Lebensläufe straffällig gewordener Jugendlicher


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

5 Seiten, Note: 2


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EW-Projektarbeit

Wir haben fünf Lebensläufe von Jugendlichen zu dem Thema „Drogen“ ausgesucht und danach in zusammengefaßter Form dargestellt. Unser Ziel war es, eventuelle Gleichheiten der Lebensläufe herauszufinden und so eine Erklärung zu bekommen, warum so viele Jugendliche Drogen nehmen. Die Lebensläufe sind meist in drei Abschnitte eingeteilt: Im ersten Abschnitt wird von der Familie und dem sozialen Umfeld berichtet, danach wird der schulische und berufliche Werdegang beschrieben. Im dritten Teil wird dann kurz die eigentliche Straftat erwähnt. Dieser Abschnitt fehlt in einem Lebenslauf, da dieser Punkt im Material nicht aufgeführt wurde.

Andre ist am 17.11.´76 geboren und ist als Einzelkind bei seinen Eltern aufgewachsen. Sein Vater arbeitet als Staplerfahrer und seine Mutter ist Hausfrau. Er hat nie gelernt sich die Erfüllung seiner Wünsche zu erarbeiten, da er von seinen Eltern und Großeltern nur verwöhnt wurde.

´83 begann er seine Schullaufbahn auf einer Grundschule in Essen. Nach der 4. Klasse ging er zu einer Hauptschule, die er nur bis zur 5. Klasse besuchte und dann auf eine Sonderschule wechseln mußte. Statt des 10. Schuljahres besuchte er ab Sommer ´92 ein Berufsvorbereitungsjahr im Haus des Handwerks. Diesen Lehrgang brach er nach einem halben Jahr wieder ab, da er Probleme mit dem Meister hatte. Er mußte deshalb zurück zur Sonderschule und wurde dort ´93 ohne Abschluß entlassen. Dann begann er eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bei der Ruhrkohle auf der ehemaligen Zeche Zollverein. Anfang ´94 brach er diese Maßnahme ab, da sie ihm nicht gefiel. Danach war er eine lange Zeit arbeitslos. Aber im März ´95 konnte er an dem Projekt „Arbeiten statt Sozialhilfe“ teilnehmen. Auch dort wurde er wieder entlassen, weil er nur unregelmäßig erschien.

Mit 14 Jahren begann er Haschisch zu rauchen, aber kurze Zeit später stieg er schon auf Heroin um. Zusätzlich schnupfte er noch Kokain und konsumierte sehr viel Alkohol. Kurz nachdem begann er Rohypnol zu schlucken, Heroin und Kokain zu spritzen; danach nahm er an einem Methadon-Programm teil. Aber auch dies stand er nicht durch.

Meik ist am 04.10.´77 als nichteheliches Kind geboren. Seine Mutter ist als Raumpflegerin tätig. Zu seinem Vater besteht überhaupt kein Kontakt. Er ist zusammen mit seiner Mutter und deren Bekannten in einer Notunterkunft aufgewachsen. Seine ältere Schwester wohnt schon in einer eigenen Wohnung.

Nachdem er ein Vorschuljahr absolviert hatte, wurde er ´84 in die Grundschule eingeschult. Nach einer oft durch Krankheiten und Kuren unterbrochenen Grundschulzeit wechselte er zur Hauptschule. Diese besuchte er nur sehr kurz, denn er wurde sofort zur Sonderschule überwiesen. Seit Februar ´92 besuchte er dann eine Schule für Erziehungshilfe auf der er ca. 3 Jahre verblieb. Nach der 9. Klasse ging er auch dort ab. Dann drängte ihn seine Mutter zu einem Berufsvorbereitungsjahr, welches er nur zwei Tage lang besuchte. Da Meik nie zu Behörden geht, bezieht er keine Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld.

Er lebt von dem Verdienst seiner Mutter. Er schlägt und mißhandelt sie, damit sie ihm über 300,-DM monatlich als Taschengeld zahlt. Er verbringt seine Freizeit überwiegend am Hauptbahnhof, wo er in den entsprechenden Kreisen verkehrt. Da er meist nachts dort ist, schläft er oft bis zum frühen Nachmittag.

Ralf wurde am 04.08.´74 geboren. Er wuchs mit 8 Geschwistern in einer Notunterkunft auf. Seine Familie lebte stets von der Sozialhilfe, da der Vater nie regelmäßige Arbeit besaß. Aus diesem Grund gab es öfters Unstimmigkeiten, so daß die Familiensituation sehr gespannt war. Seit Juli ´95 wohnt er bei einem seiner älteren Brüder, die auch schon alle strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Er hat eine feste Freundin, die als Arzthelferin ein geregeltes Arbeitsverhältnis besitzt.

´80 begann er in einer Grundschule seine Schullaufbahn. Diese Schule besuchte er allerdings nur ein Jahr und wechselte dann zur Sonderschule. Die Entlassung erfolgte im Jahre ´91 aus der 9. Klasse mit dem Abgangszeugnis, jedoch ohne anerkannten Abschluß. Nach der Schulentlassung war er zunächst arbeitslos. Im Herbst ´92 nahm er an einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beim Stadtsportbund teil, blieb aber nur drei Monate, da er keine Lust hatte. Ein Jahr später sollte er wieder eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beginnen, die er aber nicht antrat, da er dachte er würde ein zu niedriges Gehalt (ca.1100 DM netto) bekommen. Später bewarb er sich bei mehreren Firmen (Gebäudereiniger; Gärtner; Dachdecker) um eine Lehrstelle. Als er aber immer wieder Absagen erhielt, gab er die Arbeitssuche einfach auf.

1995 war er volltrunken (2,5%o.) an einer Schlägerei beteiligt und schlug bei der Verhaftung eine Polizeibeamtin nieder.

Thorsten wurde am 08.11.´74 geboren und ist mit einem älteren Bruder bei seinen Eltern aufgewachsen. Die Ehe der Eltern wurde im Jahre 1984 geschieden. Zu dem Vater besteht nur gelegentlich Kontakt, da er arbeitslos und alkoholabhängig ist. Seine Mutter lebt von der Sozialhilfe und hat, trotz einiger Differenzen, ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn Thorsten.

´80 wurde er eingeschult und wechselte nach der Grundschule zur Hauptschule über. Dort mußte er die 6. und 7. Klasse wiederholen, weil er keine Lernbereitschaft zeigte. Im 2. Halbjahr der 7. Klasse konnte er sogar noch nicht einmal benotet werden, weil er kaum zur Schule ging. Mit 17 Jahren wurde er aus der 8. Klasse entlassen und auf Grund mangelnden Schulbesuches war auch dort keine Benotung möglich. Zunächst hatte er keine regelmäßige Arbeit, sondern verrichtete Hilfstätigkeiten, z.B. als Gärtner, um sich etwas Geld zu verdienen. Er bezog Sozialhilfe in der Höhe von 360 DM monatlich, von der er 2/3 seiner Mutter zukommen ließ. Aber Anfang ´95 konnte er als Hilfsarbeiter beim Gerüstbau arbeiten. In seiner Freizeit ist er viel mit seiner Freundin zusammen und ist in einem Fußballverein aktiv. Ansonsten hält er sich meist zu Hause auf.

Er raucht seit dem 17. Lebensjahr gelegentlich Haschisch. Als er mit Freunden aus einem Coffee-Shop bei Venlo wieder nach Deutschland zurückkehren wollte, fand der Grenzschutz eine kleinere Menge Haschisch in seinem Walkman.

Maik ist am 05.02.´76 geboren und wuchs mit einer jüngeren Schwester und einem jüngeren Bruder im Haushalt der Eltern auf. Sein Vater ist Vermessungsgehilfe und seine schwerbehinderte Mutter ist Hausfrau. Die Ehe ist seit ´85 geschieden. Das daraus resultierende schlechte Verhältnis der Eltern untereinander hat noch immer bestand. Maik wollte bei seinem Vater leben, da er zu ihm ein viel besseres Verhältnis hatte. So bekam auch der Vater das Sorgerecht zugesprochen und die Mutter betreut seine beiden jüngeren Geschwister. Etwa ab seinem 11 Lebensjahr wurde er dann von seinen Großeltern versorgt, bei denen er gut zurecht kam.. ´94 ist er mit seiner damaligen Freundin in eine eigene Wohnung umgezogen. Diese Freundschaft war allerdings schnell beendet und ´95 erhielt er auch die Kündigung für seine Wohnung. Zur Zeit lebt er mit seiner jetzigen Ehefrau in dem Haushalt ihrer Eltern. Seine Frau ist arbeitslos und im 5.Monat schwanger. Auch sie hatte Drogenkontakte und stand mit ihrem Mann eine Therapie erfolgreich durch. Heute sind die beiden Eheleute clean (drogenfrei). In seiner Freizeit spielte er 11Jahre aktiv Fußball, mußte dies aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Außerdem hat er Interesse an Computerspielen und besitzt ein Terrarium mit einer Schlange. 1982 wurde Maik eingeschult. Nach der Grundschule wechselte er zur Hauptschule, über die er ´92 mit dem Hauptschulabschluß verließ. Sofort anschließend begann er eine Lehre als Stahl- und Betonbauer. Allerdings wurde ihm kurz vor der Gesellenprüfung gekündigt, weil er seine Arbeit verweigerte, da er nur Hilfsarbeit machen durfte und von seinen älteren Kollegen schikaniert wurde. Seitdem ist er arbeitslos und bezieht monatlich ca. 810 DM (Seine Ehefrau bekommt nur 280 DM). Von diesem Geld müssen sie den Eltern 939 DM Miete zahlen für eine Wohnung, die nur 46 m² groß ist. Maik versucht schon seit langem angestrengt, seine abgebrochene Lehre fortzusetzen.

Auswertung

Eine klare Gemeinsamkeit in allen Lebensläufen besteht in der abgebrochenen bzw. mangelhaften Schul- oder Berufsausbildung. Entweder kam es zu einem Wechsel zur Sonderschule (Andre, Meik, Ralf) oder einem nicht abgeschlossenem Hauptschulbesuch (Thorsten). Lediglich Maik erreichte einen Schulabschluß. Eine weitere Übereinstimmung läßt sich in der Berufsausbildung erkennen. Alle Jugendliche haben sie abgebrochen oder erst gar nicht richtig begonnen. Zum Beispiel hat Andre drei verschiedene Wege zu einer Arbeitsaufnahme eingeschlagen, aber er brach sie alle ohne trifftige Gründe ab. Meik hat nur einen Versuch gestartet, zu dem er sogar noch gedrängt wurde. Und diesen brach er, ohne richtig zu beginnen, sofort ab. Ralf zeigte nach zwei abgebrochenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen keine Geduld und gab nach einigen Absagen einfach auf. Zwar hat Thorsten keinen Schulabschluß oder eine Ausbildung, aber trotzdem besitzt er eine mehr oder weniger geregelte Arbeit als Hilfsarbeiter. Maik schaffte es fast seine Lehre zu beenden, mußte sie aber dann abbrechen. Über den Grund dieses Zwangsabbruchs kann man sicher geteilter Meinung sein: Entweder wurde er so stark schikaniert, daß er nicht mehr anders konnte oder er hat ein mangelndes Sozialverhalten gezeigt und war sich zu fein für die Hilfsarbeit, die ein Auszubildender eigentlich immer tun muß.

Auch läßt sich feststellen, daß fast alle Jugendlichen aus zerrütteten Familien stammen. Bei Andre ist zwar die Familie intakt, aber es wurden in der Erziehung sicherlich große Fehler gemacht. Denn Andre wurde von Eltern und Großeltern so „bemuttert“, daß er es nie gelernt hat, für sich selber zu sorgen oder Verantwortung zu übernehmen. Aber Meik ist ein sehr gutes Beispiel für diese Annahme, weil er seinen Vater eigentlich gar nicht kennt und zu seiner Mutter ein stark gestörtes Verhältnis hat, da er sie mißhandelt. Ralf hatte es als Kind bestimmt auch sehr schwer, weil er mit zehn anderen Personen in einer Notunterkunft von der Sozialhilfe lebte. Und in so einer Situation sind Spannungen und Probleme unumgänglich. Auch Thorsten lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder von der Sozialhilfe. Da seine Mutter sich von dem alkoholabhängigen Vater getrennt hat, lassen sich auch hier Konflikte vermuten. Die Eltern von Maik sind auch geschieden. Sein Verhältnis zum Vater war immer gut und durch die Meinung des Vaters über Maiks Mutter ist auch sein Verhältnis ihr gegenüber gespannt. Leider konnten wir nichts über sein Verhältnis zu den Großeltern in den Materialien finden.

Fazit: Wir finden, daß die Erziehung und das soziale Umfeld ein entscheidender Faktor des Aufwachsens ist. Und da bei unseren Fällen immer eine Störung dieser Verhältnisse vorhanden ist, läßt sich vermuten, daß eine nicht intakte Umwelt sich negativ auf die Entwicklung eines Menschen auswirkt. Natürlich kann man dies nicht verallgemeinern, da jeder Jugendliche in seinem Charakter anders ist. Aber man kann trotzdem sagen, daß Kinder mit schlechteren Bedingungen zum Aufwachsen eher zu Straftaten (hier: Drogenkonsum) und Problemen in Schule und Beruf neigen.

Daher liegt der Grund für Drogenkonsum von Jugendlichen meist in den (schlechten) Entwicklungsbedingungen.

Jens Nienhaus

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Lebensläufe straffällig gewordener Jugendlicher
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
5
Katalognummer
V97132
Dateigröße
334 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebensläufe, Jugendlicher
Arbeit zitieren
Jens Nienhaus (Autor), 1999, Lebensläufe straffällig gewordener Jugendlicher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97132

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