Weingartner Predigten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

34 Seiten, Note: 1


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Inhalt

1. Einleitung

2. Die Handschrift
2.1 Beschreibung
2.2 Inhaltlicher Befund
2.3 Geschichte des Klosters Weingarten
2.4 Verfasser der Handschrift

3. Die Predigt im 12. Jahrhundert
3.1 Allgemeines
3.2 Deutsche Predigtbücher

4. Die Weingartner Predigten
4.1 1.-24. Sonntag nach Pfingsten
4.2 1.-5. Sonntag nach Ostern
4.3 Sermo de mortuis
4.4 Struktur der Predigten
4.5 Rhetorik der Predigten
4.6 Inhalt der Predigten

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur zu den Weingartner Predigten
6.3 Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Predigt
6.4 Hilfsmittel

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einem Predigtcorpus des 12. Jahrhunderts, das in der Forschungsgeschichte bisher wenig beachtet wurde. Nach seiner Veröffentlichung in mehreren Zeitschriften und Sammelbänden von 1838 bis 1884 wurde es zwar in den bedeutenden Predigtgeschichten des 19. Jahrhunderts erwähnt, eine genauere Auseinandersetzung mit Stil und Inhalt der Predigten fand aber kaum statt und beruhte mehr auf Spekulation als auf intensiver Beschäftigung mit dem Text1. In dieser Arbeit werde ich zuerst die Handschrift beschreiben und in ihren geschichtlichen Kontext einfügen, anschließend die einzelnen Predigten untersuchen und schließlich einen Überblick über strukturelle, stilistische und inhaltliche Gemeinsamkeiten geben.

Aufgrund des Neulandes, das ich hier betreten habe, und der kurzen Zeit, in der diese Arbeit entstand, bitte ich um Rücksicht gegenüber Oberflächlichkeiten, die ich nicht mehr vertiefen konnte.

2. Die Handschrift

2.1 Beschreibung

Die vorliegende Pergamenthandschrift HB I 862 im Quartformat (22x14,5) aus der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart besteht aus 90 beidseitig in zwei Spalten beschriebenen Blättern, die folgendermaßen in Lagen verteilt sind: 3 Quaternionen, 2 Ternionen, 5 Quaternionen, 1 Ternion und 1 Quaternio.3 Gezählt werden die einzelnen Lagen immer am unteren Ende des ersten Blattes durch eine schwarze römische Ziffer. ,,dielinien sind mit tinte von randpuncten aus gezogen, die spalten durch vertikallinien eingerahmt. nach jeder zeile steht ein kleiner strich von links nach rechts aufwärts."4 Die Handschrift datiert aus dem 14. Jahrhundert und ist durchgehend im alemannischen Dialekt geschrieben. Sie ist durch die Signatur F 55 auf dem Buchrücken, die Anmerkung ,,H. dei permissione abbas in Wingarten salutem in domino"5 auf Blatt 52r und den Hinweis auf eine Bibliotheksrevision ,,Monasterii Weingartensis Anno 1606"6 eindeutig der Bibliothek der Reichsabtei St. Martin in Weingarten zuzuweisen.

Die Handschrift ist sehr sparsam verziehrt, so finden sich zwar auf vielen Blättern ein- oder zweifarbige Lombarden, jedoch nur auf wenigen ausgemalte Initialen: auf 53r eine braune Fleuronée-Initiale; ,,gezeichnete und figürliche Initialen: 39v Johannes (gestalt mit Adlerkopf), 42v Figur, Drachenausläufer haltend, 57v bei der Initiale: Abt (Gregor?)."7

2.2 Inhaltlicher Befund

Eine erste Angabe der Texte, die sich im Codex befinden, steht zu dessen Beginn in lateinischer Sprache:

Sermones germanici de tempore cum themate latino; significatio signorum in missa germanice, vocabularium de VII peccatis capitalibus; sermones de tempore et sanctis.8 Es finden sich also:

1.) 30 deutsche Predigten für den 1. - 24. Sonntag nach Pfingsten, für die 5 Sonntage nach Pfingsten und eine Totenpredigt (Sermo de mortuis);9
2.) Traktat über die Symbole der Messfeier (,,De signis misse")10, das einem lateinische Vorbild folgend die Messfeier in deutscher Sprache erklärt;
3.) ein kleines Stück mit dem Titel ,,De tribus impedimentis"11, von den Hindernissen auf dem Weg zum Himmlischen Reich, das im Original nur etwa eine Spalte lang ist;
4.) ein lateinischer ,,Sermo de mortuis"12 über 1 Thess 5,2;
5.) ein Gedicht von den sieben Todsünden13, das durch ein prosaisches Sündenregister14 unterbrochen wird und
6.) ,,sermones de tempore et sanctis"15 mit einem Prooemium. Bei diesen findet sich auch eine Predigt zum Hochfest des heiligen Martin, des Patrons der Abtei. Mitten in einer Predigt zu Mariae Himmelfahrt bricht der Text ab.

2.3 Geschichte des Klosters Weingarten

Das Kloster Weingarten wurde 1053 durch Welf III. in seiner Burg auf dem Martinsberg bei Ravensburg mit Benediktinermönchen aus der Niederlassung Altdorf gegründet. Erste Handschriften erhielt das neu erstandene Kloster durch eine Schenkung der Gemahlin Herzog Welfs IV., Judith aus Flandern.16 So ist zu erklären, daß durch diese und weitere Schenkungen das Kloster Handschriften erhielt, die weit älter sind als das Kloster selbst. Eine Blütezeit des Weingartner Scriptoriums war ohne Zweifel das 12. Jahrhundert, aus dem eine Vielzahl Bibelkommentare,homiletische und liturgische Handschriften datieren. In dieser Zeit scheint sich in Weingarten auch eine eigene Buchmalerei entwickelt zu haben, die ihren Höhepunkt unter Abt Berthold (1200-1232) erlebte und in der beispielsweise das Berthold- Missale mit seinen aufwendigen Malereien und kostbaren Einbänden entstand, das sich heute in der Bibliothek des Lord Leicester in Holkham Hall befindet.17 Aus dieser Blüte hat sich auch eine Inventarliste erhalten, die 13 Handschriften auflistet, die Berthold anfertigen ließ. Die nächsten Nachrichten aus der Klosterbibliothek datieren in die Entstehungszeit der Handschrift F 55. Der 18. Abt Konrad von Ibach (1315-1336) habe eine beträchtliche Anzahl von Handschriften anfertigen lassen18 ; deren Auflistungen, die Löffler überliefert, sind ein beredtes Zeugnis, daß sich die Abtei bzw. die Mönche mit der damals aktuellen Theologie auseinandersetzten. So waren beispielsweise alle wichtigen Schriften Bernhards von Clairvaux vorhanden.

Folgt man dem bereits in 2.1 (S. 4 dieser Arbeit) erwähnten Hinweis auf den Enstehungszeitpunkt des Codex, so deutet die Abkürzung ,,H."19 auf Abt Heinrich II. von Ibach (1346-1363)20 hin, der die Erlaubnis zur Anfertigung des Codex gab; es handelt sich wohl um eine Form des äbtlichen Imprimatur.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der Bestand der Bibliothek durch weitere Abschriften und Ankäufe (Konstanzer Kapitelsbibliothek) vermehrt, mußte aber durch einen großen Brand im Jahre 1578 einen großen Rückschlag hinnehmen. Nach diesem Brand wurden die Restbestände inventarisiert - aus dieser Zeit stammt die Inventarisierungsnotiz ,,Monasterii Weingartensis Anno 1606"21 in der Handschrift - und durch Ankauf weiterer Bücher und ganzer Bibliotheken ergänzt. In diese Zeit ,,fällt auch dieSchenkung des wertvollsten Stückes, das Weingarten besaß, der Liederhandschrift (K 107)."22

Quantitative Angaben über den Bestand der Klosterbibliothek sind aus dem Jahr 1638 erhalten, als die Abtei durch die Wirren des 30jährigen Krieges in Oberschwaben befürchten mußte, daß die Bibliothek durch die anrückenden Truppen gefährdet sei. Bei einer Gesamtzahl von 10245 Bänden besaß die Abtei 515 Handschriften. Im 18. Jahrhundert scheint sich intensiv um die Bibliothek gekümmert worden zu sein, so daß aus dieser Zeit von Katalogen der Bibliothek, die leider nicht erhalten sind, berichtet wird. In der zweiten Hälfte jenes Jahrhunderts begannen verstärkt Gelehrte, Bibliotheken zu besuchen und von ihren Reisen zu berichten. Von diesen sind einige Berichte über die Handschriftensammlung Weingartens erhalten, die in ihrer Bewertung sehr unterschiedlich ausfallen. Auch Fürstabt Martin Gerbert aus St. Blasien, der die Herausgabe der Monumenta Germaniae Historica (MGH) anregte, beschrieb in seinem ,,iter alemannicum" die Bibliothek der Abtei. Aufgrund der Einfachheit des Codex F 55 und des noch wenig ausgebildeten Interesses für Zeugnisse altdeutscher Sprache wird die Handschrift in keiner Aufzählung erwähnt. Ein Vertrag zwischen Frankreich und dem Haus Oranien am 23. Mai 1802 bereitete dem Kloster und der Bibliothek ein vorläufiges Ende. Das Gebiet der Abtei und ihr Besitz waren für Wilhelm V. von Nassau-Oranien-Dillenburg als Entschädigung für seine in Holland verlorenen Gebiete und den Verlust der Statthalterschaft in Holland gedacht.23 Er ergriff von diesen noch vor Billigung des Vertrages durch den Reichsdeputationshauptschluß im Februar 1803 besitz. Einige Monate später wurde befohlen, daß die Bibliothek in seine neue Residenz nach Fulda verbracht werden sollte. Anscheinend wurde nur ein Teil der Bibliothek, die Stücke, die als wertvoll erachtet wurden, in Kisten verpackt und nach Fulda gebracht, wo die Bibliothek mit der Fuldaer Hofbibliothek verschmelzen sollte. Bis heutebefinden sich in Fulda 146 Handschriften aus ehemaligem Weingartner Besitz.

Ein Großteil der Handschriften war in Weingarten geblieben und fiel 1806 zusammen mit dem restlichen Weingartner Besitz an das Königreich Württemberg. 1810 kamen die Handschriften in die Königliche Handbibliothek, die 1887 in königliche Hofbibliothek umbenannt wurde. Dort wurde 1813 eine erste Katalogisierung vorgenommen, in der der Codex F 55 die Signatur ,,cod. asceticus 86" erhielt. 1901 zogen alle Weingartner Handschriften (531 Stück) in die Königliche Landesbibliothek um, da in Folge der Revision der Kronausstattung beim Thronwechsel 1891 zwischen der Hofdomänenkammer und der Staatsfinanzverwaltung vereinbart wurde, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und in das Verfügungsrecht des Staates zu übergeben.24 Hier erhielt der Codex die Signatur ,, H.B. I 86", unter der er auch heute noch in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart eingesehen werden kann.

2.4 Verfasser der Handschrift

Bereits bei der ersten Veröffentlichung zweier Predigten aus dem Codex verwies F. J. Mone25 1838 darauf, daß die in deutsch abgefaßten Teile der Handschrift ins 12. Jahrhundert zu datieren seien. Seiner Meinung hat sich die Forschungsliteratur angeschlossen. Es ist aus dieser Zeit kein Name eines herausragenden Predigers der Abtei Weingarten überliefert, und man kann nicht mit Sicherheit sagen, daß es sich beim Verfasser um ein Mitglied der Weingartner Kommunität gehandelt hat, da sich in den deutschen Teilen der Handschrift kein Hinweis auf einen Abfassungsort (beispielsweise Weingarten) oder einen bestimmen Abfassungshintergrund (Kloster, Pfarrei o.ä.) findet. Es ist lediglich davon auszugehen, daß es sich beim Verfasser der Predigten und der anderen deutschen Texte aufgrund des Stils um ein und die selbe Person handelt, die, wie noch gezeigt wird,durchaus in der theologischen Literatur sowohl in lateinischer als auch in deutscher Sprache bewandert gewesen ist und die aus dem alemanischen Sprachraum um den Bodensee stammte. Da es sich um deutsche Predigten handelt, ist davon auszugehen, daß das Predigtpublikum Gläubige (oder vielleicht Laienbrüder) waren, und die deutschen Predigten nicht für die Mönche der Abtei bestimmt gewesen sind.

3. Die Predigt im 12. Jahrhundert

3.1 Allgemeines

Beide großen Standardwerke26 des vorigen Jahrhunderts, die sich mit der Geschichte der Predigt in Deutschland beschäftigen, setzen eine grobe Teilung in zwei Perioden an. R. Cruel setzt die Trennung zu Beginn des 13. A. Linsenmayer zu Beginn des 12. Jahrhunderts an. Trotz dieser Unterschiedlichkeit beschreiben beide das gleiche Phänomen, daß es eine Periode gibt, in der sich in Deutschland eine selbständige Form der Predigt entwickelt, die versucht, den Redestoff zu gliedern und eine regelmäßige Form zu finden. Die äußeren Einflüsse, die sowohl Cruel als auch Linsenmayer beschreiben, die zu einer Veränderung der Predigten geführt haben, sind vor allem die Fortschritte der Theologie dieser Zeit, die sich durch intensivere Reflexion seit dem Untergang des römischen Reiches im Westen in Klöstern und den entstehenden Universitäten auszeichnen und die beispielsweise in die Gründung neuer Orden, den aufkommenden Ketzerbewegungen - hier sind natürlich viele Wechselwirkungen anzunehmen - und letztendlich den Kreuzzügen münden.27

Strukturell ist diese langsame Veränderung daran festzumachen, daß vor allem im 12.

Jahrhundert die Parochialpredigt an Bedeutung gewinnt. Die theologische Bildung nimmt durch sich verbreitende Schriften, die vorwiegend Kompilationen aus den Kirchenvätern oder mittelalterlichen Theologen waren, auch unter der Pfarrgeistlichkeit zu. Prägend wurden diezeitgenössischen Strömungen der Scholastik und der Mystik, die beide erheblichen Einfluß auf Inhalt und Form der Predigt hatten. Vor allem die ketzerischen Strömungen, die bis zum 13. Jahrhundert zunahmen, hatten zur Folge, daß eine intensive Predigttätigkeit vor Laien, wie letztmalig bei der Missionierung, sowohl von seiten der Irrlehrer als auch von seiten der Kirche nötig wurde, was natürlich einen Sprung in der Entwicklung der Predigt bedeutete. Daß Cruels Periodisierung auch seine Deutung und Beschreibung einzelner Prediger und Predigtkorpora beeinflußte, zeigt seine Deutung der Weingartner Predigten, die er als ,,erzählende oder unvollständige Homilien"28 beschreibt, obwohl keines der beiden Adjektive zutrifft. Es handelt sich um die typische Form einer Parochialpredigt, die für den populären Vortrag einfach gestaltet ist und sich streng an eine reine Auslegung des Evangeliums hält. Ort der Predigten ist eindeutig die sonn-und festtägliche Pfarrmesse, bei der nach dem Evangelium versus populo gepredigt wurde.

Für das zwölfte Jahrhundert muß also ein allmählicher Übergang angenommen werden - es ist deshalb strittig, ob man Predigten des 12. Jahrhunderts der ersten oder der zweiten Periode zurechnen soll. Der allmähliche Wandel wird auch in den Weingartner Predigten sichtbar, die zwar schon eine einheitliche Struktur gefunden haben, in ihrer Kürze aber eher an ältere Predigten erinnern. Den Höhepunkt, das ist sicherlich unstrittig, ,,erreichte dann die deutsche Predigt in der Zeit der volkssprachlichen Hochblüte der Bettelorden, zwischen 1250-1350."29

3.2 Deutsche Predigtbücher

Aufgrund der allgemein zunehmenden Predigttätigkeit im 12. Jahrhundert und einer langsamen Verwissenschaftlichung der Homiletik nehmen die schriftlichen Zeugnisse vor allem in deutscher Sprache zu. Nicht nur eineVielzahl lateinischer Predigtsammlungen ist überliefert, sondern auch eine Anzahl deutschsprachiger Predigtsammlungen, als deren frühesten Zeugen aus dem 12. Jahrhundert man wohl die von Grieshaber in Germ. I, 441 ff.30 veröffentlichten Predigten anführen kann. Weitere bedeutende Sammlungen aus dieser Zeit sind die Sammlungen von Hoffmann31, die Oberaltaicher Predigten32, das Predigtbuch des Priesters Konrad33 und die Predigten aus St. Paul34. Die wohl umfangreichste Sammlung aus dem 12. Jahrhundert ist das Leipziger Predigtwerk35, das durch A. Schönbach in seiner Gänze veröffentlicht worden ist.

Allen Predigten der verschiedenen Sammlungen ist gemeinsam, daß das Bestreben zu populärer Darstellung zu einer gewissen Einfachheit geführt hat, wobei nicht außer acht gelassen werden darf, daß die meisten Predigten auf dem Weg zu einer Vereinheitlichung der Struktur sind, wie bei den Weingartner Predigten noch gezeigt werden wird. Die Verfasser bedienten sich häufig der Kompilation oder verwendeten eine patristische oder eine andere bekannte Auslegung einer Perikope als Vorlage. Insgesamt sind die Texte meist kürzer als die der lateinischen Sammlungen der Zeit und die deutschen Predigten des kommenden 13. Jahrhunderts. Meist beschränken sich die Verfasser auf den Grundgedanken einer Perikope oder des Festtages und erläutern diesen ihren Zuhörern.

Linsenmayer räumt in seiner Gesamtdarstellung mit dem Vorurteil auf, bei den deutschen Predigten handle es sich um Übersetzungen aus dem Lateinischen: ,,[...] vielmehr ist daran festzuhalten, daß wir hier eine Reihe von homiletischen Arbeiten vor uns haben, welche neben den lateinischen Predigtsammlungen mehr oder minder selbständig einherging."36 H. Rosterinnert daran, daß Predigten auf lateinisch verfaßt und auf deutsch gehalten wurden, oder daß sie, gehalten in deutsch wie beispielsweise bei Berthold von Regensburg, in lateinisch niedergeschrieben wurden. Einer der Gründe könnte sein, daß man auf seine Gelehrsamkeit großen Wert legte.37

Ob diese Sammlungen als Anregungen, Vorbilder für Prediger, oder vielleicht nur als Lesepredigten dienten, läßt sich heute nicht mehr sagen, da zu keiner Sammlung ein Prooemium in Form einer Zweckbestimmung erhalten ist. Ebenso interessant ist, daß außer beim Priester Konrad kein Name eines Verfassers überliefert wurde, obwohl eindeutig ist, das einzelne Sammlungen von nur einem Verfasser geschrieben worden sind. Aus welchem Grund das so ist, bleibt reine Spekulation.

4. Die Weingartner Predigten

4.1 1.-24. Sonntag nach Pfingsten

Die Weingartner Handschrift setzt auf 1ra unmittelbar mit der Überschrift ,,sermo in pent"38 ein und liefert dann, nachgewiesen aufgrund der Evangeliumstexte, bis 17vb Predigten für den 1.-24. Sonntag nach Pfingsten.

1) 1. Sonntag nach Pfingsten39

Die Predigt zum 1. Sonntag nach Pfingsten setzt unmittelbar damit an, daß der Verfasser das in der Liturgie soeben verlesene Evangelium als kurzes Zitat in lateinischer Sprache voranstellt, wie es beispielsweise in liturgischen Büchern des Mittelalters Brauch ist. Hierbei handelt es sich um Lk 16,19 in der Vulgatafassung. Thema der Predigt ist das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus, das gekürzt nacherzählt (Z. 2-21[S.182]) wird. Auf die Nacherzählung folgt eine allegorisch, symbolische Auslegung (Z. 22 [S. 182] - Z. 13 [S. 183]) der Perikope. Besonders deutlich arbeitet der Prediger hierbei nicht den augenscheinlich intendierten Unterschied zwischen arm und reich heraus, sondern liest die Perikope allegorisch auf den Unterschied zwischen Altem und Neuem Bund hin. So ist der reiche Mann für ihn Sinnbild für die Juden: ,,der tægelich mit wirtschaft saz. bizaichnet dîe ivdinschaft." (Z. 23 [S. 182])

In der abschließenden Lehre, die mit einer segensartigen Bitte verwoben ist (Z. 13-15 [S. 183]), fordert er die Zuhörer auf, Gott an seine Gnade zu erinnern: ,,Da mant unsern herren siner ginaden."(Z. 13 [S. 183])

2) 2. Sonntag nach Pfingsten40

Thema der Predigt ist das Gleichnis vom Gastmahl in Lk 14,15-24, das nach kurzem lateinischen Zitat aus der Vulgata nacherzählt wird (Z. 17-30 [S. 183]), wobei der Prediger die jesuanische Lehre, das heißt die einleitenden Worte in 14,15 und die Lehre am Schluß des Gleichnisses (14,24), ausläßt - vermutlich um seine eigene allegorische Deutung des Gleichnisses, die leichter verständlich ist als die rätselhaften Worte Jesu, direkter zu vermitteln.

Mit einer für ihn typischen Überleitung, ,,waz div rede betûte. daz wellen wier iv sagen. alse wirz an der schrift habin."(Z. 30f. [S. 183]), verknüpft er die Nacherzählung des Predigtextes mit seiner allegorischen Auslegung des Evangeliums (Z. 32 [S. 183] - Z. 14 [S. 184]).

Interessant an seiner Allegorese sind die Personen, die die Einladung des Gastgebers (Gott) ausschlagen: Derjenige, der das Dorf gekauft hat, steht für alle die Menschen, die an weltlichem Reichtum hängen, nur auf Vergängliches achten und dabei ihre Seele vernachlässigen (Z. 40-43 [S. 183]); derjenige der die fünf Ochsen gekauft hat, bezeichnet die Menschen, die ihre Sinne -dafür stehen die Ochsen - nach ihrem Willen und nicht auf den göttlichen Dienst ausrichten (Z. 43 [S. 183] - Z. 2 [S. 184]) und schließlich derjenige, der geheiratet hat - das beschreibt der Prediger auf seine sehr eigene Weise: ,,Den daz êwip da irrte. daz er niht chomen mohte." (Z. 2f. [S. 184]) -er steht für diejenigen, die ihren Leib und ihren Geist auf Unzucht und weltliche Gelüste gerichtet haben (Z. 2-6 [S. 184]). Die Allegorese geht unmittelbar in eine Bitte an Gott über, daß man auch ein Geladener zum Gastmahl des Himmels sei (Z. 14-17 [S. 184]). Am Schluß der Bitte steht eine typische liturgische Gebetsformel in Latein - eine Anrufung an die Dreifaltigkeit. Eine explizite Lehre fehlt in dieser Predigt.

3) 3. Sonntag nach Pfingsten41

Die Predigt über das Evangelium vom verlorenen Schaf (Lk 15,4f.) ist äußerst kurz und umfaßt im Druckbild nur 18 Zeilen. Zum ersten Mal wird bereits in der Überschrift ein kleiner Hinweis auf den Evangeliumstext gegeben: ,,s. L." ist eine Abkürzung für ,,secundum Lucam"(gemäß Lukas'). Bevor der lateinische Anfang des Evangeliums zitiert wird, steht eine kurze deutsche Einleitung, in der der Prediger auf den Zweck des jesuanischen Gleichnisses hinweist: ,,daz unsir herre. den iudin ein bispel seite. ze bezrunge der cristenhait." (Z. 18ff. [S. 184]). So macht der Verfasser auf die Schuld der Juden aufmerksam, die seiner Meinung nach besteht, daß sie nicht auf den Messias, Jesus Christus, gehört haben.

Nach einer Nacherzählung des Evangeliums (Z. 20-24 [S. 184]) setzt er das Verlorengehen des Schafes mit der Vertreibung der ungehorsamen Menschheit aus dem Paradies gleich (Z. 27-30 [S. 184]). Die Suche des Hirten steht für die Menschwerdung Jesu Christi, die in seinem Leiden am Kreuz erlöst wird - das steht hinter dem Begriff Auffinden -, und dann nach Hause geführt wird, das bedeutet durch Christi Himmelfahrt mit ins himmlische Reich hineingenommen wird (Z. 30-35 [S. 184]). Den Schluß der Predigt bildet wieder wie in Predigt 1 die Aufforderung, Gott seiner Gnade zu erinnern (Z. 35f. [S. 184]).

4) 4. Sonntag nach Pfingsten42

Die vierte Predigt ist die erste Predigt des Codex, die in ihrer Struktur vom Grundschema abweicht und - vermutlich aufgrund des schwierigen Evangeliumstextes (Lk 6,36) - mehr einem Mosaik gleicht. Ausgehend vondem Vers ,,Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!" (Lk 6,36a) - als lateinisches Zitat mit deutscher Übertragung (Z. 38 [S. 184] - Z. 1 [S. 185]) -erläutert der Prediger den Begriff Barmherzigkeit anhand eines Zitats aus Jes 58,7, das er zuerst in lateinisch zitiert und dann deutsch übersetzt und auslegt (Z. 1-10 [S. 185]). Diese Auslegung läßt er in das sowohl lateinisch als auch deutsch übersetzte Zitat aus Lk 6,36b über die Belohnung der guten Taten münden (Z. 10-13 [S. 185]). Es folgt eine abschließende zweizeilige Ermahnung Maria als Mittlerin zu Gott zu senden, um den himmlischen Lohn zu empfangen.

5) 5. Sonntag nach Pfingsten43

Das Eingangszitat in lateinischer Sprache fehlt, deshalb mußte der Evangeliumstext sowohl mit dem Hinweis in der Überschrift ,,s. Lucam" als auch mit Hilfe der Nacherzählung der Perikope rekonstruiert werden: Lk 5,1-6. Kurz und knapp wird die Berufung der vier ersten Jünger (Z. 16-26 [S. 185]) geschildert und mit der bereits aus Predigt 2 bekannten Formel ,,waz div rede bitivte dc wellin wir iv sagen als wirz an der schrift habin." (Z. 26f. [S. 185]) wird zur allegorischen Auslegung (Z. 27-44 [S. 185]) übergeleitet. Der geschilderte Fischfang - Hauptteil der Berufungsgeschichte, der sich allein zur allegorischen Auslegung eignet - wird auf die Mission der Heiden gedeutet. Interessant ist hierbei, daß die beiden Boote, von denen Jesus nur eins besteigt, auf die beiden Völker (Bünde) gedeutet werden: Juden und Christen, wobei das Boot, das von Jesus bestiegen wird, natürlich die Christenheit symbolisiert - diese Allegorese wird aber nicht weiter aufgegriffen. Die Predigt schließt mit der Aufforderung, mit Beistand Mariens Gott um die Gnade rechter Gefolgschaft zu bitten (Z. 44 [S. 185] -Z. 3 [S. 186]).

6) 6. Sonntag nach Pfingsten44

Ebenso wie Predigt 4 stellt auch diese Predigt ein strukturelles Mosaik dar. Es fehlt das lateinische Eingangszitat (lediglich in der Überschrift ,,Math." wird auf den Evangeliumstext verwiesen); nach einer kurzenNacherzählung der Perikope (Z. 4-10 [S. 186]) - es handelt sich wohl um den Anfang von Mt 6 - wird ein anderes Zitat, in dem das Verhalten derer, die nicht Gottes Willen tun, der Juden, aus Mt 23,5a sowohl in lateinischer als auch in deutscher Sprache eingeflochten. Es folgt ein Zitat, das bei Mt mehrmals vorkommt (Mt 6.2b.5.16b). Es wird wiederum übersetzt und knapp gedeutet. Es folgt ein weiteres lateinisches Zitat aus Mt 6,3, das übersetzt und in seinen Kontext gestellt wird (Z. 16-21 [S. 186]). Nun scheint erst der Hauptteil der Predigt zu folgen: Er beginnt mit einem lateinisches Kurzzitat, das mit dem Satz eingeleitet wird: ,,dc tçt er uns ovch hivte chunt an dem hailigen ewangelio." (Z. 21f. [S. 186]) Es folgt die Perikope vom rechten Opfern und der Versöhnung aus Mt 5, 23f., das der Prediger ab Z. 28 auslegt, wobei es ihm nicht um den Haß gegen jeden Menschen sondern nur um den ,,ebencristen" (Z. 30 [S. 186]) geht. Auf die kurze Auslegung folgt eine relativ lange Aufforderung an die Zuhörer (Z. 32-36 [S. 186]), daß sie Gott um die rechte Einstellung bitten, damit sie in das ewige Reich gelangen.

7) 7. Sonntag nach Pfingsten45

Auch bei dieser Predigt fehlt das lateinische Eingangszitat, jedoch geht aus der Nacherzählung (Z. 37 [S. 186] - Z. 5 [S. 187]) in deutscher Sprache hervor, daß es sich um die Evangeliumsperikope von der zweiten Brotvermehrung, die Speisung der Viertausend (Mk 8,1-9), handelt.46

Die anschließende allegorische Auslegung (Z. 6-21 [S. 187]) trägt - das ist in der Handschrift einmalig - die Überschrift ,,Misterium." und wird wie in Predigt 2 und 5 mit der bekannten Formel eingeleitet. Die drei Tage, die die Menge ohne Brot gewesen ist, deutet der Prediger als die drei Lebensabschnitte des Menschen: Kindheit, Jugend und Alter, in denen man mit Gottes Wort ,,gespeist" werden sollte. Die sieben Brote, die die Jünger mit sich hatten, sind Bild für die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die als Seelenspeise verstanden werden.

Die Predigt schließt typisch ,,Nu mant den almæchtigen got siner genaden." (Z. 21 [S. 187]) mit einer Aufforderung (Z. 21ff. [S. 187]), die sich an die Auslegung anschließt, Gott um Sendung des Hl. Geistes zu bitten, der den Weg zur Ewigkeit weisen soll. Den Schluß bildet wie in Predigt 2 eine lateinische Gebetsformel, die sich diesmal nur an Jesus Christus richtet.

8) 8. Sonntag nach Pfingsten47

Nach kurzer deutscher Einleitung (Z. 1f. [S. 187]) folgt der lateinische Beginn des Tagesevangeliums Mt 7, 15-20 - von den falschen Propheten -, dessen erster Teil ins Deutsche übertragen (Z. 27ff. [S. 187]) und ausgelegt wird (Z. 29-36 [S. 187]). In der Auslegung wird vor Irrlehrern gewarnt und denen, die ihnen folgen, jenseitige Strafen angedroht: ,,der mçz darumbe gewizziget werden. in dem ewigen fivre." (Z. 35f. [S. 187]) Ein weiteres Zitat aus dem Evangelium (Mt 7,19) wird in lateinischer und deutscher Fassung eingefügt (Z. 36-40 [S. 187]). Dieser Teil des Evangeliums eignet sich im Gegensatz zum ersten Teil zu einer allegorischen Auslegung (Z. 40 [S. 187] - Z. 11 [S. 188]): Der Baum, der entweder gute oder schlechte Früchte hervorbringt, ist Symbol für den Menschen. Alles was am Baum ist, steht für alles Menschliche. Der Baum wird weiter beschrieben und seine Eigenschaften gegensätzlich - ,,Der bovm wurzit vnder sich in div erde. Also sol der mennisch wurzin uber sich. Mit dem vestin gelovben hin ze gote." (Z. 42 [S. 187) - Z. 2 [S. 188]) - oder parallel auf den Menschen übertragen. Die Äste/Früchte, die der Baum hervorbringen soll, sind beim Menschen sieben Sproße: 1) Liebe zu Gott und zum Mitchristen; 2) Gedult; 3) Keuschheit; 4) Demut; 5) Gehorsam; 6) Erbarmen mit den Armen; 7) Reinheit des Herzens. Der Mensch, der sie hervorbringt, bringt Früchte in allen guten Werken und wird zehnfach belohnt.

Die Predigt schließt mit einer Bitte halb in deutscher Sprache, daß dies gelinge, und halb lateinischer Formel um Beistand der Dreifaltigkeit (Z. 11f. [S. 188]).

9) 9. Sonntag nach Pfingsten48

Auch die neunte Predigt beginnt nicht unmittelbar mit dem lateinischen Eingangszitat aus Lk 16,1, sondern mit einer kurzen deutschen Einleitung (Z. 13f. [S. 188]). Es folgt die Nacherzählung (Z. 15-24 [S. 188]) des Gleichnisses vom ungetreuen Verwalter (Lk 16,1-4), wobei der Verfasser einen Teil des Gleichnisses ausläßt; auf diese folgt ohne Überleitung eine allegorische Auslegung (Z. 25-36 [S. 188]), in deren Verlauf der Prediger das gesamte Gleichnis auf die ,,Lehrer der Christenheit" hin auslegt, die das Volk nicht ,,erbauen können". Ihre eigene Gedankenlosigkeit klagt sie bei Gott an, und so ist das beste, was sie tun können, daß sie ihren Gläubigen die Sünden vergeben und sich durch die Tat der Vergebung (Beichte) das ewige Reich erwerben. Es ist deutlich zu spüren, wieviel Schwierigkeiten dem Prediger dieses Gleichnis bereitet hat, da seine Auslegung äußerst weit vom Text des Evangeliums entfernt ist.

Als Lehre der Predigt leitet er zu einem lateinisches Zitat (Lk 16,9) über (Z. 37ff. [S. 188]), das er kurz überträgt (Z. 39-44 [S. 188]) und das somit lehrhaft am Schluß seiner Predigt steht, die dadurch ohne Aufforderung oder Gebet schließt.

10) 10. Sonntag nach Pfingsten49

Am Anfang der Predigt zum 10. Sonntag nach Pfingsten steht wieder ein lateinisches Eingangszitat, das auf das Evangelium von der Klage Jesu über die Stadt Jerusalem (Lk 19, 41-44) hinweist. Auf die relativ textnahe Nacherzählung (Z. 2-9 [S. 189]) folgt eine allegorische Auslegung (Z. 10-19 [S. 189]), in der Jerusalem sowohl als Symbol für die Christenheit steht, zu der Gott durch seine Menschwerdung als Trost kommen soll, als auch als Symbol für jeden einzelnen Christen, der seine Missetaten nicht erkennen will: ,,die in der cit in den sundin sint beliben. vmbe die wainet vnsir herre. vnde niht vmbe die stat div da zerganchlich was." (Z. 15ff. [S. 189]) Die Feinde, die Jesus erwähnt, sind die Teufel, die die Menschen täglich anfechten.

Die Auslegung mündet in die Aufforderung (Z. 20ff. [S. 189]), um Sündenbefreiung und Aufnahme ins Himmelreich zu bitten. Am Schluß der Predigt steht die lateinische Kurzformel ,,prestante", die den Prediger wohl an eine lateinische Segensformel erinnern sollte.

11) 11. Sonntag nach Pfingsten50

Thema der elften Predigt ist das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, die beide im Tempel beten wollen (Lk 18,9-14). Auf eine kurze deutsche Einleitung (Z. 24ff. [S. 189]) folgt das lateinische Zitat des Evangeliumsbeginns und die Nacherzählung [Z. 27-40 [S. 189]), in der der Prediger nicht von Pharisäer und Zöllner spricht, sondern die beiden als ,,rehter man" (Z. 29 [S. 189]) und ,,ofner sundære" (ebd.) bezeichnet, womit er sich eine Erklärung der beiden Begriffe aus der jüdischen Welt erspart.

In der allegorischen Auslegung (Z. 41 [S. 189] - Z. 10 [S. 190]) stellen die beiden Männer die Opposition von Juden und Heiden dar: Der Gerechte steht für die Juden, die sich aufgrund des alten Bundes für vollkommen halten, und der Sünder für die Heiden, die sich bekehrt und den christlichen Glauben angenommen haben.

Als Lehre (Z. 10-13 [S. 190]) führt der Prediger ein Zitat in deutscher Sprache aus dem Evangelium (Lk 18, 14b) an, das auch dort bereits lehrenden Charakter besitzt. Die Predigt schließt mit der typischen Aufforderung, Gott zu bitten (Z. 14ff. [S. 190]). Bei dieser Predigt soll der Mut, Gottes Willen zu tun, erbeten werden, um das ewige Leben zu erlangen.

12) 12. Sonntag nach Pfingsten51

Die wiederum sehr kurze Predigt zum 12. Sonntag nach Pfingsten beginnt ohne lateinisches Zitat, in dem der Prediger das Tagesevangelium (Mk 7,31-35) nacherzählt. Von der Nacherzählung (Z. 17-24 [S. 190]) leitet er diesmal mit der aus den Predigten 2, 5 und 7 bekannten typischen Formel52,die er auf das Evangelium hin verändert hat, zur allegorischen Auslegung (Z. 26-35 [S. 190]) über.

Der Taubstumme, der von Jesus geheilt wird, steht für alle Menschen vor Christi Geburt, die seine Lehre nicht vernommen haben. Die Heilung, das Greifen in die Ohren und das Berühren der Zunge, symbolisiert die sieben Gaben des Hl. Geistes, die durch die Taufe empfangen werden. Die Lehre (Z. 35ff. [S. 190]), die daraus gezogen werden soll, ist, daß man nur noch über Gottes Willen und nicht mehr über den des Teufels reden soll. Den Zuhörern wird dann in lateinisch-deutscher ,,Mischformel" (Z. 37ff. [S. 190]) am Schluß der Predigt der Beistand Gottes zugesagt.

13) 13. Sonntag nach Pfingsten53

Der Weingartner Prediger stellt seiner dreizehnten Predigt eine vergleichsweise lange Einleitung (Z. 1-4 [S. 66]) voran, in der er die Botschaft des Evangeliums zusammenfaßt: Liebe Gott und deinen ,,ebencristen" (Z. 1 [S. 66]). Daran schließt sich das lateinische Eingangszitat des Evangeliums an, in dem Jesus seinen Jüngern die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10,3-35) erzählt. Die Nacherzählung (Z. 4-17 [S. 66]) ist leicht paraphrasiert und der Levit wurde beispielsweise weggelassen. Vor der bei dieser Predigt sehr ausführlichen allegorischen Auslegung (Z. 18 [S. 66] - Z. 42 [S. 67]) steht die bereits bekannte Überleitungsformel54.

Schritt für Schritt wird nun durch den Prediger das ganze Personal der Geschichte allegorisch gedeutet. Der Mann aus Jerusalem, der sich auf einer Reise befindet, steht für Adam und alle Menschen, die aus dem Paradies in die Welt verstoßen worden sind. Die Räuber, die ihn überfallen sind die Teufel, wobei der Raub für die Beraubung von himmlischer Gnade und die Verwundung durch Sünden steht. Der Priester, der nicht hilft, steht für die verstockten Menschen des Alten Bundes, die Juden. Der Samaritaner, der des Weges kommt und hilft, steht allegorisch für Jesus Christus, der die sündige Menschheit mit dem Öl des Hl. Geistes und demWein seiner Lehre zur Heilung verhilft. Das Pferd, auf das der Verwundete geladen wird, steht für die Vergänglichkeit des Menschen, die ,,flaizschis br_dichait" (Z. 34 [S. 67]), die Jesus Christus annahm, um am Kreuz zu sterben. Das Wirtshaus, in das der Samaritaner den Verwundeten bringt, bezeichnet die Christenheit und der Wirt die christliche Lehre, womit den an der Seele Erkrankten geholfen werden soll. Die zwei ,,Pfennige" Lohn schließlich, die der Samaritaner, also Jesus, für den Wirt, die Christenheit, zurückläßt, ,,daz ist div zwivalte minne. die wir hin ze gote vnde ze vnsrim ebencristen han svn." (Z. 40f. [S. 67]) In der relativ kurzen Lehre (Z. 42-46 [S. 67]) werden die Zuhörer gewarnt, daß alles, was sie auf Erden tun, im Himmel entsprechend belohnt wird. Den Abschluß der Predigt bildet wieder eine Aufforderung (Z. 46-49 [S. 67]), Gott um Gnade zu bitten, die in ein kurzes Schlußgebet ,,Des helfe vns got. amen." (Z. 49 [S. 67]) mündet.

14) 14. Sonntag nach Pfingsten55

Die Heilung der zehn Aussätzigen (Lk 17,11-19) ist Thema der vierzehnten Predigt, die wieder mit einem lateinischen Zitat beginnt, auf das eine sehr genaue Nacherzählung (Z. 2-14 [S. 2]) des Evangeliums folgt, wobei einige Textstellen aufgrund von Radierungen verlorengegangen sind.

Zu Beginn der allegorischen Auslegung (Z. 15 [S. 2] - Z. 3 [S. 3]) deutet der Prediger die Lokalität des Evangeliums aus. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem und kommt durch Galiläa. Jerusalem steht für das himmlische Reich und der Weg durch Galiläa steht für Christi Himmelfahrt. Ohne jeglichen Anschluß folgt dann die Auslegung der im Evangelium berichteten Ereignisse. Die zehn Aussätzigen stehen für alle die Menschen, die ihre Todsünden, ,,hçpsundin" (Z. 20 [S. 2]), erkannt haben und gereinigt werden durch Christus, wenn sie Reue zeigen und Buße tun. Erneut wird durch den Prediger antijudaistisch polemisiert. Der einzige Aussätzige, der zu Jesus zurückkehrt und sich bedankt, symbolisiert die Christenheit, die Gott wegen der an ihr geschehenen Gnade loben soll, während die undankbaren neun Aussätzigen für die Judenschaft stehen, ,,diu inhochvertin unde in ubirmçte enphienc die gnade unt diu zaichin diu unsir herre mit im bigie." (Z. 1ff. [S. 3]) Mit ,,nu mant"56 (Z. 3 [S. 3]) wird die abschließende Aufforderung (Z. 3-6 [S. 3]) zur Bitte an Gott eingeleitet, an deren Schluß Maria als Helferin angerufen wird.

15) 15. Sonntag nach Pfingsten57

Das Thema der 15. Predigt ist die Vorrangstellung des Reiches Gottes vor allen weltlichen Sorgen. Einleitend verwendet der Prediger ein lateinisches Zitat (Mt 6,24), das er kurz in deutscher Sprache einleitet, bevor er es überträgt (Z. 10-15 [S. 3]) und knapp auslegt (Z. 15- 18 [S. 3]). Es wird anhand des Evangeliums erläutert, das man sich zwischen Gott und der Welt entscheiden soll. Den Lohn den man dafür erhält, erläutert der Verfasser anhand eines neuen Bibelzitats (Mt 6,33) in lateinischer Fassung und deutscher Übertragung. Er benutzt dieses zweite Zitat (Z. 18-23 [S. 3]), wie in den Predigten 9 und 11 als Lehre für die Zuhörer, und beschließt die Predigt mit der Aufforderung (Z. 23f. [S. 3]), auf Marias Fürsprache zu vertrauen.

16) 16. Sonntag nach Pfingsten58

Die Auferweckung des Sohnes einer Witwe in Naïn (Lk 7,11-15) wird im Evangelium des 16. Sonntags nach Pfingsten berichtet. Nach lateinischem Eingangszitat wird die Heilungsgeschichte paraphrasiert nacherzählt (Z. 25-30 [S. 3]), in dem die Heilungsszene in den Mittelpunkt gerückt wird. Die allegorische Auslegung (Z. 32 [S. 3] - Z. 8 [S. 4]) wird mit der bekannten typischen Formel eingeleitet, die ein typisches Stilmittel des Weingartner Predigers zu sein scheint. Die Heilungsgeschichte wird nun verallgemeinert, in dem die Auferweckung des jungen Mannes mit der Heilung der ganzen sündigen Menschheit gleichgesetzt wird. Abschließend fordert der Prediger seine Zuhörer auf (Z. 8ff. [S. 4]), Gott auf Fürsprache der hl. Maria um seine Gnade der Sündenvergebung zu bitten.

17) 17. Sonntag nach Pfingsten59

Die Predigt zum 17. Sonntag nach Pfingsten ist besonders von ihrer Struktur her interessant. Sie beginnt mit dem lateinischen Eingangszitat, in dessen Anschluß das Evangelium von der Heilung eines Wassersüchtigen am Sabbat (Lk 14,1-4) nacherzählt wird (Z. 12-19 [S. 4]). In der Nacherzählung fehlt die Reaktion der Schriftgelehrten auf die von Jesus gewirkte Heilung. In der allegorischen Auslegung dieser Perikope (Z. 20-24 [S. 4]), die wieder mit der bekannten Formel eingeleitet wird, legt der Prediger dar, daß der Wassersüchtige, der, je mehr er trinkt, stärkeren Durst verspürt, seine Entsprechung in reichen Menschen findet, die danach trachten, immer mehr weltlichen Reichtum anzuhäufen, und davon nicht genug bekommen. Die Lehre (Z. 24-27 [S. 4]) besteht darin, daß die Zuhörer sich von weltlichem Gewinn abwenden: ,,so machet in got gisûnt an der selê als er den siechen menschen tet." (Z. 26f. [S. 4])

Nun folgt ein zweites Zitat (Lk 14,8) in lateinischer Sprache, das nacherzählt (Z. 28-32 [S. 4]) und allegorisch gedeutet wird (Z. 32 [S. 4] - Z. 2 [S. 5]). Einen unteren Platz beim himmlischen Festmahl nimmt nur der Demütige ein und wird durch Gott für seine Demut belohnt, indem er aufrücken darf. Die Predigt schließt mit einer kurzen Bitte (Z. 3f. [S. 5]), um Erlangung dieses Verdienstes auf Fürsprache der hl. Maria.

Die gesamte Predigt hat eine deutliche Doppelstruktur, in der zwei Teile des Tagesevangeliums hintereinander nacherzählt und ausgelegt werden, auf die abschließend eine Lehre bzw. eine Abschlußbitte folgt.

18 ) 18. Sonntag nach Pfingsten60

Bei dieser achtzehnten Predigt wird das lateinische Zitat in die deutsche Nacherzählung (Z. 5- 16 [S. 5]) des Evangeliums vom größten Gebot (Mt 22,34-40) eingebettet, indem die Ausgangssituation in deutsch und nur die Frage des Schriftgelehrten in der Vulgatafassung zitiert wird. Anschließend wird mit der deutschen Nacherzählung fortgefahren, wobei das Zitat selbstverständlich übersetzt wird.

Da sich das Gebot von der Gottes- und Nächstenliebe, das von Jesus im Evangelium herausgestellt wird, nicht für eine allegorische Auslegung eignet, fährt der Prediger mit einer Ermahnung fort (Z. 16-23 [S. 5]), daß sich die Zuhörer dieses Gebot zu eigen machen sollen. Stilistisch fällt auf, daß sich hier das einzige Mal im gesamten Codex eine Anrede findet, die, statt Personalpronomen (beispielsweise ,,iv") zu verwenden, die Beziehung zwischen Prediger und Zuhörer erschließen läßt: ,,Lieben chint [...]." (Z. 16 [S. 5]) Ebenso fällt bei genauerer Betrachtung auf, daß in der Nacherzählung des Evangeliums der Prediger von Nächstenliebe spricht, wie es im Evangelium der Fall ist, ,,Du solt minnen dinin nahesten alse dich selben." (Z. 14 [S. 5]), und bei der Lehre sagt er: ,,[...] und unsrin ebenchristen als uns selben minnen." (Z. 21 [S. 5]) Dieses Eingrenzen der ,,Nächsten" auf die Mitchristen scheint für das Mittelalter und für die Weingartner Predigten typisch zu sein.

Die Predigt schließt mit einer sehr kurzen Bitte (Z. 23 [S. 5]) an Gott um Hilfe, wobei die Anrufung der Trinität in lateinischer Kurzformel aufgeschrieben wurde.

19) 19. Sonntag nach Pfingsten61

Nach kurzem lateinischen Zitat wird das Evangelium von der Heilung eines Gelähmten (Mt 9,1-8) paraphrasiert durch den Prediger nacherzählt (Z. 25-31 [S. 5]), indem er sich wieder auf die Heilung konzentriert. Zur allegorischen Auslegung leitet er in abgewandelter Form über: ,,Dise rede wellen wir iu zerl_sin als uns diu schrift seit."(Z. 31f. [S. 5]). Das Schiff, mit dem Jesus über den See fährt, steht für die Christenheit62, die sich vor den Wellen der Sünde bewahren soll. Das Fahren Jesu im Schiff bezeichnet das Wohnungnehmen Jesu im reinen Herzen der Gerechten und Guten. Die Heilung wird wieder als Bild für die Heilung aller sündigen Menschen durch Jesus Christus verstanden. Mit einer kurzen Bitte um Beistand der ,,hailige[n] kunegin" (Z. 10f. S. 6]) schließt die Predigt.

20) 20. Sonntag nach Pfingsten63

Die 20. Predigt des Codex weist eine bekannte Struktur auf. Nach dem lateinischen Eingangszitat, das auf das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Mt 22,1-10) hinweist, folgt die deutsche Nacherzählung (Z. 13-26 (S. 6]) auf die wiederum die allegorische Auslegung (Z. 28 [S. 6] - Z. 1 [S. 7]) folgt, die mit der für den Weingartner Prediger typischen Formel64 eingeleitet wird. Die Auslegung steht wieder im Zeichen antijudaistischer Opposition: Die ersten Boten, die zum Mahl Gottes laden (Das Brautpaar ist Symbol für Jesus Christus und die Christenheit), sind ,,die hailigen patriarchen und wissagen, die laditin die judin zç dem himelriche. die stayneten si dar umbe sûmeliche, und etliche slçgen si ze todê." (Z. 32ff. [S. 6]). Die zweiten Boten, die Erfolg hatten, sind die 12 Apostel. Als Lehre verwendet der Prediger nun ein weiteres Zitat (Mt 22,14) in lateinisch und deutscher Übertragung; genauso sind auch die Predigten 9, 11 und 15 strukturiert. Am Schluß der Predigt werden die Zuhörer aufgefordert (Z. 4ff. [S. 7]), Gott um die Gnade zu bitten, zu den zum Himmelreich Geladenen zu gehören.

21) 21. Sonntag nach Pfingsten65

Nach dem lateinischen Eingangszitat erzählt der Verfasser die Heilung in Kana (Joh 4,46-53) nach (Z. 8-15 [S. 7]), wobei diesmal wie im Evangelium das Hauptaugenmerk auf dem Glauben des Vaters, eines königlichen Beamten, liegt, der Jesus um Heilung seines Sohnes bittet. Schon die Einleitung zum zweiten Teil (Z. 15-25 [S. 7]) der Predigt, der Auslegung, macht deutlich, daß hier stilistisch Auslegung und Lehre verschmelzen: ,,Disiu rede ist uns dar umbe vor gischriben, daz wir uns sulin gibezzirn da bi." (Z. 15f. [S. 7]) Alle Christen sind königlich, weil sie mit Öl und Chrisam zum Himmelreich geweiht sind, und sie handeln königlich, wie der Vater, der um die Heilung seines Sohnes bittet, wenn sie einen Mitchristen als Sünder erkennen unddann von Jesus Christus für ihn und für sich selbst Heilung erbitten. Abschließend werden die Gläubigen aufgefordert, nun Gott um die Gnade des himmlischen Reiches zu bitten (Z. 25-28 [S. 7]).

22) 22. Sonntag nach Pfingsten66

Die 22. Predigt ist wieder ein Beispiel für die typische Struktur, in der der Prediger seine Predigten abgefaßt hat: Lateinisches Initium; Nacherzählung des Evangeliums (Z. 2 [S. 67] - Z. 21 [S. 68]) - hier das Gleichnis vom unbarmherzigen Schuldner (Mt 18,23-34); allegorische Auslegung (Z. 21-37 [S. 68]) mit der typischen Einleitungsformel und der abschließenden Aufforderung zur Bitte (Z. 37ff. [S. 68]): ,,Dar vmbe manent got."67 Das Gleichnis wird dahingehend gedeutet, daß der Knecht für den schuldbeladenen Christen steht, der erst seinen Mitchristen vergeben soll, um Gottes Vergebung zu erlangen. Wer dies nicht tut, wird mit der Hölle bestraft (die Schergen des Königs stehen für die Teufel).

23) 23. Sonntag nach Pfingsten68

Die Steuerfrage die Jesus von den Pharisäern gestellt bekommt (Mt 22,16-21), wird nach lateinischem Initium und Nacherzählung des Evangeliums (Z. 30 [S. 7] - Z. 6 [S. 8]) in der allegorischen Auslegung (Z. 6-10 [S. 8]) so ausgelegt, daß jeder Christ, so wie ein Geldstück das Zeichen des Herrschers trägt, mit Gottes Zeichen besiegelt ist (Firmung?). Die Lehre (Z. 10-13 [S. 8]), die die Zuhörer daraus ziehen sollen, ist, daß man alles Leibliche ruhig dem weltlichen Herrscher geben kann, solange man folgendes befolgt: ,,[...] der selê zins sun wir dem himilischin kayser gen."(Z. 13 [S. 8]) Die Predigt schließt mit der Bitte (Z. 13ff. [S. 8]) an Gott um Hilfe, das zu befolgen.

24) 24. Sonntag nach Pfingsten69

Bei dieser Predigt steht in der Überschrift lediglich ,,Dominica". Eine Zuordnung des Evangeliums erfolgte aufgrund des lateinischen Zitats undder Nacherzählung (Z. 18-25 [S. 8]). Die Zuordnung zum Kirchenjahr hat Schönbach bei dieser und den folgenden fünf Predigten aufgrund des Missale Romanum vorgenommen.70

Der Prediger konzentriert sich ganz auf die Heilung der Tochter des Synagogenvorstehers (Mt 9,18f. 25) und läßt die in das Evangelium eingewebte Geschichte von der Heilung einer Frau sowohl in der Nacherzählung als auch in der Auslegung (Z. 26 [S. 8] - Z. 2 [S.9]) außer acht. Die Heilungsgeschichte legt er wie die Heilungen in den Predigten 16 und 19 aus. Die Predigt schließt mit der typischen Aufforderung zur Bitte (Z. 2-5 [S. 9]).

4.2 1.-5. Sonntag nach Ostern

25) 1. Sonntag nach Ostern (Weißer Sonntag)71

Die Erscheinung Jesu vor dem ungläubigen Jünger Thomas, der Jesus um ein Zeichen bittet (Joh 20,24-29), legt der Weingartner Prediger nach lateinischem Eingangszitat und deutscher Nacherzählung der Perikope (Z. 7-22 [S. 9]) im zweiten Teil der Predigt folgendermaßen aus (Z. 22-30 [S. 9]): Das Verhalten des Thomas' bedeutet, das man keiner falschen Lehre folgen soll, auch wenn andere Lehrer ,,Zeichen" versprechen. Die Lehre (Z. 30-34 [S. 9]) für die Zuhörer lautet, daß sie an Jesu Tod und Auferstehung mit Hilfe der Jungfrau Maria glauben sollen, obwohl sie diese Glaubensgeheimnisse nicht gesehen haben.

26) 2. Sonntag nach Ostern72

In der 26. Predigt wird das Evangelium vom guten Hirten (Joh 10, 11-16)73 in zwei Schritten ausgelegt. Zuerst folgt nach lateinischem Initium und Nacherzählung (Z. 2-12 [S. 10]) die Auslegung der Verse 11-15 (Z. 12-23 [S. 10]): Der Hirt steht für Jesus Christus selbst, und die Schafe, die er zu weiden hat, sind alle die, die Jesus mit seinem Tod vom Teufel befreit hat(Teufel = ,,vîent" Z. 15 [S. 10]). Der gemietete Hirt ist Symbol für alle die Lehrer, die für ihren eigenen Nutzen handeln. ,,Die selben fliehent, swenne der wolf zuchet daz schaf, daz ist, so der tiuvel den menschin inpfromidit von gote mit houphaftigen sûndîn." (Z. 19ff. [S. 10])

Im zweiten Teil wird nun Vers 16 des Evangeliums übersetzt (Z. 23-26 [S. 10]) und ausgelegt (Z. 26-31 [S. 10]): Die übrigen Schafe sind die Heiden und die Juden, die Gott im jüngsten Gericht einladen will, sich mit den Christen zu vereinen, indem sie den christlichen Glauben annehmen.

In der abschließenden Bitte (Z. 31ff. [S. 10]) wird Maria um Beistand gebeten, daß die Gläubigen am jüngsten Tag auf der rechten (richtigen) Seite Gottes stehen.

27) 3. Sonntag nach Ostern74

Ein äußerst schwieriges Evangelium muß der Prediger in dieser Predigt auslegen: Das Bildbeispiel Jesu von der schwangeren Frau (Joh 16,21), das dieser in einer seiner Abschiedsreden an seine Jünger verwendet.

Auf das lateinische Eingangszitat folgt die Nacherzählung der Perikope (Z. 35 [S. 10] - Z. 5 [S. 11]), in der der Verfasser in Klammern gesetzt auf das Ziel des Beispiels aufmerksam macht: ,,wol im der da von gibezrit wirt!" (Z. 1 [S. 11]) In seiner allegorischen Auslegung (Z. 5-11 [S. 11]) steht die Frau als Symbol für die ganze Christenheit und das Gebären für das tägliche Tun guter Werke. Schwangersein deutet auf die Schwachheit des menschlichen Körpers hin; gute Werke können also nur mit Gottes Hilfe getan werden. In der abschließenden Bitte (Z. 11ff. [S. 11]) bittet der Prediger um Gesundung durch die fünf heiligen Wunden Christi75.

28) 4. Sonntag nach Ostern76

In der äußerst kurzen Predigt zum 4. Sonntag nach Ostern, die wieder einen Abschnitt aus der Abschiedsrede Jesu (Joh 16,5-15) als Thema hat,wird in der Auslegung ein enger Bezug zum Kirchenjahr deutlich: In etwa zwei Wochen wird das Pfingstfest gefeiert. In der Nacherzählung (Z. 14-22 [S. 11]), die auf das lateinische Eingangszitat folgt, legt der Prediger den Schwerpunkt auf die Verse 5-7 und 13a und rückt so die Zusage Jesu, den Geist zu senden, in den Mittelpunkt. In der nur teilweise allegorischen Auslegung wird die Ankündigung der Himmelfahrt so verstanden, daß sich der Sinn aller Gläubigen auf das himmlische Reich richten soll. Der Geist, den Jesus verspricht, ist der Hl. Geist, den er zehn Tage nach seiner Himmelfahrt den 12 Aposteln gesandt hat und der sie erfüllt hat, überall in der Welt Gottes Lehre zu predigen. Mit einer Bitte um diesen Geist (Z. 32ff. [S. 11]) wird die Predigt beendet.

29) 5. Sonntag nach Ostern77

In der letzten Predigt für einen Sonntag im Kirchenjahr geht der Weingartner Prediger nur von zwei Versen aus, die wiederum aus Jesu Abschiedsreden stammen (Joh 16,23f.). Auf das lateinische Zitat und die Nacherzählung (Z. 2-7 [S. 12]) folgt keine Auslegung, sondern eine Lehre für die Gläubigen (Z. 7-14 [S. 12]), wie das rechte Bitten, von dem Jesus im Evangelium spricht, aussieht: Mit echter Andacht soll man den Vater um Gnade bitten, so erhält man die unvergängliche Freude im Himmelreich.

Die Predigt schließt mit einer kurzen Bitte an die Dreifaltigkeit, diese Freude erlangen zu können, wobei die Gottesanrede wie in Predigt 12 in Lateinisch abgekürzt worden ist.

4.3 Sermo de mortuis

Die letzte Predigt in deutscher Sprache, die der Weingartner Codex F 55 enthält, ist eine Totenpredigt, die wohl in Anwesenheit des Leichnahms gehalten wurde oder werden sollte. In der abschließenden Aufforderung an die Gläubigen spricht der Prediger nämlich von ,,dirre sælige lichname" (Z. 20 [S. 13]), was darauf schließen läßt, daß der Leichnam aufgebahrt vor dem Prediger und der Gemeinde lag.

Die Predigt beginnt mit einem lateinischen Zitat (Ps 22,4 Vg.) aus dem Psalm ,,Der Gute Hirte" (heute Ps 23). Diese Worte, die dem Propheten David zugeordnet werden, überträgt der Prediger sehr frei ins Deutsche (Z. 19-25 [S. 12]), wobei er die Worte des Psalmisten in Zusammenhang mit dem Tod stellt. In der ersten kurzen allegorischen Auslegung (Z. 25-28 [S. 12]) versucht der Verfasser, die ,,Rute des Herrn" (virga tua = ,,besmen" Z. 26 [S. 12]) auszudeuten als die Zucht des Herrn durch Krankheit, Armut und Leid. Dies unterstreicht er noch durch ein deutsches Zitat78 aus der heiligen Schrift: ,,daz kint daz unser herre im selber wil, daz refset er unde gaizelt ez mænigin wis." [Z. 28f. [S. 12]) Nun wird der Stab (baculus tuus = ,,stap" Z. 30 [S. 12]) Gottes ausgelegt als der Trost, den er für den Menschen bereithält, der die Welt überwindet.

Auf diese Auslegung folgt ein weiteres lateinisches Zitat aus Ps 49,16a und 17, das ins Deutsche übertragen wird: Die Verschmähung der Zucht Gottes durch den Sünder. Daraufhin belehrt der Prediger die Zuhörer (Z. 35 [S. 12] - Z. 13 [S. 13]), daß sie Gottes Züchtigungen auf sich nehmen sollen, denn die Buße der Missetaten führt zur Genesung der Seele, daß sie sich im klaren darüber sein sollen, daß nicht einmal ein neugeborenes Kind schuldlos ist - also ihre Schuld um ein vielfaches größer ist - und daß Gott die Sünder nicht endgültig verderben will und man deshalb für sich und den Verstorbenen beten soll.

Es folgt ein weiteres lateinisches Zitat aus Eccle 7,3 Vg.79 mit deutscher Übertragung (Z. 14- 19 [S. 13]), in der die rechte Trauer thematisiert wird.

Abschließend fordert der Prediger die Gläubigen inständig zum Gebet für den Verstorben auf, wobei er auch um ihr Gebet für sich selbst und alle Gläubigen bittet (Z. 19-24 [S. 13]).

4.4 Struktur der Predigten

In einem Großteil der Predigten80 läßt sich eine sehr ähnliche Grund-struktur nachweisen, die folgendermaßen dargestellt werden kann:

1) Überschrift: Sonntag und Evangelist werden erwähnt;
2) (Einleitung, die einen Zweck des Evangeliums angibt)81, lateinisches Eingangszitat und deutsche Übertragung der Perikope;
3) (Einleitungsformel zur Allegorie)82, allegorische Auslegung;
4) Lehre83 und/oder Bitte/Gebet (Aufforderung mit ,,nu mant")84.

Des weiteren lassen sich vier weitere Möglichkeiten der Strukturierung der einzelnen Predigten ausmachen:

1.) In den Predigten 9, 11, 15, und 20 folgt auf die Auslegung der Perikope als Lehre, die die Gläubigen aus ihr ziehen sollen, ein weiteres lateinisches Zitat mit einer deutschen Übertragung, wobei in den Predigten 11 und 20 eine selbständige ausgestaltete Aufforderung zur Bitte folgt, die in den Predigten 9 und 15 nur formelhaft an die Übertragung des zweiten Zitats anschließt.
2.) Eignet sich nur ein Teil des Evangeliums zur allegorischen Auslegung, so wird die Perikope wie in den Predigten 8, 17 und 26 in zwei Teilen übertragen und ausgelegt.
3.) Spricht das Evangelium für sich, und eine Auslegung ist nicht nötig, dann folgt auf die Übertragung wie in den Predigten 18, 21 und 29 eine belehrende Ermahnung der Zuhörer.
4.) Ist die Perikope äußerst schwierig zu verstehen, so legt der Prediger sie in vielen kleinen Einzelschritten wie in den Predigten 4 und 6 aus. Der sermo de mortuis scheint in diese Struktur zu passen.

Der Weingartner Prediger, das läßt sich an der eigentümlichen Struktur seiner Predigten deutlich erkennen, stellt das Evangelium und dessen Auslegung in den Mittelpunkt seiner Predigt. Er verwendet im Gegensatz zu anderen Predigern keine erzählende Einleitung (introductio) und es gibt kein erläuterndes Predigtmärlein (exempla) auch werden nur in sehr wenigen Predigten andere Bibelzitate zur Unterstreichung des Gesagten herangezogen.85

4.5 Rhetorik der Predigten

Der Weingartner Prediger bedient sich einer relativ einfachen Satzstruktur und neigt zu parataktischen Satzgefügen. Typisch sind seine feststehenden Formeln, auf die ich bereits hingewiesen habe. Zu diesen Formeln gehört die Einleitung zur Allegorie, von der es drei unterschiedliche Fassungen gibt. Häufig bedient sich der Prediger gerade in der Auslegung eines reihenden Stils, wenn er nacheinander Personen und Handlung der Perikope erläutert: ,,... bizaichint..., ... bizaichint ...".

Eine weitere häufige Formulierung verwendet er bei der abschließenden Aufforderung der Gläubigen zur Bitte: ,,nu mant...".

4.6 Inhalt der Predigten

Ich möchte abschließend den Blick auf drei wichtige Themen der Weingartner Predigten lenken, die einen guten Einblick in die Welt des 12. Jahrhunderts geben können. Das gesamte christliche Leben in der Welt dient nur einem Zweck, das ewige Heil zu erlangen. Krankheit, Armut und Leid müssen als Gottes Züchtigung hingenommen werden, aller Trost ist jenseitig (vgl. sermo de mortuis). Um das Himmelreich zu erlangen, muß der Christ tugendhaft leben (eine Art Tugendkatalog findet sich in Predigt 4 und sehr ausführlich in Predigt 8, wo der Prediger das Bild vom Baum und seinen Ästen verwendet), er muß in rechter Weise beten (Vgl. Predigten 6 und 29). Das Tun guter Werke auf Erden ist äußerst schwierig und bedarf Gottes Hilfe,dies wird in der Auslegung des Bildes von der schwangeren Frau (Predigt 27) deutlich gemacht. Wichtig für jeden Christen ist auch die Lehre, die während des gesamten Lebens im Mittelpunkt stehen sollte (Vgl. Speisung der Viertausend, Predigt 7). Die Menschheit ist erst durch das Leiden Jesu am Kreuz wieder erlöst (Vgl. Guter Hirt, Predigt 3); so rückt das Leiden Christi in den Mittelpunkt des Interesses, während seine machtvollen Taten, beispielsweise die Heilungen oder die Speisung der Viertausend, nicht dazu verwendet werden, seine göttliche Macht zu illustrieren; sie dienen dem Weingartner Prediger ausschließlich als Beispiel für die Erlösung der Menschheit, wobei man feststellen muß, daß die Auslegung der Heilung als Heilung der gesamten Menschheit von ihren Sünden einen geradezu modern anmutenden, ganzheitlichen Ansatz darstellt (Predigten 16, 19 und 24). Für die Menschen, die sich ihrer Sündhaftigkeit nicht bewußt sind, wird als Bestrafung die Hölle angedroht (Vgl. Predigten 2 und 26), wobei deutlich wird, daß eine Vorstellung vom Fegefeuer, jenseitigen Qualen, wie wir sie aus dem Hochmittelalter kennen, anscheinend noch nicht ausgeprägt ist.

Eng verknüpft mit dem vorigen Thema ist der Topos von den Lehrern der Christenheit bzw. Predigern, die für die Erlangung des himmlischen Reiches notwendig sind, da sie die Gläubigen mit den christlichen Lehren vertraut machen. Sie werden im Bild der Hunde gesehen, die die Sünden ,,anbellen" und die Wunden heilen, in dem sie sie auslecken (Predigt 1). Diese Allegorie erinnert sehr an das in den folgenden Jahrhunderten verwendete Wortspiel, die Dominikaner seien ,,domini canes". In der Auslegung der Berufungsszene der ersten Jünger am See werden die Prediger in den Fischern gesehen, die mit ihren Netzen, dem christlichen Glauben, einen guten Fang nach Hause bringen. Es scheint aber im 12. Jahrhundert eine Reihe Prediger gegeben zu haben, die ihren Dienst nicht sorgfältig verrichteten: Diese werden in den Predigten 9 und 26 ausführlich thematisiert. Die Prediger, die ihre Gläubigen nicht erbauen und ihren Dienst nicht gut verrichten, machen sich gegenüber Gott schuldig (Gleichnis vom ungetreuen Verwalter, Predigt 9). Das gleiche Verhalten zeigen die ,,gemieteten Hirten" im Gleichnis vom guten Hirten (Predigt 26): ,,Der zç denschafen gimietet ist der bizaichint die lerær die da pflegent ir undertan n0wan durch ir nuzis willen, da mit ist 4ch den vor gelonet."86

Auffällig ist vor allem für heutige Leser der dritte Themenbereich, den der Prediger immer wieder anspricht: Antijudaismus.

Eine Vielzahl der Predigten greift immer wieder ausgeführt oder nur angedeutet die Opposition zwischen Juden und Christen (beispielsweise das unausgeführte Bild der zwei Boote aus Predigt 587 ) auf. Grundsätzlicher Vorwurf an die Juden ist, außer daß sie reich sind, wie ihnen in Predigt 1 vorgeworfen wird, ihre Ablehnung gegenüber der Botschaft Jesu. Sie sind diejenigen, die sich dem Opfertod Jesu verweigert haben - noch taucht das Motiv der Gottesmörder, das Begründung für die Pogrome späterer Jahrhunderte ist, nicht auf.88 Dieses Motiv ist eng verknüpft mit dem Gottesbild, dessen Wandel von einem herrschenden zu einem leidenden Gott, wie ihn die Mystiker vor allem die Zisterzienser in den Mittelpunkt des Interesses rückten, ist auch in den Weingartner Predigten zu spüren. Für das Leiden Jesu am Kreuz, mit dem sich später auch die Volksfrömmigkeit sehr stark beschäftigte (Vgl. heilige fünf Wunden Jesu in Predigt 27), wurden die Juden verantwortlich gemacht, eine wichtige Rolle spielte hierbei natürlich auch die Entwicklung der Kreuzzugsidee, die Anlaß vieler Predigten war: ,,Die völlige Gleichsetzung zwischen dem inländischen Andersgläubigen, dem Juden, und dem ausländischen Feind, dem Moslem, erfolgt schon in der Entstehung des Kreuzzugsgedankens [...] und führt schließlich zu den jämmerlichen Judenverfolgungen der Kreuzzüge."89

Bereits in Predigt 1 bezeichnet der Weingartner Prediger die Juden und damit den alten Bund, als ,,div die alten .ê. enphie. vnde h_chfertichlichentrçch."90 Noch deutlicher wird er in Predigt 11, in der Jesus über die Juden weint, die sich aufgrund des alten Bundes für vollkommen halten, und ihre Situation wird so beschrieben: ,,Mit dem selben rçme sint si noch hivte betrogen."91 Ähnlich werden die Juden in Predigt 14 beschrieben (Vgl. S. 21f. dieser Arbeit). Nicht nur verstockt zu sein war der Vorwurf, sie wurden auch für die Tötung von Propheten und Patriarchen verantwortlich gemacht, deren Botschaft, die auf Jesus Christus hindeutete, die Juden nicht hören wollten (Vgl. Predigt 2092 ). Aber für alle, Juden und Heiden, besteht laut Predigt 26, die Einladung zur Bekehrung durch Gott.

5. Resümee

Trotz ihrer Kürze zeigt sich, daß die Weingartner Predigten ein interessantes Beispiel für deutschsprachige Predigtsammlungen des 12. Jahrhunderts sind. Sie sind stilistisch nicht zu vergleichen mit den sprachlich eleganten Predigten Meister Eckharts, aber sie sind Zeugnis für eine knappe, auf das wesentliche konzentrierte, Evangelienhomilie und sie geben Einblick in die Glaubenswelt des 12. Jahrhunderts, für die nur wenige Quellen in deutscher Sprache zur Verfügung stehen.

6. Literaturverzeichnis

6.1 Quellen

- Mone, Franz Joseph: Literatur und Sprache. VI. Altteutsche Predigten. B. Sonntagspredigten. Sommertheil. In: AnzfKddV 7 (1838), Sp. 393-396.
- Mone, Franz Joseph: Literatur und Sprache. I. Gedichte des 12. Jahrhunderts. 6. Von den sieben Todsünden. In: AnzfKddV 8 (1839), Sp. 58f.
- Mone, Franz Joseph: Literatur und Sprache. V. Glossare und Glossen. 20. Sündenregister. In: AnzfKddV 8 (1839), Sp.101f.
- Pfeiffer, Franz: Altdeutsches Übungsbuch zum Gebrauch an Hochschulen. Wien 1866. S. 182-190.
- Schönbach, Anton: Weingartner Predigten. In: ZfdA 28 (1884) N.F. 16, S. 1-20.
- Wackernagel, Wilhelm: Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften. Basel 1876 Nachdr. Darmstadt 1964. S. 63-68. 285f.

6.2 Sekundärliteratur zu den Weingartner Predigten

- Morvay, Karin; Grube, Dagmar: Bibliographie der deutschen Predigt des Mittelalters. München 1974 (= MTU 47). T 33 S. 26f.
- Ladisch-Grube: Dagmar: Art. ,,Weingartner Predigten". In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Bd. 10. Berlin, New York 1999. Sp. 817f.
- Cruel, Rudolf: Geschichte der deutschen Predigt im Mittelalter. Detmold 1876. S. 194-198. - Linsenmayer, Anton: Geschichte der Predigt in Deutschland von Karl dem Großen bis zum Ausgange des vierzehnten Jahrhunderts. München 1886. S. 297ff.
- Löffler, Karl: Die Handschriften des Klosters Weingarten. Leipzig 1912 (= 41. Beiheft zum Zentralblatt für Bibliothekswesen).
- Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, 2. Reihe: Die Handschriften der ehemaligen Hofbibliothek Stuttgart, 1. Bd.Codices Ascetici, 1. Teil HB I 1- 150 (beschrieben von J. Autenrieth u. V. Fiala). Wiesbaden 1968. S. 153ff.

6.3 Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Predigt

- Brinkmann, Hennig: Mittelalterliche Hermeneutik. Tübingen 1980.
- Cruel, Rudolf: Geschichte der deutschen Predigt im Mittelalter. Detmold 1876.
- Frey, Winfried: Gottesmörder und Menschenfeinde. Zum Judenbild in der deutschen Literatur des Mittelalters. In: A. Ebenbauer, K. Zatloukal (Hgg.): Die Juden in ihrer mittelalterlichen Umwelt. Wien, Köln, Weimar 1991. S. 35-51.
- Lindner, Pirmin: Fünf Profeßbücher süddeutscher Benediktiner-Abteien, Bd. 2 Profeßbuch der Benediktiner-Abtei Weingarten. Kempten; München 1909.
- Linsenmayer, Anton: Geschichte der Predigt in Deutschland von Karl dem Großen bis zum Ausgange des vierzehnten Jahrhunderts. München 1886.
- Rengstorf, Karl Heinrich; von Kortzfleisch, Siegfried: Kirche und Synagoge. Handbuch zur Geschichte von Christen und Juden. Bd.1. Stuttgart 1968.
- Rost, Hans: Die Bibel im Mittelalter. Beiträge zur Geschichte und Bibliographie der Bibel (Kap. 11. Die Bibel in der Predigt des Mittelalters). Augsburg 1939. S. 133-140. - Rengstorf, Karl Heinrich; von Kortzfleisch, Siegfried: Kirche und Synagoge. Handbuch zur Geschichte von Christen und Juden. Bd.1. Stuttgart 1968.
- Ruh, Kurt: Deutsche Predigtbücher des Mittelalters. In: Vestigia Bibliae 3 (1981). S. 11-29. - Zieleman, Gerrit Cornelis.: Middelnederlandse epistel- en evangelie-preken. Leiden 1978.

6.4 Hilfsmittel

- Hennig, Beate: Kleines Mitttelhochdeutsches Wörterbuch. Tübingen 1998.
- Paul, Hermann: Mittelhochdeutsche Grammatik (überarbeitet von P. Wiehl u. S. Grosse). Tübingen 199824.
- Neue Jerusalemer Bibel. Einheitsübersetzung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel (A. Deissler u. A. Vögtle [Hg.]). Freiburg, Basel, Wien 1985.
- Biblia Sacra iuxta vulgatam clementinam. Rom, Paris 1927. - Concordantiarum SS. Scripturae Manuale. Paris 1925.

[...]


1 So vermutete beispielsweise R. Cruel einen Zusammenhang der Weingartner mit den Basler Predigten nur aufgrund der Kürze und einiger marginaler Übereinstimmungen, ohne zu beachten, daß bei beiden ein gänzlich anderer Stil vorhanden ist (R. Cruel: Geschichte der deutschen Predigt im Mittelalter. Detmold 1876. Hier: S. 198f.).

2 Eine genaue Beschreibung der Handschrift findet sich in: Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, 2. Reihe: Die Handschriften der ehemaligen Hofbibliothek Stuttgart, 1. Bd. Codices Ascetici, 1. Teil HB I 1-150 (beschrieben von J. Autenrieth u. V. Fiala). Wiesbaden 1968. S. 153ff.

3 Vgl. A. Schönbach: Weingartner Predigten. In: ZfdA 28 (1884) N.F. 16, S. 1-20, hier: S. 1.

4 Ebd.

5 Handschriften. S. 153.

6 Ebd.

7 Ebd.

8 K. Löffler: Die Handschriften des Klosters Weingarten. Leipzig 1912 (= 41. Beiheft zum Zentralblatt für Bibliothekswesen). S. 95.

9 Die Predigten wurden in unterschiedlichen Werken abgedruckt. Eine genau Angabe findet sich in: K. Morvay; D. Grube: Bibliographie der deutschen Predigt des Mittelalters. München 1974 (= MTU 47). T 33 S. 26f.

10 Abgedruckt in: Schönbach. S. 14-18.

11 Abgedruckt in: Schönbach. S. 18.

12 Bis jetzt nicht abgedruckt.

13 Abgedruckt in: F. J. Mone: Literatur und Sprache. I. Gedichte des 12. Jahrhunderts. 6. Von den sieben Todsünden. In: AnzfKddV 8 (1839), Sp. 58f. Mit Berichtigungen in: Schönbach. S. 18f.

14 Abgedruckt in: F. J. Mone: Literatur und Sprache. V. Glossare und Glossen. 20. Sündenglossar. In: AnzfKddV 8 (1839), Sp.101f. Mit Berichtigungen in: Schönbach S. 19f.

15 Bisher unveröffentlicht. Werden bei K. Löffler erwähnt und teilweise beschrieben in: Handschriften. S. 154f.

16 Vgl. Löffler. S. 5.

17 Vgl. ebd. S. 8.

18 Vgl. ebd. S. 9.

19,,H. dei permissione abbas in Wingarten salutem in domino" (Handschriften S. 153.)

20 Vgl. Ebd. und P. Lindner: Fünf Profeßbücher süddeutscher Benediktiner-Abteien, Bd. 2 Profeßbuch der Benediktiner-Abtei Weingarten. Kempten; München 1909. S. 8 Nr. 20.

21 Handschriften. S. 153.

22 Löffler. S. 11.

23 Vgl. Ebd. S. 21.

24 Vgl. ebd. S. 31.

25 F. J. Mone: Literatur und Sprache. VI. Altteutsche Predigten. B. Sonntagspredigten. Sommertheil. In: AnzfKddV 7 (1838), Sp. 393-396.

26 1) Cruel; 2) A. Linsenmayer: Geschichte der Predigt in Deutschland von Karl dem Großen bis zum Ausgange des vierzehnten Jahrhunderts. München 1886.

27 Vgl. Linsenmayer. S. 70.

28 Cruel. S. 195.

29 K. Ruh: Deutsche Predigtbücher des Mittelalters. In: Vestigia Bibliae 3 (1981). S. 11-29. Hier: S. 12.

30 Vgl. Linsenmayer. S. 247-250.

31 Ebd. S. 256-264.

32 Ebd. S. 291-297.

33 Ebd. S. 285-291.

34 Ebd. S. 312-314.

35 Ebd. S. 264-285.

36 Ebd. S. 246.

37 Vgl. H. Rost: Die Bibel im Mittelalter. Beiträge zur Geschichte und Bibliographie der Bibel (Kap. 11. Die Bibel in der Predigt des Mittelalters). Augsburg 1939. S. 133-140.

38 Überschrift nachgewiesen in: Mone. Altteutsche Predigten. Sp.393; Handschriften. S. 153. Bezweifelt wurde dies von W. Wackernagel (W. Wackernagel: Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften. Basel 1876 Nachdr. Darmstadt 1964. S. 258), der wiederum von Schönbach (S. 1) korrigiert wurde.

39 Mone. Altteutsche Predigten. Sp.394f.; F. Pfeiffer: Altdeutsches Übungsbuch zum Gebrauch an Hochschulen. Wien 1866. S. 182f. Ich zitiere aus Pfeiffer.

40 Mone. Altteutsche Predigten. Sp. 395f.; Pfeiffer. S. 183f.

41 Peiffer. S. 184. Übersetzung: Linsenmayer. S. 297f.

42 Pfeiffer. S. 184f.

43 Pfeiffer. S. 185f.; Wackernagel. S. 63f.

44 Pfeiffer. S. 186. Übersetzung: Cruel. S. 195f.

45 Pfeiffer. S. 186f.; Wackernagel 64f. Übersetzung: Cruel. S. 195.

46 Darauf weist auch in der Überschrift ,,s. Mar." hin.

47 Pfeiffer. S. 187f.

48 Pfeiffer. S. 188.

49 Pfeiffer. S. 189.

50 Pfeiffer. S. 189f.

51 Pfeiffer. S. 190; Wackernagel. S. 65f.

52 Hier lautet sie:" Waz div mensche bizaichint der stumme vû vngeh_rende was. daz wellen wir iv sagen als wirs an der schrift habin." (Z. 24ff. [S. 190])

53 Wackernagel. S. 66f.

54 Vgl. Predigten 2, 5, 7 und 12.

55 Schönbach. S. 2f.

56 Diese Formulierung findet sich bereits in den Predigten 1, 3 und 7.

57 Schönbach. S. 3.

58 Schönbach. S. 3f.

59 Schönbach. S. 4f.

60 Schönbach. S. 5.

61 Schönbach. S. 5f.

62 Dieses Symbol kam bereits in Predigt 5 vor.

63 Schönbach. S. 6f.

64 Vgl. Predigten 2, 5, 7, 12, 13, 16, 17 und 19.

65 Schönbach. S. 7.

66 Wackernagel. S. 67f.

67 Vgl. Predigten 1, 3, 7 und 14.

68 Schönbach. S. 7f.

69 Schönbach. S. 8f.

70 Vgl. Schönbach. S. 8. Fußnote 6.

71 Schönbach. S. 9.

72 Schönbach. S. 10.

73 Schönbach weist hier eine falsche Bibelstelle zu: Joh 11,14 (Vgl. Ebd. Fußnote 1).

74 Schönbach. S. 10f.

75 Einziger Beleg in den Predigten für aufkommende Volksfrömmigkeit des Mittelalters.

76 Schönbach. S. 11.

77 Schönbach. S. 11f. Übersetzung bei Linsenmayer. S. 298f., die leider unvollständig und fehlerhaft ist.

78 Spr 3,12 oder Hebr 12,6. Schönbachs Hinweis auf die Offenbarung des Johannes (Offb 3,19) halte ich wegen des Kontextes für schwierig.

79 Nach heutiger Verszählung: Koh 7,2.

80 Predigten 1, 2, 3, 5, 7, 10, 12, 13, 14, 16, 19, 22, 23, 24, 25, 27 und 28.

81 Predigten 3, 7, 11 und 13.

82 Predigten 2, 5, 7, 12, 13, 16, 19 und 22 (auch die Predigten 17 und 20 mit anderer Struktur haben diese Formel).

83 Predigten 12, 13 und 23.

84 Predigten 1, 3, 7, 14, 22 und 24.

85 G. C. Zieleman: Middelnederlandse epistel- en evangeliepreken. Leiden 1978. S. 15ff.

86 Schönbach. S. 10 Z. 17ff.

87 Vgl. S. 15 dieser Arbeit.

88 W. Frey: Gottesmörder und Menschenfeinde. Zum Judenbild in der deutschen Literatur des Mittelalters. In: A. Ebenbauer, K. Zatloukal (Hgg.): Die Juden in ihrer mittelalterlichen Umwelt. Wien, Köln, Weimar 1991. S. 35-51.

89 K. H. Rengstorf; S. von Kortzfleisch: Kirche und Synagoge. Handbuch zur Geschichte von Christen und Juden. Bd.1. Stuttgart 1968. S. 133.

90 Pfeiffer. S. 182 Z. 23f.

91 Ebd. S. 190 Z. 5f.

92 S. 25 dieser Arbeit.

34 von 34 Seiten

Details

Titel
Weingartner Predigten
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Hauptseminar "Mystik, Didaktik, Politik: Mittelhochdeutsche Predigten"
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
34
Katalognummer
V97075
ISBN (eBook)
9783638097505
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das 30 Predigten in mittelhochdeutscher Sprache umfassende Predigtcorpus aus der Abtei Weingarten gehört zu den bisher wenig bearbeiteten Zeugnissen deutscher Predigtliteratur des 12. Jahrhunderts. Die vorliegende Arbeit gewährt einen kurzen Einblick in Inhalt, Struktur und Stil der Predigten.
Schlagworte
Weingartner, Predigten, Hauptseminar, Mystik, Didaktik, Politik, Mittelhochdeutsche, Predigten
Arbeit zitieren
Johannes Sascha Rex (Autor:in), 2000, Weingartner Predigten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97075

Kommentare

  • Gast am 10.2.2002

    predigt 24.

    hallo sascha,

    könntest du mir bitte bei einer wörtlichen übersetzung der predigt 24 behilflich sein?

    es eilt sehr!

    ich bin deutschstudentin und habe erhebliche probleme mit der übersetzung dieser predigt.

    falls du mir helfen möchtest schreibe bitte an folgende email-adresse:
    ladynadine@gmx.at

    für deine hilfe wäre ich dir sehr dankbar...

    gruß
    nadine

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Titel: Weingartner Predigten



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