rider). Durch das Identifizieren mit dem Helden fühlen sich Kinder ihrem Wunsch nach Erwachsenwerden, Größe, Stärke, Anerkennung oder Geborgenheit näher. Gerade Jugendliche mit einem geringen Selbstbewusstsein mögen diese Actionfilme, in denen der Held sich im Kampf bewehren muss und am Ende siegt. Die Bindung an das Vorbild kann dann zur einer ,, psychischen Prothese" werden. Bei Jugendlichen mit einem emotionalen Defizit sind Filme, die sie in eine Traumwelt führen besonders beliebt. Sie versuchen so ihrer persönlichen Niederlagen zu verarbeiten und Konflikten aus dem Weg zu gehen (vgl. Scholz 1993, S. 185).

In vielen dieser Filme, die bei Kindern sehr beliebt sind, spielt Gewalt eine Rolle. Es gibt jedoch verschieden Formen von Gewalt und Gewaltdarstellungen und so ist der Begriff Gewalt nicht leicht zu erklären.

Definition von Gewalt bzw. Mediengewalt

Gewalt in der Realität und in den Medien tritt in den unterschiedlichsten Formen auf und so verstehen Jugendliche und Erwachsene auch unterschiedliche Dinge darunter. Hier einige Formen von Gewalt (Beispiele aus: Ammann 1995, S. 43):

- Ein Jugendlicher verlangt drohend um Geld
- Eine Regierung verbietet eine Demonstration
- Jemand quält ein Tier
- Eine Umweltkatastrophe hat 10 000 Tote zur Folge
- Ein Betrunkener schlägt wild um sich
- Entnervte Eltern sperren ihr brüllendes Kind ins Zimmer
- Ein Mann und eine Frau streiten sich auf der Straße
- usw.

Nicht nur Laien, sondern auch Experten wie Juristen oder Medienwissenschaftler tun sich mit der Definition von Gewalt schwer. So wird im Artikel 135 des Strafgesetzbuches folgendes als Mediengewalt bezeichnet: ,,eindringliche Darstellung von grausamen Gewalttätigkeiten gegen Menschen und Tiere, die die elementare Würde des Menschen in schwerer Weise verletzt, und zwar ohne schutzwürdigen kulturellen und wissenschaftlichen Wert." Auch der Publizistikwissenschafter Michael Kunczik hat sich Gedanken über den Begriff der Mediengewalt gemacht und folgende Definition aufgestellt: Gewalt ist die ,,beabsichtigte physische und / oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person...".

Die Medienpädagogen Bernd Schorb und Helga Theunert definieren: ,,Gewalt ist die Manifestation von Macht und / oder Herrschaft, mit der Folge und / oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder von Gruppen von Menschen."

(Zit. nach Ammann 1995, S. 43)

Im Mittelpunkt dieser kompakter und abstrakter Definitionen steht das Ausüben von Gewalt gegen Menschen, Tiere oder Gegenstände. Die psychische Gewalt, die mit verbalen oder nonverbalen Mitteln ausgeübt wird, wird oft ignoriert.

Eine weitere Ausnahme ist auch die strukturelle Gewalt, also z.B. die systematische Benachteiligung von Frauen oder Unterdrückung von Minderheiten.

Auch darf hier der Unterschied zwischen realer Gewalt (über die in den Medien berichtet wird) und fiktiver Gewalt (eine mediale Darstellung von Gewalt die nur vorgegeben ist, aber nicht wirklich passiert) nicht vergessen werden. Bei der fiktionalen Gewalt muss man noch zwischen natürlicher Präsentation (Realfilm) und künstlichen Darstellungen (Zeichentrickfilm) unterscheiden (vgl. Ammann 1995, S. 43f).

Gewaltstrukturen im deutschen Fernsehprogramm

Die Forscher Groebel und Gleich haben 1991 eine Woche lang (750 TV-Stunden auf 6 Sendern) das Fernsehprogramm auf seine Gewaltstruktur hin untersucht. Sie haben herausgefunden:

- In 582 Sendungen sind 2745 Gewaltszenen zu sehen.
- In jeder zweiten Sendung war Gewalt zu sehen
- 6-7 Gewaltszenen bei ARD bzw. ZDF, 20 bei PRO 7 (pro Tag)
- 70 Mordszenen pro Tag im Gesamtprogramm

Hierzu ist zu sagen, dass nur 15% dieser hier erwähnten Gewaltdarstellungen in Nachrichten oder Dokumentationen gebracht worden. Der Rest war in Filmen und Serien zu sehen (Ammann 1995, S.47). Viel von diesen Sendungen werden regelmäßig von Kindern gesehen. Nach einer Untersuchung beziehen Kinder 90% ihres Gewaltkonsums von den Privatsendern. Sie bevorzugen Unterhaltungssendungen insbesondere Cartoons. In diesen Cartoons sind die Gewaltdarstellungen wenig realistisch und werden oft von den Kindern nicht mal als Gewalt wahrgenommen. Realistische Gewaltdarstellungen, wie z.B. in Nachrichten, werden von den Kindern kaum konsumiert. Zusammengefasst kann man sagen: ,,Kinder sehen Gewalt in Form von Action und Spannung, aber sie sehen selten realistische Gewalt von extremer Intensität" (zit. nach Kunczik 1998, S.5).

Doch wieso üben gerade Gewaltdarstellungen auf Kinder und Jugendliche eine so große Faszination aus?

Motive zum Konsum von Gewalt in Fernsehen und Video

Einer der Hauptgründe des Fernsehanschauens bei Kindern ist die Unterhaltungswirkung. Sie sehen aus Interesse Fernsehen, wegen der Ablenkung und weil sie Spaß und Spannung suchen.

Bei Vielsehern hat der häufige Fernseh- und Videokonsum eine kompensatorische Funktion. Umfragen haben ergeben, dass die Flucht vor Alltagsproblemen ein häufiges Motiv ist. Es zeigte sich, dass ein hoher Konsum von Karate-, Kriegs-, Horror- und Gewaltvideos als Kompensation für ein negatives Erleben in der Schule dient. Bei diesen Jugendlichen handelt es sich oft um ,,Schulversager", sie haben schlechte Noten und Zukunftsangst angesichts der hohen Arbeitslosigkeit. Es wurde festgestellt, dass je besser die Schulleistungen sind, desto weniger besteht das Bedürfnis nach solchen Filmen.

Nicht selten versuchen die Jugendlichen durch diese Filme vor Problemen im Elternhaus oder mit Gleichaltrigen zu fliehen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich, bei den Konsumenten von Videogewalt, um Menschen handelt, die nicht stabil sind und sich nicht wohl fühlen, wobei das anschauen dieser Filme als Abreaktion und Ablenkung dient.

Manche Jugendlichen (besonders männliche Jugendliche) identifizieren sich mit den Helden, weil sie auch stark und mächtig sein wollen. Die Fernsehforschung bestätigt, dass diejenigen Zuschauer, welche sich gerade mit den aggressiven Helden identifizieren, öfter von dem Filminhalt beeinflusst werden und eher aggressives Verhalten zeigen. Aber nicht nur Machtlosigkeit, Ängste und Flucht vor den Alltagsproblemen treiben Kinder dazu viel Fern zu sehen. Auch Langeweile ist ein Motiv.

So holen sich die jungen Leute heute Videokassetten um die Spannung und die Abenteuer, die ihnen im realen Leben fehlen, zu erleben. Sie werden durch das Schauen von Gewalttätigkeiten, Verbrechen und blutigen, grausamen Szenen schnell erregt und vergessen die eigene Leere. Die Filme werden aber auch schnell auch langweilig und so müssen immer brutalere Szenen her, um die Leere zu füllen. Auch diese sind natürlich nicht von langer Dauer und es müssen immer neue Filme her. Es ist eine Spirale, die sich immer weiter dreht und kaum zu stoppen ist.

Ein weiteres häufiges Motiv sind Mutproben und ,,Männlichkeitstests". Die Jugendlichen messen ihre Männlichkeit, indem sie testen, wie viel an brutalen Bildern sie ertragen können und wie lange sie stand halten.

Oft ist auch einen Art Gruppenzwang dafür verantwortlich, dass jüngere Jugendliche diese Filme sehen. Dieser Gruppenzwang ist besonders bei Kindern zu beobachten. Sie sehen sich diese Filme nicht an, weil sie sie sehen wollen, sondern, weil sie in der Gruppe nicht als Außenseiter dastehen wollen und nicht als schwach, sondern besonders mutig gelten wollen. Doch nicht nur die Peer-Group bestimmt das Fernsehverhalten, sondern auch das Elternhaus. Das Fernsehverhalten der Eltern färbt auf die Kinder ab. Oft ist das Fernsehen die einzige gemeinsame Aktivität, was zu Kommunikationslosigkeit führen kann. Die Kinder können ihre eigene Kreativität nicht entfalten. Auch ist der Videokonsum eine preiswertere Freizeitmöglichkeit, als z.B. Tennisspielen.

Vielen Eltern ist es lieber, wenn ihre Kinder vor dem Fernseher sitzen, als dass die draußen spielen. Sie sind der Meinung, dass sie vor dem Fernseher ,,nicht in schlechte Gesellschaft" (Drogen, Alkohol usw.) kommen.

Ein weiterer Grund sich ,,Erwachsenenfilme" anzusehen ist die Neugier. So erfahren die Jugendlichen in pornographischen Filmen etwas über Sexualität. Gerade die Pubertierenden versuchen ihre sexuellen Triebe zu verstehen, weil sie sonst von den Eltern nicht aufgeklärt wurden. Diese Art der Aufklärung ist sehr problematisch, da diese Filme oft Sexualität ohne Gefühle zeigen, die evtl. auch noch mit Sadismus und Gewalt verbunden ist. Die große Anzahl der Motive macht deutlich, dass es keine universale Antwort nach den Gründen des Fernsehkonsums gibt. Die Gründe sind so unterschiedlich wie die Personen selbst und man muss sich mit jedem Zuschauer persönlich befassen, um seine Motive herauszufinden und ihm evtl. zu helfen (Ammann 1995, S.99 - 103).

Besonderheiten der Wirkung von Gewaltdarstellungen auf Kinder

Kinder haben zu wenig Distanz, um den Filminhalt kritisch wahrnehmen zu können. Die Verarbeitung der brutalen Inhalte überfordert sie besonders dann, wenn sie mit ihren Filmerlebnissen alleine gelassen werden und keine Möglichkeit haben mit ihren Eltern darüber sprechen zu können. Bei diesen Kindern besteht die Gefahr, dass sie die ihnen angebotenen Verhaltensmuster übernehmen. Die Gefahr, dass die Kinder das Gesehene in ihr soziales Verhalten integrieren ist besonders groß, wenn

- die Gewaltdarstellungen in die jugendliche Lebenswelt eingebettet sind
- ein Held das Sympathieträger und Identifikationsfigur auftritt
- die Gewaltanwendung eine positive Bewertung oder Rechtfertigung erfährt

Mediengewalt ist nicht nur in der Lage das aggressive Verhalten von Kinder zu beeinflussen, sondern kann auch zu Ängsten führen. Die Reaktion auf verschiedene Sendungen hängt vom Entwicklungsstand des Kindes ab. So verstehen Kinder unter 8 Jahren (nach einer Untersuchung von Dr. Barbara Wilson) Filme oft ganz anders als ältere Kinder. Sie verstehen oft nicht die Zusammenhänge und konzentrieren sich eher auf das Aussehen der Dinge. Sie werden oft von ihren Gefühlen überwältigt und können keine Distanz zu dem Gesehnen aufbauen. Ältere Kinder sind eher in der Lage eine distanzierte Perspektive einzunehmen. Für sie wirken Szenen, die realistische Darstellungen enthalten, beängstigend, weil sie den Wirklichkeitsgehalt nicht überprüfen können (vgl. Barbara Wilson in Scholz 1993, S.167f) Es kann nicht abgestritten werden, dass der übermäßige und unreflektierte Konsum von Fernsehgewalt die Gewaltakzeptanz erhöhen kann und die Hemmschwelle für die Anwendung von Gewalt zu senken vermag. So verändert die ständige Wiederholung von der Verletzung der Menschenwürde die Vorstellung des Rezipienten. Wer sich ständig Gewalt im Fernsehen oder Videos anschaut und sich mit ihren verschiedenen Erscheinungsformen vertraut macht, für den wird sie vielleicht bald zur Selbstverständlichkeit. Diese Selbstverständlichkeit führt dann dazu, dass man ,,Gewalt für sich persönlich und allgemein im Umgang der Menschen untereinander" akzeptiert (zit. nach Scholz 1993, S.169). Ein möglicher Ausdruck für diese Wandlung ist die ,,soziale Kälte" und die ,,Passivität" in Bezug der heute vorherrschenden Gewalt auf den Straßen (vgl. Scholz 1993, S. 167 - 169). Doch die Gewaltdarstellungen führen nicht nur zu einem Abstumpfen, sondern können auch die Bereitschaft selbst Gewalt anzuwenden erhöhen, wie neuere Forschungen gezeigt haben.

Beispiele für Nachahmungstaten

Es ist unbestritten, dass es immer wieder zur Nachahmungstaten von in Massenmedien gezeigten brutalen Verhaltensweisen gekommen ist. Hier einige Beispiele:

- So berichtet der amerikanische Psychologe Robert Liebert von einem Jungen, der seiner Familie zermahlenes Glas unter das Essen gemischt hatte. Er hat am Abend zuvor im Fernsehen gesehen, wie jemand so jemanden umgebracht hat.
- Auch einige Tage nachdem ein Sender den Film ,,Born Innocent" ausgestrahlt hatte, haben drei Mädchen in Kalifornien ein 9-jähriges Mädchen angegriffen und versuchten, es mit einer Flasche zu vergewaltigen. Genau so eine Szene wurde auch in dem Film gezeigt.

Doch auch in Deutschland kam es zu Nachahmungstaten:

- Zwei 12-jährige Mädchen, die oft alleine waren und sich gerne Gewaltvideos angesehen hatten, beschlossen das Gesehene auszuprobieren und haben ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft ermordet.
- Ein 14-jähriger hat im März 1996 seine Cousine und eine Nachbarin mit einem Beil schwer verletzt. Er hat nach dem Vorbild des Films ,,Freitag der 13." gehandelt und sich wie der Täter im Film mit einer Eishockeymaske und einem, mit roter Farbe beschmierten, Mantel verkleidet.

Dies sind nur vier Beispiele und es gibt noch einige mehr (vgl. Kunczik 1998, S. 5 - 11). Diese Beispiele sind meiner Meinung nach ein eindeutiger Beweis für die Nachahmung krimineller Fernsehmodelle, doch wie man sieht werden die Handlungen nicht von allen Menschen kopiert. Es gibt nur einzelne Nachahmungstaten, die von pathologischen und ohne schon gewaltorientierten Individuen begangen werden.

Das eigentliche Problem ist, dass Rezipienten von solchen Gewaltdarstellungen Verhaltensweisen lernen, die unter bestimmten Bedingungen ihr Handeln beeinflussen, wobei die Darbietung gewaltsamer Modelle das aggressive Verhaltenrepertoire erhöht.

Was können die Eltern / die Schule gegen die Mediengewalt tun?

Eltern müssen sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern bewusst sein. Sie müssen auf die Gefahr, die für ihren Nachwuchs von den Medien ausgeht reagieren. Oft geht die individuelle Selbstverwirklichung der Eltern auf Kosten der Kinder und auch die immer steigende Trennungstendenz belastet die immer mehr Jugendliche. Eltern müssen sich mehr Zeit für ihre nehmen und sich um ihre Bedürfnisse kümmern, denn Kinder die in ihrem Elternhaus Aufmerksamkeit und Zuneigung erfahren stehen nicht so in Gefahr zu versuchen, ihre Einsamkeit und ihre Ängste durch den übersteigerten Medienkonsum auszugleichen. Eltern sollten mit den Kindern zusammen Fernsehen und sich vorher über die Sendungen informieren. Beängstigende Szenen sollten mit den Kindern aufgearbeitet werden und man sollte mit Kindern auch über das entstehen von Filmen sprechen. Wenn die kleinen Fernsehkonsumenten wissen, dass Filme nur eine Phantasie sind, können sie die Inhalte besser verarbeiten. Eltern sollten ihren Kindern aber auch Alternativen zum Fernsehen bieten. Eine Auswahl von Freizeitmöglichkeiten senkt die Stunde, die die Kinder vorm Fernseher verbringen und macht sie aufmerksam, auf die Dinge in ihrer Umgebung (vgl. Scholz 1993, S.187 - 190).

Das Problem mit der Mediengewalt ist aber nicht nur ein Problem der Eltern, sondern mittlerweile auch ein Problem der Schule und der LehrerInnen geworden. Selbst in Kindergärten ist die Neigung zu Gewalttätigkeit in letzter Zeit angestiegen und in Schulen lässt sich das ,,Montagssyndrom" beobachten, wenn Kinder spielerisch versuchen, das am Wochenende gesehen zu verarbeiten. Die Aggressivität bei Auseinandersetzungen steigt stetig an und die Hemmschwelle sinkt.

Die Schule muss auf die Medien reagieren und sich nicht nur als bloße Wissensvermittlung sehen. Sie muss die SchülerInnen über das Fernsehen aufklären, ihn auf die ökonomischen Voraussetzungen des Fernsehens aufmerksam machen und ihm die gesellschaftlichen Zusammenhänge erklären. Der Schüler/ die Schülerin sollten aktiv mit Medien umgehen können und selber Fernsehen machen (z.B. im Rahmen einer Video AG).

Auch sollte die Schule ihre pädagogischen Möglichkeiten nutzen, um das Selbstwertgefühl aggressiver Schüler zu stärken und ihnen zum positiven Denken verhelfen. Wie man nämlich sieht ist das Minderwertigkeitsgefühl und die Angst zu versagen einer der Hauptgründe, die zum Konsum von Gewaltfilmen führen.

Natürlich ist die Schule alleine nicht in der Lage diese Gefühle auszuräumen und somit auf die Hilfe der Eltern angewiesen. Aus diesem Grund ist meiner Meinung nach eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule der erste Schritt, um den Kindern und Jugendlichen zu helfen (vgl. Scholz 1993, S. 191f ).

Schlusswort

Wie die Beschäftigung mit diesem Thema gezeigt hat, sind die Wirkungen von Gewalt in den Medien auf jede Person unterschiedlich. Es hat sich jedoch gezeigt, dass häufiges schauen von Gewalt durchaus eine negative Wirkung auf die Zuschauer haben kann. Wie jedoch eine Person konkret auf die Darstellung von Gewalt reagiert und wie die brutalen Szenen Einfluss auf ihr Verhalten nehmen hängt von ihren vorherigen Erfahrungen und ihrer Umwelt ab. Bei einigen Personen wurde beobachtet, dass sie nach dem Schauen brutaler Filme eher bereit waren aggressiv zu reagieren. Gewalt im Fernsehen kann aber nicht nur zur Aggressionen, sondern auch zu Ängsten, besonders bei Kindern, führen. Auch kann das Gezeigte, wie schon erwähnt, zu Nachahmung führen, weil die Rezipienten wissen wollen, ob das auch in der Realität funktioniert. Dieser ,,ansteckende Effekt" tritt aber zum Glück nicht so häufig auf. Öfter beobachtet man eine Habitualisierung, d.h. die Zuschauer gewöhnen sich an das Brutale und es kommt zu einer Abstumpfung und einem verminderten Mitgefühl gegenüber den Opfern.

Dies sind nur einige mögliche Folgen von Gewaltdarstellungen im Fernsehen, die zwar oft zu beobachten sind, aber nicht immer auftreten müssen. Um diesen Verhalten entgegenzuwirken muss verhindert werden, dass Kinder und Jugendliche überhaupt in die Situation kommen sich Gewaltvideos anzusehen und damit ihre Minderwertigkeitsgefühle und Probleme verdrängen wollen. Durch Aufklärung, Gespräche mit den Eltern und Pädagogen sollen die Kinder / Jugendlichen zu kompetenten Zuschauern erzogen werden, die das Fernsehen zwar zur Unterhaltung nutzen, aber sich nicht davon ,,abhängig machen".

Literaturverzeichnis

1. Ammann, Daniel und Christian Doelker: Tatort Brutalo: Gewaltdarstellungen und ihr Publikum. Zürich: 1995
2. Kunczik, Michael: Gewalt und Medien. Köln: 1998
3. Scholz, Reiner: Gewalt- und Sexdarstellungen im Fernsehen: systematischer Problemaufriss mit Rechtsgrundlagen und Materialien. Bonn: 1995
4. Theunert, Helga: Gewalt in den Medien - Gewalt in der Realität. München: 1998

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Gewalt in den Medien und ihre Wirkung auf Kinder
Autor
Jahr
1999
Seiten
10
Katalognummer
V97032
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Medien, Wirkung, Kinder
Arbeit zitieren
Patricia Meyer (Autor), 1999, Gewalt in den Medien und ihre Wirkung auf Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97032

Kommentare

  • Gast am 10.11.2003

    Die Hausarbeit ist im Prinzip o.k. Nur leider gibt es Art. 135 StGB in Deutschland nicht. Keine Ahnung, wo die Autorin lebt, in Deutschland jedenfalls nicht. Das Schweizerische StGB hat den genannten Artikel, so dass die Hausarbeit deutschen Studenten nichts nützt, oder nur Ärger bringt. Also, nicht nur abschreiben, sondern auch nachdenken!

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