Menschenwürde bei Giovanni Pico della Mirandola

Seine Begründung zur Stellung des Menschen durch den Freiheitsbegriff in "Oratio de hominis dignitate"


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hinführung zur menschlichen Würde bei Giovanni Pico della Mirandola
2.1. Über die Person Giovanni Pico della Mirandola und seine Oratio
2.2. Der Begriff der Menschenwürde

3. Picos Bild des Menschen
3.1 Die Stellung des Menschen durch den Freiheitsbegriff begründet

4. Der Begriff der Menschenwürde bei Pico

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Endlich glaubte ich verstanden zu haben, warum der Mensch das am meisten gesegnete und daher ein jeder Bewunderung würdiges Lebewesen ist und was für eine Stellung es schließlich ist, die ihm in der Reihe des Universums zuteil geworden ist (.. ,)“.1

Dieses Zitat stammt von dem Renaissance-Philosophen Giovanni Pico della Mirandola, welcher in der frühen Neuzeit als ein besonders leidenschaftlicher Debattierter für die menschliche Würde galt. Er beschäftigte sich in seinem Leben mit der Menschenwürde, welche er in seinen Werken diskutierte und verschiedenste Würdekonzeptionen aufstellte. Sein bekanntestes Werk, aus welchem auch das Zitat stammt, ist die Oratio „De hominis dignitate“, welche er im Jahr 1486 verfasste. Dort zeigt er den Lesern, dass er glaubt, dasWesen und die Stellung des Menschen verstanden zu haben und er klärt die Freiheit zum konstitutiven Element der Würde des Menschen, da diese ihm erlaubt, dass zu sein, was er will und somit sich selber zu gestalten. Außerdem verknüpft Pico, auch oft als „Meisterschüler Ficinos“1 2 bezeichnet, in seinem Werk die Spätscholastik mit dem Humanismus und verbindet den Glauben der Menschen aus dem Mittelalter mit dem aus der frühen Neuzeit. Pico sammelte seine Informationen insbesondere aus der arabischen Philosophie, aus asiatischen und afrikanischen Quellen, aus dem Renaissance-Platonismus und Neuplatonismus, sowie aus theologischen Büchern.3 Damit war er der Erste, der einen „groß angelegten Versuch zu einer philosophischen Universalwissenschaft“4 unternahm. Pico wusste, dass alle Quellen nur einen Anteil von Wahrheit besaßen und er soll schon lange die Idee gehabt haben, alle Wahrheiten in einem Werk zu vereinen.

Dies Oratio des Grafen Giovanni Pico della Mirandola soll als Grundlage für diese Arbeit dienen, welche sich auch zentral mit der menschlichen Würde beschäftigt. Mittelpunkt dieser Arbeit ist die besondere Stellung des Menschen, welche sich nach Pico aus seinem Freiheitsbegriff ergeben würde. Dabei soll diskutiert werden, was den Menschen so besonders macht und wieso ihm eine so hohe Stellung im Gegensatz zu anderen Lebewesen im Universum zugetragen wird. Dazu kommt es zuerst zu einer Hinführung zum Thema, indem ein Überblick über das Werk „De homines de dignitate“ und die Person von Giovanni Pico della Mirandola geschaffen wird. Folgend darauf soll der Begriff der Menschenwürde im Allgemeinen beleuchtet werden, um auch eventuell die Abgrenzung zu dem Begriff von Giovanni Pico della Mirandola zu zeigen. Im weiteren Verlauf der Arbeit kommt es dann zur Erklärung von dem Bild des Menschen nach Pico und dazu, wie er die Stellung des Menschen durch seinen Freiheitsbegriff begründet. Daraus soll es dann zu einer Definition von der menschlichen Würde nach Pico kommen, bevor dann ein Fazit aufgestellt wird, um die Entwicklung der Diskussion zu reflektieren und eine Ausblick zu geben.

2. Hinführung zur menschlichen Würde bei Giovanni Pico della Mirandola

2.1. Über die Person Giovanni Pico della Mirandola und seine Oratio

Giovanni Pico della Mirandola wurde am 24. Februar 1463 als fünfter Sohn einer Adelsfamilie in Mirandola geboren. Seine Eltern Julia und Giovanni Franscesco stammten aus Adelsgeschlechtern der Grafen von Mirandola und Concordia, deren Güter in Norditalien gelegt waren. Schon in jungen Jahren bekam Pico eine umfassende humanistische Ausbildung, indem er Latein und vermutlich sogar Griechisch lernte. Als zehnjähriger wurde Pico zum päpstlichen Protonotar ernannt und mit 14 Jahren begann er sein Studium des kanonischen Rechts in Bologna.5 Da seine Interessen sehr vielseitig war, wechselte er nach zwei Jahren zum Philosophie-Studium an der Universität von Ferrara und bald darauf nach Padua, wo er begann nach den Geheimnissen der Natur zu suchen, indem er sich vollständig der Philosophie widmete. Mehrere Reisen führten in ab 1479 auch in die Stadt Florenz, welche als Zentrum des wiederbelebten Platonismus galt und wo er auch Marsilio Ficino kennenlernte. Marsilio Ficino war ein einflussreicher Philosoph der Renaissance, welcher eine Reihe von vielen bedeutenden Kommentaren und Werken entwickelte. Außerdem hat seine Belehrung des Platonismus den Verlauf der westlichen Philosophie stark beeinflusst. Pico übernahm viel von dem Platonismus von Ficino, was sich besonders stark an seiner Oratio erkennen lässt.6

Im Jahr 1485 ging Pico nach Paris, wo er scholastische Philosophie und Theologie studierte und sich auch mit dem venezianischen Humanisten Ermolao Barbaro verstand. 1485 schrieb er Ermolao einen Brief, welches sein grundliegendes Anliegen des philosophisches Synkretismus deutlich machte, die er 1486 in seinen „900 Thesen“ („Conclusiones philosophicae, cabalisticae et theologicae“) festhielt. Pico plante eine öffentliche Diskussion seiner 900 Thesen und lud dazu zahlreiche Vertreter der gelehrten Fachwelt aus allen Teilen Europas nach Rom ein. Die Rede „Oratio de hominis dignitate“ verfasste er ursprünglich als Eröffnung für die Diskussion seiner Conclusiones und kann in der deutschen Sprache mit „Reden über die Würde des Menschen“ übersetzt werden Diese Rede wurde jedoch nie gehalten, da der Papst Innozenz VIII. eine Untersuchungskommission einberief, weil er die sieben Thesen von Pico als häretisch und sechs weitere für verdächtig erklärte. Später verteidigte Pico in seiner Apologia die dreizehn Thesen, jedoch mit dem Ergebnis, dass es zur Verbrennung der Thesen kommen sollte. Daraufhin musste er nach Frankreich fliehen und wurde 1488 schließlich auf Befehl des Papstes verhaftet. Nachdem sich aber einige italienische Adlige für seine Freilassung eingesetzt hatten, durfte Pico nach Florenz zurückkehren. Deswegen wurde die Rede erst nach seinem Tod durch seinen Neffen veröffentlicht und hatte so großen Einfluss, sodass sie sogar bis ins 17. Jahrhundert über die Landesgrenzen, insbesondere in Frankreich, für großen Einfluss sorgte. Pico hatte mit seiner neuen Anschauung ein bedeutendes und wegweisendes Motiv geschaffen, dass zu der Zeit viel Aufsehen erregte. Das Thema des Menschen und seiner Würde nahm im Laufe der Zeit eine immer größere Bedeutung bei den Menschen ein und war insbesondere in der Reformationszeit ein wichtiges Element für den philosophischen Idealismus. Im Jahr 1494 verstarb Pico jedoch mit schon 31 Jahren überraschend an einem Fieber, was viele Gelehrte in große Bestürzung verfallen ließ und viele sogar glauben ließ, dass er von seinem Sekretär vergiftet worden war.7

2.2. Der Begriff der Menschenwürde

Der Begriff „Menschenwürde“ kommt häufig im Allgemeinen Sprachgebrauch und in juristischen Bereichen vor, ist jedoch auch ein großer Bestandteil der Philosophie, insbesondere der Rechtsphilosophie. Oft gibt es jedoch Missverständnisse, da sich die Definitionen insbesondere in den unterschiedlichen Disziplinen unterscheiden. Deswegen soll der Begriff im folgenden nochmals genauer erläutert werden, da er Mittelpunkt dieser Arbeit ist und so Irritationen vermieden werden können.

Bei dem Begriff „Menschenwürde“ handelt es sich um ein zusammengesetztes Wort, welches den Stamm des Begriffes „Würde“ besitzt. Der Begriff „Würde“, auf lateinisch „dignitas“, bezeichnet einen moralischen oder allgemeinen Wert, welchen einem Menschen beispielsweise durch bestimmte Ämter. Dabei hat der Würdebegriff einen engen Bezug zu dem Begriff „Ehre“. Beides hat einen großen Zusammenhang mit sozialem Ansehen oder Status hat und ergibt sich, wenn ein Mensch einen Wert für die Gesellschaft aufzeigen kann bzw. einen hohen Rang in der Gesellschaft besitzt.8 Der Begriff „dignitas“ wurde häufig in der Renaissance benutzt und hat auch die Definition der Menschenwürde nach Giovanni Pico della Mirandola stark geprägt, da schon die Menschen in der Antike im Bezug auf den moralischen Status des Menschen nahmen und seinen hohen Rang im Universum bewunderten. Zugleich wurde schon zu dieser Zeit eine Verbindung zwischen den Begriffen „Freiheit“ und „Würde“ geschaffen, weil Freiheit oft etwas mit dem sozialen Status zu tun hatte, beispielsweise hatten Sklaven einen geringen Status und galten deswegen als unfrei.9

Im modernen Sprachgebrauch bezeichnet Menschenwürde jedoch einen Wert, welcher bedeutet, dass alle Menschen gleichmäßig und unabhängig von ihren eigenen Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht oder Alter behandelt werden sollen. Außerdem bedeutet der Begriff auch, dass der Mensch sich mit seiner Art über alle anderen Lebewesen stellt. Wie schon deutlich geworden ist, spielt der Begriff Menschenwürde eine große Rolle im Rechtsbereich bzw. in der Rechtsphilosophie und bezeichnet dort auch eine bestimmte Sicht auf die Menschenrechte, welche bei dem Thema Menschenwürde meistens eine wichtige Bedeutung haben.10 11 12 13

[...]


1 Giovanni Pico della Mirandola: De hominis dignitate - Über die Würde des Menschen, hrsg. v. Buck, August. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1990. S.3.

2 Wolf, Gabriela: Humanistische Mystik. Am Beispiel von Ficino, Pico und Castiglione. Books on demand, Mainz 2010. S. 112.

3 Ebd. S. 116ff.

4 Hoffmann, Thomas Sören: Philosophie in Italien. Eine Einführung in 20 Porträts. Marixverlag, Wiesbaden 2007. S. 107.

5 Hein, Rudolf Branko: „ „Gewissen“ bei Adrian von Utrecht (Hadrian VI), Erasmus von Rotterdam und Thomas More. Ein Beitrag zur systematischen Analyse Gewissensbegriffes in der katholischen nordeuropäischen Renaissance“, in: Autiero, Antonio u. Josef Rümelt (Hrsgg.): Studien der Moraltheologie, Bd. 10, Lit Verlag, Münster 2007. S. 152f

6 Steenbakkers, Piet: „Human dignity in Renaissance humanism“, in: Düwell, Marcus, u. Jens Braarvig u. Roger Brownsword ( Hrsgg.): The Cambridge Handbook of Human dignity. Cambridge University Press, Cambridge 2014. S. 90.

7 Ben- Zaken, Avner: Reading Hayy Ibn- Yaqzan. A Cross- Cultural History of Autodidacticism. The John Hopkins University Press, Baltimore 2011. S. 93.

8 Tiedemann, Paul: Was ist Menschenwürde? Eine Einführung. Wiss. Buchges., Darmstadt 2006. S. 60f.

9 Pöschl, Viktor: Der Begriff der Würde im antiken Rom und später. C. H Winter, Heidelberg 1990. S. 19f.

10 Giovanni Pico della Mirandola: De hominis dignitate - Über die Würde des Menschen, hrsg. v. Buck, August. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1990. S. 5.

11 Müller- Terpitz, Ralph:Der Schutz des pränatalen Lebens: eine verfassungs-, völker- und gemeinschaftsrechtliche Statusbetrachtung an der Schwelle zum biomedizinischen Zeitalter. Mohr Siebeck, Tübingen 2007. S 297f

12 Giovanni Pico della Mirandola: De hominis dignitate - Über die Würde des Menschen, hrsg. v. Buck, August. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1990. S. 6f.

13 Ebd. S 7.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Menschenwürde bei Giovanni Pico della Mirandola
Untertitel
Seine Begründung zur Stellung des Menschen durch den Freiheitsbegriff in "Oratio de hominis dignitate"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Seminar zur Philosophie der Menschenwürde
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V972193
ISBN (eBook)
9783346318589
ISBN (Buch)
9783346318596
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pico della Mirandola, menschenwürde, Freiheitsbegriff
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Menschenwürde bei Giovanni Pico della Mirandola, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/972193

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