Was ist Religion? Islam


Seminararbeit, 1999

18 Seiten, Note: 1-


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Einführung

1) Das Wesen des Islam

2) Was fordert der Islam vom Menschen ?

3) Der islamische Verhaltenskodex

4) Die Frage des Bösen und des Guten

5) Der Juristische Anspruch der Religion

6) Zum islamischen Anspruch auf den Staat und Kampf

7) Zum politischen Anspruch des Kalifen

8) Der Begriff des Djihads

9) Der Koran

10) Sharia (Das islamische Recht)

11) Religion und ihre Auswirkung auf die Kunst Schlußfolgerung

Einführung

In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, im Rahmen des Seminars ,,Was ist Religion?", die Sichtweise der Religion in der islamischen Welt zu diskutieren.

Ich werde mich bemühen, in meiner Arbeit nicht zu sehr auf politische Angelegenheiten bezüglich des Islam einzugehen. Man muß aber in diesem Punkt zugeben, daß der Islam eine Religion ist, die sowohl das spirituelle, als auch das sozio-politische Leben seines Anhängers definiert und durch Normen, ja Gebote und Verbote ordnet1. Es läßt sich also nicht vermeiden, daß man über Islam spricht und Politik ausklammert, denn die religiöse und politische Dimension sind nicht trennbar, bilden sogar eine Einheit.

Ich werde in dieser Arbeit nicht versuchen, die Rechte und Pflichten im Islam vorzustellen, sondern vielmehr was diese für die Gläubigen und die unter islamischer Herrschaft lebenden Bevölkerung bedeuten. Wie schon erwähnt, beeinflußt und bestimmt diese Religion alle Formen und Bereiche des gesellschaftlichen und spirituellen Leben seines Anhängers.

Ferner werde ich drauf eingehen, die Weltsicht des Islams zu erläutern, d.h. die Erwartungen und Ansprüche des Islam gegenüber der nichtislamischen Welt. Wie bekannt, ist der Islam eine Religion, die im Gegensatz zu anderen Religionen die absolute These vertritt, die neuste und daher die gerechteste und zugleich die letzte Religion zu sein. Ferner ist es bekannt, daß der Islam den Propheten Mohammed als den letzten Propheten vor dem Tag des Gerichtes anerkennt, d. h. für den Muslim ist das Ende der Welt ist immer in Sicht.

Hin und wieder werde ich auf die Geschichte des Islam eingehen, um zu zeigen, ob und wie sich der Islam und ihre Anhänger sich sozial und geistlich entwickelt haben. Denn es ist nicht zu vermeiden, daß mit der Zeit einige Werte und Traditionen entweder verlorengehen oder erodieren. In dem Sinne ist es interessant, zu untersuchen, ob eine unveränderliche Religion mit ihrem angeblich unveränderten Buch, nämlich der Koran, sich neue Orientierungen gesucht hat oder immer noch sucht.

Jack Waardenburg sagt in der Einführung seines Werkes ,,Religionen und Religion ", daß Religion als eine geschichtliche Erscheinung oder ein Phänomen aufgefaßt werden kann, das bis in die Gegenwart hinein fortwirken kann, aber grundsätzlich der Vergangenheit angehört. Es kann auch als eine soziale Erscheinung oder ausschließlich als gesellschaftliche

Bedingungen angesehen werden. Demnach wäre die Religion historischen und sozialen Gesetzen unterworfen und dementsprechend zu erforschen"2.

1) Das Wesen des Islam

Das Wesen des Islam ist die Hingabe an Gott3. Der Mensch kann sich ihm jederzeit ganz hingeben, ohne dabei seine Persönlichkeit, seine Freiheit zu verlieren. Der Orientalist Smail Balic sagt: Die Hingabe ist kein Fatalismus, sondern sie ist eine konkrete Bezeugung des Glaubensbekenntnisses, ,,Es gibt keinen Gott außer Allah". Die Freiheit des Menschen wird durch sein ,,freiwilliges" Bekennen zum Ausdruck gebracht.

Gott und seine Welt und deren Gesetze stehen fest, dennoch ist Gott selbst durch kein Gesetz und keine Pflicht gebunden. Es bedient sich an Engeln und Geistern, die fortlaufend seine Befehle ausführen. Hier enstehen die Begriffe der guten und bösen Geistern, worauf ich später eingehen werde. So stehe der ,,arme" Mensch, wie Max Horten ihn beschreibt, zwischen den beiden feindlichen Heeren als Zankapfel mitten drinen. Balic gesteht ein, diese Vorstellungen seien eher den mindergebildeten eigen, als den Gebildeten.

Eine wichtige, ethische Grundbestimmung des Islam ist die ,,Gute Absicht". Alle guten Werke müssen Gott zuliebe getan werden, um als ethisch wertvoll zu gelten, wobei der Gläubige keinen diesseitigen Lohn dafür verlangen darf.

2) Was fordert der Islam vom Menschen ?

Der Islam erfaßt theoretisch wie praktisch den gesamten Menschen; als in seinem Herzen Glaubenden, als Erfüller kultischer Pflichten, als im Diesseits Handelnden, als Privatperson ebenso wie ein Mitglied seiner sozialen und politischen Gemeinschaft4. Es gibt also keine Trennung zwischen Sakralem und Profanem, zwischen Religion, Sozialethik und Politik.5

So gesehen, sind Konflikte und ideologische Auseinandersetzungen zwischen den frommen Menschen, die ihre Religion zugleich als Staatssystem und Gesellschaftsordnung ansehen und ausleben wollen und den liberalen Menschen, die ihre Religion lediglich als ,,spirituelle Erfahrung" erleben wollen, unvermeidbar.

Der früher erwähnte Prof. Dr. Ambros ordnet dem Islam Stabilität(Kontinuität), Totalität und schließlich Kollegialität zu. Im nächsten Abschnitt der Arbeit werde ich versuchen diese Aussage zu erläutern, mit der Fragestellung; Was fordert der Glaube vom Menschen ?

Stabilität, in dem Sinne, daß der Gläubige die Sunna folgt, d.h. nach der vorbildlichen, prophetischen Tradition leben will und Innovationen abweist, was ihm eventuell von seinem Pfad abbringen würde. Diese Eigenschaft bringe dem Muslim oft den Ruf als fortschrittsfeindlich.

Totalität, weil der Islam das gesamte menschliche Leben, Erprobung im Diesseits, Vergeltung im Jenseits in Normen faßt. Koran und Sunna konstituieren einen ,,codex iuris" fordern und regeln die soziale Solidarität. Da das Staatswesen auch islamisch sein muß, bedeute das Prinzip der Totalität die terminale Sozialisierung des Individuums, die aber ihren Zweck nicht in sich trägt, sondern in ein viel weiteres Bezugssystem integriert sei.

Kollegialität, aus dem Grund weil es im Islam keine Hierarchie gibt. Der Islam kenne grundsätzlich Personengruppen minderen Rechts(wie z.B. Sklaven, Andersgläubige, Delinquenten), die aber auch minderer Verantwortung seien. Nach Mohammed, der ja auch nur ein Mensch war, seien alle Menschen gleich. Alle Kulthandlungen, können und müssen von jedem Muslim gleichermaßen und mit gleicher Gültigkeit vollzogen werden, alle Ämter und Funktionen stehen jedem Muslim gleichermaßen offen. Eine individuelle Autorität schafft allein Ethos und Bildung, vornehmlich das Wissen und Praktizierung um die Sunna in allen ihren Ausprägungen.

3) Der islamische Verhaltenskodex

Bei der Regelung der menschlichen Pflichten gegenüber Gott und der Gesellschaft differenziert der Islam zwischen den Gesichtspunkten, ob eine Handlung pflichtmäßig, verboten oder indifferent ist. In dieser Hinsicht gibt es fünf Kategorien: die Handlungen sind entweder Pflicht (fard oder wagib), empfehlenswert (mandub oder mustahabb oder sunna), oder erlaubt, indifferent (mubah) oder verwerflich (makruh) oder verboten (haram).

- Fard ist dasjenige, dessen Tun belohnt, dessen Unterlassen bestraft wird (z.B. das Gebet);
- mandub das, dessen Tun zwar belohnt, dessen Unterlassen aber nicht bestraft wird (z.B. die Pilgerfahrt);
- mubah das, dessen Tun oder Unterlassen weder belohnt noch bestraft wird (z.B. Almosen verteilen);
- makruh das, dessen Tun nicht bestraft, dessen Unterlassen aber belohnt wird (z.B. luxeriöses
Leben); endlich
- haram das, dessen Tun bestraft, dessen Unterlassen belohnt wird (z.B. Alkoholkonsum): ,,belohnt" und ,,bestraft" natürlich nicht von der Obrigkeit, sondern von Gott im Jenseits6.

4) Die Frage des Bösen und des Guten

Wie es viele Religionen tun, bietet auch der Islam den Menschen das Gute und das Böse als Motive, durch denen der Mensch die Nähe Gottes oder die Verdammnis spüren soll. Obwohl der Islam seinen Anhängern eine gewisse Selbstinitiative eingesteht, das Böse vom Guten zu unterscheiden, stehen die Gebote und die Verbote in dem heiligen Buch, so muß letztendlich gestanden werden, daß alles schließlich in Gottes Hand liegt. Er ist es, der den Menschen das Herz für das Gute weitet oder es zum Bösen wendet7.

Der Teufel, Shaitan, ist die Hauptfigur des Bösen im Islam. Laut Offenbarung nahm mit dem Teufel der Ungehorsam seinen Anfang. Alle Wesen sind zum Gehorsam geschaffen8. So wird Ungehorsam die Ursünde im Islam. Diese erste Sünde des Menschen hat keine ansteckende Wirkung(Im Gegensatz zum Christentum, sprich Erbsünde), der Mensch ist von Natur gut und ändert sich erst durch Umwelteinflüsse.9 Das angestebte Verlangen nach Gehorsam und Respekt spiegelt sich im familiären und politischem Leben wieder. Die Kinder sind aufgefordert, den Eltern zu gehorchen und sie zu respektieren und sie nicht durch verbale Auseinandersetzungen zu demütigen. Genauso ist der Muslim aufgefordert, seinen politischen Herrscher zu gehorchen, natürlich solange er sich an das Wort Gottes hält.

Theo Sundermeier stellt in seinem Werk ,,Was ist Religion ?" zwei Denkschulen vor; die Ashariten und die Mutaziliten. Demnach sollen die Ashariten annehmen, daß Gott die Macht hat, auch das Böse zu schaffen, also sehen sie auch die bösen Werke und Taten der Menschen als von Gott geschaffen. Die Mutaziliten hingegen behaupten, Gott habe die Macht über das Böse aber sie sagen nicht, daß er die Macht hat, das Böse zu tun. Sie sind eher bereit, den Machtbereich Gottes einzuengen als seiner Gerechtigkeit Abbruch zu tun. Khoury bemerkt in seinem Werk, ,,Toleranz im Islam" : ,,Die Rolle der Vernunft besteht darin, lediglich die Dekrete Gottes festzustellen, zu deuten und in ihren Konsequenzen für die praktische Anwendung darzulegen."10

Das islamische Weltdenken ist dennoch ein optimistisches11. Das Gute, bzw. der rechte Weg heißt Islam12.

5) Der juristische Anspruch der Religion

Die Orthodoxen Rechtsschulen des Islam sind darüber einig, daß es vier ,,Usul", d.h. Wurzeln der Rechtswissenschaft gibt: Der Koran; die Überlieferung (Hadith); Analogieschluß(qiyas) und schließlich ,,consensus doctorum" (Igma).

Der Koran bedeutet Rezitation und ist die Sammlung der Offenbarungen des Propheten Mohammed. Sie gelten als das unmittelbare Wort Gottes und somit unveränderbare Gesetze. Ich möchte hier nicht näher auf die formale Struktur des Korans eingehen aber man sollte wissen, daß es in zwei verschiedenen Perioden verfaßt wurde und somit die späteren ,,Suren", d.h. Verse, die früheren ablösen könnten. Festzuhalten gilt, daß es in islamischen Kreisen wie ein literarisches Wunderwerk betrachtet und als absolutes Nachschlagewerk bei juristischen Streitigkeiten hinzugezogen wird.

Da es nach Mohammeds Tod keine Offenbarungen empfangen wurde, mußte ein Weg gefunden werden, Rechtsstreitigkeiten nach islamischer Tradition zu regeln. Da der Prophet als sündloser, vorbildlicher und zugleich ethischer Mensch und politisch korrekter Führer galt, hat man versucht die rechtlichen Entscheidungen in seinem Sinne zu treffen. Man fing also an, die Hadith zu sammeln, um die mit der Zeit unvermeidbare Verblassung der Überliefeungen entgegenzuwirken, was damit resultierte, daß immer mehr Hadithe zusammenkamen, die dem Propheten in den Mund gelegt wurden. Nach dem Motto: Müßte doch der Prophet so gesagt oder gehandelt haben!13 Dennoch gelten die Überlieferungen auch heute als zuverlässige Quellen für Rechtsprechung.

Durch die Fülle von Fällen, auf die weder im Koran, noch in der Überlieferung eine Antwort gefunden werden konnte, ist eine Methode des Rechts entstanden, was sich Qiyas nennt und den eigenen Einsicht fordert.

Die letzte Methode der Rechtsprechung ist ,,igma", der Consensus und bedeutet die ,,Übereinstimmung der Gelehrten"14 irgendeines Zeitalters. Wichtig ist, daß was einmal durch igma gerechtfertigt ist, für alle Zeiten bindend sein soll. 300 Jahre nach der Entstehung des Islams haben die Gelehrten beschlossen, die Tore des ,,igtihad", d.h. des selbständigen Forschens, Interpretierens und des eigenen Ermessens zu schließen. Das wird so verstanden, daß die Auslegung der islamischen Philosophie nicht mehr Ermessenssache ist, sondern es bildet sich eine aristokratische Klasse von islamischen Gelehrten, die sich das Recht herausnimmt, die offizielle Instanz zu sein, wenn es um die Regelung juristischer Auseinandersetzungen geht.

Meiner Meinung nach ist das gegen die ursprüngliche Philosophie des Islams, denn diese Religion sieht vor, niemanden zwischen der Gottheit und dem Gläubigen zuzulassen. Ich habe hier schon erwähnt, daß es keine ,,aristokratische" Klasse im Islam gibt, wie im Sinne der Kirche im Christentum.

Das islamische Rechtsverständnis läßt sich mit heutigen Begriffen nur wage beschreiben. Ich würde behaupten daß der Islam nicht alle Menschen als Gleich sieht, aufgrund der Tatsache daß sie tatsächlich aus verschiedenen Verhältnissen stammen. Es geht davon aus, daß ein mittelloser und ein wohlhabender Mensch bestimmt nicht die gleichen Gründe für ihre Handlungen haben können. Aus diesem Grund werden ihre Pflichten und Strafen individuell, d.h. nach Ermessen definiert. Das gleiche gilt für einen unwissenden und einen aufgeklärten Menschen. Man kann fast behaupten, es sei menschennah.

6) Zum islamischen Anspruch auf den Staat und Kampf

Der Islam teilt die Welt in zwei Sphären. Die Welt des Islams ,,Dar al Islam" bezeichnet das Territorium, in der die islamische Bevölkerung nach islamischem Recht und Tradition lebt. Ein Gebiet kann auch vorläufig als Dar al Islam erklärt werden, wenn der Islam einen Waffenstillstand mit den Feinden vereinbart. Die Welt des Kampfes, ,,Dar al Harb" bezeichnet das Gebiet auf der Erde, das noch zu erobern und islamisiert werden muß. Merkmale dieses Gebiets sind: das Gesetz der Ungläubigen herrscht vor, islamwidrige Sitten beherrschen das öffentliche Leben, die Muslime genießen dort keine Rechtssicherheit15.

Also stehen diese beiden Sphären nicht statisch nebeneinander, sondern im dynamischen Verhältnis zueinander16. Die Aufgabe besteht darin, den Bereich der nichtmuslimischen Welt zu einem Bereich umzuwandeln, wo Gottes Gesetz nach islamischer Tradition allein gültig ist. Dies soll aber nicht heißen, daß der Islam zu allen Zeiten Krieg führen soll. Befristete Friedensverträge dürfen mit den Ungläubigen abgeschlossen werden.17

Im Islam herrscht auch der Glaube, daß jedes Kind als Muslim auf die Welt kommt, d.h. ,,eine innere Verlangung zum Muslim besitzt"18 und nur durch seine Eltern zum Juden, Christen oder Zoroastrier gemacht wird. Wenn also die muslimische Macht vorrückt, handelt es sich daher um eine Öffnung oder Befreiung, die dieser gottgegebener Neigung freie Bahn bricht.

7) Zum politischen Anspruch des Kalifen:

Der Islam, wie andere Welt- oder Offenbarungsreligionen, glaubt, daß das diesseitige Leben des Menschen der Ausgangspunkt und die Vorbereitung für das jenseitige Leben ist. Um das Leben im Jenseits zu erlangen, muß der Gläubige die Gesetze und Regelungen seiner Religion, die als Offenbarung Gottes dem Propheten herabgesandt wurde, verwirklichen bzw. praktizieren. Bei der Praktizierung der Religion wird die Rolle des Imams deutlich, weil er nicht nur für eine gesellschaftliche Führung zuständig ist, sondern er leitet das geistige Leben der Gläubigen, d.h. er leitet sowohl das äußere als auch das innere geistige Leben des Menschen19 (Koran 21/73).

,,Der Titel halifat Allah steht sicherlich für den Anspruch, so etwas wie ein göttliches Recht auf Monarchie zu besitzen, auf eine Autorität, die unmittelbar gottgegeben ist. Die bei weitem verbreitete Auffassung, die von der Gesamtheit der sunnitischen Ulema (Gelehrte) geteilt wurde, besagt jedoch, daß der Kalif der Stellvertreter oder Nachfolger des Propheten sei- gewissermaßen der Hüter der Moral und des materiellen Erbes des Propheten. Damit ist dessen Doppelfunktion als Glaubensgründer und als Erbauer der politischen Ordnung und Gemeinschaft des Islam angesprochen, nicht aber das geistige Amt des Propheten als Überbringer und Interpret von Gottes Wort"20.

Der Herrscher soll autoritär und der Untertan gehorsam sein. ,,Die Pflicht, der legitimen Autorität zu gehorchen, ist keineswegs bloß eine Frage politischer Zweckdienlichkeit. Sie ist vielmehr eine religiöse Verpflichtung, die, vom heiligen Gesetz definiert und vorgeschrieben, auf der Offenbarung beruht. Ungehorsam ist daher nicht nur ein Vergehen, sondern auch eine Sünde"21.Demnach ist der Herrscher selbst streng an das islamische Gesetz gebunden, wie seine Untertanen. Den recht geleiteten Herrschern, denen, die sich vom Koran leiten lassen, muß man gehorchen( Koran, 4/59)

Das Volk hat das Recht darauf, gegen einen Herrscher Schritte zu unternehmen, der das islamische Gesetz entweder mißachtet oder bewußt ignoriert. Das bedeutet, daß das Gebiet zum ,,Dar al Harb" erklärt wird, damit die Gemeinde wieder islamisch geleitet werden kann. Mit diesem Recht begründen radikale Fundamentalisten ihren Kampf gegen die Regierungen im Nahen Osten und im Maghreb und rufen zum ,,Djihad", den Heiligen Krieg auf.

Der religiös motivierte Mord am Staatsoberhaupt hat eine lange Tradition im Islam, so daß ein in Lebanon lebender Stamm der Assassinen, den politischen Mord (englisch; Assasination) ihren internationalen Namen hinterlassen könnte.

Man kann nicht behaupten, daß das Recht auf Anklage gegen den ungerechten Herrscher eine Form von Demoktatie oder Bürgerbewegung im Sinne von Volkssouveranität darstellt, denn das Volk ist nicht frei, sich selbst Gesetze zu geben22. Demnach darf sich der Staat dem Willen des Volkes nicht beugen, wenn es unkoranisches Gedankengut fördert. Er muß, wie das heilige Buch des Islam vorschreibt ,,Das Gute gebieten und das Böse verwehren"(Koran 3/10).

Das in der Demokratie von heute fest verankerte Prinzip des Wählens und Gewähltwerdens läßt sich im Islam nur schwer erklären. Denn nicht jeder ist qualifiziert zu wählen und gewählt zu werden. Wählen darf jemand, der Gottes Wort korrekt ausleben will. Gewählt werden kann jemand, der sich im Islam bestens auskennt und in Gottes Namen Gerechtigkeit verteilen kann.

8) Der Begriff des Djihads

Der Islam ist eine absolute Religion, d.h. das Endziel ist die Ausrottung der anderen Religionen23. Das belegt ein Vers aus dem Koran: ,,Er (Gott) ist es, der seinen Gesandten (Mohammed) mit der Rechtleitung und der wahren Religion (Islam) geschickt hat, um ihr zum Sieg zu verhelfen über alles, was es (sonst) an Religion gibt."(Koran, 9/33) Diese Aussage wird bekräftigt durch einen weiteren im Koran verankerten Vers, der besagt: ,,Und kämpft gegen sie, bis es keine Verführung mehr gibt und bis die Religion gänzlich nur noch Gott gewidmet ist."(Koran, 8/39)

Der Djihad, der in der westlichen Welt als der ,,Heilige Krieg" und zugleich als Bedrohung interpretiert wird, hat in den Augen der Wissenschaftler eine andere Bedeutung. Prof. Dr. Arne Ambros behauptet, der Djihad habe eigentlich einen viel weiter erstreckten Anwendungsbereich und bedeute ganz allgemein die im Koran erhobene Forderung an jeden Einzelnen, sich persönlich -mit seinem Besitztum, notfalls mit Einsatz des Lebens- der Sache des Islam zur Verfügung zu stellen24.

So gesehen, ist das ganze Leben ein Djihad. Islamische Gelehrte, wie Al-Ghazali hätten unterschieden zwischen, dem Kampf mit dem des Herzen (Djihad-bil-qalb), mit der Zunge (Djihad- bil-lisan), mit den Händen (Djihad-bil Jed), und mit dem Schwert (Djihad-bil-saif).

Der Djihad des Herzens sei der Kampf der Seele gegen Zorn, Neid, Habsucht, Eitelkeit,

Heuchelei, Begierde usw. Das Ziel ist die Selbstbeherrschung und Selbsterkenntnis. Dieser Kampf sei der schwierigste von allen.

Der Djihad der Zunge besagt die Verkündung des Islam in Kreisen, die zu Dar el Harb (nichtislamische Welt) zählen. Dadurch soll gewährleistet werden, daß alle Menschen den Zugang zum Wort Gottes bekommen. Dies bedeutet, daß der Unglaube, der Polytheismus und der Atheismus bekämpft werden sollen.25

Der Djihad mit den Händen symbolisiert die praktische Seite des Kampfes, d.h., die literarischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten, die dazu dienen, die Religion zu verbreiten. Laut Hadith heißt es: ,,Die Tinte des Gelehrten ist besser als das Blut des gefallenen Soldaten (Märtyrers)"26.

Schließlich soll der Djihad mit dem Schwert erwähnt werden, als letzter Ausweg, für die Rechte des Islam einzutreten bedeutet. Wie Malik in seiner Dissertation beschreibt, gründet der Djihad mit dem Schwert in dem ,,natürlichen Recht des Menschen auf Selbstverteidigung".27

In meinen Augen wurden diese verschiedenen Formen von Djihad in der Vergangenheit zu wenig praktiziert, außer der Djihad mit dem Schwert. Das ist auch der Grund, warum die nichtislamische Welt den Islam als eine Religion des Schwertes kennengelernt und ihn gefürchtet hat. Es ist bedauerlich für die islamische Welt, daß ihre angeblich friedliche Religion (Islam bedeutet ja wörtlich, Frieden) in Verruf gekommen ist. Dennoch schreitet der Islam auf der ganzen Welt voran und gewinnt neue Mitglieder für ihre Gemeinde, weil die islamischen Kämpfer die gemäßigten Formen des Djihads einsetzen. Sie gründen Schulen, Gebetsräume, schreiben aussagekräftige Bücher, halten Seminare und Symposien in der ganzen Welt. Es gibt also auch eine Schicht von Rechtsgelehrten, die neben dem Islam andere Religionen akzeptieren. Diese ,,Intellektuellen", wie sie in der islamischen Welt gesehen werden, verabscheuen die fundamentalistische Vorgehensweise der islamischen Kämpfer, die in Namen Allahs Menschen ermorden, terrorisieren und sogar verbrennen (Sivas, Türkei 1993, wo 33 Intellektuelle in einem Konfrenzhotel von Mullahs eingekesselt und verbrannt wurden). An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß das Verbrennen als Strafe laut Islam allein in Gottes Zuständigkeit steht, der die Sünder und Ungläubige ins Höllenfeuer stürzt28.

9) Der Koran

Goethe hätte über den Koran gesagt; ,,Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar, stellenweise wahrhaft erhaben."29

Der Koran enthält Suren (Kapitel) über fast allen Umständen des Lebens im Diesseits und des Jenseits. Das bedeutet er regelt das Zusammenleben der Menschen auf der materiellen Welt und gibt Aufschlüsse über das Leben nach dem Tod, was nach den guten und bösen Taten im Diesseits bestimmt wird. Schließlich wird keine Garantie geboten, was mit den Menschen passiert, denn ,,Alles liegt in Gottes Hand" ist wahrscheinlich der Satz, der im Koran am häufigsten vorkommt.

Der Koran ist das Bürgerliche Gesetzbuch der Muslime schlechthin und schließt beinahe alle juristischen Angelegenheiten ein. Diese sind im Einzelnen; Familienrecht, Erbrecht, Eherecht, Prozeßrecht, Strafrecht Was aber die Praktizierung des islamischen Rechts anbelangt, so gibt es verschiedene Denkschulen und Richtungen, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben. Es kann passieren, daß ein juristischer Fall in zwei unterschiedlichen islamischen Ländern unterschiedlich ausgelegt wird und beide Entscheidungen als legitim gelten.

Der Theologe Adel-Theodor Khoury faßt die Aussagen des Korans folgendermaßen: ,, Gott kann in seiner unbedingten Freiheit das erlassen, was ihm beliebt. Was er aber in Wirklichkeit erlassen hat, ist das Werk seiner Weisheit, seiner Barmherzigkeit und seiner Gnade. Gott fordert zwar von den Gläubigen einen unbedingten Gehorsam: Sie sollen ,,tun, was ihnen befohlen wird" (Koran, 16/50; 66/6; 2/68; 37/102; 15/65 und 94). Aber es ist nicht ein unverständiger Gehorsam, eine einsichtslose Gefolgschaft. Gott beansprucht den ganzen Menschen: seinen Verstand und seinen Willen, seine Urteils-, Entscheidungs- und Tatkraft. Denn das Gesetz Gottes ist Licht, Rechtleitung und Leben, und die einzig passende Antwort des Menschen ist die offene Aufnahme und die dankbare Hingabe, der Islam."30

10) Sharia (Das islamische Recht)

Der Islam kennt hauptsächlich vier Rechtsschulen, die sich bis heute in der islamischen Hemisphäre durchgesetzt haben. Diese sind; die Hanafiten, die Malikiten, die Shafiten und die Hanbaliten.

Die Hanafitische Rechtsschule orientiert sich hauptsächlich an Analogien und gilt als eine liberale Rechtsschule, weil sie dem persönlichen Urteil des Rechtsgelehrten eine gewisse Bedeutung verleiht. Der Menschenverstand spielt also hier eine anerkannte Rolle.

Die Malikitische Rechtsschule gilt als konservativ, da sie sich an die Rechtsordnung von Medina zu Muhammeds Zeiten orientiert und basiert auf die Übereinstimmung der Rechtsgelehrten als Richtschnur für die Rechtsfindung. Diese verhalten sich äußerst traditionell und die persönliche Meinung und Auslegung des Gelehrten kommt so gut wie nie zum Vorschein. Die malikitische Rechtsschule dominiert in der gegenwärtigen islamischen Welt.

Die Schule der Shafiten nimmt eine Mittelstellung zwischen dem Liberalismus der Hanafiten und dem Konservatismus der Malikiten.Von der Tradition ausgehend, unterstreichen die Shafiten die Bedeutung der Übereinstimmung der Rechtsgelehrten, ja die Übereinstimmung der gesamten islamischen Gemeinschaft.

Schließlich, die Schule der Hanbaliten, die jegliche Formen und Methoden der Rechtsfindung ablehnen, die vom Koran und der Überlieferung abweichen. Die erzkonservative, ja nach meinen Begriffen, fundamentalistische Denkweise der Hanbaliten vertritt die Rückbesinnung auf die Tradition des Propheten und seiner ersten Gemeinde als das absolute Kriterium der religiösen Frömmigkeit und der sozialen Ordnung.

11) Religion und ihre Auswirkung auf die Kunst

Ich habe im Laufe dieser Arbeit mehrmals betont, daß der Islam in allen Lebensbereichen seines Anhängers eine wichtige Rolle spielt. Die Welt der Kunst ist auch nicht von dieser Religion verschont geblieben. Das Gebilde, was man als ,,islamische Kunst" bezeichnet, definiert verschiedene Epochen islamischer Herrschaften und gibt dem heutigen Forscher Aufschluß über die Philosophie und Reichtum und Ästhetikverständnis der damaligen Zeit.

Die schönsten Exemplare der islamischen Kunst kann man in Andalusien in Süd-Spanien, in Anatolien und im ganzen Nahen Osten bewundern. Die Frage, die uns vielmehr interessieren sollte, ist die, ob die Religion, in diesem Falle der Islam, die wirkliche Inspirationsquelle für die Künstler war und heute noch ist. Nun, wenn man die Werke betrachtet, die in der islamischen Blütezeit geschaffen wurden, wird man feststellen, daß die Architektur, Kalligraphie und Ornamentik eine besondere Rolle gespielt haben. Architektur, in dem Sinne, daß anfangs nutzenorientierte Werke hervorgebracht worden waren, deren Auftraggeber meist der Staat, lokale Verwaltungen und wohlhabende Muslime waren. Diese hatten sich als Aufgabe gesehen, für das Wohlergehen seiner Bürger Sorge zu tragen, indem sie moderne Ausbildungsstätte, prachtvolle Gebetsräume(Moscheen) und komfortable Karawanserei erbauen ließen. Die Werke wurden mit geduldig erarbeiteten Ornamente und Koranzitate belegt. Da der Koran Götzendienst nicht erlaubte, wurden keine Portraits oder andere Art von Abbildungen zugelassen(Koran, 4/48).

Ähnlich wie in der Gothik-Epoche in Europa folgte dem Wohlstand in der islamischen Hemisphäre eine Epoche des Prunks, in der die religiöse Kunst, seinen Gipfel erreichte. Das Material der Kunstwerke war, z.T aus Edelmetalle und Edelsteine. Dadurch sollte im grundegenommen die Opferbereitschaft an Gott und durch die hohen Moscheen die Winzigkeit des Menschen in Gottes Welt ausgestrahlt werden. Aus Ergebenheit und Hingabe an die Göttlichkeit hat man Kunst teilweise als Gebet verstanden und die Künstler wurden als fromme Gottesdiener in die Elite-Gesellschaft aufgenommen. Dies führte dazu, daß Kunst nicht mehr in Gottes Namen betrieben, sondern als ,,Auftrag" gegen Bezahlung verstanden wurde. Kurz gefaßt islamische Kunst wurde kommerzialisiert.

Dies gilt sowohl für die oben gennannten Bereiche als auch für die Literatur. Anfangs dichteten Mystiker ohne Profitgedanken ihre unendliche Liebe zu Gott in tausenden von Versen, doch schließlich wurden diese von den Herrschern mißbraucht und die Werke wurden gegen Bezahlung aufgekauft, was dazu führte, daß ein neuer Berufszweig entstand, nämlich den des Hofdichters. Der persische Mystiker und Gründer der Mavlawi-Ordens der ,,tanzenden Derwische" in Anatolien, Maulana Jalal-ad Din Rumi ist eines der berühmtesten Beispiele. Sein Hauptwerk, der ,,Mathnawi" bestehend aus 35 000 Versen, war ursprünglich gerichtet an Gott und wurde von der Osmanischen Pforte geschützt und der Orden finanziell unterstützt.

Murad Hofmann, ehemaliger Diplomat und heute bekennender Muslim, schreibt in seinem Werk ,,Der Islam als Alternative" über die Kunst im Islam folgendes: ,,Islamische Kunst, soviel ist sicher, setzt ein religiöses Lebensgefühl um, islamisches Moralempfinden ebenso wie Glaubensdogmen. In der islamischen Architektur findet man bis heute das Ideal des - mehr sein als schein- verwirklicht, nicht nur in Häusern, sondern selbst in Palästen. Beide schirmen ihre inneren Kostbarkeiten so ab wie die Muslima ihren Schmuck mit der ihrem langen Gewand; hier mit Stoff, dort mit Mauern. Ebenso antihierarchische Gliederung und magie-feindliche Helligkeit der Moschee-Räume, der die Phantasie schützende hohe Abstraktionsgrad der Ornamentik, die menschlichen Proportionen, die Gliederung und Ausstattung von Gärten, welche mit schattigem Grün und lauschigem Plätschernder Brunnen das Paradies, wie im Koran beschrieben, beschwören."31

Schlußfolgerung

Die Eigenart des Orients, der nun seit knapp1400 Jahren vom Islam beeinflußt wird, läßt sich aus meiner Sicht dadurch erklären, da das Gebiet durch den Islam nicht nur eine Tradition übernahm und auslebte, sondern auch dieser Religion ein Staatssystem und Staatskultur verdankt. Viele Stämme, wie die Araber und Nomadenvölker, wie etwa die aus Asien stammenden Türken konnten durch den Islam und seine Antriebskraft ein Weltreich errichten. In diesen Staaten haben Muslime, Andersgläubige zu ihrer Religion; zum Islam, eingeladen, aber schließlich haben sie sie toleriert, was für die damalige Zeit nicht üblich war. Obwohl sie bis heute kein einheitliches Gesetzbuch verfaßt haben, lief das gesellschaftliche und politische Zusammenleben unter islamischer Herrschaft meistens problemlos. Die entwickelten ethische Konzepte und Verhaltenskodex im Umgang mit den Andersgläubigen. Einige Beispiele sind hier zu nennen, wie die Immunität eines Abgesandten, Respekt vor dem Händler und die Freiheit und Besteuerung der nichtmuslimischen Gesellschaft. Meine Meinung nach hätten die ethnischen Bevölkerungen der Regionen, in denen der Islam seine Spuren hinterlies, keine Chance, ohne den Islam, so eine Blütekultur zustande zu bringen.

Obwohl es in der Geschichte des Islam Epochen der Finsternis stattgefunden haben, damit meine ich die Geschiedenheit der Menschen von dieser Welt als materielles Wesen, so konnten sie durch Denker wie Ibn Rushd, Avicenna eine harmonische Beziehung zwischen der Religion und der Wissenschaft aufbauen. Im Zuge der Hingabe an Gott hatten die Muslime durch ihre Frömmigkeit den Bezug zu den Geheimnissen dieser Welt verloren. Diesen Gelehrten Menschen verdankt der Islam ein großer Teil seiner Kultur, Architektur, Astrologie und Kunst.

Wie ich in der Einführung behauptet habe, soll der Islam, laut seinen eigenen Anhänger die Religion sein, die am Wenigsten von ihrem ursprünglichen Wahrheitsanspruch preisgegeben hat. Wenn wir nun das akzeptieren, wie können wir denn das Wachstum des Islams begründen, in einer Zeit, in der die ,,modernen" Menschen aus unterschiedlichen Gründen ihren bisherigen Glauben aufgeben ? Immerhin unterstützt der Islam und sein Prophet, Mohammed, die vorherigen Religionen und deren Propheten. Smail Balic sagt, daß der Islam sogar ein ,,reformiertes" Christentum ist und daß der Islam als eine Reaktion auf das Christentum erscheint.32 Bietet der Islam den Menschen eine neue Perspektive oder gar eine neue Chance, von der immer materiell erfaßbaren Welt zu flüchten ? Ist der Islam nun die letzte Alternative ?

Ich habe einige Quellen benutzt, die z.T. fast 100 Jahre alt sind. Diese zeigen die Haltung der christlichen Verfasser gegenüber der damals wenig erforschten islamischen Welt. Der bonner Professor Max Horten schreibt in seinem 1923 verfaßten Buch ,,Philosophie des Islam"33, er hätte mit einem Muslim diskutiert: ,,Der Islam habe keine Nächstenliebe wie das Christentum", worauf er die Antwort erhielte: ,,Der Islam hat den ihsan und dieser bedeutet die Tat der Nächstenliebe, die Ausführung derselben, während die christliche Nächstenliebe nur das Gefühl besagt, was der eine Mensch zum Anderen hegt, indem er ihm wohl will. Wir Muslime haben also ein höheres sittliches Ideal als das Christentum."

Ich habe dieses konkrete Beispiel in die Arbeit einbezogen, um zu zeigen, daß die Konfrontation der beiden großen Glaubensrichtungen nicht nur bei den weniger gebildeten, sondern auch bei den Akademikern für Verwirrung gesorgt hat. Heutzutage ist es kaum vorstellbar, daß ein Professor so vorgeht, daß er mit einem Satz zwei Weltreligionen vergleicht und die eine aufgrund seiner eigenen Wertvorstellungen maßlos abwertet. Auch sein direkter Vergleich des islamischen Imams, d.h. den Glaubensführers, mit dem Papst34 ist für mich oberflächlich. Ich denke, daß zu dieser Zeit direkte Vergleiche notwendig waren, um die zu analysierende Problematik besser zu verstehen, bevor das Thema als eigenständiges Objekt der Wissenschaft anzunehmen galt.

Es ist deutlich zu sehen, daß die anfängliche Skepsis und z.T. historisch bedingte Furcht gegenüber den Islam im Laufe der Zeit nicht abgebaut wurde, im Gegenteil, sie hat weiter zugenommen.

Ist die Religion Islam eine politische oder eher eine spirituelle Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Welt ? Auf dieser Frage kann man nicht so einfach antworten. ,,Der Weg ist das Ziel." Das ist eine wichtige Aussage, der zur Erklärung dieser Problematik hilfreich sein könnte. In diesem Sinne möchte ich meine Arbeit beenden.

Quellen

1) Hauri, Johannes; Der Islam, Leiden 1882
2) Robbe, Martin; Welt des Islam, Köln 1988
3) Lewis, Bernard; Die politische Sprache des Islam, Berlin 1991
4) Scholl-Latour, Peter; Das Schwert des Islam, München 1990
5) Björkman, W.; Kapitalentstehung und -Anlage im Islam, Berlin 1929
6) Hartmann, Martin; Islampolitik, Berlin 1914
7) Assmann und Sundermeier (Hrsg.); Der Islam in den Medien, Gütersloh 1994
8) Antes, Peter; DerIslam als politischer Faktor, Hannover 1980
9) Mazal, Otto (Hrsg.); Kultur des Islam, Wien 1981
10) Rambod, Mahmod; Religion und Gesellschaft bei Ali Schariati, Nürnberg 1987
11) Hoffmann, Mensing, Kresing, Trutwin (Hrsg.) Weltreligionen, Düsseldorf 1972
12) Gellner, Ernest; Der Islam als Gesellschaftsordnung, München 1992
13) Fitzgerald, Khoury, Wanzura (Hrsg.); Mensch, Welt, Staat im Islam, Wien 1977
14) Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980
15) Khoury, Adel; Toleranz und Religionsfreiheit im Islam, Köln 1995
16) Schimmel, Annemarie; Der Islam, Stuttgart 1990
17) Malik, Muhammed Usman; Mensch und Gesellschaft im Islam, Köln 1969
18) Diez, Ernst; Glaube und Welt des Islam, Stuttgart 1941
19) Höpfner, Willi (Hrsg.);Christentum und Islam, Wiesbaden 1971
20) Hartmann, Richard; Die Religion des Islam, Darmstadt 1992
21) Hartmann, Richard; Die Welt des Islam einst und heute, in Beiheft zum alten Orient, Heft , Leipzig 1927
22) Horten, Max; Die Philosophie des Islam, München 1923
23) Szczesny, Gerhard; Die Antwort der Religionen, Hamburg 1971 24) Hofmann, Murad; Der Islam als Alternative, München 1992 25) Sundermeier, Theo; Was ist Religion ?, Gütersloh 1999 26) Waardenburg, Jack; Religionen und Religion, Berlin 1986

[...]


1 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 96

2 Waardenburg, Jack; Religionen und Religion, Berlin 1986, S. 15

3 Fitzgerald, Khoury, Wanzura (Hrsg.); Mensch, Welt, Staat im Islam, Wien 1977, S. 67

4 Mazal, Otto (Hrsg.); Kultur des Islam, Wien 1981, S. 17

5 Fitzgerald, Khoury, Wanzura (Hrsg.); Mensch, Welt, Staat im Islam, Wien 1977, S. 73

6 Hartmann, Richard; Die Religion des Islam, Darmstadt 1992, S. 75

7 Sundermeier, Theo; Was ist Religion?, Gütersloh 1999, S. 141

8 Sundermeier, Theo; Was ist Religion?, Gütersloh 1999, S. 140-141

9 Schimmel, Annemarie; Der Islam, Stuttgart 1990, S. 30

10 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 97

11 Fitzgerald, Khoury, Wanzura (Hrsg.); Mensch, Welt, Staat im Islam, Wien 1977, S. 70

12 Malik, Muhammed Usman; Mensch und Gesellschaft im Islam, Köln 1969, S. 152

13 Hartmann, Richard; Die Religion des Islam, Darmstadt 1992, S. 70

14 Hartmann, Richard; Die Religion des Islam, Darmstadt 1992, S. 72

15 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 210

16 Sundermeier, Theo; Was ist Religion?, Gütersloh 1999, S. 151

17 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 211

18 Lewis, Bernard; Die politische Sprache des Islam, Berlin 1991, S. 159

19 Rambod, Mahmod; Religion und Gesellschaft bei Ali Schariati, Nürnberg 1987, S. 89

20 Lewis, Bernard; Die politische Sprache des Islam, Berlin 1991, S. 83-84

21 Lewis, Bernard; Die politische Sprache des Islam, Berlin 1991, S. 155

22 Sundermeier, Theo; Was ist Religion?, Gütersloh 1999, S. 153

23 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 183

24 Mazal, Otto (Hrsg.); Kultur des Islam, Wien 1981, S. 16

25 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 184

26 Malik, Muhammed Usman; Mensch und Gesellschaft im Islam, Köln 1969, S. 156

27 Malik, Muhammed Usman; Mensch und Gesellschaft im Islam, Köln 1969, S. 156

28 Khoury, Adel; Toleranz im Islam, München 1980, S. 114

29 Schimmel, Annemarie; Der Islam, Stuttgart 1990, S. 28

30 Fitzgerald, Khoury, Wanzura (Hrsg.); Mensch, Welt, Staat im Islam, Wien 1977, S. 101

31 Hofmann, Murad; Der Islam als Alternative, München 1992, S. 140-141

32 Fitzgerald, Khoury, Wanzura (Hrsg.); Mensch, Welt, Staat im Islam, Wien 1977, S. 70

33 Horten, Max; Die Philosophie des Islam, München 1923, S. 37f.

34 Horten, Max; Die Philosophie des Islam, München 1923, S. 40

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Was ist Religion? Islam
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1-
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V97230
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Islam
Arbeit zitieren
Aktan Aydogmus (Autor), 1999, Was ist Religion? Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97230

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