Der Werkstoff Papier. Herstellung und Verarbeitungsformen


Facharbeit (Schule), 2000

17 Seiten, Note: 1


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0. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Papiers

3. Die Herstellung früherer Arten von Papier
3.1 Der Papyrus
3.2 Das Pergament
3.3 Das Büttenpapier

4. Das Papier
4.1 Die Herstellung
4.2 Die Eigenschaften

5. Werkzeug zur Papierverarbeitung

6. Pädagogische Schwerpunkte

7. Werkarbeiten
7.1 Origami
7.2 Schmuckpapier
7.3 Prägekarte
7.4 Fotoalbum
7.5 Papiermaché
7.6 Papierschöpfen

8. Quellenverzeichnis

9. Anhang
9.1 Überblick über die Papierarten

1. Einleitung

Ein Werkstoff und Alltagsgebrauchsgegenstand, der aus der heutigen Zeit gar nicht mehr wegzudenken ist.

Wir schreiben auf Papier, wir lesen vom Papier ab, wir verarbeiten Papier.

Ein Buch - ein Stapel Papier, Kommunikationsträger. Sei es eine Zeitschrift, ein Notizzettel, oder auch Geld. Was wäre die Kunst ohne Papier?

Papier finden wir auch im Alltag. Kleider, Schirme. Hygieneartikel, Blumen und Jalousien können aus Paper sein. Kurz gesagt, Papier ist vielseitig, erleichtert den Alltag und öffnet den Weg in die Bildung.

Mit meiner Facharbeit über Papier als Werkstoff möchte ich dem Leser die eben genannte Vielfältigkeit näher bringen. Ich werde versuchen die Geschichte, die Herstellung und vor allem die Verarbeitung des Werkstoffes Papier anhand einiger Beispiele zu erläutern.

Ich hoffe, dass ich dem Leser in seinen Erwartungen an diese Facharbeit gerecht werden kann.

2. Die Geschichte des Papiers

Mit dem Wissen um die Papierherstellung war den Menschen die Möglichkeit gegeben ihre Gedanken und ihr Wissen auf einem dünnen, biegsamen Material niederzuschreiben. Aber es sollte noch ein langer Weg bis zum heutigen Papier sein.

Vor der Papiergewinnung wurde lange Zeit auf den verschiedensten Materialien geschrieben. Die Chinesen schreiben auf Knochen, die sie auch als Orakelknochen verwendeten, die Griechen ritzten ihre Schriftzeichen in Tonscherben und die Germanen schrieben auf Buchenholzschindeln. Daher kommt wahrscheinlich die Bedeutung des Wortes „Buch“. Die ersten, die Papier herstellen konnten, waren die Ägypter. Sie kannten schon 3000 v. Chr. den Papyrus. In weiterer Folge entstand das Pergament, welches aus Tierhäuten gewonnen wurde.

Während der Papyrus und das Pergament zu Rollen geklebt wurden, kam das Buch als solches erst zögernd und auf vielen Umwegen in Gebrauch. Seine Bedeutung im Kulturleben erlangte es nach der Erfindung des Buchdrucks. In China von einem Schmied schon im Jahre 1041 n. Chr. erfunden, gelang diese Kunst in Europa Johann Gutenberg erst im Jahre 1450 n. Chr. Die älteste Weise der Papierherstellung in Europa ist die der Hadernpapiere, bzw. des Büttenpapiers, welches aus Lumpen hergestellt wurde. Ein großer Fortschritt in der Papierherstellung war die Erfindung der mechanisch bewegten Langsiebmaschine durch den Franzosen Louis Robert im Jahre 1799, die das Bereiten endloser Papierbahnen ermöglichte. 1844 begann man statt den Fasern von Lumpen sogenannte Holzschliff zur Papiergewinnung zu verwenden. Die Idee der Langsiebmaschine wurde in den Jahren nach 1844 durch die Gebrüder Fourdrinier weiter gefördert und führte zu den heutigen Papiermaschinen, die imstande sind, über 100.000 kg Papier in 24 Stunden herzustellen. Bei der heutigen Papierherstellung werden dem Papierbrei noch Füllstoffe, wie Gips, beigemengt, um die Räume zwischen den Fasern zu füllen, und dem Papier größere Geschmeidigkeit und glattere Oberflächen zu geben, wie sie für bestimmte Druckverfahren notwendig sind.

3. Die Herstellung früherer Arten von Papier

3.1 Der Papyrus:

Er wird aus der Papyruspflanze, eine Art Schilfgras, gewonnen. Das Mark des Stängels wird in ca. 1,5cm breite, dünne Streifen geschnitten, die dann in zwei Schichten übereinander gelegt werden (die erste Schicht quer, die andere längs). Um eine gute Haftung der beiden Schichten zu erreichen, wird die entstandene Fläche mit einer Art Hammer geklopft. Dabei tritt Feuchtigkeit und Saft aus, der gleichzeitig das Bindemittel ist. Zum Schluss wird das Papyruspapier gepresst und getrocknet.

3.2 Das Pergament:

Kalb-, Rinder-, Schaf- und Ziegenfelle sind das Grundmaterial für Pergamentpapier. Die Tierhäute werden in eine Lauge mit Kalk gelegt, danach gründlich gereinigt und aufgespannt. Nach dem Trocknen, Schaben und einer sorgfältigen Oberflächenbearbeitung können die Tierhäute beidseitig beschrieben werden. Mit Bimsstein konnte man alte Schriften entfernen, wodurch das Pergament mehrfach verwendbar wurde.

3.3 Das Büttenpapier:

Solches Papier wurde aus Lumpen hergestellt, die gründlich zerrissen, zerfasert und in Gefäßen, die man „Bütten“ nannte mit Wasser verrührt. Anschließend schöpfte man das so gewonnene Material auf Gazerahmen in Bogenform ab, wo das Wasser abtropfen konnte. Die Maschen der Stoffgaze drückten sich im Papier ab und gaben ihm seine charakteristische Körnung.

4. Das Papier

4.1 Die Herstellung:

Der Begriff „Papier“ ist sehr weitläufig, zumal es die unterschiedlichsten Arten von Papier gibt, die auch unterschiedlich erzeugt werde. Beispiele sind: Geschenkpapier, Krepppapier, Pappe, Transparentpapier usw. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nur auf die klassische Papierherstellung zurückgreifen, wie sie einst angewandt wurde, und diese erklären.

Die Papierherstellung wurde als die „weiße“ Kunst bezeichnet. Sogenannte Papiermühlen übernahmen einst die Arbeit der heutigen Industrie und stellten in einem langwierigen Verfahren das Papier her. Die Papiermühlen lagen meistens an Wasserläufen und dienten den Wasserrädern als Antrieb des Stampfwerkes. Als Rohmaterial dienten damals Lumpen (heute wird Zellulose verwendet), die - ähnlich wie beim Büttenpapier - zerkleinert und danach eingestampft wurden. Diese Arbeiten wurden in erster Linie von Frauen verrichtet. Nach mehreren Tagen im Stampfwerk kam der Stoffbrei in die „Bütte“, aus welcher das Papier dann abgeschöpft wurde. Wenn nun ein Stapel Papier abgeschöpft war, wurde er in der Spindelpresse gepresst. Es folgte die Trocknung, wobei jedes Blatt vorsichtig vom Stapel abgelöst werden musste, und dann zum Trocknen aufgehängt wurde. Nach mindestens einem Tag der Trocknung wurde die Papieroberfläche mit einer feinen Leimschicht behandelt. Dies geschah in der „Leimbütte“, wo das Papier stapelweise eingetaucht, und danach abermals zum Trocknen aufgehängt wurde. Um das Papier zu glätten, wurde es mit einen Achatstein oder dem Glättehammer noch einmal bearbeitet und gepresst.

4.2 Eigenschaften:

Jedes Papier hat seine herstellungsbedingten Eigenschaften, die in der Verarbeitung häufig berücksichtigt werden müssen.

Wenn man sich ein Blatt Papier genau ansieht, dann erkennt man auf der einen Seite kleine rasterartige Eindrücke die vom Siebgeflecht herrühren auf dem die Papierschicht bei der Herstellung gebildet wurde. Die andere Seite des Papiers weist eine glatte, geschlossene Oberfläche auf. Auf Grund dieser beiden Merkmale unterscheiden wir beim Papier die Siebseite und die Schönseite.

Papier reagiert auch auf Feuchtigkeit. Bei Befeuchtung dehnt es sich aus, beim Trocknen zieht es sich wieder zusammen. Die Laufrichtung spielt beim Verarbeiten des Werkmaterials eine wesentliche Rolle. Es ist jene Richtung in der das Papier durch die Walzen der Papiermaschine gelaufen ist. Zur Laufrichtung gibt es eine goldene Regel: Alle Papierwerkstoffe müssen grundsätzlich gleichlaufend verarbeitet werden.

5. Werkzeuge zur Papier-verarbeitung

Um Papier zu bearbeiten, benötigt man nicht viele unterschiedliche Werkzeuge. Dennoch soll man bei der Wahl des richtigen Werkzeugs darauf achten, welche Art von Papier ich bearbeiten will. Kein Material ist so empfindlich wie Papier. Oft wechseln grobe, kraftaufwendige Arbeiten mit kleinen. In der Regel müssen auch Kartons, die mehrere Millimeter breit sind, mit feinem Papier gemeinsam verarbeitet werden. Deshalb sollte man nicht irgendein, sondern spezielles Werkzeug verwenden. Zur Ausrüstung gehören in der Regel Werkzeuge zum Schneiden und Kleben. Es sollte auch das geeignete Messwerkzeug verwendet werden.

Für den einfachen Beschnitt, sprich die einfachen Schneidearbeiten, genügt eine mittelgroße Schere. Um aber Pappe und Karton zu bearbeiten, sollte eine stabile Pappschere verwendet werden. Für Feinarbeiten können auch noch eine spezielle kleine, spitze Schere, bzw. eine kleine gebogene Nagelschere verwendet werden. Für das Bearbeiten von Pappe eignet sich der Ritzer, der aber ein Spezialwerkzeug ist. Er kann durch ein Universalmesser, dessen Klingen ausgetauscht werden können, ersetzt werden. Im Werkunterricht wird auch das Falzbein verwendet. Man braucht es, wie der Name schon sagt, zum Falzen und Knicken von Papier und Karton, zum Niederreiben geschnittener Papierkanten und zum Anreiben des Bezugsmaterials beim Kleben.

Die Stahlschiene dient als Führungswerkzeug beim Schneiden. Holzlineale sollten deshalb nicht verwendet werden, weil sie auf Karton oder Pappe nicht schwer genug aufliegen. Als Unterlage können Pappstücke aber auch alte Holzbretter verwendet werden. Wenn man nun das Papier geschnitten hat, will man es in einer anderen Form wieder zusammenfügen. Womit wir auch schon bei einem weiteren wichtigen Werkstoff zur Papierverarbeitung wären, dem Klebstoff.

In früheren Zeiten wurde das Papier mit Knochenleim geklebt. Heute gibt es spezielle Kunstharzkleber, die die verschiedensten Firmenbezeichnungen tragen. Für kleiner Arbeiten mit Papier wird meist Klebstoff in Tuben verwendet. Dispersionskleber werden vor allem dann verwendet, wenn sie großflächig aufgetragen werden sollen. Der Vorteil der Dispersionskleber liegt darin, dass sie mit Wasser verdünnbar, aber nach dem Trocknen nicht mehr im Wasser auflösbar sind. Charakteristische Merkmale sind: schnelle Trocknungszeit, starke Klebekraft, Klebefähigkeit auf den unterschiedlichsten Materialien (Leder, Pergament, Stoffe, Metall). Der Zellulosekleister wird immer mit Wasser angerührt und kann in einem Glas mit Schraubverschluss lange aufbewahrt werden.

Zwischen den einzelnen Klebestadien ist es wichtig, das Werkstück auch Trocknen zu lassen. Das Papier nimmt das Wasser, welches im Kleister gelöst ist, auf und kann sich unter Umständen stark wölben. Um dem vorzubeugen, sollte das Papier nach dem Kleben gepresst werden. Dazu eignen sich einerseits die Stockpresse oder die Handpresse. Falls diese aber nicht zur Hand sein sollten genügen auch Schraubzwingen und dicke Spanplattenzuschnitte.

6. Pädagogische Schwerpunkte

Das Basteln mit Papier kann schon sehr früh in der Erziehung angewandt werden. Den ersten konkreten Kontakt mit Papier haben Kinder, wenn sie beginnen auf Papier zu kritzeln. Was man aber noch alles mit Papier machen kann, lernen die Kinder erst später. Und wie in so vielen anderen Bereichen ist das Arbeiten mit Papier nicht immer ungefährlich. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf ein paar Gefahren zur Handhabung der Werkzeuge hinweisen. Das Papier an sich kann schon sehr gefährlich sein. Es hat scharfe Kanten, und mir selbst ist es mehr als einmal passiert, dass ich mich an diesen Kanten geschnitten haben. Vorbeugend sollten die Kinder auf die scharfen Kanten hingewiesen werden.

Den Kindern sollte der genaue Umgang mit dem Werkzeug erklärt werden. Immer wieder erwähnen, dass Messern und Scheren scharfe Werkzeuge sind, die Verletzungen verursachen können. Aber nicht nur auf das eigene Wohl sollte Bedacht genommen werden, sondern auch auf das Inventar. Durch Verwenden einer Unterlage wird der Tisch nicht durch ein scharfes Messer beschädigt. Dies gilt aber auch für die Kleidung im Umgang mit dem Klebstoff. Die Kinder sollten dazu angeregt werden sehr sorgfältig zu arbeiten und nur das notwendige Maß an Klebstoff zu verwenden. Manche Klebstoffe bekommt man nur sehr schwer wieder aus der Kleidung und so können Tränen fliesen, wenn der Lieblingspulli plötzlich im Mülleimer landet. Es empfiehlt sich auch das Anlegen eines Arbeitsmantels zum Schutz der Kleidung.

Auch wenn es viele Gefahren im Umgang mit Scheren und Messern gibt, sollen sie kein Hinderungsgrund für ein Arbeiten mit Papier sein.

7. Werkarbeiten

7.1 Origami:

Diese Art der Werkarbeit kommt aus Japan und ist eine sehr alte Kunst. Mit Hilfe spezieller Falttechniken kann aus einem Blatt Papier eine Figur entstehen. Diese Technik ist nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen sehr beliebt. Wenn man mit Kindern OrigamiFiguren basteln will, sollte man sehr darauf achten, dass der Schwierigkeitsgrad der Figur dem Alter des Kindes entspricht. Origami kann verwendet werden, um einfache Kopfbedeckungen (Malerhut) herzustellen. Eine Vielzahl an Origami-Figuren an einem Holzstab befestigt ergeben ein dekoratives Papiermobile.

Mit Hilfe des Origami versucht man bei Kindern die Feinmotorik zu verbessern und sie zu einem genauen Arbeiten zu bewegen. Oftmals ist Origami die erste Arbeit, die Kinder mit Papier anfertigen und durch die meist quadratische Grundform des Papiers lernen die Kinder erste geometrische Formen und deren Eigenschaften kennen.

Für Origami kann man eigentlich jedes Papier verwenden. Es soll lediglich dünn und reißfest sein. Es gibt eigenes Origamipapier, welches aber sehr teuer ist und in manchen Institutionen deshalb nicht gekauft wird. Zum Basteln eignen sich aber auch Zeitungspapier und Plakatpapier.

Beim Origami gibt es spezielle Anleitungen und Symbole nach denen die Figuren gefertigt werden. Zum Beispiel:

Gleiche Striche [-] Obere Hälfte nach vorne auf die untere Hälfte des Blattes legen und falten (Talfalte)

Strichpunkte [-] Obere Hälfte des Blattes unter die untere legen und falten (Bergfalte)

Breiter schwarzer Pfeil [-] Diesen Teil hier eindrücken

Pfeil mit Schlinge [-] Papiermodel soll umgedreht werden

Gerader Pfeil [-] Nächster Arbeitsvorgang folgt

Wenn man diese Zeichen kennt, versteht man die Anleitungen zum Origami leichter. Als Werkzeug brauchen wir hier im wesentlichen unsere Hände. Falls wir aber kein geeignetes Papier vorfinden, müssen wir es zuschneiden. Also brauchen wir noch eine Schere und ein Lineal. Bei schwierigeren Origami-Figuren kann es sein, dass die Falzstellen sehr dick sind. Deshalb ist hier ein Falzbein recht hilfreich.

Eine sehr einfache Figuren, deshalb für den Einstieg ins Origami gut geeignet, ist der Türkenfez, dessen Bastelanleitung ich hier beigefügt habe:

7.2 Schmuckpapier

A) Kleisterpapier

Kleisterpapier ist sehr leicht herzustellen, und kann als Geschenkspapier, zum Einbinden von Büchern und Heften, als Überzugspapier für Mappen und Schachteln für ein Leporello und für diverse Dekorationszwecke verwendet werden. Der Zeitaufwand Kleisterpapier herzustellen, beträgt ca. 2 Stunden. Bei der Herstellung von Kleisterpapier sollen die Kinder lernen, wie man Farben aufeinander abstimmt und wie man eine Oberfläche mit Ornamenten und einfachen Formen kreativ gestalten kann.

Bevor wir mit der Arbeit beginnen, benötigen wir Material und das passende Werkzeug. Packpapier (als Grundpapier), Tapetenkleister, Holzbeize in verschiedenen Farben, Zeitungspapier als Unterlage und Büffelbeize (bzw. farblose Schuhpaste) sind die Materialien. Ein dicker Pinsel, ein Kartonkamm (der selbst hergestellt wird) und eine Schere sind unser Werkzeug. Der Kartonkamm wird aus Karton ausgeschnitten und zur Musterung des Kleisterpapiers herangezogen. Die Kammzähne können individuell und nach Bedarf gestaltet werden.

Zuerst legen wir das Zeitungspapier auf, um den Kleister nicht auf den Tisch zu verteilen. Wir geben das Packpapier darauf und schon kann es losgehen. Wenn wir den Kleister abgerührt haben, bestreichen wir die gesamte Oberfläche des Packpapiers mit Kleister. Wir grundieren das Packpapier. Anschließend wird die verschiedenfärbige Holzbeize je nach Farbverteilung aufgetragen. Wo ich rote Farbe haben will, gebe ich ein paar Spritzer rot darauf, wo ich gelbe Farbe will, ein paar Spritzer gelb. Mit dem schon erwähnten Kartonkamm oder einer anderen Schablone kann ich nun eine Musterung die mir gefällt einarbeiten. Der helle Packpapiergrund kommt nun wieder zum Vorschein. Bevor wir die Arbeit beenden muss das Kleisterpapier gut trocknen. Dies kann - je nach Kleister - unterschiedlich lange dauern. Abschließend reiben wir die Oberfläche des Kleisterpapiers mit Büffelbeize oder mit farbloser Schuhpaste ein.

B) Marmorpapier

Das Marmorpapier ist eine weitere Form des Schmuckpapiers und ohne viel Aufwand herzustellen. Man benötigt lediglich mehr Material, welche sind: Wasser, Papier, verschiedenfärbige Marmorierfarbe, Marmoriergrund. Wenn diese speziellen Materialien nicht zur Hand sein sollten, kann man auch Ölfarben, Kunstharzlacke, Nitroverdünnung, Terpentin und Tapetenkleister verwenden. Für die Herstellung des Marmorpapiers brauchen wir folgendes Werkzeug: Eine große Wanne, eventuell kann auch ein altes Backblech verwendet werden, Marmorierkamm (ähnlich wie der Kartonkamm beim Kleisterpapier), Zahnstocher, Holzstäbchen, Gummihandschuhe und ein Zeitungspapier als Unterlage.

Als Lehrziele gelten bei dieser Arbeit die selben wie bei der Herstellung des Kleisterpapiers, nämlich Anregung der Phantasie und kreative Gestaltung einer Oberfläche. Verwendet werden kann das Marmorierpapier als Geschenkspapier, als Briefpapier und zum Beziehen bzw. Einbinden von Heften, Büchern und Mappen und für verschiedenste Dekorationen.

Wie sieht nun der Arbeitsvorgang aus? Zuerst wird die Wanne oder das alte Backblech mit Wasser gefüllt, der Marmoriergrund oder der Tapetenkleister dazugegeben. Der Marmoriergrund bzw. der Tapetenkleister schwimmen an der Oberfläche des Wassers. Deshalb sollte man das Wasser und die Grundierung ein wenig verrühren und die Luftblasen entfernen. Anschließend sollte gleich Zeitungspapier am Arbeitsplatz aufgelegt werden, damit das fertige Papier dort zum Trocknen aufgelegt werden kann. Auf die vorbereitete Wasseroberfläche wird nun Marmorierfarbe aufgetropft und mit verschiedenen Werkzeugen zu einem Muster verarbeitet. Nun nimmt man ein gewöhnliches Blatt Papier und nimmt das Muster von der Wasseroberfläche ab. Das Blatt muss dabei sanft auf die Wasseroberfläche gelegt werden, damit keine Luftblasen entstehen. Blatt sofort wieder abheben, vorsichtig auf das Zeitungspapier legen und trocknen lassen.

Die Marmoriertechnik lässt sich aber nicht nur bei Papier anwenden. Alternativen wären Marmoriertechniken auf Pappe, Stoffe, Holz, Eier und viele mehr.

7.3 Prägekarte

Wie oft passiert es uns, dass wir keine geeigneten Glückwunschkarten für einen lieben Menschen finden. Da hilft es nur, sich selber eine zu basteln. Eine Möglichkeit wäre die Prägekarte. Wer schon einmal mit der Linolschnitttechnik gearbeitet hat, wird sich wahrscheinlich schon vorstellen können, um was es hierbei geht. Man prägt ein Muster von diesen vorgeschnittenen Platten auf Papier.

Was benötigen wir überhaupt, um dieses Werkstück anzufertigen, wenn man keinen fertigen Linolschnitt zur Verfügung hat? Ganz einfach: Ein Stück Linoleum (die Größe hängt davon ab, wie groß die Karte bzw. das Motiv werden soll), Linolschneidewerkzeug (ein breites und ein schmales Messer). Weiters brauchen wir Pauspapier, ein Blatt weißes Schreibpapier, zwei Geschirrtücher, eine doppelte Briefkarte, Buntstifte, eine Schüssel mit Wasser und ein Bügeleisen.

Bevor nun begonnen wird sollten die Kinder noch einige Hinweise zum sorgfältigen Umgang mit dem Linolschneidewerkzeug erhalten, um Verletzungen zu vermeiden (Grundsätzlich immer von der Hand weg schneiden!).

Wir entwerfen zuerst ein Motiv, welches wir als Ornament auf der Karte haben möchten, auf dem Schreibpapier. Mit dem Pauspapier wird nun das Motiv auf die Linolplatte übertragen. Wir schneiden mit dem schmalen Messer die Umrissformen und die feinen Zwischenlinien heraus. Mit dem breiten Schneidemesser entfernen wir nun das Linoleum um das Motiv herum, so dass das Motiv erhaben hervortritt. Somit haben wir den Prägestempel angefertigt, der nun beliebig oft und auch für andere Druckverfahren verwendet werden kann. Nun nehmen wir ein Geschirrtuch und breiten es auf unserer Arbeitsfläche aus. Es soll uns als Unterlage für die weiteren Arbeitsschritte dienen. Auf das Geschirrtuch legen wir den Prägestempel. Wir nehmen die Schüssel mit Wasser und tauchen die doppelte Briefkarte sorgfältig ins Wasser. Dabei muss die ganze Karte mit Wasser bedeckt sein. Wir lassen die Karte einen kurzen Augenblick im Wasser liegen, damit sie sich mit Wasser voll saugen kann. Jetzt nehmen wir die nasse Karte aus dem Wasser und legen sie auf den Linolschnitt. Mit dem zweiten Geschirrtuch wird die Karte nun fest auf den Prägestempel gedrückt. Dabei saugen beide Geschirrtücher das aus der Karte heraustretende Wasser auf. Die Karte wird dann vorsichtig vom Stempel abgezogen und zum Trocknen aufgelegt. Wenn sich das Papier nun wellen sollte, kann man es nach dem Trocknen sorgfältig glatt bügeln. Aber Achtung: Man darf dabei nicht mit dem Bügeleisen über das geprägte Motiv fahren. Wer seine Karte dann noch farbig gestalten möchte, kann nachträglich mit einem Buntstift flach über die Karte fahren. Dadurch kommt die Papierstruktur und das Prägemotiv deutlicher zum Vorschein.

7.4 Fotoalbum

Die Herstellung eines Fotoalbums ist sehr Zeitintensiv, da längere Trocknungszeiten bei der Anfertigung notwendig sind.

Bevor wir überhaupt mit der Werkarbeit beginnen, müssen wir uns überlegen wie groß unser Album werden soll, und ob wir ein Album mit offenem oder geschlossenem Rücken anfertigen. Wir basteln ein Album mit geschlossenem Rücken.

Wenn ich mir nun über die Größe des Albums klar geworden bin, suche ich zuerst geeignete Innenblätter aus. Dann erst beginne ich mit den Deckeln, die ein geringes Maß über die Innenblätter drüber stehen sollen. Anfangs ist es auch ratsam sich darüber Gedanken zu machen, in welcher Form ich das Album binden möchte. Bei meiner Arbeit habe ich eine Kordelschnürung verwendet. Wem dies aber zuviel Aufwand ist, der kann sich Buchschrauben im Handel erwerben. Wie schon im allgemeinen Teil zum Thema Papier erwähnt, sollte auch immer die Laufrichtung des Papiers beachtet werden. Die Laufrichtung bei den Innenblätter sollte immer in Richtung Blattlänge gehen, also von oben nach unten verlaufen.

Nun beginnen wir mit der Herstellung der Buchdeckel. Für ein Fotoalbum empfiehlt es sich eine ca. 2,5mm dicke Buchbinder-Graupappe zu verwenden. Wir schneiden dieses in den geeigneten Maßen zu. Von der vorbereiteten Pappeinlage werden ein etwa 3cm und ein 2- 3mm breiter Streifen abgeschnitten. Der breite Streifen dient der Bindung. Der schmale Streifen schafft Raum für das Scharniergelenk und muss später beim Pressen in die Gelenkfuge eingelegt werden. Das Scharnier bildet die Graupappe und das Buchbinderleinen. Ein mit den entsprechenden Maßen zugeschnittener Buchbinderleinen verbindet den Deckel des Albums mit dem breiten Streifen, der heruntergeschnitten wurde. Beim Zuschneiden muss auch darauf geachtet werden, dass in der Länge jeweils genügend Gewebe übersteht, um das Leinen gut mit dem Karton verbinden zu können. Ein Zwischenraum in der Breite des schmalen Streifens wird freigelassen, damit das so gebildete Scharnier funktionieren kann. Wenn man nun das Leinen am Karton angeklebt hat folgt die erste Pressung, damit sich der Karton nicht wölben kann, weil er die Feuchtigkeit des Kleisters aufnimmt.

Anschließend wird das Bezugspapier zugeschnitten. Es kann jede Art von Papier verwendet werden. Der Kleister wird großflächig aufgetragen und das Papier auf den Karton aufgebracht. Hier muss sehr sorgfältig gearbeitet werden, damit sich keine Luftblasen unter dem Papier bilden. Ein Tipp dazu: Das Papier sollte von der Mitte weg nach außen hin aufgetragen und mit einem weichen Tuch und durch gleichmäßiges Anreiben aufgedrückt werden. Um auch hier eine Wölbung des Papiers auf Grund der Feuchtigkeit zu vermeiden, wird der Deckel des Albums erneut gepresst.

Wenn die beiden Deckel des Albums fertig sind, können wir uns den Innenblättern und dem Verbinden mit den Deckeln widmen. Wir bezeichnen auf den Deckeln und auf den Innenblättern die Buchbindungsstellen und schlagen diese mit einem Locheisen ein. (Lochzange oder Bürolocher eignen sich dazu nicht, weil die Lochstellen im Material zu tief liegen). Nun verbindet man die Deckel mit den Innenblätter, wie man es sich zuerst überlegt hat. Und schon hat mein ein selbst angefertigtes Album für seine Lieblingsfotos.

7.5 Papiermaché

Das Herstellen und das Arbeiten mit Papiermaché ist ganz eine spezielle Art, Papier als Werkstoff zu verwenden. Schon im Volksschulalter werden Puppenköpfe und Masken aus Papiermaché gefertigt. Was braucht man eigentlich um Papiermaché herzustellen? Ganz einfach: Kleister, eine Schüssel mit Wasser, viel unterschiedliches Altpapier, Pinsel, Holzstäbchen (zum Abrühren des Kleisters), Zeitungspapier als Unterlage und einen Arbeitsmantel, oder alte Kleidung, die nicht mehr gebraucht wird.

A) Masken und Puppenköpfe

Eine Vorstufe zur Arbeit mit Papiermaché ist das sogenannte Kaschieren. Das Wort Kaschieren bedeutet eigentlich „mehrschichtiges Übereinanderkleben von Papier“. Bevor wir aber mit dem Kaschieren beginnen, benötigen wir zuerst ein Gerüst auf dem wir das Papier aufbringen können. Das Gerüst ist meist ein aufgeblasener Luftballon. Wenn ein solcher aber nicht zur Hand sein sollte, klebt man einfach Pappstreifen zusammen. Die erste Auflage besteht aus saugfähigen Papierstücken, die mit einem noch weniger feuchten Kleber aufgebracht werden. Für die zweite und dritte Lage sollte man dann unterschiedliche Farben verwenden. Wir können dadurch leichter erkennen, an welcher Stelle noch eine Schicht Papier fehlt. Weiters ist der Kleber zu wechseln. Die erste Schicht haben wir mit einem weniger feuchten Kleber aufgebracht. Bei den folgenden Schichten verwenden wir aber ausschließlich Kleister. Dies ist deshalb wichtig, weil der Kleister länger zum Trocknen braucht und somit die obersten Schichten länger plastisch verformbar bleiben. Wichtig beim Auftragen der Schichten ist es, dass man kleine, gerissene Papierstücke verwendet, die zuvor gut im Kleister getränkt wurden, und dass sich die Papierstücke schuppenartig überlappen. Die letzte Schicht beim Kaschieren sollte ausschließlich mit weißen Papierfetzen aufgetragen werden, um einen einfärbigen und geschlossenen Untergrund für die Bemalung zu haben. Erst nach einigen Tagen, wenn die kaschierten Schichten gut durchgetrocknet sind, kann der Luftballon zerstochen, der Kopf mit farbigem Seidenpapier beklebt oder mit Plakatfarben bemalt werden. Pelzreste, Wollfäden und Krepppapier ergeben den Bart oder die Haare des Kopfes. Wenn wir uns aber eine Maske fertigen wollen, müssen wir den hinteren Teil des Kopfes wegschneiden und eventuell Sehlöcher bzw. Sehschlitze an der richtigen Stelle anbringen. Natürlich kann man auch den Mund ausschneiden.

Das eigentliche Papiermaché wird aber auf eine ganz andere Art und Weise hergestellt. Um zum Beispiel Puppen für in Puppentheater herzustellen eignet sich folgende Art des Werkens besser als das Kaschieren:

Die verschiedensten Papierarten, darunter auch Karton, werden fein zerrissen (nicht geschnitten) in einen Topf mit etwas Wasser gegeben und unter Rühren so lange gekocht, bis sich die Fasern lösen und ein gleichmäßiger Brei entsteht. Dieser wird nach dem Erkalten mit dick angerührtem Tapetenkleister und einem Füllstoff (Schlämmkreide) vermengt und mit den Händen gut durchgeknetet. Es muss eine verformbare Masse entstehen. Bröckelt die Masse beim Kneten, muss mehr Kleister dazugegeben werden. Nun können wir mit dem Modellieren beginnen. Wir nehmen ein Flasche, füllen ein wenig Sand oder Ähnliches zum beschweren ein, und stecken ein zeigefingergroßes Rundholz hinein, welches ca. zehn Zentimeter aus dem Flaschenhals herausragen sollte. Aus einem gefalteten Packpapierstreifen wickelt man eine Fingerrolle, die man auf das Rundholz aufsteckt.

Nun kann der Kopf um diese Rolle herum modelliert werden. Anfänglich sollte man sich nur auf die Grundform des Kopfes (Eirund des Kopfes mit Nase und Nase) konzentrieren. Nach längeren Zwischentrocknungszeiten lassen sich die Kleinformen (Lippen, Kinnpartie und Ohren) gut einarbeiten. Zum Schluss sollte der Kopf in einem warmen Raum mindestens zwei Wochen lang gut getrocknet werden, bevor wir ihn mit Deckfarben bemalen und fertig stellen.

B) Obst aus Papiermaché

Das Herstellen von Puppen und Masken sind die klassischen Möglichkeiten, um das Arbeiten mit Papiermaché kennen zu lernen. Eine weitere Arbeit mit Papiermaché kann als nettes Mitbringsel verwendet werden. Ein Korb mit Obst (Apfel, Banane und Birne) aus Papiermaché.

Um dieses Werkstück zu fertigen benötigen wir einerseits das von mir schon vorher erwähnte Material und Werkzeug, und zusätzlich noch Wasserfarben und klaren Sprühlack. Wie immer zu Beginn einer Arbeit sorgen wir für eine geeignete Arbeitsunterlage. In diesem Fall sollte sie abwaschbar und nässeverträglich sein. Ein alter Tisch wäre genau das Richtige. Beginnen wir mit dem Apfel. Wir nehmen einen Doppelbogen Zeitungspapier, legen ihn auf die Arbeitsfläche und bestreichen ihn mit den Fingern auf der Oberfläche gründlich mit Kleister. Anschließend knüllen wir ihn zu einer prallen Kugel zusammen. Um dese Form gut zusammen zu halten bestreichen wir zusätzlich noch einen Zeitungsbogen mit Kleister und wickeln ihn um die Kugel. Eine Ecke lassen wir jedoch abstehen und verzwirbeln sie zu einem Apfelstiel. Jetzt nehmen wir einen Bogen weißes Papier und zerreißen es in kleine Stücke, die wir um den Apfel mit Kleister aufkleben um einen einfärbigen Untergrund zu schaffen. Bevor wir den Apfel nun bemalen können, muss er mindestens einen Tag lang trocknen. Wenn die Farbe dann gut gedeckt hat und abgetrocknet ist, besprühen wir unser Werkstück mit Klarlack. Dies gibt dem Apfel eine kräftigere Farbe und schützt die Oberfläche.

Die Birne wird ähnlich hergestellt. Wir stellen eine Papiermachékugel aus einem eingekleisterten Doppelbogen Zeitungspapier her und eine weitere aus einem einfachen Zeitungsbogen. Wir geben etwas Klebstoff (trocknet schneller als der Kleister) zwischen die beiden Kugeln und drückt sie aufeinander. Nun wickeln wir einen weiteren Bogen Zeitungspapier um die beiden Kugeln. Wieder lassen wir eine Ecke abstehen, die wieder zum Stiel verarbeitet wird. Es werden nun - wie beim Apfel - weiße Papierfetzen aufgebracht und die Birne angemalt und die Farbe mit Klarlack fixiert.

Die Banane entsteht aus einem Doppelbogen Zeitungspapier, welches in Wurstform geknüllt wird. Zur Fixierung der Form umkleben wir die Wurst wieder mit einem einfachen Zeitungspapier. Zum Schluss wird die Banane wieder mit Schnipseln aus weißem Papier beklebt und nach einem Tag Trockenzeit mit Gelb und Braun bemalt und klar lackiert.

7.6 Papierschöpfen

Wer Papier nicht einfach nur kaufen, sondern es selbst herstellen will, für den gibt es die Möglichkeit zu Hause Papier selbst zu schöpfen. Selbstgeschöpftes Papier kann in weiterer Folge zu stilvollen Grußkarten, Briefpapier, Kuverts, Einbänden, Geschenkverpackungen und Collagen weiterverarbeitet werden.

Was brauchen wir zum Papierschöpfen? Zuerst sollte die Raumfrage geklärt werden. Da beim Papierschöpfen viel mit Wasser gearbeitet wird, wäre ein ausgefliester Raum am idealsten. Im Sommer kann man auch im Freien arbeiten.

Für das Papierschöpfen benötigen wir eine Menge Material und Werkzeug. Nämlich: Altpapier, Plastikeimer und Schüsseln, eine Wanne (30-50cm tief), ein Brett (45x30cm), Allzwecktücher, 10 Filzstücke, eine Sprühflasche, Wäscheleine oder Wäscheständer, Presse, Schöpfrahmen (der selbst hergestellt werden kann und aus Deckelrahmen und Siebrahmen besteht).

Und schon kann es losgehen. Wir können verschiedenste Papiere herstellen, wie zum Beispiel Wasserfarbenpapiere, Tintenfeste Papiere oder verschiedenfärbige Papiere. Bevor wir aber zu sehr ins Detail gehen wollen wir uns einmal den genauen Vorgang des Papierschöpfens ansehen. Wir stellen zuerst den Faserbrei her, indem wir das Altpapier in kleine Stücke zerreißen (ähnlich wie beim Papiermaché), in einen Eimer geben und diesen mit Wasser auffüllen. Dann lässt man den Brei ca. 16 Stunden lang stehen. Der Faserbrei, der entsteht, sollte dicker als 1,5mm sein, da er sich sonst nur mühsam abschöpfen lässt. Wenn er dünner als 1,5mm ist, muss mehr Fasermaterial hinzugefügt werden. Wenn der Brei nun die gewünschte Dicke aufweist, rühren wir ihn mit der Hand noch einmal durch. Die Schöpfform (Deckelrahmen und Siebrahmen) wird eingetaucht und aus der Wanne gehoben. In waagrechter Haltung bewegen wir den Schöpfrahmen hin und her und vor und zurück. Diese Bewegung ist notwendig, um die Faserteile miteinander zu verbinden. Nun halten wir den Schöpfrahmen schräg, um das Wasser abrinnen zu lassen. Wir nehmen den Deckelrahmen ab und achten darauf, dass keine Wassertropfen auf das abgeschöpfte Papier fallen. Wir sind aber noch nicht fertig. Es folgt jetzt das Gautschen.

Wir nehmen ein Brett und legen darauf zwei Gautschtücher (Filz), die wir vorher mit der Sprühflasche angefeuchtet haben. Darauf legen wir ein Allzwecktuch. Danach drehen wir den Siebrahmen mit der Siebseite nach unten und rücken ihn mit einer rollenden Bewegung von rechts nach links und zurück auf die Unterlage. Dann wird wieder ein Allzwecktuch eingelegt und das nächste Blatt abgegautscht. Nach fünf Blättern sollte man wieder ein Gautschtuch auflegen. Wenn wir nun einen Stapel von Blättern und Gautschtüchern haben, wird ein weiteres Brett oben auf gelegt und der ganze Stapel wird unter die Presse geschoben.

Als letzter Schritt folgt das Trocknen und Glätten. Wir hängen die Blätter mit den Allzwecktüchern zum Trocknen auf, weil sich die Blätter trocken besser ablösen lassen. Wenn die Blätter getrocknet sind, kann man sie mit dem Bügeleisen noch vorsichtig glätten. Wenn man jetzt Wasserfarben- und Tintenfeste-Papiere herstellen will, muss das Papier noch weiter behandelt werden. Um das Papier schreibfest zu machen, nimmt man Gelatine. Diese wird laut Gebrauchsanweisung abgerührt und dann mit einem breiten Pinsel sofort auf das getrocknete Papier beidseitig aufgetragen und abermals getrocknet. Will man das handgeschöpfte Papier mit Tinte beschreiben, so sollte man zum Faserbrei etwas Tapetenkleister dazugeben.

Es gibt nun verschieden Möglichkeiten, wie ich das handgeschöpfte Papier weiter verarbeiten kann. Ich kann es prägen (ähnlich wie bei der Prägekarte), Reliefs einbringen und fast alles damit tun, was ich mit maschinell gefertigtem Papier auch tun kann. Es darf aber nicht vergessen werden, dass handgeschöpftes Papier nicht sehr strapazierfähig ist. Abschließend möchte ich noch kurz erklären, wie man Reliefs in handgeschöpftes Papier bringt. Wir brauchen zunächst einen speziellen Faserbrei, der nur noch so viel Wasser enthält, wie es sich nach einem sorgfältigen Abgießen in ein Sieb ergibt. Weiters brauchen wir noch verschieden Back-Modelle. Zunächst bestreichen wir die Backform mit Glyzerin, damit sich die Papiermasse später leichter lösen lässt. Mit einer kleinen Spachtel oder einem Löffel füllen wir die Masse in die Form, und zwar so, dass die Masse ca. 1cm zusätzlich aufliegt. Um den Brei zu festigen schlagen wir mit einem Brett darauf. Nach 24 Stunden ist die Masse getrocknet und kann aus der Form genommen werden.

8. Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

9. Anhang

9.1 Überblick über die Papierarten

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Der Werkstoff Papier. Herstellung und Verarbeitungsformen
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V97276
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Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papier
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Markus Woschitz (Autor), 2000, Der Werkstoff Papier. Herstellung und Verarbeitungsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97276

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