Die Astronomie der Maya


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
9 Seiten, Note: 12 Punkte

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Die Astronomie der Maya

1. Allgemein - Die Maya und ihr Bezug zur Astronomie

2. Beobachtungen und Erkenntnisse

3. Der Kalender der Maya
3.1. Der ,,Long Count"
3.2. Tzolkin, Haab und die Kalenderrunde

1.Allgemein - Die Maya und ihr Bezug zur Astronomie:

Die Maya, die indianischen Ureinwohner einiger Teile des heutigen Mexikos und Yukatans sind heutzutage nicht nur durch ihre Hochkultur, welche sie vergleichsweise früh erreichten, bekannt, sondern auch auf Grund ihrer enorm weitreichenden astronomischen Erfahrung. Sie entwickelten ein sehr komplexes Verständnis für die Astronomie - ihr Wissenstand während der Blütezeit ihrer Kultur um 500 n.Chr. übertraf zu diesem Zeitpunkt den in Europa um ein Vielfaches.

Im Gegensatz zur modernen Astronomie war jene bei den Maya kaum von der Astrologie zu trennen. Der wohl deutlichste Beweis dafür sind die Priester, welche ausschließlich über astronomisches Wissen verfügten, was zu ihrem hohen Ansehen führte. Außerdem glaubten die Maya an eine Verbindung zwischen dem Menschen, seinem Werk und dem Kosmos. Sie verehrten die Sonne, Venus und den Mond als Gottheiten, welche von den Priester genau beobachtet und studiert wurden. Ihre Erkenntnisse schrieben sie mittels Hieroglyphen, entweder auf Stein (Bauwerke, Stelen,...), Keramik/ andere Kunstgegenstände oder in sogenannte ,,Kodizes". Die letztgenannten Kodexe sind Faltblätter, auf welchen in einer Art tabellarischem System wichtige Fakten, etwa über günstige Saat-, Ernte-, Jagd- oder Kriegszeiten festgehalten sind.

2. Beobachtungen und Erkenntnisse:

Da die Maya in astronomischer Hinsicht über keine hochtechnischen Hilfsmittel zur Observation von Himmelskörpern verfügten, benötigte es viel Zeit um gewisse Aussagen über

Regelmäßigkeiten zu treffen, bzw. Berechnungen anzustellen. Da gewährleistet werden musste, dass immer vom gleichen Blickwinkel aus gemessen wurde, um Ergebnisse nicht zu verfälschen, entwickelten die Maya mehrere Methoden. Die wahrscheinlich Einfachste ist es, die Pfosten eines Fensters als festes Koordinatensystem zu benutzen, um von dort aus einen bestimmten Punkt am Himmel zu beobachten. Gleichermaßen könnten zwei in X-Form verbundene Pfosten diese Funktion erfüllt haben, mit dem Vorteil, dass man auch unabhängig von schon vorhandenen Strukturen exakte Beobachtungen durchführen konnte, wenn man immer den selben Ausgangspunkt für die Messungen wählte.

Aber auch verschiedene architektonische Anordnungen wurden zur Observation benutzt. So sind in Uaxactùn vier Pyramiden in einem Dreieck angeordnet, sodass von der einen Pyramide als Beobachtungspunkt aus die linksseitige, gegenüberliegende Pyramide den Aufgangspunkt der Sonne am 21.06., die rechtsseitige Pyramide diesen am 21.12. darstellen. Schaut man nun auf die genau gegenüberliegende Pyramide, so kann man den Aufgangspunkt der Sonne an den Tagen der Äquinoktien am 21.03 und 21.09. fixieren. Mittels dieser Methoden konnten die Priester genaue Aussagen über Umlaufzeiten verschiedener Himmelskörper fällen. Sogar die Vorhersage von Sonnenfinsternissen war ihnen möglich. Im Dresdner Kodex (benannt nach dem derzeitigen Aufbewahrungsort) sind solche Berechnungen und Daten für 68 Sonnenfinsternisse innerhalb eines Zeitraumes von 33 Jahren angegeben.

Ein weiters Hilfsmittel, welches möglicherweise im Gebrauch der Maya war ist ein polierter, konkaver Spiegel aus Obsidian, welcher zur Vergrößerung gedient haben könnte.

Bei allen Beobachtungen gingen die Maya davon aus, dass die Erde der Mittelpunkt des Kosmos sei. Diese Tatsache ist für die heutigen Wissenschaftler phänomenal, da trotz des geozentrischen Weltbildes, welches sie verfolgten, viele Berechnungen mit unseren heutigen fast übereinstimmen. Beispielsweise wurde der Umlauf der Venus um die Erde mit einer Dauer von 584 Tagen (synodische Umlaufzeit, d.h. die Erde ist Ausgangspunkt der Betrachtungen) berechnet. Mit modernen Instrumenten messen wir heutzutage einen Wert von 583,92 Tagen.

Die Venus war für die Maya von sehr großer religiöser Bedeutung. Mitunter wurden Kriege nach bestimmten Positionen dieses Planeten, welcher Unheil und auch Krieg bringen sollte, geführt.

Der wichtigste und zugleich auch gefürchtetste Zeitraum war jener, als die Venus nach acht

Tagen in welchen sie zwischen Sonne und Erde stand (auf der Erde nicht sichtbar) zusammen mit der Sonne wieder aufging.

Der Mond wurde als eine Gottheit ebenfalls beobachtet und seine Umlaufzeit über einen langen Zeitraum hinweg niedergeschrieben. Der Durchschnittswert dieser kommt, wie die Berechnungen bei der Venus, dem heutigen Berechnungen enorm nahe. Selbst Mondfinsternisse konnten von den Maya-Priestern vorausgesagt werden.

Auch der Lauf der Sonne wurde genau verfolgt. Wie schon angedeutet konnten die Maya den Zeitpunkt der Sonnenwenden im Winter und Sommer, sowie die Tag- und Nachtgleichen bestimmen. Für die Dauer eines Sonnenjahres berechneten sie einen Wert von 365,2420, die moderne Wissenschaft von 365,2422 Tagen (17,28sek Differenz). Damit war der Maya- Kalender exakter als der damals in Europa gültige Julianische Kalender, der für ein Jahr eine Dauer von 365,25 Tagen ansetzte

In den Aufzeichnungen der Maya wird die Ekliptik als eine doppelköpfige Schlange dargestellt. Außerdem besaßen sie 13 Tierkreiszeichen, welche ähnlich wie bei uns auf oder in der Nähe der Ekliptik liegen. Die Intervalle dieser dauern jeweils 28 Monate an und das Sternjahr ist mit 364 Tagen um 1,2564 Tage kürzer als unseres.

Man geht zwar davon aus, dass die Maya noch weitere Planeten beobachtet haben, diese spielten jedoch für sie keine größere religiöse Rolle und wurden dadurch kaum in Aufzeichnungen erwähnt.

3. Der Kalender der Maya:

Da die Maya-Priester die Sonne beobachteten, die Dauer eines Sonnenjahres berechneten und Tierkreiszeichen für bestimmte Intervalle angaben, liegt es nahe, anzunehmen, dass sie ebenfalls eine Art kalendarisches System besaßen.

Im Gegensatz zu unserem heutigen besteht dieses jedoch aus verschiedenen, parallel laufenden Zyklen.

Die, für den Maya-Kalender grundlegenden Komponenten waren die beiden Kalender Tzolkin und Haab, da sie im Leben der Maya eine praktische Anwendung fanden. Der dritte bedeutende Kalender ist der sogenannte ,,Long Count".

3.1.Der ,,Long Count":

Diese Art des Kalenders zählt, ähnlich wie bei unserem Heutigen die Tage seit dem Tag Null, an welchem die Welt erschaffen wurde. Für die Maya war dies der 11. August des Jahres 3114 v.Chr.

Der ,,Long Count" besteht mit einer Periodizität von 1 872 000 Tagen, wodurch es den Maya möglich war, einen Tag innerhalb von 5 125 Sonnenjahren zu identifizieren. Dazu benutzten sie eine Variante ihres vigesimalen Zahlensystems. Dieses mathematische System beruhte auf der Basiszahl 20, mit der sie ähnlich wie mit den Dezimalen heutzutage rechneten. Statt einer Zahlenfolge von 1-20-400-8000-160000-... wurde bei zeitlichen Angaben folgendermaßen gezählt:

1 Kin = 1 Tag,

1 Uinal = 20 Kin = 20 Tage,

1 Tun = 18 Uinal = 360 Tage,

1 Katun = 20 Tun = 7200 Tage,

1 Baktun = 20 Katun = 144000 Tage.

Diese Abweichung vom normalen System kommt zustande, da man sich am Sonnenjahr orientieren musste, welches bei den Maya auch 365 Tage lang war. Die fehlenden fünf Tage wurden nicht ergänzt Die Datumsangabe im Long Count bestand aus fünf Zahlenglyphen, welche in einem Stellenwertsystem vertikal von der kleinsten bis zur größten ( umgekehrte Reihenfolge wie obige Beschreibung) dargestellt wurden. Addiert man die Werte, so erhält man die Anzahl der Tage, welche seit dem Nulldatum vergangen sind. In der heutigen Schreibweise würden wir ein solches Datum waagerecht schreiben, unserem Dezimalsystem gleichgesetzt (Baktun. Katun. Tun. Uinal. Kin.). Normalerweise würde dies bis zu dem Tag 19.19.19.19.19. andauern, doch Maya-Experten sind der Meinung, dass mit dem 13. Baktun (13.00.00.00.00) das Nulldatum und damit ein neuer Zyklus folgt.

Dieser Long Count wurde noch durch weitere Angaben ergänzt, wie zum Beispiel Daten der anderen beiden Kalender (Initial Series). Außerdem wurden durch sog. ,,Supplementary Series" weitere Informationen über das Alter des Mondes angegeben. Die Maya notierten etwa, ob Voll- oder Neumond war oder ob der Mondmonat 29 oder 30 Tage umfasste. Um die Abweichung des 365-Tage-Kalenders mit in die Zeitrechnung einzubeziehen, wurden Kalenderkorrekturen (Secondary Series) eingeführt. Eine genau berechnete Zahl von Tagen

brachte, zum Datum des Long Count addiert, dieses auf den aktuellen Stand des Sonnenjahres. So konnten sie trotzdem genaue Voraussagen (Regenzeiten, astronomische Ereignisse) über Jahre hinweg treffen.

3.2. Tzolkin, Haab und die Kalenderrunde:

Der Tzolkin diente als eine Art Ritualkalender für die Maya, nach welchem sie die Zeitpunkte für Zeremonien und religiöse Feiern bestimmten, aber auch um Wahrsagungen über die Zukunft zu treffen.

Seine Dauer beträgt 260 Tage. Über das Zustandekommen dieser Zahl gibt es verschiedene Theorien, so etwa, dass sie die für die Saat und Ernte wichtige Zeit zwischen den Zenitpassagen der Sonne in Copàn und Itzapa (bedeutende Städte im Mayareich, was Kultur und Handel betraf) bezeichnet.

Außerdem besteht der Tzolkinkalender aus 13_20 Tagen. Die Zahl 13 könnte die Monate darstellen, aus denen wahrscheinlich ein altes Mondjahr bestand oder sich auf die Tierkreiszeichen (damals Anzahl von 13) beziehen. Die Bedeutung der Zahl 20 stammt aus dem vigesimalen System der Maya. Diese selbst brachten mit dem Tzolkin weiterhin die Venuszyklen, die neunmonatige Agrarperiode und die Dauer einer Schwangerschaft von 255- 260 Tagen in Verbindung.

Zu jedem Tzolkintag gehört eine Zahl zwischen 1 und 13 und ein Name aus einer Menge von

20 Tagesnamen:

Die Nummern und Namen durchlaufen den Kalender unabhängig. Die Folge der 260 Tage lässt sich wie folgt anordnen:

1 Imix

2 Ik

3 Akbal

4 Kann

13 Ben 1 Ix

2 Men 3 Cib

7 Ahau

8 Imix 9 Ik

Da 260 das kleinste gemeinsame Vielfache von 13 und 20 ist, wiederholt sich ein bestimmtes Tzolkindatum erst nach 260 Tagen.

Den zivilen Kalender der Maya stellte der Haab dar. Er ist unserem Kalender relativ ähnlich, orientiert sich am Sonnenjahr, besitzt also 365 Tage, welche in Monate unterteilt sind. Jedoch sind es 18 Monate, welche jeweils 20 Tage beinhalten und einem zusätzlichen Monat mit 5 Tagen, welcher als unglücksbringend angesehen wurde.

Die Folge der Tage unterscheidet sich deutlich von der des Tzolkin:

0 Pop

1 Pop

19 Pop

0 Zip 2 Zip

19 Zip

0 Zodz

1 Zodz

19 Cumku

0 Uayeb

4 Uayeb

Üblicherweise wurden die Angaben sowohl von Tzolkin, als auch von Haab benutzt, um bestimmte Daten niederzuschreiben. Dies war auch nur möglich, da beide die Basiseinheit Tag besitzen.

Eine solche Kombination wird als die Kalenderrunde (__) bezeichnet. Wie beide kalendarischen Angaben parallel laufen, soll an einem Beispiel deutlich werden:

Tzolkin Datum Haab Datum

10 Ben 11 Kayab

11 Ix 12 Kayab

12 Men 13 Kayab

13 Cib 14 Kayab

01 Caban 15 Kayab

02 Edznab 16 Kayab

05 Ik 0 Cumku

12 Imix 19 Cumku

13 Ik 0 Uayeb

01 Akbal 01 Uayeb

04 Cimi 04 Uayeb

05 Manik 0 Pop

Eine solche Kombination kann sich frühestens nach 18 980 Tagen (ca. 52 Jahre) wiederholen, da diese Zahl das kleinste gemeinsame Vielfache von 260 und 365 bildet. Dieser Zyklus stellt die Kalenderrunde der Maya dar.

Diese Kalenderrunde wurde von den Maya jedoch auch sehr oft in Verbindung mit dem Long Count gebracht. Hier einige Beispiele:

8.11. 7.13. 5. 3 Chiccan 8 Kankin

10. 1.19.15.17. 12 Caban 0 Yax

10. 3. 8.14. 4. 6 Kan 0 Pop

Da ein Long Count Datum nach 1 872 000 Tagen wiederkehrt, besitzt eine solche Kombination von Tzolkin, Haab und Long Count einen Zyklus von 136 656 000 Tagen, was einem Zeitraum von 374 152 Jahren oder 73 Mayaepochen zu je 13 Baktun entspricht.

Dieses ausgeklügelte System zeigt, wie gut sich die Maya in der Welt der Astronomie auskannten, wie viel Zeit sie dieser gewidmet haben müssen und wie genau sie mit ihrem mathematischen System Berechnungen in sehr großen Dimensionen anstellen konnten.

Obwohl die Maya die Astronomie nur als Mittel zum Zweck verwendeten, etwa um Saat- und Ernte zu bestimmen oder ihre Macht zu behaupten, entwickelten sie doch mit der Zeit ein beachtliches, sehr komplexes, wenn auch an die Religion gebundenes Wissen, welches das europäische zu dieser Zeit weit übertraf.

Quellennachweis:

1. Internet-Webseiten:

- ,,Der Maya Kalender" www.magnet.ch/serendipity/hermetic/cal_stud/maya/chap1g.htm

2. Linda Schele, David Freidel: ,,Die unbekannte Welt der Maya" (Albrecht Knaus)

3. Avani, Anthony F. : ,,Skywatchers of Ancient Mexico" (U. of Texas Press, 1980)

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Die Astronomie der Maya
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V97209
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Astronomie, Maya
Arbeit zitieren
Bianca Reichel (Autor), 2000, Die Astronomie der Maya, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97209

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