Ransmayrs "Die letzte Welt" und Ovid, Metamorphosen


Seminararbeit, 2000
9 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Kurzer inhaltlicher und struktureller Überblick

2. Spektrum der Rezensionen

3. Zum Motiv der Vergänglichkeit und deren Entsprechung in der Reduktion der Metamorphosen

4. Ein ,genus durum`? - Zur Steinmetaphorik

Cornelius Hartz / Julia Loch

Ransmayrs ,,Die letzte Welt" und Ovid, Metamorphosen

,,Cotta tastete sich durch die von einigen Ritzen voll Mondlicht und dem Glutschein des Herdes gemilderte Finsternis auf das Lager zu, sank dort in den Gestank nach Fett und Rauch und Fell und war eingeschlafen, noch ehe er die Roßhaardecke über seine Schultern gezogen hatte.(...) Irgendwann im Verlauf der Erkaltung des Raumes - am Fenster verwandelte sich der Atem des Schläfers allmählich in Promenaden winziger Eispalmen, in zierliche Urwälder, Rosengärten und Disteln aus Eis - sprang die Tür zum Hof krachend auf. Ein Sturzbach frostiger Luft schäumte an das Lager heran und ließ den Schläfer hochfahren. Jetzt zerfloß die Finsternis, und Cotta sah in einem seltsam silbrigem Licht eine Mißgeburt über die Schwelle treten, einen grobschlächtigen, in einen Fellmantel gehüllten Viehhirten, der an der Stelle des Kopfes ein glitzerndes, schädelgroßes Gebilde trug, das in den Schaumtrauben der im Essig verendeten Schnecken glich. Aber was auf den Schultern des Viehhirten glänzte, das waren keine Blasen, keine Schaumblüten, die sich mit feinen Schmerzenslauten füllten und zerplatzten - das waren Augen, Dutzende, Hunderte Augen. Der Viehhirt trug auf seinen Schultern einen Klumpen, der aus Wimpern, Lidern, Tränensäcken und Augäpfeln bestand, auf denen sich das Silberlicht in Sternen spiegelte und brach trug einen rundum blinzelnden, starrenden, schauenden, stierenden Klumpen, einen Schädel aus Augensternen, schön und furchtbar.

Lautlos trat die Mißgeburt an den Herd und hockte sich dort auf den Boden wie vor ein Lagerfeuer und kümmerte sich nicht um den Schläfer. Cotta spürte, wie ihn das Entsetzen faßte, spürte einen hohlen, langen Schrei, der aus seinem Innersten kam, einen fremden, tierischen Laut, der seinen Rachen, die Nasen- und Stirnhöhlen erfüllte, seinen Kopf vibrieren ließ und endlich als Gebrüll gleichzeitig aus Mund und Nase hervorstieß: Es war das Brüllen einer Kuh.

Starr vor Schreck über diese Stimme, seine eigene Stimme, sank Cotta auf die Roßhaardecke zurück und lag verrenkt, wie mit gebrochenen Gliedern da. Unbarmherzig umschloß ihn die Welt. Der Hirtenschädel schimmerte jetzt wie ein einziges, aus unzähligen Facetten zusammengesetztes Auge, ein seidiger Fliegenkopf, aber keines der vielen Augen schien den muhenden Gelähmten auf dem Lager zu sehen. Der Hirt kauerte vor dem kalten Eisen des Herdes und begann an einem Strick zu zerren, der sich durch die offenstehende Tür in die Nacht hinaus straffte; er riß und zerrte, bis im Weiß der vielen Augen das haarfeine, rote Ädergeäst seiner Anstrengung erschien - und im Türstock eine Kuh, eine schneeweiße Kuh vor dem mondhellen Gebrige. Aber der Hirt mühte sich vergeblich. Das Tier scheute diesen Stall, ließ sich an der Schwelle von Nasos Haus schwerfällig nieder und begann zu käuen und zu mahlen und glotzte dabei in die Ecke des Schläfers; plötzlich hielt es in allem inne und lauschte. Jetzt hörte auch Cotta die Musik. Was er eben noch für das Orgeln des Windes gehalten hatte, einen an- und abschwellenden Baßton, waren nun die Takte einer langsamen Melodie, die von weit her kam, über die Geröllfelder, vielleicht auch aus einem der Hochtäler; (...) war das der Ton eines Fagotts? Einer Flöte?

Der Sternenschädel hielt seine Augen unverwandt auf die weiße Kuh gerichtet und wiegte sich doch schon abwesend im Takt dieser Melodie und blickte durch die offene Tür über das Vieh hinweg ins Gebirge, als kämen auch ihn jetzt Erinnerungen an, die Strophen der Spottlieder auf eine Mißgeburt, und war gerührt und blinzelte, bis ihm das Wasser in die Augen stieg und Tränen ins Fell seines Mantels tropften. Aber dieser ferne Klang führte nicht nur verjährte Bilder und Gefühle herauf, sondern mehr noch eine große Müdigkeit; jeder Blick verwandelte sich unter dieser Melodie in Müdigkeit. Schon fielen dem Hirten ganze Augenreihen zu und huschte der Schlaf über hundert Augen wie ein Möwenschatten über einen Schwarm Fische, deren Schuppenleiber vor dem jähen Abtauchen in die Tiefe noch einmal silbrig aufblitzten. Wo eben noch Augen über Augen gestarrt und gewacht hatten, lagen nun nur noch geschlossene Lider, dafür taten sich an anderen Stellen dieses Schädels glänzende Reihen schwarzer Pupillen auf; es war ein wogendes Blinzeln, ein Hochschrecken, Einnicken und Kämpfen gegen die Träume, bis der Schlaf allmählich doch mächtiger zu werden begann und Stern um Stern erlosch, ohne daß irgendwo ein neues Licht aufging. Schon träumte der Viehhirt seine Kuh bloß und der Römer träumte den Hirten und waren Mond und Gebrige nur ein Gespinst, als die Musik plötzlich abbrach und ein Schatten vor Nasos Tür erschien, über die Schwelle glitt, nach der am Boden liegenden Axt griff und die schlafende Mißgeburt ansprang. Und zuschlug.

Unter der Wucht des Beilhiebes fielen die Hirtenaugen ab wie Schuppen, stoben über die Bodenbretter in Winkel davon, Quecksilbertropfen. Der Sternenschädel barst. Aus einer klaffenden Wunde kochte das Blut hervor und wusch Auge um Auge ab, schwemmte Netzhäute, Tränensäcke und Wimpern fort. Der Schatten war ohne einen Laut und längst wieder in den Hof, in die Nacht zurückgewichen, als sich die vom Blut des Hirten gesprenkelte Kuh erhob und das Ende des Strickes aus der sich langsam öffnenden Faust des Erschlagenen zog."

(Ransmayr, S. 77ff)

1. Kurzer inhaltlicher und struktureller Überblick

Der Römer Cotta kommt nach Tomi am Schwarzen Meer, um Naso zu finden - oder eine Abschrift seiner verbrannten Metamorphosen. Nachdem der Dichter unter der Herrschaft des Augustus Imperator vor Jahren verbannt worden war, hatte sich nun die Nachricht von seinem Tod in Rom verbreitet. Die "eiserne Stadt", wie Tomi durch das vorherrschende Gewerbe der Erzverarbeitung in der Residenzstadt genannt wird, begegnet ihm zunächst mit kaltem Schweigen über den Verbannten. In dessen Haus im fünf Stunden von Tomi entfernt im Gebirge gelegenen Trachila trifft er nur Nasos verrückten Diener Pythagoras. Durch einen Traum von diesem unheimlichen Ort fortgetrieben, gerät er in Tomi, das das Ende eines zweijährigen Winters feiert, in ein unentwirrbares Dickicht von rätselhaften Geschehnissen, unter denen sich Tomi verändert und mehr und mehr den erosiven Kräften der Natur anheimfällt; Menschen verwandeln sich in Steine, in Vögel oder verschwinden, und aus einem Wochen währenden Dunst über Tomi erhebt sich ein neuer Berg. Die von Pythagoras mit den Namen von Menschen, Tieren und Pflanzen beschrifteten Lumpen, die Cotta von Trachila mitgebracht hatte, fügen sich allmählich zu einem diffusen, zyklischen Prinzip. Schließlich steht noch ein einziges Schicksal zur Verschmelzung mit diesem unaufhaltsamen Kreislauf aus: Cottas eigenes.

Die

letzte

Welt

2. Spektrum der Rezensionen

Der Roman wurde in den verschiedenen Rezensionen gelesen als:

Parabel der Vergänglichkeit: nec formas servat easdem

Brechung und Spiegelung ovidischer Mythen Parabel der Fremdheit

Konflikt Ovids mit der Herrschaft des Augustus

"Erfüllungsprosa" der Postmodernediskussion Vision des nahenden Weltkollapses zyklische Auffassung des Weltge- schehens vs. Einmaligkeit eines

"Wortoper" = Demonstration eigener Kunstfertigkeit Ablaufs/ Opposition von linearer und relativer (zyklischer) Zeitauffassung

"Oxymoron des menschenlosen Gedeihens" Auflösung statt Metamorphose

"Sinn- und Aussichtslosigkeit allen Menschenwerks,

auch und gerade der Literatur"

3. Zum Motiv der Vergänglichkeit und deren Entsprechung in der Reduktion der Metamorphosen

Tomi stellt sich dar als eine durch und durch feindliche Umgebung: Ein zwei Jahre dauernder Winter geht zu Ende und macht einem unrträglich heißen Sommer Platz; alle Bewohner Tomis scheinen als Flüchtlinge auf der Durchreise an diesem Ort ,,hängen geblieben" zu sein. Cotta stößt auf seiner Suche nach Naso sofort auf Ablehnung. Das Thema der ,,Letzten Welt" ist dann auch die dem Leben feindlich entegenstehende Vergänglichkeit, eine zyklische Entwicklung der Natur und der menschlichen Gesellschaft, die in der Welt Tomis ein Gegenbild zur linear ausgerichteten System der Augustus-Diktatur bildet.

Die Vergänglichkeit manifestiert sich in zwei Grundmotiven, die sich durch das Werk ziehen:

- das Anzeigen von zeitbezogenem Verfall durch Einhüllung (Moos, Rost, Schimmel, Vogelkot, Schnecken, Lawinen, Erosion...)
- die Orientierungslosigkeit Cottas in der Suche nach Ovid, die im Verlauf der

Handlung wächst und zum Ende hin ihren Höhepunkt findet Diese Vergänglichkeit steht im krassen Gegensatz zu Ovids in der Sphragis manifestierten Selbstverständnis des ,,ewigen Werkes"; sie umfasst alles, das Materielle wie den Dichter und auch sein Werk. Dieses Werk findet in der ,,Letzten Welt" seine Ver-Wirklichung darin, dass einzelne mythische Figuren aus den Metamorphosen in Name und persönlichem Attribut in Figuren in Ransmayrs Tomi ihre Entsprechung finden.

Die Art und Weise jedoch, wie dies von Ransmayr gestaltet wird, bedeutet zweierlei:

1. die ovidischen Metamorphosen sind bei Ransmayr reduziert auf die Oberfläche und das tatsächliche Ergebnis unter Ausblendung jeglicher Motivation der Verwandlung

2. alles, was von Ovids Werk geblieben ist, sind die Menschen von Tomi; diese sind aber als sterbliche Wesen im natürlichen Naturzyklus gefangen, und mit ihnen wird das Werk des Dichters vergehen Ransmayr blendet bei allen Metamorphosen die Ursachen aus, es bleibt allein der äußere Ablauf, der sich hier (· Argus) als Extremfall sogar nur noch in der flüchtigsten aller Erscheinungen, dem Traum, zeigt; dadurch, dass die Motivation fehlt, wird die Tötungsszene auf der einen Seite schrecklicher, weil sie durch keinen äußeren Zusammenhang gerechtfertigt wird, auf der anderen Seite bekommt sie einen fatalistischeren Charakter als bei Ovid, eine ungenannte und undefinierbare Macht ist es hier, die den Hirten tötet - wiederum als Ausdruck der Vergänglichkeit.

Die Gestalten von Tomi, in denen die Metamorphosen quasi ,,aufgegangen" sind, sind vergänglich und werden vergehen, zusammen mit dem niedergeschriebenen Werk:

Daßein griechischer Knecht seine Erzählungen aufgezeichnet und um jedes seiner Worte ein Denkmal errichtet hatte, war nun ohne Bedeutung und bestenfalls ein Spiel für Verrückte: Bücher verschimmelten, verbrannten, zerfielen zu Asche und Staub; Steinmale kippten als formloser Schutt in die Halden zurück, und selbst in Basalt gemeißelte Zeichen verschwanden unter der Geduld von Schnecken.

Die o.g. Reduktion der Metamorphosen um ihre Motivation und ihren literarischen Zusammenhang nimmt ihnen in ihrer Übertragung auf reale Figuren den Anspruch auf die bei Ovid manifestierte Ewigkeit und damit ihren künstlerischen Anspruch; dieser zeigt sich auch darin, dass die Figuren im Roman farblos bleiben und die sprachliche Gestaltung dazu in einem um so höheren Gegensatz steht.

Im Gegensatz zur motivischen Reduktion steht die Sprache Ransmayrs, die poetischer nicht sein könnte: Metaphern, Allegorien, Alliterationen, Gleichnisse reihen sich aneinander inerhalb eines einer wunderbar rhythmisierten Stils. Diese sprachliche Überhöhung bildet in der Beschreibung grausamer oder abstoßender Vorgänge so auch eine formale Parallele zu Ovid. Die kunstvolle Sprache trägt dann auch folgerichtig dazu bei, die blasse Charakterisierung der Figuren noch deutlicher herauszustellen.

Tomi stellt sich dar als eine durch und durch feindliche Umgebung: Ein zwei Jahre dauernder Winter geht zu Ende und macht einem unrträglich heißen Sommer Platz; alle Bewohner Tomis scheinen als Flüchtlinge auf der Durchreise an diesem Ort ,,hängen geblieben" zu sein. Cotta stößt auf seiner Suche nach Naso sofort auf Ablehnung. Das Thema der ,,Letzten Welt" ist dann auch die dem Leben feindlich entegenstehende Vergänglichkeit, eine zyklische Entwicklung der Natur und der menschlichen Gesellschaft, die in der Welt Tomis ein Gegenbild zur linear ausgerichteten System der Augustus-Diktatur bildet.

Die Vergänglichkeit manifestiert sich in zwei Grundmotiven, die sich durch das Werk ziehen:

- das Anzeigen von zeitbezogenem Verfall durch Einhüllung (Moos, Rost, Schimmel, Vogelkot, Schnecken, Lawinen, Erosion...)
- die Orientierungslosigkeit Cottas in der Suche nach Ovid, die im Verlauf der Handlung wächst und zum Ende hin ihren Höhepunkt findet

Diese Vergänglichkeit steht im krassen Gegensatz zu Ovids in der Sphragis manifestierten Selbstverständnis des ,,ewigen Werkes"; sie umfasst alles, das Materielle wie den Dichter und auch sein Werk. Dieses Werk findet in der ,,Letzten Welt" seine Ver-Wirklichung darin, dass einzelne mythische Figuren aus den Metamorphosen in Name und persönlichem Attribut in Figuren in Ransmayrs Tomi ihre Entsprechung finden.

Die Art und Weise jedoch, wie dies von Ransmayr gestaltet wird, bedeutet zweierlei:

3. die ovidischen Metamorphosen sind bei Ransmayr reduziert auf die Oberfläche und das tatsächliche Ergebnis unter Ausblendung jeglicher Motivation der Verwandlung

4. alles, was von Ovids Werk geblieben ist, sind die Menschen von Tomi; diese sind aber als sterbliche Wesen im natürlichen Naturzyklus gefangen, und mit ihnen wird das Werk des Dichters vergehen

Ransmayr blendet bei allen Metamorphosen die Ursachen aus, es bleibt allein der äußere

Ablauf, der sich hier (· Argus) als Extremfall sogar nur noch in der flüchtigsten aller

Erscheinungen, dem Traum, zeigt; dadurch, dass die Motivation fehlt, wird die Tötungsszene auf der einen Seite schrecklicher, weil sie durch keinen äußeren Zusammenhang gerechtfertigt wird, auf der anderen Seite bekommt sie einen fatalistischeren Charakter als bei Ovid, eine ungenannte und undefinierbare Macht ist es hier, die den Hirten tötet - wiederum als Ausdruck der Vergänglichkeit.

Die Gestalten von Tomi, in denen die Metamorphosen quasi ,,aufgegangen" sind, sind vergänglich und werden vergehen, zusammen mit dem niedergeschriebenen Werk:

Daßein griechischer Knecht seine Erzählungen aufgezeichnet und um jedes seiner Worte ein Denkmal errichtet hatte, war nun ohne Bedeutung und bestenfalls ein Spiel für Verrückte: Bücher verschimmelten, verbrannten, zerfielen zu Asche und Staub; Steinmale kippten als formloser Schutt in die Halden zurück, und selbst in Basalt gemeißelte Zeichen verschwanden unter der Geduld von Schnecken.

Die o.g. Reduktion der Metamorphosen um ihre Motivation und ihren literarischen Zusammenhang nimmt ihnen in ihrer Übertragung auf reale Figuren den Anspruch auf die bei Ovid manifestierte Ewigkeit und damit ihren künstlerischen Anspruch; dieser zeigt sich auch darin, dass die Figuren im Roman farblos bleiben und die sprachliche Gestaltung dazu in einem um so höheren Gegensatz steht.

Im Gegensatz zur motivischen Reduktion steht die Sprache Ransmayrs, die poetischer nicht sein könnte: Metaphern, Allegorien, Alliterationen, Gleichnisse reihen sich aneinander inerhalb eines einer wunderbar rhythmisierten Stils. Diese sprachliche Überhöhung bildet in der Beschreibung grausamer oder abstoßender Vorgänge so auch eine formale Parallele zu Ovid. Die kunstvolle Sprache trägt dann auch folgerichtig dazu bei, die blasse Charakterisierung der Figuren noch deutlicher herauszustellen.

4. Ein ,genus durum`? - Zur Steinmetaphorik

Das eiserne und das "steinerne Zeitalter" bei Ovid

Verse 127 - 150: Das eiserne Zeitalter

"de duro est ultima ferro" - das letzte der quattuor aetates ist geprägt von einer vom ehernen Zeitalter abstechenden Verderbnis. Menschliche Hybris und menschlicher Fortschrittswille münden ins Unheil, in Krieg und Zerstörung.

Verse 400 - 415: Das "steinerne Zeitalter"

Obwohl von Ovid nicht in die Weltalterlehre aufgenommen, und obwohl nach dem eisernen Zeitalter - verstehen wir ultima aetas in seiner zeitlichen Dimension - kein weiteres folgen dürfte, entsteht aus den von Deukalion und Pyrrha geworfenen Steinen ein weiteres, ein steinernes Geschlecht. Dieses wird von Ovid, der hier in der ersten Person Plural und im Präsens spricht, als sein eigenes bezeichnet und nur mit zwei Versen charakterisiert:

inde genus durum sumus experiensque laborum

415 et documenta damus, qua simus origine nati.

Die eiserne und die "steinerne" Stadt bei Ransmayr

Tomis Metamorphose von der eisernen zur steinernen Stadt ist nicht intendiert und nicht begründet, nicht plötzlich und nicht kausal bestimmbar. Nicht linear, aber auch nicht wirklich relativ, denn nichts könnte als aus dem Vorhergehenden hervorgehend bezeichnet werden. Tomi fällt einfach an die Steine, an das Gebirge, an die Natur zurück. Nicht Wandel ist das zentrale Prinzip, sondern Erosion und Durchdringung, dem Kreislauf der Gesteine folgend.

Literatur:

Bernsteiner, H.: Keinem bleibt seine Gestalt - Ransmayrs lretzte Welt. In: Euphorion 85 (1991), S. 168-181

Fuhrmann, M.: Mythos und Herrschaft in Christa Wolfs "Kassandra" und Christoph Ransmayrs "Die letzte

Welt". In: AU 34.2 (1992) S.11-24

Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt. Mit einem Ovidischen Repertoire. Frankfurt am Main 9/1998 (1988)

Töchterle, K.: Spiel und Ernst - Ernst und Spiel. Ovid und "Die letzte Welt" von Christoph Ransmayr. A&A 38, 1992, S. 95-106

Vogel, J.: Letzte Momente/Letzte Welten. Zu Christoph Ransmayrs ovidischen Etüden. In: Jenseits des Diskur- ses. S. 309-321

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Ransmayrs "Die letzte Welt" und Ovid, Metamorphosen
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V97251
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ransmayrs, Welt, Ovid, Metamorphosen
Arbeit zitieren
Cornelius Hartz (Autor), 2000, Ransmayrs "Die letzte Welt" und Ovid, Metamorphosen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97251

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