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Das Anti-Aggressivitäts-Training als Impulsgeber für neue Lernformen an Schulen?

Title: Das Anti-Aggressivitäts-Training als Impulsgeber für neue Lernformen an Schulen?

Diploma Thesis , 2001 , 83 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Raik Lößnitz (Author)

Social Work
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Obwohl das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) inzwischen auf eine fast zwanzigjährige Entwicklung zurückblicken kann, so gilt es in der fachöffentlichen Diskussion doch noch immer als relativ neuer Ansatz. Dass neue Ansätze und Methoden schnell polarisieren, sie also sowohl Prediger, Befürworter und unkritische Anhänger als auch Skeptiker, Kritiker und Ablehner hervorbringen, ist nichts Neues und trifft für das AAT mindestens in dem Maße zu, wie es auch bei vielen anderen Bindestrich-Methoden zu beobachten war und ist.
Auch sorgen neue (und wie beim AAT) manchmal spektakulär daherkommende und (zum Teil leider auch popularistisch) in Szene gesetzte Methoden, Hintergründe und Inhalte ebenso schnell für Irritationen und Unverständnis oder gar Unmut unter den sozial- und erziehungswissenschaftlichen Fachtraditionalisten wie sie andererseits, von vielen Theoretikern wie Praktikern mit Erwartungen und Königswegphantasien überhäuft, überhöht und überfordert werden.

Doch sind es nicht genau diese Ansätze und Methoden, die heute in einer krisen-, gewalt- und mangel-"gebeutelten" Schule von Nöten sind, in einer Zeit, in der Lehrer nicht selten mit dem Rücken an der Wand stehen und Schüler (vornehmlich männliche) bereit sind, in Streetgang-Manier, mit dem Kopf durch selbige zu marschieren?

Dieses Buch geht der Frage nach, ob die fachtheoretischen Hintergründe, die methodischen Elemente und praktischen Erfahrungen dieser, ursprünglich für den Jugendstrafvollzug entwickelten Präventionsmethode, für eine gewaltpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genutzt und auf die Bedingungen und Probleme von Schule heruntergebrochen werden können. Kann das "Hamelner AAT-Modell" für eine gewaltpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genutzt und auf die aktuellen Bedingungen und Probleme von Schulen herunter gebrochen werden? Kann dieser Präventionsansatz Impulse für ein neues Lernen, für eine sichere und attraktivere Schule geben und kann er zur Förderung von solidarischem Verhalten, von Fürsorge und Empathie und zur Reduzierung von Gewalt beitragen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aggression, Aggressivität, Gewalt

2.1. Gewaltdiskurse in der Öffentlichkeit

2.2. Begriffserklärungen und Definitionen

3. Theorien und Erklärungsansätze aggressiven Verhaltens

3.1. Psychologische Ansätze

3.1.1. Operantes Konditionieren

3.1.2. Imitationslernen - Lernen am Modell

3.1.3. Frustrations-Aggressions-Theorie

3.2. Gesellschaftliche Bedingungen und soziologische Erklärungsansätze

3.2.1. "Risikogesellschaft" und "Soziale Desintegration"

3.2.2. Anomie - Theorie

3.2.3. Etikettierung (Labeling Approach)

3.4. Zusammenfassung genannter Aggressionstheorien und Schlußfolgerungen aus der Sicht des Anti-Aggressivitäts-Trainings

4. Was Hänschen (nicht) lernt... - Über den Erwerb der Geschlechterrolle

4.1. Psychologische Erklärungsansätze

4.1.1.Lern - und kognitionspsychologische Erklärungsansätze

4.1.2. Das psychoanalytische Modell

4.2. Männliche Sozialisation

4.2.1. Die Mutter-Sohn-Dyade

4.2.2. Das Fehlen des Vaters, die Suche nach Männlichkeit, der "neue Mann" am Horizont

4.3. Jungenarbeit

5. Zum Begriff Prävention

6. Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)

6.1. Entstehungsgeschichte und Zielgruppe des "klassischen AAT" nach Weidner / Heilemann

6.2. Verschiedene Modelle

6.3. Theoretische Bezugspunkte des klassischen AAT

6.4. Die vier Phasen des "klassischen AAT"

6.4.1. Integrations-und Deskriptionsphase

6.4.2. Konfrontationsphase

6.4.3. Gewaltverringerungsphase

6.4.4. Nachbetreuungsphase

6.5. Notwendigkeit der Provokation und Konfrontation aus Sicht des Weidner'schen AAT-Modells

6.6. Kritische Betrachtung des klassischen Weidner'schen Ansatzes

7. Das AAT (Hamelner Mode ll) als wachstumsförderndes und emanzipatorisches Pädagogik- und Lernmodell

7.1. Die Grundform: Das Hamelner Modell "2000"

7.1.1. Leitbild: Von der Kritikkultur zur Lobkultur

7.1.2.Das Attraktivitätstraining als zentrale Phase

7.2. Vom Hamelner Modell 2000 zum "Jungencoaching" - "neues Lernen" für "neue Männlichkeit"

8. Braucht Schule "neues Lernen"?

8.1. Schule in der Krise - Krise in der Schule? Zur Situation der Schule in der Gegenwart.

8.2. "Selbstachtung und Körperorientierung"- "neues Lernen" für Lehrer und Schüler? (Vorstellungen zur Entwicklung eines neuen Schulfaches nach Heilemann)

8.2.1. Schutzauftrag geht vor pädagogische Arbeit - Thesen für Schulleiter und Lehrer

8.2.2. Curriculare Eckpfeiler für "Selbstachtung und Körperorientierung" an Grundschulen

8.2.3. Empfehlung an die SchulpolitikXV

9. Zusammenfassende Schlußbetrachtung

10. Anmerkungen

11. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht, ob die theoretischen Hintergründe, methodischen Elemente und praktischen Erfahrungen des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) für eine gewaltpräventive Arbeit in Schule und Jugendarbeit adaptiert werden können, um neue Lernformen zu etablieren und destruktives Verhalten zu reduzieren.

  • Theoretische Analyse von Aggression, Gewalt und männlicher Sozialisation.
  • Untersuchung des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) und seiner methodischen Entwicklung.
  • Kritische Reflexion von Gewaltpräventionsmodellen in der Jugendhilfe.
  • Entwicklung neuer pädagogischer Perspektiven für die Schule ("neues Lernen").
  • Diskussion über "Jungenarbeit" und "Jungencoaching" zur Förderung einer friedfertigen Männlichkeit.

Auszug aus dem Buch

2.1. Gewaltdiskurse in der Öffentlichkeit

Gewalt von und unter Kindern und Jugendlichen ist seit Beginn der neunziger Jahre sowohl in den Medien als auch in der (fach-) öffentlichen Diskussion zum „Leitlinienthema“ (Simon 1996, S.17) geworden. Vor allem durch die fremdenfeindlichen Anschläge in verschiedenen Städten der alten und neuen Bundesländer, ist die Öffentlichkeit seit dieser Zeit, gegenüber allen Formen von Jugendgewalt und jugendlicher Devianz, in erhöhtem Maße sensibilisiert. Der Umgang mit und die Reaktionen auf diese(r) Thematik ließen den Eindruck entstehen, als ginge es um eine noch nie dagewesene Problematik. Devianz von Jugendlichen und insbesondere Jugendgewalt ist jedoch kein Phänomen der neunziger Jahre und beschäftigt auch nicht erst seit der „Wendezeit“ Politiker, Medien und Öffentlichkeit. Vielmehr ist Jugendgewalt ein „zeitloses Phänomen“, wie Titus Simon in seiner eingehenden Betrachtung der „Sozialgeschichte aggressiver Jugendkulturen“ aufzeigt, und „in unserer Gesellschaft mindestens so alt wie das Automobil“ (Simon 1996, S. 15-23).

In seinen historisch differenzierten Vergleichen verschiedener Jugendkulturen und deviant-aggressiver Gruppen – von den „Edelweißpiraten“ im Dritten Reich bis zu den Hooligans, Punks und Skinheads in der heutigen Zeit – weist Simon darauf hin, daß gewalttätige Handlungen in allen Jugendkulturen mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen „korrespondierten“. Sie gingen zu allen Zeiten einher mit den, aus gesellschaftlichen Wandlungsprozessen resultierenden, Verunsicherungen und Krisen. Sie waren seit jeher Ausdruck jugendspezifischer Auflehnung und Abgrenzung, von Anpassungsdruck in Cliquen, von Reizsuche und nicht zuletzt auch Bestandteil „maskuliner Orientierung“, sowie der Pflege eines tradierten Männlichkeitskults. Ebenso wenig neu ist, so Simon, der Einfluß der Sensationsberichterstattung durch die Medien, die damals wie heute wesentlich zur Gewaltförderung- und nachahmung beitrug und beiträgt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Bedarf an neuen gewaltpräventiven Impulsen in Jugendhilfe und Schule angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und prüft das AAT als mögliches Modell.

2. Aggression, Aggressivität, Gewalt: Dieses Kapitel analysiert öffentliche Gewaltdiskurse und definiert die zentralen Begriffe, um ein Verständnis für die komplexen Erscheinungsformen zu schaffen.

3. Theorien und Erklärungsansätze aggressiven Verhaltens: Es werden psychologische, soziologische und gesellschaftliche Ansätze dargelegt, die als theoretisches Fundament für Interventionsmodelle dienen.

4. Was Hänschen (nicht) lernt... - Über den Erwerb der Geschlechterrolle: Hier wird der Zusammenhang zwischen männlicher Sozialisation, dem Streben nach Männlichkeit und Gewaltpotential sowie die Notwendigkeit von Jungenarbeit untersucht.

5. Zum Begriff Prävention: Dieses Kapitel verortet den Präventionsbegriff im sozialpädagogischen Kontext und differenziert zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention.

6. Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT): Detaillierte Betrachtung der Entstehung, der Modelle, der Phasen sowie der theoretischen Grundlagen und Kritikpunkte des AAT.

7. Das AAT (Hamelner Mode ll) als wachstumsförderndes und emanzipatorisches Pädagogik- und Lernmodell: Vorstellung der Modifikation zum "Konzept 2000" mit Fokus auf "Lobkultur" und Kompetenzerweiterung für Jungen.

8. Braucht Schule "neues Lernen"?: Analyse der gegenwärtigen Schulkrisen und Diskussion über die Übertragbarkeit von Leitideen des AAT auf den Schulalltag zur Verbesserung des Schulklimas.

9. Zusammenfassende Schlußbetrachtung: Fazit über die Möglichkeiten, durch neue Lernformen und geschlechtsspezifische Arbeit langfristig zur Gewaltreduzierung beizutragen.

Schlüsselwörter

Anti-Aggressivitäts-Training, AAT, Gewaltprävention, Jungenarbeit, Jungencoaching, Schule, Sozialisation, Männlichkeit, pädagogische Intervention, Konfliktbewältigung, Lobkultur, Hamelner Modell, soziale Kompetenz, jugendliche Gewalt, Schulentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht, wie Methoden aus dem Anti-Aggressivitäts-Training genutzt werden können, um gewaltpräventive Impulse für Schule und Jugendarbeit zu gewinnen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt Aggressionstheorien, geschlechtsspezifische Sozialisation von Jungen, das AAT als pädagogisches Modell und die notwendige Schulentwicklung in der modernen Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu prüfen, ob das AAT-Modell Impulse für ein "neues Lernen" bieten kann, das solidarische Verhaltensweisen fördert und männliches Rollenverhalten positiv beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, psychologischer und pädagogischer Ansätze sowie auf der Auswertung von Konzepten und Erfahrungen aus der Praxis des AAT.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonstruktionen, die detaillierte Darstellung des AAT und Überlegungen zur Übertragbarkeit dieser Ansätze auf den Schulalltag.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gewaltprävention, Jungenarbeit, AAT, Männlichkeit und Schulentwicklung charakterisiert.

Wie unterscheidet sich das AAT nach Weidner vom "Hamelner Modell 2000"?

Während das klassische AAT stark konfrontativ und auf Verhaltensregulierung fokussiert ist, legt das "Konzept 2000" den Schwerpunkt auf eine "Lobkultur" und eine ganzheitliche Wachstumsförderung durch Kompetenzerwerb.

Warum spielt die Jungenarbeit eine so große Rolle für die Gewaltprävention?

Da körperliche Gewalt in der Regel ein männliches Phänomen ist, setzt die Arbeit an der Entwicklung einer friedfertigen Männlichkeit und dem Abbau tradierter Rollenmuster an, um Gewalt bei Jungen ursächlich entgegenzuwirken.

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Details

Title
Das Anti-Aggressivitäts-Training als Impulsgeber für neue Lernformen an Schulen?
College
University of Applied Sciences Frankfurt am Main  (Fachbereich Sozialarbeit)
Grade
sehr gut
Author
Raik Lößnitz (Author)
Publication Year
2001
Pages
83
Catalog Number
V9728
ISBN (eBook)
9783638163521
ISBN (Book)
9783638697811
Language
German
Tags
Gewalt Kinder- und Jugendgewalt Gewaltprävention Anti-Aggressivitäts-Training Coolness-Training Schulsozialarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Raik Lößnitz (Author), 2001, Das Anti-Aggressivitäts-Training als Impulsgeber für neue Lernformen an Schulen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9728
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