In dieser Arbeit wird mithilfe eines Umfragebogens der Moselfränkische Dialekt des Saarlands bezüglich der Verwendung neutraler Artikel und Pronomen in Bezug auf Frauennamen untersucht. Da sowohl weibliche als auch neutrale Formen auftreten können, soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, welche Artikel und Pronomen verwendet werden und von welchen Faktoren die Auswahl abhängt.
Hierzu wird zunächst das derzeitige Verbreitungsgebiet der neutralen Frauennamen im Allgemeinen betrachtet, um den Fokus anschließend auf das Moselfränkische des Saarlands zu legen. Anschließend soll geklärt werden, wie es geschichtlich dazu kam, dass gerade Frauennamen von der "Neutralisierung" betroffen sind, während Männernamen davon in der Regel unberührt bleiben. Da es einen Wandel der Funktion der Femineutra vom sozialen Platzanzeiger hin zum Beziehungsanzeiger gegeben zu haben scheint, soll dieser im vierten Kapitel erläutert werden. An die Theorie soll anschließend die Studie geknüpft werden, die sich auf die Namenneutra im moselfränkischen Sprachgebrauch des Saarlands fokussiert. Die Ergebnisse werden mit der vorangegangenen Theorie abgeglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verbreitung in deutschen Dialekten
3 Entstehung des sprachlichen Phänomens
4 Funktionswandel des Genus
4.1 Genus als sozialer Platzanzeiger
4.2 Genus als Beziehungsanzeiger
5 Methode
6 Ergebnisse
7 Diskussion
8 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung neutraler Artikel und Pronomen bei weiblichen Rufnamen im moselfränkischen Dialekt des Saarlands. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, welche Faktoren die Genuswahl beeinflussen und wie sich die Funktion der sogenannten „Femineutra“ von einem sozialen Platzanzeiger hin zu einem Beziehungsanzeiger gewandelt hat.
- Regionale Verbreitung neutraler Artikel bei weiblichen Rufnamen in deutschen Dialekten
- Historische und soziale Hintergründe der Neutralisierung von Frauennamen
- Empirische Analyse der Genuswahl durch eine Umfrage im moselfränkischen Sprachraum
- Einfluss von Vertrautheit, Alter, sozialer Beziehung und Dialektkompetenz auf die Genuswahl
Auszug aus dem Buch
4.1 Genus als sozialer Platzanzeiger
Schaut man sich ältere Dialektwörterbücher und -grammatiken an, findet man nur wenige Beiträge zu Namenneutra und wenn, meist ohne zusätzlichen Erläuterungen (vgl. Busley/Fritzinger 2018: 200). In der „Grammatik der ripuarisch-fränkischen Mundart“ schreibt Münch (1904: 161):
In Betreff der geschlechtigen Fürw[örter] ist zu bemerken, daß zeī nur von verheirateten oder doch angesehenen Frauen, von Mädchen aber, auch wenn sie schon erwachsen sind, nur ∂t gebraucht wird, was durch das sächliche Geschlecht des Wortes Mädchen veranlaßt worden sein kann.
Demnach wurden neutrale Pronomen in Bezug auf Mädchen verwendet, während feminine Pronomen den Frauen vorbehalten waren.
Im Mittel- und Frühneuhochdeutschen verstand man unter einem „Mädchen“ eine unverheiratete Frau (vgl. Busley/Fritzinger 2018: 201). Darüber hinaus wurden Töchter und Dienstmägde als Mädchen bezeichnet und wurden neutral klassifiziert (vgl. ebd.) Das Femininum wurde hingegen für verheiratete und sozial hochgestellte Frauen verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Genus-Sexus-Prinzips ein und erläutert die besondere Rolle der „Femineutra“ im moselfränkischen Dialekt.
2 Verbreitung in deutschen Dialekten: Hier wird der geographische Gebrauch von neutralen Artikeln vor weiblichen Vornamen im deutschsprachigen Raum dargestellt.
3 Entstehung des sprachlichen Phänomens: Dieses Kapitel diskutiert die historischen Ursachen für die Neutralisierung von Frauennamen und die Rolle gesellschaftlicher Rollenbilder.
4 Funktionswandel des Genus: Hier wird die Entwicklung der Funktion von der sozialen Markierung (Platzanzeiger) hin zur Markierung von Nähe und Vertrautheit (Beziehungsanzeiger) detailliert.
5 Methode: Die Untersuchungsmethode mittels Online-Fragebögen zur Erfassung der Genuswahl im moselfränkischen Teil des Saarlands wird beschrieben.
6 Ergebnisse: Die zentralen Erkenntnisse der Umfrage werden präsentiert, insbesondere der Einfluss der Vertrautheit und des Gesprächspartners auf die Genuswahl.
7 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und in den theoretischen Rahmen eingeordnet, wobei die intuitiven Sprachprozesse hervorgehoben werden.
8 Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel resümiert die Wandlung des Phänomens und die soziopragmatischen Faktoren, die heute das Sprachverhalten bestimmen.
Schlüsselwörter
Moselfränkisch, Genus-Sexus-Prinzip, Femineutra, weibliche Rufnamen, Sprachwandel, Dialekt, Soziopragmatik, Neutralisierung, Identitätsmarkierung, Sprachgebrauch, Saarland, Genuszuweisung, Personennamen, soziale Beziehung, Vertrautheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verwendung von neutralen Artikeln und Pronomen bei weiblichen Rufnamen im moselfränkischen Dialekt innerhalb des Saarlands.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dialektologie, dem soziolinguistischen Wandel der Genuszuweisung und der Analyse von Faktoren, die das alltägliche Sprachverhalten beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es zu klären, unter welchen soziopragmatischen Umständen Sprecherinnen und Sprecher das neutrale Genus verwenden und welche Faktoren – wie Vertrautheit oder Alter – dabei ausschlaggebend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine empirische Analyse mittels zweier Online-Fragebögen durch, um Daten von Saarländerinnen und Saarländern über ihren tatsächlichen Dialektgebrauch zu sammeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der historischen Entstehung, eine Diskussion des Funktionswandels vom sozialen Platzanzeiger zum Beziehungsanzeiger sowie die Auswertung der empirischen Umfrageergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Moselfränkisch, Femineutra, Genus-Sexus-Prinzip, Sprachwandel und Soziopragmatik.
Gibt es auch bei Männernamen eine Neutralisierung?
Nein, männliche Namen stehen im Regelfall im Maskulinum. Eine Ausnahme bilden laut Untersuchung jedoch diminuierte Namensformen wie „Peterchen“.
Spielt der soziale Status der Frau heute noch eine Rolle für die Genuswahl?
Nein, die einstige Funktion der Unterordnung oder sozialen Markierung ist weitgehend überholt; heute dominiert die soziale Nähe und das Vertrautheitsverhältnis zwischen den Gesprächspartnern.
Wie wichtig ist der Dialekt des Gesprächspartners?
Die Umfrage ergab, dass dieser Faktor einen signifikanten Einfluss hat: Sprecher passen ihre Genuswahl häufig an das Gegenüber an, wenn dieses den Dialekt ebenfalls spricht oder eben nicht.
- Arbeit zitieren
- Victoria Schackmar (Autor:in), 2020, Moselfränkischer Dialekt. Weibliche Rufnamen im Neutrum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/972640