Ibrahim Nagi, Leben und Werke


Ausarbeitung, 1999

12 Seiten, Note: 1.7


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Ibrahim Nagi - Leben und Werk

Im Dezember 1898 wurde Ibrahim Nagi in Ãubra, einem damaligen Vorort von Kairo in Ägypten, geboren. Er hatte das Glück, in einem intellektuellen Umfeld groß zu werden, mit einer Familie, die eine gesicherte Stellung in der Gesellschaft hatte. Schon im Kindesalter kam er in Kontakt mit der Literatur, denn sein Vater A…mad, ein Generalsekretär, war ein gebildeter, intellektueller Mann, der sich Englisch, Italienisch und Französisch autodidaktisch beibrachte, die zu der Zeit meistgesprochenen Fremdsprachen des Landes. Im Laufe seines Lebens legte er sich eine große Hausbibliothek an und hielt gelegentlich Lesungen für die Familie. Somit konnte Nagi schon sehr früh Bekanntschaft machen mit der klassischen arabischen Dichtung, aber auch mit Werken aus der westlichen Kultur, wie z.B. Oliver Twist. Auch das Werk David Copperfield weckte in Nagi große Begeisterung. Die Literatur und Dichtung sollten eine Leidenschaft für ihn werden und so zog er nach seinem Schulabschluß in Erwägung, Literaturwissenschaften zu studieren, wovon ihn allerdings sowohl seine schlechten Noten als auch der damalige schlechte Ruf dieses Studiums abhielten. Sich den gesellschaftlichen Zwängen beugend, schrieb er sich 1916 für ein Medizinstudium an der Madrasat aƒ-ƒibb ein, welches er erfolgreich 1923 beendete. Es ist nichts darüber bekannt, daß er während seines Studiums sein Interesse an der Literatur aktiv pflegte, obwohl der Aufbruch der modernen ägyptischen Literatur in vollem Gang war: <Abbas Ma…mýd al-<Aqqad und Ibrahim <Abd al- Qadir al-Mazini publizierten 1921 ihr Aufruhr gekröntes Pamphlet ad-Diwan. Nach seinem Abschluß arbeitete Nagi noch eine Weile im medizinischen Bereich in verschiedenen Teilen Kairos und im Umland, doch 1927 siegte die Leidenschaft zur Literatur und er zog nach al-Man‡ýra, der Hochburg für junge Dichter und Intellektuelle und solchen, die es werden wollten. Er freundete sich mit einigen Kollegen an, die später mit ihm Mitglieder der Apollo-Zeitschrift wurden, unter ihnen <Ali Ma…mýd ³aha, al-Hamãari und †ali… ‰audat, seinem späteren Biographen. Diese Zeit in al-Man‡ýra ist ein sehr wichtiger Abschnitt für den heranwachsenden Dichter und Romantiker Nagi, vor allem für seine literarischen Werke. In dieser Zeit begann er, sich näher mit europäischen Romantikern und Philosophen wie Percy B. Shelley, John Keats und William Wordsworth zu beschäftigen, deren Werke er wahrscheinlich mit seinen Kollegen/ Freunden las und übersetzte. Denn wie schon sein Vater beherrschte auch Nagi Englisch und Französisch sehr gut, seine ersten Veröffentlichungen in der Wochenzeitschrift Siyasat al- <usbý<iya waren Übersetzungen ins Arabische von verschiedenen Werken zeitgenössischer und früherer Romantiker, z.B. 1926 Le Lac vom französischen Lyriker und Romantiker Alphonse Lamartine, es folgte die Übersetzung von The Bridge of Sights von Thomas Hook, der bekannt war für seine gesellschaftskritischen Werke und ein Anhänger John Keats war. Auffällig hieran ist, daß Nagi schon sehr früh seine literarischen Neigungen zur Romanik spezifizieren konnte, die ein Meilenstein für die arabische Kultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden sollte.

Doch ganz konnte sich Nagi seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht entziehen und wurde 1931 wieder nach Kairo beordert, um dort die Tochter des Stadtgouverneurs zu heiraten. Diese Heirat ermöglicht ihm, das Direktorialamt der medizinischen Abteilung im Ministerium für wohltätige Angelegenheiten (waqf) zu übernehmen und war vor einer Versetzung in eine umliegende Provinz gesichert. Diese Intervention hatte er nicht zuletzt seinem Schwiegervater zu verdanken, und so blieb diese Heirat für ihn immer eher eine Frage der Konvention und gesellschaftlichen Stellung denn eine Frage der Liebe. Deshalb fühlte er sich auch im Laufe seines Lebens nicht gehindert, diverse Liebschaften einzugehen, vornehmlich mit Künstlerinnen. In seinem zweiten Band Nächte Kairos - Layali l-Qahira, der 1951 erschien, sind viele Liebesgedichte zu finden, die diesen Liebschaften gewidmet sind. Aber auch diese neuen beruflichen Aufgaben konnten Nagi nicht daran hindern, seiner eigentlichen Leidenschaft nachzugehen. Ehe und berufliche Stellung ermöglichten ihm in Kairo einen Einstieg in die Kreise der Literaten und Intellektuellen. Schon kurze Zeit später, im Jahre 1934, erschien sein erster Band Hinter den Wolken (Wara> al-õamam), welches allerdings so heftig ins Kritikfeuer von ³aha "ussain geriet, daß Nagi an seinem Talent zweifelte und beschloß, seine Karriere als Dichter zu beenden, denn diese Kritik nahm er sehr ernst. Doch diese Niedergeschlagenheit währte nicht lange und schon Ende des selben Jahres veröffentlichte er sein Gedicht Ilayha in der Apollo-Zeitschrift. Durch seinen Zugang zu einflußreichen Kreisen wurde der hohe Beamte Ibrahim Dasýqi Abaøah Paãa, ein Liebhaber der Dichtung und Poesie, auf ihn aufmerksam und favorisierte seine Werke. Ihm widmete Nagi einige Lobpreisungen, die in seinem Diwan unter Ibrahimiyat zusammengefasst sind.

Kulturelle und Politische Hintergründe

Schon seit Ende des 18./ Beginn des 19. Jahrhundert gab es in Ägypten eine kulturelle Isolation und die eigentliche poetische Renaissance fand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Der Impuls für eine kulturelle Veränderung kam mit den Nachwirkungen der Napoleon-Invasion durch Mu…ammad <Ali Paãa (Regierungszeit 1805-1849), einem Vorfahren von Ibrahim Paãa, der vielen einen Blick aus der arabischen Welt in die westliche Welt Europas ermöglichte. Ein sogenanntes kulturelles Erwachen begann, das auch das Interesse an dem Wiedererleben und Neuentdecken der klassischen, arabischen Literatur weckte. Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich die neoklassizistische und romantische Literatur, wobei die politischen Dichter der arabischen Welt in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mehr mit neoklassizistischer Neigung schrieben, während die Romantiker mehr das persönliche Dilemma und die harte Realität des Lebens zum Inhalt ihrer Werke machten, und das zu einer Zeit, in der dies noch zu den gesellschaftlichen Tabus zählte. Eine poetische Revolution brach aus, die schon vor Nagis Geburt begann und über seinen Tod hinausging, die er also in vollem Maße erleben durfte. Der Drang des Veränderns, Erlösens und Erwachens dominierte diese Epoche und animierte eine Avantgarde von Dichtern, ihre Kollegen zu motivieren, ebenfalls das Gefühl des Aufbruchs in ihren Werken zu manifestieren. Aber das politische Klima machte es häufig unmöglich für die moderne Dichtung, das Augenmerk auf ästhetische Angelegenheiten zu richten und diese genau zu focusieren. Nach dem Palästina- Disaster 1948 wurde nahezu die gesamte arabische Welt desillusioniert und büßte einen herben Rückschlag in seinem Selbstvertrauen ein.

Die Apollo-Zeitschrift

Die Gründung der eingangs erwähnten Apollo-Zeitschrift im Herbst 1932 gehört mit zu den größten Ereignissen in der Geschichte der modernen ägyptischen Literatur und für die literarische Elite (gam<iyat). Der Initiator und Herausgeber war A…mad Zaki Abý Ãadi, der lange Zeit in England als Mikrobiologe tätig war und Mitte der 20er Jahre nach Kairo zurückkehrte. Da er selbst schon immer eine Hingabe zur Literatur und Dichtung hatte und auch selbst schrieb, begann er Anfang der 30er Jahre das Apollo-Projekt mit dem Ziel, eine regelmäßig erscheinende Zeitung für die literarische Gesellschaft zu gründen, mit sozialen und ethischen Aspekten, und nicht nur mit einem spezifisch literarischen Programm, welches ohnehin nicht recht zu definieren wäre. Auch Reim und Metren sollten diskutiert werden. Zur Zeit der ersten Veröffentlichung setzte sich die Redaktion zusammen aus A…mad aã-Ãaýqi, dem Präsident, ®alil Maƒran und A…mad Mu…arram, den Vizepräsidenten, und den restlichen Mitgliedern, u.a. Nagi, <Ali al-Inani, Kamil Kilani, Ma…mýd <Imad und <Ali Ma…mýd ³aha. Eine äußerst heterogene Gruppe, was sich schon am unterschiedlichen Alter und der sozialen Stellung festmachen läßt. Nach Ãaýqis Tod am 14.Oktober 1932 wurde Maƒran Präsident und Nagi Vizepräsident, was er auch bis zur Einstellung des Magazins blieb.

Apollo entwickelte sich - trotz veröffentlichter Hommagen an Neoklassizisten - zum Sprachorgan der jungen Romantiker und galt schon bald als Forum sowohl für ägyptische Romantiker, als auch für Schriftsteller aus dem Ausland, die bestrebt waren, ihre Werke in diesem Magazin zu veröffentlichen, obwohl es noch einige ähnliche Zeitschriften, wie z.B. al-<U‡ýr und die Diwanschule, gab, welche zu Apollo ein konkurrierendes Verhältnis hatten. Der Dichter al-<Aqqad verstand es häufig, harte Kritiken gegen sich zu entfachen, egal in welcher Zeitschrift er gerade publizierte. Als er 1933 seine Kollektion Wa…ial-arb<in veröffentlichte, kam es zu heftigen Attacken zwischen Apollo und al-<Aqqad-Anhängern. Die Apollo- Zeitschrift mußte sich in der kurzen Zeit, in der sie existierte, auch anderen harten Kritiken stellen: zum einen wurde u.a. von Nagi und Abý Ãadi behauptet, daß Maƒran, der eigentliche Präsident dieser Zeitung, einen großen Einfluß auf die Entwicklung und der damit zusammenhängenden Bedeutung für die ägyptische Literatur getragen hat. Zum anderen wurden Behauptungen aufgestellt, daß keine Abhängigkeit von Apollo zu Maƒran bestand, sondern daß Apollo lediglich eine Fortführung der Diwanschulen sei. Abd al-Aziz ad-Dasýqi legte dabei ein besonderes Augenmerk auf die Tatsache, daß die meisten Schreiber für Apollo an der englischen Sprache und Literatur orientiert sein. Nicht unwesentlich ist auch die Zeit der Gründung gewesen. Zu Beginn der 30er Jahre herrschte der Diktator Isma<il †idqi, eine Zeit mit traumatischen Erfahrungen für die damaligen Schriftsteller und Künstler. Der Apollo- Zeitschrift wurde häufig der Vorwurf der Schönschreiberei und des Bewunderns des diktatorischen Regimes gemacht. Konkrete Beweise gab es für diese Anschuldigungen nicht. Es fielen zuweilen Lobpreisungen an politische Oberhäupter, was allerdings auch mit den politischen und gesellschaftlichen Verpflichtungen zu entschuldigen wäre.

Das Magazin wurde schon 1934 aus finanziellen Gründen eingestellt. Es kursierten Gerüchte, daß die Beendigung mit dem Besuch einer Apollo-Delegation beim Bildungsministerium zusammenhängt, wo nach finanzieller Unterstützung gebeten wurde. Diese Aktion galt als Verrat und Gesichtsverlust. Es ist aber unklar, ob sich auch die Apollo- Gemeinschaft auflöste, angeblich gab es noch 1936 Treffen in Alexandria.

Nagi gehörte während der gesamten Zeit zu denen, die in aller Regelmäßigkeit ihre Werke publizierten. Sein Gedicht al- <Aýda, das schon in der zweiten Ausgabe der Zeitschrift erschien, zeigt noch mal, wie weit entfernt die ägyptischen Romantiker vom Neoklassizismus waren: das Thema würde einen klassischen nasib aufweisen, was aber bei Nagi nicht zu finden ist.

Die Zeit bei Apollo wird als Nagis glücklichste gezählt, da er dort in seinem Metier war und seine Leidenschaft voll entfalten konnte. Da sich auch Parallelen aufweisen zwischen Nagis sozialer und politischer Einstellung und denen von Apollo, wird Nagi als ein Hauptrepräsentant dieser Zeitung gesehen.

Nagis Werke

Die gesamten Werke Nagis wurden posthum 1961 in einem Diwan veröffentlicht. Insgesamt brachte er die folgenden drei Gedichtbände raus:

1. Band: Hinter den Wolken - Wara> al-Õamam (1934)
2. Band: Nächte Kairos - Layali l-Qahira (1951)
3. Band: Der verwundete Vogel - aƒ-ƒa>ir al-gari… (1957 posthum)

Die Mehrheit dieser Sammlungen sind Liebesgedichte (davon wiederum die meisten an Zaza), ein anderer Teil sind politische Trauer- und Loblieder, die er Personen aus hohen Rängen widmete oder zu öffentlichen Ereignissen passend schrieb. So ist zum Beispiel das Gedicht Verbrannte Flügel nach dem Absturz eines ägyptischen Flugzeuges entstanden, und dem Märtyrer <Abd al-"akam al-Õira…i, der 1935 bei einer Demonstration getötet wurde, schrieb er ein

Erinnerungsgedicht. An Ibrahim Dasýqi Abaøah Paãa schrieb er, wie bereits erwähnt, ausnahmsweise mehrere Lobpreisungen, die er unter Ibrahimiyat zusammenfaßte und mit folgender Widmung einleitete:

Für den Freund al-Mu<ali Dasýqi, der an feiner Sitte und Moral überragt.

Er ist Vater des moralischen Aufschwungs dieser Metropole.

Darüber hinaus ist er ein bevorzugter Poet dieses Diwans,welcher in den folgenden kleinen Versen nichts deutlicher machen wird außer dem, womit er ringt in seinen Gedanken - mit Dankbarkeit und Zuneigung und großer Aufrichtigkeit.

Ibrahim Nagi entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Romantikern Ägyptens in der ersten Hälfte des 20.

Jahrhunderts, die eine Sturm und Drang Phase für die arabische Literatur war.

Die Epoche der arabischen Romanik war zwar verhältnismäßig kurz, aber doch prägnant und von hoher Bedeutung für die Entwicklung Nagis, denn das, was sie charakterisiert, wird auch in seinen Werken deutlich, in denen für damalige Verhältnisse ungewöhnlich viel von persönlichen Erfahrungen und Emotionen zu finden ist. Man vermutet, daß das dominante Thema seiner Gedichte, die Liebe, auf persönliche Erfahrungen in jungen Jahren zurückzuführen ist und er das Schreiben wohl als eine Art Hilfe benutzte, um diese Erfahrungen zu verarbeiten. Er sieht seine Aufgabe als Poet darin, einen Dialog herzustellen zwischen Mensch und Natur, und er als Dichter ist das Medium, das übersetzt (siehe The message of life). Der Dichter ist derjenige, der der Natur erst eine Gestalt, Farbe und Vitalität verleiht. Diese Schönheit der Natur ist allerdings nur von temporärer Bedeutung und somit ein vergänglicher Trost. Er benutzt auch gern Motive und Ausdrücke aus der Natur für metaphorische Spielereien.

Nagis philosophische Weltanschauung in seinen Gedichten erinnert an Schwarzmalerei, denn der Mensch ist ein Gefangener, der sich im Exil in der Natur befindet. Das Exil ist ein Leitmotiv für seine Dichtung. In dem Gedicht Der Außenseiter läßt schon die Überschrift vermuten, worum es geht. Es wird häufig das Gefühl der Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit empfunden, aus dem ihn nur eine Liebe retten kann, der Silberstreif am Horizont. Menschen, die nie richtig geliebt haben oder geliebt wurden, sind für Nagi nie aus ihrem Exil befreit worden und haben in einer Blase gelebt, die sich im Nichts bewegt und zu platzen droht. In einigen Gedichten beschäftigt er sich aber auch mit dem Ende einer Liebe und den daraus resultierenden Schmerzen und dem Wiederkehren des Exilgefühls und der Einsamkeit, wenn er nicht gerade, wie in dem Gedicht Oblivion (al-nasiyan), versucht, die Kraft zu finden und das Gute in dieser Trennung zu sehen:

At last the cure, I bid farewell to pain,and welcome with a smile the days to come. Oblivion comes to me a kingly guest, with hands compassionate and blessed steps.

My guest comes strongly on,folding the distance, the dark unknown. Proffering a cup that takes away Old pain, and banishes all regrets.

So drain it to the dregs and have no fear-For long you’ve suffered, your thirst, your only drink. Oblivion now envelops me, and I

Thank God for its overwhelming flood, surrendering to the waves which engulf me,happy to embrace a void without memories.

Übersetzt von Issa Boullata und John Heath-Stubbs.

Die wiedergefundene Kraft nach einer Mutlosigkeit findet man auch in seinem Gedicht Ilayha, das er -wie bereits erwähnt1934 herausbrachte, nachdem er sich von den Kritiken ³aha "ussains stark provozieren ließ und für eine kurze Zeit das Schreiben und Dichten aufgeben wollte:

Oh, Vergangenheit, die ich in eine Grube niederlegte, an der der Tod sein Zelt aufspannte.

Oh, Dichtung, die ich in ein Leichentuch hüllte,schwörend: keine Dichtung werde ich mehr verfassen Oh, Herz, das ich in Stücke riss,rufend: deine Zeit mit dir, Herz, ist beendet. Ich schwöre: nicht eines von euch starb. wahrlich, das Ruhen aus Verzicht ist das Ende.

Oh, wenn von euch sich doch ein schwächlicher Prophet erhöbe Oder ein Schutzpatron, und er für sie stürbe.

Ach, wer berichtete ihr von einem Vogel, der alle Nistplätze außer den ihren vergessen hat.

In den ersten Zeilen wird wohl auf seine Misere angespielt, in der er sich ohne das Schreiben befand. Eine Vergangenheit, die er beendete, was ihm das Herz zerriß. Dann die Erkenntnis, daß der Verzicht nicht die richtige Entscheidung war und es nicht aus freien Stücken kam.

Als im Jahre 1952 die Revolution in Ägypten ausbrach, verlor Nagi seinen Posten als Direktor, ebenso wie viele Anhänger des alten Regimes, obwohl er nie eine signifikante Rolle in der Politik spielte, und wurde zum Angestellten degradiert. Dieser Erniedrigung fühlte er sich nicht gewachsen und beschloß, in Frührente zu gehen. Da er es allerdings nie verstand, mit Geld zu wirtschaften, trieb ihn diese Entscheidung in den finanziellen Ruin und auch seiner Gesundheit, auf die er nie besonderen Wert legte, trotz Diabetes und dem Hang zum Alkoholkonsum, ging es zunehmend schlechter. Im März 1953, nach langjährigem Leiden und von der Familie schon längst verstoßen, starb Ibrahim Nagi in Kairo. Nur seine große Liebe Zaza blieb treu bis zu seinem Tod bei ihm.

Ibrahim Nagi repräsentiert sowohl die Apollo-Zeitschrift als auch die ägyptischen Romantiker. Er war in erster Linie ein lyrischer Dichter, der es verstand, seine tiefsten Emotionen und Empfindungen in seinen Werken wieder zu spiegeln. Im Gegensatz zu einigen seiner zeitgenössischen Kollegen, die eher zu philosophisch Ideen und sozialem Engagement neigten, tendierte Nagi zu einer intellektuellen Bewegung und Entwicklungen, mit starkem Hang zur Preisgabe der persönlichen Emotionen, Ängsten und Wünschen, was zu seinen Lebzeiten äußerst ungewöhnlich war und eine Zeit lang als nicht gesellschaftsfähig galt.

Literaturhinweise

Nagi, Ibrahim: Diwan. Bayrýt: Dar al-<Auda, 1980.

Badawi, M.M.: A critical Introduction to Modern, Arabic Poetry. Cambridge 1971.

Brugman, J.: An Introduction to the history of modern, arabic literature in Egypt. Leiden: Brill, 1984. (Studies in Arabic literature, 10).

Jayyusi, Salma K., al: Trends and movements in modern arabic Poetry. 1-2. Leiden: Brill, 1977. (Studies in Arabic literature 6).

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Ibrahim Nagi, Leben und Werke
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
PS Formsprache der Arabischen Dichtung
Note
1.7
Autor
Jahr
1999
Seiten
12
Katalognummer
V97133
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Beim Konvertieren ist die arab. Umschrift im Großen und Ganzen gelungen.
Schlagworte
Ibrahim, Nagi, Leben, Werke, Formsprache, Arabischen, Dichtung
Arbeit zitieren
M. Moeller (Autor), 1999, Ibrahim Nagi, Leben und Werke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97133

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