Konflikte in Partnerschaften und die systemische Paarberatung. Ablauf, Chancen und Grenzen


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Partnerschaft
2.1 Phasen einerPaarbeziehung nach Jürg Willi
2.2 Häufige Konflikte in Partnerschaften

3. Systemische Beratung
3.1 Handlungsleitende Prinzipien und Grundhaltungen in der systemischen Beratung
3.2 Methoden einer systemischen Beratung

4. Systemische Paarberatung
4.1 Möglicher Ablauf einer systemischen Paarberatung

5. Chancen und Grenzen systemischer Paarberatung
5.1 Chancen
5.2 Grenzen

6. Fazit

1. Einleitung

,,(...)Wer liebt, der gibt niemals jemand auf, in allem vertraut er und hofft für ihn; alles erträgt er für ihn; alles erträgt er mit großer Geduld...“ (Bibel: Die gute Nachricht, 1. Korinther 13)

So hieß es damals in der Bibel schon, doch die Strukturen von Beziehungen haben sich im Laufe der Zeit vielfältig weiter entwickelt.

Die heutigen Erwartungen an eine Paarbeziehung sind unglaublich hoch und zahlreich. Viele von uns sehen eine gelingende und glückliche Beziehung zu dem Gegenüber als den Inbegriff des persönlichen Glücks an. Dazu gehört für viele ein harmonischer Alltag, sexuelle Erfüllung, spannende gemeinsame Freizeitgestaltung, beruflicher Erfolg beider Partner und meistens wird die Beziehung vollkommen durch die Ehe und darauffolgende Kinder, die in einer harmonischen Familie aufwachsen sollen. Dass Verliebt sein gilt in unserer Gesellschaft schon lange nicht mehr nur als Phase, die sich durch verschiedene Lebenszyklen verändert, sondern wird durch unsere vielen alltäglichen Medien als ein Dauerzustand propagiert, der auch durch verschiedene Lebensphasen immer konstant aufrecht erhalten werden soll. Wir sehen heutzutage in Filmen fast immer glückliche Paare und auch auf Instagram und vielen weiteren Medien präsentieren sich immer mehr Paare, die auf Außenstehende sehr zufrieden und verliebt wirken.

Doch können wir alle diesen zahlreichen Erwartungen überhaupt gerecht werden? Was ergibt sich, wenn der Partner plötzlich nicht mehr die gleichen Erwartungen an die Beziehung hat wie man selbst? Was ist, wenn beide Partner innerhalb eines Konfliktes nicht mehr auf denselben Nenner kommen und die Beziehung zu scheitern droht?

Die folgende Hausarbeit wird sich mit dem Thema der systemischen Paarberatung auseinander setzen. Um diese näher zu erläutern wird sich in den folgenden Kapiteln damit beschäftigt. Der erste Punkt der Arbeit beschäftigt sich mit der Partnerschaft an sich und geht dabei auf die Fragen ein was eine Partnerschaft ist und welche Phasen eine Paarbeziehung durchläuft (nach Jürg Willi). Außerdem wird darauf eingegangen was häufige Konfliktsituationen innerhalb von Paarbeziehungen sind.

Weiter wird sich damit beschäftigt was die systemische Beratung für Grundhaltungen und handlungsleitende Prinzipien mit sich bringt. Dabei wird auch näher auf die Methoden eingegangen und auch ein möglicher Ablauf einer systemischen Paarberatung dargestellt, um den Prozess näher zu veranschaulichen. Der nächste Punkte beschäftigt sich noch einmal konkreter mit der systemischen Paarberatung. Im folgendem Punkt werden die Chancen und Grenzen von systemischer Paarberatung zusammengetragen.

Die Arbeit wird durch ein Fazit abgeschlossen.

2. Partnerschaft

Die Partnerschaft ist eine eheliche oder nicht-eheliche Gemeinschaft, welche im frühen Erwachsenenaltereine derwichtigsten Entwicklungsaufgaben darstellt.

Soziale Rollen und persönliche Bedürfnisse müssen aufeinander abgestimmt werden. Während früher eine Partnerschaft oft als soziale und ökonomische Zweckgemeinschaft galt, steht heute der emotionale Austausch im Vordergrund.

Allein deswegen kann man heutzutage eine Tendenz zu häufigerem Partnerwechsel sehen als früher (Vgl. Spektrum, 2000)

2.1 Phasen einer Paarbeziehung nach Jürg Willi

Eine Partnerschaft zwischen zwei Menschen ist kein Zustand, der immer auf einer Stelle stehen bleibt, sondern eine Partnerschaft durchlebt verschiedene Stadien der Entwicklung. Jede Phase bringt verschiedenste Herausforderungen und Aufgaben mit sich, die ein Paar zusammen meistern sollte. Besonders der Übergang zwischen zwei Lebensphasen stellt eine potentielle Herausforderung dar.

In diesem Kapitel beziehe ich mich auf die Phasen nach Willi. Seine Beschreibung der verschiedenen Phasen setzt ein Paar voraus, die eine Familiengründung als gemeinsames Ziel haben.

Die erste Phase wird auch die Phase der stabilen Paarbildung genannt. Während der Jugend sind die meisten Paarbildungen instabil und dienen vor allem zu sammeln von Erfahrungen. In der Phase der Adoleszenz stehen junge Menschen oft vor großen Entscheidungen, die oftmals irreversibel sind und ihr Leben entscheidend beeinflussen. Diese Entscheidung betreffen auch die Partnerschaft. Schon die Entscheidung für einen Partner kann schwierig sein, denn die Entscheidung für eine Person bedeutet oftmals gleichzeitig auch den Verzicht auf andere Möglichkeiten.

In dieser Phasen planen die Paare gemeinsam ihr Leben miteinander, was aber auch gleichzeitig ein sich lösen von der eigenen Familie bedeutet. Während dieser Phase kommt es oft zu zahlreichen Ängsten, wie zum Beispiel die Angst vor Verantwortung, die Angst vor Verpflichtung und Bindung oder dem Versagen der eigenen Beziehung (Vgl.: Schmid- Fahrner,1997, S.22f).

Die zweite Phase ist die Aufbau- und Produktionsphase. Diese Phase umfasst die ersten Jahre die miteinander gelebt werden. Das Paar durchläuft einen Anpassungsprozess und sucht dabei den eigenen Platz in der Gesellschaft und eine Identität als Paar. In dieser Phase werden gemeinsame Regeln für das Zusammenleben beschlossen, wie zum Beispiel die Verteilung von Aufgaben im Alltag und die Übereinkunft von verschiedenen Werten und Normen. Auch hier kann es zu Herausforderungen kommen, denn das Paar wird gefordert sich über alle Lebensbereiche konstruktiv auseinander zu setzen und dabei eine faire Konfliktlösung zu erlernen. Dabei ist es auch wichtig keine Selbstaufgabe des Partner zu fordern.

Auch die Grenze zur ursprünglichen Herkunftsfamilie wird in dieser Phase auch noch einmal deutlich gezogen, das Paar an sich bildet nun eine neue eigene Familie. Hier kann es auch zu Problemen kommen, falls diese Abgrenzung nicht gelingt und es zu Konflikten zwischen den Familien kommt.

In dieser Phase kommt es auch zu einer Entscheidung für Kinder, was gerade für die Frau von besonderer Bedeutung ist. Trotz der Hilfestellungen, die heutzutage vom Staat bereitgestellt werden, bedeutet ein Kind für die Frau dennoch oftmals einen beruflichen Nachteil. Ebenfalls kommt es durch das erste Kind zu einem Intimitätsverlust innerhalb der Beziehung, da nun nicht mehr nur die Paarbeziehung eine Rolle spielt, sondern auch die Mutter-Kind beziehungsweise Vater-Kind Beziehung (Vgl.: Vgl.: Schmid- Fahrner,1997, S226f.)

An die Phase schließt sich die dritte Phase an, die auch die Krise der mittleren Jahre genannt wird. Das Paar hat mittlerweile die Ziele, von denen es in den vorherigen Phasen zusammen geträumt hat, realisiert. Der gesellschaftliche und finanzielle Rahmen sowie der soziale Status der Familie sind weitestgehend bestimmt. Es gibt oft kein besonderes Ziel mehr, welches zusammen erreicht werden muss und besonderen Zusammenhalt erfordert. Das Paar erreicht einen großen Teil von Ruhe und Freizeit, welcher auch als Leere empfunden werden kann. Es kann zu einer zweiten Identitätskrise, von Willi auch als „zweite Pubertät“ genannt, kommen, in der sich die Partner nicht mit der Ehe identifizieren wollen. Die bisherig gelebten Werte werden möglichweise in Frage gestellt und die Partner verspüren den Drang von Nachholbedarf verpasster Chancen. Der Mann hat ein Bedürfnis nach Bestätigung, welche er nicht im ausreichenden Maß bekommt und sucht seine Schuld am Versagen der Ehe, die seine persönliche und berufliche Entwicklung gehemmt hat. Sehr erfolgreiche Männer stellen ihre investierte Zeit in den Beruf infrage, denn dadurch könnten sie andere Lebenschancen nicht wahrgenommen haben. In dieser Phase kommt es bei Männern oft zu einer außerehelichen Beziehung, da diese eine Chance für einen Neuanfang darstellt.

Willi beschreibt die Rolle, welche die Frau in dieser Phase einnimmt, als eine sehr negative. Ihr Wert wird durch die jüngere oder andere Frau gemindert, welches sie ihren Selbstwert in Frage stellen lässt. Frauen in dieser Phase fühlen sich oft unattraktiv. Sie haben einen Großteil ihres Lebens damit verbracht, die Familie zusammen zu halten und die Kinder aufzuziehen. Diese Aufgabe entfällt jetzt meist, da die Kinder oft schon aus dem Haus sind und er Mann sich anderweitig beschäftigt. Die eheliche Beziehung wird dadurch oft gestört, da die Frau sich nicht mehr gleichberechtigt fühlt. Das Paar nutzt in dieser Phase auch oft die Kinder als eine Entschuldigung um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Wenn selbst begangene Fehler in dieser Phase entdeckt werden, kann das Paar in dieser Phase lernen den anderen zu verstehen und sich zu versöhnen (Vgl.: Schmid- Fahrner,1997, S227ff.).

Die letzte Phase wird von Willi Altersehe genannt. Das Paar hat veränderte zeitliche Rahmenbedingungen, oftmals durch Pensionierungen. Es kommt wieder zu einem stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl, denn die Partner blicken auf ein langes, gemeinsames Leben zurück. In dieser Phase muss sich allerdings auch vor allem mit Krankheit des Partner bis hin zum Tod auseinandergesetzt werden (Vgl.: Schmid- Fahrner,1997, S227ff.).

Die Phasen verdeutlichen, dass jede Phase ganz spezielle Anforderungen an Paare hat und Prozesse der Umstrukturierung, Krisen und Anforderungen gemeinsam bewältigt werden müssen. Der gemeinsame Weg des Paares ist nicht leicht und erfordert von jedem Partner gewisse Kompetenzen, die mit der Zeit erlernt werden können (Vgl.: Spektrum, 2000)

2.2 Häufige Konflikte in Partnerschaften

Innerhalb einer Partnerschaft kann es zwischen beiden Beteiligten zu verschiedensten Konflikten kommen, welche oft aus unterschiedlichen Bedürfnissen, Gefühlen oder Wünschen heraus resultieren.

Um einen genaueren Blick auf das Thema der Konflikte zu werfen, wird sich zunächst mit dem Modell des Konfliktverlaufs (Delhees 1979) beschäftigt.

Ein Konflikt entsteht immer unter verschiedenen Konfliktbedingungen, welche sich in Konfliktbedingungen in Form von Fakten (Nationalität, Lebensumstände usw.), Bedingungen in der Persönlichkeit (körperliche Statur, Gesundheit, psychische Kräfte, Werte) und Bedingungen sozialer Beziehungen (Einordnung von Familie, Gesellschaft, Schule und Beruf, Umgangshäufigkeit in sozialen Kontakten, Kommunikationsbarrieren usw.) unterscheiden lassen.

Diese Bedingungen wirken sich auf die subjektive Wahrnehmung und die affektive Betroffenheit aus. Die subjektive Wahrnehmung beschäftigt sich mit der Wahrnehmung des Einzelnen innerhalb des Konflikts. Zu ihr zählen Konfliktursachen, Reaktion und Aktion, aber auch mögliche Zielsetzungen, die durch den Konflikt erreicht werden sollen. Die subjektive Wahrnehmung kann also von Teilnehmern des Konflikts unterschiedlich subjektiv wahrgenommen werden, abhängig von Lebenserfahrungen oder Persönlichkeit.

Die affektive Betroffenheit hängt von der gefühlsmäßigen Ansprechbarkeit des jeweiligen ab. Beide Faktoren beeinflussen sich auch gegenseitig.

Die subjektive Wahrnehmung und die affektive Betroffenheit nehmen weiterhin Einfluss auf die Austragung des Konflikts.

Nachdem der Konflikt ausgetragen wurde, kommt es zur Konfliktbewältigung und zum Abwehrverhalten der Teilnehmer. Das Abwehrverhalten tritt vor allem dann auf, wenn ein Teilnehmer sich besonders angegriffen fühlt. Oft kommt es innerhalb eines Konflikts auch zum „Gegenangriff“ als Schutzhaltung.

Auch diese Faktoren beeinflussen einen nächsten, nämlich die Konfliktnachwirkungen. Durch diese kann es zu Belastungen innerhalb der Beziehung kommen. Auf der anderen Seite können durch sie allerdings auch Verbesserungen stattfinden. Sie beeinflussen den weiteren Verlauf des Konflikts, aber auch die Einstellung zu zukünftigen Konflikten (Vgl.: Zuschlags Thieke, 1998, S.35f.).

Zu den häufigsten Konflikten innerhalb von Partnerschaften zählen nach Schwarz (1984) der Identitätskonflikt, der Transaktionskonflikt, der Distanzkonflikt, der Clankonflikt, der Entwicklungskonflikt und der Rollenkonflikt.

Während des Identitätskonflikts kommt es bei den Partnern zu der Frage in wie weit die eigene Persönlichkeit/ Identität für die Paarbeziehung aufgegeben werden muss.

Der Transaktionskonflikt bringt immerein asymmetrisches Rollenverhältnis mit sich. Zwischen den Partnern entsteht ein Machtgefälle, in dem der eine Partner zum Beispiel wie ein Kind behandelt wird und der andere die Rolle des Erwachsenen übernimmt.

Ein Entwicklungskonflikt entsteht, wenn Partner innerhalb einer Beziehung unterschiedliche Geschwindigkeiten, Entwicklungsintensitäten oder Richtungen während ihrer Entwicklung aufzeigen, was zu Konfliktpotential führen kann. Oft hört man bei solchen Paaren Sätze wie „Wir haben uns auseinander gelebt“. Beide Partner haben andere Wünschen und Interessen, welche sich nicht mehr miteinander vereinbaren lassen.

Der Clan- Konflikt beschäftigt sich hauptsächlich damit, dass beide Partner aus verschiedenen Herkunftsfamilien kommen, in denen sie verschiedene Werte und Normen gelernt haben, welche nun innerhalb der Beziehung miteinander vereint werden müssen, damit eine Beziehung gelingen kann. Dies kann oft zu Schwierigkeiten führen, denn das Lösen aus der Herkunftsfamilie ist für beide Partner ein schwerer Schritt. In Folge dessen, kann es auch zu einem Identitätskonflikt kommen, denn beide müssen Abstriche machen.

Auch ein unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz kann zu einem Konfliktpotential führen. Dieser Konflikt wird dann Distanzkonflikt genannt.

Ein Rollenkonflikt entsteht dann, wenn ein Individuum in eine oder mehrere Gruppen integriert ist, die Interessen, Werte und Ziele verfolgen, die miteinander nicht vereinbar sind (Vgl.: Zuschlags Thieke, 1998, S.53ff.).

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Konflikte in Partnerschaften und die systemische Paarberatung. Ablauf, Chancen und Grenzen
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen  (Soziale Arbeit)
Note
2,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V972549
ISBN (eBook)
9783346317575
ISBN (Buch)
9783346317582
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beratung, systemische Beratung, Paarberatung
Arbeit zitieren
Neele Gebhardt (Autor:in), 2020, Konflikte in Partnerschaften und die systemische Paarberatung. Ablauf, Chancen und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/972549

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