Underpricing bei Börsengängen. Ablauf eines Initial Public Offering am Praxisbeispiel Visa Inc.


Seminararbeit, 2019

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Gang der Arbeit

2 Konzeptionelle Grundlagen zum Börsengang
2.1 Begriffsverständnis
2.2 Motive und Bedenken
2.3 Phasenorientierte Ausführung
2.3.1 Konzeptionsphase
2.3.2 Durchführungsphase
2.3.3 Platzierungsphase

3 Underpricing
3.1 Begriffserklärung Underpricing
3.2 Erklärungsansätze Informationsasymmetrien
3.2.1 Informationsasymmetrien zwischen Emittenten und Investor
3.2.2 Informationsasymmetrien zwischen Investoren

4 Theorie-Praxis-Transfer am Beispiel der Visa Inc
4.1 Unternehmensvorstellung Visa Inc
4.2 Der Börsengang von Visa Inc

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen eines IPO

Abkürzungsverzeichnis

AG Aktiengesellschaft

EBIT earnings before interest and taxes

Inc. Incorporated

IPO Initial Public Offering

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

In der heutigen Zeit müssen sich Unternehmen an die sich ständig verändernden Umwelt- und Marktbedingungen anpassen. Um die Stellung im Markt verteidigen zu können und um zu wachsen müssen vermehrt Investitionen getätigt werden.1 Investitionen können Unternehmen entweder durch Fremdkapital oder durch Eigenkapital finanzieren.2 Damit Gesellschaften Kredite gewährt bekommen ist eine ausreichende Höhe an Eigenkapital erforderlich. Insbesondere durch die im Zuge von Basel II eingeführten Eigenkapitalvorschriften ist die Finanzierung durch Kredite erschwert worden.3 Eine ausreichende Eigenkapitalausstattung wird immer wichtiger.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts hat sich die Art der Finanzierung dadurch, dass immer mehr Unternehmen einen Börsengang durchführen, verändert.4 Nicht nur große Konzerne, sondern auch mittelständische Unternehmen wagen einen Gang an die Börse.5 Die Börse ermöglicht Gesellschaften zusätzliche finanzielle Mittel zu generieren, um die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum zu schaffen.

In der vorliegenden Arbeit werden die Grundlagen eines Initial Public Offering näher erläutert. Insbesondere wird das Phänomen Unterpricing dargestellt. Durch Underpricing können Investoren bereits direkt am ersten Börsentag überdurchschnittlich viele Gewinne durch eine Kurssteigerung von Aktien realisieren.6 Unternehmen verzichten durch Underpricing auf höhere Emissionserlöse.7

1.2 Ziel und Gang der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist es die theoretischen Grundlagen eines IPO systematisch zu erläutern. Insbesondere soll das Phänomen Underpricing näher betrachtet werden. In der Arbeit sollen die Fragen beantwortet werden, wie Underpricing entsteht und warum Unternehmen bewusst geringere Emissionserlöse in Kauf nehmen. Die vorliegende Arbeit ist in drei Hauptteile gegliedert.

Sie beginnt mit den konzeptionellen Grundlagen zu einem Börsengang. Anfangs wird der Begriff IPO definiert. Des Weiteren werden Motive und Bedenken, die Unternehmen vor der Durchführung eines Börsenganges haben, näher erläutert. Im Anschluss wird die Vorgehensweise eines IPO phasenweise beschrieben.

Im zweiten Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu dem Begriff Underpricing definiert. Des Weiteren wird mit Hilfe von Erklärungsansätzen zu Informationsasymmetrien beschrieben wie Underpricing entsteht. Die Informationsasymmetrien werden einerseits zwischen Investoren untereinander und andererseits zwischen dem Emittenten und den Investoren unterteilt.

Der letzte Hauptteil ist praxisorientiert. In einer Theorie-Praxis-Reflektion wird der Börsengang des Unternehmens Visa Inc. chronologisch erläutert. Insbesondere wird auf die Kursentwicklung und das Underpricing eingegangen. Annahmen, die auf dem Theorieteil dieser Arbeit beruhen, sollen erklären wie ein Underpricing bei dem Börsengang von Visa entstanden ist.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab. Dieses Fazit kombiniert die vorgestellten theoretischen Grundlagen mit dem untersuchten Börsengang in der Praxis.

2 Konzeptionelle Grundlagen zum Börsengang

2.1 Begriffsverständnis

Der Börsengang eines Unternehmens ist auch unter den Begriffen Initial Public Offering und Going-Public bekannt.8 Die Begriffe bezeichnen die erstmalige Emission von Aktien über den organisierten Kapitalmarkt an externe Investoren.9 Ein IPO kann auf der einen Seite durch die Ausgabe neuer „junger“ Aktien und auf der anderen Seite durch bereits existierende „alte“ Aktien der Alteigentümer erfolgen.10 Bei der Ausgabe neuer Aktien erhöht sich durch eine Kapitalerhöhung das Grundkapital des Unternehmens. Bei der Ausgabe von alten Aktien wird die Höhe des Grundkapitals nicht beeinflusst. Bei den meisten Börsengängen werden beide Möglichkeiten miteinander verbunden.11

Eine erstmalige Börsennotierung liegt nur vor, wenn noch nie eine Aktiengattung des Unternehmens notiert war und somit keine Kursnotierung über Wertpapiere des Unternehmens existieren.12

Abbildung 1: Phasen eines IPO

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital, 2011, S. 489.

Der IPO ist in drei typische Phasen unterteilt. Er beginnt mit der Konzeptionsphase, geht in die Durchführungsphase über und schließt mit der Platzierungsphase ab.13

Durch eine Neuemission von Aktien lassen sich signifikant mehr finanzielle Mittel generieren als durch andere Finanzierungsformen.14 Der Gang an die Börse muss jedoch gut bedacht sein, denn die Anforderungen, die mit einer Publikumsöffnung einhergehen, sind hoch.

2.2 Motive und Bedenken

Für die Entscheidung einen IPO durchzuführen gibt es eine Vielzahl von Motiven und Bedenken. Eines der stärksten Motive ist die Erhöhung der Eigenkapitalbasis.15 Diese Erhöhung stärkt die Bonität eines Unternehmens und ermöglicht im Zuge dessen eine günstigere Beschaffung von zusätzlichem Fremdkapital.16 Ein Unternehmen kann Wachstumsinvestitionen durch günstiges Fremdkapital und durch zusätzliches Eigenkapital finanzieren.

Mit einem IPO erregt das Unternehmen viel Aufmerksamkeit durch die Presse.17 Dies hat eine Marketingwirkung, welche zu einem höheren Bekanntheitswert führt, zur Folge.18 Dadurch können zum einen neue Märkte erschlossen werden, zum anderen kann sich ein hoher Bekanntheitsgrad positiv auf die Mitarbeitergewinnung auswirken.

Bei familiengeführten Unternehmen ist ein IPO besonders von Bedeutung, wenn die Unternehmensnachfolge nicht aus den eigenen Reihen besetzt werden kann.19 Unternehmensanteile können verkauft werden und ein externes Management kann den Fortbestand des Unternehmens sichern.

Trotz der genannten Motive lehnen einige Unternehmen einen Börsengang ab. Ein Börsengang verursacht sowohl hohe einmalige, als auch laufende Kosten.20 Die größten einmaligen Kosten fallen für die Platzierungsprovisionen der Emissionsbanken an.21 Zusätzlich sind Kosten für Beratung, die Erstellung eines Verkaufprospektes sowie für eine Rechtsformumwandlung einzukalkulieren.22 Erfahrungsgemäß rechnen Unternehmen mit einmaligen Kosten in Höhe von 6 bis 10 Prozent des Emissionsvolumens.23 Neben den einmaligen Kosten fallen laufende Kosten zum Beispiel für Investor Relations, die Erstellung von Geschäftsberichten sowie für die Durchführung von Hauptversammlungen an.24

Viele Familienunternehmen möchten nicht, dass Unternehmensinterna an die Öffentlichkeit geraten, jedoch haben börsennotierte Unternehmen Publizitätspflichten.25 Nach einem Going Public haben Unternehmen eine Prospektpflicht, Ad-hoc-Publizitätspflichten und müssen Hauptversammlungen durchführen.26 Dadurch werden sie für Wettbewerber und Dritte analysierbarer.

2.3 Phasenorientierte Ausführung

2.3.1 Konzeptionsphase

In der Konzeptionsphase werden konzeptionelle und strategische Grundlagen für einen Börsengang vorbereitet.27 Die Durchführung der Konzeptionsphase dauert ungefähr 6 Monate.28

Zu Beginn der ersten Phase wird ein IPO-Team gegründet.29 Das Team ist für die Steuerung und für die Koordination des IPO-Prozesses verantwortlich. Es sollte von einer Person geleitet werden, die bereits Erfahrung mit Börsengängen gemacht hat.30 Häufig sind dies externe Berater, die über spezifisches Know-How verfügen. Weitere Mitglieder des Teams sollten Manager des Unternehmens, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer sowie Vertreter von Banken sein.

Sollte die Rechtsform des Unternehmens noch nicht kapitalmarktfähig sein, muss eine Rechtsformumwandlung erfolgen.31 In Deutschland sind die kapitalmarktfähigen Rechtsformen die Aktiengesellschaft und die Kommanditgesellschaft auf Aktien. Für eine Aktiengesellschaft ist ein Aufsichtsrat, der aus mindestens drei Personen bestehen muss, zwingend erforderlich.32 Zusätzlich muss eine börsenfähige Satzung aufgesetzt werden.33

Bis auf die kapitalmarktfähige Rechtsform gibt es keine rechtlich zwingenden Voraussetzungen für den Gang an die Börse.34 Jedoch gibt es weitere qualitative Grundlagen, die für den Erfolg am Markt relevant sind. Die relevantesten Grundlagen sind eine stabile und prognostizierbare Unternehmensentwicklung, eine konkurrenzfähig Wettbewerbssituation, ein liquiditätssicherndes Volumen an auszugebenen Aktien, ein fachlich kompetentes Management sowie ein transparenter Unternehmensaufbau, welcher mit der Bereitschaft zur Publizität einhergeht.35

Elementar für den Gang an die Börse ist ein gut strukturiertes Emissionskonzept.36 Dieses Konzept beinhaltet alle zu treffenden Maßnahmen, die für den IPO relevant sind. Außerdem gibt es Auskunft über37:

- Das Börsensegment
- Das Emissionsvolumen
- Die Aktienart
- Die geplante Finanzkommunikation
- Das Begebungsverfahren
- Den Emissionszeitpunkt
- Das Emissionsprospekt

Das Emissionsprospekt fungiert als offene Präsentation des Unternehmens und wird als unvollständiges Verkaufsprospekt bezeichnet.38 Das Prospekt bietet die Basis für die Entscheidung der Börsenzulassungsstelle. Ohne die Genehmigung der Börsenzulassungsstelle kann ein Börsengang nicht vollzogen werden.39 Außerdem beinhaltet das Emissionsprospekt einen detaillierten Bericht über die Unternehmenslage, die Unternehmensaktivitäten und eine erste Evaluation des Unternehmenswertes.40 Der angegebene Unternehmenswert steht in Relation zum späteren Emissionskurs der Aktie.41

Auf Werbung im Prospekt ist zu verzichten, die relevanten Prämissen und Rechtsbeziehungen sind aufzuführen und der Werdegang des Vorstandes ist darzustellen. 42

Ein wichtiger Teil des Emissionsprospektes ist die Equity-Story. Sie steht im Mittelpunkt der Kommunikation zwischen dem potenziellen Emittenten und der Finanzgemeinschaft. Die Equity-Story soll die Frage beantworten, warum gerade die Aktie des Börsenkandidaten gekauft werden soll.43 Sie beschreibt das Unternehmen in Bezug auf das Unternehmensumfeld, die Historie, die Visionen und spiegelt Potentiale in Bezug auf Wachstum, Alleinstellungsmerkmalen und Ertrag wirklichkeitsgetreu heraus. Im Investment Case, einem Teil der Equity-Story, werden die Verwendungen der Emissionserlöse erklärt. Eine erfolgreiche Equity-Story beantwortet alle Fragen des Kapitalmarktes schlüssig und detailliert.

2.3.2 Durchführungsphase

Die Durchführungsphase dauert ungefähr vier Monate.44 Sie beginnt mit der Erstellung des Banken-Factbooks. Dieses beinhaltet die dokumentierte Börsenreife und wird an ausgewählte Emissionshäuser versendet.45 Die Investmentbanken entwickeln Emissionskonzepte und präsentieren diese im Rahmen eines Beauty Contests. Die aller wenigsten Unternehmen können Selbstemissionen durchführen, da ihnen das Fachwissen und die Erfahrung fehlen.46 Deshalb ist die Auswahl eines geeigneten Emissionshauses ein relevanter Schritt. Oft entstehen an dieser Stelle Kooperationen zwischen mehreren Banken, die als Emissionskonsortium betitelt werden.47

Ist die Auswahl eines geeigneten Emissionshauses bzw. -konsortiums getroffen, erfolgt die Unternehmensbewertung sowie die Due Diligence.48

Die Due Diligence bezeichnet eine Prüfung auf finanzielle, steuerliche, rechtliche und technische Aspekte und wird vom Emissionshaus durchgeführt.49

Auf den Ergebnissen der Prüfung aufbauend ist ein Wertpapierprospekt, welches als Grundlage für das öffentliche Angebot und die Zulassung neuer Aktien zum Börsenhandel fungiert, zu erstellen und zu veröffentlichen.50

Um zum Abschluss der Durchführungsphase die Weichen schlussendlich für den Börsengang zu stellen, muss der Zulassungsantrag bei der Zulassungsstelle der Börse eingereicht werden.51

2.3.3 Platzierungsphase

Hat die Zulassungsstelle den Börsengang genehmigt, startet die Platzierungsphase. Diese Phase dauert ca. einen Monat und startet mit dem Begebungsverfahren.52 Dieses Verfahren ist relevant für die Preisfindung, zu dem die Aktien emittiert werden. Der Preis steht im direkten Zusammenhang mit dem Unternehmenswert.53 Für das Unternehmen ist ein möglichst hoher Unternehmenswert das Ziel. Die Bank strebt hingegen einen fairen Wert an, da sie das Platzierungsrisiko relativ gering halten möchte.54 Aufgrund der unterschiedlichen Interessen und der hohen Bedeutsamkeit dieser Phase entstehen häufig Konflikte zwischen den Beteiligten.

Zur Bestimmung des Preises der Aktien gibt es unterschiedliche Verfahren. Das am häufigsten genutzte Verfahren ist das Bookbuilding-Verfahren.55 Dieses beginnt mit der Pre-Marketing-Phase. In dieser Phase wird, in Form von Roadshows, die Preisvorstellung durch Befragungen möglicher Investoren abgefragt. Daraufhin kann eine Preisspanne festgelegt werden.56 Zum Ende der Roadshows nimmt das beauftragte Konsortium bzw. die beauftragte Bank Angebote von potenziellen Investoren entgegen. Im Anschluss wird der feste Emissionspreis veröffentlicht.57 Die Zuteilung des Aktienvolumens muss nach indifferenten und sachlichen Kriterien erfolgen.58

Nach der Zuteilung der Aktien erfolgt die Zahlung der Investoren. Damit kann der Handel beginnen. Mit der Gutschrift der Emissionserlöse ist der Börsengang für den Emittenten abgeschlossen.59

3 Underpricing

3.1 Begriffserklärung Underpricing

Der Begriff Unterpricing beschreibt die Besonderheit der Unterbewertung von Emissionen. In der Literatur wird zwischen der Form des ex-ante-Underpricing und der Form des ex-post-Underpricing unterschieden.60 Während man beim ex-ante-Underpricing den erwarteten Sekundärmarktpreis und den Emissionskurs ins Verhältnis setzt, wird beim ex-post Underpricing die Differenz zwischen dem realisierten Sekundärmarktkurs am ersten Handelstag und dem Emissionskurs der Aktie ermittelt.61 Als Messgröße wird in der Regel die prozentuale Differenz zwischen den genannten Kursen gewählt.62

Durch das Phänomen können Investoren bereits am ersten Handelstag hohe Gewinne erzielen. Dadurch entstehen dem Emittenten Opportunitätskosten, die vermieden werden könnten, da das emittierende Unternehmen die Aktien zu einem höheren Preis verkaufen könnte.63

In den vergangen 40 Jahren betrug die durchschnittliche Differenz beim ex-post Underpricing 18 %.64

Bei einem Großteil der Modelle aus der finanzwirtschaftlichen Theorie wird angenommen, dass die unterschiedlichen Marktteilnehmer über eine ähnliche Informationsbasis verfügen.65 Bei exakt gleicher Informationslage wäre ein Underpricing nicht möglich.66 Für die Unterbewertung von Emissionen gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Die zwei Ansätze, die am häufigsten in der Literatur beschrieben werden, werden nachfolgend mit Hilfe von Modellen veranschaulicht.

3.2 Erklärungsansätze Informationsasymmetrien

3.2.1 Informationsasymmetrien zwischen Emittenten und Investor

Informationsasymmetrien zwischen Emittenten und Investoren lassen sich durch die Bookbuilding-Theorie von Benveniste und Spindt begründen. Die Vorgehensweise des Bookbuildingverfahrens ist im Kapitel 2.3.3 näher beschrieben. Ein Underpricing wird dadurch begründet, dass die potenziellen Investoren, die Teil der Roadshows sind, in ihrer Gesamtheit besser über die Unternehmensbewertung und den Erfolg am Aktienmarkt informiert sind, als der Emittent bzw. die Emissionsbank selbst.67 Der Emittent hat ein Interesse daran, dass er möglichst viele Informationen der potenziellen Investoren im Vorfeld aufdeckt, damit er den Emissionspreis exakt ermitteln kann.68 Der Preis, den Investoren am Sekundärmarkt für eine Aktie erwarten wird Reservationspreis genannt. Das Ziel des Underwriters ist die Differenz zwischen dem Reservationspreis und dem Emissionspreis möglichst gering zu halten. Das Interesse der potenziellen Investoren liegt jedoch darin ihre Informationen möglichst geheim zu halten und so den Informationsvorsprung durch einen günstigeren Zeichnungskurs ausnutzen zu können.69 Deuten die Informationen der potenziellen Investoren auf eine positive Entwicklung hin, können sie am ersten Handelstag ihre Aktie für einen höheren Preis verkaufen und dadurch nach kurzer Zeit Gewinne realisieren. Um den Reservationspreis richtig einschätzen zu können, benötigt der Emittent möglichst viele Informationen der Investoren. Im Rahmen des Bookbuildingverfahren finden Roadshows mit möglichen Investoren statt. In den Roadshows teilt der Emittent den Investoren die Absicht einer Durchführung eines Börsenganges mit. Die Investoren teilen in den Gesprächen ihre Höchstpreise sowie die gewünschte Menge an Aktien, die sie kaufen wollen, mit.70 Das Unternehmen muss jedoch davon ausgehen, dass die Investoren Gebote mit einem unterbewerteten Preis abgeben. Andernfalls würden sie sich selbst schädigen, da der Emittent seinen Emissionspreis höher ansetzen würde. Der Emittent strebt eine Gewinnmaximierung an und möchte gleichzeitig möglichst viele Informationen von den Anlegern erhalten.71 Er muss Anreize schaffen, damit ihm die Investoren ihre Informationen unverfälscht zur Verfügung stellen. Ein Anreiz für Investoren kann eine günstigere Zuteilung von Aktien sein.72 Der Emittent nimmt dabei ein absichtliches Underpricing bei den ausgewählten Investoren in Kauf. Der Investor muss abwägen wie sehr die mitgeteilten Informationen den Emissionspreis beeinflussen werden. Damit der Investor seine Informationen unverfälscht mitteilt, muss die Differenz zwischen Reservationspreis und Emissionspreis größer sein als seine Information signalisiert hat. Der Emittent belohnt Investoren, die positiv stimmen, mit einer größeren Zuteilungsmenge. Damit möchte er verhindern, dass er falsche Informationen bekommt. Dadurch werden ehrliche Investoren mit einer höheren Zuteilungsmenge, gegenüber unehrlichen Investoren, belohnt. Das emittierende Unternehmen muss den Geldgebern gleichzeitig versichern, dass er keine negativen Erträge zu erwarten hat.73 Es kann sie nicht verpflichten Aktienkäufe im Vorfeld zu tätigen.74

[...]


1 Vgl. Lippold, D., Marktorientierte Unternehmensführung und Digitalisierung, 2017, S. 111.

2 Vgl. Becker, H., Peppmeier, A., Investition und Finanzierung, 2018, S. 13.

3 Vgl. Klement, J., Steiner M., Kreditrisikohandel, Basel II und interne Märkte in Banken, 2007, S. 58.

4 Vgl. Statista GmbH, Wertentwicklung Aktien, 2019.

5 Vgl. Kolbeck, C., Wimmer R., Finanzierung für den Mittelstand, 2002, S. 19.

6 Vgl. Wirtz, B., IPO-Management: Strukturen und Erfolgsfaktoren, 2001, S. 277.

7 Vgl. ebenda.

8 Vgl. Wieselhuber N., Börseneinführung mit Erfolg, 2013, S. 31.

9 Vgl. ebenda.

10 Vgl. Becker, H., Peppmeier, A., Investition und Finanzierung, 2018, S. 126ff.

11 Vgl. Wirtz, B., IPO-Management: Strukturen und Erfolgsfaktoren, 2001, S. 35ff.

12 Vgl . Rummer, M., Going Public in Deutschland, 2006, S. 11f.

13 Vgl. Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital, 2011, S. 489ff.

14 Vgl. Müller-Neuhof, K., Aktienerfolg mit Neuemissionen, 2001, S. 11.

15 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004, S. 16ff.

16 Vgl. ebenda.

17 Vgl. ebenda.

18 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004, S. 91.

19 Vgl. Börse Frankfurt, Praxishandbuch Börsengang:, 2007, S. 25.

20 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004, S. 179ff.

21 Vgl. ebenda.

22 Vgl. ebenda.

23 Vgl. Löhr, A., Börsengang: Kapitalmarktchancen prüfen und umsetzen, 2006, S. 13.

24 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004,

S. 179f.

25 Vgl. Börse Frankfurt, Praxishandbuch Börsengang:, 2007, S. 127f.

26 Vgl. ebenda.

27 Vgl. Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital, 2011, S. 489ff.

28 Vgl. Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital, 2016, S. 553f.

29 Vgl. Wirtz, B., IPO-Management: Strukturen und Erfolgsfaktoren, 2001, S. 10ff.

30 Vgl. ebenda.

31 Vgl. Huchzermeier, M., Investor Relations beim Börsengang, 2006, S. 194f.

32 Vgl. Plötze, S., Umwandlung einer GmbH & Co. KG in die kleine AG, 2006, S. 34f.

33 Vgl. ebenda.

34 Vgl. ipobox-online.de, Rechtliche Voraussetzungen Börsengang, o.J.

35 Vgl. ipobox-online.de, Wirtschaftliche Börsenreife, o.J.

36 Vgl. Wirtz, B., IPO-Management: Strukturen und Erfolgsfaktoren, 2001, S. 85ff.

37 Vgl. ebenda.

38 Vgl. ebenda.

39 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004, S. 79ff.

40 Vgl. Geisel, B., Eigenkapitalfinanzierung, 2004, S. 74.

41 Vgl. Brösel, G., Unternehmensbewertung: Funktionen - Methoden - Grundsätze, 2013, S. 430ff.

42 Vgl. ipobox-online.de, Aufbau und Inhalt Wertpapierprospekt, o.J.

43 Vgl. ebenda.

44 Vgl. ebenda.

45 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004, S. 124f.

46 Vgl. Rudolph, B., Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarkt, 2006, S. 286f.

47 Vgl. ebenda.

48 Vgl. Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital, 2016, S. 553ff.

49 Vgl. ebenda.

50 Vgl. ebenda.

51 Vgl. Bösl, K., Praxis des Börsengangs: Ein Leitfaden für mittelständische Unternehmen, 2004, S. 124ff.

52 Vgl. Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital, 2016, S. 553.

53 Vgl. Brösel, G., Unternehmensbewertung: Funktionen - Methoden - Grundsätze, 2013, S. 430ff.

54 Vgl. Bösl. K., Mittelstandsanleihen, 2012, S. 186ff.

55 Vgl. Rudolph, B., Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarkt, 2006, S. 301ff.

56 Vgl. ebenda.

57 Vgl. ebenda.

58 Vgl. Ahnefeld, M., Die Performance von Privatisierungen am Kapitalmarkt, 2007, S. 30f.

59 Vgl. Weitnauer, W., Handbuch Venture Capital: von der Innovation zum Börsengang, 2019, S. 566.

60 Vgl. Wirtz, B., IPO-Management: Strukturen und Erfolgsfaktoren, 2001, S. 277ff.

61 Vgl. ebenda.

62 Vgl. ipo-underpricing.de, Analytische Methoden Underpricing, o.J.

63 Vgl. Bramhoff, S., Das Underpricing-Phänomen bei kleinen Unternehmen, 2014, S. 7f.

64 Vgl. deraktionaer.de, IPO-Kursgewinne durch Underpricing, 2019.

65 Vgl. Schweinitz, J., Renditeentwicklungen von Aktienemissionen, 1997, S. 26.

66 Vgl. ebenda.

67 Vgl. Spatt, C., Preplay communication, participation restrictions, 1991.

68 Vgl. ebenda.

69 Vgl. ebenda.

70 Vgl. Börse Frankfurt, Praxishandbuch Börsengang:, 2007, S. 302ff.

71 Vgl. ebenda.

72 Vgl. Erhardt, O., Börseneinführungen von Aktien am Deutschen Kapitalmarkt, 1997, S. 117f.

73 Vgl. Derleder, P., Handbuch zum deutschen und europäischen Bankrecht, 2009, S. 2463ff.

74 Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Underpricing bei Börsengängen. Ablauf eines Initial Public Offering am Praxisbeispiel Visa Inc.
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V972602
ISBN (eBook)
9783346362995
ISBN (Buch)
9783346363008
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IPO, Initial Public Offering, Going-Public, Unterpricing, Börsengang, Unterpreisung, Finanzen, FOM, Ablauf IPO, Ablauf Börsengang, Praxistransfer
Arbeit zitieren
Christoph S. (Autor), 2019, Underpricing bei Börsengängen. Ablauf eines Initial Public Offering am Praxisbeispiel Visa Inc., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/972602

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