Verbale und nonverbale Kommunikation in Kafkas "Prozess"


Seminararbeit, 1999
11 Seiten

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Das Thema dieser Seminararbeit lautet „Verbale und nonverbale Kommunikation im Roman „Der Prozeß“ von Franz Kafka.“ Es ist offenbar, dass die Aufgabe ist, zwei Erscheinungen zu analysieren.

Wenn wir uns mit einem Problem beschäftigen wollen, es ist nötig zu erklären, was die gegebenen Begriffe, die dieses Problem bezeichnen, bedeuten. Unter dem Begriff Kommunikation versteht man einen Prozess, in dem „zwei oder mehrere ko- orientierte und wechselseitig kontingent interagierende Akteure im Rahmen zielgerichteter Verhaltenssequenzen Informationen durch Zeichenkomplexe in verschiedenen Übertragungskanälen übermitteln.“1 Der Begriff verbale Kommunikation ist klar und die nonverbale Kommunikation bedetutet vor allem außersprachliche Verhaltensphänomene wie Mimik, Gestik, Blickkontakt, Körperhaltung und Körperorientierung.

Im Kafkas Werk „Der Prozeß“ erscheinen natürlich beide zwei Kommunikationsarten - wie verbale sowohl auch nonverbale Kommunikation. Wir müssen uns jedoch die Fragen stellen: Welche Funktion hat in diesem Werk die verbale Komponente, welche Funktion wird der nonverbalen Kommunikation gegeben und wie ist die Beziehung zwischen diesen beiden Bestandteilen?

Josef K. ist schon von Anfang an allein. Die erste Szene zeigt ihn allein - er liegt im Bett. Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Franz Kafka und dem Helden dieses Romans, und der Kampf, der Josef K. führt, ist sehr wichtig auch für Kafka (der Zusammenhang zwischen Kafka und seinem Werk wird noch später erwähnt). In diesem Fall könnten wir von einer Existenzialprosa sprechen. Josef K. ist allein, ähnlich wie Franz Kafka in der realen Welt. Ähnlich wie Kafkas Gefühl der Einsamkeit hat seine Ursachen einerseits in seinem psychischen und physischen Zustand, anderseits in der Umgebung, in der er aufwuchs, ist Josef K. mit diesen Faktoren auch beeinflußt. Er ist ein normaler Bürger wie jeder andere. Er übt seinen Beruf vom Bankprokuristen sorgfältig aus, er hat eine Aussicht auf gute Karriere, aber in der Wirklichkeit leidet er unter der Einsamkeit. Josef K. ist in seiner Umgebung, in der menschlichen Gesselschaft entfremdet, deshalb ist er nicht fähig, sich in seinem Prozess zu orientieren. Auch darum scheint die gewaltige Anknüpfung der intersubjektiven Beziehungen verspätet, berechnend und durchwegs unfruchtbar und vergeblich zu sein. Josef K. hat viele Freunde, aber es ist zu betonen, dass es nur seine Kollegen und Menschen sind, die ihm aus irgendeinem Grund nützlich sein können. Aber dieser Fakt muss schon die Anknüpfung einer wahren menschlichen Beziehung logisch ausschließen - das beweisen im Roman z.B. die Beziehungen zwischen Josef K. und dem weiblichen Geschlecht. Infolgedessen wird auch die „wahre“ Kommunikation zwischen ihm und der Gesselschaft negiert und unmöglich gemacht.

Den Gestalten, die wir als Textsubjekte2 verstehen können, wird eine bestimmte Kommunikationsaktivität zuerkannt. Die Kommunikationsaktivität der Gestalten spielt sich dann vor allem in den Dialogen ab. Den mitteilbaren Wert besitzt in diesem Werk in hohem Maße auch der Erzähler. Falls zwischen den Gestalten zu der dialogischen Kommunikation kommt, führt es nur dazu, dass Josef K. sein Recht fordert, oder besser - dass er seine Unschuld beweist. Fast immer unterredet sich Josef K. mit den Menschen, die im Roman als Helfer in seinem Prozess auftreten. Da der Prozess für K. schon von Anfang an verloren ist, hat auch die Kommunikation zwischen ihm und der Umwelt keinen Sinn. Darum ist auch klar die Antwort auf die Frage, ob K.`s Schicksaal nicht so grausam wäre, wenn er nicht mit den Vertretern des Gerichts, sondern mit höheren Beamten verhandeln würde: Nein, K. würde sich der Strafe keinesfalls entziehen.

Zunächst stößt Josef K. auf die Wächter und den Aufseher, die ihn verhaften sollen. Dass K.`s Bemühung, sich zu befreien, die Wirkung verfehlt, zeigt schon das Gespräch mit diesen Wächtern. Die Replik „… Unsere Behörde, soweit ich sie kenne, und ich kenne nur die niedrigsten Grade, sucht doch nicht etwa die Schuld in der Bevölkerung, sondern wird, wie es im Gesetz heißt, von der Schuld angezogen und muß uns Wächter ausschicken…“3 deutet an, dass die Kommunikation mit den Behörden, bzw. mit dem Gericht, wenn nicht vergeblich, so mindestens anstrengend sein wird, weil das Gericht kein Interesse für die Schuld/Unschuld-Alternative hat. Diese Tatsache unterstützt auch eine andere Antwort eines von den Wächter, die jedoch das Schlußkapitel und das tragische Schicksaal K.`s in einer bestimmter Weise vorwegnimmt: „Sie werden es zu fühlen bekommen.“4 Parallele zwischen dem ersten und dem Schlüsselkapitel ist auch im Bereich der nonverbalen Kommunikation zu finden. Das Gericht, bzw. seine Vertreter, machte eine Geste, die ihre spezifische Bedeutung trägt - sie bereitet Josef K. zu einer Situation, in der er seine mutmaßliche Führungsrolle (K. vermutet, sie zu haben)und Kontrolle über seinen Zustand - über seine „Freiheit“ verliert. Es ist im Moment, wenn er dazu gezwungen wird, sich den schwarzen Anzug anzuziehen, in dem er ins Zimmer von Fräulein Bürstner weggeführt wird. Und ebenso kurz vor seinem Tod ist er schwarz angekleidet. Wir könnten also sagen, dass der schwarze Anzug den Verlust bedeutet. Im ersten Kapitel bedeutet den Verlust die Verhaftug, im Schlußkapitel ist es die Hinrichtung.

Josef K. leugnet seine Unschuld schon im ersten Kapitel, aber zugleich nimmt sie an, was er z.B. in der Szene bei dem Verhör beweist, als er auf den Anruf den Staatsanwalt Hasterer, der sein guter Freund ist, verzichtet. Nonverbal nimmt seine Schuld auch mit einem anderen Akt - es ist das Apfelessen, mit dem Franz Kafka auf den Unschuldsverlust von Adam und Eva anspielt. Es ist eine Geste Resignation und Versöhnung mit der Schuld. Auch auf die Frage des Aufsehers: „Sie sind durch die Vorgänge des heutigen Morgens wohl sehr überrascht?“5 antwortet Josef K.: „Gewiß, ich bin überrascht, aber ich bin keineswegs sehr überrascht.“6 Das ist der nächste Beweis, dass K. seine Schuld bestätigt.

Im Text erscheinen auch einige Signale, die andeuten, dass an K. die Schuld zu sehen ist. Das finden wir z.B. in der Szene, als K. seinen Onkel trifft, der zu K. sagt: „Wenn man dich ansieht, möchte man fast dem Sprichwort glauben: Einen solchen Prozeß haben, heißt ihn schon verloren haben.“7 ; „…wenn ich auch merkwürdigerweise nach Ernas Brief schon etwas derartiges ahnte und es heute bei deinem Anblick fast mit Bestimmtheit wußte.“8 Anspielung auf diese Tatsache ist auch das, dass aus dem Gesicht des Angeklagten, insbesondere aus der Zeichnung der Lippen, den Ausgang des Prozesses zu erkennen ist. Nonverbale Signale der Resignation finden wir jedoch auch in anderen Kapiteln. Es ist z.B der Anfang des siebten Kapitels, wo der Erzähler sagt: „An einem Wintervormittag - draußen fiel Schnee im trüben Licht - saß K. trotz der frühen Stunde schon äußerst müde, in seinem Büro. Um sich wenisgstens vor den unteren Beamten zu schützen, hatte er dem Diener den Autrag gegeben, niemanden von ihnen einzulassen, da er mit einer größeren Arbeit beschäftigt sei. Aber statt zu arbeiten, drehte er sich in seinem Sessel, verschob langsam einige Gegenstände auf dem Tisch, ließ dann aber, ohne es zu wissen, den ganzen Arm ausgestreckt auf der Tischplatte liegen und blieb mit gesenktem Kopf unbeweglich sitzen.“9 Man kann sagen, dass der Prozess K. ermüdet, weil die Müdigkeit permanent erwähnt wird.

Auf der anderen Seite tritt die Resignation im engeren Kontrast mit der Aktivität des Hauphelden auf. Nachdem K. in das Gerichtsverfahren einbezieht wird, bemüht er sich intensiv, etwas über das Wesen des Gerichts festzustellen. Er kommt sogar zum zweiten Mal zum Verhör, ohne dass ihn jemand eingeladen hat. Im esten Kapitel fragt Josef K.: „Was waren denn das für Menschen? Wovon sprachen sie? Welcher Behörde gehören sie an?“10 Auf diese Fragen bekommt K. bis Ende des Werkes keine Antwort. Nicht einmal der Gefängniskaplan verrät es ihm, als Josef K. sagt: „Du weißt vielleicht nicht, was für einem Gericht du dienst.“ - Er bekam keine Antwort.“11

Und wie ist es mit dem Gespräch mit Frau Grubach? Josef K. scheint Hilfe und Unterstützung wenigstens bei Frau Grubach zu finden - im ersten Teil ihres Gesprächs sieht es so: „…Sie sind zwar verhaftet, aber nicht so wie ein Dieb verhaftet wird…, es kommt mir wie etwas Gelehrtes vor, das ich zwar nicht versteht, das man aber auch nicht verstehen muß.“12 Aber dann stellt Josef K. fest, dass ihm nicht einmal Frau Grubach hilft, als sie ihm sagt: „Nehmen Sie es doch nicht so schwer, Herr K.“13 und ebenso wie die Wächter gibt sie ihm nicht die Hand. Wie mittels dieses Satzes, so mit dieser Geste offenbarte sie, dass K. schuldig ist. Übrigens der Handschlag bedeutet im Roman Geste, die das Vertrauen bedeutet. Z.B. der Gerichtsdiener reicht K. die Hand, wobei er zeigt, dass er zu ihm eine gewisse Zuneigung hegt, die sich noch mit einem zutraulichen Blick auf ihn verstärkt: „Und er riecht K., der es gar nicht erwartet hatte, die Hand.“14 ; Dann sah er K. mit einem zutraulichen Blick an, wie er es bisher trotz aller Freundlichkeit nicht getan hatte…“15 Oder beim Zusammentreffen

K. mit anderem Angeklagten: „…und faßte ihn, unbewußt durch das demütige Wesen des Mannes aufgefordert, beim Arm, als wolle er ihn zum Glauben zwingen.“16 Die Hände haben einen positiven Einfluss. Sie sind von Kafka dann hervorgehoben, wenn sie die Hilfe leisten. Weiter ist es auch die Szene, als K. aus dem Gericht ausgetragen wird, weil es ihm übel geworden ist: „Aber plötzlich fühlte er die Hand des Auskunftgebers an einem Arm und die Hand des Mädchens am anderen.“17 ; „…erhob sich (K.) langsam und führte selbst die fremden Hände an die Stellen, an denen er die Stütze am meisten brauchte.“18 Die Hände bedeuten die Nähe der Menschen untereinander. Der Advokat Huld mit Leni: „Die Pflegerin stand aufgerichtet am Bett, dem Onkel voll zugewendet, mit der einen Hand streichelte sie, wie K. zu bemerken glaubte, die Hand des Advokaten.“19 ; „…und reichte ihr die Hand, als gelte es einen Abschied für lange Zeit.“20 Kontakt der Hände erscheint mehrmals auch im Gespräch Josef K.`s mit Kaufmann Block. Auch hier hat diese Geste einen freundlichen Charakter.

Im Verhalten des Fräulein Bürstner ist die Gleichgültigkeit gegen Josef K. zu sehen. Er bemüht sich, sich für das Benehmen der Wächter bei dem ersten Verhör zu entschuldigen, als diese Männer Bürstners Zimmer in Unordnung brachten. Aber warum entschuldigt sich Josef K.? Es war doch seine Schuld nicht, er war für das Benehmen der Wächter nicht verantwortlich. Könnte man sagen, dass Kafka dieses Gespräch auslassen konnte. Auf diese Art und Weise liegt Kafka jedoch die Sehnsucht von Josef K. nach menschlicher Annäherung, die Bemühung um Anknüpfung der intersubjektiven Behiehungen. Aber

K. erreicht kein Ziel, was am Ende dieses Kapitels zu sehen ist: Fräulein Bürstner ist gegen K.`s Bemühung, die im physischen Kontakt fast gewaltig ist,- „…lief vor, faßte sie, küßte sie auf den Mund und dann über das ganze Gesicht, wie ein drustiges Tier mit der Zunge über das endlich gefundene Quellwasser hinjagt. Schließlich küßte er sie auf den Hals, wo die Gurgel ist, und dort ließ er die Lippen lange liegen.“21 - gleichgültig, was folgende Geste beweist: „Sie nickte müde, überließ ihm, schon halb abgewendet, die Hand zum Küssen, als wisse sie nichts davon, und ging gebückt in ihr Zimmer.“22

Die Kommunikationsaktivität von Josef K. führt also dazu, dass er etwas über das Wesen des Gerichts erfährt, dass er von der Schuld irgendwie freispricht und feststellt, wessen er überhaupt beschuldigt wurde. Josef K. sucht Hilfe auch bei der Frau des Gerichtsdieners, jedoch vergeblich. Auch die Hilfe des Advokaten Huld findet er unzureichend, und deshalb ist er entschlossen, ihn zu entlassen. K. interessiert sich also nicht für die Kommunikation mit jenem, der ihm nicht helfen kann. So hört er den Wörtern des Fabrikanten, der zu K. kommt, um einige Geschäftsangelegenheiten zu verhandeln, nicht zu.

Die verbale Kommunikation wird oft durch die nonverbale Kommunikation, bzw. durch die Gestik ersätzt. Es ist z.B. dann zu sehen, als K. den Kaufmann Block trifft. Hier ist die Unterordnung Blocks ganz offensichtlich: „Er winkte ihm mit dem Hut ind ließ ihm vor sich gehen.“23 ; „…während er sich, von K. mit den Händen angetrieben, zur Tür fortbewegte.“24 ; „Guten Abend“, sagte K. und zeigte mit einer Hand auf einen abseits stehenden Sessel, auf den sich der Kaufmann setzen sollte, was dieser auch tat.“25 Weitere Andeutungen finden wir in der Szene mit dem Gefängniskaplan: „Er tat es und wurde vom Geistlichen durch ein Winken des Fingers näher gerufen.“26 ; „…aber dem Geistlichen schien die Entfernung noch zu groß, er streckte die Hand aus und zeigte mit dem scharf gesenkten Zeigefinger auf eine Stelle knapp vor der Kanzel.“27

Im Roman kommen sehr oft erotische Signale vor, wenn die physische Annäherung beider Partner beschrieben wird. Es hat mit der Hilfe zu tun, die das Weib leisten kann. Diese physischen Akte, Äußerungen sexualer Sympathien, sind Gesten der Frau, die gewillt ist, zu helfen. Die Frau hilft auf diese Weise mit ihrer Liebe, mit der Anbietung ihres Leibes (es sind die Szenen mit Leni und Frau des Gerichtsdieners). Die Frauen können helfen, aber nur darum, dass sie sich selbst der Macht unterwerfen. Die Frauen stellen eine gewisse Brücke zwischen K. und dem Gericht. Aber auch ihre Hilfe, wie gesagt, ist vergeblich.

Es ist auch zu bemerken, dass je länger sich K. im Prozess bewegt, desto mehr erfährt er davon. Es scheint, dass der Advokat von dem Gericht weniger weiß als Titorelli und der noch weniger als der Gefängniskaplan. Der Gefängniskaplan steht aus dem Gesichtspunkt des Informationswertes für K. auf der ersten Stelle. Der Kaplan erzählt eine Legende - kommuniziert mit K. und gibt ihm dadurch die Lehre. Mittels dieser Legende berichtet er, ähnlich wie Titorelli mit dem Bild der Göttin der Gerechtigkeit, die sich in eine Göttin erst de Sieges und dann der Jagd verwandelt, dass das Gericht ambivalent ist. „Wie das Leben ohne schlüssigen Sinn erscheint, so die erzählte und gemalte Legende ohne bewahrheitende Kraft.“28 „Die Schrift ist unverändrlich und die Meinungen sind oft nur ein Ausdruck der Verzweiflung darüber.“29

Im Roman ist eine ganze Reihe von Zeichen und Aktionen zu finden, mit denen Kafka auf sein eigenes Leben und Probleme, mit denen er kämpfen musste, anspielt. Diese Hinweise, in großem Maße zu dem Bereich der nonverbalen Kommunikation gehörend, tragen neben der Kommunikationsaktivität der Gestalten zur Formierung des Sinnes des Textes bei. An der Gestaltung des Komplexes des Kommunikationsverhaltens einzelner Gestalten nimmt also neben dem „eigenen Redesverhalten“, das den Subjekten der Gestalten zugeordnet wird, noch ein Plan dieser Hinweise teil, der dazu beiträgt, die Taten der Gestalten und Sinn des Textes zu verstehen. Auf diese Weise dienen diese Anspielungen als gewisse Instruktionen zur Wahrnehmung und Interpretation des Werkes und knüpfen die Kommunikation zwischen dem Leser und dem Autor selbst an.

Dass viele Szenen im Werk mit Kafkas Leben zusammenhängen, bestätigt uns z.B. eine Menge Männer mit Bart. Diesen Fakt erwähnt Klaus Jeziorkowski: „Gedenkliches wird in Gesten, Aktionen und Figuren, in Zeichen transponiert, von denen eines der auffallendsten der Bart ist, in den sich strähnende Finger vergraben.“30 Es sind z.B. diese Sätze: „…durchwegs ältere Männer, einige waren weißbärtig…“; „Die in der ersten Reihe griffen hier und da in ihre Bärte“; „…den alten Herren mit den schüttern Bärten…“ Auch der Advokat Huld ist ein Mann mit langem Bart: „Der Advokat dagegen statt zu fragen erzählte selbst oder saß ihm stumm gegenüber, beugte sich, wahrscheinlich wegen seines schwachen Gehörs ein wenig über den Schreibtisch vor, zog an einem Bartstrahn innerhalb seines Bartes und blickte auf den Teppich nieder…“ Nach Jeziorkowski bedeutet es „Kafkas biblisch inspiriertes Wappenbild und Schriftzeichen für den gelehrten, die Überlieferung der Propheten-und Patriarchen-Darstellung zitierend und mit ihr die jüdische Bart-Tradition“.31

Franz Kafka hatte Probleme mit der Kommunikation, mit der Anknüpfung der Beziehungen, mit dem Verständnis. Im Roman ist es z.B. in der Szene bedeckt, als K. den Italiener trifft und ihn überhaupt nicht vesteht, obwohl er italienisch gut spricht. Es ist eine Anspielung auf die Unfähigkeit der Menschen, sich miteinander zu verständigen.

Kafka spielt auch auf sein Schreiben an - er schrieb überwiegend in der Nacht. Sehr oft beschreibt Kafka Räume, in denen die Kerzen, Tintenfaß, Feder, Papiere vorkommen. Das sind gewisse Attribute Kafkas Schreibens. Und wir könnten fortsetzen.

Im „Prozeß“ kommunizieren verbal und nonverbal vor allem Josef K. mit einzelnen Personen, die er allmählich trifft. In diesen Dialogen hat das Hauptwort nicht K., sondern die andere Person, die dem K. verschiedene Sachen über das Gericht und seinen Prozess erklärt. Josef K. stellt eher die Fragen, hört zu, denn er hat Interesse an seiner Rechtfertigung. Die verbale Komponente spielt im Roman vielleicht die wichtigere Rolle, aber sie wird mit der nonverbalen ergänzt und manchmal auch dadurch ersätzt. Die nonverbale Kommunikation ist überhaupt nicht untergeordnet.

Literatur:

1) Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987.

2) Heinz, Ludwig Arnold (Hrsg): Franz Kafka - Text + Kritik. Zeitschrift für die Literatur. Sonderband. Edition text + kritik GmbH, München 1994.

3) Zimmermann, Dieter Hans (Hrsg.): Nach erneuter Lektüre: Franz Kafkas Der Proceß. Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 1992.

4) Macurová, A. - Mareš, P.: Text a komunikace (jazyk v literárním díle a filmu). Univerzita Karlova, vydavatelství Karolinum, Praha 1993.

5) Scherer R., Klaus - Wallbott G., Harald (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten. Beltz Verlag, Winheim und Basel 1979.

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1 Scherer R., Klaus - Wallbott G., Harald (Hrsg.): Nonverbale Kommunikation: Forschungsberichte zum Interaktionsverhalten. Beltz Verlag, Winheim und Basel 1979. S. 14.

2 Macurová, A. - Mareš, P.: Text a komunikace (jazyk v literárním díle a filmu). Univerzita Karlova, vydavatelství Karolinum, Praha 1993. S. 19.

3 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 9.

4 Ebd. S. 10.

5 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 13.

6 Ebd.

7 Ebd. S. 86.

8 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 87.

9 Ebd. S. 100.

10 Ebd. S. 7.

11 Ebd. S. 187.

12 Ebd. S. 21.

13 Ebd. S. 22.

14 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 56.

15 Ebd. S. 57.

16 Ebd. S. 59.

17 Ebd. S. 65.

18 Ebd.

19 Ebd. S. 90.

20 Ebd. S. 91.

21 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 30.

22 Ebd.

23 Ebd. S. 148.

24 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 149.

25 Ebd.

26 Ebd. S. 185.

27 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 185.

28 Neumann, Gerhard: Der Zauber des Anfangs und das “Zögern vor der Geburt”:In: Zimmermann, Dieter Hans (Hrsg.): Nach erneuter Lektüre: Franz Kafkas Der Proceß. Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 1992. S.137.

29 Kafka, F.: Der Prozeß. Verlag Philipp Reclam jun, Leipzig 1987. S. 192.

30 Jeziorkowski, Klaus: Bei dieser Sinnlosigkeit des Ganzen (Zu Franz Kafkas Roman “Der Prozeß”). In: Heinz, Ludwig Arnold (Hrsg): Franz Kafka - Text + Kritik. Zeitschrift für die Literatur. Sonderband. Edition text + kritik GmbH, München 1994. S. 201.

31 Jeziorkowski, Klaus: Bei dieser Sinnlosigkeit des Ganzen (Zu Franz Kafkas Roman “Der Prozeß”). In: Heinz, Ludwig Arnold (Hrsg): Franz Kafka - Text + Kritik. Zeitschrift für die Literatur. Sonderband. Edition text + kritik GmbH, München 1994. S. 201.

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Verbale und nonverbale Kommunikation in Kafkas "Prozess"
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V97083
Dateigröße
351 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Versuch, sich mit der Kommunikation von den Gestalten auseinanderzusetzen
Schlagworte
Verbale, Kommunikation, Kafkas, Prozess
Arbeit zitieren
Jiri Nekuza (Autor), 1999, Verbale und nonverbale Kommunikation in Kafkas "Prozess", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97083

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