Die militärtechnischen Bedingungen der Marinen im amerikanischen Bürgerkrieg


Ausarbeitung, 2000
8 Seiten

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Die militärtechnischen Bedingungen der Marinen im amerikanischen Bürgerkrieg

Vorwort

Obwohl dem Geschehen an Land mehr Betrachtung seitens der Geschichte geschenkt wurde, ist die Entwicklung der beiden Seestreitkräfte von kriegsentscheidender Rolle gewesen. Die Durchsetzung des Anakondaplanes hing von einer wirksamen See- und Mississippiblockade ab. Auch die Einnahme der konföderierten Häfen durch kombinierte Landungsunternehmen von Heer und Marine bedingten den Sieg der Union. Um dies jedoch zu erreichen musste die U S Navy in einen technischen Wettlauf mit der konföderierten Marine treten, welche mit allen Mitteln die Seeblockade aufheben wollte.

Um aufzuzeigen, dass die im Bürgerkrieg verwendeten neuen Waffensysteme nicht erst in ihm erfunden wurden, sondern auf Entwicklungen vor dem Krieg beruhen, möchte ich einen kurzen Überblick über die Entwicklung der U. S. Navy vor dem Bürgerkrieg geben.

Zeitleiste zur Entwicklung der U.S. Navy vor Ausbruch des Bürgerkrieges:

07. September 1776: Das erste amerikanische U-Boot American Turtle kommandiert von Ezra Lee scheiterte beim Anbringen eines Sprengsatzes an das britische Kriegsschiff HMS Eagle in New York. 13. August 1777: David Bushnell machte den ersten Unterwassertorpedoangriff mit einem spear torpedo gegen das britische Kriegsschiff HMS Cerberus. Er blieb jedoch erfolglos.

29. Oktober 1814: Das erste amerikanische Kriegsschiff mit Dampfantrieb wurde in New York zu Wasser gelassen. Die Dampffregatte USS Fulton besaß Schaufelradantrieb und 32 Glattrohrkanonen. 09. September 1833: Bau der ersten Bundeseigenen Trockendocks.

04. Juli 1842: Erster erfolgreicher Test eines elektrisch ferngezündeten „Torpedos“. Dieser von Samuel Colt erfundene Mechanismus wird heute als Mine bezeichnet.

Ab 1842 erster Bauversuch eines „Ironclad“, d. h. eines gepanzerten mit Dampfantrieb versehenen Kriegsschiffes, zur Hafenverteidigung durch Robert L. Stevens. Es wurde jedoch auf Grund mangelnder Zuschüsse seitens des Kongresses und dauernder Veränderungen im Design bis zu dessen Tod im Jahre 1856 nicht fertiggestellt und danach aufgegeben.

05. Dezember 1843: Stapellauf des ersten vorgefertigten Schaufelraddampfers in Erie, Pennsylvania. Seine Einzelteile waren in Pittsburgh hergestellt und zur Montage nach Erie gebracht worden. USS Michigan war damit auch das erste Kriegsschiff der Vereinigten Staaten mit einer Hülle aus Eisen.

10. Dezember 1843: Stapellauf des ersten Dampfkriegsschiffes mit Schraubenantrieb. Antrieb und Propeller der USS Princeton wurden von John Ericson erfunden. Gleichzeitig wurden auf ihr die ersten beiden 30 cm Glattrohrkanonen erprobt.

Ab 1847 entwickelte Lieutenant John A. Dahlgren neue Geschütze mit glattem Lauf für die Seestreitkräfte, welche nach ihm Dahlgrens benannt wurden.

Bis zum Jahr 1853 verfügte die U. S. Navy nur über 18 dampfbetriebene Kriegsschiffe. Die Erfahrungen der europäischen Großmächte im Krimkrieg führten jedoch dazu, dass der Kongress ab 1854 innerhalb von fünf Jahren 30 zusätzliche Dampfschiffe bauen ließ um nicht den internationalen Anschluss zu verlieren. Sechs davon waren Dampffregatten mit vierzig und mehr Geschützen und zwölf Dampfsloops mit zwanzig Geschützen. Die Senatoren der südlichen Staaten stimmten diesem Bauprogramm erst zu nachdem abzusehen war, dass der Tiefgang dieser neuen Schiffe für die Häfen des Südens zu tief war.

Im Jahr 1861 besaß die U. S. Navy 90 Schiffe von denen 21 als unbrauchbar betrachtet wurden und nur 42 im aktiven Dienst waren.

Die kriegstechnischen Bedingungen in der Marine im Norden nach Beginn des Bürgerkrieges

Am 01. März 1861 war Gideon Welles von Lincoln zum Marineminister berufen worden. Welles war bereits von 1845 bis 1849 Leiter der Abteilung für Bekleidung und Nachschub des Marineministeriums gewesen und hatte diese reformiert. Er war zwar aus rein politischen Gründen von Lincoln in sein neues Amt geholt worden, bewies aber in den darauffolgenden Jahren seine Handlungsfähigkeit. Als seinen Stellvertreter berief er Gustavus V. Fox, einen ehemaligen Marineoffizier, der ebenso seine administrativen Fähigkeiten bewies. Welles stand vor dem Problem, dass seine Marine für die von Lincoln ihr gestellte Aufgabe einer Seeblockade nicht geeignet war, da sie zu Beginn des Krieges nur aus 90 Einheiten bestand. Aus diesem Grund veranlasste er ein Sofortprogramm, welches den Bau sogenannter 90-Tage Kanonenboote und die Beschaffung ziviler Schiffe vorsah, die für den Blockadedienst und dem Dienst auf dem Mississippi geeignet waren. Ende Dezember 1861 verfügte der Norden über 264 Schiffe. Am Ende des Krieges waren es sogar 626 Schiffe. Der Schiffneubau fand sowohl auf privaten als auch auf marineeigenen Werften statt. Welles war bekannt, dass der Süden probieren würde entweder selbst gepanzerte Dampfschiffe zum Brechen der Blockade zu bauen oder sich diese in Europa zu beschaffen. Der Stapellauf des gepanzerten französischen Dampfkriegsschiffes mit Schraubenantrieb und Segelunterstützung Gloire 1860 und des britischen Warrior 1861 hatten die Seekriegsführung revolutioniert. Obwohl die Amerikaner schon seit 1842 bis 1856 mit einem sogenannten Ironclad experimentiert hatten, waren diese Versuche jedoch erfolglos geblieben. Der Kongress hatte für diesen Fehlversuch 500.000 Dollar bewilligt. Da Welles sich dessen bewusst war, musste er an das Problem der Schaffung einer eigenen „Ironcladflotte“ vorsichtig herangehen, da er befürchtete, der Kongress würde dies als Geldverschwendung ansehen. So berichtete er zwar in seiner ersten Rede vor dem Kongress am 04. Juli 1861 von der kriegswichtigen Bedeutung dieser Schiffsgattung, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass diese sehr kostspielig sein würden. Daher bat er zuerst nur um die Bewilligung einer Abteilung zur Untersuchung dieses Themengebietes. Zu seiner Überraschung wurde ihm ein Monat später nicht nur diese Abteilung gewährt, sondern auch die Summe von 1.500.000 Dollar zum Bau von einem oder mehreren Versuchsträgern. Diese neugeschaffene Abteilung, die auch Ironclad Board genannt wurde, unterstand Commodore Joseph Smith, Captain Hiram Paulding und Commander C. H. Davis. Sie untersuchten zahlreiche eingereichte Konstruktionsskizzen für Ironclads, von denen dann drei für einen Probebau vorgeschlagen wurden.

Ein vom Marineingenieur Pook entworfenes Ironclad wurde bei C. H. Bushnell in New Haven in Connecticut in Auftrag gegeben. Die Geschütze waren noch auf den Breitseiten verteilt, wie zum Beispiel auch bei Gloire, Warrior und den amerikanischen Schraubenfregatten. Ebenso verfügte es noch über einen Mast zur Unterstützung der dampfbetriebenen Schraube und über einen Bugspriet ohne Rammsporn. Das Neue an ihm war die Panzerung, welche aus zwei neun bis zehn cm dicken Eisenschichten bestand, die voneinander durch eiserne Träger getrennt waren, ohne dass sie auf einen hölzernen Rumpf aufgebracht wurden. Es wurde als USS Galena im April 1862 in Dienst gestellt und kostete 247.284 Dollar.

Das zweite in Auftrag gegeben Schiff war die USS New Ironsides. Es war gänzlich den schon genannten europäischen Vorbildern nachempfunden worden. Das Ironclad besaß drei Masten, die Batterien in den Breitseiten, einen dampfbetriebenen Schraubenantrieb und die eiserne Panzerung war auf einem hölzernen Rumpf aufgebracht worden. Gebaut wurde es von Merrick & Sons in Philadelphia. Im Januar 1863 wurde es in Dienst gestellt.

Das dritte vorgeschlagene Schiff wurde nicht gebaut. Stattdessen wurde ein Schiff gebaut dessen Konstruktionsskizze Welles von Bushnell, der die USS Galena baute, vorgeschlagen wurde. Bushnell hatte diese Skizze von John Ericson, der bereits während des Krimkrieges erfolglos versucht hatte diese Idee an Frankreich zu verkaufen. Da Bushnell sich sicher war den Bauauftrag für dieses absolut neuartige Schiff nicht auf direktem Weg vom Ironclad Board zu erhalten, sorgte er dafür das Ericson seine Ideen erst Lincoln vorstellen konnte. Dieser beeinflusste das Board trotz dessen Einwende zur Erteilung des Bauauftrages. Der Kiel des Schiffes wurde am 25. Oktober 1861 gelegt und bereits am 25. Februar 1862 wurde es als USS Monitor in Dienst gestellt. USS Monitor besaß keine Masten, keinen Bugspriet und außer dem Geschützturm und dem gepanzerten Ruderhaus keine Aufbauten. Der Rumpf ragte nur 45 cm über dem Wasser auf. Dadurch konnte er mit fünf Lagen 2,5 cm dicken Eisens auf eichenen Rumpf gepanzert werden. Hierdurch blieb auch genug Gewichteinsparung übrig für die 20 cm dicke Panzerung des Geschützturmes ohne das die Hochseetüchtigkeit verloren ging.

Angetrieben wurde es von einer dampfbetriebenen Schraube. Die Dampfmaschine sorgte auch dafür das der Turm bewegt werden konnte. Monitor verfügte zwar nur über zwei 27,5 cm Dahlgren Glattrohrgeschütze, konnte diese jedoch durch den drehbaren Turm in alle Richtungen einsetzen und brauchte sich nicht erst in eine günstige Schussposition zu manövrieren, wie es die anderen damals verwendeten Kriegsschiffe machen mussten.

Von diesen drei Bautypen setzte sich die nach ihrem ersten Baumuster benannte Monitorklasse durch. In mehreren verschiedenen Weiterentwicklungen, zum Beispiel mit zwei Türmen, zwei Schrauben oder als Flusskriegsschiff wurde es zum meist verwendeten Ironclad in der U. S. Navy.

Neben diesen Ironclads entwickelte der Norden auch eine Reihe von Spezialschiffen, die auf unterschiedliche Einsatzgebiete zugeschnitten waren. Hierbei ist auch festzustellen, dass bei der Aufrüstung der Flotte dampfbetriebene Schiffe sich durchsetzten und reine Segelschiffe, wie es sie noch vor dem Krieg in der U. S. Navy gegeben hatte, nicht mehr gebaut und vorhandene nur noch als Versorgungsschiffe eingesetzt wurden. Da jedoch der Dampfantrieb noch äußerst uneffizient war durch die geringe Maschinenleistung und den hohen Kohleverbrauch, behielten zumindest die Hochseeschiffe , außer den Monitoren, eine Hilfsbesegelung bei.

Für den Flusskrieg, vor allem auf dem Mississippi, wurden sogenannte Doppelender entwickelt. Diese verfügten anstatt über einen Bug und ein Heck über zwei Büge und einem Schaufelradantrieb an den Seiten oder im Zentrum des Bootes. Dadurch waren sie in der Lage sowohl vorwärts als auch rückwärts ohne Einschränkungen zu fahren.

Auch wurden spezielle Rammschiffe entwickelt, die nur partiell gepanzert waren und der Hauptbewaffnung aus einem Rammsporn bestand. Manche verfügten auch über einen Speartorpedo, d. h. einer langen Stange an deren Ende ein Sprengsatz mit Aufschlagzünder angebracht war. Dies führte auch zu einer eigenen Klasse von Torpedobooten.

Außerdem wurden im Laufe des Krieges Mörserschooner in Dienst genommen, als erkennbar wurde, dass kombinerte Aktionen zwischen Heer und Marine möglich waren und die Marine auch mehrere eigenen Landungsunternehmen , wie zum Beispiel in New Orleans oder Mobile, durchführte. Diese Boote verfügten über einen 32,5 cm Belagerungsmörser der in hohem Bogen Granaten über 3 km hinweg in gegnerische Stellungen feuern konnte.

Auf den Flüssen fanden auch nachträglich gepanzerte ehemalige Flussschiffe Verwendung, deren Panzerung nur die wichtigsten Sektoren, wie die Maschinen, Steuerhäuser und Schaufelräder abdeckte. Zum Teil wurde auch mit nasser Baumwolle als Schutz experimentiert.

Zum Schutz der Handelsschifffahrt und zur Jagd auf die konföderierten Handelszerstörer wurden zusätzlich zu den bereits vorhandenen Rad- und Schraubendampfern mit Holzrumpf und Besegelung neue Kreuzer gebaut. Diese hatten aber im Gegensatz zu den europäischen Kreuzern immer noch Holzrümpfe, was ihre Größe und Tragfähigkeit beeinträchtigte.

Die Bedingungen im Süden

Der Süden stand vor dem Problem, dass er außer über ein paar zu Beginn beschlagnahmter Schiffe über keine eigene Flotte verfügte. So musste der Marineminister des Südens Stephen R. Mallory eine komplette Flotte erst einmal aufbauen. Mallory war als Senator des Staates Florida während den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts Vorsitzender des Senatsausschusses für Marineangelegenheiten gewesen. Hierdurch war er sehr vertraut mit der Thematik worden und hatte auch einen Eindruck über die Entwicklungen in Europa gewinnen können. Mit diesem Hintergrund konnte er den Grundstein für eine konföderierte Flotte legen. Zu seinem Vorteil interessierte sich Jefferson Davis nicht für maritime Angelegenheiten und mischte sich deshalb auch nicht ein. Er war aber ebenso wie die Heeresführung durch den Hang der Einzelstaaten zur Bildung eigener Armeen und Marinen behindert. Auch die Verleihung von Kaperbriefen an Privatleute durch Davis behinderte den Aufbau, da diese zwar schnell anfingen sich Schiffe auszurüsten, aber dadurch Konkurrenz um die begrenzten Ressourcen schufen. So wurde auch manches Kaperschiff per Dekret beschlagnahmt und in den Dienst der Konföderation gestellt, wie zum Beispiel die CSS Manassas.

Die größte Schwierigkeit im Errichten dieser Flotte war die prekäre wirtschaftliche Lage des Südens. Es gab keine wichtigen Fabriken, keine bedeutenden Erzvorkommen und außer in New Orleans nur wenige private Werften. Der Süden besaß 1860 36 reguläre Werften. Von den 96 Eisengießereien und 82 Rollwerke hatten nur 11 gerade die benötigten Kapazitäten. Die einzige große Eisengießerei waren die Tredegar Iron Works in Richmond. Der Staat Pennsylvania produzierte genauso viel Eisen wie der ganze Süden. Ebenso verfügte der Süden nur über 100 Fabrikationsanlagen für Dampfmaschinen. Die Situation konnte während des Krieges auch nicht mehr verbessert werden, da es an ausgebildeten Fachpersonal ermangelte. Ein anderes Problem war das kaum vorhandene Eisenbahnnetz. Da es im Laufe des Krie ges komplett der konföderierten Armee unterstellt wurde, kam es zu immer größeren Produktionsengpässen an den einzelnen über den ganzen Süden verteilten Werften. Manche Produktionsstätte verfügte nicht einmal über einen Eisenbahnzugang. Um diese Schwierigkeiten auszugleichen verfolgte der Süden mehrere Lösungen. Zum einen beschloss Mallory den Bau mehrerer Ironclads, die mit Rammen versehen die Blockade des Nordens brechen sollten. Zum anderen schickte er Commander James D. Bulloch nach Europa um dort die dringend benötigten Schiffe zu beschaffen. Seine Hoffnung war, dass man vielleicht von Frankreich eines der Schiffe der Gloire Klasse erwerben könne. Bulloch konnte zwar im Laufe des Krieges mehrere Handelszerstörer beschaffen und bauen lassen, welche dann aus Neutralitätsgründen außerhalb der jeweiligen Hoheitsgewässer bewaffnet wurden, sein Versuch jedoch Ironclads für den Süden zu beschaffen, scheiterte an den Gegenmaßnahmen der Unionskonsuln. Alle in Europa in Auftrag gegebenen Ironclads wurden an andere Staaten verkauft.

Die Ironclads die der Süden selber baute, waren alle dem Baumuster der CSS Virginia, ehedem USS Merrimack, nachempfunden. Wobei jedoch Ironclads mit Schaufelradantrieb vorherrschten. Die CSS Virginia war als USS Merrimack 1855 in Dienst gestellt worden. Sie war eine schraubenangetriebene Fregatte mit Segeln. Wegen Reparatur lag sie Ende 1860 in der Gosport Navy Werft in Virginia. Als Virginia die Union verließ, wurde sie zusammen mit 6 anderen Schiffen am 20. April 1861 in Brand gesetzt bevor die Unionstruppen die Werft aufgaben. Die Konföderierten erstickten jedoch schnell die Flammen und bargen die USS Merrimack. Der Rumpf und die Dampfmaschine waren intakt, obwohl das Schiff bis zur Wasserlinie abgebrannt war. Mallory befahl am 11. Mai 1861 aus ihr das erste konföderierte Ironclad zu machen. Sie erhielt als einzigen Aufbau eine gepanzerte Zitadelle, die den Großteil des Schiffes einnahm. Die Panzerung bestand aus zwei Lagen 5 cm dickem Eisen, welche auf eine 60 cm dicke Eichenschicht aufgebracht wurde. Es besaß jeweils drei Geschütze im Bug und Heck und jeweils vier in den Breitseiten. Außerdem wurde ein Rammsporn angebracht. Für die Panzerung waren aus Materialmangel Eisenbahnschienen verlassener Streckenabschnitte ausgerollt worden. Durch diese Veränderungen war das Schiff behäbiger geworden, da die Maschine nicht dafür ausgelegt war solch eine Masse zu bewegen. Auch die Ruderanlage war überfordert. Mallory ging aber davon aus, dass ein solches Schiff reichen würde die gesamte Holzflotte der Union zu versenken, da die Panzerung der CSS Virginia zu diesem Zeitpunkt als undurchdringlich galt. In ihrem ersten Gefecht am 8. März 1862 zeigte sie anfangs dann auch ihre Überlegenheit über die ungepanzerten Schiffe der Union. Jedoch waren auch Schwachstellen zu entdecken, wie ihre geringe Bewegungsfähigkeit oder ihr Rammsporn, der im Gefecht abbrach. Das aller erste Gefecht zwischen zwei Panzerschiffen USS Monitor und CSS Virginia am nächsten Tag endete Unentschieden. Es bekräftigte aber die Einstellungen beider Seiten, dass nur Ironclads andere Ironclads aufhalten konnten, da während des Gefechtes die Panzerung beider Schiffe durch ihren Gegner nicht durchdrungen werden konnten. So beharrten beide Seiten auf ihren jeweiligen Designs und setzten den Bau dieser Klassen fort.

Die fehlenden Ressourcen zum Aufbau einer großen Flotte führten im Süden dazu, dass man anfing andere Möglichkeiten zu suchen die Blockadeschiffe zu vernichten.

So griff man die von Samuel Colt entwickelten „Torpedos“ wieder auf um die Hafeneinfahrten zu schützen. Diese Minen gab es in zwei Hauptvarianten. Die eine Art war an Ankerketten unterhalb der Wasseroberfläche verankert und wurde elektrisch durch einen Beobachter gezündet, die andere bestand aus zwei Hälften die durch einen Draht miteinander verbunden im Wasser trieben, wobei jede Hälfte über einen Aufschlagzünder verfügte. Ein über den Draht fahrendes Schiff zog diesen zusammen, so dass beide Hälften beim Kontakt mit der Bordwand detonierten. Diese Aufschlagszünder wurden auch bei den schon genannten Spear torpedos verwendet. Der Süden hatte als Träger für diese Waffe kleine schmale Dampfschiffe entwickelt, die nach dem ersten Baumuster Davids genannt wurden. Diese liefen dicht über der Wasseroberfläche um nicht so leic ht erkannt zu werden.

Ebenfalls mit einem Speartorpedo war das erste U-Boot ausgerüstet, das einen erfolgreichen Unterwasserangriff gegen ein Kriegsschiff fuhr. Die CSS Hunley, benannt nach ihrem Erbauer, hatte während ihrer Erprobungsphase mehreren Menschen das Leben gekostet, kam aber dennoch am 17. Februar 1864 zum Einsatz und versenkte die USS Housatonic. Dabei ging sie selbst verloren. Der Norden griff diese Idee auf und experimentierte eine Zeitlang mit der USS Intelligent Whale. 1872 wurden diese Versuche jedoch eingestellt.

Wie der Norden versuchte es auch der Süden mit der Konstruktion von Rammschiffen.

Die vom Süden verwendeten Handelszerstörer beruhten wie auch ihre Gegner, die Kreuzer der Union, auf schon vor dem Krieg verfügbaren Baumustern, wobei auch modifizierte Handelsschiffe verwendet wurden.

Die Bedeutung der Artillerie

Im Norden wie im Süden wurden auf den Schiffen und Booten Geschütze mit glattem und mit gezogenem Rohr eingesetzt. Geschütze wurden entweder nach ihrem Kaliber, das ist der Innendurchmesser des Rohres oder dem Geschossgewicht bezeichnet. Ebenso unterschied man, ob es sich um Vorderlader oder Hinterlader handelte. Vorderlader mussten ins Schiffsinnere gezogen werden um sie von ihrer Mündung aus zu bestücken. Hinterlader hingegen besaßen einen beweglichen Block an ihrem Ende und konnten dadurch von hinten geladen werden. Dies führte zu einer Raumersparnis und zu einer schnelleren Ladetätigkeit. ZU Beginn des Krieges war jedoch dieses System noch nicht ausgereift genug für einen massenhaften Einsatz. Beide Seiten verwendeten den von Dahlgren entwickelten Geschütztyp. Dieser hatte den entstehenden Druck beim Abfeuern an den einzelnen Stellen des Rohres gemessen und eine Waffe entwickelt die bar jeder Verzierung und an jeder Stelle des Laufes so dick war, wie es der dort entsprechende Druck vorgab. So erhielten die Dahlgrens eine Birnenform, die es ihnen ermöglichte immer größere Kaliber über größere Entfernung bei besserer Genauigkeit zu verschießen. Ebenso wurde hierdurch das Geschossgewicht und die Reichweite erhöht. Die Dahlgrens besaßen alle einen glatten Lauf, d. h. das Innere des Rohres war glatt ohne jede Vertiefung. Gezogene Rohre besitzen hingegen auf der Innenseite des Rohres Züge und Felder, d. h. in ihnen sind mehrere Rillen eingefräst, die Züge genannt werden. Diese Rillen bewirken, dass das Geschoss beim Abfeuern in Rotation versetzt wird . Hierdurch wird die Zielgenauigkeit und Reichweite verbessert. Durch die zunehmende Panzerung der Schiffe war man gezwungen immer größere Kaliber zu verwenden um die Panzerung zu penetrieren. Für die Monitore des Nordens war sogar eine Turmbewaffnung mit 52 cm Kaliber vorgesehen. Da auch die Panzerung Beschränkungen unterworfen war, fing man an die Seiten der Schiffe abzuschrägen. Die s hatte zur Folge, dass auftreffende Geschosse abgelenkt wurden oder an Kraft verloren. Bereits die Beschießung von Fort Sumter hatte gezeigt, dass die Dahlgrengeschütze keine Probleme mit senkrechten Mauern hatten. Ein Problem dass vor allem die Ironclads hatten, war das diese Geschütze nicht Steilfeuer geeignet waren, d. h. die Flugbahn dieser Geschosse war kein Bogen sondern eine abflachende Gerade. Da die Monitore schon sehr flach im Wasser lagen, wurden auf manchen zusätzlich zu ihren Hauptwaffen noch Haubitzen eingesetzt, die es ermöglichten gegen das Innere von Küstenverteidigungen vorzugehen.

Als Munition dienten Granaten mit Zeit- und Sprengzündern, sowie Kugeln, die nur durch ihre Masse wirkten.

Schlussbemerkung über den tatsächlichen Gefechtswert gepanzerter Schiffe

Am nachhaltigsten für die weitere Entwicklung der Marinen sowohl in Amerika als auch in Europa war die Einführung gepanzerter Schiffe. Geradezu revolutionär war die Entwicklung der Monitore mit ihren drehbaren Geschütztürmen. Andere Experimente des Bürgerkrieges waren nach dessen Ende wieder in der Versenkung verschwunden. U-Boote, Minen und Torpedos wurden wegen noch zu geringer Akzeptanz durch die Flotten erst einmal nicht weiterentwickelt. Man hatte in ihnen während des Bürgerkrieges kein großes Potential entdecken können, wie es fünfzig Jahre später der Fall war. Die Monitore, aber nicht die gänzlich anders gebauten Ironclad des Südens und die Konkurrenten im Norden, wie Galena oder New Ironsides, wurden jedoch ausschlaggebend für eine Entwicklung, die in den großen Schlachtschiffen des 2. Weltkrieges ihr Ende fand. Dabei ist der Nutzen der Ironclads während des Bürgerkrieges zum Teil fraglich. Sie hatten im Vergleich mit den durch Schrauben angetriebenen Dampffregatten eine viel geringere Bewaffnung. Dies führte dazu, dass sie ihm Einsatz gegen Küstenforts zwar ohne weiteres bis auf optimale Schussentfernung gehen und dem gegnerische Feuer sehr lange widerstehen konnten, dabei aber selber keinen ernst zu nehmenden Schaden anrichteten. Ihre Geschwindigkeit war durch ihre noch nicht gänzlich ausgereiften Maschinen viel geringer als bei anderen Dampfkriegsschiffen. Auch ihre Steuerung war behäbiger. Ihr hoher Kohleverbrauch verursachte einen geringeren Aktionsradius. Darunter litt auch ihre Hochseetauglichkeit. Turmtreffer konnte zum Ausfall des Drehmechanismus führen. Die genietete Bauweise hatte zur Folge, dass bei Treffern die Bolzen zu fliegenden Geschossen wurden, die im Innerraum Schaden anrichteten. Dem Vertrauen, welches Welles in die Monitore gesetzt hatte, wurden sie nicht vollständig gerecht. Der Versuch Charleston nur mit Monitoren zu erobern scheiterte. Auch der berühmteste Unionsadmiral Farragut benutzt lieber die Schraubenfregatten und Sloops, da auf ihnen eine stärkere Feuerkraft vereint war. Er verwendete die Monitore nur zur Abwehr feindlicher Ironclads, deren Rammangriffe er fürchtete, obwohl der Beweis während des Krieges ausblieb, ob die Gefahr durch Rammangriffe nicht zu übertrieben betrachtet wurde, da in vorausgegangenen Gefechten rammende Ironclads einfach zu unbeweglich waren um ihrem Ziel zu folgen, sobald es auswich. Justus Scheibert schrieb direkt nach dem Krieg, dass er diese Panzerschiffe als Fehlentwicklung ansehe. Er vertrat die Ansicht, dass ein ungepanzertes Schiff viel mehr Waffen und stärkere Kaliber tragen konnte und damit durch dem mittlerweile sehr gut gezielten Beschuss die Panzerung eine Ironclad knacken könnte. Dennoch setzte sich dieser Schiffstyp durch und wurde durch seine kontinuierliche Weiterentwicklung für fast achtzig Jahre Kriegsbestimmend.

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Die militärtechnischen Bedingungen der Marinen im amerikanischen Bürgerkrieg
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V97306
Dateigröße
344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedingungen, Marinen, Bürgerkrieg
Arbeit zitieren
Marc-Oliver Mögle (Autor), 2000, Die militärtechnischen Bedingungen der Marinen im amerikanischen Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97306

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