Verständlichkeit von Texten


Hausarbeit, 2000

8 Seiten, Note: 3


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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Verständlichkeit

3. Die Beziehung der vier Merkmalen zueinander

4. Die vier Dimensionen der Verständlichkeit und ihre Meßskalen

5. Beurteilung der Verständlichkeit anhand eines Beispiels

1. Einleitung

Wie oft habe ich einen Text wieder und wieder lesen müssen um ihn zu verstehen. Dabei handelte es sich nicht nur um Fachtexte, die ich für mein Studium gelesen habe, nein es waren auch Texte aus dem Alltag dabei, wie z.B. Gebrauchsanweisungen, Antragsformulare oder Broschüren. Zunächst suchte ich den Fehler bei mir und habe an meinen Fähigkeiten gezweifelt. Mir ist jedoch aufgefallen, daß ich mit diesem Problem nicht alleine war und der Fehler nicht bei mir, sondern beim Autor zu suchen ist.

Um sachkundig handeln zu können, muß jeder Texte lesen und verstehen. Dies wird einem nicht leicht gemacht und so kann es schnell zu Missverständnissen oder Benachteiligungen kommen, die folgenschwer sein können, wenn es z.B. um Gesetze oder Geld geht. Es scheint nicht nur schwierig zu sein komplizierte Sachverhalte einfach zu beschreiben, nein es ist sogar oft der Fall, dass ein einfacher Inhalt aufgrund einer komplizierten Ausdrucksweise des Autors schwer verständlich wird. Die Gründe für unverständliche Texte sind also beim Schreiber selbst zu suchen. Der Hauptgrund ist nach Schulz von Thun der, dass die meisten gar nicht wissen, wie man sich verständlich ausdrückt. Andere Gründe wären, dass Autoren einfach drauflos schreiben, ohne über ihre Ausdrucksweise nachzudenken und ob sie vom Leser zu verstehen ist. Es gibt auch Autoren, die sich absichtlich schwerverständlich ausdrücken, in der Hoffnung beim Leser Eindruck zu schinden und als besonders intelligent zu wirken. Ein weiterer Grund für eine komplizierte Ausdrucksweise, wäre die Absicht den Leser absichtlich in Unwissenheit belassen zu wollen, um beispielsweise bei Verträgen Vorteile zu bekommen.

2. Verständlichkeit

Wie kann man nun feststellen, ob ein Text leicht zu verstehen ist? Schulz v. Thun geht davon aus, daß die durchschnittliche Satz- und Wortlänge eines Textes kein Kriterium für einen gut zu verstehenden Text sind und nicht viel darüber aussagen, ob ein Text vom Leser gut zu verstehen ist. Lange Sätze müssen ja nicht automatisch schwerer zu verstehen sein als kurze Sätze. Die Begleitumstände, wie z. B. die grammatische Bauweise der Sätze, spielen, so Schulz v. Thun, für die Verständlichkeit eine entscheidendere Rolle.

Er fand heraus, daß sich Informationstexte in vier ,,Dimensionen der sprachlichen Gestaltung" unterscheiden, die er auch Verständlichkeitsmacher nennt. Diese sind:

- Einfachheit,
- Gliederung - Ordnung,
- Kürze - Prägnanz und
- zusätzliche Stimulanz.

Im folgenden werde ich diese vier Dimensionen näher beschreiben:

Einfachheit:

Dieser Verständlichkeitsmacher ist der wichtigste. Er ist gekennzeichnet durch kurze Sätze und der Verwendung bekannter Wörter. Kommen in einem Text Fremdwörter vor, so werden diese erklärt.

Einfachheit bezieht sich also auf die sprachliche Formulierung: die Wortzahl und den Satzbau. Das Gegenteil der Einfachheit ist die Kompliziertheit.

Gliederung - Ordnung:

Dieser Verständlichkeitsmacher bezieht sich auf den Aufbau des Gesamttextes, wobei seine Bedeutung mit der Länge des Textes wächst. Er bezieht sich auf die innere Ordnung und äußere Gliederung eines Textes.

Innere Ordnung entsteht, wenn die Sätze folgerichtig aufeinander bezogen sind und Informationen in der richtigen Reihenfolge stehen. Eine äußere Gliederung ist u.a. durch Absätze, Überschriften und die Hervorhebung von wichtigen Wörtern gekennzeichnet.

Kürze - Prägnanz:

Hier sind die Texte auf das Wesentliche beschränkt, kurz und knapp formuliert und auf das Lernziel konzentriert. Überflüssige Einzelheiten und eine umständliche Ausdrucksweise, sowie Wiederholungen und Füllwörter fallen weg.

Weitschweifig Texte überfordern vor allem jüngere Schüler und sie sind eher in freien Reden als in gedruckten Texten vorzufinden. Es ist sehr wichtig, dass die Länge des Textes in einem vernünftigem Verhältnis zum Informationsziel steht.

Zusätzliche Stimulanz:

Dieser Verständlichkeitsmacher dient dazu den Empfänger gefühlsmäßig anzusprechen. Er soll beim Leser Interesse, Anteilnahme und die Lust am Lesen hervorrufen. Schulz von Thun beschreibt diesen Verständlichkeitsmacher als ,,das Salz in der Informationssuppe."

3. Die Beziehung der vier Merkmalen zueinander

Bis auf die Merkmale Kürze - Prägnanz und Anregende Zusätze, sind die Merkmale nicht abhängig voneinander. Beabsichtigt ein Autor seinen Text durch Anregende Zusätze interessanter oder auch abwechslungsreicher zu machen, verlängert sich natürlich der Text. Es sollte dabei jedoch darauf geachtet werden, daß der Text nicht zu lang wird, so kann man z.B. die Anregenden Zusätze selbst kurz und auf das Informationsziel ausgerichtet formulieren.

Was gehört zu welchem Merkmal?

- S. 20/21 für die didaktische Aufarbeitung!!!
- kann man das Schema/die Fragen auf den Pfarrer- Text anwenden?!
- Beurteilung der Verständlichkeit am Beispiel des Pfarrertextes!
- mit den 4 Beurteiligungsfenster, auch Verständlichkeitsfenster, genannt
- Umschreibung des Pfarrertextes, so daß er allen Merkmalen der:
- Einfachheit
- Gliederung
- Kürze
- Anregende Zusätze entspricht. (eventuell auch umgekehrt).

andere ,,Lesbarkeitsformeln" vorstellen, z.B. die des Amerikaners Flesch (1949), um Verständlichkeit zu `messen

4. Die vier Dimensionen der Verständlichkeit und ihre Meßskalen

Zur Veranschaulichung der Verständlichkeit eines Textes hat Schulz v. Thun für jeden Verständlichkeitsmacher eine Meßskala mit jeweils fünf Abstufungen vorgesehen, die ich nun kurz darstellen werde:

Einfachheit Kompliziertheit Gliederung Übersichtlichkeit

Kürze Unübersichtlichkeit

zusätzl. Stimulanz keine zusätzl. Stimulanz

Die grau unterlegten Skalenstufen sind günstig für eine gute Allgemeinverständlichkeit.

Das Optimum ist nicht unbedingt bei jedem Merkmal gleich. Da die Einfachheit und Ordnung eines Textes am wichtigsten sind, liegt das Optimum bei Â++Âoder +Â. Sehr kurze und prägnante Texte müssen nicht unbedingt auch verständlicher als längere Texte sein, deshalb liegt das Optimum dieses Kriteriums bei 0Âoder Â+

Das Optimum der Anregenden Zusätze hängt von der Ausprägung der anderen Merkmale ab. Ein gut gegliederter Text wird z. B. durch einige Anregende Zusätze interessanter und auch verständlicher, wohingegen diese Anregenden Zusätze bei einem ungegliederten Text nur zur Verwirrung des Lesers führen.

Beurteilt man nun einen Text nach der Methode von Schulz v. Thun, verwendet man ein Beurteilungsfenster, auch Verständlichkeitsfenster genannt. Dieses Beurteilungsfenster sieht wie folgt aus:

In jedes einzelne Fenster kann man nun einen Wert mit den Plus- oder Minuszeichen eingeben.

5. Beurteilung der Verständlichkeit anhand eines Beispiels

Beispieltext: ,,Lärm und seid frech! Die letzte Chance, zu Spielplätzen zu kommen" von Manfred Sax aus einem Zeitungsartikel `Die ZeitÂvom 5. 6. 1970.

Schon beim Durchlesen dieses Artikels fand ich den Text sehr verständlich. Ich beurteile diesen Text so:

Begründung:

Einfachheit (++): Der Text enthält überwiegend kurze, einfache Sätze ohne Fremdwörter. Die Wörter , die gebraucht werden sind jedem Leser geläufig. Weiterhin drückt sich der Autor konkret und anschaulich aus.

Gliederung (++): Auch hier kann ich den Text sehr positiv bewerten, da er folgerichtig und übersichtlich gegliedert ist. Dem Autor wichtige Sachen sind deutlich hervorgehoben, so dass der Leser sie in Erinnerung behält.

Kürze- Prägnanz (0): Bei diesem Merkmal kann ich den Text optimal bewerten. Meiner Beurteilung nach ist der Text weder zu kurz noch zu lang. Der Text könnte natürlich kürzer formuliert werden und eventuell etwas weniger weitschweifig sein, würde man die Anregenden Zusätze weglassen.

Anregende Zusätze (+): Der Text ist durch viele Anregende Zusätze gekennzeichnet. Der Verfasser spricht seine Leser persönlich an und gestaltet den Text interessant und abwechslungsreich, außerdem wird der Leser beim Lesen zum Nachdenken angeregt, da der Autor den Leser durch seine übertriebene Ausdrucksweise teilweise provoziert. Auf gar keinem Fall langweilt man sich beim Lesen dieses Artikels, desweiteren enthält der Text auch einige Beispiele.

Einflußfaktoren für die Verständlichkeit von Texten bei Kindern Ursela Geisler stellt die Faktoren für die Verständlichkeit von Texten anhand des Verständlichkeitsmodells von Teigler (1968) dar. Sie bringt darin auch die Erkenntnisse der neuen, insbesondere kognitionstheoretischen, Verständlichkeitsforschung ein.

Die Verständlichkeit von Texten ist zum einen von den Gegebenheiten und Voraussetzungen des Lesers (empsfängerzentrierte Faktoren), und zum anderen von den speziellen Merkmalen des Textmaterials (textzentrierte Faktoren) abhängig.

Empfängerzentrierte Faktoren

Die empfängerzentrierten Faktoren gliedern sich in soziokulturelle und psychologische Faktoren. Zu den soziokulturellen Faktoren zählen Kultur, Nation und Religion. Gleiche Wörter können nämlich bei verschiedenen Völkern unterschiedliche Bedeutungen haben. Weiterhin spielen soziale Schichtzugehörigkeit, Gruppenzugehörigkeit, Geschlecht, sowie das Alter des Kindes und seine Position in der Familie eine Rolle.

Die psychologischen Faktoren lassen sich in kognitive und emotionale Faktoren der Verständlichkeit unterteilen.

Zu den kognitiven Faktoren zählen die Bedingungen, die mit der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen eines Textes zu tun haben. Dabei ist die Intelligenzstufe auf der sich das Kind befindet, die sprachliche Fähigkeit des Kindes, sein Vorwissen und die Kapazität seines Kurzzeitgedächnisses wichtig.

Emotionale Faktoren bezeichnen die gefühlshafte Einstellung zu verschiedenen Elementen der Realität. Eine große Bedeutung hat hier die Motivation des Kindes den Text zu lesen und zu verstehen. Auch sind die Interessen des Kindes wichtig, hat der Leser am Inhalt des Textes kein Interesse, zeigt er nur eine geringe Aufmerksamkeit, was wiederum die Verständlichkeit erschwert.

Weiterhin bildet die Zielsetzung des Lesers , mit der er den Text liest einen weiteren wichtigen Faktor. Liest jemand mit einem bestimmten Ziel einen Text, versteht und behält er das Gelesene schneller. Gerade Kinder lesen in einem Informationsangebot nur die Elemente, die sie für subjektiv interessant oder leicht verständlich halten.

Auch beeinflußt die Einstellung des Lesers, mit der er an einen Text herangeht die Verständlichkeit. Es ist sowohl die Einstellung des Empfängers, mit der er an den Inhalt des Textes herangeht von Bedeutung, als auch die Einstellung in Bezug auf den Autor. Hat z.B. ein Leser positive Erfahrungen mit einem bestimmten Autor gemacht, geht er auch mit einer positiveren Einstellung an einen neuen Text des selben Autors heran, als ein Leser, der weniger gut Erfahrung mit den Autor gemacht hat.

Der nächste Faktor der Verständlichkeit, ist die ä ußere und innere Situation des Lesers. Mit der äußeren Situation ist z.B. die Zeit gemeint, die jemand zum Lesen eines Textes hat, oder aber Ablenkungen, wie beispielsweise Lärm. Die innere Situation des Lesers bezieht sich auf seinen psychisch- emotionalen Zustand, ob er sich zum Beispiel in einem extremen gefühlsmäßigen Zustand, wie Trauer oder Angst, befindet.

Textzentrierte Faktoren

Textzentrierte Faktoren lassen sich in linguistische und typographische Faktoren unterteilen. Typographische Faktoren dienen dazu, die Lesbarkeit eines Textes zu verbessern, z.B. durch die Hervorhebung wichtiger Textteile. Tiegeler teilt die typographischen Faktoren in mikrotypographische Faktoren wozu z.B. Schriftgröße, Groß- und Kleinschreibung sowie Buchstabenabstand gehören, und makrotypographische Faktoren, die die drucktechnische Gestaltung von semantisch zusammenhängenden Textinhalten beinhalten. Hat ein Text eine gute Makrostruktur, wirkt der Text auf den Leser verständlicher als ein Text mit einer unübersichtlichen Makrostruktur. Zu der Makrostruktur gehören beispielsweise Zeilenabstand, Absätze, Überschriften, Anordnungen von Textmengen und die Hervorhebung einzelner Textinhalte durch Farbe oder Schriftart.

Semantische Faktoren der Textverstverständlichkeit, die zu den linguistischen Faktoren zählen, sind Faktoren die sich auf den Inhalt und die Bedeutung von Wörtern und Textteilen beziehen. Das Wort ist für die Analyse der Textverständlichkeit wichtig. Häufige Wörter werden vom Leser oft schneller erkannt und sind somit für den Leser leicht verständlich. Ob der Leser ein Wort leicht versteht, hängt von der Bekanntheit der Worte des Lesers selber ab und nicht von der statistischen Worthäufigkeit innerhalb der Sprache.1 Ein weiterer semantischer Faktor für gute Textverständlichkeit sind gute semantische Übergänge, sowohl zwischen den einzelnen Textabschnitten, als auch einzelner Sätze. Dabei sollte sich der Anfang eines neuen Satzes oder Abschnittes möglichst auf etwas beziehen, was im Abschnitt zuvor steht.

Die Gliederung- Ordnung eines Textes, wie ich sie schon nach dem Verständlichkeitsmodell von Schulz von Thun beschrieben habe, gehört auch zu den semantischen Faktoren der Verständlichkeit von Texten.

Mit den syntaktischen Faktoren sind nach Tegeler unter anderem die Satzlänge und die Satzart gemeint. Mit der Satzlänge ist die Anzahl der Wörter gemeint, Teigeler stellte folgende Regel auf: ,,Je informationsärmer die Mitteilung, um so länger kann der Satz sein."2 Die Satzart, ob es sich z.B. um einen Hauptsatz, Nebensatz, Aktiv- oder Passivsatz handelt ist für die Verständlichkeit auch wichtig. Texte mit weniger verschachtelten Satzgefügen sind natürlich leichter verständlich als lange, verschachtelte Sätze.

[...]


1 Blasted u.a. 1981

2 Teigeler, 1968, S.48

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Verständlichkeit von Texten
Note
3
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V97100
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verständlichkeit, Texten
Arbeit zitieren
Miriam Pohl (Autor), 2000, Verständlichkeit von Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97100

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